Nonsense gegen Hatespeech: Anleitung zur Verblödung

Kontern, so kann man auf der Seite des deutschen Ablegerns von „NoHateSpeech“ lesen, sei wichtig. Man dürfe HateSpeakern nicht die Bühne überlassen, müsse sie in die Ecke argumentieren, Counterspeech heißt das Wundermittel, mit dem gegen HateSpeech vorgegangen werden soll. Counterspeech wird als hoch-intellektuelles Unterfangen verkauft, was gut ankommt, kann man sich als Counterspeaker doch für intelligent halten, ganz ohne eigenes Zutun.

So listet die Amadeu-Antonio-Stiftung, die auch federführend hinter dem deutschen Auftritt von no-hate-speech.de steht, folgende Strategien der Counterspeech gegen HateSpeech:

  • Nachfragen nach Fakten;
  • Diskriminierung benennen;
  • Gegenargumentieren und auf Fehler in der Argumentation hinweisen;

Offensichtlich geht mit dem Counterspeech ein gewisser kognitiver Anspruch einher. So sind das Argumentieren und das Aufdecken von Fehlern anspruchsvolle Tätigkeiten, die eine gewisse Kenntnis von Fakten und logischen Fehlern voraussetzen, eine Kenntnis, auf die hin, wir uns die „Konter“, die man auf der Seite von no-hate-speech.de finden kann und die dazu dienen sollen, Hatespeech zu bekämpfen, angesehen haben.

Und in der Tat, wird sind fündig geworden:

Logische Fehler, aber kein Argument:

NoHate 1

Eine reductio ad absurdum, denn: wer Leute, die andere nicht leiden können, nicht leiden kann, kann sich nicht leiden, weil er jemand ist, der andere nicht leiden kann. An diesem logischen Fehler ändert auch die Einschränkung „nicht sonderlich“ nichts.

Beleidigung, aber kein Argument:

NoHate3

Für alle, die es nicht verstehen: Du bringst den Arsch in den Hass, damit soll, da „ass“ im Englischen auch als Kurzform für Asshole gilt, gesagt werden, dass derjenige, gegen den sich diese Form der Nicht-Argumentation richtet, ein Arschloch ist.

Biologismus als genetischer Fehlschluss, aber kein Argument:

NoHate4

Hass wird hier zum Essentialismus erklärt, zur angeborenen Disposition, an der nichts geändert werden kann. Wer einmal hast, der hast immer. Die entsprechende Argumentation, die eine Beobachtung oder ein Merkmal in unzulässiger Weise verallgemeinert, gilt in der Wissenschaft als Totalitarismus, hinter dem in der Regel eine autoritäre Persönlichkeit steht.

Rassismus und Sexismus, aber kein Argument

NoHate5

Unter den Bekämpfern von Hatespeech ist der Irrtum verbreitet, dass es nicht möglich ist, weiße Männer zu beleidigen oder gar mit Hate Speech zu überziehen. Entsprechend muss man konstatieren, dass die Szene von Rassismus durchtränkt ist, denn Rassismus macht nicht an der Hautfarbe halt, er liegt dann vor, wenn ein Merkmal (weiße Haut), manchmal auch zwei (weiße Haut und männlich) zur Grundlage von Vorurteilen (sind nicht nicht beleidigungsfähig und somit generell Täter) gemacht werden.

Die Gegenrede, wie wir sie bislang zusammengetragen haben, besteht somit aus logischen Fehlern, aus Beleidigungen, aus Essentialismus und aus Rassismus. Es findet sich nicht einmal die Spur eines Arguments, nicht einmal der Versuch, ein Argument zu machen. Insgesamt vermittelt die Kampagne den Eindruck eines kognitiven Regresses, den man unter Kindern als „Ätsch“ kennt oder als Versuch, das Gegenüber mit Grimassen zu traktieren, weil das Maß an kognitiver Entwicklung, das allein Argumentation möglich macht, nicht vorhanden ist.

Wenn das Ziel von no-hate-speech.de darin besteht, die Diskussion in den vorschulischen Bereich zu verlagern und auf Kita-Niveau zu führen, dann ist dieses Ziel hiermit erreicht und es bleibt anzufügen, dass die Infantilisierung des öffentlichen Diskurses und der Feldzug gegen Vernunft und Argumentation aus einer bestimmten ideologischen Ecke kommt, in der ausgeschlossen ist, dass HateSpeech aus der eigenen Ecke kommen kann. Noch ein Beispiel dafür, dass hier Dummheit am Werk ist, wie man sie bei Kindern erwarten muss, die noch keinerlei Erziehung, geschweige denn Bildung genossen haben.

NoHateGroups

Wenn der Kampf gegen HateSpeech einen kognitiven Regress in der beschriebenen Art voraussetzt, dann scheint uns HateSpeech das geringere Übel zu sein. Wenn das Ziel der NoHateSpeech Kampagne in Deutschland darin besteht, die Aktivisten gegen HateSpeech lächerlich zu machen, dann ist dieses Ziel hiermit erreicht. Dass es dadurch zunehmend unmöglich wird, ernste Probleme ernsthaft zu diskutieren, ist quasi der Kollateralschaden, der daraus resultiert, dass kognitiv Defizitäre sich in der Öffentlichkeit ausleben dürfen.

Da es sich bei der Kampagne um eine Youth Campaign handelt, sollten sich Eltern gegen diese Art der Verdummung ihrer Kinder zur Wehr setzen.


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Haarsträubend: Polit-ökonomischer Bullshit aus der WELT

Replik auf den Beitrag „In der Wahlkabine wird die Unvernunft gewinnen“, von Thomas Straubhaar in der Welt.

Die Briten stimmen für den BREXIT. Das weiß Thomas Straubhaar, Kolumnist der Welt, bereits jetzt. Drei Gründe hat er dafür:

  1. Die Tragik der Allmende,
  2. Die Liebe zum Status Quo,
  3. Die unbewusste Unvernunft,

Die Tragik der Allmende führe dazu, dass die eigensüchtigen Briten das größere Europäische Glück, das sich langfristig, sagen wir ab 2075 einstellt, der kurzfristigen britisch-egoistischen Prosperität opfern.

Die Liebe zum Status Quo führt dazu, dass die konservativen Briten sich lieber am Glanz des alten Empire, denn am Glanz der großartigen EU und all der vielen Regulationen, die die EU-Kommission verspricht, festhalten.

Und die unbewusste Unvernunft, die führt dazu, dass Briten mit dem Bauch wählen und nicht mit der kühlen Rationalität, für die sie eigentlich bekannt sind.

Und deshalb kommt es nach Straubhaar zum BREXIT.

Haarsträubend und grottenfalsch, in jeder Hinsicht:

Prof FacepalmDie Tragik der Allmende, sie besteht für öffentliche Güter, die umsonst sind und von deren Nutzung niemand ausgeschlossen werden kann. Dass die EU umsonst wäre (und nicht ihre Klientel bedienen würde), kann nur jemand behaupten, der sich die letzten Jahrzehnte auf dem Mond aufgehalten hat. Und dass die EU der Hort der gemeinsüchtigen und altruistischen Mitgliedsstaaten ist, deren Vertreter nicht nebeneinander durch die Tür gehen, weil sie sich nicht einigen können, wer wem den Vortritt lassen darf, das ist eine Erzählung, die Straubhaar wohl eingefallen ist, als er das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut verlassen hat, um sich in Zukunft der Erkenntnis der Objektivität und Wahrheit im Kolumnenstil voll widmen zu können.

Der Status Quo ist gerade das, was die Briten loswerden wollen: Die Regulationen und Direktiven aus Brüssel, die Eingriffe in ihr tägliches Leben, die tägliche Gängelung und das tägliche Paternalisieren, viele Briten haben die Nase davon gestrichen voll, vom Status Quo gestrichen voll.

Die unbewusste Unvernunft ist nun etwas, das man eher aus esoterischen Zirkeln kennt. Und vermutlich ist der Hang von Straubhaar zu solchen Konzepten ein Grund dafür, dass er die krude Empirie des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts mit der brachialen Spekulation der Welt-Kolumne eingetauscht hat. Die unbewusste Unvernunft, sie zeichnet sich durch das Kreuz an der falschen Stelle aus. Das Kreuz an der falschen Stelle, es zeichnet sich dadurch aus, dass Straubhaar das Kreuz an einer Stelle, zum Kreuz an der falschen Stelle erklärt hat. Die Erklärung, ein Kreuz an einer Stelle, sei ein Kreuz an einer falschen Stelle, ist wiederum das Ergebnis eines Sendungsbewusstseins, das Straubhaar verinnerlicht hat und das man wohl so beschreiben kann:

Alles Gute kommt von der EU. Alles Gute, das von der EU kommt, kommt erst langfristig. Alles Gute, das von der EU erst langfristig kommt, schlägt sich als Neues nieder. Wer nicht auf das neue langfristig Gute der EU warten will, weil er vielleicht denkt, es kommt nicht oder er ist tot, bis es kommt, falls es kommt, der ist ein unbewusster Falschkreuzer und ein veritabler Depp, denn er hat nicht die tiefen und haarsträubenden Erkenntnisse zur Hand, die Thomas Straubhaar zum Kolumnisten in der Welt und zum Auguren des britischen Weltuntergangs machen.

Wir wünschten Straubhaar hätte die Erkenntnis aus dem ersten Satz seiner Kolumne auch umgesetzt.

 


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Neue Wege des Irrsinns: GEW–Gutachten prüft grundsätzliche Möglichkeit, Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen

In den letzten Jahrzehnten hat an Grundschulen eine Umschichtung stattgefunden. Waren 2002 noch 16,2% der Lehrer männlich, so waren es 2015 nur noch 12,5%. Wenig verändert hat sich im Hinblick auf die Arbeitszeit männlicher Lehrer, 64,0% der männlichen Grundschullehrer sind 2015 vollzeitbeschäftigt, 66,7% waren es 2002. Männliche Grundschullehrer sind somit die Ausnahme. 83,8% der Grundschullehrer waren 2002 weiblich, 87,5% sind es 2015. 54,8% der weiblichen Grundschullehrer waren 2002 teilzeitbeschäftigt, 2015 waren es 42,7%, denn die Verweiblichung der Grundschulen, sie hat dazu geführt, dass nunmehr 44,4% der weiblichen Lehrer Vollzeit arbeiten im Gegensatz zu 35,7% im Jahr 2002.

Männliche Lehrer werden langsam zur „endangered species“ an Grundschulen, was erhebliche Effekte auf den Bildungserfolg von z.B. Jungen hat, die ja, wie Diefenbach und Klein im Jahre 2002 gezeigt haben, umso besser in der Schule abschneiden, je mehr männliche Grundschullehrer es gibt.

Nun drängt es sich einem Betrachter der soeben präsentierten Zahlen nicht unbedingt auf, dass Grundschulen eine Spielwiese von Geschlechter-Fetischisten sein könnten, dass es tatsächlich Genderista geben könnte, die in Grundschulen eine Benachteiligung (!sic) von Frauen sehen, eine absichtliche Schlechterstellung von Frauen also.

Nun, wem die Tatsache, dass weibliche Lehrer an Grundschulen benachteiligt, ja diskriminiert werden, entgangen ist, dem kann geholfen werden: „Lehrerinnen an Grundschulen diskriminiert“, so die besorgte Aufschrei-Überschrift der GEW, die die Gelder ihrer Mitglieder, wie die Lektüre des nachfolgenden Textes zeigt, dazu aus dem Fenster geworfen hat, um ein „Rechtsgutachten“ in Auftrag zu geben, das belegen soll, dass Frauen an Grundschulen diskriminiert oder benachteiligt werden.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Und wie nicht anders zu erwarten, wenn die GEW einen ihr bekannten Juristen, der es an eine Universität geschafft hat, mit einem Gutachten beauftragt, kommt am Ende heraus, was vorne erwartet wurde: Frauen werden benachteiligt, denn: Grundschullehrer verdienen weniger als Lehrer an Schulen der Sekundarstufen I und II, und weil Grundschullehrer zu rund 90% weiblich sind, deshalb werden weibliche Grundschullehrer diskriminiert.

Verantwortlich für diesen Unsinn, der sich über schlappe 43 rechtsgutachterliche Textseiten schleppt, sind eine Eva Kocher, die als „Inhaberin des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Europäisches Recht und Deutsches Arbeitsrecht, Zivilverfahrensrecht an der“, na, wo? Richtig, an der Europa-Universität Frankfurt/Oder angepriesen wird. Zwei Voll…jurstistinnen, Stefanie Porsche und Johanna Wenckebach, haben Kocher dabei wohl attestiert.

Und jetzt, jetzt da die Spannung bei denjenigen, die sich für die Irrungen und Wirrungen des menschlichen Geistes interessieren, kaum mehr zu steigern ist, nun enthüllen wir die Begründung dafür, dass Frauen an Grundschulen diskriminiert werden:

Zuerst aus dem Rechtsgutachten:

Prof Facepalm“Die Voraussetzung einer mittelbaren Diskriminierung des Geschlechts sind dabei erfüllt, weil Frauen durch die fraglichen Besoldungsregelungen in besonderer Weise nachteilig betroffen sind: Der Frauenanteil unter den Grundschullehrkräften ist wesentlich größer als der Frauenanteil unter den Gymnasiallehrkräften – und die beiden Tätigkeiten sind insofern hinreichend vergleichbar. Die sich daraus ergebende Vermutung einer Geschlechtsbezogenheit der niedrigeren Besoldung wird noch dadurch gestützt, dass sowohl die unterschiedlichen Frauenanteile als auch die unterschiedlichen Besoldungen mit Geschlechterstereotypen erklärt werden können“ (48).

Weibliche Grundschullehrer werden also diskriminiert, weil sie weniger Lohn erhalten als Gymnasiallehrer und weil es mehr männliche Gymnasiallehrer gibt. Auf so eine Rabulistik muss man erst einmal kommen!

Warnung: Bitte nicht versuchen, eine entsprechende Rabulistik zu entwickeln. Ihr Verstand könnte darunter leiden.

Und weil es noch nicht reicht, reichen wir noch eine etwas ausführlichere Begründung nach. Der originale Kocher im Interview:

Eva Kocher: Sowohl die unterschiedlichen Frauenanteile als auch die unterschiedliche Besoldung können mit Geschlechterstereotypen erklärt werden. Zum Beispiel die Vorstellung, dass die Beschäftigung mit kleineren Kindern eine „weibliche“ Aufgabe sei und die Grundschultätigkeit familiennah gestaltet sei, eine Aufgabe, die „natürlicherweise“ der Frau zufalle und nicht erlernt zu werden braucht. Dies bedient genauso stereotype Geschlechterkonstruktionen wie die Vorstellung, bei der Grundschullehrtätigkeit seien „einfache“ Inhalte zu lehren, und der Fokus der Tätigkeit liege auf erzieherischen Aufgaben, auf Hingabe, Fürsorge und Einfühlungsvermögen. Es lässt sich also nur mit Geschlechterstereotypen erklären, dass trotz gleicher Anforderungen bei der Arbeit der Wissenschaftlichkeit gegenüber dem Pädagogischen ein höherer Wert zugesprochen wird.“

Für alle, die es nicht verstanden haben: Es gibt mehr männliche Gymnasiallehrer als männliche Grundschullehrer und mehr weibliche Grundschullehrer als weibliche Gymnasiallehrer und weil Gymnasiallehrer besser bezahlt werden als Grundschullehrer deshalb werden weibliche Grundschullehrer diskriminiert. Und warum werden sie das, weil man bei Grundschullehrern denkt, das ist einfacher Weiberkram, das ist Hingabe, Fürsorge und Einfühlungsvermögen und deshalb weiblich und deshalb wird es schlechter bezahlt.

Bevor wir uns der logischen Idiotie hinter dieser Rabulistik widmen: Wie kommt Frau Kocher eigentlich auf die Idee, Hingabe, Fürsorge, Einfühlungsvermögen seien weiblich konnotierte Eigenschaften und nicht männlich konnotierte Eigenschaften. Diskriminiert Eva Kocher hier Männer, und zwar auf Basis eines kruden und empirisch nicht zu belegenden Vorurteils, das sie als Forscher vollkommen diskreditiert (nicht diskriminiert)?

Unabhängig von der Antwort auf diese Frage müssen wir feststellen, dass eine Phantasie darüber, was denn die Begründung für ein empirisches Faktum sein könnte, keine Begründung ist. Wer das denkt, ist in der Wissenschaft fehl am Platze. Zugegeben, es reicht, um Geld von der GEW bzw. deren Mitgliedern abzugreifen, aber es ist zu wenig, um sich als Wissenschaftler zu qualifizieren. Um es auch für Frau Kocher nachvollziehbar zu machen: Die Tatsache, dass Grundschullehrer schlechter bezahlt werden als Gymnasiallehrer ist darauf zurückzuführen, dass Gymnasiallehrer mit mehr Hingabe, größerer Fürsorge und mehr Einfühlungsvermögen an der Bildung ihrer Schüler arbeiten als Grundschullehrer und da Gymnasiallehrer (immer noch) in ihrer Mehrheit männliche Lehrer sind, ist gezeigt, dass Hingabe, Fürsorge und Einfühlungsvermögen männliche Eigenschaften sind und entsprechend nicht als Begründung dafür missbraucht werden können, eine Diskriminierung von weiblichen Grundschullehrern herbei zu phantasieren – nicht einmal an der Viadrina in Frankfurt Oder und nicht einmal in einem Rechtsgutachten für die GEW, selbst wenn das Rechtsgutachten durch die Phantasie in Irr-Sinn noch so brauchbar für die Gewerkschafts-Funktionäre wäre, um rent seeking zu betreiben.

 

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„Sieg der EU-Hasser“ und kein Respekt vor Wählern

Was ist geschehen?

Eine Mehrheit der Holländer hat in einem Referendum gegen die Ratifizierung des Assoziierungsabkommens mit der Ukraine, das enge politische Zusammenarbeit und die Einrichtung einer Freihandelszone vorsieht, gestimmt.

Ein solches Referendum ist ein Mittel direkter Demokratie: Wähler werden um ihre Meinung gefragt und geben sie: 61,1% der 32% der wahlberechtigten Niederländer, die am Referendum teilgenommen haben, haben nein gesagt, das Assoziierungsabkommen mit der Ukraine abgelehnt.

Ein demokratisches Votum, das man zu respektieren hat, jedenfalls dann, wenn man in der Lage ist, Wählern und ihren Entscheidungen Respekt und Achtung entgegenzubringen. Das hat man früher den demokratischen Konsens genannt: Wann immer jemand bei einer Abstimmung auf der Seite der Verlierer gelandet ist, hat der demokratische Konsens von ihm verlangt, sich dem Mehrheitsvotum in diesem Fall zu beugen und die Entscheidung mitzutragen.

Das war früher. Heute gibt es welche, die denken von sich, sie seien Demokraten, die vorgeben, die Demokratie verteidigen zu wollen und dabei die Grundwerte, auf denen eine Demokratie fußt, mit beiden Händen aus dem Fenster werfen.

Kai Küstner vom ARD-Studio in Brüssel zum Beispiel. Er ist einer, der die Grundlagen der Demokratie nicht verstanden hat. Entsprechend sind Abstimmungen, deren Ergebnis ihm nicht passen, nichts, das er wie ein Erwachsener hinnimmt, nichts, das er wie ein Demokrat goutiert und vor allem respektiert, nein, sie sind etwas, gegen das er mit beiden Füßen aufstampft, wie ein unerzogenes Kind, das noch nicht gelernt hat, wie man sich unter Erwachsenen benimmt.

Sieg der EU Hasser.jpgEin Sieg der „EU-Hasser“ sei das Ergebnis des Referendums in den Niederlanden. Der Nationalismus, jenes „hässliche Phänomen“ droht, „Europa aktuell zu verbrennen“. Und warum: Weil die Europäer, die Niederländer in diesem Fall, so dumm sind, dass sie den „Donald Trumps Europas … auf den Leim gehen“, jenen europäischen Donald Trumps „die nichts anderes sind [als] nationalistische Populisten“.

Kai Küster, von dem man sich fragen muss, ob er noch zumutbar ist – immerhin gibt es Strafanzeigen gegen das ZDF und eine ermittelnde Staatsanwaltschaft, weil einer der dort beschäftigten Moderatoren den türkischen Premierminister Erdogan beleidigt haben soll. Wie verfolgenswert ist dann die generelle Beleidigung aller niederländischen Falschwähler als Deppen, die den europäischen Donald Trumps auf den Leim gehen?

Aber man kann Staatsanwälten nun wirklich nicht jeden Unsinn zur Ermittlung aufzwingen, entsprechend gestatten wir ihnen vorab, die Ermittlungen gegen Küstner nach § 154f StPO einzustellen, wegen Gründen, kognitiven Gründen, die in der Person des Angeklagten liegen.

Denn: wie so oft, wenn sich Journalisten öffentlich echauffieren, offenbaren sie persönliche Abgründe, die man lieber nicht gesehen hätten. Kai Küstner z.B. denkt von sich, er sei überlegen, viel intelligenter als die 61,1% von 32% wahlberechtigten Niederländer, die den „Donald Trumps Europas auf den Leim gehen“. Könnte Kai Küstner den Donald Trumps Europas auf den Leim gehen? Natürlich nicht. Dafür ist er nach eigener Einbildung zu intelligent.

Es ist ein offenes Geheimnis in der sozialpsychologischen Forschung, dass erfolgreiches Lernen die Überzeugung voraussetzt, etwas lernen zu können. Diese Überzeugung wiederum setzt die Kenntnis eigener Wissenslücken voraus. Nun haben wir schon vor einiger Zeit einen Beitrag dazu veröffentlicht, dass Inkompetente nicht lernen, weil sie inkompetent sind und deshalb nicht wissen, was sie alles nicht wissen, weshalb sie nicht lernen und inkompetent bleiben. Lernen setzt Zweifel an sich selbst voraus, was es wiederum unmöglich macht, anderen pauschal und quasi als Antwort auf die – wie Küster schreibt – „einfachen Antworten“ der Donald Trumps aus Europa die eigene einfache Antwort entgegen zu setzen, dass die dummen holländischen Wähler, 61,1% von 32% den Verführungskünsten der Donald Trumps Europas auf den Leim gegangen sind. Derart „einfache Antworten“, die ausschließen, dass unter den 61,1% von 32% Wahlberechtigten auch ein Wähler ist, der den Donald Trumps nicht auf den Leim gegangen ist, sondern eigene Gründe für seine Wahlentscheidung hat, würde ein kompetenter und intelligenter Kommentator natürlich nicht geben.

Das ist die Misere der Inkompetenz.

Diesem Teil der Persönlichkeit von Kai Küstner, der Teil, der seinen Selbstwert daraus gewinnt, sich auf der vermeintlich richtigen Seite zu verorten und auf die Deppen auf der falschen Seite, die Leimgeher, herunterzusehen, ihm steht der leidende Teil der Persönlichkeit gegenüber, in schöner Schizophrenie, jener Leidensteil, der es nicht verwinden kann, dass man abermals nicht auf der Seite der Mehrheit (also der 61,1% von 32%) steht und die Mehrheit auch dieses Mal nicht nur falsch abgestimmt, sondern über auch noch das Falsche abgestimmt hat: Nicht das gute Freihandelsabkommen mit der Ukraine muss Gegenstand eines Referendums sein, sondern das böse Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP), so erklärt Küstner in voller Überzeugung seiner einfachen Wahrheit.

Das Weltbild des Herrn Küstner, der doch die einfachen Wahrheiten verabscheut, es könnte nicht einfacher sein. Es gibt die Bösen, das sind die Donald Trumps in Europa und den USA und die Putins in Russland. Es gibt die Guten, die sind bei der EU zu finden und Kai Küstner natürlich, Kai Küstner ist ein Guter, und weil sie gut sind, werden sie gehasst, von den Bösen, den Donald Trumps in Europa und den USA und den Putins in Russland, und es gibt die Unterintelligent, deren mindere Intelligenz besteht darin, dass sie den Falschen „auf den Leim gehen“, nämlich den Bösen und nicht den Guten. Zu dumm. Halt, wir haben noch eines Vergessen: Die Guten, denen niemand auf den Leim gehen will, das sind die Demokraten, die guten Demokraten, diejenigen, die es furchtbar finden und nicht respektieren können, wenn andere anders wählen als sie es für richtig halten.

Das Beste wird es sein, die Guten machen ihr eigenes totalitäres Ding, fragen die Unterintelligenten nicht mehr, was sie davon halten, verordnen ihnen vielmehr Zustimmung und schicken die Bösen in ein Lager, damit sie weggesperrt sind und ihnen die Unterintelligenten nicht mehr auf den Leim gehen können.

Hat Deutschland Kai Küstner verdient?

Nein. Niemand hat Kai Küstner verdient.

 

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Tu Quoque, Nichtrechter Nichtwutbürger

Nie war die Gelegenheit für Personen, die in der akademischen Obskurität zu verschwinden drohen, besser als heute, nie war es einfacher, das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken, sich mit eingeübter Gelehrsamkeit zu umgeben und mit gewichtiger Stimme, Trivialitäten abzusondern.

Hier das Rezept:

bandwagon.pngMan produziere sich als Kenner der Demokratie, beleidige Bürger, nutze dehnbare Sprachhülsen, sage eigentlich nichts, aber das mit affektiver Würze und auf jeden Fall unter Einschluss des Begriffs „fremdenfeindlich“ in allen seinen Wortformen.

Dieses Rezept hat ein angeblicher Philosophie-Professor aus München, von der Hochschule für Philosophie, ein Michael Reder, der sonst gerne mit Salman Rushdie und Jürgen Habermas diskutiert, angewendet. Herausgekommen ist u.a. Folgendes:

„Wer rechtspopulistische Parteien wählt, untergräbt nach Ansicht von Philosophie-Professor Michael Reder Grundwerte unserer Gesellschaft. „‚Wir sind das Volk‘ zu rufen alleine, ist noch kein Zeugnis einer demokratischen Grundhaltung“, kritisiert der Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Philosophie mit Schwerpunkt Völkerverständigung der Hochschule für Philosophie München die rechten Wutbürger. „Populistische Vereinfachungen ignorieren die Vielschichtigkeit der Realität.“ Wer nicht konstruktiv, sondern nur mit solchen Parolen in den Diskurs eingreife oder Populisten unterstütze, schade deshalb der Demokratie, betont Reder.

Die Grundlage der Demokratie ist Reder zufolge der Wille der Bürger, sich komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen, diese konstruktiv zu meistern und aus Erfahrungen zu lernen. „Diesen Willen lassen AfD, Pegida und ihre Anhänger mit ihrem realitätsfernen und häufig fremdenfeindlichen Gebaren vermissen“, sagt er. Gleichzeitig nähmen sie aber die demokratischen Grundrechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung für sich in Anspruch und behaupteten, die Demokratie zu verteidigen.“

Wer also falsch wählt, der ist kein Demokrat, so weiß es der „Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Philosophie“, denn: die Grundlage einer Demokratie, das ist der „Wille der Bürger, sich komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen, diese konstruktiv zu meistern und aus Erfahrung zu lernen“.

Philosophie for dummiesDie Grundlage einer Demokratie wäre demnach umgesetzt, wenn sich Philosophen-Darsteller wie Reder z.B. den „komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen“ würden, die AfD und Pegida darstellen, mit den Menschen, die Partei und Bewegung tragen, in einen konstruktiven Dialog eintreten und aus Erfahrung lernen würden – aus der Erfahrung zum Beispiel, dass man Bürger, wenn man sie als Wutbürger beschimpft, ärgerlich macht, und zwar deshalb, weil man die „komplexe gesellschaftliche Herausforderung“, die darin besteht, dass diese Bürger eine andere Meinung haben, nicht konstruktiv meistert, sondern mit populistischer Vereinfachung nieder zu machen sucht.

Entsprechend wird aus solchen populistischen Vereinfachungen wie „Wutbürger“ nur deutlich, dass es denen, die sie benutzen, nicht darum geht, „komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen“ gerecht zu werden, sich gar konstruktiv mit ihnen auseinanderzusetzen, sondern einzig und allein darum, der Demokratie zu schaden.

„Wutbürger rufen“, Herr Reder, “ ist noch kein Zeugnis einer demokratischen Grundhaltung“! Auf diese Weise nicht konstruktiv, „sondern nur mit solchen Parolen in den Diskurs“ einzugreifen, schadet der Demokratie (von der Philosophie ganz zu schweigen).

Entsprechend müssen wir feststellen, dass in München ein Lehrstuhl für Philosophie von einem Herrn Reder besetzt ist, der der Komplexität der Realität nicht gerecht wird, es versäumt aus seinen Defiziten zu lernen und entsprechend zu konstruktivem Dialog nicht in der Lage zu sein scheint.

Schade um seine Studenten.

Ach ja, das hätten wir fast vergessen:

„** Michael Reder steht gerne für Interviews zur Verfügung. Anfragen richten Sie bitte direkt an: michael.reder@hfph.de.“

 

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Die SPD, ein Kinderpornoring?

Logik für Sozialdemokraten:

Wenn das stimmt:

Logik f dummies„Die Rolle der NPD bei den Taten sei „eindeutig belegbar, dadurch dass Aktivisten der NPD zu den Beschuldigten gehören“, sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD). Der 29-Jährige sei eine „stadt- und kreisbekannte Person“ der NPD.“

dann stimmt auch das:

Die Rolle der SPD bei den Kinderpornoaktivitäten mehrere Abgeordneter ist „eindeutig belegbar, dadurch dass“ Abgeordnete der SPD nicht nur zu den Beschuldigten gehören, sondern wegen der entsprechenden Straftaten vor Gericht standen und auch verurteilt wurden.

Hintergrund ist der Brandanschlag auf die Sporthalle eines Oberstufenzentrums in Nauen/Brandenburg vor rund einem halben Jahr. Die Sporthalle war als Unterkunft für Flüchtlinge geplant. An diesem Brandanschlag soll ein 29jähriger NPD-Stadtverordneter aus Nauen beteiligt gewesen sein.

Der Brandenburgische Innenminister glaubt nun schließen zu können:

X war am Brandanschlag beteiligt.
X ist Mitglied der NPD
Die NPD ist am Brandanschlag beteiligt.

Die logische Struktur dieses Schlusses ist wie folgt:

Einige A sind X oder: Einige Deutsche sind Politiker.
Einige A sind Y oder: Einige Deutsche sind Mörder.
Alle Y sind X oder: Alle Mörder sind Politiker.

Dass ein solcher Schluss so großer Unsinn ist, dass er es nicht einmal zum Fehlschluss schafft, sollte eigentlich offensichtlich sein. Aber man kann ja nicht sicher sein. Deshalb hier noch einmal ein Beispiel, das vielleicht auch der Innenminister des Landes Brandenburg versteht – vielleicht!

Sebastian Edathy (oder Jörg Tauss) hat Kinderpornographie auf seinem Bundestags-Computer.
Sebastian Edathy (oder Jörg Tauss) ist zum Tatzeitpunkt Mitglied der SPD.
Die SPD unterstützt Kinderpornographie.

Ob er es versteht, der SPD-Innenminister Schröter, oder ob er sich jetzt auf seinem Dienstcomputer rückversichert?

Wie dem auch sei: Bei allem Bemühen, die NPD aus der politischen Öffentlichkeit zu beseitigen sollte man doch Fairness walten lassen, schon weil man ja für sich in Anspruch nimmt, besser als die NPD-Mitglieder zu sein.

 

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Au weia: Qualitätsjournalismus!

Der Unsinnsticker hat schon wieder getickt: 10 auf der nach oben offenen Unsinnsskala.

Urheber: Dradio Wissen! Ja: Wissen!

Veröffentlichung vom heutigen Tag mit der Überschrift, „Wenn die Angst bleibt„.

Gegenstand: Ein Einbruch, ein Wohnungseinbruch.

„Der Psychologe Karl Theobald erklärt, dass wir [also wir alle] durch einen Einbruch extrem verunsichert werden. Wir rechnen nicht damit, blenden es aus, genauso wie wir nicht mit einem Autounfall rechnen“.

Was „es“ ist, wissen wir nicht. Vermutlich ist es das Freudsche-Es, das vom Über-Ich erst eingeblendet werden muss. Ungeachtet dessen, wer oder was „es“ zum rechnen bringt, sind „wir“ schockiert und extrem verunsichert.

Wir alle sind schockiert und extrem verunsichert, wenn bei uns eingebrochen wird.

katanaWir wissen ja nicht, wie das bei Ihnen ist, aber wir wären weniger schockiert und verunsichert als verärgert wenn bei uns eingebrochen werden würde. Und wir hätten auch keine Angst davor, dass der Täter noch einmal wieder kommt, wie Karl Theobald, Psychologe, weiß, dass sie viele haben, sondern davor, der der Täter nicht wieder kommt und deshalb keine Bekanntschaft mit unserem Katana machen kann.

Vermutlich sind es Leute wie wir, die Karl Theobald, Psychologe, dazu bringen, die extreme Verunsicherung, die er gerade noch für uns alle konstatiert hat, auf 10% von uns allen zu reduzieren und diesen eine Trauma-Folge-Störung zu attestiert.

Um so stärker ist die Trauma-Folge-Störung, je größer die Verletzung der Intimsphäre: Wenn die Täter die Unterwäsche durchwühlt haben, dann ist die Trauma-Folge-Störung groß, größer noch, wenn das Bild von Onkel Walter mitgenommen wurde und besonders schlimm ist das:

Je unbekannter der Täter, desto größer die Horrorfantasien.

Wie hat man sich einen Täter vorzustellen, der noch unbekannter als unbekannt ist, als ganz unbekannt oder besonders unbekannt oder unglaublich unbekannt?

Tücke der deutschen Sprache, die Adjektive umfasst, die man schlicht nicht steigern kann, denn mehr als unbekannt, kann etwas nicht sein, nicht einmal ein Täter oder ein Theobald, Psychologe.

Oder, in Psychologendeutsch:

Je unbekannter der Psychologe, desto größer der Unsinn, den er von sich gibt.

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Auch das noch: Vier Geschenke überfordern ein Kind

Apotheken sind wahre Horte der Weisheit und des nutzlosen Rates  Orte, an denen „ohne Zuzahlung“ und sogar ohne Rezept, Dinge wie die Apotheken-Umschau oder „Baby und Familie“ abgegeben werden.

Und ganz ohne Beizettel.

ApothekenKurz: Apotheken sind das El-Dorado für alle Sammler von allerlei gedruckten Devotionalien, Beispielen der Begrenztheit des menschlichen Intellekts und von Ratschlägen, die obwohl in der Inbrunst der Überzeugung vorgetragen, dennoch zum Verschwinden im Meer des Unsinns bestimmt sind.

Zum Beispiel:

„Mehr als drei Geschenke überfordern ein Kind“.

Eine Allaussage ohne wenn und aber: Wenn Sie nun gedacht haben, Ihr Kind sei hier die Ausnahme und man könne ihm vier oder gar sechs Geschenke schenken, dann vergessen Sie das ganz schnell, denn „Mehr als drei Geschenke überfordern ein Kind“ bedeutet: Alle Kinder sind mit mehr als drei Geschenken überfordert, also auch Ihr Kind.

Indes wird es schwierig, die schenkwütige Umgebung, die es auf Ihr Kind als Empfänger von Geschenken abgesehen hat, im Zaum zu halten, denn, so heißt es weiter in „Baby und Familie“:

„Alle wollen Ihr Kind beschenken“.

Nicht nur sind mehr als drei Geschenke für alle Kinder eine Überforderung, jetzt wollen auch noch alle genau „Ihr Kind beschenken“. Und natürlich sind alle, alle eben, deutlich mehr als drei, nämlich: 7 297 276 900 als wir diesen Text geschrieben haben. Wenn wir Ihr Kind als Geschenkeempfänger und uns abziehen, bleiben immer noch 7 297 276 897 als alle diejenigen übrig, die Ihr Kind beschenken wollen.

7 297 276 897 potentielle Schenker bei 3, drei, DREI ! Geschenken, wenn die Überforderungsschwelle nicht überschritten werden soll.

Was also tun?

Ingetraud Palm-Walter, Vorsitzende des Arbeitsausschusses „spiel gut“ in Ulm und deshalb hinreichend qualifiziert, um sich in „Baby und Familie“ zu äußern, weiß Rat:

„Sie rät, zum Beispiel der näheren Verwandtschaft vorzuschlagen, dass sich alle an einem größeren Geschenk beteiligen. ‚Oder Sie achten darauf, dass Ihr Kind nicht alle Geschenke gleichzeitig bekommt‘, so Palm-Walter. Die Schenker sollten das Präsent dann übergeben, wenn sie das Kind treffen. ‚Ich finde auch, dass Eltern Wünsche verteilen dürfen. Denn sie kennen ihren Nachwuchs am besten.'“

Die nähere Verwandtschaft zu einer kollektiven Geschenkabgabe zu verpflichten, das hilft nicht wirklich weiter. Gehen wir davon aus, dass die nähere Verwandtschaft 20 Personen umfasst, dann bleiben immer noch 7 297 276 879, die Geschenke bringen wollen, deutlich mehr als drei.

Was also tun?

Wir, in unserer Kolumne, gute Logik gegen groben Unsinn, raten zu Folgendem:

Logik f dummiesProblematische Allaussagen auch über die Weihnachtsfeiertage unterlassen. Nicht „Alle wollen Ihr Kind beschenken“, nicht einmal die Hälfte von alle oder ein Drittel von alle, nein vermutlich wollen rund 10/7 297 276 900 Ihr Kind beschenken. Etwas weniger als alle. Wir hoffen, diese Einsicht ist kein allzu großer Schlag für die eigene Selbstüberschätzung.

Darauf folgt Rat zwei: Und wenn es noch so kribbelt im Hirn, nicht alle Kinder sind mit drei Geschenken überfordert, wenn es überhaupt Kinder gibt, die mit drei Geschenken überfordert sind. Kinder sind nämlich unterschiedlich. Man versucht dieser Unterschiedlichkeit mit dem Begriff „Individuum“ Rechnung zu tragen und hat zudem z.B. die Kategorie „Alter“ als weiteres Unterscheidungsmerkmal eingeführt.

Und weil Kinder idiosynkratische kleine Individuen oft unterschiedlichen Alters sind, deshalb kann niemand, schon gar nicht Ingetraud Palm-Walter wissen, wie viele Geschenke „ein Kind“ überfordern.

Schließlich: Unzulässige Verallgemeinerungen unterlassen. Die Tatsache, dass man selbst mit Legospielzeug überfordert ist, bedeutet nicht, dass Kinder auch damit überfordert sind. Aus der eigenen Überforderung lässt sich nicht auf die Überforderung anderer schließen.

Wir hoffen, das überfordert Ingetraud Palm-Wagner jetzt nicht, rufen Ihr ein „spiel‘ gut“ zu und raten unseren Lesern: Nehmen Sie zuzahlungsfreie Druckerzeugnisse, die in Apotheken ausliegen, nur nach entsprechender Konsultation ihres Gehirns und dann auch nur im Beisein logischer Schutzkenntnisse zu sich, ansonsten droht ihnen zumindest kurzfristige, wenn nicht dauerhafte infirmitas.

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Neues vom Klimawandel: Ist der Wahnsinn eine Frau?

Wir kapitulieren wieder einmal vor der Masse der Leserhinweise!

Schon vor gut zwei Jahren haben wir über ein Pamphlet berichtet, das mit dem Titel „Ist der Klimawandel ein Mann“ überschrieben im schulischen Unterricht eingesetzt wird, um Schüler ganz offensichtlich zu indoktrinieren und  – wie man wohl in Anpassung an das trendende Wort der Hetze sagen muss: Geschlechterhetze zu betreiben.

Maßgeblich verantwortlich für das unsägliche und unsäglich dumme Pamphlet war Gotelind Alber, die überall als Diplom Physikerin gehandelt wird und dennoch nichts anderes zu tun scheint, als in Gendernetzwerken Steuergelder einzusammeln.

Prof FacepalmNun hat sich besagte Gotelind Alber wieder zu Wort gemeldet. Nicht, dass sie etwas Neues zu sagen wüsste. Nein. Sie erzählt immer noch denselben Unsinn- nunmehr in der ZEIT. Und wenn Sie sich bislang gewundert haben, warum die ZEIT ihnen fast täglich die eMailBox mit Gratis-Abonnement-Angeboten vollmüllt, nun wissen sie warum. Wer Unsinn druckt, wie den, den Alber von sich gibt, der hat entsprechende Probleme, Leser, die dafür bezahlen wollen, zu finden.

Klimakonferenz: Der Mann als Klimarisiko„, so der Titel eines Beitrags, den man bereits nach diesem Titel aus der Hand legen kann: Fehlschluss der unzulässigen Generalisierung; Fehlschluss der Bejahung des Konsequens: Ein Satz, zwei Fehlschlüsse: Gotelind Alber.

Den Inhalt dessen, was folgt, kann man schnell zusammenfassen: Männer fahren mehr und größere Autos als Frauen, deshalb tragen sie mehr als Frauen zum Klimawandel bei. Zudem essen Männer mehr Fleisch als Frauen und kümmern sich weniger um die Kinder als Frauen, was abermals Männer als verantwortlicher für den Klimawandel auszeichnet.

Dicke Autos, mehr Autofahren und mehr Fleisch, das macht die männliche Umweltsau, während das weibliche Umweltlieschen zuhause sitzt und sich ums Kindlein kümmert.

Oh No!Und so wie der Mann ein Klimarisiko ist, sind es auch die Männer, die mehr fahren als die Frauen. Der Tag an dem Durchschnittswerte auch zum Gebrauch durch Dipl. Physikerinnen freigegeben wurden, die sich als Mitglieder in Gendernetzwerken verdingen müssen, er war ein rabenschwarzer Tag. Der Tag, an dem der Durchschnitt zum normalen und vor allem modalen Rollenbild einer mathematikfeindlichen Genderbewegung geworden ist, die von Standardabweichung noch nichts gehört hat.

Aber lassen wir das, denn die Sprache von Logik und Mathematik, sie ist eine Sprache, die die Diplom Physikerin Gotelind Alber nicht verstehen wird, sie versteht nur Gendersprech.

Damit Männer sich von der ihnen zugewiesenen Rolle des Klimarisikos befreien können, ist es zunächst einmal notwendig, dass Männer nicht mehr zur Arbeit pendeln, dieselbe also niederlegen und entsprechend auch kein Geld mehr nach Hause bringen, von dem Frau und Kind(er) unterhalten werden.

Lkw-Fahrer im Besonderen sind aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen und sich vor allem zu weigern, Waren zu transportieren, die für das Klima schädlich sind. Hier ist in erster Linie an alle Waren zu denken, die zur Kinderpflege und Kinderernährung vorgesehen sind, denn der Mensch ist das größte Klimarisiko: Der Mensch verbraucht Ressourcen, die nicht nachwachsen, er heizt seine Wohnung mit fossilen Brennstoffen, er fährt Auto mit fossilem Brennstoff, er isst Fleisch und verbaut nicht nachhaltige Werkstoffe nicht nur in Kinderzimmern, kurz: Er ist das Klimarisiko par excellence, das es zum Schutz des Klimas zu vermeiden gilt.

Wie die jährliche Statistik zeigt, ist die Notwendigkeit der Nachwuchsvermeidung mitnichten in den Kernbestand des Wissens der Bevölkerung eingegangen. Allein 2014 kamen 714 996 Kinder in Deutschland zur Welt und immer sind es Frauen, die für die Geburt maßgeblich verantwortlich sind, was zeigt: Mütter sind das eigentliche Klimarisiko, über das es in Paris zu verhandeln gilt!

Schluss! Nein, ein Alber geht noch:

„Zu hoffen ist, dass dann der tief in unserer Kultur verwurzelte Mythos von der Beherrschung und Kontrolle der Natur, den der Klimawandel Lügen straft, überwunden werden kann.“

Nach Alber muss man Unsinn neu definieren. Wie seltsam, dass der Mythos der „Kontrolle der Natur“ die Grundlage von nicht nur Berechnung, sondern auch von Gegenmaßnahmen gegen den Klimawandel ist. Wenn es nicht möglich ist, die Natur und damit auch den Klimawandel in Teilen zu beherrschen, wenn dies ein patriarchalischer Mythos ist, was will Alber dann eigentlich?

Wie dem auch sei, nehmt der Diplom Physikerin den Computer weg, jenes Zeichen einer patriarchalischen Naturbeherrschung, schaltet ihr den Strom ab, verweigert ihr die Heizung, denn all das, es sind nur patriarchalische Herrschaftsstrukturen, die den Mythos der Beherrschung der Natur aufrechterhalten sollen, oder war es die Herrschaft der Vernunft über den Wahnsinn?

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Wenn Irrsinn endemisch wird

Die Kausalität von Ereignissen, sie ist eines jener Phänomene, die Philosophen durch die Jahrtausende beschäftigt haben, bis, ja bis David Hume der Kausalität ein Ende bereitet hat. Nicht nur wörtlich, sondern auch tatsächlich, hat er doch in seiner Untersuchung über den menschlichen Verstand nachgewiesen, dass es nicht möglich ist, kausale Beziehungen mit Sicherheit zu behaupten.

Hume treatiseDiese Humesche Vernichtung der Kausalität kann man nun ignorieren, wie es einige tun, die den Wissenschaftsbetrieb bevölkern, man kann sie auch konstruktiv wenden, wie dies Karl Raimund Popper getan hat und die Suche nach Kausalität zu einem Unternehmen machen, das nicht wahres, sondern derzeit belegtes Wissen und nicht die Entdeckung von Wahrheit, sondern die Annäherung an die regulative Idee von Wahrheit zum Gegenstand hat. Als Konsequenz müssen behauptete kausale Zusammenhänge nun argumentativ begründet und empirisch belegt werden.

Dass Philosophen Kausalität als regulative Idee ansehen, deren Vorhandensein nicht belegt werden kann, ändert nichts daran, dass im täglichen Leben relativ gute Näherungswerte an Kausalität zu finden sind. Lichtschalter haben die Angewohnheit, Energiesparlampen zum Dämmern zu ermuntern. Beleidigungen, einem anderen ins Gesicht geschleudert wurden, können in Kausalität die eigene Nase blutig werden lassen. Die Näherungswerte, sie sind recht vielfältig und z.B. vom kulturellen und technologischen Wissen derer, die sie aufstellen, abhängig.

Für einen kritischen Rationalisten heißt das, dass es recht taugliche Erklärungen für behauptete kausale Zusammenhänge gibt. Für andere bedeutet dies, dass wahre Kausalität im Auge des Betrachters liegt und entsprechend der Konstruktion zugänglich ist.

Und hier beginnt der Irrsinn:

Ein Schüler postet eine Pistolenzeichnung auf Facebook. Die Pistole ist aus Satzzeichen gestaltet und einer Lehrerin des Schülers gewidmet. Die Lehrerin ist anschließend fünf Monate arbeitsunfähig. Das Land Nordrhein-Westfalen verklagt den Schüler und verlangt 14.377 Euro Schadensersatz, 14.377 Euro, die der kranken Lehrerin gezahlt wurden. Grundlage der Klage ist das Gutachten einer „Psychiaterin“, die eine „posttraumatische Störung“ bei der Lehrerin diagnostiziert hat, die „wesentlich alleinige Ursache“ für die Arbeitsunfähigkeit der Lehrerin gewesen sei. Die posttraumatische Störung wiederum, sei durch die Pistolenzeichnung und deren Widmung auf Facebook ausgelöst worden.

So berichtet die Welt aus einer Gerichtsverhandlung vor der 4. Zivilkammer des Landgerichts Bonn.

Beginnen wir die Kausalkette mit der Psychiaterin, die eine posttraumatische Störung diagnostiziert haben will. Eine solche entsteht

„als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Prädisponierende Faktoren wie bestimmte, z.B. zwanghafte oder asthenische Persönlichkeitszüge oder neurotische Krankheiten in der Vorgeschichte können die Schwelle für die Entwicklung dieses Syndroms senken und seinen Verlauf erschweren, aber die letztgenannten Faktoren sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten der Störung zu erklären.“

Ob man die gewidmete Strichzeichnung einer Pistole als „Situation außergewöhnlicher Bedrohung“ oder „Situation katastrophenartigen Ausmaßes“ bezeichnen kann, ist doch eher fraglich. Vermutlich wird man jemanden, der eine solche Zeichnung als Katastrophe ansieht, eher als hysterisch bezeichnen, was bedeutet, dass nicht die Zeichnung als Ursache angenommen werden müsste, sondern die Tatsache, dass der Betrachter der Zeichnung hysterisch und somit gerade nicht so reagiert, wie es „fast jeder“ tun würde. Das im ICD-10 geforderte Kriterium, nach dem die Ursache der posttraumatischen Störung bei „fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“, ist somit ein Ausschlusskriterium, denn es ist nicht zu erwarten, dass „fast jeder“ auf eine entsprechende Zeichnung, die ihm gewidmet ist, mit fünf Monaten Arbeitsunfähigkeit reagiert.

Das Gutachten der begutachtenden Psychiaterin muss also als fehlerhaft angesehen werden. Dass das Gutachten eher ein teurer Witz als sonst etwas ist, macht bereits die Formulierung „wesentlich alleinige Ursache“ deutlich. Da es eine alleinige Ursache auszeichnet, alleinige Ursache zu sein, kann sie nicht wesentlich alleinige Ursache sein, denn die Bestimmung „wesentlich“ setzt mehr als eine Ursache voraus, also gerade keine alleinige Ursache.

Nuts in BedlamNun sollte man denken, in Ministerien sitzen denkfähige Menschen, denen derartiger Unsinn auffällt. Nicht so in NRW. Dort hat man sich offensichtlich vorgenommen so viel Steuergelder wie nur möglich zu verbrennen und auf die 14.377 Euro, die zur Finanzierung einer „seit vielen Jahren psychisch“ instabilen Lehrerin aufgewendet werden mussten, noch Gerichts- und Anwaltskosten in vermutlich derselben Höhe zu packen. Warum, weil man es im Ministerium für tatsächlich möglich gehalten hat, dass die gewidmete Strichzeichnung einer Pistole zu einer posttraumatischen Störung bei einer Lehrerin geführt hat, die als psychisch instabil bekannt ist. Dass eine derartige Einschätzung eine Beleidigung all jener ist, die aus Kriegsgebieten geflohen oder die einen Flugzeugabsturz überlebt haben und somit tatsächlich und wirklich Grund haben, in tiefe Verzweiflung zu verfallen, das ist den NRW-Bürokraten offensichtlich nicht in den Sinn gekommen.

Entsprechend mussten die Richter der 4. Zivilkammer des Bonner Landgerichts, die Normalität wieder ins Spiel bringen und die Klage gegen den Schüler abweisen. Dass der Schüler dennoch eine Entschädigungssumme von 1000 Euro „als Erziehungsmaßnahme“ zahlen muss, ist insofern eine Willkürmaßnahme, die den bereits herrschenden Irrsinn nicht unbedingt eindämmen wird.

Man kann die Klagen der Opfer von Cartoonisten bereits vor sich sehen, die aufgrund einer Zeichnung, die bestimmte ihrer Gesichtszüge übertrieben hat, in eine posttraumatische Krise gefallen sind, die sie arbeitsunfähig gemacht hat. Und man hat so gar keinen Zweifel daran, dass die nunmehr Arbeitsunfähigen eine Psychiaterin finden werden, die ihnen attestiert, eine posttraumatische Störung entwickelt zu haben, die von dem katastrophalen Ereignis, ihrer entstellten Darstellung in einem Cartoon ausgelöst wurde.

Kausale Beziehungen, das sei noch einmal in Erinnerung gebracht, leben davon, dass sie plausibel erklärt werden können. Insofern stellt sich die Frage, ob die Strichzeichnung nicht eher willkommener Anlass denn kausale Ursache für die Arbeitsunfähigkeit war.

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