Antikoloniale Aktion enlarvt Columbus als Ursache des Übels

Wenn die Eltern der Mitglieder der Antikolonialen Aktion etwas mehr Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen gezeigt und verhütet hätten, dann blieben diese Mitmenschen von den Aktionen der Antikolonialen Aktion verschont und müssten sich nicht fragen, wie weit unten man intellektuell noch aufschlagen kann.

Klingt krass? Ist aber nichts weiter als die Anwendung der Logik, die uns die Antikoloniale Aktion Dresden gerade zugemutet hat, wie im Folgenden deutlich wird.

Der neue Tiefpunkt der intellektuellen Errungenschaft wird von Petra Frisch eingenommen, Sprecher der Antikolonialen Aktion:

„Die Seefahrten von Columbus und die Ankunft der Europäer auf dem amerikanischen Kontinent hatte die Ermordung und Versklavung der indigenen Bevölkerung durch die Europäer zur Folge.“ [Wie versklavt man Ermordete?]

Christopher Columbus, ein Italiener im Dienste der spanischen Krone, ist also die Ursache für alles, was der indigenen Bevölkerung auf dem amerikanischen Kontinent zugestoßen ist. Deshalb hat sich die Antikoloniale Aktion entschieden, in Dresden die Columbus Straße in Berta Cáceres Straße umzubenennen.

Hätte es nämlich Christoph Columbus nicht gegeben, die indigene Bevölkerung des amerikanischen Kontinents, sie lebte immer noch im Azteken oder Maya-Paradies, in jedem Fall wäre alles besser. Aber es hat Christoph Columbus gegeben. Er ist schuld an der Eroberung Südamerikas durch die Spanier, obwohl er nur den Strand von Venezuela gesehen hat und sich ansonsten mehr auf den Inseln der Karibik, Haiti, Jamaika, Domenikanische Republik aufgehalten hat (wer kann es ihm verübeln). Indes, hätte Christopher Columbus kein Schiff gehabt, er wäre nie auf die Idee gekommen, einen Seeweg nach Japan zu suchen und auf Haiti anzukommen.

 Reisen von ColumbusSchuld an der Misere der indigenen Bevölkerung ist also nicht Columbus, sondern der Erfinder des Schiffes. Funde aus Indonesien (Flores), Kreta oder Australien, die einen Zeitraum von mehreren 100.000 Jahren abdecken, legen den Schluss nahe, dass das Boat, das Schiff, ein recht altes Kulturgut ist. Insofern wären die Menschen im Neolithikums dafür verantwortlich zu machen, dass Columbus im Jahre 1492 den Frieden der indigenen Bevölkerung des amerikanischen Kontinents gestört hat. Aber soweit wollen wir nicht zurückgehen, schon weil dann die Schulfrage nicht eindeutig geklärt werden kann.

Nehmen wir die Osterinseln. Sie stehen nicht im Verdacht, per Landweg erreichbar zu sein. Sie müssen also vom Schiff aus besiedelt worden sein und von Polynesien aus, wie es der Stand der Wissenschaft derzeit nahelegt. Tonga, Samoa und Neuseeland, die Maori im Wesentlichen, sie zeichnen für die Besiedlung der Osterinseln verantwortlich und müssen entsprechend bereits über Technologien, die die Reise per Meer erlauben, verfügt haben: über Schiffe. Somit wären die Maori und ihre Schiffsentwicklung für die Fahrt des Christoph Columbus verantwortlich. Also, Antikoloniale Aktion, bitte alle Straßenschilder, die einen Bezug zu Maori oder Neuseeland oder Samoa aufweisen, mit Berta-Cáceres Straße übermalen.

Jeoch ohne das Geld von Ferdinand dem II von Aragon und Isabella von Kastilien hätte Columbus seine Fahrt nach Japan, die ihn nach Haiti geführt hat, nie antreten können und auch die nachfolgenden Reisen wären wohl ins Wasser gefallen. Die wahren Schuldigen sind also wieder die Monarchen, die autokratischen Herrscher, die Reichen, die Blutsauger, die den kleinen Mann aussaugen, die Bonzen, die Banker, der Kapitalismus. Also: Antikoloniale Aktion: Bitte alle Straßennahmen übermalen, die einen Bezug zu Spanien, Kastilien, Aragon, Banken, Bonzen, Kapitalismus und Monarchen aufweisen.

Antikoloniale aAber ohne Domenico Colombo und Susanna Fontanarossa, die im Verdacht stehen, die Eltern von Columbus zu sein, hätte es Columbus nie gegeben und somit auch keine Fahrten nach Jamaika und in die Domenikanische Republik mit all ihren verheerenden Folgen für die indigene Bevölkerung. Beide Eltern von Columbus haben in Genua gelebt. Genua ist also kausal für Columbus und somit für das Schicksal der indigenen Völker des amerikanischen Kontinents (So wie die Eltern der Antikolonialen Aktivisten die volle Verantwortung für die Aktivisten tragen). Genua liegt in Italien. Ohne Italien, kein Genua. Und Italien, hat das nicht etwas mit Römern zu tun? Waren nicht bereits die Römer Kolonisatoren? Da haben wir es. Die Römer sind schuld. Und vor allem sind die Römer seit Übernahme des Christentums als Staatsreligion schuld. Alle Straßennamen, die einen Bezug zu Rom, Römern oder zum Christentum haben, sie müssen mit dem Namen von Berta Isabel Cáceres überpinselt werden, denn sie alle sind Schuld am Schicksal der indigenen Völker in Nordamerika.

Die Kausalkette ist damit noch lange nicht am Ende, weshalb wir vorschlagen, die Antikoloniale Aktion überpinselt vorsichtshalber und quasi als pre-emptive strike alle Straßenschilder in Dresden, um auf das Schicksal der indigenen Völker in Amerika aufmerksam zu machen. Die Welt wird es den Antikolonialen Aktivisten sicher irgendwann einmal, wenn das allgemeine Intelligenzniveau sich dem Niveau der Antikolonialen Aktivisten angenähert hat, was beim derzeitigen Verdummungstempo nicht mehr allzu lange dauern wird, vielleicht danken – vielleicht auch nicht.

Eigentlich ist der Urknall an allem Schuld. Hätte es ihn nicht gegeben, wir müssten heute nicht die Antikoloniale Aktion ertragen. Wer religiös ist, kann die entsprechende Schuld gerne an seinen Gott weiterreichen und eine Erklärung einfordern. Damit wären dann auch die Eltern der antikolonialen Aktivisten aus dem Schneider.

Die Posse aus Dresden zeigt, mit welcher Beliebigkeit Aktivisten diejenigen, auf deren Schicksal sie hinweisen wollen und diejenigen, die sie gerade einmal verantwortlich machen wollen, auswählen, wobei der Beliebigkeit der Aktivisten, die sehr engen Grenzen des eigenen Intellekts und der eigenen Heilslehre gesetzt sind. Daraus kann man schließen, dass die Aktivisten offensichtlich an Langeweile und intellektueller Verödung leiden. Letzteres kann man durch Lernen beheben, ersteres durch Arbeit. Beides macht Mühe, mehr Mühe, als willkürlich zu bezichtigen, Helden zu wählen und Straßenschilder zu beschmieren. Beides erfordert eigenes Tun nicht Konsum und  Bewertung des Tuns anderer.

Womania: Manipulieren mit dem Statistischen Bundesamt

Die Meldung des Tages vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden:

„Grundsicherung: Im Rentenalter sind besonders Frauen betroffen

Mit der Grund­sicherung im Alter unterstützt der Staat Personen, deren Rente zusammen mit eventuell weiteren Einkünften nicht ausreicht, um den Lebens­unterhalt zu bestreiten. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der Leistungs­empfängerinnen und -empfänger um 4,7 % zugenommen.

Im Renten­alter benötigten Frauen deutlich häufiger Unter­stützung vom Staat als Männer: Im Dezember 2015 waren rund 60,1 % der Personen, die Grund­sicherung im Alter bezogen, Frauen.“

Wie so oft, wenn es darum geht, Leser zu täuschen, werden Prozentzahlen genutzt, um Augenwischerei zu betreiben. Die Basis-Trickserei besteht dieses Mal darin, dass verschwiegen wird, dass es auch viel mehr Frauen im Rentenalter gibt als Männer, so dass Frauen eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, Grundsicherung im Alter zu beziehen als Männer.

Die Altersklassen ab 65 Jahre sehen eine Entwicklung des Frauenanteils wie in der folgenden Abbildung dargestellt. Insgesamt sind 56% der über 65jährigen weiblich, 44% männlich.

Rentenalter

Angesichts dieses Übergewichts und angesichts der einfachen Tatsache, dass die Rentenansprüche von Frauen im Durchschnitt deshalb geringer sind als die von Männern,

  • weil sich die Höhe der Rente nach der Anzahl der Arbeitsjahre und der Höhe des Verdienst richtet,
  • weil Männer durchschnittlich mehr Arbeitsjahre ansammeln als Frauen und Feministen ja nach wie vor den unbereinigten Verdienstunterschied von rund 22% bejammern, der sich daraus ergibt, dass Männer im Durchschnitt mehr und Produktiveres arbeiten als Frauen,

sind die 5%, die zwischen 61% Frauen im Rentenalter, die Grundsicherung benötigen und den 56% Frauen, die im Rentenalter sind (gegenüber 44% Männern) lächerlich gering und ergo ein Ergebnis der frauenfreundlichen Rentenpolitik.

In jedem Fall suggeriert die Herz-Schmerz-Meldung des Statistischen Bundesamtes etwas völlig Falsches. Und nicht nur das Statistische Bundesamt geht normalen Menschen mit seiner Womania auf die Nerven.

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Belegt: Schiebung zu Gunsten von Bayern München

Als Pfälzer und Fan des FC Kaiserslautern hat man es schon immer gewusst: Die Bayern werden bevorzugt, Tore werden ihnen herein und anderen heraus gepfiffen, und überhaupt selbst beim legendären 7:4 des FCK waren alle vier Gegentore klare Abseitstore, und beim 4:0 einige Jahre später, wurden mindestens drei Elfmeter gegen die Bayern nicht gegeben. Die Bevorzugung der Bayern, der Geldmagnaten aus der Landeshauptstadt, die selbst ihr Stadion an ein Unternehmen verkauft haben, sie ist und war offenkundig, so offenkundig, dass es eigentlich keiner weiteren Belege mehr bedurft hätte.

Es gibt sie aber dennoch: Eberhard Feess von der Frankfurt School of Finance & Management, Helge Müller von der Philipps Universität in Marburg und Paul Bose, der seiner Universität gerade als Absolvent den Rücken gekehrt hat, sie sind dafür verantwortlich.

Die drei haben sich Daten besorgt, von der „deltatre AG“, die die „Datenbasis der Deutschen Fußballliga pflegt“, wie es in der Pressemeldung heißt. Geliefert wurden Daten zu den Spielsaisons 2000 bis 2014, 4.348 Bundesligaspiele mit 666 Elfmetern, die nicht gepfiffen wurden, obwohl sie hätten gepfiffen werden müssen. Das Pfiffige an der Datenbank: Es gibt eine Bewertung der Schiedsrichterentscheidung in „eindeutig falsch“, „debattierbar“ und „eindeutig richtig“. Wer diese Bewertung vorgenommen hat? Vielleicht weiß es Eberhard Feess.

Wenn nicht, dann weiß er doch zumindest, dass es eine eindeutige und signifikante Tendenz von Elfmetern gibt, nicht gegen den FC Bayern und nicht gegen ein starkes Team gepfiffen zu werden und zudem gibt es die statistisch signifikante Tendenz von Elfmetern, in Heimspielen eher zu Gunsten der Heimmannschaft nicht gepfiffen zu werden, obwohl sie hätten gepfiffen werden müssen.

Wie erklärt man eine solche Unterlassung? Wie erklärt man es, dass Schiedsrichter eher nicht pfeiffen, wenn sie gegen den FC Bayern, eine Heimmannschaft oder eine starke Mannschaft pfeiffen müssten? So:

“Man neigt dazu, Individuen oder Institutionen mit hohem Status überzubewerten. Wir vermuten aber nicht, dass das mit Absicht geschieht.“

Die Ehrfurchtserklärung: Schiedsrichter stehen in Ehrfurcht im Strafraum und pfeifen nicht, vor Ehrfurcht, vor Ehrfurcht vor dem FC Bayern, Schalke 04, Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen. „Quatsch“, klingt es auf Pfälzisch aus den Tiefen der Redaktion, „die sind alle gekauft!“. Auch eine Erklärung, die derzeit nicht falsifiziert werden kann, so wenig wie die Ehrfurchtsthese, die eine Eigenschaft mit der Geschmiert-These teilt: Sie ist kaum prüfbar (wer gibt schon zu, dass er ehrfürchtig oder geschmiert ist?). Deshalb sagt Herr Feess auch, dass die Bevorzugung der Bayern und der anderen Großvereine nicht bewusst (an anderer Stelle) und nicht absichtlich (hier) geschieht. Das Unbewusste kommt immer dann ins Spiel, wenn die eigene These nicht prüfbar ist. Dann verweist man auf das Unbewusste: Denn sie wissen nicht, was sie tun, die Schiedsrichter, die die Bayern bevorzugen. Darf man die Schiedsrichter frei herumlaufen lassen, wenn sie nicht einmal wissen, dass sie den Elfmeter gegen die Bayern nicht gegeben haben, weil sie die Bayern anhimmeln (oder geschmiert wurden)?

Überhaupt ist die Studie der drei Mannen aus Frankfurt, Marburg und aus Unbekannt eher seltsam und entspricht so gar nicht den wissenschaftlichen Gepflogenheiten:

  • Es gibt keinen öffentlich einsehbaren Text,
  • Es gibt keine veröffentlichten Berechnungen,
  • Es gibt keine Angaben zu Methode und Vorgehensweise,

Wer Näheres zu der Studie erfahren will, der muss sich mit Eberhard Feess in Verbindung setzen und sich die Ergebnisse mündlich (!sic) erklären lassen. Glaubt Feess, was er Schiedsrichtern unterstellt, sie auch bei den Adressaten seiner Ergebnisse der Fall, dass sie „dazu neigen“, die Ergebnisse, die Feess und die beiden anderen zusammengerechnet haben, zu glauben, weil sie Akademikern einen hohen Status zuweisen?

Beim DRadio scheint diese Rechnung aufzugehen.

Bei uns nicht. Deshalb verweisen wir darauf, obwohl wir wissen, dass der FC Bayern schon seit mindestens 1970 von Schiedsrichtern bevorzugt wird, dass die Entscheidung, einen Elfmeter zu geben oder nicht, in einem Kontext erfolgt, der vom schiedsrichterlichen Wissen und seinen Entscheidungen beeinflusst wird, z.B. dadurch, dass Spieler X als Schwalbe bekannt ist, z.B. dadurch, dass der Schiedsrichter schon einen Elfmeter gepfiffen hat und nicht noch einen pfeifen will, z.B. dadurch, dass er sich schlicht irrt oder dadurch, dass sein Linienrichter die Abseitsregel neu interpretiert und, und, und natürlich könnte man die nicht gepfiffenen Elfmeter auch mit den gepfiffenen Elfmetern gewichten, jenen Elfmetern, die zeigen, dass nicht die großen Klubs, sondern die kleinen besser abschneiden:

Saison Am meisten Elfmeter: Anzahl
2000/01 Werder Bremen 8
2001/02 Bayer 04 Leverkusen, Borussia Dortmund, Werder Bremen 9
2002/03 FC Nürnberg 9
2003/04 Werder Bremen 9
2004/05 FC Nürnberg 8
2005/06 Mainz 05, Bayer 04 Leverkusen 6
2006/07 Alemania Aachen 9
2007/08 Bayer 04 Leverkusen 8
2008/09 VFL Wolfsburg 11
2009/10 Werder Bremen 7
2010/11 Werder Bremen 10
2011/12 Bayern München 11
2012/13 Bayer 04 Leverkusen 8
2013/14 TSG Hoffenheim 14
2014/2015 FC Augsburg 8
2015/16 Werder Bremen, FC Ingolstadt 04, Bayern München 8

Und weil dem so ist, könnte man, würde man die gegebenen Elfmeter berücksichtigen keine so schöne Schlagzeile wie Bayern-Bonus oder Promibonus oder sonstige Überschriften wählen, von denen man sich verspricht, dass statushörige Deutsche sie anklicken…

Aber natürlich bleibt davon, dass man den Bayern Bonus so, wie ihn Feess, Müller und Bosa belegen wollen, nicht belegen kann, die Tatsache unberührt, dass es den Bayern Bonus gibt, wie jeder FCK-Fan spätestens seit 1970 weiß:)

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7285 Euro Spenden für ScienceFiles

Liebe Leser,

wir wollen uns an dieser Stelle recht herzlich für sage und schreibe 7.285 Euro, die uns innerhalb von knapp 5 Wochen gespendet worden sind, bedanken.

ScienceFiles Spendenstand.7285Nicht einmal der größte Optimist unter uns hätte damit gerechnet, dass wir auf eine Summe jenseits von 2.000 Euro kommen würden. Entsprechend hat uns die ganze Aktion gezeigt, dass es möglich sein könnte, ScienceFiles, zumindest zeitweise aus Spenden zu finanzieren, so dass zumindest ein Redaktionsmitglied sich tageweise, vielleicht auch wochen- oder monatsweise ausschließlich der Arbeit am Blog widmen kann.

Das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis, zu dem wir nunmehr gelangt sind, und es zeigt uns nicht nur, dass eine erhebliche Nachfrage nach den Texten von ScienceFiles besteht. Da wir im März 425.166, also fast eine halbe Million Besucher auf ScienceFiles hatten und somit 55% mehr als im Vormonat, war uns schon klar, dass es eine Nachfrage nach den Texten von ScienceFiles und der Art und Weise, wie wir unsere Texte schreiben, besteht.

Was uns zugegebener Maßen sehr positiv überrascht hat, ist die große Zahl von Lesern, die bereit sind, nicht nur zu lesen, was Ihnen offensichtlich zu lesen Spaß macht, sondern diejenigen, die sich täglich hinsetzen und das eingehende Material sichten und Texte schreiben, die anderen Spaß machen, auch finanziell zu unterstützen.

We stand humbled.

Aber nicht lange, denn des Menschen Los ist es, von erreichten Zielen aus, bereits nach neuen Zielen Ausschau zu halten, die er ebenso erreichen kann. Und deshalb haben wir uns entschlossen, die Spendenaktion weiterlaufen zu lassen, einen monatlichen Bericht über den Spendenstand zu geben und aus den eigehenden Spenden eine kontinuierliche Intensivierung der Arbeit an ScienceFiles zu finanzieren.

Seinen Niederschlag hat dies bereits in SurveyNET gefunden, unserem neuen Befragungshub, das wir nicht nur – wie alles – selbst programmieren und erstellen, sondern auch selbst führen, bestücken, auswerten und ausbauen so dass es bereits jetzt eine alternative Befragungsseite im Internet gibt, auf der regelmäßig Befragungen durchgeführt werden, die nicht von der politischen Korrektheit und dem Mainstream diktiert werden.

 

Alles, was wir an Kategorien und neuen Formaten auf ScienceFiles und SurveyNET ausprobieren und ergänzen, können wir nur deshalb ausprobieren und ergänzen, weil es eine stattliche Anzahl von Unterstützern gibt, die uns den Rücken freihalten, denn die vielen Stunden, die wir derzeit in ScienceFiles investieren, die könnten wir nicht investieren, wenn es die vielen Spender nicht gäbe.

Daher nochmals herzlichen Dank und: Weiter so!

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Früher Sterben mit Armut – Die Debatte der Heuchler

Wir beobachten derzeit eine seltsame Diskussion um Armut und den Zusammenhang zwischen Armut und Sterblichkeit.

Wer wenig verdient, stirbt früher, so der ökologische Fehlschluss, der im Neuen Deutschland gezogen wird.

Logik f dummiesFehlschluss: Nicht jeder, der sagen wir, weniger verdient als ein durchschnittlicher Landtagsabgeordneter, stirbt auch früher als ein durchschnittlicher Landtagsabgeordneter. Deshalb ist der Titel „Wer wenig verdient, stirbt früher“ ein Fehlschluss, und darüber hinaus Unsinn, denn es fehlt der zweite Teil im Komparativ: wer wenig verdient, stirbt früher als derjenige, der blaue Hosen anhat oder derjenige, der noch weniger verdient oder derjenige, der die AfD wählt…?

Von einem tödlichen Zusammenhang ist in der Südwestpresse die Rede.

Beide Male geht es darum, dass es einen Zusammenhang zwischen der Lebenserwartung und dem Einkommen gibt. Und deshalb sind sich die meisten Kommentatoren einig: Bildung muss her, um die Armen zu länger lebensfähigen nicht-Armen zu machen, damit sie nicht mehr im Alter von durchschnittlich 73 Jahren sterben, wie die Männer in Pirmasens, sondern im Alter von durchschnittlich 81,3 Jahren, wie die Männer in Starnberg.

Schon lustig, so ein Zusammenhang auf regionaler Ebene. Strukturschwache Gebiete, so heißt es, sie wirken negativ auf die Lebenserwartung. Aber seltsamer Weise macht die Strukturschwäche Geschlechterunterschiede, 4,1 Jahre im Fall von Pirmasens, wo Frauen im Durchschnitt ein Lebensalter von 77,1 Jahren erreichen 2,3 Jahre in Starnberg, wo Frauen durchschnittlich 83,6 Jahre alt werden.

Wirkt sich Armut unterschiedlich auf Frauen und Männer aus? Sterben Männer in Armut eher als Frauen? Oder sind Männer eher von Armut betroffen als Frauen, oder geht die ganze Debatte an der Ursache für die Sterblichkeit vorbei, die man in systematischen Unterschieden zwischen Frauen und Männern eher zu finden scheint als in regionalen Unterschieden im Hinblick auf das durchschnittliche Einkommen?

Männer sind länger erwerbstätig als Frauen, machen im Vergleich zu Frauen härtere Arbeiten, auf Baustellen, in Abwasserkanälen, als Fernfahrer, als Bergarbeiter. Knochenarbeit ist männlich, und Knochenarbeit heißt deshalb Knochenarbeit, weil sie auf die Knochen geht und entsprechende Gebrechen und Leiden nach sich zieht, die sich wiederum negativ auf die Lebenserwartung auswirken.

Wollen alle diejenigen, die nun laut danach schreien, die Armen zu bilden und zu Landtagsabgeordneten der Linken zu machen, tatsächlich den Preis dafür bezahlen, dass die Jobs, die auf die Gesundheit gehen, nicht mehr gemacht werden? Oder ist die ganze Diskussion wieder ein Beispiel für die Verlogenheit der politischen Klasse, die es natürlich erwarten, dass dann, wenn sie sich zum Frühstückstisch im Hotel bequemen, eine Vielzahl von Menschen bereits ihre Arbeit getan haben, damit sich die um die Armen Besorgten die Brötchen und die Marmelade in den Mund stecken können?

Es gibt zwei einfache Maßnahmen, um dafür zu sorgen, dass nicht mehr die Armen durchschnittlich früher sterben als die Reichen und nicht mehr die Männer durchschnittlich deutlich früher als die Frauen:

  • Die Knochenjobs sind zwischen Männern und Frauen gleich zu verteilen, z.B. im Rahmen des Gender Mainstreamings;
  • Diejenigen, die  Knochenjobs ausführen, sind besser zu bezahlen als z.B. Landtags- oder Bundestagsabgeordnete.

Und schon hat sich der beklagte statistische Zusammenhang aufgelöst.

Wetten, die beiden Maßnahmen sind unter den politischen Heuchlern, die sich jetzt wieder im Sessel zurücklehnen und zu Rettern der Armen aufspielen, gar nicht populär?

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Früchte des Zorns: Der Pegida-Effekt

Die deutschen Medien feiern heute den Pegida-Effekt:

„Erstmals nach sechs Jahren Wachstum sind die Touristenzahlen für die Stadt rückläufig. Insgesamt gingen im vergangenen Jahr die Übernachtungen um 3 Prozent auf 4,3 Millionen zurück, bei den Ankünften gab es ein Minus von 2,3 Prozent. Der Grund: Gäste aus dem Inland sind zurückhaltender. Ihre Zahl sank 2015 um 5,1 Prozent auf rund 3,4 Millionen.

Bei Touristen aus dem Ausland konnte Dresden dagegen zulegen. Die Zahl der Übernachtungen stieg um 6,1 Prozent auf insgesamt rund 879.000. Zu den wichtigsten Auslandsmärkten zählen demnach die USA, Schweiz und Österreich. Die Übernachtungen aus Russland brachen dagegen wegen des Rubelverfalls und der Wirtschaftskrise um knapp 28 Prozent ein.“

Dieser Text findet sich mehr oder weniger identisch, in allen deutschen Tageszeitungen von der WELT über den Merkur, die Berliner Morgenpost, die Frankfurter Rundschau bis Spiegel Online.

Dresden Marketing.pngDie Welt der Gutmenschen und Mainstream Medien, sie ist wieder in Ordnung. Endlich gibt es etwas Negatives, das man Pegida anlasten kann! Und damit es auch klar ist, hier noch einmal, damit es auch der Letzte versteht:

„Menschen haben sich in dem Zeitraum bewusst gegen einen Dresden-Besuch entschieden und ihre Privat- oder Geschäftsreise abgesagt, wie wir von Veranstaltern und Branchenvertretern wissen“, sagte DMG-Geschäftsführerin Bettina Bunge.

Nun ist die Befragung, aus der Frau Bunge diese Weisheit entnommen haben kann, bereits von Mai bis August 2015 durchgeführt worden. Und die Ergebnisse der Studie, sie wurden bereits vor einiger Zeit veröffentlich, und zwar in folgendem Tenor:

„Der Studie zufolge genießt die Markt Dresden im Vergleich zu 2010 eine stabile Attraktivität. […] Nach der Studie haben die aktuellen gesellschaftlichen Ereignisse und Strömungen das Potenzial, das Image der Stadt negativ zu beeinträchtigen. Nicht zuletzt unter anderem auch durch die Berichterstattung über die Pegida-Bewegung und ihre sogenannten ‚Montagsdemonstrationen‘ hat das öffentliche Bild von Dresden – so das Ergebnis der Befragung – innerhalb Deutschlands Schaden genommen.“

Wem sich beim Lesen von „Nicht zuletzt unter anderem auch“, die Fußnägel geringelt haben, der kann sie nun wieder ausklappen und weiterlesen. Abgesehen davon, dass man sich des heftigen Eindruck nicht erwehren kann, dass man bei „Dresden Marketing“ eher mit der deutschen Sprache ringt, als dass man die deutsche Sprache beherrscht, ist an dieser Stelle Folgendes wichtig:

  • Nicht auf die Pegida, sondern auf die Berichterstattung über die Montagsdemonstrationen wird das Potenzial zurückgeführt, das Image der Stadt Dresden negativ zu beeinflussen.
  • Die Berichterstattung hat zwar in der Regel Pegida zum Gegenstand, ist aber meist nicht umhin gekommen, auch die Gegendemonstrationen und die Gewalttätigkeiten am Rande der  Gegendemonstrationen anzumerken.
  • Das Potenzial, sich negativ auf das Image von Dresden auszuwirken, es geht somit nicht ausschließlich, wenn überhaupt von Pegida aus.

Der zitierte Text stammt aus dem Januar 2016. Im Februar 2016, nach Clausnitz und Bautzen, ist die Interpretation derselben Daten, die Frau Bunge vornimmt, eine andere. Warum dies der Fall ist, ist eine offene Frage. Ob man bestimmte Interpretationen bei Dresden Marketing in Auftrag geben kann, ob dpa, von denen der Text, den alle deutsche Zeitungen brav und gierig abgedruckt haben, stammt, entsprechend angefragt hat oder ob man bei Dresden Marketing von sich aus tätig geworden ist, das wissen wir nicht. Wir wissen nur, es ist unappetitlich.

Und es wird noch unappetitlicher:

Der Rückgang der Übernachtungszahlen, der der Pegida angelastet wird, er wird überall mit „Erstmals nach sechs Jahren Wachstum“ eingeleitet. Das ist eine Formulierung, die stutzig machen muss. Deshalb haben wir uns bei der Stadt Dresden die Übernachtungszahlen seit 2009 besorgt. Das Ergebnis findet sich in der folgenden Abbildung:

Übernachtungen in Dresden

Nun erklärt sich auch die merkwürdige Formulierung: „Erstmals nach sechs Jahren Wachstum“: Zwar ist die Anzahl der Übernachtungen zurückgegangen, doch ist die Zahl der Übernachtungen im Jahr 2015 immer noch deutlich höher als in allen Jahren vor 2014. Überhaupt war das Jahr 2014 ein eher außergewöhnliches Jahr für Dresden, in dem die Anzahl der Übernachtungen im Vergleich zu 2013 um 7,5% angestiegen ist.

Der Rückgang in den Übernachtungen, ob er in irgend einem Zusammenhang zur Pegida steht, das ist eine Frage, auf die man nicht nur derzeit keine Antwort geben kann. Auch Frau Bunge kann das nicht, schon gar nicht auf Grundlage von Daten, die noch im Januar ganz anders interpretiert wurden. Im übrigen ist es schon seltsam, dass die Pegida inländische Gäste davon abschrecken soll Dresden zu reisen, während sie ausländische Touristen geradezu anzuziehen scheint: Ein Wachstum von 6.1% bei ausländische Gästen lässt dann, wenn man die absurde Argumentation von Frau Bunge einen Moment lang gelten lässt, nur den Schluss zu, dass die Pegida das Image Dresdens im Ausland so sehr verbessert, dass die Zahlen ausländischer Touristen, die Dresden sehen wollen, deutlich gestiegen sind (und das trotz des eingebrochenen Rubels!).

Der Pegida-Effekt, er wäre entsprechend positiv – Pegida eine Form Image-Botschafter für Dresden.

Warum es den deutschen Mainstream-Medien und der Frau Bunge plötzlich eine Herzensangelegenheit ist, den Pegida-Effekt auf Deutschland zu begrenzen, wo die internationale Presse doch genauso über Pegida berichtet wie die nationale Presse, ist eine Frage, die man wohl nur dahingehend beantworten kann, dass derzeit mit allen Mitteln daran gearbeitet wird, alle Meinungsabweicher mundtot zu machen. Offensichtlich ist dazu kein Mittel mickrig oder mies genug.

 
 

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Verbitterung und Zuwanderung: Wenn Meinungsforscher zu Meinungsmachern werden wollen

Wissenschaft zerfällt derzeit in fünf Gruppen:

  • Legitimationsbeschaffer, die politische Vorhaben, Moden oder Trends befüttern;
  • Möchte-Gern-Manipulateure, die sich bei Regierungen damit andienen wollen, dass sie auf Grundlage von fragwürdiger Forschung herausgefunden haben wollen, wie man Bürger traktieren muss, damit sie tun, was sie nach Ansicht Dritter tun sollen;
  • Akademisiserte Beleidiger, die das wissenschaftliche Idiom missbrauchen, um krude Beleidigungen zu verpacken;
  • Wissenschaftler, die sich nicht an die Öffentlichkeit trauen;
  • Eine handvoll Wissenschaftler, die versuchen, in der Öffentlichkeit Gehör für Wissenschaft und Bewusstsein für ihre Methoden, Methodologie und Ergebnisse zu schaffen.

Wohin die Studie gehört, über die wir im Folgenden berichten, das ist eine Beurteilung, die wir unseren Lesern überlassen.

Beginnen wir mit der PR.
Die folgende Beschreibung findet sich in der Pressemeldung des DIW:

diw_logo„Je verbitterter Menschen sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich wegen Zuwanderung nach Deutschland Sorgen machen. Das gilt für Frauen und Männer aus allen gesellschaftlichen Schichten. So lauten die zentralen Ergebnisse einer Studie auf der Basis von Daten der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP), die Ökonomen des Ifo Instituts in München und der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg erstellt haben. Die Studie wurde jetzt als 800. SOEPpaper veröffentlicht.“

Problem- und Wutbürger sind also Verbitterungsbürger, verbitterte Bürger, so das zentrale Ergebnis des 800. SOEP-Papers, dem wir uns nun etwas Genauer widmen. Um das zu tun, messen wir das SOEP-Paper am Anspruch, den es nach Ansicht des DIW erfüllt:

„Das Gefühl von Verbitterung wird in der Psychologie als eine Mischung aus Ärger und Hoffnungslosigkeit beschrieben, die daraus resultiert, dass Menschen sich von anderen Menschen oder vom Schicksal benachteiligt fühlen.“

Das ist die SOLL-Beschreibung. Das, was gemessen werden soll. Verbitterung = Ärger und Hoffnunglosigkeit als Ergebnis von Benachteiligung.

Nun zur IST-Beschreibung, denn die Autoren des 800. SOEP-Papers, die gezeigt haben wollen, dass Verbitterung mit Sorgen über die Zuwanderung verbunden ist, deren Ursache ist, wie die Autoren in ihrem Paper suggerieren wollen, diese Autoren, Panu Poutvaara und Max Friedrich Steinhardt, sie haben Verbitterung bei Befragten wie folgt erhoben:

SOEP FP Equity„Die folgenden Aussagen kennzeichnen verschiedene Einstellungen zum Leben und zur Zukunft. In welchem Maße stimmen Sie persönlich den einzelnen Aussagen zu? Im Vergleich mit anderen habe ich nicht das erreicht,
was ich verdient habe.“ Die Befragten haben die Möglichkeit, Ihre Zustimmung zu dieser Aussage auf einer siebenstufigen Skala von „Stimme überhaupt nicht zu“ bis „Stimme voll zu“ abzugeben.“

Und das soll Verbitterung messen.

Wer also der Ansicht ist, dass seine Anstrengungen nicht angemessen honoriert werden, weil er z.B. als Mann gegenüber Frauen bei der Rente benachteiligt wird oder weil sein Verdienst als Müllfahrer, ohne den das öffentliche Leben in Deutschland zusammenbrechen würde, hinter dem eines Politikers zurückbleibt, ohne den das öffentliche Leben in Deutschland weiterlaufen würde wie mit ihm, der ist also verbittert. Das behaupten die beiden Autoren des 800. SOEP-Papers.

Und deshalb haben sie die Aussage aus der Skala, in der sie sich befunden hat (siehe Abbildung oben), herausgelöst und dies damit begründet, dass die Aussage nicht mit Aussagen übereinstimmt, die Julian Rotter im Jahre 1966 zusammengestellt hat, um das von ihm entwickelte Konzept „Locus of Control“ zu messen. Und weil es nicht mit diesen Aussagen übereinstimmt, deshalb sind die Autoren der Überzeugung, dass es sich bei der oben genannten Aussage um ein gutes Maß für Verbitterung handelt. Warum auch nicht?

Die Aussage, dass man im Vergleich zu anderen nicht das erreicht habe, was man verdient hätte, ist übrigens ein Lehrbuchbeispiel für Equität, für Fairness in der Behandlung. Offensichtlich sind die Befragten der Ansicht, die Auszahlung, die sie für ihre Anstrengungen erhalten, sei im Vergleich zur Auszahlung, die Vergleichspersonen für ihre Anstrengungen erhalten, nicht fair. Eine Ansicht, die man gut nachvollziehen kann, wenn man sich ansieht, wer heute alles Lehrstühle besetzen darf, sich als Politiker aufführen darf und was die entsprechenden Darsteller im Vergleich zu unserem Müllfahrer verdienen.

SOEP 800Was das mit Verbitterung zu tun hat? Wir wissen es nicht. Dafür wissen wir, dass es etwas mit der Wahrnehmung von Fairness zu tun hat, und wir wissen, dass die Antwort auf die Aussage keinerlei Hinweis darauf gibt, wem der entsprechende Befragte die Schuld dafür gibt, dass er nicht erreicht hat, was er verdient, ob er den Nachbarn, seine Ehefrau, den Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz oder den lieben Gott oder sich selbst verantwortlich macht, das weiß niemand. Man hätte einen Hinweis darauf gewinnen können, wenn man die restlichen Aussagen, die in der Skala vorhanden sind, berücksichtigt hätte. Aber genau das haben Panu Poutvaara und Max Friedrich Steinhardt nicht getan. Warum wohl?

Sie wollen lieber logistische Regressionen, was sonst, geordnete logistische Regressionen berechnen, bei denen dann herauskommt, dass mit steigender Zustimmung zu der Aussage, man habe nicht erreicht, was man verdient habe, die Sorgen über Zuwanderung größer werden. Und das ist quer durch die Sozialstruktur so, wie die Autoren zeigen, ohne sich zu wundern. Es ist für Gering- und Besserverdiener der Fall, für Angestellte, Rentner und nicht-Erwerbstätige (also z.B. Studenten), es ist für Gering- und Hochqualifizierte der Fall, für Männer wie Frauen, Junge und Alte, Ostdeutsche und Westdeutsche.

Und alles, weil die Befragten verbittert sind, wie die Autoren behaupten – eine wahre Volksverbitterung. Verbitterung, nur zur Erinnerung, soll eine Mischung aus Ärger und Hoffnungslosigkeit beschreiben, die daraus resultiert, dass Menschen sich von anderen Menschen oder vom Schicksal benachteiligt fühlen. Poutvaara und Steinhardt messen, dass jemand denkt, er sei nicht fair behandelt worden, unterstellen ihm er fühle sich deshalb benachteiligt und phantasieren, dass derjenige, dem sie unterstellen, er sei der Ansicht, benachteiligt worden zu sein, bestimmt ärgerlich und hoffnungslos ist.

Warum Autoren wie Poutvaara und Steinhardt überhaupt noch Umfragen auswerten, ist eine Frage, deren Antwort sich uns nicht erschließt. Weder hindern sie die Daten daran, das zu interpretieren, was sie phantasieren, noch haben sie Probleme damit, Befragten Dinge zu unterstellen, die die Befragten nie gesagt haben. Forschung als freies Phantasieren.

Was haben die Autoren gezeigt?

Sie zeigen, dass Menschen, die der Ansicht sind, sie seien nicht fair behandelt worden, sich mehr Sorgen „über die Zuwanderung nach Deutschland“ machen. Vermutlich machen sich die entsprechenden Menschen auch mehr Sorgen über ihre Gesundheit und den globalen Terrorismus, nur haben Poutvaara und Steinhardt das nicht untersucht.

Eine weitere phantastische Glanzleistung vollbringen die Autoren, wenn sie „sich Sorgen machen“ mit „negativer Einstellung“ gleichsetzen. Wer sich also Sorgen über Zuwanderung macht, der hat ihrer Ansicht nach eine negative Einstellung zu Zuwanderern, was logisch zu dem Schluss führt, dass Eltern, die sich Sorgen über ihre Kinder machen, eine negative Einstellung gegenüber ihren Kindern haben müssen. Wer sich Sorgen über die Gesundheit seines Erbonkels macht, ist entsprechend als Erbschleicher enttarnt! Machen Sie sich eigentlich Sorgen über das, was alles als SOEP-Paper veröffentlicht wird?

Mit ihrer Phantasie wollen Poutvaara und Steinhard es jedoch nicht bewenden lassen. Ein wenig Unterstellung muss schon auch noch sein:

„Increasing bitterness is associated with growing worries about
immigration. One explanation is that those who are bitter have spiteful or envious preferences (Falk et al. 2005). They are deeply disappointed from life and wish to deny opportunities to improve one’s life also to others, including immigrants. An alternative interpretation behind the link between bitterness and attitudes towards immigration is that opportunities and potential success of others could make own failure hurt even more.“

Wer also denkt, er sei in seinem Leben hinter seinen Möglichkeiten geblieben, weil er nicht fair behandelt wurde, wer sich zudem Sorgen über die Zuwanderung nach Deutschland macht, der ist entweder eine gescheiterte Existent, die verhindern will, mit erfolgreichen Migranten konfrontiert zu werden oder ein bösartiger (spiteful) Neidhammel, der alles daran setzt, Zuwanderern die Möglichkeit, ihr eigenes Leben zu verbessern, zu verbauen.

Sind diese Unterstellungen, die auf keinerlei empirischer Basis vorgenommen werden, nun erschreckend, erstaunlich oder schlicht der Ausdruck wissenschaftlicher Boshaftigkeit, die von Neidhammeln ausgeht, die andere verunglimpfen, um darüber hinwegzutäuschen, dass sie es im Leben an keine oder nur eine drittklassige Hochschule geschafft haben, obwohl Hochschulen derzeit mangels Angebot so ziemlich jeden als wissenschaftlichen Mitarbeiter rekrutieren, sofern er seinen Namen richtig schreiben kann?

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Fakten zu Flüchtlingen

Täglich liest man in deutschen Medien über Flüchtlinge. Alleine heute finden sich sechs Beiträge im Online-Angebot der Welt, drei bei der ARD und fünf im entsprechenden Angebot der FAZ. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Berichte, Kommentare und Meinungsartikel. Nur selten finden sich Fakten zu Flüchtlingen, Angaben zu den Personen, die tatsächlich nach Deutschland kommen.

Deshalb haben wir die Sache mit den Daten in die Hand genommen und uns auf die Suche nach zunächst Arbeitsmarktdaten gemacht, um die Diskussion über Flüchtlinge faktisch zu fundieren, denn bevor man sich, wie dies die ARD tut, fragt, wie Flüchtlinge Deutschland verändern werden, muss man wissen, wer überhaupt nach Deutschland kommt.

Die Daten, die wir zusammengesucht haben, stammen im Wesentlichen aus den Beständen des IAB in Nürnberg bzw. des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.

  • Asylantraege 2015sep

    Bundesamt für Migration und Flüchtlinge; Asylgeschäftsstatistik September 2015;

    Im Vergleich zu September 2014 ist im September 2015 die ausländische Bevölkerung in Deutschland um rund 750.000 Personen gewachsen. Dieser Netto-Saldo ergibt sich, wenn die Ausländer, die Deutschland wieder verlassen haben, von denen, die zugewandert sind, subtrahiert werden.

  • Im Zeitraum von Januar 2015 bis September 2015 sind rund 580.000 Flüchtlinge erfasst worden. Allein 160.000 davon sind im September eingereist.
  • Die Flüchtlinge kommen vornehmlich aus Kriegsgebieten (84%). im September kamen 52% der Flüchtlinge aus Syrien, wohingehend sechs Prozent aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, dem Kosovo, Mazedonien, Montenegro oder Serbien zugewandert sind. Im Januar war dies noch anders. Damals kanmen 23% der Zuwanderer aus den genannten Ländern des Westbalkans.
  • Von Januar bis September wurden rund 275.000 Asylanträge gestellt. Im selben Zeitraum wurden 175.000 Asylanträge beschieden: 39,1% der Anträge endeten mit einer Bewilligung von Asyl, 38,4% mit einer Ablehnung des Asylantrags.
  • Fast alle Anträge, die von Flüchtlingen aus Syrien oder dem Irak gestellt werden, enden mit einer Bewilligung von Asyl, während fast alle Anträge, die von Bürgern aus Staaten des Westbalkans, also Albanien, Bosnien-Herzegowina, dem Kosovo, Mazedonien, Montenegro oder Serbien gestellt werden, mit einer Ablehung der Bewilligung von Asyl enden.
  • Mit dem Status als Ayslbewerber ist verbunden, dass faktisch kein Zugang zum Arbeitsmarkt besteht. Während des Asylverfahrens haben die Bewerber in der Regel einen so genannten nachrangingen Zugang zum Arbeitsmarkt, der aufgrund der damit verbundenen Unsicherheit einem Arbeitsverbot gleichkommt. Erst mit der Bewilligung von Asyl erhalten Flüchtlinge (sofern es sich bei Ihnen nicht um Kontingentflüchtlinge handelt) eine unbeschränkte Arbeitserlaubnis und somit unbeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Von Januar bis September 2015 ist die Zahl der Flüchtlinge, die freien Zugang zum Arbeitsmarkt haben um rund 47.000 gewachsen. Die Arbeitslosenquote unter Flüchtlingen beträgt derzeit rund 42%.
  • Asylantraege bewilligung 2015sep

    Bundesamt für Migration und Flüchtlinge; Asylgeschäftsstatistik September 2015;

    Für 2016 hat das IAB eine Zunahme der erwerbsfähigen Flüchtlinge um 324.000 Personen errechnet. Im Jahr 2017 werden es weitere 610.000 Personen sein, die vom deutschen Arbeitsmarkt aufgenommen werden müssen. Da die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt in der Regel einige Jahre in Anspruch nimmt, rechnet man beim IAB mit einer Zunahme der arbeitslosen Flüchtlinge um 70.000 bis 210.000 Personen.

Die berichteten Daten machen die Größenordnung dessen deutlich, was „wir schon schaffen“. Um tatsächlich erfolgreich bei der Integration von knapp einer Million Personen in den deutschen Arbeitsmarkt zu sein, wäre es sinnvoll, die Qualifikationsstufen der Flüchtlinge zu kennen. Bislang gibt es dazu jedoch keine uns bekannten Daten, so dass die Integration in den Arbeitsmarkt ein Blindflug werden wird, der mit der Hoffnung verbunden ist, dass der Markt das schon regeln wird. Angesichts der ansonsten herrschenden Regelungs- und Planungswut, eine erstaunliche Hoffnung, die vermutlich auf eine komplette kognitive Überforderung der politischen Klasse zurückzuführen ist.

Alles, was es derzeit zum Qualifikationsniveau von Flüchtlingen an Mutmaßungen gibt, wie z.B. das hier, gleicht eher dem Lesen von Kaffeesatz als der informierten Analyse.

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Die Hemmschwelle: Ein Justizminister, der diffamiert und an Geister glaubt

Wir haben uns gestern schon zu einer interessanten geistigen Fehlleistung geäußert. Dabei geht es um kausale Beziehungen. Also um Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Wenn z.B. jemand eine Frage stellt und ein anderer antwortet, dann ist man zumeist geneigt, die Frage als Ursache der Antwort anzusehen, selbst dann, wenn die Antwort mit der Frage nicht viel gemein hat. Die zeitliche Nähe und die Tatsache, dass Frager und Antworter in einer in der Regel erkennbaren Beziehung zueinander stehen bzw. dass man eine solche Beziehung herstellen kann, sind die Ursache für die Annahme der Kausalität.

Problematisch wird es mit der Kausalität, wenn Ursache und Wirkung sich nicht unmittelbar nachfolgen, wenn die Ursache vorgestern war und die Wirkung heute sein soll. Noch problematischer wird es mit der Kausalität, wenn nicht nur eine zeitliche Entfernung zwischen Ursache und Wirkung, sondern zudem keine direkte und begründete Beziehung zwischen beiden hergestellt werden kann.

Das ist eine Situation, wie geschaffen für Wahnvorstellungen, wie geschaffen für Brandstifter, wie geschaffen für Geisterheiler und Phantasten aller Art und wie geschaffen für Politiker, denn die Haupttätigkeit, die Politiker heutzutage für sich entdeckt zu haben scheinen, besteht darin, mehr oder weniger sinnfreie Beziehungen zu behaupten und als Ursache und Wirkung auszugeben.

Es sind diese Situationen, in denen Politiker versuchen Verbindungen herzustellen, die ihnen genehm sind, in denen der Geisterglaube, der Glaube an frei flottierende Viren, an Dämonen und Geister seine Blüte erlebt, z.B. dann, wenn Heiko Maas das Folgende von sich gibt:

Heiko Maas„Heiko Maas: Nein. Ich finde, wir müssen an dieser Stelle klar Farbe bekennen. Deutschland ist ein tolerantes und weltoffenes Land. Bei Pegida versammelt sich eine extrem radikale Minderheit. Wer Galgen baut und Menschen daran baumeln sehen will, setzt Hemmschwellen herab. Niemand, der da mitläuft, kann sich von der Verantwortung frei machen, für die Taten, die diese Hetze inspiriert. Für brennende Heime oder verletze Flüchtlingshelfer. Da gibt es keine Ausrede mehr.“

Und weil das noch nicht reicht, kommt Andreas Zick, der als Vorsitzender des Stiftungsrates der Amadeu Antonio Stiftung, die davon lebt, dass es Rechtsextreme gibt, gegen die die Stiftung steuerfinanzierte Maßnahmen durchführen kann, der also ein Interesse daran hat, dass der Nachschub an Rechtsextremen auch nicht versiegt (selbst wenn man die gesellschaftliche Mitte anbohren muss), und gibt Folgendes zum Besten:

„Menschen können sich durch die fremdenfeindlichen Parolen der „Pegida“-Bewegung zur Gewalt angestachelt fühlen, warnen auch Experten, wie der Bielefelder Konfliktforscher Andreas Zick: „Die AfD heizt die Stimmung an. Man muss auf [den] Ton achten, der sehr aggressiv ist. Auch die entsprechenden Symbole sind da. Die AfD schürt diesen Konflikt, in den wir alle hineingezogen werden.““

Beide, Maas und Zick, machen also eine kausale Verbindung zwischen Pegida, AfD (dem politischen Gegner von zumindest Heiko Maas, mit dem er um Wählerstimmen konkurriert) und „brennenden Flüchtlingsheimen und verletzten Flüchtlingshelfern“ oder ganz allgemein „Gewalt“, zu der sich Menschen durch die Pegida angestachelt fühlen können, wie der Konfliktforscher Zick zu wissen meint (wobei das „können“ das operative Wort hier ist, denn können kann man vieles …).

//platform.twitter.com/widgets.js Die Kausalität, die Maas und Zick behaupten, und die von der Ursache „Pegida“ oder „AfD“ zur Wirkung „brennendes Flüchtlingsheim“, „verletzter Flüchtlingshelfer“ oder „Gewalt allgemein“ führt, wird bei beiden durch eine dritte Variable, die die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung sicherstellen soll, vermittelt: durch die angeheizte Stimmung bei Zick und durch die von gebauten Galgen herabgesetzte Hemmschwelle bei Maas.

Also: Galgen bei Pegida führt zu heruntergesetzter Hemmschwelle, führt zu verletzten Flüchtlingshelfern oder brennenden Flüchtlingsheimen.
Und: Fremdenfeindliche Parolen können Menschen anstacheln und zu Gewalt führen.

Das muss man sich in Ruhe zu Gemüte führen. Ein Justizminister, der einem Stand von Leuten vorsteht, die auf Grundlage von Indizien oder Beweisen ein Urteil fällen sollen, glaubt an spirituelle Verbindungen, einen klimatischen Dämon (einem, der das Klima vergiftet), der zwischen einem Galgen an einem Ort und einem brennenden Flüchlingsheim an einem anderen Ort eine Verbindung herstellt, und ein angeblicher Konfliktforscher hängt dem Glauben an, dass Parolen an einem Ort anstacheln können und zu Gewalt an einem anderen Ort führen können.

Um sich zu vergegenwärtigen, dass diese Rabulistik sich nicht einmal als logischer Fehlschluss qualifiziert, muss man nur die folgenden Behauptungen aufstellen:

Die Tatsache, dass ein Justizminister versucht, einen Teil seiner Bevölkerung zu kriminalisieren und als Personae non Gratae darzustellen, radikalisiert Dritte, die die Bekundungen des Justiztministern als Beleg dafür nehmen, dass die Interessen von Menschen dann, wenn sie der politischen Kaste nicht in den Kram passen, nicht ernst genommen werden, dazu, Flüchtlingsheime anzuzünden und Flüchtlingshelfer zu verletzten, und zwar als Kompensation dafür, dass man in der politischen Kaste kein Gehör findet.

Oder: Das ständige Zetern von angeblichen Forschern für irgendetwas, die von Symbolen faseln, die dazu aufstacheln können, dass Gewalt verübt wird, hat zur Folge, dass Dritte, die mit der Pegida überhaupt nichts zu tun haben, auf den Geschmack kommen und denken, der Herr Zick hat Recht, ich werde radikal, stachle mich auf und verübe Gewalt, damit er hat, was er sich wünscht.

Dass man in Deutschland mit derart dummen und leicht durchschaubaren Manipulationsversuchen Claqueure auf seine Seite ziehen kann, ist einer der Gründe dafür, dass Deutschland weder ein demokratisches System hat noch eine Zivilgesellschaft. Deutschland ist und bleibt (bis auf weiteres) ein Obrigkeitsstaat, in dem diejenigen, die sich oben wähnen, hoch alarmiert reagieren, wenn sie Kritik ausgesetzt sind, die man in demokratischen Gesellschaften als normale Wahrnehmung demokratischer Rechte ansehen würde.

Um auch noch den zweiten Teil dessen, was Heiko Maas im Hinblick auf die Verantwortung der Mitläufer zu sagen weiß, in seiner ganzen logischen Erbärmlichkeit darzustellen, hier eine Anwendung seiner eigenen Logik:

Nach einem Bericht der Zeit mehren sich in den Fraktionen des Bundestages die Fälle von Steuerhinterziehung. Wer Steuern hinterzieht, „setzt Hemmschwellen herab“. Niemand, der sich einer Bundestagsfraktion mit Steuerhinterziehern anschließt, „kann sich von der Verantwortung frei machen, für die Taten, die diese“ Steuerhinterziehung inspiriert. „Da gibt es keine Ausrede mehr.“

Baader Meinhof komplexEs sei den Linken unter unseren Lesern und vor allem Heiko Maas angeraten, das Buch „Der Baader Meinhof Komplex“ von Stefan Aust zu lesen. Aust beschreibt darin sehr eindrücklich, wie die Radikalisierung der Baader Meinhof Gruppe und deren Entscheidung, Gewalt anzuwenden, eine Funktion der eigenen empfundenen Ohnmächtigkeit, der eigenen Ausgrenzung durch die politische Kaste und der Diffamierung durch die politische Kaste war.

Die Aufgabe besteht nun darin, die Situation, in der sich die Baader Meinhof Gruppe gefunden hat, mit der heutigen Situation in Verbindung zu bringen und daraus Schlüsse zu ziehen, z.B. im Hinblick auf das eigene Auftreten gegenüber der Pegida und den Bürgern, die dort mitlaufen. Im Gegensatz zu den Behauptungen von Heiko Maas, kann man nämlich auf Basis der Reaktionen von Personen wie Maas auf die Pegida und auf Grundlage von sozialpsychologischen Theorien eine Radikalisierung vorhersagen, die nicht einmal Mitläufer der Pegida zum Gegenstand haben muss, denn die Tatsache, dass Bürger von einem, der Justizminister spielt, diffamiert werden, weil sie ein demokratisches Grundrecht in Anspruch nehmen, ist gut dokumentiert und jederzeit als Grundlage einer Radikalisierung und generellen Ablehnung von politischer Kaste und politischem System nutzbar – das würde dann Heiko Maas zum Brandstifter machen, sozialpsychologisch, z.B. mit der Theorie kognitiver Dissonanz unterfüttert.

Ahnungslose Journalisten: Manipulation so einfach wie nie!

In den  letzten Tagen konnte man bewundern, wie die Erfindung der unbezahlten Arbeit vorangetrieben wurde. Anlass ist u.a. eine Pressemeldung des Statistischen Bundesamts, die mit „Jeder dritte Vater wünscht sich mehr Zeit für seine Kinder“ überschrieben ist.

Punkt 1 der Pressemeldung lautet:

  • Väter und Mütter leisten pro Woche knapp 10 Stunden mehr bezahlte und unbezahlte Arbeit als Personen ohne Kinder. Dies ist vor allem auf ein höheres Pensum an unbezahlter Arbeit zurückzuführen.

DestatisDie Pressemitteilung ist Teil eines großen Presseauftriebs, bei dem man u.a. Roderich Egeler, den Präsidenten des Statistischen Bundesamts, hat viel über unbezahlte Arbeit erzählen hören. Seine wichtigsten Punkte sind die folgenden:

  • Frauen ab 18 Jahre arbeiten mit 45,5 Stunden in der Woche eine Stunde mehr als Männer. Das ist auf das größere Volumen an unbezahlter Arbeit zurückzuführen.
  • Väter und Mütter leisten pro Woche 10 Stunden mehr Arbeit (also bezahlte und unbezahlte Arbeit) als Personen ohne Kinder.
  • Mütter wenden doppelt so viel Zeit für die Kinderbetreuung auf wie Väter.

Abermals ist die unbezahlte Arbeit an vorderster Front zu finden. Sie ist die Ursache allen Übels, sie soll offensichtlich zum neuen Gap aufgebaut werden, das z.B. von der Darstellerin, die derzeit Bundesminister für FSFJ mimt, aufgenommen wird, um die 32 Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich für Eltern zu fordern, weil die so überlastet sind. Schließlich arbeiten sie 10 Stunden mehr unbezahlt (und bezahlt?) als Personen ohne Kinder.

Nur: Was ist diese unbezahlte Arbeit?

Von denen, die die unbezahlte Arbeit anführen, sagt niemand, was sich dahinter verbirgt.

Von den Journalisten, die mit unbezahlter Arbeit konfrontiert werden, fragt niemand, was sich dahinter verbirgt.

Die unbezahlte Arbeit, sie ist ein Mysterium, das der Erkundung durch ScienceFiles harrt.

Nehmen wir eine Grafik zum Ausgangspunkt, die Roderich Egeler unvorsichtiger Weise mit seiner Präsentation verteilt hat:

Roderich egeler prae

Wenn man der Abbildung auch nicht entnehmen kann, was die geheimnisvolle „unbezahlte Arbeit“ sein soll, so weiß man doch, was es nicht ist:

  • Schlaf und Körperpflege sind keine unbezahlte Arbeit.
  • Erwerbstätigkeit und Bildung sind keine unbezahlte Arbeit.
  • Essen ist keine unbezahlte Arbeit.
  • Sonstiges ist keine unbezahlte Arbeit.
  • Freizeit ist keine unbezahlte Arbeit.

Immerhin.
Die Suche nach der unbezahlten Arbeit, sie ist damit bei Egeler ans Ende gelangt, denn Egeler erzählt nur von der unbezahlten Arbeit, er sagt nicht, was es ist, das hier gearbeitet wird und unbezahlt bleibt.

Unsere Suche führt uns daher weg von Egeler und hin zur Zeitverwendungserhebung, die „Aktivitäten in Stunden und Minuten für ausgewählte Personengruppen“ umfasst. Sie bildet die Grundlage für die Aussagen Egelers und zeichnet sich dadurch aus, dass „unbezahlte Arbeit“ in keiner Weise, weder als Begriff noch als Datum in der gesamten Ergebung, auf den gesamten 162 Seiten vorkommt.

Was also wurde hier als unbezahlte Arbeit zusammengeschustert?

Nun, die Daten in der Zeitverwendungserhebung, sie sind in Kategorien unterteilt, und zwar die folgenden:

  • Physiologische Regeneration (Schlafen, Essen und Trinken);
  • Erwerbstätigkeit;
  • Qualifikation, Bildung;
  • Haushaltsführung und Betreuung der Familie;
  • Ehrenamt, freilliges Engagement, Unterstützung anderer Haushalte, Versammlungen;
  • Soziales Leben und Unterhaltung;
  • Sport, Hobbys, Spiele;
  • Mediennutzung;

Halten wir Egeler zu Gute, dass er Mediennutzung, soziales Leben und Unterhaltung, ebenso wie Sport, Hobbys und Spiele und Ehrenämter, freiwilliges Engagement und Unterstützung anderer Haushalte sowie Versammlungen, nicht als unbezahlte Arbeit ansieht, dann bleibt für die unbezahlte Arbeit der Punkt „Haushaltsführung und Betreuung der Familie“.

Folglich umfasst die unbezahlte Arbeit:

  • Zubereitung von Mahlzeiten inkl. Geschirrspülen;
  • Instandhaltung von Haus und Wohnung, inkl. Wäschewaschen;
  • Gartenarbeit, Pflanzen- und Tierpflege;
  • Bauen und handwerkliche Tätigkeiten;
  • Einkaufen und Inanspruchnahme von Fremdleistungen;
  • Betreuung von Kindern im Haushalt;
  • Unterstützung, Pflege und Betreuung von erwachsenen Haushaltsmitgliedern,
  • Andere Tätigkeiten im Bereich Haushaltsführung, darunter: Wegzeiten;

Wie so oft kommt man dann, wenn man nur einen kurzen Blick in die Daten wirft, auf denen der ideologische Popanz aufgesetzt ist, der Journalisten präsentiert wird, die nur darauf zu warten scheinen, die entsprechenden ideologischen Kröten roh und ungekaut zu schlucken, zu der Frage: Halten die ihre Mitmenschen wirklich für so dumm?

x fuer uDenkt Herr Egeler, wenn er behauptet, dass Väter und Mütter pro Woche 10 Stunden mehr arbeiten als Personen ohne Kinder, dann kommt niemand darauf, dass in die angebliche Mehrarbeit die Zeit für Kinderbetreuung, die bei Kinderfreien zwangsläufig 0 Stunden, 0 Minuten und 0 Sekunden einnimmt, mit eingerechnet wurde?

Welch‘ billiger Versuch, die Öffentlichkeit hinter das Licht zu führen ist das denn? Ganz zu schweigen von den Wegzeiten, die anfallen, um Kinder von A nach B zu kutschieren und den Zubereitungszeiten für Mittagessen, die bei vollerwerbstätigen Kinderlosen durch Essen in der Kantine, das nicht als unbezahlte Arbeit, sondern als bezahlte Arbeit angerechnet wird, ersetzt wird.

Gibt es in Deutschland wirklich eine nennenswerte Anzahl von Leuten, die auf derart billige Tricks und grobe Versuche, andere hinters Licht zu führen, hereinfällt – außer Journalisten?

Es ist erschreckend.

So erschreckend, wie die Funktionsfähigkeit des alten Tricks der Auslassung. Mütter wenden doppelt so viel Zeit für die Betreuung von Kindern auf „als“, (steht so im Original) Väter, so verkündet Herr Egeler. Die Journalisten, die an seinem Speichel hängen, sie tragen es willig weiter. Und sie merken nicht einmal, dass hier etwas seltsam ist, dass etwas fehlt, etwas von Seite 3 der Egelerschen Präsentation.

Männer verbringen im Durchschnitt 25 Stunden und 13 Minuten pro Woche mit Erwerbsarbeit, Frauen 16,09 Stunden. Frauen verwenden 10,15 Stunden für Kinderbetreuung, wie man aus der Pressemeldung des Statistischen Bundesamts entnehmen kann, Männer 7,075 Stunden. D.h. Männer arbeiten in der Woche 8 Stunden und 54 Minuten mehr als Frauen, verbringen aber nur 7,075 Stunden weniger mit Kinderbetreuung als Frauen.

Was bitte machen die Frauen in den verbliebenden 1,52 Stunden? Fernsehschauen?

Anyway, wozu ist es wichtig, die Zeitverwendung von Männern und Frauen zu kontrollieren? Ah, wir haben es vergessen, die Laiendarstellerin im BMFSFJ, die den Minister gibt, will wieder etwas fordern: 32 Stunden für Eltern maximale Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich… und wer darf es bezahlen: Die Kinderfreien, weil sie vollerwerbstätig sind und in der Kantine essen.

Es wird übrigens niemand dazu gezwungen, Kinder in die Welt zu setzen. Wer sich dafür entscheidet, von dem muss angenommen werden, dass er sich überlegt hat, was er tut und entsprechend die Verantwortung für seine Entscheidung übernimmt. Die Verantwortung umfasst auch die Arbeit, die Kinder verursachen. Dass sie Arbeit verursachen, ist eigentlich hinreichend bekannt, so dass es etwas seltsam, weil zu offen nutznießerisch wirkt, wenn nun gejammert wird, dass die Betreuung von Kindern unbezahlte Arbeit sei und Eltern ein Ausgleich gewährt werden müsse.

Die Arbeit am Kinde, sie ist übrigens keine unbezahlte Arbeit, sie wird mit allerlei Vergünstigungen bezahlt, vom Kindergeld über den Kinderfreibetrag, die Bereitstellung von Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten aus Steuergeldern, über Muttergeld und Barbeträge im Rahmen von Hartz IV bis zu all den anderen Vergünstigungen, die ausgelöst werden, weil die großartige Leistung menschlicher Fertilität erbracht wurde.