Ein Gastbeitrag, der demnächst auf ScienceFiles veröffentlicht werden wird, hat mich dazu veranlasst, mich 
Wie dem auch sei, ich habe den gestrandeten Dr. Kerner zum Anlaß genommen, einmal bei Verdi vorbeizuschauen und hatte sofort den Eindruck, bei einer para-militärischen Organisation angekommen zu sein. Es ist ja heute in Mode, alle Begriffe aus Kinderbüchern zu entfernen, die bestimmten Gutmenschen aus Gründen, die sie zumeist selbst nicht benennen können (und für die man in der Psychiatrie ein Wort hat: Neurotizismus), nicht gefallen. Wieso hat eigentlich noch kein Gutmensch gefordert, dass die Kriegs-Begriffe, die die Web-Seiten von Gewerkschaften wie Verdi zieren, entfernt werden? Ich meine, denkt denn niemand an die ganzen Kinder, die sich auf die Seiten von Verdi verirren können? Immerhin soll doch von PC-Kriegsspielen ein Effekt auf aggressives Verhalten bei Kindern ausgehen, und was für Kriegsspiele gilt, muss für Kriegs-Sprache doch besonders gelten, für Begriff, wie sie sich in Menge auf der Seite von Verdi (Pressemeldungen vom 24. und 21. Januar) finden:
- Da plant in der Gewerkschafts-Sprache der Handelverband einen Generalangriff und Konzerne verschärfen den Vernichtungswettbewerb im Handel;
- Da setzt die Commerzbank zum Kahlschlag an;
- Da unterstreichen die Aktionen bei Wasser- und Schifffahrtsämtern die Kampfbereitschaft;
Die von Verdi gewählte und offensichtlich für angemessene befundene Sprache lässt so manches Fragezeichen ob der Zumutbarkeit gewerkschaftlicher Internetauftritte aufkommen. Zumindest kann man feststellen, dass die begriffliche Gestaltung der Presseseite von Verdi geschmacklos ist, oder sie ist ein Zeichen dafür, dass Gewerkschaftler der deutschen Sprache nicht mächtig sind und nicht wissen, was sie sagen. Nehmen wir z.B. den Begriff „Vernichtungswettbewerb“. Ein Wettbewerb benötigt mehrere Akteure und wenn Konzerne als eine Gruppe den Vernichtungswettbewerb verschärfen, dann bedeutet dies offensichtlich, dass sie mit einer anderen Gruppe, z.B. mit Gewerkschaften, um die Vernichtung von was auch immer wetteifern. Der Bedeutung von Vernichtung nähert man sich am besten über das Verb „vernichten“: aus der Welt schaffen, ausmerzen, beseitigen, dem Erdboden gleichmachen, entfernen, in Trümmer legen, ruinieren, töten, vertilgen, zerstören, zugrunde richten, zum Verschwinden bringen.
Bislang habe ich noch nichts von einer Generalmobilmachung der Konzernangestellten gehört, die dann in einen Vernichtungskrieg geschickt werden sollen. Ja, werden manche sagen, das ist ja auch alles metaphorisch gemeint. Aha, sage ich dann, und wofür ist „Vernichtungswettbewerb“ eine Metapher? Dafür, dass derjenige, der das Wort benutzt, insinuieren will, dass Wettbewerb schlecht ist und Konzerne vernichten wollen? Das brächte uns zurück zur nicht vorhandenen Generalmobilmachung und der fehlenden gewalttätigen Auseinandersetzung und führte zu dem Schluss, dass das Wort „Vernichtungswettbewerb“ keinen über die affektive Manipulation der Leser hinausgehenden, keinen weiteren Wert hat. Und derartige Formen der Manipulation finde ich verabscheuungswürdig, und man kann sie als Beleg dafür nehmen, dass Gewerkschaften wie Verdi den öffentlichen Frieden durch ihre Wortwahl empfindlich stören.
Aber nicht nur im Hinblick auf das menschliche Miteinander sind Gewerkschaften schädlich, nicht nur hier
Eine weitere Folge der Insider-Outsider Theorie besteht darin, dass Arbeitnehmer in ihrer Freiheit, Unternehmen und Arbeitsplätze zu wechseln, beschnitten werden, denn das opportunistische Verhalten, das Gewerkschaften bei Lohnverhandlungen an den Tag legen, führt dazu, dass auch kurze Phasen der Arbeitslosigkeit für Arbeitnehmer mit einem hohen Risiko einhergehen, keine Arbeit mehr zu finden. Entsprechend verbleiben Arbeitnehmer, die den Arbeitsplatz wechseln wollen, auf ihrem Arbeitsplatz bis sie eine Alternative gefunden haben und reduzieren auf diese Weise die Möglichkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden, für diejenigen, die arbeitslos sind.
Milton Friedman hat wie immer die besten Worte gefunden, um die schädliche Wirkung von Gewerkschaften zu verdeutlichen:
„Since unions have generally been strongest among groups that would have been high-paid
anyway, their effect has been to make high-paid workers higher paid at the expense of lower-paid workers. Unions have therefore not only harmed the public at large and workers as a whole by distorting the use of labor; they have also made the incomes of the working class more unequal by reducing the opportunities available to most disadvantaged workers“ (Friedman, 2002, 124). [Da Gewerkschaften die meisten Anhänger unter Gruppen haben, die ohnehin hohe Löhne beziehen (Lehrer zum Beispiel), haben Gewerkschaften regelmäßig dazu geführt, dass hoch entlohnte Arbeitnehmer noch höher bezahlt wurden, und zwar auf Kosten der gering entlohnten Arbeitnehmer. Deshalb haben Gewerkschaften nicht nur die Gesellschaft und Arbeitnehmer als Ganzes durch diese Verzerrung beim Einsatz der Arbeitskraft geschädigt, sie haben auch die Einkommensunterschiede zwischen Arbeitnehmern größer gemacht, indem sie die Möglichkeiten für die am geringsten qualifizierten Arbeitnehmer, ihre Arbeitskraft einzusetzen, deutlich reduziert haben.
Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Gewerkschaftsfunktionäre sich lauthals in der Öffentlichkeit über die soziale Ungleichheit in Deutschland beklagen, ausgerechnet deshalb, weil die deutschen Gewerkschaften freudig dazu beigetragen haben, die soziale Ungleichheit, die sie so gerne beklagen, erst zu schaffen. Und um den Mechanismus, mit dem die Gewerkschaften bei jeder Lohnverhandlung dafür sorgen, dass die soziale Ungleichheit in Deutschland weiter wächst, auch wirklich jedem deutlich zu machen, hier noch ein Zitat von Milton Friedman:
When unions get higher wages for their members by restricting entry into an occupation, those higher wages are at the expense of other workers who find their opportunities reduced. When
government pays its employees higher wages, those higher wages are at the expense of the taxpayer. But when workers get higher wages and better working conditions through the free market, when they get raises by firms competing with one another for the best workers, by workers competing with one another for the best job, those higher wages are at nobody’s expense. They can only come from higher productivity, greater capital investment, more widely diffused skills. The whole pie is bigger – there’s more for the worker, but there is more for the employer, the investor, the consumer, and even the tax collector (Friedman, 1981, S.236) [Wenn Gewerkschaften für ihre Mitglieder höhere Löhne aushandeln, indem sie den Zugang zu Berufen verknappen, dann erreichen sie die höhren Löhne auf Kosten der anderen Arbeiter, die ihre Beschäftigungsmöglichkeiten reduziert sehen. Wenn Regierungen ihren Beschäftigten höhere Löhne bezahlen, dann tun sie dies auf Kosten der Steuerzahler. Aber wenn Arbeiter höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen durch den Freien Markt erzielen, wenn sie Gehaltserhöhungen erhalten, weil Unternehmen miteinander um die am besten qualifizierten Arbeiter konkurrieren, weil Arbeitnehmer miteinander um die besten Arbeitsplätze konkurrieren, dann gehen diese höheren Löhne zu Lasten von niemandem. Die höheren Löhne können ausschließlich aus höherer Produktivität, höheren Investitionen oder weiter diffundierten Fähigkeiten resultieren. Der zu verteilende Kuchen ist größer – es gibt mehr an Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Investoren, ja selbst an das Finanzamt zu verteilen.]“
Insofern sind die Kampfbegriffe, wie sie Verdi benutzt, vielleicht doch angebracht, denn Gewerkschaften führen in der Tat einen Krieg gegen die Gesellschaft, und wenn man auf Kosten der Allgemeinheit lebt, dann muss man diesen Umstand mit einer aggressiven Rhetorik kaschieren.
Literatur:
Friedman, Milton (2002). Capitalism and Freedom. Chicago: University of Chicago Press.
Friedman, Milton & Friedman, Rose D. (1981). Free to Choose: A Personal Statement. New York: Avon Books.
Lindbeck, Assar & Snower, Dennis (1989). The Insider Outsider Theory of Employment and Unemployment.Cambridge: MIT Press.
Nickell, Stephen (1997). Unemployment and Labor Market Rigidities: Europe Versus North America. Journal of Economic Perspectives 11(3): 55-74.
Nickell, Stephen, Nunziata, Luca & Ochel, Wolfgang (2005). Unemployment in the OECD Since the 1960s. What Do We Know? Economic Journal 115(1): 1-27.
Scarpetta, Stefano (1997). Assessing the Role of the Labour Market Policies and Institutional Settings on Unemployment: A Cross-Country Study. OECD Economic Studies 26: 43-96
