Norwegische Unternehmen im Widerstand oder: wie man Genderisten ins Leere laufen lässt

Die unsägliche Frauenquote in Führungsgremien von Unternehmen, die Viviane Reding nunmehr am 14. November und im zweiten Anlauf für Europäische Unternehmen verpflichtend machen will, wird von ihren Befürwortern und wie ich schon mehrfach gezeigt habe fälschlicherweise als ökonomischer Segen verkauft, der ohne jegliche Nachteile daherkommt, der Unternehmen nur Nutzen und keine Kosten bereitet und der Gleichstellung (auf Kosten der Gerechtigkeit) schafft. Was die entsprechenden Regelungs-Befürworter gemeinhin vergessen: Jede Form von Regulation hat Kosten, die von den Unternehmen getragen werden müssen, die die Regulation zu befolgen haben.

Abteilungen, die mit “compliance” beschäftigt sind, sind heute die am schnellsten wachsenden Abteilungen in Unternehmen. Die Aufgabe der Abteilungen besteht darin, mit der Flut von Regulationen, die entfesselte Bürokratien in Brüssel, in nationalen Ministerien und in den unterschiedlichsten supra-nationalen Institutionen erlassen, Schritt zu halten.  Die Kosten für Personal, Material und Zeit sind die offensichtlichen Kosten dieser Regulation. Da das Geld, das für “Compliance-Abteilungen” ausgegeben wird, anderweitig fehlt, kommen noch Opportunitätskosten hinzu, die daraus entstehen, dass das Kapitel, das eingesetzt werden muss, um es den Bürokraten in z.B. Brüssel Recht zu machen, nicht eingesetzt werden kann, um z.B. Forschung zu betreiben. Und natürlich sind auch die Veränderungen, die entsprechend neuer Regularien vorzunehmen sind, mit Kosten verbunden. Bereits die Anforderungen an die Erstellung einer Bilanz, wie sie die internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS (IAS)) vorsehen, haben Unternehmen erhebliche Kosten verursacht. Zu diesen Kosten kommen Schattenkosten wie sie z.B. der Basel-II-Akkord verursacht hat, der Banken verpflichtet, mindestens 8% Eigenkapital gerechnet auf eine Kreditsumme zu hinterlegen. Das so gebundene Eigenkapital ist ein Grund dafür, dass Banken der Finanzkrise in der Weise ausgeliefert waren, wie sie es waren.

Aber glaubt man den Frauenquoten-Befürwortern, dann haben gesetzliche Regelungen natürlich nur Gutes und vor allem keine Kosten im Schlepptau. Entsprechend verkaufen Sie uns ihr Heilsmittel als Doping für Wirtschaft und Unternehmen, das deren Leistungskraft steigern und die entsprechenden Firmen im Wettbewerb potenter macht. Dass diese Phantasie der Frauenquoten-Befürworter nicht zutrifft, hat mittlerweile eine Vielzahl von Studien gezeigt, die die erheblichen Kosten einer Unternehmen aufgezwungenen Quote z.B. für Norwegen zusammengestellt haben.

Im Gegensatz zu Frauenquoten-Aktivisten sind die meisten Unternehmer oder die meisten CEOs von Unternehmen entweder ihren Aufsichtsgremien oder den Aktionären des Unternehmens oder beiden verantwortlich. Nicht nur das, in vielen Fällen ist die Höhe ihrer Bezüge an das Abschneiden des Unternehmens gekoppelt: Je besser das Unternehmen abschneidet, desto höher ihre Bezüge. Entsprechend ist die Drohung mit Frauenquoten für Unternehmer und CEOs eine direkte Drohung, ihre Bezüge zu reduzieren, da eine Quote negative Effekte auf das Unternehmensergebnis hat, wie Ahern und Dittmar (2012) in ihrem gerade im Quarterly Journal of Economics veröffentlichten Beitrag und zum wiederholten Male gezeigt haben. Was also tun, wenn die Regierung damit droht, nicht nur das Unternehmen, das man leitet, zu schädigen, sondern auch die eigenen Bezüge zu reduzieren?

Das beschriebene Problem wird in der Ökonomie als ein Problem der Abwägung von Kosten und Nutzen modelliert. Normalerweise wird noch die Wahrscheinlichkeit berücksichtigt, mit der Kosten und Nutzen eintreten, aber das ist im vorliegenden Fall nicht notwendig, denn wann immer gesetzliche Regelungen erlassen werden, entstehen die Kosten mit fast 100%iger Wahrscheinlichkeit. Ein weiterer Bestandteil im Rahmen einer ökonomischen Erklärung sind die Randbedingungen, unter denen Kosten eintreten oder nicht eintreten. Im Fall der Norwegischen Zwangsquoten entstehen die Kosten allen Unternehmen, die eine Organisationsform gewählt haben, die man als Norwegisches Pendant zur GmbH bezeichnen kann: Unternehmen mit beschränkter Haftung, die in Norwegen an der Börse notiert sein können, es aber nicht sein müssen (Bøhren & Staubo, 2012). Wenn gesetzliche Zwangsmaßnahmen nur eine bestimmte Organisationsform betreffen, dann stellt sich das ökonomische Problem, das hier beschrieben wird und das Unternehmer und CEOs zu lösen haben, wie folgt dar: Sind die Kosten für einen Wechsel der Organisationsform, um der Zwangsquote zu entgehen, höher als die Kosten, die durch die Zwangsquote und den Verbleib in der entsprechenden Organisationsform entstehen oder nicht?

Diese Frage bringt mich zum Beitrag von Øyvin Bøhren und Siv Staubo, der gerade erst (Oktober 2012) fertiggestellt wurde. Einer der Vorzüge mit Mike Buchanan in der Campaign for Merit in Business zusammen zu arbeiten, besteht darin, die eigenen Such- und Informationskosten reduzieren zu können. Da Mike mit Gott und der Welt bekannt ist und u.a. mit Øyvin Bøhren regelmäßig Emails austauscht, hat sich die neue Studie von Bøhren und  Staubo quasi ganz von alleine bei mir eingefunden. Ich musste Sie nur noch lesen, und das habe ich mittlerweile getan.

Was also taten und tun Norwegische Unternehmen, denen ihre Regierung eine Zwangsquote verordnet hat?

Sie haben die Organisationsform gewechselt, damit die Zwangsquote auf sie nicht angewendet werden kann bzw. neue Unternehmen wählen vornehmlich Organisationsformen, die von der Zwangsquote nicht betroffen sind. Von 309 Norwegischen Unternehmen, die im Jahre 2002 bei Verkündung der Zwangsquote durch die Norwegische Regierung Opfer derselben hätten werden können, haben es 158 vorgezogen, die Organisationsform zu wechseln und der Regierung die kalte Schulter zu zeigen. Mit anderen Worten rund 51% der Unternehmen, die die Norwegische Regierung einer Zwangsquote unterordnen wollte, haben die Kosten einer neuen Organisationsform für geringer eingeschätzt als die Kosten, die ihnen durch die Zwangsquote entstehen. Das kann man nicht anders bezeichnen als als Widerstand gegen die unsinnige Regelungswut von Regierungen, einen Widerstand, auf den man in Deutschland noch zu warten hätte. (Die Daten, die Bøhren und Staubo präsentieren, sind um Unternehmen aus dem Finanzsektor (weil die kaum mehr als freie Unternehmen angesehen werden können) und all diejenigen Unternehmen bereinigt, die nach 2002 übernommen wurden oder Konkurs angemeldet haben. Die 158 Unternehmen sind demnach das Widerstandspontential der Norwegischen Wirtschaft.)

Ausgehend von der Feststellung, dass sich rund 51% der Norwegischen Unternehmen der Zwangsquote entzogen haben, untersuchen Bøhren und Staubo, ob sich die Widerständler unter den Unternehmen von den “Kollaborateuren” unterscheiden. Das Ergebnis ist auch hier eindeutig: Es gibt systematische Unterschiede zwischen Widerständlern und Kollaborateuren, und zwar die folgenden:

Firmen, die die Organisationsform gewechsel haben, um der Zwangsquote zu entgehen, sind:

  • erfolgreiche,
  • junge,
  • kleine und mittlere Unternehmen,
  • die finanzkräftige Eigentümer haben,
  • sich nicht in Familienbesitz befinden und
  • tendenziell nicht an der Börse notiert sind.

Mit anderen Worten, junge und dynamische Unternehmen, deren Ziel eher in Innovationen und Profit besteht als darin, einer Klasse von Politbürokraten gefügig zu sein, entziehen sich der Zwangsquote. Wenn Viviane Reding in Zukunft darauf hinweist, dass es in Norwegen gelungen ist, den Anteil von Frauen in Unternehmen durch Zwang zu erhöhen, dann muss man also mitdenken, dass dies nur bei einem Bruchteil der Unternehmen gelungen ist, nur bei Unternehmen, die sich nur unter immens hohem Aufwand der entsprechenden Quote hätten entziehen können, also bei knapp 49% der von der Zangsquote betroffenen Unternehmen. Und dass diese Unternehmen sich nicht auch entzogen haben, liegt vor allem an ihrer Größe und daran, dass sie einen Rückkauf von Aktien im großen Stil durchführen müssten, um der Zwangsquote durch ein “going private” zu entgehen. Der damit einhergehende Aufwand und vor allem die damit einhergehende Publicity war den meisten der großen börsennotierten Unternehmen wohl doch zu viel.

Die Compliance dieser Unternehmen ändert jedoch nichts daran, dass ihnen, wie Øyvin Bøhren und Siv Staubo zum Ende ihres Beitrags anmerken, vermutlich höhere Kosten durch die Zwangsquote entstehen als den Unternehmen, die sich entzogen haben. Dies ergibt sich alleine daraus, dass das Maß an Erfahrung, das den Erfolg von Führungsgremien nach allen Ergebnissen, die die wissenschaftliche Forschung präsentiert (aktuell: Ahern & Dittmar, 2012) nun einmal ausmacht, durch eine Zwangsquote erheblich reduziert wird. Und unerfahrene Führungsgremien treffen schlechtere Entscheidungen, schlechtere Entscheidungen führen zu höheren Kosten und geringeren Profiten, was wiederum Aktionäre dazu veranlasst, sich von ihren Aktien zu trennen, woraus ein sinkender Marktwert resultiert und und und – das alles sind keine Kosten für die Vertreter der Frauenquoten, bei denen es sich offensichtlich um Personen handelt, die bereit sind, für ihre Phantasie über Unternehmens-Leichen zu gehen.

Ahern, Kenneth & Dittmar, Amy (2012). The Changing of the Boards: The Impact on Firm Valuation of Mandated Female Board Representation. Quarterly Journal of Economics 127(1): 137-197.

Bøhren, Øyvin & Staubo, Siv (2012). Changing Organizational Form to Avoid Regulatory Constraints: The Effect of Mandatory Gender Balance in the Boardroom.

Bildnachweis:
4.bp
Dacing Czars

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