Die EU und die Bundesregierung agitieren heftig gegen ein vermeintliches Gender Pay Gap. Die GEW ist intensiv bemüht, die schulischen Nachteile von Jungen aus der Welt zu interpretieren und beharrt auf den Nachteilen, die Mädchen doch bestimmt immer noch (wenn auch nicht klar ist wo) haben. Schützenhilfe erhält die GEW dabei von einer Reihe willfähriger Nachwuchswissenschaftler. Das Bundesministerium für FSFJ und die von ihm finanzierten Satellitenorganisationen führen eine Kampagne für mehr Frauen in Aufsichtsräten und an der Spitze von Unternehmen – zunächst freiwillig, dann per Zwang soll der Geschlechterproporz in Unternehmen so wie es dem Ministerium genehm ist, hergestellt werden.
Um generelle Aussagen darüber machen zu können, welcher Mehrwert in Lohn durch Bildung erreicht werden kann, berechnen Bildungsökonomen die Bildungsrendite, d.h. den prozentualen Wert, um den sich der Lohn mit jedem zusätzlichen Jahr Bildung (ausgehend von einem Bildungssockel) erhöht. Eine entsprechende Berechnung haben Ammermüller und Weber durchgeführt und dabei festgestellt, dass sich Bildung für Frauen auf jeder Bildungsebene mehr lohnt als für Männer. Für Frauen, die einen Haupt- oder Realschulabschluss erreicht haben, ergibt jedes zusätzliche Jahr an Berufsbildung einen Lohnanstieg von 7.06%, für Männer sind es 5.33%. Abiturientinnen erhalten pro zusätzlichem Jahr Berufsausbildung ein Lohnpremium von 10.08%, Abiturienten von 8.28%. Und ein akademischer Abschluss erhöht den Lohn im Vergleich zum Lohnniveau der Nichtakademiker für Frauen um 10.44% und für Männer um 9.67%.
Besonders interessant an der Untersuchung von Ammermüller und Weber ist, dass die Lohnzuwächse, die durch ein zusätzliches Jahr Bildung erreicht werden können, für Frauen und Männer in Berufssparten am höchsten sind, in denen sie in der Mehrzahl sind. Für Studenten bedeutet dies, dass männliche Studenten in den Fächern Jura, Ökonomie und Tiermedizin die höchsten Renditen auf ihre Bildung erreichen (um die 11-12%), während weibliche Studenten im Lehramt und in der Zahnmedizin (10-12%) die höchsten Bildungsrenditen erreichen: „The estimated returns to education by subject are coherent with the distribution of subjects of degrees because each gender reaches the highest returns in those fields where its share is relatively high“ (Ammermüller & Weber, 2005, S.14).
Dieses Ergebnis erklärt vielleicht, warum die beiden Autoren der IAB-Studie ihre eigenen Ergebnisse unkommentiert in Tabellen stehen lassen oder bestenfalls verschämt berichten und die entsprechenden Ergebnisse in einem Wust von mathematischen Formeln und Berechnungsweisen verstecken.
Literatur:
Ammermüller, Andreas & Weber, Andrea Maria (2005). Educational Attainment and Returns to Education in Germany. An Analysis by Subject of Degree, Gender and Region. Mannheim: Centre for European Economic Research, Discussion Paper No. 05-17.
Dörner, Dietrich (2003). Die Logik des Misslingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt.
Medolicchio, Concetta & Rhein, Thomas (2011). The Gender gap of Returns on Education Across West European Countries. Nürnberg: IAB-Discussion Paper 20/2011.
