
Wie immer, wenn in sozialistischen Regimen organisiert wird, bleibt kein gesellschaftlicher Bereich verschont. So hat Staatssekretär Josef Hecken gerade verkündet: „Unternehmen stärken das gesellschaftliche Engagement“. Gemeinsam mit 19 Wirtschaftsunternehmen, die sich „für das freiwillige Engagement einsetzen“, wirbt das BMFSFJ nun „für den Dreiklang Familie-Beruf-Engagement“. Gemeinsam, so Peter Kusterer, Mitglied der „Steuergruppe der „WIE“ (WIE = Wirtschaft, Initiative, Engagement), der eigentlich von IBM bezahlt wird, wolle man „mehr Wirkung in der Engagementförderung“ erzielen. Das klingt nicht nur wie eine Drohung, das ist eine Drohung, wie man den Seiten der „WIE“ entnehmen kann.
Die Zeiten, in denen Arbeitnehmer in ein Unternehmen gingen, um dort zu arbeiten und sich nach Ende ihrer aktiven Lebens-Arbeitszeit in ein Dasein als Rentner zurückzuziehen, sind endgültig vorbei. Nicht genug damit, dass die Fühler des Bundesfreiwilligendienstes bereits in Unternehmen reichen, und die dort Arbeitenden, vor allem die, die von den 19 Vorzeigeunternehmen der „WIE“ beschäftigt werden, zum freiwilligen Engagement angehalten werden, auch mit der wohlverdienten Rente hat es nunmehr ein Ende. Dies kann man einem interessanter Weise nur in englischer Sprache veröffentlichten Beitrag auf den Seiten der „WIE“ entnehmen: Ältere Arbeiter und Rentner, so steht zu lesen, seien nicht nur ein Reservoir, aus dem der Bundesfreiwilligendienst seine Freiwilligen rekrutieren könne, sie seien das Reservoir: „A new type of older adult volunteer is emerging: A person with skills, know-how, experience and, above all, free time. … Volunteering offers a way for people to give back to the community without the constraint of paid employment“ [Ein neuer Typ von erwachsenen Freiwilligen ist aufgetaucht. Eine Person mit Fähigkeiten, Wissen und Erfahrung und vor allem: freier Zeit. … Freiwillige Arbeit ist die Möglichkeit, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben, ohne sich dabei in den Fesseln bezahlter Arbeit zu befinden.]
Das ist keine Satire, es ist ernst gemeint. Wer sich also über Jahrzehnte den Buckel krumm gearbeitet hat (z.B. bei Beiersdorf oder BMW), der darf, nachdem er Jahrzehnte Steuern gezahlt hat, nach Erreichen der Rente nunmehr der Gesellschaft unentgeltlich seine Fertigkeiten und Fähigkeiten zur Verfügung stellen, etwas, nach dem er sich in all den Jahrzehnten seiner erzwungenen Erwerbstätigkeit, während der ihm nur sein Steuerbeitrag als Dienst an der Gesellschaft geblieben ist, gesehnt hat. Mit Erreichen der Rente darf der Lagerarbeiter von BMW seine über Jahrzehnte geübten Hebetechniken nun endlich in der Altenpflege einsetzen, um die dort Beschäftigten, die sowieso unter endemischen Rückenschmerzen leiden, von ihrer bezahlten Arbeit unentgeltlich zu entlasten. Ist das Zynismus oder einfach nur das Ergebnis dummer Gutmenschen, die nicht wissen, was sie tun und schreiben?
P.S.
Bundesminister und Staatssekretäre sind benachteiligt, denn obwohl sie sich um das gesellschaftliche Engagement anderer sorgen, gibt es niemanden, der sich um das gesellschaftliche Engagement von Bundesministern und Staatssekretären sorgt. Deshalb bitte ich um Vorschläge für freiwilliges Engagement von Bundesministern und Staatssekretären, also welcher Bundesminister darf freiwillig was tun? Die eingehenden Vorschläge werde ich dann an die Entsprechenden weiterleiten.
Literatur
Deci, Edward L. (1975). Intrinsic Motivation.New York: Plenum.
Frey, Bruno S. & Bohnet, Iris (1996). Tragik der Allmende. Einsicht, Perversion und Überwindung. In: Diekmann, Andreas & Carlo C. Jaeger (Hrsg.): Umweltsoziologie. Opladen: Westdeutscher Verlag, S.292-307.
Frey, Bruno S. & Jegen, Reto (2000). Motivation Crowding Theory: A Survey of Empirical Evidence. Universität Zurich: Institute for Empirical Research in Economics, Working Paper Series 1424-0459.
