Angefangen hat alles gestern Abend, als ich über eine Studie mit dem Titel „Alcohol-selling outlets and mortality in Switzerland – the Swiss National Cohort“ gestolpert bin. Bereits ein Titel, wie der vorliegende, legt
Die Autoren haben viel Zeit und vermutlich auch viel Geld in die Analyse eines Zusammenhangs gesteckt, den man, würde man einen Moment lang nachdenken, nicht einmal im Traum untersuchen würde. Doch der Reihe nach.
Zunächst haben die Autoren Daten für 4 376 873 Schweizer zusammengetragen (aus dem Swiss National Census) und darunter für den Zeitraum vom 5. Dezember 2000 bis zum 31 Dezember 2008 8602 „alkoholbedingt“ verstorbene Schweizer gefubdeb. Im nächsten Schritt haben sie Cox Regressionen berechnet, eine Form der Sterbetafelanalyse, mit der das Risiko für verschiedene Merkmalsträger unter Kontrolle bestimmter Faktoren berechnet werden kann, im vorliegenden Fall: „alkoholbedingt“ zu versterben. Angesichts der Individualdaten, die die Autoren zur Verfügung hatten, hätte ich nun erwartet, dass sie versuchen die Lebensgewohnheiten, die Lebensbedingungen, den Lebensalltag zu modellieren, um z.B. herauszufinden, welche individuellen Faktoren das Risiko, „alkoholbedingt“ zu versterben, erhöhen. Weit gefehlt.
Die Autoren haben sich Geo-Daten für die Örtlichkeit von Bars und Restaurants zusammengesucht und für jeden Schweizer in ihrem Datensatz untersucht, wie große die Dichte von Bars und Restaurants in seinem direkten Wohn-Umfeld ist, wobei sein direktes Wohnumfeld einen Umkreis von 1000 Metern hat. Sodann haben sie für jeden Schweizer berechnet, wie weit er laufen muss, um zur nächsten Bar, zum nächsten Restaurant zu kommen, sie haben ihre Individualdaten also aggregiert.
Und dann haben sie Cox-Regressionen gerechnet. Und was ist dabei herausgekommen? Wenig Überraschendes:
„…we observed that alcohol-related mortality was associated with the distance of an individual’s residence to the nearest alcohol-selling outlet as well as with the density of outlets in the immediate neighborhood“ (8).
Nun, sie merken gar nicht, dass sie ein Artefakt produziert haben und ziehen daher munter Schlussfolgerungen, die mich erbleichen lassen:
„Our study supports the recommendation by the World Health Organization that community-level interventions reducing alcohol outlet density are useful measures that complement existing interventions“.(8)
Genau das, was die Autoren hier behaupten, zeigen ihre Ergebnisse nicht. Sie zeigen lediglich, dass man durch die Abschaffung von Städten dazu beitragen könnte, dass man weiter laufen muss, um zur nächsten Verkaufsstelle von Alkohol zu kommen und vermutlich könnte man dann eine Cox-Regression rechnen, die zeigt, dass mit der Entfernung zur nächsten Verkaufsstelle das Risiko steigt, von einem Auto überfahren zu werden.
Haben Sie eigentlich diese Herrschaften bei der WHO damit beauftragt, sich um Ihre Gesundheit zu kümmern und ihnen vorzuschreiben, was sie wo zu kaufen haben, wie leicht es ihnen fallen darf, an Alkohol heranzukommen und wie viel sie davon trinken dürfen? Ich kann mich nicht erinneren, einen entsprechenden Auftrag erteilt zu haben. Um genau zu sein, ich nehme es sehr negativ, wenn man versucht, mir Vorschriften darüber zu machen, wie ich mich zu verhalten habe. Und besonders negativ nehme ich entsprechende Versuche, wenn sie von selbsternannten Wächtern über meine Gesundheit und ihren willigen, wenngleich methodisch unfähigen Helfern an Universitäten kommen, wie im vorliegenden Fall.
Ich brauche weder die WHO noch Untersuchungen, die mir zeigen, wie einfach es ist, ein statistisches Artefakt zu schaffen. Entsprechend schlage ich vor, die WHO aufzulösen, den Autoren des hier verarbeiteten Beitrags Nachhilfestunden in Statistik zu geben und darüber hinaus jeden Versuch, in vorgeblich guter Absicht in das Leben anderer zu intervenieren, unter Strafe zu stellen. Wer es dennoch tut, muss eine Woche lang Werbefilme und Werbematerialien der WHO über sich ergehen lassen, die mit WHO-freundlichen angeblich wissenschaftlichen Beiträgen unterfüttert sind und anschließend wird er direkt in eine geschlossene Anstalt überführt, wo er sich dann mit der Mehrzahl der Mitarbeiter der WHO zum gepflegten Austausch zusammensetzen kann.
Und ich hoffe, dieser Vorschlag findet die Unterstützung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), denn immerhin sind es seine Mitglieder, denen es an die Existenzgrundlage geht, wenn die WHO und ihre Helfershelfer sich mit ihren abstrusen Forderungen durchsetzen können.
