„Hurra, Hurra, die Schule brennt“: Brandstiftende Söhne Hamms

Die vielleicht wichtigste Methode im Arsenal von Sozialwissenschaftlern ist der Vergleich, der zwischen Gesellschaften, der über Zeit, der zwischen gesellschaftlichen Gruppen, der Vergleich, der in Methoden der Sozialwissenschaften immer seltener vorkommt. Am Ende kommt noch etwas zum Vorschein, was politisch nicht korrekt ist und die Karriere des Wissenschaftlers, der sein Heil an Institutionen sucht, gefährdet, z.B. dadurch, dass er Verantwortung übernehmen oder – fast schlimmer – Stellung beziehen muss.

Wir mögen Vergleiche zwischen Gesellschaften gerne, Vergleiche über Zeit aber fast noch lieber.

Z.B. Vergleiche mit den 1980er Jahren, die nach unserer Ansicht die goldenen Jahre der Freiheit und Demokratie waren, so wie es die Goldenen Zwanziger Jahre für die Weimarer Republik waren.

Es war genau im Jahr 1980, als eine Band mit dem Namen „Extrabreit“ ein Lied veröffentlicht hat, das man heute als sexistisch bezeichnen würde, in dem ein Aufruf zur Zerstörung öffentlichen Eigentums gesehen würde, das eine diskriminierende Komponente enthält, weil behauptet wird, es seien die sozial Benachteiligten, die kriminell sind und zerstören und von dem natürlich jeder Politiker mit Profilierungsbedürfnis behaupten würde, dass es dazu beitrage, Brandstiftung zu legitimieren und im Ende bliebe nichts anderes als zu konstatieren, dass Extrabreit eine rechtsextrem faschistische, Gewalt verherrlichende und sexistische Band weißer Männer ist, deren Lieder bei Radio Bremen mit Sicherheit nicht mehr ausgestrahlt würden.

Erst vor einem Vergleichshintergrund, wie ihn das Beispiel von Extrabreit darstellt, kann man den Irrsinn, die Hysterie und die abgrundtiefe Dummheit, die sich derzeit über den Söhnen Mannheims entlädt, so richtig einschätzen. Erst vor dem Hintergrund von „Hurra, Hurra, die Schule brennt“ kann man so richtig bewerten, welches Profilierungsbedürfnis und welche politisch korrekte Idiotie Bürgermeister, Mandatsträger und Amtsinhaber fast aller parteipolitischen Couleur dazu treibt, sich über den Text eines LIEDES zu echauffieren.

Die Langeweile und Sinnlosigkeit des Daseins muss von diesen Gestalten des angeblich politischen Lebens so sehr empfunden werden, dass sie sich nicht anders zu helfen wissen, als mit Hysterie auf den Text eines Liedes zu reagieren und auf diese Weise zu versuchen, die eigene Existenz mit Sinn zu füllen.

Armseligkeit ist in diesem Zusammenhang ein wirkliches Understatement…

Über Michael Klein
... concerned with and about science

8 Responses to „Hurra, Hurra, die Schule brennt“: Brandstiftende Söhne Hamms

  1. Jochen says:

    Auch waren die 80er noch eine Zeit, in der man unter der Bezeichnung „Intellektuelle“ im allgemeinen auch Politiker einschloß.
    Heute käme, mit Recht, kaum noch jemand auf so eine Idee.

  2. Pingback: „Hurra, Hurra, die Schule brennt“: Brandstiftende Söhne Hamms – MoshPit's Corner

  3. rainer says:

    Wir wissen doch noch alle, welche verheerenden Folgen der Extrabreit-Song hatte: Im ganzen Land brannten die Schulen, die Revolution stand unmittelbar bevor- hat dann aber irgendwie nicht geklappt. Danach kam nicht mehr viel…

  4. Grumbleduke says:

    Unvergessen auch der Aufruf zum kriminellen Dasein:
    „Ich hab‘ Kleptomanie –
    Keine and’re ist wie sie…!“
    Oder die Sex Pistols, OMG:
    „God save the Queen – she ain’t no human being!“ Channeling David Icke, maybe?
    Je älter ich werde, umso mehr Verachtung empfinde ich für nachfolgende Generationen

  5. hgb says:

    Da gibt es noch ein schönes Lied aus dem Liedgut derer, die schon länger hier wohnen ( so um 1700), das sehr schön politische Aktivitäten beschreibt: „Ein Loch ist im Eimer“ („https://youtu.be/STfoUg36E0g“)

    Hinzu kommt, daß die Stadt Mannheim mit Kunst sowieso so ihre Probleme hat, siehe auch „Mannheimer Loch“.

    Jetzt ist noch zu überlegen, welche Löcher noch so in der Stadtverwaltung sind.

    Motto: Loch an Loch und hält doch.

  6. Hosenmatz says:

    Wie sieht es denn mit „Willkommen liebe Mörder“ von H. R. Kunze aus?
    Oder mit „Wut“ von Feine Sahne Fischfilet, schließlich eine durch Maasi hochgelobte Band?

  7. sandako says:

    Für mich läuteten insbesondere „Polizisten“ die achtziger Jahre ein. Der dumpfe Bass, das harte Schlagzeug, die scharfe Gitarre – unvergessen. Extrabreit oszillieren zwischen Pop-, Rock, Schlager, politischer Aussage und dosierten Provokationen.

    Ein weiteres Stück, von „Extrabreit“, das heute wohl nicht mehr (kommentarlos) im öffentlich rechtlichen Rundfunk gespielt werden dürfte:

  8. Eloman says:

    Ja, ich weiß, ich bin ein Korinthenkacker, aber Extrabreit kamen mitnichten aus Hamm, sondern aus Hagen.

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