Steigende Tendenz: Jeder Dritte Verurteilte ist ein Ausländer

„WIESBADEN – Im Jahr 2016 verurteilten Gerichte in Deutschland insgesamt 737 873 Personen rechtskräftig wegen eines strafrechtlichen Verbrechens oder Vergehens. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren das 1 614 Personen beziehungsweise 0,2 % weniger als im Vorjahr (739 487).“

Soweit die Pressemeldung des Statistischen Bundesamt vom heutigen Tag. Die Grundlage der Pressemeldung ist die gerade veröffentlichte Strafverfolgungsstatistik für das Jahr 2016. Interessanter Weise begnügen sich die Bundesstatistiker bei ihrer Pressemeldung und ganz gegen ihre sonstigen Gewohnheiten damit, die Ergebnisse nach Alter und Geschlecht aufzuschlüsseln. Eine Aufschlüsselung nach Nationalität, also unterschieden nach Deutschen und Ausländern unterbleibt.

Derartige Unterlassungen machen uns stutzig.
Also haben wir recherchiert und die Gelegenheit genutzt, um eine Zeitreihe auf Grundlage der Strafverfolgungsstatistiken der Jahre 2000 bis 2016 zu erstellen. Das Ergebnis findet sich in der folgenden Abbildung:

Wie man sieht, geht der Anteil der Deutschen unter den Verurteilten seit 2007 kontinuierlich zurück, während der Anteil der Ausländer unter den Verurteilten kontinuierlich steigt. Wir haben in der Abbildung den Anteil der ausländischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung mit abgetragen, so dass man sehen kann, dass die Zahl der vor Strafgerichten verurteilten Ausländer rund dreimal höher ist als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht.

Und beide steigen: Sowohl der Anteil ausländischer Verurteilte als auch der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung. Ersterer ist seit 2000 von 27,9% auf 32,5% gewachsen, letzterer von 8,9% auf 12,2%. Die Strafverfolgungsstatistik hat eine Vorlaufzeit von rund zwei Jahren, d.h. die Verurteilten aus dem Jahr 2016. die in der Statistik ausgewiesen sind, haben in der Regel in den Jahren 2015 oder 2014 die Straftaten begangen, wegen derer sie sich nun vor Gericht verantworten mussten. Wir haben auf dieser Grundlage einmal eine kleine Projektion vorgenommen und den Anteil der ausländischen Verurteilten auf Basis einer Vorlaufzeit von nur einem Jahr für 2017 berechnet. Im Ergebnis sind wir bei einem Anteil ausländischer Verurteilter von 35,67% angekommen.

In den Jahren von 2000 bis 2016 haben vor allem die Verurteilungen von Ausländern für Diebstahl und Unterschlagung  (+45,4%) und in der Kategorie der anderen Vermögensdelikte (+13,5%) zugenommen. Genaue Analysen haben wir noch nicht durchgeführt.

Warum das Statistische Bundesamt in seiner Pressemeldung die von uns zusammengestellten Fakten nicht wenigstens für das Jahr 2016 dargelegt hat, ist eine … vielleicht keine offene Frage, sondern das Ergebnis von Lückenstatistik, die nun nachdem es die Lückenpresse bereits gibt, auch um sich greift.

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Die Medien sind am Erfolg der AfD schuld … Unsinn per Regression und Granger-Analyse

„Hätten die Medien mehrere Wochen lang gar nicht über die AfD berichtet, wären die Umfragewerte unseren Berechnungen zufolge fünf Punkte niedriger“, so Lehrstuhlinhaber Professor Simon Hegelich. „Wird viel über die AfD berichtet, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Umfragewerte steigen.“

Auf den Text von Buzzfeed, der die oben zitierte Einleitung trägt, sind wir über den Blog von Hajo Funke aufmerksam geworden. Funke ist emeritierter Professor der Politikwissenschaft, der sich zeitlebens nicht unbedingt durch statistische Kenntnisse ausgezeichnet hat. Deshalb sei ihm Verziehen, wenn er voller Begeisterung über das Ergebnis der Analyse von „Lehrstuhlinhaber Simon Hegelich“ berichtet. Der Lehrstuhl, den Hegelich mehr besetzt als innehat, er steht an der Hochschule für Politik in München, also eigentlich an der Technischen Universität München.

München war einmal ein ernstzunehmender Standort für Politikwissenschaft…

Hegelich hat das getan, was man Datencrunching nennt. Zunächst hat er bei Google Trends die Häufigkeit von Suchen nach „AfD“ in Google News gesammelt, dann die Umfrageergebnisse von Emnid, Forschungsgruppe Wahlen, GMS, Infratest dimap, Forsa, Insa, YouGov und Allensbach zusammengetragen und alles miteinander vermengt. Den Datensalat hat er dann mit dem Besteck der Regression auf lineare Bestandteile durchsucht und mit einer Granger-Analyse so lange herumgewerkelt, bis herauskam, dass sich die Anzahl der Häufigkeit von Suchen in Google News, in denen der Begriff „AfD“ vorkommt, in 4 oder 5 oder 6 Wochen auf den Umfragewert der AfD niederschlägt.

Ja.

Muss man dazu eigentlich noch etwas sagen, um den Unsinn dahinter deutlich zu machen?

Müssen wir wirklich „Warum-Fragen“ stellen?

Warum dauert es 4, 5 oder 6 Wochen bis Hans F, der nach der AfD gesucht hat, endlich von INSA befragt wird und sagen kann, dass er die AfD wählt? Wieso dauert es 6 Wochen, bis Hans B., der auch nach der AfD in Google News gesucht hat, sagen kann, dass er nicht die AfD wählt? Was macht Hans D., der nach der AfD gesucht hat und überhaupt nicht , von keinem der Umfrageinstitute befragt wird?

Die Dummheit, die sich in angeblichen wissenschaftlichen Analysen bahnbricht, ist nicht mehr auszuhalten.

Norwegian Crude Oil kills! Source Proof

Tyler Vigen hat eine Kunst daraus gemacht zu zeigen, dass man jeden Unsinn korrelieren kann und hätte er Lust, eine Granger-Analyse zu berechnen, wir haben keinen Zweifel, dass er problemlos nicht nur zeigen könnte, dass der jährliche Käsekonsum mit der Anzahl derer korreliert, die sich in ihrem Betttuch so verstricken, dass sie ersticken, sondern dass der Käsekonsum die Ursache der Betttoten durch Ersticken ist. Oder, passender für Hegelich ist die hohe Korrelation zwischen der Anzahl von Raketenstarts weltweit und der Anzahl der Doktortitel, die an Soziologen verliehen werden. Je höher erstere, desto höher zweitere. Die Raketenstarts, so wird eine Granger-Analyse zweifellos zeigen, sind kausal für die Anzahl der promovierten Soziologen. Schließlich gibt es einen fast perfekten Zusammenhang zwischen dem jährlichen Mozzarella-Konsum und der Anzahl der Ingenieure, die im Bereich Tiefbau promoviert werden. Offenkundig würde eine Granger-Analyse zeigen, dass mit der Zahl der promovierten Tiefbau-Ingenieure der Konsum von Mozzarella wächst.

Die Beispiele zeigen, dass man fast jeden Unsinn mit Korrelationsanalysen finden kann. Dass dem so ist, daran ändert auch die Granger-Analyse nichts, denn die Verwendung einer Granger-Analyse oder einer Korrelationsanalyse oder einer Regression macht nur dann Sinn, wenn der, der die statistischen Methoden bedient, eine theoretisch formulierte und mit Argumenten gestützte Vorstellung davon hat, warum der von ihm gemessene Zusammenhang besteht. Man nennt diese Vorstellung auch Hypothese.

Also zurück zum Warum.
Warum hat die Suche nach der AfD in Google in 4, 5 oder 6 Wochen zum Ergebnis, dass die Häufigkeit der Antwort „AfD“, die die Forschungsgruppe Wahlen erhält, höher ist als noch zwei Wochen zuvor bzw. niedriger?

Und wie kommt man von der Suche nach „AfD“ in Google News und vom Anteil, den die AfD bei Infratest Dimap in der Umfrage von 19. September erhalten hat, noch einmal zu der Behauptung, dass es einen kausalen Effekt zwischen dem AfD-Erfolg bei der Bundestagswahl und Medienberichten gibt? 

Wann immer wir in einem Post geschrieben haben, dass die Junk Science, die wir gerade auseinander genommen haben, so großer Junk ist, dass es kaum vorstellbar ist, dass es noch größeren Junk gibt, sind wir falsifiziert worden. Die Menge an Junk, die an deutschen Hochschulen produziert wird, sie ist nicht übersehbar, nicht verständlich und nicht entschuldbar.

Wie erklärt man den in diesem Fall von Hegelich produzierten Junk?

Entweder Hegelich ist ein Datenfuzzy, der vor lauter Korrelation und Granger-Analyse vergisst, dass man einen Zweck, einen Grund, eine Antwort auf die Frage „Warum“ benötigt, wenn man den Zusammenhang, den man gefunden hat, erklären will. In diesem Fall wäre die Analyse von Hegelich das Ergebnis einer defizitären Ausbildung, in deren Verlauf es möglich ist, statistische Methoden zu erlernen, ohne zu wissen, warum und wozu.

Oder Hegelich ist ein Opportunist, einer, der versucht, Öffentlichkeit für sich zu schaffen und bekannt zu werden. Was wäre dazu besser geeignet, als diejenigen in Deutschland, die schon beim Anblick einer harmlosen Regressionsgleichung Fracksausen bekommen und mit Begriffen wie „Granger-Analyse“ zum ehrfurchtsvollen Verstummen gebracht werden können, an der Nase durch die Manege zu führen, um sich selbst als großen Statistiker zu inszenieren, der die Wahrheit über den AfD-Erfolg verbreitet hat?

Damit auch der letzte bemerket, welchem Unsinn er möglicherweise aufgesessen ist, vielleicht bemerkt es sogar Hajo Funke, hier unsere Analyse, die zeigt, dass der FC Bayern schuld am Wahlerfolg der AfD ist. Die Suche nach „FC Bayern“ korreliert mit der Suche nach „AfD“ (r = -.35). Mit einer Granger-Analyse können wir zeigen, dass mit einem Lag von 3 Tagen nach der Berichterstattung über den FC Bayern, die Suchen nach der AfD steigen. Um es in den Worten von Simon Hegelich zu formulieren: Die Berichterstattung über den FC Bayern führt nach drei Tagen zu einer hohen Berichterstattung über die AFD, die, eine Erkenntnis, die wir auch Hegelich verdanken, mehr AfD-Prozente in den Umfragen von FGW, Infratest Dimap, Allensbach usw. zur Folge hat.

Also Ihr Medien: Es gibt kein Entrinnen. Berichtet Ihr über die AfD, dann kommt dies der AfD zugute, berichtet Ihr über den FC Bayern, dann kommt das auch der AfD zugute. Bedankt Euch bei Simon Hegelich. Von dem stammt dieser Junk.

Granger-Kausalität ist eine bestimmte Form der Kausalität, die in Zeitreihenanalysen benutzt wird. Die Idee der Granger-Kausalität ist einfach: Eine Variable X ist Granger-kausal für Y, wenn Y besser über die vergangenen Werte von X und Y vorhergesagt werden kann als über die vergangenen Werte von Y alleine.

Die Idee basiert auf mehreren Voraussetzungen:

  • Nur vorausgehende Werte von X können kausal für Y sein.
  • X muss sich exogen zu Y verhalten, d.h. X für sich darf nicht Granger kausal für Y sein.
  • X und Y müssen statistisch unabhängig voneinander sein. D.h. X darf für Y nicht Granger-kausal sein und Y nicht für X.

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Bertelsmann-Studie: Weibliche Muslime schlechter integriert als männliche Muslime

Derzeit geht die Bertelsmann-Studie „Muslime in Europa – Integriert, aber nicht akzeptiert?“ durch die Medien. Eine Reihe von Lesern hat uns auf diese Studie und die dazugehörige Berichterstattung hingewiesen, deren Tenor weitgehend lautet: Muslime sind gut in die deutsche Gesellschaft integriert. Angesichts eines nunmehr mehrere Jahrzehnte dauernden Aufenthalts von Muslimen in Deutschland, die oft in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland leben, wäre alles andere auch mehr als bedenklich.

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Wir haben ein paar Abbildungen zusammengestellt, die die wichtigsten deskriptiven Ergebnisse aus der Befragung von für Deutschland 1.114 Muslimen und 1.453 Deutschen zeigt. Für uns ist jedoch nicht der deskriptive Firlefanz, der in den Medien berichtet wird, von Interesse sondern der in der Bertelsmann-Studie unternommene Versuch, die Integration von Muslimen der zweiten Generation in den Arbeitsmarkt als alleinigen Indikator für deren gesellschaftliche Integration zu erklären.

Diese Erklärung basiert zunächst auf einer mehr oder weniger verballhornten Übernahme von vier Dimensionen der Integration, die Esser zugeschrieben werden, der sie allerdings bei Berry entliehen hat. Die vier Dimensionen im originalen Akkulturationsmodell von Berry lauten Segregation, Marginalisierung, Assimilation und Integration. Bei Bertelsmann hat man die Segregation und die Marginalisierung vermutlich schon deshalb gestrichen, weil beide negativ und politisch nicht erwünscht sind und durch Platzierung und Interaktion ersetzt. Nimmt man noch Akkulturation und Identifikation hinzu, dann kommt man zu dem, was bei Bertelsmann als Modell der sozialen Integration bezeichnet wird.

Aufgelöst in die Bestandteile wird alles wieder etwas trivialer:

  • Platzierung wird durch Erwerbstätigkeit operationalisiert,
  • Akkulturation auf Spracherwerb und Schulbildung verkürzt,
  • Interaktion als Freizeitkontakt mit Einheimischen definiert und
  • Identifikation als Verbundenheit mit der Aufnahmegesellschaft angesehen (was letztlich eher Akkulturation als Identifikation misst, aber lassen wir das);

Aus Gründen, die nicht angegeben sind und von uns auch nicht nachvollzogen werden können, gilt den Bertelsmännern nur die Platzierung als erklärungsbedürftig, als multivariat erklärungsbedürftig. Multivariat scheint heute vornehmlich mit logistischer Regression einher zu gehen und die Berechnung derselben, die zum Ziel hat, auf Grundlage der abhängigen Variablen „Platzierung“ die Determinanten einer erfolgreichen Integration in die deutsche Gesellschaft zu bestimmen, ergibt Folgendes:

Alles, was in der letzten Spalte keine Sterne aufweist, kann vergessen werden, weil es n.s., also nicht signifikant ist.

Bleiben die signifikanten Ergebnisse:

Akkulturation, also bei den Bertelsmännern Sprachkenntnisse und ein formaler Bildungsabschluss erhöhen dann, wenn sie hoch sind, die Wahrscheinlichkeit von Platzierung, also von Erwerbstätigkeit, denn letzten Endes erklären die Bertelsmänner hier Erwerbstätigkeit und nicht Integration oder Platzierung.

Viele Freizeitkontakte zu Deutschen erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Erwerbstätigkeit.

Der Unsinn, den logistische Regressionen dann produzieren, wenn sie von Unbedarften bedient werden, kommt darin zum Ausdruck, dass Befragte, die sich Deutschland als eher verbunden erklären, eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen als Befragte, die von sich sagen, sie seien Deutschland sehr verbunden. Dass hier Unbedarfte am Werk sind, zeigt sich schon daran, dass Sie den Referenzkategorien Signifikanzen zuweisen, im Ergebnis stellt sich bei statistisch Bedarften Schüttelfrost ein.

Mit zunehmender Religiosität sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Erwerbstätigkeit (also von Platzierung für die Bertelsmänner).

Schließlich wirkt sich auch Geschlecht auf die Wahrscheinlichkeit, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, aus. Weibliche Muslime haben eine deutliche, um 60% geringere Wahrscheinlichkeit, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen als männliche Muslime.

Die Bertelsmänner berücksichtigen in ihrer Analyse ausschließlich Angehörige ab der zweiten Migrantengeneration also Befragte, die bereits in Deutschland geboren wurden.

Übrigens: Das Modell ist insofern ein sinnloses Modell als die Analysen auf Muslime beschränkt bleiben. Wollte man tatsächlich Aussagen darüber machen, ob Muslime integriert sind und wenn ja, wie gut sie integriert sind, dann muss man sie in Relation zur deutschen Bevölkerung analysieren und Letztere auch als Referenzgruppe wählen.

Folgt man den Bertelsmännern dennoch in ihrer Ansicht, dass die Platzierung auf dem Arbeitsmarkt letztlich die Variable ist, die eine gelungene Integration signalisiert, dann muss man daraus folgern, dass dieselbe bei weiblichen Muslimen in geradezu spektakulärer Weise misslungen ist. Da die weiblichen Muslime, die in der logistischen Regression berücksichtigt sind, alle in Deutschland geboren sind und alle das deutsche Bildungssystem durchlaufen haben, stellt sich die Frage: What went wrong?

Das ist doch einmal eine Frage, die die Gender Studierten beantworten könnten – oder?

Und für den Fall, dass die Gender Studierten auf ihre Lieblingsvariable springen: Es hat nichts mit Diskriminierung zu tun, denn von Diskriminierung geht keinerlei Effekt auf die „Platzierung“ aus.

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Schleimen in der Schule lohnt sich – zumindest in Bremen

Reduzieren wir die 20 Seiten des Beitrags mit dem Titel „Sozialverhalten und Schulleistungen“ aus der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft doch auf den wesentlichen Inhalt:

Wenn Mitschüler über einen Schüler sagen, dass er ihnen hilft, nicht aggressiv ist und „unsere Arbeit“ nicht häufig stört, dann schätzen Lehrer die Beliebtheit der entsprechenden Schüler höher ein und die entsprechenden Schüler erhalten bessere Noten als Schüler, auf die das alles nicht zutrifft.

Das teilen uns Julia Becherer, Olaf Köller und Friederike Zimmermann mit. Ein Strukturgleichungsmodell hat diese Kausalitäten entdeckt. Natürlich liest es sich, wenn Becherer, Köller und Zimmermann dieses Ergebnis beschreiben, ganz anders: „… Schüler, die von ihren Peers als prosozial eingeschätzt wurden, wurden von den Lehrkräften auch als beliebter eingeschätzt und erreichten auch später bessere Schulnoten. Als beliebt eingeschätzte … Schüler erreichten ebenfalls bessere Noten und auch der indirekte Zusammenhang des prosozialen Verhaltens mit den Noten, vermittelt über die Beliebtheit in der Klasse, war substanziell“.

Wer heutzutage empirische Texte liest, der braucht ein dickes Fell. Max Kaase hat Studien wie die von Becherer, Köller und Zimmermann als „Data speek to me“ Studien bezeichnet, aber das setzt voraus, dass das, was die Daten sagen, verstanden wird – eine Annahme, die man nicht mehr unbegrenzt aufrechterhalten kann.

So hat sich die Kenntnis darüber, wozu Strukturgleichungsmodelle eigentlich einmal entwickelt wurden und welche Probleme sich mit den entsprechenden Modellen, die früher unter dem Stichwort „LISREL“ behandelt wurden, weitgehend verflüchtigt. Dass man der Software durch die Spezifikation von Pfaden vorgibt, in welche Richtung Zusammenhänge weisen und damit klare Annahmen über Kausalitäten macht, das ist zumindest bei den drei Autoren, die diesen Text verbrochen haben, nicht angekommen. Für sie wurden irgendwelche Assoziationen oder Zusammenhänge gemessen, die mit ihren Annahmen und Spezifikationen natürlich nichts zu tun haben.

What if data will speak, but nobody is listening?

Daten zu 2.387 Schülern aus Bremen haben die drei Autoren verarbeitet. Schüler aus 113 Klassen in 10 Regelschulen, alle in der Gegend von 15 Jahren alt und entsprechend in einer neunten Klasse. Daten aus einem Projekt, das mehrere Erhebungswellen umfasst. Längsschnittdaten: Eine Seltenheit für Deutschland. Daten, anhand derer man relevante Fragestellungen nach Lernfortschritt, Einfluss von Lehrern auf schulische Leistungen, nach der Benachteiligung von Jungen und den Faktoren, die die Motivation von Schülern beeinflussen, beantworten könnte. Fragen, die für die individuelle Schul-Biographie von Schülern von Bedeutung sind und Auskunft über institutionelle Mängel geben könnten. Und was untersuchen die Autoren?

Ob prosoziales Verhalten vermittelt über die Beliebtheit eines Schülers dessen Noten beeinflusst. Und sie untersuchen es mit dem aufgerichteten Zeigefinger: Seht her liebe Kindlein, wer sich nicht einfügt, wer nicht prosozial ist, also seinen Mitschülern nicht hilft, der bekommt auch schlechtere Noten. Besser ihr werdet zu Duckmäusern und …kriechern, die frühzeitig das Geheimnis des Erfolgs, wie es in Deutschland gehütet wird, erkennen.

Wenn dieser Forschung irgend ein Verdienst zukommt, dann das, gezeigt zu haben, dass leistungsirrelevante Fragen sozialer Einordnung in Bremen die Noten zu beeinflussen scheinen. Das ist erschreckend. Scheinbar geben Lehrer in Bremen Schülern, die sie für beliebter halten, bessere Noten. Scheinbar wollen sich Lehrer bei der Mehrheit der Schüler einer Klasse einschleimen.

Wetten, dieses Ergebnis hätte man auch erhalten können. Strukturgleichungsmodelle sind geduldig. Man spezifiziert, die Software rechnet und heraus kommt ein Ergebnis. Dass Linear Structural Relations (LISREL) (fast) immer gefunden werden können, weshalb es unabdingbar ist, dass die Richtung der Beziehung entweder vorgegeben oder offen gehalten wird, ist dabei sicher. Offensichtlich haben Becherer et al. von vornherein angenommen oder die Voreinstellung des statistischen Pakets, das sie verwendet haben, hat ihnen diese Entscheidung abgenommen, dass prosoziales Verhalten auf Beliebtheit und Noten wirkt und nicht etwa, dass die Notengebung von Lehrern durch deren Einschätzung deren Beliebtheit eines Schülers bei seinen Peers beeinflusst wird. Auch die Idee, dass Schüler aggressiv sein könnten, weil sie von Peers aus der Klassengemeinschaft ausgegrenzt werden, Letztere also die Ursache für ersteres ist, ist unseren Autoren der unimaginativen Forschung nicht gekommen. Für sie ist klar, prosozial ist gut, dissozial ist schlecht.

Sie sind Ideologen, keine Wissenschaftler, Ideologen, die am derzeit häufig angestimmten Lied, nachdem Menschen so furchtbar sozial zueinander sind, ein Faktum, das man immer wieder sehen kann, wenn Antifas den Lebensunterhalt von Menschen zerstören, die sie gar nicht kennen oder Terroristen willkürlich in Menschenmengen fahren, mitsingen. Nein, natürlich sind nicht Menschen, sondern nur richtige Menschen prosozial. Deshalb muss prosoziales Verhalten schon in der Schule gelernt und durchgesetzt werden, müssen Schüler erkennen, wenn sie dissozial sind, dann gibt es schlechte Noten, schlechte Noten als Bestrafung für Schüler: Noch ein Pfad, der im Strukturgleichungsmodell nicht spezifiziert wurde.

Statistik leidet eben an der geistigen Beschränkung ihrer Anwender. Prosozial ist, so lernen wir von Becherer et al., wenn ein Schüler von einem anderen Schüler sagt, dass er ihm hilft. Wobei ist egal. Hauptsache er hilft: beim Schummel während der Klassenarbeit, beim Mobben anderer Mitschüler, wobei auch immer. Hauptsache, er hilft. Helfen ist nämlich gut. Dagegen ist Aggression schlecht. Wer aggressiv ist, ist dissozial, nicht etwa mit einem Instinkt ausgerüstet, der der Menschheit ihr Überleben gesichert hat und der auch heute noch wichtig ist, wenn man z.B. seine Haut gegen Übergriffe verteidigen muss. Und dissozial ist, wer „uns bei unserer Arbeit stört“. Bei „unserer Arbeit“ werden wir nur durch Außenseiter gestört, so dass alle, die nicht zu einer Gruppe gehören, potentiell dissozial sein müssen, zwangsläufig. Was hier gefeiert wird, ist nichts anderes als die Stiftung einer sozialen Identität durch Ausgrenzung von anderen. Andere Forscher beforschen das unter dem Stichwort Mobbing und halten die Ausgrenzten für Opfer. Becherer et al. sehen in der Ausgrenzung eine Reaktion auf das dissoziale Verhalten der Ausgegrenzten. Wenn man sich im theoretischen Niemandsland befindet, dann kann man sich nur an der eigenen Ideologie festhalten. Noch ein Grund, warum Artikel wie der von Becherer, Köller und Zimmermann der empirische Ausdruck der latenten Variable „Junk Science“ sind, die wiederum im Strukturgleichungsmodell direkt von methodischer und statistischer Unkenntnis sowie von theoretischer Unbedarftheit beeinflusst wird.

Becherer, Julia, Köller, Olaf & Zimmermann, Friederike (2017). Sozialverhalten und Schulleistungen. Spielt die Beliebtheit in der Klasse eine Rolle? Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (online first).

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Kriminalitätsonanie: Juchheisa, die Hasskriminalität gegen Schwule und Lesben nimmt zu (oder auch nicht)

Hasskriminalität gegen Schwule und Lesben nimmt zu, so titelt der Spiegel.

Und weiter:
“Die Behörden registrieren mehr politisch motivierte Übergriffe gegen Schwule, Lesben und Transsexuelle: Nach SPIEGEL-Informationen stieg die Zahl der homo- und transphoben Straftaten im ersten Halbjahr 2017 deutlich an.”

Die Kenntnis über den deutlichen Anstieg der „politisch motivierten Übergriffe gegen Schwule, Lesben und Transsexuelle“ stammt aus einer schriftlichen Anfrage von Volker Beck, deren Antwort wohl direkt in die Tastatur eines Spiegel-Redakteurs eingeflossen ist.

Und so wissen wir nun, das von 1. Januar bis zum 28. Juli 2017 insgesamt 130 „politisch motivierte Straftaten mit der Nennung des Unterthemas ‘Sexuelle Orientierung’“ von der Polizei registriert wurden. Im selben Zeitraum des Jahres 2016 waren es 102. Der „deutliche Anstieg“ den der Spiegel hier konstruiert, er besteht aus 28 Straftaten. Zudem stehen den 70 Tatverdächtigen im ersten Halbjahr 2017 nur 58 Tatverdächtige im Halbjahr 2016 gegenüber. Noch ein deutlicher Anstieg.

Wenn Sie schon immer einmal wissen wollten, wie Lobbyisten, und Volker Beck ist ein solcher Lobbyist für schwule Angelegenheiten, es schaffen, mit Nichtigkeiten in die Presse zu gelangen, dann haben sie hier ein Beispiel dafür. Nicht nur, dass Nichtigkeiten zu deutlichen Anstiegen aufgeblasen werden, es wird auch behauptet, dass ein Zuwachs von jämmerlichen 28 Straftaten und 12 Tatverdächtigen zeige, dass die Hasskriminalität gegen Schwule und Lesben zunehme.

Jedem Kriminologen ringeln sich hier die Fußnägel.

Zunächst zur Einordnung: in einem normalen Halbjahr werden in der Polizeilichen Kriminalstatistik rund 1.180.000 Tatverdächtige und 3.186.000 Straftaten erfasst. Die so stark ansteigenden Straftaten gegen Schwule und Lesben, sie stellen somit 0,0041% aller Straftaten dar, gleichzeitig summiert sich der Anteil der 70 Tatverdächtigen an allen erfassten Tatverdächtigen auf 0,006%. Selbst von einer Mücke zu sprechen, verbietet sich hier. Von einem Neutrino auf Abwegen zu reden, ist angemessener. Dass über derartige Nichtigkeiten in Zeitungen berichtet wird, ist Ergebnis gezielter Lobbyarbeit. Während keine überregionale Zeitung davon berichtet, dass die Fussball-Mannschaft der SG Edesheim es in der Saison 2016 geschafft hat, in die A-Klasse zurückzukehren, wird sich das Lamento über den Anstieg um 12 Tatverdächtige und 28 Straftaten in (fast) jeder überregionalen Zeitung finden.

Und alle werden sie fälschlicherweise behaupten, dass die veränderten Zahlen belegen, dass die „Hasskriminalität gegen Schwule und Lesben“ zunehme. Das ist jedoch vollkommener Unsinn.

Und zwar deshalb:

Die Polizeiliche Kriminalstatistik beinhaltet erfasste Straftaten und ermittelte Tatverdächtige.

Die Erfassung beider Daten erfolgt nicht immer in dem Jahr, in dem die Straftaten verübt bzw. die Tatverdächtigen ermittelt wurden. Zuweilen gibt es einen statistischen Überhang von Daten, die aus einem Jahr in das nächste geschoben werden – zumeist aus personellen Gründen. Kurz: Die Zahlen der Kriminalstatistik lassen sich nur teilweise einem Jahr zuordnen.

Die Polizei kann nur die Straftaten ausweisen, die ihr zur Kenntnis kommen und nur die Tatverdächtigen erfassen, die ermittelt wurden. Deshalb unterscheiden Kriminologen das Hellfeld von Kriminalität, wie es in der Statistik erscheint, vom Dunkelfeld, wie es eben nicht in der Statistik erscheint.

Das Dunkelfeld der Straftaten, die nicht bekannt und entsprechend auch nicht registriert werden, zeichnet sich dadurch aus, dass es ein Dunkelfeld ist. Niemand weiß wie groß es ist, und niemand kann verlässliche Schätzungen dazu machen. Opferstudien, die das in der Vergangenheit für sich reklamiert haben, haben sich allesamt als unzuverlässig erwiesen.

Gesichertes Wissen ist jedoch, dass dann, wenn bestimmten Delikten eine öffentliche Bedeutung zugewiesen wird, die Anzahl der entsprechend registrierten Delikte steigt. Das hat mit einem veränderten Anzeigeverhalten zu tun, mit mehr Aufmerksamkeit oder mit einer intensiveren Ermittlungsarbeit der Polizei. Dass mehr Delikte registriert werden, heißt jedoch nicht, dass auch mehr Delikte begangen werden. Es kann einfach nur bedeuten, dass aus der Gesamtzahl begangener Delikte, die niemand kennt, mehr Delikte bekannt werden, mehr aus dem Dunkel- in das Hellfeld geholt werden.

Eine andere gesicherte Tatsache besteht darin, dass dann, wenn in Medien bestimmte Bevölkerungsgruppen popularisiert werden, etwa in der Weise, in der Medien derzeit Schwule und Lesben und all die anderen sexuell Orientierten bewerben, diese Gruppen automatisch als Zielscheibe für bestimmte Delikte interessanter werden als sie dies noch vor der medialen Werbung waren. Träfe diese einzige Erklärung, die dafür spräche, dass die Kriminalität, die sich gegen Schwule und Lesben etc. richtet, tatsächlich zugenommen hat, zu, dann könnte sich Volker Beck immerhin damit brüsten, aufgrund seiner Lobbyarbeit und der damit einhergehenden medialen Aufmerksamkeit für Schwule und Lesben dazu beigetragen zu haben, dass die Straftaten, die gegen Schwule und Lesben verübt werden, zugenommen haben. Das wäre doch etwas, womit man sich als scheidender Bundestagsabgeordneter trösten kann.

Aber die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Straftaten gegen Schwule und Lesben tatsächlich zugenommen haben, sie ist gering. Wir tippen auf eine Mischung aus ein paar Straftaten, die mehr aus dem Dunkelfeld ins Hellfeld geholt werden und auf einen statistischen Überhang aus dem Jahr 2016. Letztlich sind 28 Straftaten und 12 Tatverdächtige mehr einfach eine zu marginale Veränderung, als dass man darüber gesicherte Aussagen machen könnte.

Das hält diejenigen, die offensichtlich eine ganz eigene Befriedigung daraus ziehen, über die verschiedensten Schrecklichkeiten zu berichten, die Schwule und Lesben wie allen anderen übrigens, im Leben ereilen können, natürlich nicht davon ab, ein Neutrino zu einem medialen Elefanten zu formen.

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