“Hurra, Hurra, die Schule brennt”: Brandstiftende Söhne Hamms

Die vielleicht wichtigste Methode im Arsenal von Sozialwissenschaftlern ist der Vergleich, der zwischen Gesellschaften, der über Zeit, der zwischen gesellschaftlichen Gruppen, der Vergleich, der in Methoden der Sozialwissenschaften immer seltener vorkommt. Am Ende kommt noch etwas zum Vorschein, was politisch nicht korrekt ist und die Karriere des Wissenschaftlers, der sein Heil an Institutionen sucht, gefährdet, z.B. dadurch, dass er Verantwortung übernehmen oder – fast schlimmer – Stellung beziehen muss.

Wir mögen Vergleiche zwischen Gesellschaften gerne, Vergleiche über Zeit aber fast noch lieber.

Z.B. Vergleiche mit den 1980er Jahren, die nach unserer Ansicht die goldenen Jahre der Freiheit und Demokratie waren, so wie es die Goldenen Zwanziger Jahre für die Weimarer Republik waren.

Es war genau im Jahr 1980, als eine Band mit dem Namen „Extrabreit“ ein Lied veröffentlicht hat, das man heute als sexistisch bezeichnen würde, in dem ein Aufruf zur Zerstörung öffentlichen Eigentums gesehen würde, das eine diskriminierende Komponente enthält, weil behauptet wird, es seien die sozial Benachteiligten, die kriminell sind und zerstören und von dem natürlich jeder Politiker mit Profilierungsbedürfnis behaupten würde, dass es dazu beitrage, Brandstiftung zu legitimieren und im Ende bliebe nichts anderes als zu konstatieren, dass Extrabreit eine rechtsextrem faschistische, Gewalt verherrlichende und sexistische Band weißer Männer ist, deren Lieder bei Radio Bremen mit Sicherheit nicht mehr ausgestrahlt würden.

Erst vor einem Vergleichshintergrund, wie ihn das Beispiel von Extrabreit darstellt, kann man den Irrsinn, die Hysterie und die abgrundtiefe Dummheit, die sich derzeit über den Söhnen Mannheims entlädt, so richtig einschätzen. Erst vor dem Hintergrund von „Hurra, Hurra, die Schule brennt“ kann man so richtig bewerten, welches Profilierungsbedürfnis und welche politisch korrekte Idiotie Bürgermeister, Mandatsträger und Amtsinhaber fast aller parteipolitischen Couleur dazu treibt, sich über den Text eines LIEDES zu echauffieren.

Die Langeweile und Sinnlosigkeit des Daseins muss von diesen Gestalten des angeblich politischen Lebens so sehr empfunden werden, dass sie sich nicht anders zu helfen wissen, als mit Hysterie auf den Text eines Liedes zu reagieren und auf diese Weise zu versuchen, die eigene Existenz mit Sinn zu füllen.

Armseligkeit ist in diesem Zusammenhang ein wirkliches Understatement…

Haters gonna hate und Spinners gonna spin

Beim Gunda-Werner-Institut, dem Feminismus- und Geschlechter-Ableger der Heinrich-Böll-Stiftung hat die Technik Einzug gehalten. Scheinbar gibt es einen Praktikanten, der von HTML und Java-Script ein wenig versteht und deshalb gibt es bei der Stiftung eine Online-Umfrage, eine Online-Umfrage zum Thema „Hasskommentare“.

Welch‘ anderes Thema als „Hasskommentare“ könnte man bei der Gunda-Werner-Stiftung schon bearbeiten wollen?

Schnell hill esserWo früher Studenten in Methodenvorlesungen geschwitzt und versucht haben, die Kunst der empirischen Sozialforschung zu erlernen, da denkt heute jeder dahergelaufene Hempel, er könne selbst eine Umfrage machen, eben einmal drauflos fragen, so wie beim Gunda-Werner-Institut, bei dem man die Umfrage zu Hasskommentaren offensichtlich benötigt, um das zu bestätigen, was die Gundas sowieso schon wissen:

“Hasskommentare sind in Deutschland ein Tatbestand des Strafrechts, auch im Internet. Trotzdem werden sie kaum geahndet. Allzu oft antworten Polizei oder Staatsanwaltschaft auf Anzeigen mit „Täter*innen nicht ermittelbar“. Betroffen sind diejenigen, die ohnehin Diskriminierungserfahrungen machen: Frauen* und/oder rassifizierte Menschen, Menschen mit Behinderung, jüdische Menschen, LGBTIQ…“

Das ist der erste Absatz auf der Umfrage-Seite der Gundas. Der Absatz erweckt den Eindruck, dass längst bekannt sei, wer Opfer und Täter von Hasskommentaren sind, wie viele davon es gibt, was Hasskommentare überhaupt sein sollen usw. Drei Absätze weiter sind die Gundas dann plötzlich auf dem Boden der Realität, sie, die eben noch genau wussten, dass es „Frauen* und/oder rassifizierte Menschen, Menschen mit Behinderung, jüdische Menschen, LGBTIQ…“ sind, die Opfer von Hasskommentaren werden, sie schreiben nun in einem beispiellosen Akt des Selbst-Widerspruchs innerhalb von zwei Absätzen:

“Bislang mangelt es an verlässlichen Daten zu Täter*innenprofil, den betroffenen Diskussionsteilnehmer*innen und den Auswirkungen auf das Verhalten im Netz.“

Es gibt eben Dumme und die Gundas. Die Gundas, die wissen alles über etwas, von dem sie selbst sagen, dass sie nichts davon wissen. Besser kann man die eigene Beschränktheit eigentlich nicht auf den Punkt bringen. Aber weil das noch nicht reicht, demonstrieren die Dilettanten in empirischer Sozialforschung gleich noch mit einer einzigen Abbildung, dass sie zu den absoluten Ahnungslosen auf dem Gebiet der empirischen Sozialforschung gehören.

Gunda spins

Die Abbildung ist vollkommen wertlos, denn es fehlt jede Angabe zur Grundgesamtheit. Ohne diese Angabe machen Prozentangaben aber keinen Sinn. Besonders lustig ist die Überschrift „repräsentative Ergebnisse“. Wir halten zwar nicht viel von Repräsentativität, aber diejenigen, die sich seit Jahren bemühen, mit Auswahlverfahren, Gewichtungsverfahren und allerlei mathematischen Verrenkungen sicherzustellen, dass die Befragten, die sie zusammen bekommen haben, repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sein sollen, nicht einmal sie haben verdient, dass die Gundas auf ihrem Zug Trittbrett fahren, die Gundas, die denken, man macht eine Umfrage, sammelt die Antworten, prozentuiert und schreibt „repräsentatives Ergebnis“ darüber.

Und natürlich, daran haben wir keinen Zweifel, wird es eine ganze Reihe von Journalisten, die so ungefähr dasselbe intellektuelle Niveau erreicht haben, wie die Gundas, geben, die die Ergebnisse für bare Münze, für repräsentative bare Münze nehmen.

Schuster, bleib‘ bei Deinen Leisten, können wir nur sagen und die Gundas zurückschicken, zu dem, was sie können. Was war das noch einmal? Kochen? Nein, kochen war es wahrscheinlich auch nicht?

Hofberichterstatter oder Hofnarr? Minnesang auf die Amadeu Antonio Stiftung

Oder vom Versuch, Kritiker zu diskreditieren.

Samuel Salzborn erstellt „wissenschaftliche Gutachten“, die er mit „Prof. Dr. Samuel Salzborn“ unterzeichnet, was alleine schon ausreicht, um ihn von der Universität Göttingen zu verweisen. Denn: Professor ist eine Position an einer Universität. Professor ist kein akademischer Titel. Als Professor hat ein Akademiker, der auf einen Lehrstuhl berufen wurde, bestimmte Lehrverpflichtungen zu erledigen und zu forschen. Das Erstellen wissenschaftlicher Gutachten gehört nicht zur Dienstbeschreibung eines Professors.

Zudem ist Samuel Salzborn als Professor gerade abgewickelt worden. 2017 ist für ihn an der Universität Göttingen Schluss, so dass er bestenfalls als Professor temp. oder bald-ex gelten kann. Aber die Positionsbezeichnung „Professor“ ist für Samuel Salzborn sehr wichtig. Nicht dass er die Füße hätte um professorale Schuhe zu füllen, wie wir auf ScienceFiles schon mehrfach aufgezeigt haben, aber er ist wohl der Ansicht, dass der Zusatz „Professor“ die Behauptung, er würde wissenschaftliche Gutachten erstellen, glaubwürdiger macht, so dass man erst in schallendes Gelächter ausbricht, wenn man die ersten Seiten des angeblichen wissenschaftlichen Gutachtens gelesen hat.

minnesangDas vermeintliche „wissenschaftliche Gutachten“ von Samuel Salzborn, dem Noch-Professor aus Göttingen, das hat sich die Amadeu-Antonio-Stiftung 2.500 Euro kosten lassen. Dafür hat sie einen knapp 40seitigen Minnesang erhalten, kein wissenschaftliches Gutachten, schon weil niemand, der nicht verzweifelt ist, ein wissenschaftliches Gutachten für einen Seitenpreis von 62,50 Euro schreiben würde. Aber Professoren, deren Lehrstuhl gerade gestrichen wurde, sind scheinbar verzweifelt, so verzweifelt, dass sie selbst Minnegesänge als wissenschaftliches Gutachten verkaufen und unvorsichtig genug sind, den Minnesang auch noch zu veröffentlichen.

Und weil er veröffentlicht wurde, deshalb haben wir ihn gelesen.

Titel: „salzborn-gutachten-aas-als-meinungsfreiheit-getarnter-hass Wissenschaftliches Gutachten. Prof. Dr. Samuel Salzborn. Göttingen, 05. Oktober 2016“.

Stammleser von ScienceFiles werden es mittlerweile aufsagen können: Wissenschaft ist eine Methode, deren Ziel die Gewinnung von Erkenntnis ist. Erkenntnis liegt in Form allgemeiner Sätze vor, aus denen man wiederum singuläre Sätze ableiten kann, die etwas über die Wirklichkeit aussagen und die an der Wirklichkeit scheitern können.

Weil dem so ist, deshalb schauen wir, wenn wir z.B. ein „wissenschaftliches Gutachten“ zu einer „rechten Kampagne gegen die Amadeu Antonio Stiftung“ vor uns haben, zunächst in den Methodenteil, um zu sehen, ob wir es mit einem Wissenschaftler zu tun haben.

Das „wissenschaftliche Gutachten“ von Samuel Salzborn, es enthält keinerlei Methodenteil. Wie er zu seinen Aussagen gekommen ist? Wie er das Material, auf dem er seine Aussagen begründen will, ausgewählt hat? Mit welchen Methoden er die Analyse des Materials, das er ausgewählt hat, durchgeführt hat? Das sind böhmische Dörfer aus einem Feld, das sich empirische Sozialforschung nennt und von dem Salzborn nach aller Offensichtlichkeit noch nie etwas gehört hat.

Entsprechend kann man sein „wissenschaftliches Gutachten“ bereits an dieser Stelle in den Mülleimer stopfen, denn es ist kein wissenschaftliches Gutachten. Es ist eine Ansammlung von Worten, von denen nicht klar ist, ob und wenn ja, welchen Teil der Realität sie beschreiben, so wenig wie die Zielsetzung, die Salzborn mit seinem Gutachten verfolgt, klar ist. Aber dazu kommen wir gleich noch.

Anstelle eines Methodenteils, in dem all die Fragen beantwortet werden, die wir oben gestellt haben und die fundamental wichtig für eine wissenschaftliche Arbeit sind, gibt es ein Kapitel, das mit „3. Datenbasis des Gutachtes“ überschrieben ist. Dort steht Folgendes zu lesen:

Prof Facepalm“Grundlage dieses Gutachtens ist öffentliches und nicht-öffentliches Material, sowohl dem Verfasser dieses Gutachtens von der AAS [also der AAS-Stiftung] gestellte Dokumente, wie vom Verfasser selbst erhobene Quellen. Dieses Material umfasst sowohl Veröffentlichungen in Medienorganen (Print und Online), Blogbeiträge, Postings aus öffentlichen und nicht-öffentlichen Gruppen bei Facebook und im VK-Netzwerk, die Auswertung von Twitter-Tweets, Foto-, Video- und Bildmaterial einschließlich Bildcollagen bzw. manipulierten Fotographien sowie Zeitschriften, die (unverlangt) an die AAS gesandt wurden“ (8).

Salzborn hat also Material benutzt, irgendwelches Material aus irgendwelchen Quellen, das er irgendwie ausgesucht hat oder das ihm irgendwie von irgendwem zugeschickt oder gegeben wurde. Man kann die Beliebigkeit kaum mehr steigern und kaum eindrücklicher darstellen, dass Salzborn von wissenschaftlicher Methode so gar keine Ahnung hat. Hätte er Ahnung, er hätte hier beschrieben, wie er relevantes Material ausgewählt hat, was überhaupt als relevantes Material für die Beantwortung seiner Fragestellung in Frage kommt, wie das Material aufbereitet und wie es analysiert wurde und vieles mehr. Davon findet sich nichts. Deshalb ist das „wissenschaftliche Gutachten“ weder wissenschaftlich noch ein Gutachten.

Denn um sich als Gutachten zu qualifizieren, muss ein Text eine Fragestellung, etwas zum Begutachten haben. Salzborn hat keinerlei Fragestellung und entsprechend auch nichts zu begutachten. Das zeigt sich bereits im Titel seines Textes, in dem von einer rechten Kampagne die Rede ist.

Was ist eine rechte Kampagne?
Anhand welcher Kriterien kann man belegen, dass es eine Kampagne, also von einer Zentrale aus gesteuerte Aktionen gegen die AAS-Stiftung gab?
Was macht die Kampagne zu einer rechten Kampagne?

Das sind nur drei von etlichen Fragen, die sich Samuel Salzborn, den wir der Ökonomie der Darstellung halber jetzt als SS abkürzen, gar nicht stellen. Für SS steht fest, dass es eine Kampagne gegen die AAS Stiftung gegeben hat und dass diese Kampagne nur eine rechte Kampagne gewesen sein kann. Er braucht keine Kriterien, um seine Behauptung zu belegen oder gar zu prüfen. Er weiß das. Denn in seinem Weltbild ist die AAS-Stiftung links, alle, die die AAS-Stiftung kritisieren müssen entsprechend rechts sein. SS ist kein Wissenschaftler, er ist ein Prediger.

Er ist ein Hofprediger, etwa in der Art, wie es sie am Hof von Philip dem Schönen gegeben hat, Hofprediger, die einzig dazu da sind, die Leistungen, Errungenschaften, die Gutheit und die Erhabenheit ihres Königs all denen zu verkünden, die es nicht wissen wollen, etwa so:

sycophant“Die Amadeu Antonio Stiftung (AAS) ist ein wichtiger zivilgesellschaftlicher Akteur in der bundesdeutschen Demokratie, der sich seit fast zwei Jahrzehnten in umfangreichem Maße … engagiert hat.“(2)

Jeder Hofnarr am Hofe von Philip dem Schönen wäre neidisch auf diese Form des Sykophantentums, die man in Deutschland im Jahre 2016 für 2.500 Euro kaufen und als wissenschaftliches Gutachten ausgeben kann, ohne dass die Profession aufheult. Der deutschen Wissenschaftler beste Rolle scheint das Schweigen und Wegsehen zu sein.

Aber kommen wir zurück zum Lobgesang, den SS auf AAS singt. Man kann die Strophen des langen Liedes relativ kurz zusammenfassen: Es beginnt mit der Einleitung, der man weder Fragestellung noch Gegenstand der Begutachtung entnehmen kann. Es folgt ein Kapitel über Pluralismus, Meinungsfreiheit und Internet, das seinen Weg in das Gutachten gefunden hat, um SS die Möglichkeit zu geben, seine Ablehnung von Meinungsfreiheit darlegen zu können. Das kurze Kapitel zur Datenbasis haben wir bereits besungen. Das lange Kapitel 4 „Verlauf und Inhalt der Kampagne“ stellt eine Nacherzählung von all den Gräueltaten dar, die am AAS verübt wurden, von all dem Unrecht, das der AAS geschehen ist, denn siehe, die AAS und Philip der Schöne, sie sind über jede Kritik erhaben.

Fragen wie: Kann man aufgrund der Zusammenstellung der Ereignisse,( von der wir nicht wissen, wie die ausgewählten Ereignisse ausgewählt wurden und welche Kriterien an die Auswahl angelegt wurden), überhaupt sagen, dass es eine Kampagne gegen die AAS gab? Wenn ja, warum gab es die Kampagne gegen die AAS? Da Kampagnen nicht vom Himmel fallen, fragt sich ein Wissenschaftler, welche verletzenden Handlungen die AAS durchgeführt hat, um heftigen Widerstand und entsprechende Gegenwehr zu erfahren? Wie gesagt, ein Wissenschaftler fragt sich das, SS fragt sich das nicht. Er ist kein Wissenschaftler. Er ist Hofnarr am Hof von, sagen wir Anetta der Hässlichen und singt dessen Lob, dessen Steuergelder er zugeschustert bekommt.

campaignEntsprechend weiß er, dass er es mit einer Kampagne, einer rechten Kampagne zu tun hat. Es folgt ein Exkurs zur Neuen Rechte, der sich durch eine Deutschzentriertheit auszeichnet, die dem Thema „Neue Rechte“; das in Frankreich und eben nicht in Deutschland erfunden wurde, in keiner Weise gerecht wird. Der Exkurs dient ausschließlich dazu, zu behaupten, dass die Kritiker des neue Rechte Wiki die Komplexität des Wiki und der dort verfolgten Fragestellungen nicht nachvollziehen konnten. Offensichtlich kann SS das auch nicht, denn er ist an keiner Stelle in der Lage auch nur einen Hinweis darauf zu geben, welche komplexen Ziele mit dem Wiki, das eben einmal Ernst Nolte zum rechtsextremen Gewaltfreund erklärt hat, verfolgt wurden. Arthur Schopenhauer hat in seinem Brevier, das vom Verlag den dümmlichen Titel erhalten hat „Die Kunst, Recht zu behalten“, die Kunstgriffe 30 bis 33 als Formen der Sophisterei beschrieben, die SS hier versucht.

Und dann folgt die Schande jeder studentischen Arbeit, der Moment, an dem man sich an den Kopf fasst und an das Mantra aus eigenen studentischen Tagen denkt, in dem es heißt: Es gibt entweder zwei Unterkapitel oder keines. Es gibt nicht 4., 4.1, 5., es gibt nur, 4., 4.1, 4.2 und 5.

SS hat nicht einmal die rudimentärsten Fähigkeiten wissenschaftlichen Arbeitens erlernt. Aber wissenschaftliche Gutachten will er schreiben. Lächerlich.

Kapitel 5 behandelt Varianten des Hasses, ohne dass jemals eine Definition dessen erfolgt wäre, was unter Hass zu verstehen ist, ohne dass SS jemals dargelegt hätte, welche Äußerungen sich für ihn als Hass qualifizieren und warum sie das tun, ohne dass eine Operationalisierung von Hass erfolgt wäre und diese Operationalisierung genutzt worden wäre, um eine einheitliche Kodierung von Aussagen im Material zu finden, die als Ausdruck von Hass angesehen werden können. So ginge ein Wissenschaftler vor. Aber lassen wir das, SS ist kein Wissenschaftler.

Es folgen zwei Unterkapitel in denen SS sich in Sachen Bewertung auslebt. Da er keinerlei Begründung für seine Bewertungen abgibt und wir keine Voyeure sind, die anderen dabei zusehen, wie sie onanieren, haben wir die entsprechenden Kapitel angelesen und vergessen. Bleibt die Zusammenfassung, in der ausgerechnet SS denen, die er irgendwie ausgewählt, deren Aussagen er irgendwie analysiert und auf Basis von irgendwas bewertet hat, vorwirft, sie hätten nur einen rudimentären Wissensstand und mangelhafte Kompetenz. Das kann man sich nicht ausdenken und zeigt, dass Realsatire immer noch die beste Satire ist. Wir fragen jetzt absichtlich nicht, auf welcher Grundlage und mit welcher Methode SS zu dieser Bewertung gekommen ist…

Methoden emp soz forschungWir stellen statt dessen fest, dass das angebliche wissenschaftliche Gutachten eine Travestie auf Wissenschaft ist. Nichts von dem, was wissenschaftliches Arbeiten auszeichnet, was ein Gutachten qualifiziert, findet sich bei SS. SS gefällt sich darin, willkürlich Material zusammen zu sammeln oder sich von der AAS Stiftung bereitstellen zu lassen, weil man ja immer Angeklagte danach fragt, welche belastenden Indizien es gibt, um sie zu verurteilen. Er gefällt sich darin, willkürlich zu bewerten, zu behaupten, sich zu echauffieren und hält nicht einmal die rudimentärsten Regeln wissenschaftlichen Arbeitens ein. Keine Frage, die begutachtet werden soll, keine Kriterien, anhand derer die Daten ausgewählt wurden, auf deren Basis die zu begutachtende Frage entschieden werden soll. Keine Abwägung von für und wider. Keine Darstellung gegensätzlicher Positionen. Nein, SS ist wirklich kein Wissenschaftler. Er ist schon richtig, im Nutznießernetzwerk der AAS, im Speckgürtel des BMFSFJ, in dem man von Steuergeldern lebt und sich ansonsten darin gefällt, wilde Bewertungen all derer vorzunehmen, die nicht dem Gott huldigen, den man selbst als Groß-Gott auserkoren hat.

Es ist schlicht erbärmlich.

Und es ist gut, dass die Karriere von SS an der Universität Göttingen beendet ist. Es gibt schon zu viele Besetzer von Universitätspositionen, die keinerlei Ahnung haben, was Wissenschaft eigentlich auszeichnet.

Es wirkt nachgerade ironisch, wenn SS, der Seite um Seite belegt hat, dass er die AAS ganz toll findet und dass alle, die die AAS kritisieren Mitglieder einer Kampagne sind (lassen wir jetzt die Frage, was eine Kampagne auszeichnet, woran man sie erkennt und ob auf dieser Grundlage überhaupt von einer Kampagne gegen die AAS gesprochen werden kann), deren Ziel darin besteht, die AAS von öffentlicher Förderung zu entfernen, denn wie heißt es auf Seite 20 des Textes von SS: „Zum anderen hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Feist aber sogar gefordert, die Förderung der AAS einzustellen“.

Ist ein größerer Frevel vorstellbar? Die öffentliche Förderung der AAS einstellen? Die AAS, der „wichtige zivilgesellschaftliche Akteur“, ohne den Deutschland einstürzen würde, ohne dessen öffentliche Förderung sich die vielen Mitarbeiter von AAS nach einer ordentlichen Arbeit umsehen müssten? Nein, ein größerer Frevel ist nicht vorstellbar. Unter Philip dem Schönen wäre der Frevler verbrannt worden. Im Regime von Anetta der Hässlichen wird SS auf die Frevler angesetzt.

Und wie alle nützlichen Bediensteten, so hat auch SS die eigentliche Meldung bis zum Ende seiner Lobeshymne aufgespart. Dort verrät er allen Lesern, dass nach all den Seiten der Willkür und der nicht nachvollziehbaren Bewertungen und nach all den Seiten nicht wissenschaftlicher Betätigung, SS sich nun in der Lage sieht, die Verschärfung von Rechtsregeln zu fordern, um das, was er nicht definiert hat, nur als Bewertung kennt, von dem er nicht angeben kann, wie er dazu gekommen ist und von dem er nicht einmal sagen kann, in welchem Ausmaß es vorhanden ist, zu verhindern, am besten mit der Drohung, Übeltäter, die die AAS kritisieren, zukünftig einzusperren.

Ja, er ist schon nützlich der SS, so wie SS schon einmal nützlich war, um die Meinungsfreiheit in Deutschland nicht nur einzuschränken, sondern abzuschaffen. Und das alles für 2.500 Euro. Was wohl Judas Iscariot verlangt hätte, um die Wissenschaft zu verraten?

Die AAS erhält Steuergelder für ihren wertvollen Einsatz für die Zivilgesellschaft und nutzt diese Steuergelder um Noch-Professoren damit zu beauftragen, Lobesgesänge auf die eigene Stiftung zu singen, damit die öffentliche Förderung, die wohl bedroht ist, nicht versiegt. Wenn noch ein Beleg dafür notwendig war zu zeigen, dass die AAS Steuergelder veruntreut und dazu nutzt, ein Netzwerk von Kostgängern zu versorgen: Hier ist er!


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Studie zu anonymen Bewerbungen: Methode miserabel – Schlussfolgerungen falsch

Vor einigen Tagen ging es wie ein Lauffeuer durch die Presse: Anonyme Bewerbungen reduzieren die Diskriminierug. Wenn Bewerber nicht wissen, dass Lieschen Müller und Ali Karomoglu sich bewerben, dann haben beide eine höhere Wahrscheinlichkeit, zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Das war die Nachricht, die die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders, in die Welt verbreitete, und das war auch die Nachricht, die die deutschen Medien ungeprüft und brav übernommen haben: “Anonyme Bewerbung nützt Frauen und Migranten”, titelte die Welt, “Besser anonym bewerben”, empfahl die FAZ, “Anonyme Bewerbung erhöht Chance für Frauen”, wusste das Hamburger Abendblatt, “Anonyme Bewerbung hilft Frauen”, titelte die Rheinische Post und “Anonyme Bewerbung: Das Vorurteil unmöglich machen”, moralisierte die Frankfurter Rundschau.

Mediendeutschland ist sich somit einig: anonyme Bewerbungen verbessern die Chancen zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Keiner der deutschen Medienschaffenden hat sich die Mühe gemacht, das Ergebnis, zu dessen Verbreitung er sich bereitwillig eingefunden hat, zu prüfen, keiner gar die Notwendigkeit gesehen, das vermeintlich eindeutige Ergebnis zu hinterfragen. Das ist schade und belegt einmal mehr, wie wichtig das kritische Denken und die Kritik sind, die wir in unserem Grundsatzprogramm beschrieben haben. Beide, kritisches Denken und Kritik, helfen dabei, nicht zum willfährigen Propagandainstrument für ideologisch gewünschte, wissenschaftlich aber nicht einmal ansatzweise vertretbare Ergebnisse zu werden.

Kritisches Denken

Wären die Journalisten, die das Ergebnis der Antidiskriminierungsstelle verbreitet haben, das sie  über dpa oder direkt über den Presseverteiler der Antidiskriminierungsstelle erreicht hat, kritisch, sie hätten zumindest gefragt, warum sie glauben sollen, was hier behauptet wird. Und wenn sie sich diese Frage gestellt hätten, wer weiß, der ein oder andere von Ihnen hätte vielleicht in die bereitgestellte Zusammenfassung der Ergebnisse geblickt, die belegen sollte, was die Antidiskriminierungsbeauftragte Lüders da behauptet. Hätten diese fiktiven und kritischen Journalisten in die “Zusammenfassung der Ergebnisse” geblickt, sie hätten sich vielleicht darüber gewundert, dass die Zusammenfassung aus einer “Ausgangssituation” besteht, die in allgemeiner Form berichtet, was es zu anonymisierten Bewerbungsverfahren aus anderen Ländern zu berichten gibt und Vorschläge macht, wie man anonymisierte Bewerbungsverfahren durchführen kann und aus einem Kapitel “Fazit und Ausblick”, auf dessen vier Seiten sich eine dreiviertel Seite findet, die sich mit den Ergebnissen einer empirischen Untersuchung, einer “Pilotstudie” beschäftigt und in der die  von der Antidiskriminerungsbeauftragten verkündeten Ergebnisse  formuliert sind. Wären die fiktiven kritischen Journalisten darüber hinaus noch bereit gewesen, die präsentierten Erbnisse zu reflektieren, sie wären an Formulierungen wie den Folgenden gestrauchelt:

(1) Innerhalb der verschiedenen anonymisierten Bewerbungsverfahren war die Chance für Frauen und Personen mit Migrationshintergrund, eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bzw. Eignungstest zu erhalten, genauso hoch wir für andere Gruppen. (2) Frauen haben im Vergleich zum herkömmlichen Verfahren tendenziell bessere Chancen, zu einem Einladungsgespräch eingeladen zu werden. (3) Die ermittelten Effekte anonymisierter Bewerbungen sind dabei allerdings nicht als repräsentativ zu betrachten, da die Mehrheit der teilnehmenden Organisationen bereits zuvor aktive Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt ergriffen hatten. (4) Hatten Bewerbende mit Migrationshintergrund zuvor schlechtere Chancen auf eine Einladung, haben sich diese nach der Einführung anonymisierter Bewerbungsverfahren verbessert.

In aller Kürze:  Aussage (1) basiert auf der Prämisse, das Frauen aktiv benachteiligt werden. Diese Prämisse muss man prüfen, man kann sie nicht einfach voraussetzen, insbesondere nicht in Unternehmen, die (3) bereits aktiv die “Vielfalt” fördern, oder wollen die Autoren tatsächlich nahelegen, bei Teilnehmern der Studie wie L’Oreal, der Deutschen Telekom, der Deutschen Bundespost oder dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, würden Frauen aktiv benachteiligt? Wie können Effekte in einem anonymisierten Verfahren dadurch beeinträchtigt werden, dass Unternehmen (3) aktiv Vielfalt fördern? Der Witz an anonymisierten Verfahren besteht doch gerade darin, dass bei anonymisierte Bewerbungen “Charakteristika der Person” NICHT in Rechnung gestellt werden. Schließlich: wenn zutrifft, was in (4) steht, dann müssen dieselben Migranten sich wiederholt beim selben Unternehmen auf die selbe Stelle beworben haben, was eher ungewöhnlich ist.

Schließlich fällt es jedem auf, der sich ein wenig mit empirischen Studien auskennt, dass Fazit und Ausblick des Abschlussberichts des “Pilotprojekts” nicht eine einzige Zahl enthalten. Wie vielen Bewerbungen wurden untersucht? Wie viele der Bewerber hatten einen Migrationshintergrund? Wie viele waren weiblich? Wie wurde untersucht, ob anonyme Bewerbungen einen Effekt auf die Wahrscheinlichkeit haben, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden? Alle diese Fragen bleiben unbeantwortet, und, wäre man ein kritischer Journalist, man würde sich fragen, warum?

Als kritischer Wissenschaftler geht man noch weiter und sucht den Abschlussbericht in Gänze, um zu untersuchen, wie die seltsamen Ergebnisse zustande gekommen sind. Die Suche, die nach einiger Anstrengung tatsächlich mit dem Abschlussbericht “belohnt” wird, erbringt Erstaunliches: Nicht nur, zeigen die Ergebnisse des Pilotprojekts nicht, was gemeldet wurde, sie zeigen das Gegenteil.

Methodische Kritik

Die Hypothese, die eigentlich geprüft werden soll, lautet wie folgt: Anonyme Bewerbungsverfahren haben gegenüber nicht-anonymen Bewerbungsverfahren den Vorteil, dass die Wahrscheinlichkeit zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, nicht von Faktoren beeinflusst wird, die nichts mit den Fähigkeiten und Kenntnissen des Bewerbers zu tun haben. Methodisch betrachtet, erfordert es diese Fragestellung, zwei Kontrastgruppen zu bilden: anonyme Bewerber und nicht-anonyme Bewerber. Für beide Gruppen ist dann die Wahrscheinlichkeit, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, zu untersuchen. Damit die Ergebnisse auch valide und reliabel sind, ist es zudem notwendig, die Umfeldeinflüsse zu kontrollieren, was man am einfachsten dadurch gewährleisten kann, dass man Bewerbungen, die im selben Unternehmen und für die selbe Stelle eingehen, zufällig in zwei Stapel teilt, ein Stapel wird im weiteren Verlauf anonymisiert, der andere nicht. Letzteres stellt ein quasi-experimentelles Design dar, für das mit der höchsten Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann, dass es valide Ergebnisse erbringt.

Die Autoren der Pilotstudie machen nichts dergleichen. Zwar umgeben sie sich mit einer gelehrten Sprache, die – wäre sie vom Wortgebrauch in den empirischen Sozialwissenschaften nicht so weit entfernt (so sprechen sie von Verfahren und meinen Stichproben) – fasst den Eindruck von Professionalität erwecken könnte, aber sie haben offensichtlich keine Ahnung davon, wie man empirisch saubere Forschung durchführt. Das war die Behauptung, nun folgt der Beleg:

Den Autoren stehen insgesamt 9 verschiedene Stichproben zur Verfügung. Für die 9 Stichproben wird im ersten Schritt untersucht, in welcher Weise die Wahrscheinlichtkeit, im anonymisierten Verfahren zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, durch Geschlecht und Migrationshintergrund vorhergesagt werden kann. Dabei zeigt sich in 4 von 9 Fällen, dass Frauen eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden als Männer, in 2 von 9 Fällen zeigt sich, dass ein Migrationshintergrund die Wahrscheinlichkeit, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, reduziert. In den restlichen Stichproben ergeben sich keine Effekte auf die Wahrscheinlichkeit, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, weder für Geschlecht noch für Migrationshintergrund.

Ein Blick auf die einzelnen Stichproben zeigt, dass sie sich im Hinblick auf die Anzahl der Bewerber, die berücksichtigt werden und im Hinblick auf die Verteilung der beiden “erklärenden Variablen” Geschlecht und Migrationshintergrund unterscheiden. Dabei fällt auf, dass ein weibliches Geschlecht sich immer dann positiv auf die Wahrscheinlichkeit, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, auswirkt, wenn die Bewerber sowieso in ihrer Mehrzahl weiblich sind. Die Anteile von weiblichen Bewerbern variieren in den relevanten Stichproben zwischen 64% und 80%. Angesichts dieser Mehrzahl weiblicher Bewerber ist die Tatsache, dass weibliche Bewerber zudem eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, eigentlich ein klarer Hinweis darauf, dass männliche Bewerber benachteiligt werden. Dies würde einem als Sozialforscher auffallen, wäre man an den Ergebnissen interessiert und nicht and er Ideologie.

Sodann erinnern sich die Autoren offensichtlich daran, dass die bisherigen Analysen nicht dazu geeignet sind, zu belegen, dass anonymisierte Bewerbungsverfahren eine Chancengleichheit herzustellen im Stande sind. Denn, wie aus der oben formulierten Hypothese hervorgeht, braucht es eine Konstrast- oder Kontrollgruppe, damit man Aussagen darüber machen kann, wie und ob sich anonymisierte Bewerbungsverfahren von nicht-anonymisierten Bewerbungsverfahren im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit auswirken, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Hätte man dies zu Anfang der “Pilotstudie” bedacht, es wäre sicher möglich gewesen, die einzelnen Stichproben in zwei Bewerbergruppen, anonyme und nicht-anonyme, zu teilen. Aber offensichtlich ist diese Notwendigkeit erst im Verlauf der “Pilotstudie” erkannt worden, weshalb notdürftig geflickt wird, was ursprünglich vergessen wurde. Dazu werden Daten nicht-anonymisierter Bewerbungsverfahren aus der Bewerbungsvergangenheit des entsprechenden Unternehmens, aus einer parallelen Stellenausschreibung oder einer anderen Region zusammengeklaubt, und mit den Daten aus den anonymisierten Bewerbungsverfahren zusammengespielt , und es wird getestet, wie sich die Wahrscheinlichkeit, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, zwischen anonymisierten und nicht-anonymisierten Bewerbern unterscheidet. Abermals gibt es 9 Stichproben und die folgenden Ergebnisse.

  • Stichprobe 1: Bei anonymisierter Bewerbung werden weniger Bewerber eingeladen als bei nicht anonymisierter Bewerbung. Keine weiteren Effekte.
  • Stichprobe 2: Bei anonymisierter Bewerbung werden weniger Bewerber eingeladen als bei nicht anonymisierter Bewerbung, und es werden weniger Bewerber mit Migrationshintergrund eingeladen als bei nicht anonymisierter Bewerbung.
  • Stichprobe 3 und 4 sind aus der Analyse verschwunden
  • Stichprobe 5: anonymisierte Bewerbungsverfahren reduzieren die Anzahl der Bewerber, die zur Bewerbung eingeladen werden, was vor allem zu Lasten von Bewerbern mit Migrationshintergrund geht.
  • Stichprobe 6: Bei anonymisierter Bewerbung werden weniger Bewerber eingeladen als bei nicht anonymisierter Bewerbung. Keine weiteren Effekte.
  • Stichprobe 7: keinerlei Effekte einer anonymisierten Bewerbung.
  • Stichprobe 8: Bei anonymisierter Bewerbung werden mehr Bewerber eingeladen, und es werden mehr Frauen eingeladen bzw. bei anonymisierter Bewerbung ergeben sich keinerlei Unterschiede im Vergleich zu nicht-anonymisierten Bewerbungen
  • Stichprobe 9: Bei anonymisierter Bewerbung werden mehr Bewerber eingeladen als bei nicht anonymisierter Bewerbung. Keine weiteren Effekte.

Die Aufstellung zeigt, dass anonymisierte Bewerbungsverfahren in drei von sieben Stichproben dazu führen, dass weniger Bewerber eingeladen werden als in nicht anonymisierten Bewerbungsverfahren, dass in zwei Stichproben ein Effekt von Migrationshintergrund zu finden ist, und zwar ein negativer, d.h. anonymisierte Verfahren reduzieren die Wahrscheinlichkeit für Personen mit Migrationshintergrund zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, und dass in sechs von sieben Stichproben keinerlei Effekt von Geschlecht zu finden ist. Lediglich in einer (Teil-)Stichprobe, Stichprobe 8, findet sich eine positive Wirkung anonymisierter Bewerbungen auf die Wahrscheinlichkeit weiblicher Bewerber, zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Interessanter Weise verraten die Autoren der “Pilotstudie” nicht, wie sich die Bewerber auf die beiden Geschlechter verteilen, so dass man allerspätestens an dieser Stelle den Eindruck nicht mehr los wird, dass hier ganz offen die Daten, nun, sagen wir ideologisch gedehnt wurden.

Es bleibt festzustellen, dass den Daten des Pilotprojekts keinerlei Evidenz dafür zu entnehmen ist, dass sich anonymisierte Bewerbungsverfahren positiv auf die Wahrscheinlichkeit von Migranten auswirken, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Es finden sich etliche Belege dafür, dass anonymisierte Bewerbungsverfahren keinerlei Effekt auf die Wahrscheinlichkeit von Frauen haben, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, und es finden sich Indizien dafür, dass männliche Bewerber von den Unternehmen, die an der Pilotstudie teilgenommen haben und die ja bereits “Vielfalt fördern” benachteiligt werden. Männer, die sich in den letzten Jahren bei der Deutschen Post, der Deutschen Telekom, L’Oreal, Procter & Gamble, dem Bundesfamilienministerium, der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen, der Stadtverwaltung Celle oder bei MYDAYS beworben haben und nicht zum Einstellungsgespräch eingeladen wurden, sollte sich entsprechend an die Antidiskriminierungsstelle wenden!

Ich habe schon viele schlechte Studien gesehen. Auch Studien, bei denen deutlich wurde, dass die Macher von empirischer Sozialforschung nicht allzu viel Ahnung haben, sind schon in großer Zahl über meinen Schreibtisch gegangen. Aber diese Studie, die von der Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder ausgeführt wurde, schlägt wirklich alles bisher dagewesene. Die methodische Unbedarfheit grenzt an Ignoranz und die Interpretation der Ergebnisse an Betrug oder kollektives Halluzinieren. Das ganze Machwerk ist eine Schande für die Gemeinde der empirischen Sozialforscher. Und deshalb finde ich es unglaublich, dass das Institut zur Zukunft der Arbeit, wie es auf dem Deckblatt heißt, und das zu den wenigen deutschen Instituten gehört, die international angesehen sind, sich an dieser Schmach der empirischen Sozialforschung beteiligt hat.

Epilog

Was der Unbedarftheit oder Ignoranz der Autoren dieser “Pilotstudie” die Krone aufsetzt, ist das vollständige Fehlen von Kontrollvariablen (außer deren “nominaler” Berücksichtigung), wie z.B. Bildungsabschluss oder Berufserfahrung in der Analyse und somit das Fehlen zentraler Variablen, von denen man annehmen muss, dass sie einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, haben – unglaublicher methodischer Dilettantismus!

Bildnachweis:
Personalwirtschaft

Legitimationsforschung – Sozialwissenschaftler als Wegbereiter der Paternalisierung

Im letzten post haben Dr. habil. Heike Diefenbach und ich die Meinung vertreten und begründet, dass der Vorsatz, anderen etwas Gutes tun zu wollen, Teil eines Syndroms ist. Dieses Syndrom zeichnet sich dadurch aus, dass sich seine Inhaber von der realen Welt abkapseln, ihre guten Absichten auf der Grundlage von keinerlei oder verzerrter Information über die Wirklichkeit bergünden und letztlich auch nur an “Maßnahmen” und den mit ihnen einhergehenden finanziellen und personellen Vorteilen interessiert sind, nicht jedoch daran, ob ihre “Maßnahmen” überhaupt benötigt werden und welchen Nutzen oder Schaden die “Maßnahmen” in der Realität hinterlassen. Im Bemühen, so wenig wie nur möglich Realität zur Kenntnis nehmen zu müssen, werden die von uns als “Gutmenschen” bezeichneten Akteure von einer Vielzahl von u.a. Sozial”wissenschaftlern” unterstützt, die das Material für die kollektive Weltflucht liefern. Ein gutes Beispiel dafür ist ein neuer Beitrag in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, der sich mit der “Bedeutung der familialen Lebenswelt für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen” beschäftigt.

Die Autoren dieses Beitrags, Petra Rattay, Thomas Lampert, Hannelore Neuhauser und Ute Ellert fassen die Ergebnisse ihrer Analysen wie folgt zusammen: “Auf der Basis der vorgestellten Ergebnisse kristallisiert sich als zentraler Ansatzpunkt einer familienorientierten Gesundheitsförderung die Verbesserung des innerfamilialen Klimas heraus. Gerade Strategien der Gesundheitsförderung, die die Verbesserung der sozialen Lebenschancen von benachteiligten Familien mit der Erweiterung von Verwirklichungschancen und Lebenskompetenzen von Eltern und Heranwachsenden und der Schaffung eines guten innerfamilialen Klimas verbinden, sind somit als zukunftsweisen einzustufen. … Hier wäre die Verzahnung der Gesundheitsförderung mit der Kinder- und Jugendhilfe hilfreich … Darüber hinaus scheint eine stärkere Vernetzung der familialen Lebenswerlt mit anderen pädagogischen Settings sinnvoll. … Eine ‘familienfokussierte Settingstrategie’ … erscheint somit insbesondere dann erfolgreich, wenn sie die Familien mit ihren Vernetzungen wahrnimmt und über die Familien ‘gesündere’ Handlungsoptionen anzubieten vermag …” (Rattay et al., 2012, S.167).

In aller Kürze kann man die politisch korrekt formulierten Forderungen wie folgt übersetzen: Kinder aus der Unterschicht (= benachteiligte Familien) sind häufiger krank, was vor allem am innerfamilialen Klima liegt (viel Streit, viel Alkohol, viel … [passendes Negativum einsetzen]), weshalb man Unterschichtsfamilien durch staatliche Institutionen (in denen viele Mittelschichtler beschäftigt sind) überwachen muss (familienfokussierte Settingstrategie), was es erforderlich macht, die entsprechenden staatlichen Institutionen (Sozial- und Jugendämter) mit zusätzlichen Befugnissen, (finanziellen) Mitteln und Angestellten auszustatten (Verzahnung der Gesundeitsförderung).

Diese weitreichenden Forderungen stehen am Ende eines 23seitigen (ohne Literaturverzeichnis) Beitrags, der auch insofern irritierend ist als die 23 Seiten sich auf 13 Textseiten und 10 Seiten, die mit Tabellen angefüllt sind, verteilen. Aber das ist nicht das einzige, was an dem Beitrag und seinen weitreichenden Forderungen irritiert. Die Reihe der irritierenden Ergebnisse beginnt damit, dass die Autoren nicht den Gesundheitszustand von Kindern gemessen haben, wie sie behaupten, sondern die Einschätzung der Gesundheit von Kindern durch ihre jeweiligen Eltern (wobei unklar bleibt, wer die Eltern sind, ob Väter, Mütter oder beide befragt wurden): “Wie würden Sie den Gesundheitszustand Ihres Kindes im Allgemeinen beschreiben?” (sehr gut, gut, mittelmäßig, schlecht, sehr schlecht”; Rattay et al., 2012, S.150). Der Einfachheit halber haben die Autoren die Kategorien “sehr gut” und “gut” als “gute Gesundheit” und “mittelmäßig”, “schlecht” und “sehr schlecht” als “nicht gute Gesundheit” zusammengefasst. Wer also bei der nächsten Befragung nach der Gesundheit seines Kindes gefragt wird, sollte nicht mittelmäßig sagen, weil das “nicht gut” bedeutet und nicht etwa “nicht schlecht”. Selbst durch diesen Trick gelingt es den Autoren lediglich 1.171 von 17.392 befragten Eltern als Eltern von Kindern mit als nicht gut eingeschätzter Gesundheit zu identifizieren.

Aber gut, besser 1.171 als gar keine Eltern, die die Gesundheit ihrer Kinder als” nicht gut” einschätzen. Für diese 1.171 Kinder, von denen ihre Eltern sagen, ihre Gesundheit sei  “mittelmäßig, schlecht oder sehr schlecht” (nicht gut in der Diktion der Autoren) untersuchen die Autoren nun, wie sie sich von den Eltern unterscheiden, die die Gesundheit ihrer Kinder als gut (also “gut” oder “sehr gut”) bezeichnen. Sie tun das für eine Vielzahl von unabhängigen Variablen, von denen sie, warum auch immer einen Effekt auf die Einschätzung der Gesundheit von Kindern durch ihre Eltern erwarten. Leider gibt es keinerlei theoretische Begründung für die Wahl von Variablen wie “Geschlecht”, “Zusammenwohnen mit beiden Elternteilen”, “Wohnfläche pro Person”, “Migrationshintergrund”, “Sozialstatus Eltern”, “Übergewicht Eltern”, “Rauchen in Wohnung”, “Stillen”, “Familienklima”. Doch nicht nur darüber, weshalb die Autoren die Variablen nutzen, die sie nutzen, wird der Leser des Beitrags im Dunkeln gelassen, die Frage, wie die entsprechenden Variablen gemessen wurden, wird ebenfalls nicht beantwortet. Dies ist in Teilen verschmerzlich, denn die Frage nach dem Rauchen kann man sich ungefähr vorstellen, bei zentralen Konzepten wie dem Familienklima, das die Autoren in ihren Forderungen als besonders wichtig betonen, ist dies jedoch ebenso unverzichtbar wie bei der Messung des Sozialstatus’. Da die Befragten nicht gefragt wurden, ob sie einen niedrigen Sozialstatus haben oder starke Defizite im Familienklima aufweisen, den entsprechenden Befragten der “niedrige Sozialstatus” und die starken Defizite im Familienklima von den Autoren aufgrund anderer Angaben der Befragten zugeschrieben wurden, ist es für die Interpretation der Ergebnisse unerlässlich, dass man weiß, wie gemessen wurde, was die Autoren ihren Lesern hier einfach als gegeben unterschieben wollen.

Dessen ungeachtet rechnen die Autoren munter drauflos, und zwar logistische Regressionen (- deshalb die dichotome abhängige Variable mit den Ausprägungen “gut” “nicht gut” – ein wenig Datenreduktion aus technischen Gründen). Die vielen Ergebnisse, die die Autoren in Modellen berechnen und Tabellen berichten, zeichnen sich dadurch aus, dass  es dem Leser unmöglich ist, die Qualität der berechneten Modelle nachzuvollziehen. Die berichteten Koeffizienten werden ohne Signifkanzen ausgewiesen (ein kapitaler Verstoß gegen wissenschaftliche MIndeststandards), die Anzahl der Befragten, auf deren Angaben die einzelnen Berechnungen basieren, wird nicht berichtet (ein ebenso kapitaler Verstoß gegen wissenschaftliche MIndeststandards) und anstelle des üblichen Gütekriteriums (Hosmer & Lemeshows chi-quadrat) wird Nagelkerkes r-quadrat als Maß für die Güte der Modelle berichtet, also dafür, wie gut es mit den unabhängigen Variablen (Familienklima, Sozialstatus der Eltern …) gelingt, die Einschätzung der Gesundheit der Kinder durch ihre Eltern zu erklären. Da sich Nagelkerke’s Maß nicht als Gütekriterium eignet, wie sich in  vielen Veröffentlichungen zum Thema nachlesen lässt (am komprimiertesten: Hosmer & Lemeshow, 2000, S.164-167), ist es Standard, die Anzahl der durch die logistische Regression richtig klassifizierten Fälle anzugeben. Dass Rattay et al. dies unterlassen, ist entweder statistischer Ahnungslosgkeit geschuldet oder der Tatsache, dass ein Bericht dieses Gütekriteriums die weitreichenden Forderungen der Autoren in Frage gestellt hätte.

[Technische Erläuterung

Punkte"wolke" und zugehörige logistische Regressionskurve

Mit einer logistischen Regression werden Wahrscheinlichkeiten im Hinblick auf eine binäre abhängige Variable geschätzt. Im vorliegenden Fall wird die Wahrscheinlichkeit geschätzt, dass Kinder entweder eine von den Eltern eingeschätzte gute oder eine nicht gute Gesundheit haben. Für die unabhängigen Variablen, wie z.B. Familienklima oder sozialer Status der Eltern wird ihr jeweiliger Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, dass Eltern entweder eine “gute” oder eine “nicht gute” Gesundheit für ihre Kinder berichten, geschätzt. Entsprechend ist es möglich, die Befragten auf der Grundlage des berechneten Modells (also über die Werte der unabhängigen Variablen) in Befragte zu klassifizieren, die eine gute Gesundheit ihrer Kinder berichtet haben müssten, wäre das Modell richtig, und solche, die eine nicht gute Gesundheit ihrer Kinder berichtet haben müssten. Die so gewonnen Verteilung der Eltern kann man dann mit den tatsächlichen Antworten der Eltern vergleichen und bestimmen, wie hoch die Anzahl der Fehlklassifikationen ist (also wie viele Eltern müssten nach der Modellberechnung gesagt haben, ihre Kinder hätten eine “nicht gute” Gesundheit, haben aber tatsächlich gesagt, ihre Kinder haben eine gute Gesundheit). Je mehr Fehlklassifikationen, desto schlechter das Modell. Dieses Gütekriterium ist das einfachste und am leichtesten zu interpretierende Maß, das ich kenne. Um so erstaunlicher, dass die Autoren es nicht berichten.]

Wie die oben zitierten Forderungen der Autoren zeigen, soll vom Familienklima eine besonders starke Wirkung auf die “eingeschätzte Gesundheit der Kinder” ausgehen. Es setzt den berichteten Nachlässigkeiten bzw. Unterschlagungen die Krone auf, dass die Variable “Familienklima” in keinem der von den Autoren dargestellten Modelle den behaupteten Stellenwert hat. In jedem Modell gibt es mindestens zwei Variablen, die besser erklären (zum Beispiel die Variablen “nie gestillt” bzw. nie Vollzeit erwerbstätig, beide Variablen wirken sich negativ auf die Einschätzung der Gesundheit der Kinder aus).

Rattay et al. fordern am Ende ihres Beitrags vollmundig, dass sich staatliche Institutionen in das Leben von “benachteiligten Familien” einmischen sollen, wobei benachteiligte Familien natürlich nicht der Mittelschicht entstammen, zu der die Autoren gehören, sondern der Unterschicht. Wie meine Darstellung gezeigt hat, werden die Forderungen der Autoren durch ihre Ergebisse in keiner Weise gestützt. Die Ergebnisse sind methodisch nicht nachvollziehbar, statistisch fragwürdig und stützen selbst dann, wenn man methodische und inhaltliche Fehler übersieht, die Interpretation der Autoren in keiner Weise. Somit stellt sich die Frage, wieso Rattay et al. die Schlüsse aus ihren Ergebnissen ziehen, die sie ziehen. Die einzige Antwort, die mir dazu einfällt, lautet: Es war von Anfang an klar, welche Ergebnisse die “Forschung” erbringen soll. Die “Forschung” ist Legitimationsforschung für paternalisierende Maßnahmen, und sie war zu keinem Zeitpunkt als an der Realität ausgerichtete Forschung gedacht. Das Ziel war einzig und allein die Legitimation weiterer staatlicher Eingriffe (oder die Bestätigung der eigenen Vorurteile gegenüber “benachteiligten Familien”, was davon schlimmer ist, weiß ich im Moment nicht). Entsprechend handelt es sich bei dem von Rattay et al. veröffentlichten Beitrag um Legitimationsbeschaffung, die mit der Realität nichts zu tun hat und nur dazu gedacht ist, die eigenen Traumwelten und die davon ausgehenden Paternalisierungen zu legitimieren. Es handelt sich dabei nicht um einen wissenschaftlichen Beitrag, was die Frage aufwirft, ob die Zeitschrift für Erziehungswissenschaft jetzt alles druckt ohne es durch ein Gutachterverfahren auf Qualität prüfen zu lassen oder ob die Gutachter ebenso wenig über wissenschaftliche Standards verfügen wiedie Autoren – was die Klassifikation der Gutachter als Lehrstuhlbesetzern nach sich ziehen würde.

Literatur
Hosmer, David W. & Lemeshow, Stanley (2000). Applied Logistic Regression. New York: Wiley.

Rattay, Petra, Lampert, Thomas, Neuhauser, Hannelore & Ellert, Ute (2012). Bedeutung der familialen Lebenswelt für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KIGGS). Zeitschrift für Erziehungswissenschaften 15(1): 145-170.

Bildnachweis
Rose Rubicondior

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