Hilflosigkeit oder Wahnsinn? Hektische Rettungsversuche am Zentralmythos des Staatsfeminismus

Santa-Is-A-Lie-eAls ich im September 2012 von der Analyse berichtet habe, in der Fabian Ochsenfeld auf Basis der Daten des HIS-Absolventenpanels, also auf Grundlage von Daten, die Universitäts- und Fachhochschulabsolventen über mehrere Jahre verfolgen, den Mythos der Gläsernen Decke in Unternehmen ein für alle Mal, oder in PC: nachhaltig zertrümmert hat, war ich schon gespannt, wie die Staatsfeministen es nehmen werden. Dass da jemand die Behauptung als falsch belegt hat, auf deren Grundlage sie ihre Griffe in die Staatschatulle und ihre Forderungen nach “finanzieller Förderung” legitimieren, können sie eigentlich nicht einfach hinnehmen.

Entsprechend war schon vor Monaten klar, dass sich Staatsfeministen dagegen wehren werden, dass ihnen jemand ihren Dukatenesel genommen und ihre Behauptungen als Farce bloßgestellt hat; zu lange sind die Fördergelder schon bei bloßer Erwähnung einer Benachteiligung von Frauen fast von alleine geflossen.  Staatsfeministen müssen sich gefühlt haben, wie im Schlaraffenland: Sie behaupten einfach, dass Frauen z.B. in Unternehmen am Aufstieg in Führungspositionen gehindert werden, von bösen Männern und Männerbünden und ähnlichen Gebilden, mit denen die Phantasie von Staatsfeministen scheinbar bevölkert ist, und schon gibt es Fördergelder, und die Politiker stehen schlange, um den armen Frauen in die verdienten Führungspositionen zu verhelfen.

Wie gesagt, nach Fabian Ochsenfelds Analyse war das alles nicht mehr möglicht, denn Ochsenfeld hat gezeigt, was im Staatsfeminismus nicht vorgesehen ist: Frauen haben einen eigenen Willen, sie sind nicht – wie Staatsfeministen behaupten – die Dummchen, die von Männern gesteuert werden, sie sind nicht geborene Opfer, sondern Individuen, die eigene Handlungsentscheidungen treffen und sich (Achtung jetzt kommt es:) gegen eine Karriere in Unternehmen entscheiden, für eine Familie zum Beispiel. Das ist für Staatsfeministen ein Unding. Frauen mit eigenem Willen, die nicht in Führungspositionen aufsteigen wollen, das kann und darf es nicht geben, schon weil es die Finanzierung weiterer Förderprojekte, die dazu dienen, der Mäuler all derjenigen zu stopfen, die mit “Frauenförderung” ihr Auskommen bestreiten, die meisten davon im Speckgürtel des BMFSFJ angesiedelt, in Frage stellen würde. Das darf nichts sein.

frantic activityEntsprechend scheint es eine hektische Betriebsamkeit gegeben zu haben. Und am 22. Januar 2013, also einige Monate nach der Veröffentlichung von Ochsenfelds Analyse in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, ist – wer auch immer – fündig geworden. Lange musste derjenige suchen. Zurück bis in den November 2012 und in einen 470 Seiten starken Bericht der Hochschulinformationssystem GmbH musste er gehen. Der Bericht, der, wie könnte es anders sein, vom Bundesministerium für die Verbreitung von Mythen und Familien, Senioren, Frauen und Jugendlichen (teilweise) finanziert wurde, enthält auf den Seiten 153 bis 198 einen Beitrag von Michael Grotheer. Und dieser mittlerweile etwas angestaubte Bericht wurde dann eiligst in eine Pressemeldung (am 22. Januar 2013) umfunktioniert. Sie lautet: “Gläserne Decke erschwert den Aufstieg von Akademikerinnen”. Was sonst wäre in einem 470 Seiten starken Bericht erwähnenswert? Warum habe ich nur den Eindruck, dass sich bei manchen langsam aber sicher der Wahnsinn zeigt?

Egal, die eilends gezimmerte Pressemeldung (aus einem mit “Hochqualifiziert und gefragt” überschriebenen Bericht) ist offensichtlich dazu gedacht, die Ergebnisse der Analyse von Fabian Ochsenfeld in Misskredit zu bringen, was spätestens da deutlich wird, wo Michael Grotheer mit der folgenden Aussage zitiert wird: “Selbst wenn wir von ähnlichen individuellen Voraussetzungen ausgehen, von ähnlichen Studienleistungen, ähnlichen Kompetenzen und ähnlichen Gelegenheitsstrukturen, bleiben die Karrierenachteile für Frauen bestehen. Akademikerinnen stoßen weiterhin auf eine ‘gläserne Decke’…”. Wie schnell doch aus Karrierenachteilen für Frauen, gläserne Decken für Akademikerinnen werden. Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, warum von einer “gläsernen Decke” fabuliert wird? Nun, ich erkläre mir derzeit den Begriff durch einen Rückgriff auf die Psychiatrie, in der es eine Reihe von Patienten geben soll, die Dinge sehen, die nicht da sind, die andere nicht sehen können, so wie man gläserne Decken nicht sehen kann, was die Frage aufwirft, wie man bemerkt, dass sie da ist.

hislogoDas bringt mich zurück zum Beitrag von Herrn Grotheer. Herr Grotheer hat, wie Fabian Ochsenfeld auch, die Daten des HIS-Absolventenpanels ausgewertet. Er hat, wie Ochsenfeld das auch getan hat, die Fächer berücksichtigt, die Absolventen studiert haben und festgestellt, dass weibliche Absolventen häufiger Studienfächer studieren, die nicht unbedingt zu einer Karriere im Direktorium von Daimler Benz befähigen, Soziale Arbeit zum Beispiel. Dieses Ergebnis von Ochsenfeld ist somit repliziert. Neu am Vorgehen von Grotheer ist, dass er behauptet, die Studienfachwahl erkläre nicht die unterschiedliche Anzahl von Frauen und Männern in Führungspositionen. Dies ist der Kern der apokryphen Sätze, die ich oben zitiert habe. Auch, so könnte man Grotheer übersetzen, wenn man Frauen und Männer berücksichtigt, die Fächer studiert haben, die häufig in Führungspositionen in der Wirtschaft führen, schaffen es weniger weibliche Absolventen in Führungspositionen als männliche Absolventen.

Und deshalb, so weiß Herr Grotheer, gibt es eine gläserne Decke. In einer geradezu atemberaubenden Form des geistigen Kurzschlusses erklärt er eine ungleiche Verteilung, erst zur Benachteiligung und dann zur gläsernen Decke oder, wie man in seinen Kreisen wohl denkt: Das Wesen einer Ungleichverteilung zwischen Frauen und Männern ist Benachteiligung. Nun, Frauen verirren sich eher selten auf Männertoiletten und dennoch ist kaum jemand der Ansicht, der im Vergleich zu Männern deutlich geringere Anteil Frauen, der Männertoiletten aufsucht, sei Ergebnis einer gläsernden Decke, die Frauen den Zutritt zu Männertoiletten verwehrt. Wie gesagt, kaum jemand ist der Ansicht. Warum? Offensichtlich wird im Fall der Männertoiletten in Rechnung gestellt, dass Frauen nicht auf Männertoiletten gehen wollen. Diese Entschlusskraft, diese Willensstärke, nicht auf Männertoiletten gehen zu wollen, wird Frauen abgesprochen, wenn es um Führungspositionen geht. Dann wollen alle Frauen, die Herr Grotheer in seinem Datensatz finden kann, in jedem Fall wollen aber genau so viele Frauen wie Männer in Führungspositionen und deshalb ist eine ungleiche Verteilung in Führungspositionen eine Benachteiligung.

Keine falschen Schlüsse: Wir werden nach wie vor nicht gefördert!

Keine falschen Schlüsse: Wir werden nach wie vor nicht gefördert!

Wie nennt man derart falsches Denken? Kann man hier überhaupt noch von Denken sprechen oder muss man von einer geistigen Krankheit sprechen, einer Unfähigkeit, die nicht in der Lage ist, zwischen einem Zustand, wie ihn eine Verteilung beschreibt, und einem Prozess, der zu einer Verteilung geführt hat, zu unterscheiden? Hätte Herr Grotheer diese Fähigkeit zwischen Zustand und Prozess zu unterscheiden, er hätte sich wie Fabian Ochsenknecht gefragt, was auf dem Weg in Führungspositionen an Entscheidungen vorhanden ist, die Frauen und Männer unterschiedlich treffen, und er wäre vielleicht auf die Idee gekommen, die Entscheidung für Fertilität in seine Analyse mit einzubeziehen. Hätte er dies getan, er hätte bemerkt, wie Ochsenfeld es bemerkt hat, dass es keine gläserne Decke gibt. Niemand hindert Frauen am Aufstieg in Führungspositionen, nein, sie entscheiden sich für Fertilität und entsprechend gegen eine Karriere in Unternehmen.

Warum, so fragt man sich, hat Grotheer, der mit den selben Daten rechnet, die auch Ochsenfeld zur Verfügung hatte und der die Arbeit von Fabian Ochsenfeld kennen sollte, da sie zum Thema einschlägig ist, nicht untersucht, wie sich Lebensentscheidungen wie die Entscheidung für Kinder auf die Wahrscheinlichkeit auswirkt, in eine Führungsposition zu gelangen? Man kann hier nur mutmaßen, dass es ihm nicht darum gegangen ist, die gläserne Decke abermals als den Mythos zu entlarven, den sie nun einmal darstellt, sondern darum, dem von Ochsenfeld zerstörten Mythos wieder zu beleben. Belege für diese Hypothese finden sich in relativ großer Zahl im Beitrag von Herrn Grotheer. So zählt er Selbständige zu Führungskräften, ein einfacher Trick, um die Anzahl von Männern, die bekanntermaßen risikofreudiger sind als Frauen und die sich entsprechend viel öfter selbständig machen als Frauen, in Führungspositionen deutlich zu erhöhen. Wenn man eine gläserne Decke finden will, ist scheinbar kein Trick schäbig genug.

cheatingEin anderer ebenso schäbiger Trick besteht darin, Frauen einfach eine Intention zu unterstellen, die nicht gemessen wurde: Eine ungleiche Verteilung ist nicht per se ein Nachteil (z.B. im Hinblick auf Mordopfer nicht) und eine ungleiche Verteilung hat zunächst einmal nichts mit Benachteiligung zu tun. Es ist einer der miesesten Sprachtricks, den Staatsfeministen aus dem ff beherrschen, eine ungleiche Verteilung immer dann, wenn es um Positionen oder Zustände geht, die sie als wünschenswert erachten, als Benachteiligung auszugeben. Auch Grotheer beherrscht diese Tricks. So schreibt er: “Frauen haben – vor allem im Hinblick auf die obere Führungsebene – deutlich schlechtere Chancen auf eine Erwerbstätigkeit mit Leitungsfunktion” (195). Diese kurze Aussage ist ein Paradebeispiel wissenschaftlicher Unlauterkeit: Grotheer untersucht nicht Frauen, sondern Hochschulabsolventinnen, und er hat sie nicht nach ihren Chancen im Beruf befragt, sondern er benutzt einfache Verteilungen und interpretiert ungleiche Verteilungen als Benachteiligung. Er schiebt also seinen Lesern eben einmal seine krummen Interpretationen unter und behauptet, seine Interpretation seien ein soziales Faktum, dem sich alle Frauen gegenüber sähen.

Schließlich gibt es noch den letzten miesen Trick aus dem Arsenal der Staatsfeministen. Er beginnt damit, dass bestimmte Positionen von Staatsfeministen offensichtlich hoch geschätzt werden, vermutlich weil sie mit einem entsprechenden Verdienst einhergehen. Dass dieses Verdienst, das z.B. eine Führungskraft erzielt, mit einem entsprechenden Commitment, das sich z.B. in Überstunden und ständiger Verfügbarkeit niederschlägt, einhergeht, wird ebenso unter den Tisch fallen gelassen wie die Tatsache, dass sich viele Frauen eben wegen dieses notwendigen Commitments nicht für die entsprechenden Führungspositionen entscheiden oder interessieren. Statt dessen wird so getan als seien die Ansprüche, die mit einer Führungsposition einhergehen, männlichem Hegemonialstreben geschuldet, das darauf abziele, die armen Frauen von Führungspositionen fernzuhalten. Die Konsequenz aus dieser Entkoppelung von Anforderungen an denjenigen, der eine Führungsposition inne hat und Status und Verdienst, die mit einer Führungsposition einhergehen, führt dann zu absurden Forderungen wie der, Führungspositionen für Teilzeitbeschäftigung zu öffnen (173).

Damit steht am Ende, was immer am Ende steht, der Versuch, die Welt an die eigene Faulheit und Lethargie anzupassen. Staatsfeminismus offenbart sich einmal mehr als Angriff auf Meritokratie und Leistung und einmal mehr zeigt sich, dass Staatsfeministen in einem eingebildeten Idyll leben, in dem die Umstände auf sie Rücksicht nehmen, in dem ihre nicht vorhandene Leistungsfähigkeit dadurch ausgeglichen wird, dass die Ansprüche reduziert oder gestrichen werden. Staatsfeminismus ist ein race to the bottom, das ist so offensichtlich, wie es offensichtlich ist, dass das Ergebnis, das wir in Form einer Verteilung messen, nicht die Ursache ist, die zu dieser Verteilung geführt hat.

Print Friendly, PDF & Email

About Michael Klein
... concerned with and about science

3 Responses to Hilflosigkeit oder Wahnsinn? Hektische Rettungsversuche am Zentralmythos des Staatsfeminismus

  1. qed says:

    grotheer@his.de

    Sehr geehrter Herr Grotheer,

    als Nutzer des HIS nehme ich Bezug auf Ihre Pressemitteilung vom 22.1. 13„Gläserne Decke“ erschwert Aufstieg von Akademikerinnen

    Dies ist eine schlichte Behauptung und per einfacher Anschauung weder für Hochschulen noch für die Wirtschaft zutreffend, hingegen offenbar Lieblingsthema feministischer Ideologen, zu denen Ihr Auftraggeber durchaus zu rechnen ist.
    Nachlesen ergab pikanterweise, daß Sie dieselben Datensätze verwendeten wie zuvor

    Ochsenfeld, Fabian (2012). Gläserne Decke oder goldener Käfig: Scheitert der Aufstieg von Frauen in erste Managementpositionen an betrieblicher Diskriminierung oder an familiären Pflichten? Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 64(3): 507-534.

    jedoch aus logisch nicht nachvollziehbaren Gründen zu völlig anderen Schlussfolgerungen gelangen, die mit den Propaganda- Standpunkten Ihres Auftraggebers identisch sind.
    Auf der Internetseite

    http://sciencefiles.org/2013/01/26/hilflosigkeit-oder-wahnsinn-hektische-rettungsversuche-am-zentralmythos-des-staatsfeminismus/

    werden nun schwere Vorwürfe gegen Sie laut, die- so sie denn zutreffen- an Ihrer wissenschaftlichen Reputation erheblich zweifeln lassen.
    Da das dortige Publikum zahlreich und beschlagen ist, möchte ich Sie hiermit auffordern, dort Stellung zu nehmen.

    MfG

    • Hallo qed,
      vielen Dank für die nette Mail an Herrn Grotheer.:) Ich bin schon auf die Reaktion gespannt. Eine Anmerkung habe ich jedoch zur Mail: Wir erheben keine Vorwürfe, denn es geht und nicht um Schuld. Vielmehr kritisieren wir Vorgehensweisen, die nicht mit wissenschaftlichem Ethos, wissenschaftlichen Methoden oder wissenschaftlicher Lauterkeit vertretbar sind.

      • qed says:

        Doch doch, Herr Klein.
        Es handelt sich in diesem Falle nicht um ein Vergehen, sondern möglicherweise um Vorsatz. Das ist dann schlicht und ergreifend Betrug und somit Straftatbestand.
        Bereits 1975 übte man sich an der altehrwürdigen Unität sehr heftig an diesem mit den schrägesten Pirouetten: den Judenkirchof nahe dem Hauptgebäude inkognito zu schänden, war noch die leichteste Übung der linken Universitäts- Gartenhausbesetzer schräg gegenüber und einer der Alks da hielt sich einen scharfen Schäferhund, mit dem er regelmäßig in der Kneipe ‘Destille’ einen Steinwurf weiter einkehrte und nach Rechtsradikalen fandete.
        Man erkennt also leicht, daß Hannover bereits in den Siebzigern ein schräges linkes Pflaster war, dessen Tradition anscheinend ungebrochen ist und von der Goseriede bis ins erbärmliche Abmelkviertel am Steintor ist es auch kein weiter Weg. Den heimlich zu nehmen, ist natürlich für die verklemmten HISler vielleicht notwendig ob all der vielen Powerfrauen in der Nordstadt.

        Ich jedenfalls schaue auf meine hannöversche Vergangenheit mit Zufriedenheit zurück: in keiner Stadt dieser ‘Republik’ habe ich mehr progressive Frauen unglücklich gemacht als hindorten.

Translate »
error: Content is protected !!
Skip to toolbar