Der Unsinn zum Wochenende

Wir wollen unsere Leser nicht ins Wochenende entlassen, ohne den neuesten Unsinn von der Front der politisch korrekten Gutmenschen zu berichten. Das im Folgenden präsentierte Fundstück stammt von der Philipps Universität Marburg. Es ist eine Ausschreibung für eine W2 Professur in politischer Soziologie und, nein, dieses Mal hat es nichts, jedenfalls nicht direkt, mit Männerdiskriminierung durch das Professorinnenprogramm zu tun.

Wir sind nämlich bereits einen Schritt weiter:

Philipps Uni Marburg

Hier noch einmal zum Genießen:

“Wir fördern Frauen und fordern sie deshalb ausdrücklich zur Bewerbung auf. Bewerberinnen und Bewerber mit Kindern sind willkommen – die Philipps-Universität bekennt sich zum Ziel der familiengerechten Hochschule. Bewerberinnen/Bewerber mit Behinderungen im Sinne des SGB IX (§ 2, Abs. 2, 3) werden bei gleicher Eignung bevorzugt”.

In Marburg wird das Berufen auf Professuren also nicht leichter. Wir haben bereits eine Matrix mit 2 hoch 3 also: 8 Feldern, nämlich:

  • männliche oder weibliche Bewerber,
  • Bewerber mit und ohne Kinder,
  • Bewerber mit und ohne Behinderung.

Ergibt:

UniMarburgEbaum

Die Hauptschwierigkeit wird vermutlich darin bestehen, den Status eines behinderten männlichen Bewerbers ohne Kinder im Verhältnis zu einem weiblichen Bewerber mit Kindern, aber ohne sonstige Behinderung zu bestimmen, oder den Status eines männlichen Bewerbers mit Behinderung gegenüber einem weiblichen Bewerber ohne alles. Die Berufungskommission ist um ihre Aufgabe nicht zu beneiden.

Es sei ihr deshalb angeraten, eine Priorisierung z.B. mit AHP (Analytical Hierarchy Process) vorzunehmen, um auf diese Weise die Entscheidung zu vereinfachen. Die Priorisierung könnte dabei wie folgt aussehen:

UniMarburghierarchy

Aber natürlich stellen sich die Probleme nur bei “gleicher Eignung”. Wer jedoch schon einmal die Arbeit einer Berufungskommission aus der Nähe beobachten konnte, dem werden angesichts dieser Floskel vermutlich vor Lachen Tränen in die Augen steigen, angesichts des Gschacheres und der Ränkespiele, die eine Berufung an Universitäten in aller Regel begleiten.

Wir haben bislang jedoch der Tatsache, dass neuerdings schon Kinderbesitz als Auswahlkriterium für eine Berufung auf eine W2 Professur gilt, nicht aussreichend Rechnung getragen. Wir wollen dies dadurch nachholen, dass wir zu bedenken geben, dass Kinderbesitzer Vertreter eines bestimmten Lebensstils sind, den man nicht unbedingt anderen Lebensstilen, z.B. dem von Katzen- und Hundebesitzern, von Numismatikern und Philatelisten, von Misantropen und Menschenscheuen, von begeisterten Joggern und Radfahrern vorziehen kann, wobei alle Lebensstile nicht ausschließlich sind. Aber im Zuge einer politischen Korrektheit, die niemanden mit seinem je spezifischen Lebensstil diskriminiern will, kann man sich schon die nächste Ausschreibung von der Philipps Universität in Marburg lebhaft vorstellen:

Wir fördern Frauen, Personen mit Migrationshintergrund, Süchtige und Behinderte, sowie alle Menschen, die nicht als normal durchgehen. Bewerber mit Kindern, Hunden, Katzen, Goldfischen, vielen Verwandten und Bekannten, Opa, Onkel, Tante und Urgroßmutter, mit weniger als 100 Facebook-Friends oder solche, die auf Twitter von mehr als 10 Nutzern blockiert werdn, werden bei gleicher Eignung natürlich bevorzugt.

Für diese Woche steht der Pokal für den Unsinn der Woche an der Philipps Universität in Marburg!

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