Mitläufereffekt: Plötzlich ist eine Mehrheit für Zensur

Schon 1975 hat Kurt Holm in seinem Standardwerk über die Befragung den Mitläufereffekt als Mittel der Meinungsmanipulation in Umfragen beschrieben. Den Befragten wird suggeriert, dass zu einer bestimmten Frage bereits eine Mehrheit oder eine Obrigkeit oder eine Autorität zu einem bestimmten Urteil gekommen ist und dann werden die Befragten gefragt, zu welchem Urteil sie denn kommen: „Dieser Appell an den Mitläufereffekt“, so schreibt Holm, hat „natürlich nur einen Sinn, wenn der Befragte auch tatsächlich unter dem Eindruck steht, dass so wie er denkt und handelt, auch viele andere denken und handeln, ohne offen darüber zu sprechen“ (Holm, 1983: 63).

Holm_Entsprechend kann der Mitläufereffekt auch als Variante sozialer Erwünschtheit angesehen werden, soziale Erwünschtheit, die darin besteht, mit seiner Meinung die Mehrheitsmeinung zu repräsentieren, sich als Mitglied der Mehrheit, der In-Group darzustellen, nicht als Außenseiter mit abweichender Meinung.

In jedem Fall führen Mitläufereffekt und soziale Erwünschtheit dazu, dass Befragte den Befragern nach dem Mund reden, was Letztere leidlich ausnutzen, wenn es darum geht, eine bestimmte Verteilung von Antworten in angeblich repräsentativen Befragungen herbei zu manipulieren.

YouGov leistet dies seit neuestem sogar in besonders innovativer Weise und in eigenen Worten dadurch, dass „1036 Personen ab 18 Jahren im Zeitraum vom 7. bis 11. April repräsentativ befragt“ wurden. Wie man repräsentativ befragt, ist eine Frage, die mit Sicherheit niemand bei YouGov beantworten kann, einfach deshalb nicht, weil die Formulierung vollkommener Unsinn ist.

Aber darum geht es auch nicht. Es geht darum, mit dem Wörtchen „repräsentativ“ jenen Köder zu legen, den Journalisten gerne fressen, so dass die Ergebnisse von YouGov ihren Weg in die Medien Deutschlands finden, sich dort in Schlagzeilen wie: „Mehrheit der Deutschen finden Gesetzentwurf gegen Hasskommentare sinnvoll“ niederschlagen.

Die Mehrheit der Deutschen hat mit Sicherheit keine Ahnung, was in dem Gesetzentwurf, den sie nach den Ergebnissen, die YouGov verkaufen will, „sinnvoll finden“, steht. Entsprechend muss diese Mehrheit, nicht der Deutschen, sondern der 1036 Befragten, die YouGOV zusammenbekommen hat, auf das Vertrauen, was YouGOV an Informationen über den Gesetzentwurf bereitstellt.

YouGov Stellt diese Informationen bereit:

You Gov Hasskomentare Grafik 1„Die Bundesregierung will stärker gegen Hasskommentare und Falschnachrichten im Internet vorgehen. Sie stimmte dem Gesetzentwurf von Justizminister Heiko Maas zu. Dieser sieht vor, dass Betreiber sozialer Netzwerke innerhalb von 24 Stunden strafbare Inhalte löschen müssen. Sonst drohen im Extremfall bis zu 50 Millionen Euro Bußgeld. Sind Sie der Meinung, dass dieses Vorgehen sinnvoll ist, um gegen Hasskommentare und Falschnachrichten im Internet vorzugehen?“

Die Mehrheit der Befragten, die nicht wissen, was im Gesetzentwurf steht, erfährt von YouGov, dass das, was sie nicht kennen, von der Bundesregierung bereits abgesegnet wurde, dass Betreiber sozialer Netzwerke strafbare Inhalte löschen müssen, die zwar wenig mit Hasskommentaren und gar nichts mit FakeNews zu tun haben, aber dennoch mit beidem in Verbindung gebracht werden. Sie werden dann gebeten, anzugeben, ob das Gesetz, mit dem gegen strafbare Inhalte in sozialen Netzwerken vorgegangen werden soll, ein Vorgehen, von dem sie zwar nicht wissen, wie es aussieht, so dass sie es auch nicht beurteilen können, von dem ihnen aber gesagt wurde, dass es gegen strafbare Inhalte gerichtet sei, also gegen Kriminalität und dass es die Bundesregierung bereits abgesegnet habe, auf jeden Fall sinnvoll ist, eher sinnvoll ist, eher nicht sinnvoll ist oder auf keinen Fall sinnvoll ist.

Und als wäre der Aberwitz nicht bereits auf die Spitze getrieben, geben nunmehr die Befragten, zu dem, von dem sie nicht wissen, wie es funktionieren soll, weil es noch niemand weiß, nicht einmal Heiko Maas weiß es, eine Beurteilung darüber ab, ob das, von dem sie nicht wissen, wie es funktionieren soll, sinnvoll ist.

Letztlich misst die Frage von YouGov, die man nicht anders als als vollkommenen Blödsinn bezeichnen kann, Blödsinn, der mit Manipulationsabsicht in die Welt gesetzt wird, nichts, gar nichts.

Das hindert YouGov natürlich nicht daran, reißerische Schlagzeilen zu formulieren und das Ergebnis den Pressevertretern anzudienen, die gerne auf solche Ergebnisse zurückgreifen, um ihre eigene Ideologie bestätigt zu finden.

Fragt man nun, wie es dazu kommt, dass Meinungsforscher ihre Aufgabe vor allem darin sehen, Zustimmung zu dem herbei zu manipulieren, was als politisch Korrekt angesehen wird, dann bieten sich eine Reihe von Erklärungen an:

Die Erklärung durch Opportunismus: Meinungsforscher finden, was der, der die Meinungsforscher bezahlt, gerne erfunden hätte.

Die Erklärung durch Inkompetenz: Mit dem Advent des Genderismus an Hochschulen sind Methoden der empirischen Sozialforschung und die dazu gehörigen Kenntnisse weitgehend verschwunden. Die meisten Absolventen haben keine Ahnung mehr von Reliabilität und Validität und kennen auch die Kunst des Frageformulierens nicht einmal mehr vom Hörensagen.

Die Erklärung durch Isomorphie: Meinungsforscher rekrutieren sich alle aus dem selben Meinungssumpf, zeichnen sich alle durch die selbe Unkenntnis im Hinblick auf die Methoden empirischer Sozialforschung aus und sind entsprechend darauf angewiesen, Fragen zu kopieren und zu verwenden, die andere Meinungsforscher, die genauso inkompetent sind, aber nicht so zögerlich, bereits formuliert haben.

Welche Erklärung zutrifft, ist anyones guess.


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Steinmeier als Bundespräsident: So geht Meinungsmanipulation

Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach einem längeren Urlaub nach Hause und sind hungrig. Im Kühlschrank findet sich, der längeren Abwesenheit geschuldet, ein ranziges Stück Butter, ein Camembert, der über das Verfallsdatum ist, aber noch keine Verfallserscheinungen aufweist, Sie haben ein Stück Brot, das jeden Ziegelstein weich aussehen lässt und zudem finden Sie noch ein Glas Marmelade mit einer großartigen Schimmelpilzzucht „on top“. Wofür entscheiden Sie sich, wenn Sie sich entscheiden müssen?

Wetten, Sie essen den Camembert?

So geht suggestive Meinungsforschung. Trick 20 auf dem untersten Arsenal der Meinungsbeeinflussung funktioniert über die Unterdrückung von Alternativen oder sagen wir es mehr in Meinungsforschungsslang: Durch die unvollständige Vorgabe von Antwortalternativen.

Fragen wir also anders:
Wen können Sie sich am ehesten als Bundespräsidenten vorstellen?

  • schimmelpilzWolfgang Schäuble
  • Norbert Lammert
  • Winfried Kretschmann
  • Frank-Walter Steinmeier
  • Ursula von der Leyen
  • Margot Käßmann

Wem also trauen Sie am ehesten zu, das Amt des Bundespräsidenten auszufüllen, so hat TNS Emnid nach übereinstimmenden Meldungen, identischen Meldungen in ZEIT; FAZ und Spiegel gefragt? Und damit die Illusion, Sie hätten eine Wahl auch wirklich vorhanden ist, sind Mehrfachnennungen möglich, was natürlich völliger Blödsinn ist, wenn man danach fragt, wem ein Befragter am ehesten zutrauen würde, das Amt des Bundepräsidenten zu füllen (wohl mit seiner Persönlichkeit, nicht mit seiner Körperfülle). Und weil es völliger Blödsinn ist, Mehrfachnennungen zuzulassen, kann dahinter nur ein suggestiver Trick stehen: Wahltäuschung.

Die Wahl gleicht der, vor die Sie Ihr Kühlschrank nach Ihrer Rückkehr von einer längeren Abwesenheit gestellt hat und abermals wählen sie den Camembert, im übertragenen Sinne natürlich: „Mehrheit wünscht sich Steinmeier als Präsidenten“, lauten dann die entsprechenden Überschriften über dem entsprechenden Text, und bei der SPD frohlockt man: Der stellvertretende Vorsitzende der SPD, Olaf Scholz, meint: „Steinmeier ist der Politiker, den sich die meisten Deutschen als Staatsoberhaupt wünschen. Wer diesen Wunsch aus reiner Parteipolitik missachtet, schadet dem Ansehen der Demokratie“.

Ja, ja, mit dem Ansehen der Demokratie sind Politiker immer schnell bei der Hand, wenn Ihnen die Ergebnisse passen. Aber stellen wir uns nur einen Augenblick vor, ein Ministerpräsident ist so demokratisch gesinnt und fragt seine Bevölkerung, ob sie in der Europäischen Union bleiben will, und die Mehrheit der Bevölkerung sagt „nein“, ob der Demokratieachter Olaf Scholz aus Berlin dann immer noch der Ansicht wäre, man müsse den Willen der Mehrheit achten, weil alles andere der Demokratie schaden würde?

Wir alle kennen die Antwort. Der Opportunistenzirkus, der in Deutschland als Politik durchgehen soll, macht die Antwort jeden Tag aufs Neue deutlich.

Doch zurück zur manipulierten Camembert-Umfragen von TNS Emnid, bei der angeblich herausgekommen ist, dass die „Mehrheit der Deutschen“ Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsidenten sehen will.

Dorroch MeinungsmacherDie Manipulation hinter der Umfrage von TNS Emnid kann man anhand einer Umfrage von YouGOV deutlich machen. Die YouGOVer sind noch nicht so firm im deutschen Manipulationswesen und haben entsprechend gefragt, wen die Befragten am ehesten als Bundespräsidenten unterstützen würden. Die Frage trägt der Tatsache Rechnung, dass die Wahl des Bundespräsidenten über die Bundesversammlung erfolgt, deren Zusammensetzung wiederum Ergebnis eines Geschachers zwischen den Parteien ist, dass Bürger mit anderen Worten keinerlei Mitsprache bei der Wahl des Bundespräsidenten haben.

[Nebenbei an Herrn Scholz: 70% der Deutschen wollen den Bundespräsidenten direkt wählen. Den Willen der Deutschen zu ignorieren, würde der Demokratie Schaden zufügen, nicht wahr Herr Scholz? Wir haben extra eine entsprechende Umfrage von TNS Emnid gesucht, weil Herr Scholz ja den Umfragen von TNS Emnid vertraut.]

Zudem haben die YouGOVer ihre Befragten nicht gezwungen, sich für einen der Vorgeschlagenen zu entscheiden und das Ergebnis einer manipulationsfreien Befragung von 1040 Deutschen lautet:

  • 46% können sich keinen der Genannten als Bundespräsident vorstellen.
    Genannt wurden:
  • Frank-Walter Steinmeier (er kommt auf 13%);
  • Gregor Gysi (schafft 10%);
  • Norbert Lammert (müde 7%);
  • Winfried Kretzschmann (schlappe 4%);
  • Wolfgang Schäuble (gleich schlappe 4%);
  • Margot Käßmann (ebenso schlappe 4%);
  • Der Rest der Vorschläge verschwindet im Statistischen Fehler von 2%.

Die Umfrage von YouGOV legt somit den Schluss nahe, dass 87% der Deutschen, um in der hochtrabenden Sprache zu bleiben, mit der die Ergebnisse auf Basis von in der Regel 1000 Befragten in Deutschland immer hochstilisiert werden, Frank-Walter Steinmeier nicht als Bundespräsident sehen wollen. Die meisten Deutschen wollen gar keinen der Vorgeschlagenen als Bundespräsidenten sehen.

Sich dieser Meinung der meisten Deutsche zu widersetzen, würde der Demokratie Schaden zufügen – oder?

Test: Wie leicht lassen Sie sich vom BMFSFJ manipulieren?

Soziale Netzwerke liegen Politikern und Ministerien ja bekanntlich besonders am Herzen (oder im Magen). In sozialen Netzwerken, so hört man, gibt es Hate Speech, es werden Lügen verbreitet, Gerüchte hochgekocht, es wird manipuliert und getäuscht, dass sich die Balgen bieten. So jedenfalls die Folklore, die Politiker verbreiten. Und weil sie die ersten zu sein scheinen, die an ihre eigene Folklore glauben, deshalb treten manche von ihnen, allen voran das Propaganda-Ministerium, das angeblich auch etwas für Familie, Senioren und Jugendliche tut, in sozialen Netzwerken an, um deren Nutzer zu täuschen und zu indoktrinieren.

Testen Sie sich: Wie schnell gehen Sie dem BMFSFJ auf den Leim? Wie leicht sind Sie zu indoktrinieren und zu manipulieren?

Derzeit verbreitet man aus den Hallen des Ministeriums die folgende Meldung:

 

Nun, was haben Sie gedacht, was die Meldung aussagt? Dass 89% der Deutschen der Ansicht sind, dass Frauen schlechter bezahlt werden als Männer? Wenn ja, dann hat die Indoktrination bei Ihnen geklappt, und die Manipulation gleich mit, denn die Abbildung basiert auf der folgenden Frage, die Infratest Dimap im Rahmen einer Befragung gestellt hat, die bislang noch nicht veröffentlicht wurde, vermutlich damit niemand derjenigen, die den Suggestiv- bzw. Falschmeldungen des Ministeriums auf den Leim gegangen sind, merken, dass sie dem Ministerium auf den Leim gegangen sind.

Die Frage, auf der die Meldung oben basiert, lautet:

“Bekommen in Deutschland Frauen und Männer alles in allem den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit?”

framingScheinbar teilt man bei Infratest dimap nicht den Hang des Ministeriums, Bürger zu manipulieren und hat eine Frage gestellt, die aus methodischen Gesichtspunkten unsinnig ist und die entsprechend nur nutzbar ist, wenn man eine Ideologie an die Frage heranträgt. Denn: Als Forscher, der diese Frage vor sich hat, weiß man nicht, was die Antworten auf diese Frage aussagen: Bedeutet eine Zustimmung zu dieser Aussage, dass der Zustimmende der Ansicht ist, Männer werden nicht entsprechend ihren Leistungen bezahlt, was angesichts der Bevorzugung von Frauen im Rahmen des Staatsfeminismus eine Möglichkeit ist? Oder bedeutet die Zustimmung zu dieser Aussage, dass Befragte der vergangenen Indoktrination des BMFSFJ so auf den Leim gegangen sind, dass sie denken, Frauen würden für die gleiche Arbeit mit einem geringeren Lohn entlohnt?

Wir werden es nicht erfahren, denn die Befragten können nicht nachträglich befragt werden, was sie eigentlich gemeint haben, als sie die Frage beantwortet haben. Entsprechend können 88% der 89% der Meinung sein, Männer erhalten für die gleiche Arbeit nicht den gleichen Lohn wie Frauen. Es kann auch sein, dass 45,67% denken, Frauen würden bei gleicher Arbeit mit weniger Lohn nach Hause geschickt.

Die Frage ist absoluter Junk. Sie ist nicht verwendbar. Es sei denn, man ist gar nicht an der Frage und dem Ergebnis der Befragung interessiert, sondern lediglich daran, Material zu haben, um die eigene Ideologie zu verbreiten und andere zu manipulieren. Da das BMFSFJ munter verbreitet, kann man davon ausgehen, dass dort Letzteres der Fall ist und die Bezeichnung „Propagandaministerium“ eine sehr passende Bezeichnung ist.


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ARD-Deutschlandtrend: Freies Lügen für mehr Bürgerüberwachung

Es vergeht kein Tag mehr, an dem wir nicht einen Beitrag darüber schreiben könnten, wie Medien, Parteien, Funktionäre und Unternehmen versuchen mit Hilfe angeblicher repräsentativer Umfragen Meinung zu machen, zu beeinflussen oder schlicht Geheimdiensten dienlich zu sein.

Das neueste Beispiel kommt von der ARD und liest sich wie folgt:

“Eine breite Mehrheit der Deutschen wünscht sich nach den Anschlägen von Brüssel langfristig verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen und in Bahnhöfen. Auch, wenn damit höhere Kosten und Zeitverzögerungen einhergehen.”

Die breite Mehrheit der Deutschen umfasst 500 Befragte, die das Pech hatten von Infratest dimap angerufen zu werden. Die 500 Befragten sind mit Sicherheit eines nicht: eine für die deutsche Bevölkerung repräsentative Stichprobe, und sie können somit nicht als “Mehrheit der Deutschen” herhalten.

Offensichtlich wünscht sich der Redakteur der ARD, der für den unsäglichen Beitrag verantwortlich ist, eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen, also eine Einschränkung bürgerlicher Freiheit. Warum er sich das wünschen sollte? Vielleicht wird sein Gehalt zum Teil vom Geheimdienst finanziert, vielleicht erhält er ein Zubrot von Wachunternehmen, vielleicht ist er einfach nur ein Angsthase, der die phantasierte geringe Wahrscheinlichkeit, bei einem Terroranschlag zu Tode zu kommen zum Anlass nimmt, seine Angst anderen in die Schuhe zu schieben, vielleicht ist er ein Sicherheitsfetischist, dessen Haustür mit zehn Schlössern und acht Ketten gesichert ist (obwohl die meisten Einbrecher durch Fenster einsteigen). Wer weiß es. Artikel, wie der zum Deutschlandtrend in der ARD sind eines der Mysterien, mit denen sich die Sozialforschung seit Jahrzehnten herumschlägt.

Was haben Denunzianten davon, andere zu denunzieren? Was hatten Deutsche im Dritten Reich davon andere Deutsche bei der Gestapo anzuschwärzen? Was haben Deutsche davon, andere Deutsche auf Facebook zu stalken oder ihre Likes zu sammeln und dann, wenn sie eines finden, das z.B. bei der NPD verteilt wurde, die entsprechenden Personen bei deren Arbeitgeber anzuschwärzen?

Die normalen Antworten: einen Vorteil, einen finanziellen oder sonstigen Nutzen, sie scheinen da zu versagen, wo der Nutzen ein psychologischer ist, ein psychologischer Gewinn durch Schadenfreude, Niedertracht oder Gemeinheit.

ARD Sicherheit nach Bruessel

Keine Spur von Bahnhöfen, Flughäfen oder Wartezeiten!

Wie dem auch sei, was den Redakteur bei der ARD dazu getrieben hat, 500 Befragte eben einmal zu benutzen, um der Mehrheit der Deutschen zu unterstellen, sie sei für “verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen und Bahnhöfen”, wir werden es wohl nie erfahren. Deshalb ist es umso wichtiger, darauf hinzuweisen, dass die angebliche Mehrheit der Deutschen aus maximal 385 Befragten besteht und dass diese 385 Befragten nicht erkennbar gefragt wurden, ob sie verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen und Bahnhöfen befürworten, sondern offensichtlich nur, ob sie generell wollen, dass die Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland nach den Anschlägen in Brüssel verstärkt werden. Alles, was darüber hinaus geht, ist dann wohl der Phantasie des Redakteurs der ARD entsprungen.

Offensichtlich werden die Nachrichten bei der ARD phantasiert.

Wir haben vor zwei Tagen vorhergesagt, dass es nicht lange dauern wird, bis Terrorismus-Profiteure auf den Plan treten und Sicherheitsmaßnahmen, natürlich zum Schutz der Bürger, nicht zur Überwachung, verschärfen wollen. Die ARD, staatsdienlich wie eh und je, hat schnell reagiert und Infratest dimap in die Spur gesetzt, damit auch die Gunst der Stunde genutzt werden kann, die darin besteht, dass der Eindruck von den Anschlägen noch frisch ist und die Zahl derer noch groß, die amorphe Verschärfungen von Sicherheitsmaßnahmen befürworten, in der Hoffnung, sie könnten ein Risiko, das sowieso schon geringer ist, als das Risiko, in der eigenen Badewanne zu ertrinken, gegen die selbe Unsicherheit eintauschen, die sie vor der Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen hatten. Denn die Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen dient nicht dazu, das Risiko, Opfer eines Terroranschlages für Individuen zu reduzieren. Dieses Risiko ist bereits so gering, dass man es mit menschlichen Eingriffen nicht mehr reduzieren kann. Die Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen dient der Sicherheitsbranche, den Geheimdiensten und all denen, die mit der Überwachung der Bürger beschäftigt sind und das ist es dann, worum es wirklich geht: Die Überwachung der Bürger.

Offensichtlich ist man bei der ARD der Meinung, man müsse mit falschen Behauptungen und Lügen, die auf 385 Befragte zurückgreifen, dazu beitragen, dass die Überwachung der Bürger intensiviert wird.

Es wird Zeit öffentlich-rechtliche Anstalten, deren Bildungsauftrag zu einem Manipulationsauftrag verkommen zu sein scheint, aufzulösen.

 

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Meinungs-Manipulations-Feldzug gegen die AfD

Es gehört zu den Ironien des eigenen Lebens, dass man als Liberaler regelmäßig (politische) Überzeugungen verteidigt, die in manchen wichtigen Punkten nicht die eigenen sind. Liberale teilen entsprechend das Schicksal, für die Linke rechts zu sein und für die Rechten links. Dabei sind Liberale einfach Prinzipien verpflichtet, dem Prinzip der Meinungsfreiheit oder dem Prinzip der ehrlichen und anständigen, fairen Berichterstattung oder dem Prinzip der einem wissenschaftlichen Ethos entsprechenden und somit korrekten, falsifizierbaren und reliablen Forschung.

Und weil dem so ist, verteidigen wir Männerrechtler gegen Anfeindungen aus dem Lager der Genderisten. Deshalb verteidigen wir Wissenschaftilchkeit, gegen den Versuch von Genderisten, ihr den Garaus zu machen. Deshalb verteidigen wir das Recht von Bürgern anders handeln zu können als ihr Staat dies für richtig hält. Deshalb bekämpfen wir die vielfältigen Versuche, mit denen öffentliche Meinung manipuliert werden soll, Versuche, die nur allzu häufig auf die Mithilfe von Meinungsforschern zurückgreifen, bei denen Manipulation in dem Wörtchen “repräsentativ” verpackt wird.

Und deshalb verteidigen wir die AfD, die sich als demokratische Partei einer Kampagne ausgesetzt sieht, die man nicht mit demokratischen Werten vereinbaren kann und für die man sich als Demokrat eigentlich schämen müsste.

WELt AfdIm neuerlichen Feldzug geht es um die “Hälfte aller Deutschen”, die die AfD angeblich für verfassungsfeindlich hält. Die “Hälfte aller Deutschen”, deren Meinung N24 meldet, das sind 500 Befragte, die dieses Mal von Emnid befragt wurden. Und weil 500 doch sehr weit von 40.000.000 entfernt ist, deshalb braucht es ein Zauberwort, das die Strecke überbrücken hilft: Repräsentativ. Die 500 sind für die deutsche Bevölkerung repräsentativ, sind die deutsche Bevölkerung, sind “die Hälfte aller Deutschen”.

Warum man nicht längst aufwändige Wahlen durch eine repräsentative Befragung von Emnid, bei der 1000 Deutsche zufällig ausgewählt und angerufen werden, ersetzt hat, das ist eines jener Rätsel, das Repräsentativitäts-Fetischisten nicht zu lösen vermögen.

Wie dem auch sei, die “Hälfte aller [1000 von Emnid befragten] Deutschen” hält die AfD für verfassungsfeindlich. Und Repräsentativität ist nicht nur ein Zaubermittel, das es angeblich erlaubt, von wenigen auf alle zu schließen, nein, es ist auch ein Mittel, von wenigen auf noch weniger zu schließen. Repräsentativität ist wie ein Virus der sich in alle Richtungen ausbreitet.

“AfD-Wähler finden eigene Partei verfassungsfeindlich”, so titelt die WELT in einer Weise, die den journalistischen Ethos zu Grabe trägt. Denn, wie ein Weiterlesen zeigt, es sind nicht alle AfD-Wähler, die die eigene Partei verfassungsfeindlich finden, nein es sind “auch 13 Prozent der AfD-Wähler”, die “ihre Partei” als verfassungsfeindlich einordnen.

Natürlich ist auch dieses Ergebnis repräsentativ, 13% aller AfD-Wähler sind der Meinung, “ihre” Partei sei verfassungsfeindlich.

Doch wie viele sind die 13%?

Rechnen wir es aus.

Emnid hat nach eigenen Angaben “ca. 1000” Personen befragt. Offensichtlich weiß man bei Emnid nicht so richtig, wie viele es tatsächlich waren. Gewähren wir Emnid den “benefit of a doubt” und gehen davon aus, dass es tatsächlich 1000 Befragte waren und nicht weniger, wie das ca. nahelegt.

Nach aller Erfahrung der empirischen Sozialforschung geben von diesen 1000 Befragten auf die Frage, welche Partei sie wählen würden, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre, rund 75 an, dass sie keine Angabe machen wollen, weitere 75 sagen, dass sie nicht wählen wollen. Diese 150 Befragten sind zu Gunsten von Emnid gerechnet. Tatsächlich dürfte die Anzahl der Befragten, die eine Angabe zu ihrer Wahlabsicht machen, unter 85% aller Befragten liegen. Aber: Geben wir Emnid einmal mehr den “benefit of a doubt”.

Nun meldet N24 Folgendes:

“Bei der Sonntagsfrage kommt die AfD laut N24-Emnid-Umfrage auf 12 Prozent – ein Plus von 2 Prozent gegenüber der Vorwoche. Die Union verliert dagegen 2 Prozent und landet bei 34 Prozent. Die SPD erreicht 24 Prozent, die Linke 10 Prozent und die Grüne[n] 9 Prozent.”

Es gibt also 12% AfD Wähler unter den Befragten von Emnid. 850 haben eine Angabe zur Wahlintention gemacht. 12% von 850 entsprechen 102 Befragten. 102 Befragte gaben also an, AfD wählen zu wollen. Unter diesen 102 Befragten finden sich 13%, die die AfD für verfassungsfeindlich halten. 13% von 102 sind genau 13 Befragte.

13 Befragte!

13 Befragte rechtfertigen bei der WELT den Titel: AfD-Wähler finden eigene Partei verfassungsfeindlich.

das-letzte luegenpresseEine solche Schlagzeile hat ebenso, wie die entsprechende Interpretation der Befragung von Emnid nichts mehr mit Journalismus zu tun. Es gibt keinen Ethos, mit dem man einen derartigen Versuch, Leser für dumm zu verkaufen, rechtfertigen könnte. Insofern man nicht annehmen will, dass der für diese Überschrift verantwortliche Redakteur vollkommen debil ist, muss man Absicht unterstellen, Absicht, die AfD zu diskreditieren. Abermals ist dies nichts, was mit einem wie auch immer gearteten Pressethos zu vereinbaren ist. Es ist eher etwas für den Presserat, der doch angeblich darüber wacht, dass Berichterstattung in Deutschland die Prinzipien von Lauterkeit und Fairness achtet.

Wer nach diesem neuerlichen Beleg dafür, wie mit dem Begriff “Repräsentativität” Schindluder getrieben wird, immer noch der Ansicht ist, man könne eine Idealvorstellung der Stochastik in die Wirklichkeit übertragen und von 1000 Befragten auf “alle Deutschen” hochrechnen, der muss sich nicht wundern, dass andere ihn für einen Trottel halten, den man mit einem Verweis auf Repräsentativität nach freiem Belieben manipulieren kann, dem man 13 Befragte als alle AfD-Wähler unterschieben kann.

Alle anderen, die die Argumente, warum das Ideal der Repräsentativität außerhalb der Quadrate des Mathematikheftes nicht erreichbar ist, noch einmal nachlesen wollen, können dies in unserem Beitrag “Mythos der Repräsentativität” tun.

Da man kaum weiter vom journalistischen Ethos entfernt sein kann, als die WELT dies heute demonstriert hat, muss man als anständiger Mensch eine entsprechende Entfernung zwischen sich und die WELT bringen und ein Abo, so vorhanden, nunmehr kündigen.

 

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