7 Millionen für Junk Science? Wie das BMFSFJ seine Getreuen versorgt

Wir haben schon öfter vom Speckgürtel des BMFSFJ geschrieben, in dem sich eine Vielzahl von Instituten angesiedelt hat, deren Existenz davon abhängt, dass aus dem Ministerium Steuergelder in die Taschen der Institutsangestellten fließen, für Projekte, die in der Regel viel Geld kosten und kaum bis keinen Erkenntniswert haben. Brauchen sie auch nicht, denn Ziel ist nicht, neue Erkenntnis zu gewinnen, Ziel ist es, die getreuen Günstlinge aus dem Speckgürtel des BMFSFJ zu versorgen.

Professional spongerNun sollte man denken, in einer Demokratie, in einer Demokratie, in der so unglaublich hoher Wert auf Transparenz gelegt wird, sind Ministerien bemüht, ihre Ausgaben jedem zugänglich zu machen, der sich dafür interessiert, z.B. in dem die Ausgaben für die dubiosen Projekte offengelegt werden, mit denen die Speckgürtelbewohner fett und satt gehalten werden.

Weit gefehlt bzw. soweit geht die Transparenz dann doch nicht.

Wenn es darum geht, die Verwendung von Steuergeldern für die eigenen Günstlinge offenzulegen, sind Ministerien zugeknöpft, plötzlich gar nicht mehr an Transparenz interessiert und geben bestenfalls durch Zufall oder aufgrund eines misslichen Leaks Auskunft, also dann, wenn es dumm gelaufen ist.

Dumm ist es mit Blick auf Drucksache 18/5448 gelaufen. Eigentlich war die Drucksache dazu gedacht, im Meer der sonstigen Drucksachen geschützt, unentdeckt in den Hafen der digitalen Archive zu treiben. Nicht gerechnet haben die Ministerialen wohl mit einem übereifrigen Mitarbeiter in der Pressestelle, der ausgerechnet Druchsacke 18/5609 herausgefischt hat, um über sie zu berichten.

Und deshalb wissen wir nun, dass das BMFSFJ seine Günstlinge im Speckgürtel seit Oktober 2013 mit Aufträgen im Wert von rund 7.000.000 Euro versorgt hat. Das entspricht rund 10 DFG-Sonderforschungsbereichen, an deren Ende in der Regel mehrere Bücher und rund 20 Arbeitspapiere und Veröffentlichungen pro Sonderbereich stehen. Beim BMFSFJ backt man kleinere Brötchen, hier führt die finanzierte angebliche Forschung in den meisten Fällen zu genau einem Bericht oder zu einem mageren Gutachten von ein paar Seiten.

Wir haben uns die Liste der vom BMFSFJ finanzierten Projekte angesehen und sie ausgewertet. Wer die Liste liest, merkt sehr schnell, welche ideologische Ausprägung man derzeit haben muss, um beim Ministerium für Familie, SENIOREN, Frauen und Jugend als besonders wertvoller Günstling angesehen und mit viel Steuergeldern gefördert zu werden.

Am besten man macht sich bei den Ministerialen mit einem der folgenden Themen lieb Kind:

  • Vereinbarkeit von Fortpflanzung und Arbeit;
  • Migranten, am besten etwas mit Islam;
  • Extremismus – sofern rechts;
  • Geschlecht, Transsexuelle stehen hoch im Kurs, vermutlich weil es so viele von Ihnen gibt, Frauen werden auch immer wieder gerne als Forschungsobjekt genommen;

Die vier Kategorien reichen, um das Gros der Studien zu subsumieren. Daneben gibt es noch eine Kategorie “sonstiges”, die sich mit nicht transexuellen Menschen, die nicht weiblich und kein Migrant sind und nichts mit arbeitsverträglich balancierter Fortpflanzung zu tun haben, befasst.

Hier die Aufstellung im Einzelnen:

Arbeitsverträglich balancierte Fortpflanzung

Gegenstand und unsere Beschreibung Kosten
“Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Die Facetten der Vereinbarkeit sollen gefunden werden”: Wie kann man Männern das Kinderwickeln schmackhaft machen. 245.000 Euro
“Kosten-/Nutzenanalyse kommunaler Familienzeitpolitik”: Ist keine Kosten-Nutzen-Analyse sondern die Suche nach einem Hebel, um Kommunen Famlienzeitpolitik schmackhaft zu machen. 361.000 Euro
“Väterreport”: Wie kann man Männern das Kinderwickeln schmackhaft machen? 34.000 Euro
“Weichenstellung für die Aufgabenteilung in Familie und Beruf”: Wie kann man Männern das Kinderwickeln schmackhaft machen? Studie im Rahmen des Kompetenzbüros, d.h. BMFSFJ will nicht sagen, wie teuer die Studie ist.
“Betriebliche Gelingensbedingungen einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit”: Kann man Betriebe benutzen, um Männern das Kinderwickeln schmackhaft zu machen? 267.852 Euro
“Konvergenz der Arbeitszeiten von Müttern und Vätern”: Welche gesellschaftlichen Kosten hat es, wenn Männer jetzt auch nicht mehr zu 100% für ihre Arbeit zur Verfügung stehen? 48.923 Euro
Gesamtausgaben für die Suche nach Möglichkeiten, Kinderwickeln schmackhaft zu machen: Mindestens 956.775 Euro

Migranten, am besten etwas mit Islam

Gegenstand und unsere Beschreibung Kosten
“Erziehungsstile in Familien mit Zuwanderungsgeschichte – vor allem bei Familien mit “türkischen, arabischen und polnischen Wurzeln”: Gibt es die Möglichkeit, für Sozialarbeiter Arbeitsplätz bei der Kinderziehung fremder Menschen zu beschaffen 161.200 Euro
“Digitale Strategien zur besseren Integration von Müttern mit Migrationshintergrund”: Mütter und Migration wird immer gefördert, egal, ob die Fragestellung sinnvoll ist oder nicht. 23.086 Euro
Gesamtausgaben für die beiden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen: 184.286 Euro

Extremismus, so lange es etwas mit rechts oder Islam zu tun hat

Gegenstand und unsere Beschreibung Kosten
“Junge Menschen und gewaltorientierter Islamismus”: Wie kann man die vielen Sozialpädagogen beschäftigen? 569.560 Euro
“NoPegida – die gute Seite der Zivilgesellschaft”: Anti-Pack-Forschung, ABM für Linke 18.552 Euro
“Vertrauen in die Demokratie – Verbesserung der Dialogstrategie des BMFSFJ”: Suche nach neuen Möglichkeiten, Fördergelder zu verteilen. 153.510 Euro
“Toleranz fördern: Gutachten zur Einsetzung einer rechstfähigen Stiftung”: Überführung von besonders treuen Günstlingen aus dem Speckgürtel aus Zeitverträgen in eine feste Anstellung 10.710 Euro
Gesamtausgaben für die ABM in diesem Bereich: 752.272 Euro

Alles, was Geschlecht ist

Gegenstand und unsere Beschreibung Kosten
“Genderspezifische Auswertung der D21-Studie. Auffinden digitaler Gräben”: Versuch, neue Felder für ein Diskriminierungslamento und entsprechende Fördermaßnahmen zu finden. 8.000 Euro
“Frauen im Topmanagement”: Fortsetzung eines Projekts, das zur Finanzierung einer Frauenlobbygruppe dient 199.862 Euro
“Machbarkeitsstudie zur Einführung eines digitalen Frauenarchivs”: Da gibt es noch einen Spezl, der finanziert und gefördert werden will. 9.520 Euro
“Women on Board Index 100”: 30.250 Euro werden hier bezahlt, um einen Index zu errechnen, der auf einfacher Division basiert. Grundrechenarten sind in unter Genderisten offensichtlich ein seltenes Gut 30.250 Euro
“Mikroökonomische Analysen zur Gleichstellung”: Wie kann man Frauen unter den Beziehern geringer Einkommen besserstellen als Männer? 25.880 Euro
“Erwerbstätigkeit von Frauen in Minijobs”: Wie kann man Frauen unter den Beziehern geringer Einkommen besserstellen als Männer? 88.829 Euro
“Beruflicher Wiedereinstieg”: Wie kann man Mütter besserstellen als andere Frauen? 20.000 Euro
“Mittelbare Diskriminierung bei der Aufstiegs- und Weiterbildungsförderung”: Wie kann man Frauen bei innerbetrieblicher Weiterbildung und innerbetrieblichem Aufstieg besser stellen als Männer? 15.850 Euro
“Einflussfaktoren und Kosten von Ausbildungsabbruch und Berufswechsel”: Wie kann man Frauen bei Ausbildungsabbruch und Berufswechsel besserstellen als Männer, die ihre Ausbildung abbrechen oder ihren Beruf wechseln? 63.684 Euro
“Erklärung geschlechtsspezifischer Einkommensungleichheit”: Projekt zur Aufrechterhaltung der Lüge vom Gender Pay Gap. 111.123 Euro
“Geschlecht und Recht – Wo kommt “Geschlechtsidentität” im Recht vor?” Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die das Feld der Trans-Studies begründen soll 139.850 Euro
“Angebot zur Beratung und Unterstützung von Menschen mit Geschlechtsvarianz”: Versuch, das Feld der Trans-Studien zu begründen und als relevant zu behaupten. 18.380,50 Euro
“Rechtsgutachten: Regelungsbedarf für transsexuelle Menschen”: Versuch, die Trans-Studien rechtlich zu legitimieren. 70.057,84 Euro
“Überblicksstudie über die Begrifflichkeiten zu Trangeschlechtlichkeit und Intergeschlechtlichkeit”: Versorgung für Studenten von Lann Hornscheidt? 15.440 Euro
“Gleichstellung in der Bevölkerung – Befragung unter Berücksichtigung der Lebenslaufperspektive und Milieuforschung … zu Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit”: Versuch, den Unterschied zwischen Gleichstellung und Gerechtigkeit zu verwischen. 503.965 Euro
“Coming out – und dann?”: Begründung der Trans-Studies und der damit verbundenen Planstellen für entsprechend zertifizierte Sozialhelfer und -berater in Coming-Out und danach 335.000 Euro
Gesamtausgaben für alles, was Geschlecht ist: 1.655.691,34 Euro

Die Darstellungen in den Tabellen machen eindrücklich deutlich, dass das BMFSFJ nicht an Ergebnissen für irgendetwas interessiert ist, sondern daran, Günstlinge aus seinem Speckgürtel zu versorgen. Entsprechend wäre es angebracht, wenn sich das BMFSFJ in Anstalt zur Versorgung des akademischen Überschusses unter besonderer Berücksichtigung von Frauen und Transsexuellen umbenennt. Das wäre zumindest ehrlich.

Was von vermeintlichen Studien, die vom BMFSFJ finanziert werden, um die Günstlinge aus dem Speckgürtel zu versorgen, zu halten ist, haben wir an einer Reihe von Beispielen dargestellt. Besonders eindrücklich ist die Junk Science, die wir hier besprochen haben und für die, wie man nach den Zahlen in den Tabellen annehmen kann, vermutlich rund 200.000 Euro aus dem Fenster geworfen wurden.

BundesversorgungsanstaltEs soll an dieser Stelle zweierlei nicht verschwiegen werden: Es gibt tasächlich eine Studie, die vom BMFSFJ finanziert wird und die sich mit Alten, den Senioren im Titel des Ministeriums befasst. Natürlich mit Problemalten, solchen mit Demenz, die man enstprechend nicht mehr für Kinderbetreuung einsetzen kann (Kosten in Höhe von 297.700 Euro).

Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass das BMFSFJ ein Projekt finanziert, mit dem eine methodische Neuerung einführt wurde: eine “qualitative Onlinebefragung”, mit dem Ziel “Aussagen und Meinungen aus der breiten Bevölkerung zu generieren”.

Man sieht, das Ministerium finanziert jeden Unsinn und merkt es nicht einmal, dass Unsinn finanziert wurde. Entsprechend wäre es für alle besser, wenn man sich einmal im Monat im Innenhof des BMFSFJ treffen würde. Der derzeitige Laiendarsteller, der Minister mimen dar, wirft die sieben Millionen Steuergelder aus dem Fenster und im Innenhof balgen sich all die Günstlinge aus dem Speckgürtel um das Geld.

Das könnte man im Fernsehen übertragen. Es hätte hohe Einschaltquoten, wäre als Werbezeit begehrt und hätte einen entsprechenden Unterhaltungswert, kurz: Die Steuerzahler hätten etwas davon, dass ihr Steuergeld aus dem Fenster geworfen wird.

Es gibt natürlich eine Diskrepanz zwischen den in der Tabelle aus dem BMFSFJ angegebenen Ausgaben und den Gesamtausgaben von 7 Millionen Euro, die in der Pressemeldung aus dem Bundestag genannt sind. Es gibt eben eine Grenze der Transparenz. Am Ende kommt noch jemand auf die Idee, Ministerien seien mit Blick auf ihre Ausgaben den Steuerzahlern verantwortlich oder gar Rechenschaft schuldig.

Rechtsterrorismus in Heidenau

Es gab einmal eine Zeit, da haben Politikwissenschaftler selbst dann oder gerade dann, wenn sie sich als Extremismusforscher begriffen haben, ihre Begriffe mit Bedacht gewählt und sehr klar zwischen Radikalismus, Extremismus und Terrorismus unterschieden.

Methode PowiDiese Zeit der analytischen Klarheit, sie ist offensichtlich vorbei. Alles ist eins, alles wird vermengt und verrührt, bis aus einer Gruppe, die sich gebildet hat, “eine radikale, eine extremistische Gruppe” wird, die “Gewalt als legitim betrachtet” und von einer “rechtsterroristischen Mentalität” gestützt wird.

Der, der das mit Blick auf die Ereignisse in Heidenau sagt, ist “Rechtsextremismusforscher”, wie es beim Deutschlandfunk heißt. Er leitet das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld und besetzt einen Lehrstuhl für Sozialisation und Konfliktforschung ebenda. Sein Name ist Andreas Zick.

Andreas Zick gibt in einem Interview mit dem Deutschlandfunk Einschätzungen über diejenigen, die in Heidenau demonstrieren oder randallieren von sich, über die man als Politikwissenschaftler nur den Kopf schütteln kann. Die Kurzform seiner Behauptungen lautet wie folgt:

Rechtsradikale, Rechtextremisten, Rechte halt, die haben in Heidenau eine organisierte Gruppe gebildet, eine terroristische Gruppe, die von einer rechtsterroristischen Mentalität getragen und gestützt wird, von Mitlauf-Bürgern, die sehen wollen, wie die Rechten das Recht in die eigene Hand nehmen und vor Ort für Ordnung sorgen. Sie wollen ein “eigenes Rechtssystem etablieren”.

Diese Kernaussage von Zick ist umrankt mit einer Reihe weiterer Behauptungen.

“Es gibt einen Riss durch die Gesellschaft”, so konstatiert Zick, einen Riss, der “polarisiert”. Es ist ein seltsamer Riss, der da durch “die Gesellschaft” geht, denn er teilt die Gesellschaft nicht in zwei, wie man schon wegen der Polarisierung denken könnte, Teile, sondern in drei: (1) in Zivilcourage Bürger, die eine Willkommenskultur vertreten (2) in “ein Drittel der Bevölkerung”, das keine Zuwanderer will und (3) in “radikale Gruppen” (also jetzt keine extremistischen Gruppen), die “versuchen, Gewinne zu machen, und die sagen, wir sorgen für Ordnung”.

Diese dreigeteilt, polarisierte und gerissene Gesellschaft, sie ist durch das Zusammenwachsen von Rechtspopulismus und Rechtextremismus möglich geworden, so behauptet Zick. Die neue “Landschaft, die hochgradig polarisiert ist”, bei der “Propaganda mit Gewalt zusammenwächst”, sie hat ihre Ursache in der Pegida. Welche kausalen Mechanismen zwischen denen, die in Dresden demonstriert haben und denen, die in Heidenau demonstrieren oder randallieren, vorhanden sind, das weiß Zick auch.

Scheinbar bemüht er psychoanalytische Einsichten, wenn er eine “rechtsterroristiche Mentalität” zu erkennen glaubt. “[Rechtsterroristische Mentalität], das heißt, das Rechtssystem, was vor Ort eigentlich gelten sollte, das wird infrage gestellt und als illegitim betrachtet, und Gewalt ist legitim. Da fängt der Rechtsextremismus an”. Und: “Rechtsextremismus fängt da an, wo Gewalt als legitim betrachtet wird”.

Die kausale Welt von Andreas Zick sie sieht eine organisierte Gruppe in Heidenau, die das Recht in die eigene Hand genommen hat, eine rechtsextremistische Gruppe, die Gewalt für legitim hält und durch eine rechtsterroristische Mentalität gestützt wird, die wiederum Mitglieder der Gruppe und die Mitlauf-Bürger besitzen. Sie besitzen die rechtsterroristische Mentalität deshalb, weil mit Pegida Rechtspopulismus und Rechtsextremismus zusammen gewachsen sind.

Prof FacepalmWenn das die Einsichten sind, die man als Professor für Sozialisation und Konfliktforschung an seine Studenten weitergibt, dann ist es um die deutsche Wissenschaft und vor allem um die methodische Begründung der Sozialwissenschaften rabenschwarz bestellt, dann ist längst die Ideologie an die Stelle der Wissenschaft getreten, die Ideologie, die nichts dabei findet, eben einmal alle, die aus welchen Gründen auch immer gegen Flüchtlinige demonstrieren, zu von rechtsterroristischer Mentalität Getriebenen zu stempeln, die Freude an Gewalt haben.

Das sagt einer, der angeblich die Polarisierung der Gesellschaft beklagt!

Wo soll man bei diesem typologischen Durcheinander beginnen?

Terrorismus ist ein geschützter sozialwissenschaftlicher Begriff, den man gerade als Sozialwissenschaftler nicht einfach denen entgegen schleudern kann, deren Handlungen man nicht mag.

Terrorismus wird gewöhnlich definiert als:

„The use of threat of action designed to influence the government or an international governmental organization or to intimidate the public, or a section of the public, made for the purpose of advancing a political, religious, radical or ideological cause and it involves or causes serious violence against a person; serious damage to a property; a threat to a present life; a serious threat to the health and safety of the public, or serious interferences with or disruption to an electronic system”.

Die Definition ist jedoch nicht vollständig, denn Terrorismus umfasst auch ein kommunikatives Element:

„Without being noticed, in fact, terrorism would not exist. The sheer act of killing does not create a terrorist act: murder and wilful assaults occur with such frequency in most societies that they are scarcely reported in the news media. What makes an act terrorism is that it terrifies. The acts to which we assign that label are deliberate events, bombings and attacks performed at such places and times that they are calculated to be observed. Terrorism without its horrified witnesses would be as pointless as a play without an audience” (Juergensmeyer 2003: 139).

Es kann jeder für sich entscheiden, ob das, was aus Heidenau berichtet wird, als Terrorismus angesehen werden kann oder ob Andreas Zick hier meilenweit über das Ziel hinausgeschossen ist – vielleicht aufgrund einer hyperhysterischen Mentalität.

Wie dem auch sein, ein paar Konsequenzen von Aussagen Zicks sind bemerkenswert:

Wenn für ihn die Anwendung von Gewalt die Trennlinie zwischen Radikalismus und Extremismus beschreibt und er eine rechtsterroristische Mentalität bei der von ihm identifizierten organisierten Gruppe in Heidenau sieht, die Gewalt als legitimes Mittel ansieht, dann muss er konsequenterweise, die organisierte Gruppe, die in Leipzig Polizeiwachen und Polizeibeamte überfällt oder randallierend durch die Innenstadt zieht, als linksextremistische Gruppe mit linksterroristischer Mentalität bezeichnen und in seine Konflikt- und Gewaltforschung einbeziehen.

Amadeu Antonio GUVSchließlich beendet Zick sein Interview mit den üblichen Hinweisen darauf, dass “man … Beratung” und “Clearing Stellen” braucht, um einen Schutzschild für Flüchtlinge zu bauen. Es gibt eben nichts, das so schrecklich ist, so voller rechtsterroristischer Mentalität, dass es nicht noch möglich wäre, öffentliche Mittel herauszuschlagen, um das Furchtbare zu bekämpfen, das gerade zur rechtsterroristischen Mentalität stilisiert wurde, mit dem Ergebnis, dass rund zwei Drittel der Bevölkerung davon befallen sind und entsprechend geheilt werden müssen.

Heilung gegen den Virus des Rechtsextremismus und Schutz der durch Rechtsextremismus (oder war es Rechtsradikalismus) Gefährdeten verspricht z.B. die Amadeu Antonio Stiftung , die jährlich mit rund 850.000 Euro vom BMFSFJ finanziert wird, eine Finanzierung, die umso einfacher zu legitimieren ist, je dringlicher die Not, rechsextremistische Strömungen, nein, rechtsterroristische Mentalitäten zu bekämpfen, ist.

Wie es der Zufall so will, ist Andreas Zick Vorsitzender des Stiftungsrats der Amadeu Antonio Stiftung und hat somit ein Interesse an der Stiftung und vor allem daran, dass die 21 Angestellten der Stiftung , die sich dem Kampf gegen Rechts gewidmet haben, auch im nächsten Jahr noch aus dem Etat des BMFSFJ finanziert werden. Eine rechtsterroristische Mentalität, die große Teile der Bevölkerung befallen hat, ist zur Sicherung dieser Finanzierung sicherlich nützlich.

Zick ist somit ein weiteres Beispiel für die unsägliche Verquickung von Ideologie, Ministerien und Wissenschaft, bei der die Wissenschaft auf der Strecke bleibt, weil man für die Produktion von Erkenntnissen nicht gefördert wird, sondern dafür, dass man ideologische Schützenhilfe für das leistet, was gerade als politisch opportun angesehen wird. Dafür erfinden manche selbst rechtsterroristische Mentalitäten. Warum Mentalitäten? Das ist einfach zu beantworten: Mentalitäten kann man beliebig phantasieren, aber nicht messen!

Noch ein Wort an all diejenigen, die in Heidenau gegen Flüchtlinge demonstrieren: Sie demonstrieren gegen die Falschen! Die Kosten, die durch Flüchtlinge entstehen, sind – wie Franz Müntefering wohl sagen würde: Peanuts, verglichen mit dem Geld, das den politisch opportunen Gefahrenbekämpfern in den Rachen geworfen werden, die sich im Speckgürtel des BMFSFJ angesiedelt und ein vitales Interesse an der Fortexistenz von nicht nur Rechtsextremismus haben. Hier wäre die Demonstrationsenergie, die in Heidenau vergeudet wird, deutlich besser eingesetzt.

Das Interview mit Andreas Zick im Deutschlandfunk findet sich hier.

Juergensmeyer, Mark (2003). Terror in the Mind of God. The Global Rise of Religious Violence. Berkeley: University of California Press.

Berliner Görenaufstand: Wie Feministen Wissenschaft missbrauchen

HU-BerlinEin ziemlich missglückter Versuch, das Kommunistische Manifest zu plagiieren, ist gerade in Berlin gestartet worden. Für eine “soziale, geschlechtergerechte und offene Gesellschaft!” geben Mitglieder der Initiative “feministischer Wissenschaftlerinnen” vor, zu streiten. Herausgekommen ist das “[W]ollen, die feministische Debatte neu zu entfachen” (Man beachte den Anklang an Brandstiftung!), eine Perversion von Wissenschaft, ein Missbrauch öffentlicher Positionen und ein EInblick in die Psyche und vor allem ökonomischen Unkenntnisse “feministischer Wissenschaftlerinnen”, der einem das Gruseln lehrt. Doch der Reihe nach.

Beginnen wir zunächst mit dem offensichtlichen WIderspruch bereits in der Unter-Überschrift: “Initiative feministischer Wissenschaftlerinnen”. Man kann nicht zwei Herren dienen: Entweder man ist Wissenschaftler und der wissenschaftlichen Methode verpflichtet, dann hat die Empirie die letzte Entscheidung, was bedeutet dass dann, wenn die Empirie den eigenen Annahmen nicht entspricht, die Annahmen modifiziert werden müssen oder man ist feministisch und somit ein Ideologe, bei dem die Annahmen über der Empirie stehen und in keiner Weise aufgrund von Unverträglichkeit mit empirischen Beobachtungen, veränderlich sind. Sie sind gesetzt und dürfen nicht hinterfragt werden.

Während Wissenschaftler also auf der Suche nach Erkenntnis ihre eigenen Annahmen ständig hinterfragen und bereit sind, falsifizierende Erkenntnisse zur Kenntnis zu nehmen, sind Ideologen in keiner Weise bereit ihre Annahmen, die bei ihnen zu fixen Vorstellungen geworden sind, zu prüfen oder gar mit wissenschaftlichen Methoden wie dem Mittel der Kritik zu hinterfragen. Ideologen verkünden das Heil, und sie verkünden ihre Wahrheit auch gegen alle empirische Evidenz.

Offenkundig wird dies bereits auf der ersten Seite der “Initiativ-Schrift”, auf der behauptet wird, einschlägige Forschung und die alltägliche Erfahrung zeigten:

  • Frauen verdienen weniger als Männer
  • Mütter bringen deutlich mehr Zeit für die Familie auf als Väter
  • Rentnerinnen haben im Schnitt 60% geringeres Einkommen als Rentner

Logik f dummiesWie man in täglicher Erfahrung Aussagen über alle Frauen und alle Männer begründen kann, ist uns nicht nachvollziehbar und eine solche All-Aussage käme auch einem Wissenschaftler nie über die Lippen, hätte er doch Angst, sich lächerlich zu machen. Diese Angst haben Ideologen bekanntermaßen nicht, denn in ihrer hermetischen Welt kommen andere nur als Statisten, derer man sich bedienen kann, vor. Und so wird behauptet, dass alle Frauen weniger verdienen als alle Männer, wohlwissend, dass es Frauen gibt, die mehr verdienen als Männer und dass die Höhe des durchschnittlichen Verdienst von der Anzahl der durchschnittlich geleisteten Arbeit abhängt, was dann, wenn die Daten des Statistischen Bundesamts hinzugezogen werden, die zeigen, dass Frauen durchschnittlich weniger arbeiten als Männer kein Wunder ist. Wenn Frauen durchschnittlich weniger arbeiten als Männer haben sie zwangsläufig mehr Zeit, sich um die Familie zu kümmern und da Rentnerinnen im Durchschnitt weniger in die Rentenkasse eingezahlt haben als Rentner erhalten sie auch weniger aus der Rentenkasse als Männer.

Wer auf Basis von Aussagen, wie den oben zitierten, seine Form der Geschlechtsgleichheit fordert, wer also fordert, dass Männer nicht nur mehr arbeiten, sondern sich mit geringerem Verdienst pro Stunde begnügen als Frauen oder sich trotz mehr Arbeitsstunden mehr um die Familie kümmern oder trotz höherer eingezahlter Rentenbeiträge nur soviel entnehmen wie Frauen im Durchschnitt entnehmen, der outet sich als krasse Form eines sozialistischen Ideologen, der seinen eigenen Spleen in die Welt der Statisten, die er sieht, übertragen will.

Menschen sind für diese feministischen Ideologen nur eine Verfügungsmasse, der man vorgeben muss, was gut für sie ist. Anders ist die Normalität, mit der feministische Ideologen in Paarbeziehungen intervenieren, nicht zu erklären. Mit welcher Legitimation wollen Feministen wie Diana Auth, Brigitte Aulenbacher oder Brigitte Bargetz eigentlich anderen vorschreiben, wie sie ihr Leben, ihre Arbeitsteilung im Leben zu organisieren haben? Woher nehmen sie sich das Recht in die Beziehungen Dritter zu intervenieren? Hier wird ganz deutlich, dass die feministische Ideologie, die Christine Bauhardt oder Ortrun Brand mittragen, eine totalitäre Ideologie ist, die keinerlei Abweichung von der eigenen Heilslehre duldet.

beleidigte Leberwurst

Beleidigte Leberwurst

Nun haben die Verkünder des Heils, also die Mitglieder der “Initiative feministischer” Ideologen festgestellt, dass “[i]m Wahlkampf 2013 … Geschlechtergerechtigkeit [also das, was sie darunter verstehen und was Gleichstellung und eben nicht Gerechtigkeit ist] kein Thema” war. Sowas auch. Wo kommen wir hin, wenn die Mehrheit die Heilslehre, die Sabine Berghahn, Angelika Diezinger oder Magdalena Freudenschuss verkünden, einfach ignoriert? Entsprechend emotional tangiert sind Tatjana Fuchs, Anja Gregor, Jana Günther und Jette Hausotter, dass sie nicht gehört werden, und deshalb stampfen sie gemeinsam mit Annette Henninger, Bettina Jörgens und Karin Jurzcyk mit dem Fuss auf und:

  • “sehen, wie soziale Fragen immer mehr von ökonomischen Interessen an den Rand gedrängt werden …
  • erleben einen neoliberalen Umbruch der Gesellschaften …,
  • halten es für falsch…
  • sind entsetzt…
  • sind besorgt …
  • plädieren für eine Neubelebung einer feministischen Bewegung…

Das einzig Positive, das es hier festzustellen gibt, ist, dass die “Initiative feministischer” Ideologen, also die Berliner Gören, die feministische Bewegung für tot halten, ansonsten wäre eine Neubelebung kaum notwendig. Das macht Mut und gibt die Hoffnung, dass der die Wissenschaft veralbernde, die Wissenschaft schädigende sozialistische Unsinn, den die “Initiative feministischer” Ideologen verkündet, tatsächlich kurz vor dem Absterben ist. Und es zeigt einmal mehr, dass Feminismus in Deutschland und Staatsfeminismus im Besondern ein zutiefst sozialistisches Unterfangen ist, das bei den Berliner Gören auf der Vorstellung aufbaut, man lebe im Paradies und die gebratenen Maiskolben kämen zu allen, die sie bestellten.

economics for dummiesUm den ökonomischen Sachverstand der feministischen Ideologen einschätzen zu können, also den von z.B. Helma Lutz, Gisela Notz, Jasmin Fouati, Barbara Thiessen oder Alexandra Manske muss man sich nur vergegenwärtigen, dass Gelder, die verteilt werden sollen, irgendwoher kommen müssen. In einer Geldwirtschaft ist es nach wie vor so, dass Steuereinnahmen aus dem kommen, was erwirtschaftet und umgesetzt wird. Erwirtschaften und Umsetzen von Gütern, der Transfer von Ressourcen in Kapital setzt, das hat schon Karl Marx gewusst, Arbeit voraus. Arbeit ist die Grundlage aller Ökonomie, denn ohne Arbeit gibt es schlicht nichts, was man verteilen könnte. Diese einfache Annahme, die sich auch dem Alltagsverstand von feministischen Ideologen erschließen sollte, ist bei denselben dennoch völlig unbekannt oder Irene Messinger, Hildegard Maria Nickel, Melanie Plößer und Ute Klammer, haben ihre Welt in die Klasse der Arbeiter und die Klasse der Nutznießer der Arbeiter eingeteilt, also eine moderne Form von Sklaverei, die u.a. Christina Klenner, Sigrid Leitner und Yvonne Loft hier entwerfen.

Nur mit einer solchen Aufteilung in diejenigen, die die Geldmittel erwirtschaften und diejenigen, die sie verbrauchen, ist es zu erklären, wenn Heike Pantelmann, Katharina Pühl, Clarissa Rudolph und Karin Scherschel fordern, Kündigungen zu verunmöglichen, eine “menschenwürdige Grundsicherung” einzuführen, die “Stigmatisierung von Hartz-IV Empfängern” zu beenden, ein sinnvolles, sozial orientiertes Leben jenseits der Erwerbsarbeit einzuführen und öffentlich anzuerkennen, will heißen, zu finanzieren, wenn sie fordern, “Sorgearbeit” [vor allem für sich selbst versteht sich], der Begriff, mit dem der Rohrkrepierer Hausarbeit ersetzt wurde, finanziell aufzuwerten und die “Zentralität von Erwerbsarbeit zurückzudrängen” um Zeit für “private und gesellschaftliche Belange” zu eröffnen [Wir wünschen den Berliner Gören, dass Sie den Mut finden, diesem Lebensentwurf zu folgen und kündigen. Da sie keinen Wert auf materielle Dinge zu legen scheinen, ist der Bezug von Hartz IV für sie doch ausreichend, um eine perfekte Work-Life Balance herzustellen.]

Der US-amerikanische Ökonom Michael E. Porter hat die Typologie der Wealth-driven Society geschaffen und meint damit eine Gesellschaft, die degeneriert ist und und in der aktuelle Generation den Reichtum verleben, den ihre Eltern und Großeltern erwirtschaftet haben. Er meint damit eine Gesellschaft, die vergessen hat, dass die Mittel, die umverteilt werden sollen, eine funktionierende Ökonomie voraussetzen und von Arbeitern und Unternehmern erwirtschaftet werden müssen. Die Berliner Gören sind ein gutes Beispiel für das, was Wealth-driven Societies produzieren: Personen wie Alexandra Scheele, Tanja Schmidt, Karen Schierhorn oder Frauke Schwarting, die in ihrem Leben noch nie genötigt waren, hart zu arbeiten und deshalb keinerlei Wertschätzung für die Arbeit anderer haben.

layz assDiese arbeitenden Anderen werden zu den Sklaven, die man benötigt, um die Gelder zu erwirtschaften, die man umverteilen will. Gerechtigkeitsfragen, an denen die feministischen Ideologen, an denen Brigitte Stolz-Willig, Maria Wersig oder Brigitte Young doch vorgeben, so herausragend interessiert zu sein, kommen ihnen nicht in den Sinn, wenn sie das Geld, das andere erwirtschaftet haben, für ihre ideologischen Spleens aus dem Fenster werfen. Sie haben eben keinerlei Moral und keinerlei Empathie für arbeitende Andere. Sie wissen nicht, was es bedeutet, zu arbeiten und entsprechend wirkt es wie Hohn, wenn ausgerechnet sie sich über die “Prekarisierung von Erwerbsarbeit” mokieren, sie, die gar nicht wissen, wie Arbeit aussieht, sie, die davon ausgehen, dass ihr warmer Arbeitsplatz an der Universität über Nacht von Unbekannten gesäubert wird, dass der Müll, den sie täglich produzieren, von Unbekannten abtransportiert wird, dass die öffentlichen Verkehrsmittel, die sie selbstverständlich benutzen, von Unbekannten bewegt werden. Das alles sind Selbstverständlichkeiten, auf die feministische Ideologen ein Anrecht zu haben glauben. Mehr noch, dieses Anrecht auf die Tätigkeit von Erwerbssklaven geht soweit, dass sie für sich in Anspruch nehmen, nicht nur vom Mehrwert, den Müllfahrer, Zugschaffner oder Putzkolonnen täglich produzieren, dafür finanziert zu werden, dass sie ihre öffentliche Position an Universitäten missbrauchen, um eine “Initiative feministischer” Ideologen vermutlich mit den Ressourcen ihrer Universität und in ihrer Arbeitszeit zu starten, nein, sie nehmen gar in Anspruch, den von Dritten erwirtschafteten Mehrwert nach eigenem Gutdünken umverteilen zu können.

Man muss schon sehr in seiner ideologischen Welt befangen sein, wenn man derartig großkotzig auftritt und sich keinerlei Gedanken über diejenigen macht, deren Leben man mit der eigenen Selbstgerechtigkeit beeinträchtigt. Aber Empathie, das Mitgefühl mit anderen, war nie die Stärke von Ideologen, wenn es darum geht, das eigene Heil zu verkünden, sind Ideologen immer über Leichen gegangen.

Zur Erinnerung

Zur Erinnerung

Das Vernichtendste, das mit diesem Pamphlet einhergeht, ist die Tatsache, dass es auf dem Server einer öffentlich finanzierten Bildungsinstitution, nämlich der Humboldt-Universität in Berlin zu finden ist, dass Personen, die durch welche Form der Protegierung auch immer, in Positionen an wissenschaftlichen Organisationen gelangt sind, diese Position ungehindert dazu missbrauchen können, Wissenschaft zu pervertieren und ihre ideologischen Spleens zu verbreiten. Vermutlich wird sich kein Rektor, schon gar nicht der der Humboldt-Universität fragen, wie sich die politische Agitation der “Initiative” , die Mitarbeiter von Universitäten unterschrieben haben, darunter bislang zwölf Besetzer eines Lehrstuhls und somit verbeamtete öffentliche Angestellte z.B. mit dem Beamtenrecht vereinbaren lässt, das den Missbrauch öffentlicher Ämter zum Zwecke politischer Agitation untersagt, und natürlich wird der Rektor nicht fragen, wie viel von Steuerzahlern finanzierte Arbeitszeit aufgewendet wurde, um den 10seitigen Unsinn zu formulieren.

Deshalb fragen wir das an dieser Stelle in der Hoffnung, dass so mancher Rektor vielleicht doch entdeckt, dass eine Universität der Vermittlung von Wissen dient und entsprechend nicht als Plattform für politische Propaganda missbraucht werden, pervertiert werden kann und – in Ausnahmefällen – auf etwas aufmerksam wird, von dem er dachte, er habe es längst abgegeben: Rückgrat, Rückgrat, sich gegen den Ausverkauf seiner Universität, deren Missbrauch zu stellen.

Und abschließend sind noch zwei Positiva zu benennen:

Erstens, mit diesem Pamplet aus Berlin ist der unsägliche und dumme Streit darüber, ob Feminismus links oder rechts ist, beendet. Feminismus ist mindestens Sozialismus in neuer Umhüllung, ist der Versuch, Menschen die eigene Armut bzw. besser: Verarmung nunmehr als Gleichstellung schmackhaft zu machen.

Zweitens kann jeder Student, jeder Arbeitgeber anhand der Liste der Unterzeichner gleich eine Vorauswahl darüber treffen, wo er besser nicht studiert, sofern er an Wissenschaft und nicht an Ideologie interessiert ist bzw. darüber von wo man besser keine Absolventen einstellt, wenn man daran interessiert ist, leistungsfähige und leistungswillige Mitarbeiter einzustellen.

Rosenbrock II: Feministischer Plagegeist

Eigentlich hatte ich nicht vor, mich noch einmal mit der “extended version” der Magisterarbeit von Hinrich Rosenbrock auseinanderzusetzen, deren Erstellung die Heinrich Böll Stiftung bezahlt hat. Aber nachdem mir die Mentorin Rosenbrocks und Lehrstuhlbesetzerin Ilse Lenz empfohlen hat das Inhaltsverzeichnis der Rosenbrockschen  Magisterarbeit zu lesen, um zu sehen, dass den Anforderungen an die wissenschaftliche Methode Rechnung getragen wurde, habe ich mir das Pamphlet also noch einmal angesehen (Die Empfehlung wurde mir durch verlässliche Quellen übermittelt, die sich in den Hochsicherheitstrakt kämpfen konnten, in dem von männlichem Wachschutz geschützt, Rosenbrock es wagte (trotz diverser Morddrohungen, die er erhalten haben will) seine Magisterarbeit “vorzustellen” .)

Ilse Lenz, die einen Lehrstuhl für Soziologie, Soziale Ungleichheit und Geschlecht [http-Adresse “femsoz.html!] an der Ruhr Universität Bochum besetzt, ist also der Meinung, die Arbeit ihres Jüngers sei methodisch in Ordnung, und dies sei durch das Inhaltsverzeichnis belegt. Nun, das Inhaltsverzeichnis enthält tatsächlich Begriffe, die an Methoden erinnern, Diskursanalyse (entfernt), quantitative Inhaltsanalyse (schon eher), aber dann kommt, was jedem Methodiker die Haare zu Berge stehen lässt: “eine Methodenreflexion”. Methodenreflexion betreibt Rosenbrock, grauslig. Methodenreflexion, das klingt wie “geordnetes Chaos” oder anschauliches Sammelsurium, es ist, kurz gesagt, ein Widerspruch. Es gibt keine Reflexion über Methoden, in der Weise, in der Rosenbrock den Begriff der Reflexion verwendet, es gibt Überlegungen zum methodischen Vorgehen. Methodisches Vorgehen beginnt mit einer Fragestellung, damit, dass man sich überlegt, wie man die Fragestellung umsetzt und prüft. Dies umfasst dann Fragen des geeigneten methodischen Vorgehens, der Auswahl der Stichprobe, auf deren Grundlage die Fragegestellung geprüft werden soll. Dies mündet in Fragen der Operationalisierung und der systematischen Art und Weise der Auswertung des Materials und zieht die Frage der Reichweite der Ergebnisse nach sich. All diese Überlegungen stellt man an, bevor man sich ans Werk macht und reflektiert nicht im Verlauf der Arbeit und höchst auszugsweise, was man  machen könnte.

Methoden sind ein Hilfsmittel zum Erkenntnisgewinn und so wie man einen Schlüssel ins Schloss steckt, um eine Tür zu öffnen, so wendet man Methoden nach einem festen Kanon an, um an Erkenntnis zu gelangen. Natürlich hat diese deterministische Vorgehensweise für ideologische Gemüter einen Nachteil, denn so wie man nicht weiß, was hinter der Tür steht, die man aufsperren will, so weiß man bei der Anwendung von Methoden nicht, welche Ergebnisse einem erwarten. Nur wer sicherstellen will, dass er keine Überraschungen erlebt, reflektiert Methoden wie Rosenbrock das tut. Er begeht damit eine bewusste Verfälschung der Realität, er biegt sich die Realität zurecht, so dass sie in seinen ideologischen Kram passt. Und manche, wie Rosenbrock, sind dumm genug, das dann auch noch zu schreiben.

Rosenbrocks methodische Reflexionen dienen dem Ziel, “antifeministische Inhalte” aufzuspüren (Ein kapitaler Verstoss gegen die Lauterkeit wissenschaftlichen Arbeitens, denn Rosenbrock versucht zu verifizieren, setzt also voraus, dass es antifeministische Inhalte gibt, was doch eigentlich zu zeigen wäre). Wie stellt man sicher, dass man auch antifeministische Inhalte findet? Ganz einfach, man sichtet die Daten in der Weise wie Rosenbrock dies auf den rund 134 Seiten getan hat, die seinen methodischen Reflexionen vorausgehen und sucht dann nach etwas, von dem man weiß, dass es schon da ist. Tendenziell antifeministisch sind für Rosenbrock entsprechend Aussagen, die behaupten, “geschlechtsspezifische häusliche Gewalt käme gleichermaßen bei beiden Geschlechtern vor und/oder Frauenfeindlichkeit ausdrücken, z.B. in der Diffamierung aller Hausfrauen als faul. Der Code ‘antifeministisch’ wurde Kommentatoren zugeordnet, die zusätzlich … weitere antifeministische Argumentationen oder typisch antifeministische Begriffe (z.B. ‘Lila Pudel’) bzw. Links (z.B. www.manndat.de) enthielten” (Rosenbrock, 2012, S.138).

Damit wäre Herr Rosenbrock in jedem Methodenkurs durchgefallen. (1) Zunächst einmal basiert sein antifeministischer Code auf einem Zirkelschluss, denn er belegt das Explanandum, “antifeministisch”, mit einem anderen “Explanandum”. Dass Manndat “antifeministisch” ist, wäre gerade zu zeigen, wollte man tatsächlich eine wissenschaftliche Arbeit erstellen. Da bereits zu zeigen ist, dass Manndat “antifeministisch” ist, kann man nicht damit zeigen, dass jemand, der auf Manndat verweist, antifeministisch ist. (2) Herr Rosenbrock kann nicht zwischen einer faktischen Aussage und einer Bewertung trennen. Die Behauptung, alle Hausfrauen sind faul, ist zunächst einmal eine Faktenaussage, die man prüfen kann. Unlauter ist es, wenn man ohne die Realität zu kennen, einfach eine Aussage als richtig setzt, und Rosenbrock weiß ebenso wenig wie sonst jemand, ob alle Hausfrauen faul sind, ganz einfach weil die Prüfung einer solchen Aussage feministischem Hochverrat gleichkommt und deshalb der sozialwissenschaftlichen Selbstkasteiung unterliegt, und entsprechend noch nicht vorgenommen wurde. Ergo, ist weder möglich die Aussage, alle Hausfrauen sind faul noch die Aussage alle Hausfrauen sind nicht faul als falsch zu bezeichnen.

(3) Wer also behauptet, Frauen und Männer seien in gleichem Maße zur Gewalt fähig, ist für Rosenbrock ein Antifeminist. Die Prämisse dieser Rosenbrockschen Einschätzung ist die Mär von der reinen Magd, die nicht fähig ist, die Hand zu erheben und zuzuschlagen. Nicht einmal Priester im Zeitalter der Inquisition haben die Meinung vertreten, dass das Geschlecht über die Befähigung zur Gewalt (oder wozu auch immer) bestimme. Rosenbrock offenbart sich hier als Anhänger des nationalsozialistischen Vril-Kults, was die Frage aufwirft, was er in der Wissenschaft will bzw. das Verhältnis zwischen Rosenbrock und Lehrstuhlbesetzerin Lenz in einem seltsamen Licht erscheinen lässt, das ich hier nicht weiter ausbreiten will. Allerdings wäre es schon interessant zu wissen, wie Rosenbrock zum Thema seiner Magisterarbeit gekommen ist und welche Rolle Lehrstuhlinhaber Lenz dabei und bei der Vermittlung der Magisterarbeit von Rosenbrock als Expertise an die Heinrich Böll Stiftung gespielt hat. Findet hier etwa ein reger und lukrativer Handel mit Abschlussarbeiten statt? Und sind die Nebentätigkeiten der Universitätsleitung bekannt?

[Da ich die Aussage, Männer und Frauen stehen sich in Gewalttätigkeit nicht nach, für richtig, da empirisch belegt, erachte und somit für Herrn Rosenbrock als antifeministisch gelte, will ich – um die Gewichte richtig zu setzen und die Abnormität des Kults, zu dem Rosenbrock sich rechnet, deutlich zu machen, kurz auf eine unglaubliche Fleißarbeit im blog “zum Mannsein geboren” hinweisen, dessen Betreiber insgesamt 125 Studien zusammengetragen hat, die sich mit Gewalt von Frauen auseinandersetzen und deren Verfassen somit allesamt dem Lager der Antifeministen zuzurechnen sind. Ich muss sagen, wir Antifeministen haben eindeutige Stärken in empirischer Forschung. Und wenn jeder, der die entsprechenden Fragen empirisch erforscht als antifeministisch gilt, dann ist die Aussage von Rosenbrock, dass Antifeministen ein nur wenige Hundert Personen umfassendes Häuflein seien, nicht haltbar, vielmehr müsste man sich, angesichts der großen Zahl empirischer Forscher im In- und Ausland fragen, ob nicht der Feminismus zu einem Hort der Randständigen geworden ist – falls er je etwas anderes war.]

Wie dem auch sei, Rosenbrock wird bald feststellen, dass er lediglich eine Figur in einem Spiel ist, an dem er kurzfristig teilnehmen durfte, um die ideologischen Miesheiten zu verbreiten, die Jüngern zufallen, weil “Meister” sich für derart niedrige Arbeiten zu schade sind. Deutlich wird dies z.B. darin, dass die eigenen Pfründe der feministischen Rent seeker dadurch gesichert werden sollen, dass jeder Dialog, jede Auseinandersetzung und jede Kritik gleich in Vorhinein als Häresie abgekanzelt werden soll. Und wer ist willfährig genug, um diese schmutzige Arbeit zu leisten: Unser Herr Rosenbrock. Dr. habil Heike Diefenbach hat den Zweck der Dialogverweigerung und Diskreditierung in einem Kommentar auf diesem Blog perfekt auf den Punkt gebracht und in einen größeren Zusammenhang eingeordnet:

“In anderen Ländern wird die Parallele zwischen Rassismus und Sexismus, der von so genannten Feministinnen vertreten wird und im Staatsfeminismus abgesichert wird, ganz klar gesehen. In Frankreich haben sich auch eher linke Autoren (wie Taguieff) gegen die Verunglimpfung der so genannten Neuen Rechten durch die so genannten „Linke“ gewehrt mit dem Hinweis darauf, dass diese Verunglimpfung genau die Praxis sei, die sie an den „Rechten“ kritisieren, nämlich dass moralisiert würde und zu dem führen müsse, was doch angeblich das Programm der Neuen Rechten sei, nämlich zu Totalitarismus und Segregation:

„The idea of absolute corruption, irreversible and complete defilement, returns in anti-racist discourse against the racist enemy from whom it has been borrowed. Thus it appears as a polemical theme common to both racism and anti-racism. This has real consequences for anti-racist action: if racists are unreformable, irredeemable, stained by their sins, then only one strategy becomes available, to dispel them, to ‘neutralise’ them, in a word, segregation“ (Taguieff, zitiert nach Bonnett 2005: 173/174).

(Wer’s nachlesen möchte: Bonnett. Alastair, 2005: Anti-racism. London: Routledge.)

Was (der eher „linke“) Taguieff hier den Antirassisten vorwirft, lässt sich genauso den so genannten Feministinnen bzw. Anti-Maskulinisten vorwerfen, nämlich die Weigerung, die Argumente derer, die (aus Gründen der Vorteilsnahme) zum politischen Gegner stilisiert werden, überhaupt nur als solche zu akzeptieren und die Kommunikation mit ihnen von vornherein als nicht möglich oder unnötig (mit „so was“ spricht man nicht) zu erklären. Und genau das tut Herr Rosenbrock ja im Interview mit Friese und von Bargen, wie man auf den Internet-Seiten der Böll-Stiftung nachlesen kann. Dort sagt er:

„Eine konstruktive Debatte ist mit den von mir untersuchten Gruppen im Normalfall nicht zu führen, da sie politisch Andersdenkende in teilweise extremer Form diffamieren und keinen inhaltlichen Austausch mit ihnen suchen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man sie einfach ignorieren kann. Denn trotz ihrer geringen Anzahl (auf welche Statistik sich Herr Rosenbrock hier beruft, bleibt sein Geheimnis, so wie überhaupt alle seine Behauptungen unbelegt bleiben) gelingt es ihnen immer wieder[, hier gehört ein Komma hin, liebe Leute von der Böll-Stifgung] Geschlechterdebatten zu stören und Einzelpersonen einzuschüchtern.“

Der gute Herr Rosenbrock bemerkt nicht, dass er gerade ein Argument macht, das sich gegen ihn selbst wendet: Wenn er – teilweise in extremer Form – politisch Andersdenkende diffamiert und keinen inhaltlichen Austausch mit ihnen sucht, dann ist mit ihm keine konstruktive Debatte zu führen.

Nun ja, Herr Rosenbrock ist nicht der einzige, der nicht logisch korrekt argumentieren kann, aber er ist einer der hoffentlich immer noch Wenigen, die sich dessen nicht einmal im Ansatz bewusst sind und sich dementsprechend mit der Entschlossenheit des Unwissenden um Kopf und Kragen reden, aber dennoch meinen, sie könnten für irgendetwas Experten sein (außer für die Demonstration logischer Fehler).

Er ist ja aber noch sehr jung und unerfahren, und es ist wohl einer großen Naivität geschuldet, dass er sich vor einen Karren hat spannen lassen, den er dann ganz allein aus dem Dreck ziehen darf, wenn’s im Argumentativen mangelt und dasselbe publik wird.

Bleibt noch zu klären, warum Rosenbrock sich überhaupt zu solchen Aussagen in Interviews versteigt. Hat er vielleicht den Auftrag erhalten, die Geschlechterdebatte durch unsinnige Beiträge zu stören oder Einzelpersonen einzuschüchtern?”

Kevin Fuchs sich hat in einem Beitrag für die Freie Welt ebenfalls mit der Rosenbrockschen Magisterarbeit auseinandergesetzt.
Dem Interview Rosenbrocks im WDR hat sich Zum Mannsein geboren gewidmet.

Etikettenschwindel – Der Missbrauch des Begriffs “Expertise”

Die Friedrich-Ebert-Stiftung vertreibt einen Text von Thomas Gesterkamp, der sich mit “Geschlechterkampf von rechts” beschäftigt und den Untertitel trägt: “Wie Männerrechtler und Familienfundamentalisten sich gegen das Feindbild Feminismus radikalisieren”. Überaschender Weise ist dieser Text, der vom Titel her klingt, als wäre er das Ergebnis einer “undercover” Aktion von Günter Wallraff, überschrieben mit “Expertise der Friedrich-Ebert-Stiftung”. Das bedeutet zum einen, dass der Autor nicht den Mut hatte, aktiv “zu forschen”, wie Wallraff das tut, zum anderen bedeutet es, dass Autor und Stiftung für ihr Werk wissenschaftliche Geltung beanspruchen, denn eine Expertise wird von einem Experten erstellt. Ein Experte hat Sachverstand und Urteilsvermögen. Beides zeichnet ihn gegenüber anderen aus. Zudem besitzt ein Experte “a set of skills or methods for apt and successful deployment of his knowledge to new questions” (Goldman, 2006, S:20). Das Problem mit der Expertise von Gesterkamp und FES ist nun, dass sie keine der Anforderungen erfüllt, die man an eine wissenschaftliche Expertise stellt.

Wissenschaftliche Arbeiten, das lernen Studenten bereits im ersten Semester, beginnen mit einer Fragestellung, die man untersuchen will. Da die meisten Fragestellungen bereits von anderen untersucht wurden, gehört zur wissenschaftlichen Arbeit die Darstellung des Forschungsstands. Wissenschaftliches Arbeiten ist die Anwendung einer Methode, ein methodisches und strukturiertes Vorgehen. Sätze über die Realität werden aufgestellt und geprüft. Das Schreiben einer Expertise hat darüber hinaus den Forschungsstand anhand logischer Kriterien zu gewichten und unter Abwägung der vorhandenen Daten, die zum Teil auch selbst erhoben sein können, zu einem wissenschaftlich begründeten und somit intersubjektiv nachvollziehbaren Ergebnis zu kommen.

Wie wenig die Arbeit von Gesterkamp auch nur den rudimentärsten Anforderungen an wissenschaftliches Arbeiten gerecht wird, von den Anforderungen an eine wissenschaftliche Expertise ganz zu schweigen, kann recht einfach und unter Bezug auf drei Kriterien, die in keiner wissenschaftlichen Arbeit fehlen dürfen, gezeigt werden. Die drei Kriterien sind:

  • Die Forschungsfrage bzw. Fragestellung
  • Die formalen Standards
  • Die verwendete Methode

Forschungsfrage

Gesterkamp hat keine Forschungsfrage. Gesterkamp hat ein Anliegen. Sein Anliegen besteht darin, jegliche Kritik am Feminismus als “rechts” oder “rechtslastig” und in jedem Fall als ungerechtfertigt zu diskreditieren. Das wird bereits an seiner Wortwahl deutlich, die die Wortwahl eines ideologischen Pamphlets, nicht aber die Sprache eines Wissenschaftlers ist. So werden Aussagen unterschiedlichster Provenienz, die Gesterkamp gleich zu Beginn zitiert, mit Verben wie “ausrufen”, “verlangen”, “denunzieren” oder “anprangern” belegt, um deutlich zu machen, dass die Aussagen unberechtigt sind. Damit auch der letzte Leser merkt, dass die von Gesterkamp indirekt zitierten (und in keinem Fall belegten) Aussagen “verdammungswürdig” sind, werden die Passagen noch mit Adjektiven wie “rechtslastig”, “neokonservativ”, “antifeministisch” oder “militant” angereichert und auch Nomen wie “Fundamentalismus” dürfen nicht fehlen. Dies macht auch einem unvoreingenommenen Leser nach wenigen Zeilen deutlich, dass er keinen wissenschaftlichen Text liest, sondern eine Form privater Abrechnung mit allem, was dem Autor – um seine Worte zu benutzen – “nicht passt” und dass für diese Abrechnung der Mantel der Wissenschaftlichkeit reklamiert wird. Das Fehlen jeglicher wissenschaftlicher Standards ist dann nicht weiter überraschend.

Formale Standards

Jeder Student im ersten Semester lernt, dass er keine Zitate von anderen nutzen darf oder anderen in den Mund legen darf, ohne die entsprechenden Zitate zu belegen. Quellenkunde und die Kunst des Bibliographierens sind elementare Bestandteile des wissenschaftlichen Arbeitens. Sie sind deshalb elementar, weil das Hauptkriterium einer wissenschaftlichen Arbeit die Nachvollziehbarkeit der darin gemachten Aussagen ist. Nachvollziehbar ist nur, was belegt ist. Thomas Gesterkamp belegt so gut wie nichts. Er füllt Seite um Seite mit Behauptungen darüber, was dieser oder jener gesagt haben soll, da und dort zu lesen sein soll, ohne dass er angibt, woher er sein Wissen nimmt. Er gibt seine Quellen nicht an. Wäre sein Text als Seminararbeit eingereicht worden, er hätte dafür keinen Schein erhalten.

Nicht nur das Fehlen rudimentärer wissenschaftlicher Standards ist auffällig, auch das Fehlen einer Auseinandersetzung mit dem Thema ist markant. So ist Kapitel 2.1 überschrieben mit “Behauptungen und Realität”. In diesem Kapitel wendet sich Gesterkamp u.a. gegen die Tatsache, dass Jungen im deutschen Bildungssystem erhebliche Nachteile haben und aktiv benachteiligt werden . Während die Nachteile und Benachteiligungen von Jungen empirisch gut belegt sind, führt Gesterkamp keinerlei Daten an, um seine überraschende Erkenntnis, dass Jungen keine Nachteile haben, zu belegen. Statt dessen proklamiert er, dass es falsch sei, Jungen pauschal als Bildungsverlierer zu bezeichnen, er behauptet, dass soziale Schicht wichtiger sei als Geschlecht und lässt noch den bemerkenswerten Satz folgen: “Männliche Mittelschichtsjugendliche zum Beispiel erbringen in Mathematik und in den Naturwissenschaften sogar überdurchschnittliche Leistungen” (5). Dieser Satz zeigt eindrücklich wie fremd Gesterkamp wissenschaftliches Arbeiten ist, denn der Satz enthält einen zweistelligen Funktor und macht deshalb nur Sinn, wenn man angibt im Vergleich zu wem, männliche Mittelschichtsjugendliche überdurchschnittliche Leistungen erbringen: im Verglich zu weiblichen Mittelschichtsjugendlichen, im Vergleich zu männlichen Unterschichtsjugendlichen, im Vergleich zu Thomas Gesterkamp, im Vergleich zu Erwachsenen… Wer weiß? Darauf, dass die Nachteile von Jungen im deutschen Bildungssystem nicht weggehen, wenn man die nachweislich falsche Behauptung aufstellt, es seien nicht Jungen, sondern Unterschichtsjungen, die Nachteile in der Schule haben, gehe ich an dieser Stelle nicht ein. Die Unhaltbarkeit dieser unsinnigen Behauptung habe ich schon im Zusammenhang mit Thomas Viola Rieskes “Studie” offengelegt.

Sodann findet sich ein Kapitel 3, das mit Forschungsstand überschrieben ist und in dem sechs Publikationen zusammengestellt sind, von denen der Autor offensichtlich auch nicht weiß, warum er sie an dieser Stelle präsentiert. Ebenso scheint er keine Ahnung zu haben, was er den entsprechenden Arbeiten entnehmen will, von denen eine nach seiner eigenen Einschätzung “weitgehend überholt” ist. Vermutlich ist “der Forschungsstand” ein Zugständnis an die Erwartungen, die Leser an eine wissenschaftliche Expertise haben. Da diese Erwartungen allerdings bis Seite 7 hinlänglich zerstört sind, hätte sich der Autor diese Camouflage ruhig schenken können. 

Die schönste Stelle dieses “Werks” findet sich auf Seite 11. Dort geht es Gesterkamp darum, u.a. online Foren als “Medium für Verschwörungstheoretiker” zu brandmarken, und dies tut er mit einer bemerkenswerten Feststellung: “Hier kann jeder ‘posten’, was ihm gerade einfällt – und sich durch die Einträge Gleichgesinnter bestätigt fühlen. Ob der Inhalt durch Quellen belegt ist oder nicht, spielt im Gegensatz zum seriösen Journalismus keine Rolle” (11-12). Wenn das Fehlen von Quellenangaben, wie Gesterkamp es hier nahelegt, dafür spricht, dass derjenige, der Behauptungen ohne Quellenangabe aufstellt, als Verschwörungstheoretiker enttarnt ist, dann qualifiziert sich Gesterkamp selbst als Verschwörungstheoretiker, denn seine Behauptungen über die Männerrechtsbewegung bleiben ausnahmslos unbelegt.

Methode

Wissenschaft ist eine Methode. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind das Ergebnis einer bestimmten Vorgehensweise. Forscher sammeln Daten durch ein Aktenstudium, durch quantitative Befragung, durch qualitative Interviews, durch Dokumentenanalyse, durch Fallstudien. Für Gesterkamp hätte es sich angeboten, Daten zur Männerbewegung zu sammeln, die über den Rapport der Entstehungsgeschichte und den Hinweis hinausgehen, dass Männerrechtler X einmal dabei gesehen wurde, wie er einem “rechtslastigen” Blatt ein Interview gegeben hat. Dies allerdings ist mit Arbeit verbunden, und es bedarf einer Fragestellung. Kurz: Es ist nicht so leicht zu bewerkstelligen, wie das Aufstellen wilder und unbelegter Behauptungen. Um Daten zu sammeln, muss man wissen, mit welchem Ziel man Daten sammelt, was man erklären will (schon um nicht im Meer der Information zu ertrinken). Gesterkamp will nichts erklären. Er hat keine Fragestellung. Er hat ein Anliegen. Er will die Männerrechtsbewegung in ein aus seiner Sicht schlechtes Licht stellen und dafür wissenschaftliche Fundierung in Anspruch nehmen, entsprechend benötigt er keine Methode und auch keine Fragestellung.

Dass es Gesterkamp nicht um Wissenschaft geht, weiß auch Barbara Stiegler. Sie merkt in ihrer Vorbemerkung an, dass das Fehlen einer wissenschaftlich abgesichten Empirie, sich in Gesterkamps “Werk” durch Bezug auf die “eher flüchtigen, teilweise schnell wieder verschwindenden Spuren im Internet” sowie “auf persönliche Beobachtungen im Kontext von Veranstaltungen” niedergeschlagen habe. Dies ist eine interessante Art, um den Leser darauf vorzubereiten, dass das, was nun folgt, nicht Wissenschaft, sondern persönliche Meinung und nicht Methode, sondern Willkür ist. Mit anderen Worten, der Text von Gesterkamp hat keinerlei wissenschaftlichen Wert und kann entsprechend dem Müllhaufen ideologischer Pamphlete überantwortet werden. Und so bleibt nur noch zu fragen, warum die Friedrich-Ebert-Stiftung das Pamphlet überhaupt veröffentlicht hat und davon fälschlicherweise behauptet, es sei eien Expertise? Vielleicht weiß ja einer der Leser dieses Beitrags eine Antwort.

Gesterkamp, Thomas (2010). Geschlechterkampf von rechts. Wie Männerrechtler und Familienfundamentalisten sich gegen das Feindbild Feminismus radikalisieren. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung.

Goldman, Alwin I. (2006). Experts: Whoch Ones Should You Trust? In: Selinger, Evan & Crease, Robert P. (eds.). The Philosophy of Expertise. New York: Columbia University Press, p.14-38.

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