
Entsprechend war schon vor Monaten klar, dass sich Staatsfeministen dagegen wehren werden, dass ihnen jemand ihren Dukatenesel genommen und ihre Behauptungen als Farce bloßgestellt hat; zu lange sind die Fördergelder schon bei bloßer Erwähnung einer Benachteiligung von Frauen fast von alleine geflossen. Staatsfeministen müssen sich gefühlt haben, wie im Schlaraffenland: Sie behaupten einfach, dass Frauen z.B. in Unternehmen am Aufstieg in Führungspositionen gehindert werden, von bösen Männern und Männerbünden und ähnlichen Gebilden, mit denen die Phantasie von Staatsfeministen scheinbar bevölkert ist, und schon gibt es Fördergelder, und die Politiker stehen schlange, um den armen Frauen in die verdienten Führungspositionen zu verhelfen.
Wie gesagt, nach Fabian Ochsenfelds Analyse war das alles nicht mehr möglicht, denn Ochsenfeld hat gezeigt, was im Staatsfeminismus nicht vorgesehen ist: Frauen haben einen eigenen Willen, sie sind nicht – wie Staatsfeministen behaupten – die Dummchen, die von Männern gesteuert werden, sie sind nicht geborene Opfer, sondern Individuen, die eigene Handlungsentscheidungen treffen und sich (Achtung jetzt kommt es:) gegen eine Karriere in Unternehmen entscheiden, für eine Familie zum Beispiel. Das ist für Staatsfeministen ein Unding. Frauen mit eigenem Willen, die nicht in Führungspositionen aufsteigen wollen, das kann und darf es nicht geben, schon weil es die Finanzierung weiterer Förderprojekte, die dazu dienen, der Mäuler all derjenigen zu stopfen, die mit „Frauenförderung“ ihr Auskommen bestreiten, die meisten davon im Speckgürtel des BMFSFJ angesiedelt, in Frage stellen würde. Das darf nichts sein.
Egal, die eilends gezimmerte Pressemeldung (aus einem mit „Hochqualifiziert und gefragt“ überschriebenen Bericht) ist offensichtlich dazu gedacht, die Ergebnisse der Analyse von Fabian Ochsenfeld in Misskredit zu bringen, was spätestens da deutlich wird, wo Michael Grotheer mit der folgenden Aussage zitiert wird: „Selbst wenn wir von ähnlichen individuellen Voraussetzungen ausgehen, von ähnlichen Studienleistungen, ähnlichen Kompetenzen und ähnlichen Gelegenheitsstrukturen, bleiben die Karrierenachteile für Frauen bestehen. Akademikerinnen stoßen weiterhin auf eine ‚gläserne Decke’…“. Wie schnell doch aus Karrierenachteilen für Frauen, gläserne Decken für Akademikerinnen werden. Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, warum von einer „gläsernen Decke“ fabuliert wird? Nun, ich erkläre mir derzeit den Begriff durch einen Rückgriff auf die Psychiatrie, in der es eine Reihe von Patienten geben soll, die Dinge sehen, die nicht da sind, die andere nicht sehen können, so wie man gläserne Decken nicht sehen kann, was die Frage aufwirft, wie man bemerkt, dass sie da ist.
Und deshalb, so weiß Herr Grotheer, gibt es eine gläserne Decke. In einer geradezu atemberaubenden Form des geistigen Kurzschlusses erklärt er eine ungleiche Verteilung, erst zur Benachteiligung und dann zur gläsernen Decke oder, wie man in seinen Kreisen wohl denkt: Das Wesen einer Ungleichverteilung zwischen Frauen und Männern ist Benachteiligung. Nun, Frauen verirren sich eher selten auf Männertoiletten und dennoch ist kaum jemand der Ansicht, der im Vergleich zu Männern deutlich geringere Anteil Frauen, der Männertoiletten aufsucht, sei Ergebnis einer gläsernden Decke, die Frauen den Zutritt zu Männertoiletten verwehrt. Wie gesagt, kaum jemand ist der Ansicht. Warum? Offensichtlich wird im Fall der Männertoiletten in Rechnung gestellt, dass Frauen nicht auf Männertoiletten gehen wollen. Diese Entschlusskraft, diese Willensstärke, nicht auf Männertoiletten gehen zu wollen, wird Frauen abgesprochen, wenn es um Führungspositionen geht. Dann wollen alle Frauen, die Herr Grotheer in seinem Datensatz finden kann, in jedem Fall wollen aber genau so viele Frauen wie Männer in Führungspositionen und deshalb ist eine ungleiche Verteilung in Führungspositionen eine Benachteiligung.
Wie nennt man derart falsches Denken? Kann man hier überhaupt noch von Denken sprechen oder muss man von einer geistigen Krankheit sprechen, einer Unfähigkeit, die nicht in der Lage ist, zwischen einem Zustand, wie ihn eine Verteilung beschreibt, und einem Prozess, der zu einer Verteilung geführt hat, zu unterscheiden? Hätte Herr Grotheer diese Fähigkeit zwischen Zustand und Prozess zu unterscheiden, er hätte sich wie Fabian Ochsenknecht gefragt, was auf dem Weg in Führungspositionen an Entscheidungen vorhanden ist, die Frauen und Männer unterschiedlich treffen, und er wäre vielleicht auf die Idee gekommen, die Entscheidung für Fertilität in seine Analyse mit einzubeziehen. Hätte er dies getan, er hätte bemerkt, wie Ochsenfeld es bemerkt hat, dass es keine gläserne Decke gibt. Niemand hindert Frauen am Aufstieg in Führungspositionen, nein, sie entscheiden sich für Fertilität und entsprechend gegen eine Karriere in Unternehmen.
Warum, so fragt man sich, hat Grotheer, der mit den selben Daten rechnet, die auch Ochsenfeld zur Verfügung hatte und der die Arbeit von Fabian Ochsenfeld kennen sollte, da sie zum Thema einschlägig ist, nicht untersucht, wie sich Lebensentscheidungen wie die Entscheidung für Kinder auf die Wahrscheinlichkeit auswirkt, in eine Führungsposition zu gelangen? Man kann hier nur mutmaßen, dass es ihm nicht darum gegangen ist, die gläserne Decke abermals als den Mythos zu entlarven, den sie nun einmal darstellt, sondern darum, dem von Ochsenfeld zerstörten Mythos wieder zu beleben. Belege für diese Hypothese finden sich in relativ großer Zahl im Beitrag von Herrn Grotheer. So zählt er Selbständige zu Führungskräften, ein einfacher Trick, um die Anzahl von Männern, die bekanntermaßen risikofreudiger sind als Frauen und die sich entsprechend viel öfter selbständig machen als Frauen, in Führungspositionen deutlich zu erhöhen. Wenn man eine gläserne Decke finden will, ist scheinbar kein Trick schäbig genug.
Schließlich gibt es noch den letzten miesen Trick aus dem Arsenal der Staatsfeministen. Er beginnt damit, dass bestimmte Positionen von Staatsfeministen offensichtlich hoch geschätzt werden, vermutlich weil sie mit einem entsprechenden Verdienst einhergehen. Dass dieses Verdienst, das z.B. eine Führungskraft erzielt, mit einem entsprechenden Commitment, das sich z.B. in Überstunden und ständiger Verfügbarkeit niederschlägt, einhergeht, wird ebenso unter den Tisch fallen gelassen wie die Tatsache, dass sich viele Frauen eben wegen dieses notwendigen Commitments nicht für die entsprechenden Führungspositionen entscheiden oder interessieren. Statt dessen wird so getan als seien die Ansprüche, die mit einer Führungsposition einhergehen, männlichem Hegemonialstreben geschuldet, das darauf abziele, die armen Frauen von Führungspositionen fernzuhalten. Die Konsequenz aus dieser Entkoppelung von Anforderungen an denjenigen, der eine Führungsposition inne hat und Status und Verdienst, die mit einer Führungsposition einhergehen, führt dann zu absurden Forderungen wie der, Führungspositionen für Teilzeitbeschäftigung zu öffnen (173).
Damit steht am Ende, was immer am Ende steht, der Versuch, die Welt an die eigene Faulheit und Lethargie anzupassen. Staatsfeminismus offenbart sich einmal mehr als Angriff auf Meritokratie und Leistung und einmal mehr zeigt sich, dass Staatsfeministen in einem eingebildeten Idyll leben, in dem die Umstände auf sie Rücksicht nehmen, in dem ihre nicht vorhandene Leistungsfähigkeit dadurch ausgeglichen wird, dass die Ansprüche reduziert oder gestrichen werden. Staatsfeminismus ist ein race to the bottom, das ist so offensichtlich, wie es offensichtlich ist, dass das Ergebnis, das wir in Form einer Verteilung messen, nicht die Ursache ist, die zu dieser Verteilung geführt hat.
