Nutznießer-Spirale: Wohlfahrtsstaaten sind der Anfang vom Ende

Eine witzige und interessante Arbeit zum Thema “Wohlfahrtsstaat” kommt aus Frankreich. Verfasst haben sie Yann Algan, Pierre Cahuc und Marc Sangnier. Die Arbeit ist witzig, weil sie eine Thematik behandelt, die die meisten politisch korrekten und institutionalisierten Wissenschaftler sich nicht anzufassen trauen, und sie ist interessant, weil sie auf einfach Art und Weise zeigt, dass in Wohlfahrtsstaaten ein Gesetz der Degeneration, des gesellschaftlichen Niedergangs zu beobachten ist.

Algan, Cahuc und Sangnier gehören zu den Wissenschaftlern, die gute Ideen in einfache und kausale Annahmen zu verpacken in der Lage sind, und zwar so:

  • reichtum fuer alleGesellschaften bestehen aus Menschen, denen man vertrauen kann und Menschen, denen man nicht vertrauen kann.
  • Menschen, denen man vertrauen kann, sind kooperativ und produktiv, d.h. sie haben etwas mit anderen zu tauschen. Menschen, denen man nicht trauen kann, versuchen, Kooperationen zu ihren Gunsten auszunutzen. Sie sind nicht produktiv: sie nehmen nur, haben selbst nichts zu geben, und deshalb kann man ihnen nicht trauen.
  • Menschen, denen man vertrauen kann, die kooperativ und produktiv sind, bezeichen Algan, Cahuc und Sangnier als zivile Menschen, diejenigen, auf die diese Eigenschaften nicht zutreffen als nicht-zivile Menschen.
  • Die erste Annahme, die die Autoren auf diesem Grundmodell treffen lautet: Die Bereitschaft, Steuern an einen Wohlfahrtsstaat zu zahlen, steigt mit dem Anteil der zivilen Menschen.
  • Daraus folgt, dass auch die Unterstützung für Wohlfahrtsstaaten mit dem Anteil der zivilen Menschen in einer Gesellschaft steigt.
  • Jedoch stellen Wohlfahrtsstaaten Anreize zum Opportunistmus dar, weshalb es einen anderen Zusammenhang gibt: Wenn der Anteil der nicht-zivilen Menschen in einer Gesellschaft steigt, dann ergeben sich daraus triste Konsequenzen:
    • Die Bereitschaft, Steuern zu zahlen sinkt, die Bereitschaft, Steuern vorzuenthalten, steigt.
    • Der Anteil derjenigen, die vom Wohlfahrtstaat leben wollen und Transferzahlung anstreben, steigt.
    • Die Unterstützung für den Wohlfahrtsstaat wächst unter seinen Günstlingen, den unzivilen Menschen.
    • Gleichzeitig werden immer neue Forderungen nach Umverteilung und höheren Steuern durch nicht-zivilen Menschen erhoben: “Uncivic individuals desire more redistribution for two reasons. First, they benefit from public transfer more frequently than civic individuals since they claim benefits when their production can be hidden. Second, they do not bear the full burden of taxation since they dodge taxes when this is possible” (5).

Ab diesem Zeitpunkt ist in einem Wohlfahrtsstaat eine Nutznießer-Spirale am Werk, deren Konsequenz ein “race-to-the-bottom” ist: Immer mehr Profiteure des Wohlfahrsstaates, die unkooperativ und nicht vertrauenswürdig sind, die sich opportunistisch verhalten, fordern immer höhere Steuern und eine immer weitergehende Umverteilung von Steuermitteln und hoffen, davon zu profitieren.

Und als wäre dies nicht schon genug, werden die Horden nicht-ziviler Menschen, die versuchen, auf Kosten der zivilen Menschen zu leben, durch korrupte Bedienstete des Staates unterstützt: “Societies populated by a majority of uncivic individuals can support corrupt and ineffective welfare states that can be larger than the more effective welfare states of societies populated by a majority of civic individuals” (6).

Bis hier hat die Arbeit von Algan, Cahuc und Sagnier bereits eine große Zahl von interessanten Ideen und Konsequenzen aus den Ideen, über die es sich nachzudenken lohnt, bereit gestellt. Aber es kommt noch besser:

Die Autoren testen ihre Annahmen anhand der Daten der OECD Expediture Database, des World Value Survey und des European Social Surveys, und die Daten bestätigen jede einzelne ihrer Annahmen.D.h. Wolfahrtsstaaten tendieren dann, wenn in ihnen das Vertrauen zwischen den Menschen verschwindet und Kooperation problematisch gemacht wird, zu korrupten Selbstbedienungsanstalten für nicht-zivile Menschen zu werden, die ihren Vorteil auf Kosten Dritter suchen und mit Hilfe korrupter Regierungen immer neue Gesetze und Regelungen durchsetzen, die dem Ziel dienen, noch mehr von Umverteilung zu profitieren und immer neue Mittel in die eigene Tasche zu leiten.

“Large, corrupt and ineffective welfare states can survive thanks to the support of a majority of untrustworthy individuals. The creation of large, transparent and effective welfare states needs a large majority of trustworthy citizens. These findings might explain why it is so difficult to reform the large welfare states of Continental Europa countries despite the widespread consensus that they are less effective and transparent than their counterparts in Nordic countries.” (14)

So beenden die Autoren ihre Arbeit. Aber hier fängt es eigentlich erst an.

Wenn Gesellschaften, in denen Ideologen Unfrieden und Misstrauen säen, etwa so, wie es Sozialisten und Feministen in Deutschland tun, über kurz oder lang in ineffiziente Wohlfahrtsstaaten ausarten, in denen es vor allem darum geht, selbst auf Kosten anderer zu profitieren, dann kann man sich die Richtung, in die die deutsche Gesellschaft drifted gut vorstellen.

wohlfahtsstaatAber nicht nur das, wenn die Gefahr großer Wohlfahrtsstaaten darin besteht, dass sie von einer Meute Opportunisten übernommen werden, deren einziges Bestreben darin besteht, immer neue Umverteilung zu fordern und neue Wege zu ersinnen, wie sie an das Geld der zivilen Mitglieder der Gesellschaft kommen, dann zeigt sich hier ein Geburtsfehler repräsentativer Demokratien, stehen sie doch in der Gefahr zum demokratischen Despotismus einer Nutznießer-Oligarchie zu verkommen.

Und dass Deutschland auf dem besten Weg in den demokratischen Despotismus ist bzw. längst im demokratischen Despotismus angekommen ist, zeigt sich z.B.

  • in der Hetzjagd, die auf Menschen veranstaltet wird, die Steuern vorenthalten.
  • Es zeigt sich darin, dass kaum jemand mehr auf die Idee kommt, dass Staaten kein Existenzrecht per se haben, sondern als Dienstleister souveräner Individuen eingesetzt wurden.
  • Es zeigt sich in der Herrschaft der Mittelmäßigen, die kein Problem damit haben, Maßnahmen wie einen Mindestlohn oder eine Frauenquote zu verabschieden, die die Wirtschaft schädigen.
  • Es zeigt sich darin, dass ein überbordender Apparat der Bereicherung von Günstlingen geschaffen wurde, der staatliche Institutionen dazu einsetzt, Steuermittel einzusammeln und an befreundete Netzwerke und Günstlinge umzuverteilen. Der Gender-Sumpf ist ein Beispiel unter vielen.
  • Es zeigt sich darin, dass die Nutznießer von staatlichen Transferzahlungen die Politik der Parteien bestimmen. Dies findet seinen deutlichsten Ausdruck darin, dass es schick geworden ist, nach Umverteilung zu rufen und nicht-Leistungen wie die Fortpflanzung durch Steuermittel zu honorieren.
  • Und schließlich zeigt es sich darin, dass zivile Menschen sich immer seltener in die Politik verirren, denn Politik ist zu einem Verschiebebahnhof geworden, auf dem sich blasse Gestalten einfinden, die im offenen Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt, keine Chance hätten, ein Auskommen zu erwirtschaften und entsprechend den Weg in die Politik (oder neuerdings im Rahmen entsprechender Förderprogramme an Universitäten) wählen.

Der Niedergang von Wohlfahrtsstaaten, die von immer mehr Nutznießern gekapert werden und von immer weniger zivilen Menschen bevölkert werden, ist mithin eine Folge des allgemeinen und gleichen Wahlrechts, denn in einer Gesellschaft in der die Nutznießer staatlicher Steuergeschenke die Mehrheit bilden, ist der Ausgang einer Wahl ebenso vorhersehbar wie die Politikangebote, die Politiker machen: hier wird umverteilt, bis es nichts mehr umzuverteilen gibt.

Wir nennen das die Nutznießer-Spirale.

©ScienceFiles,2014

Algan, Yann, Cahuc, Pierre & Sangnier, Marc (2014). Trust and the Welfare State: The Twin Peaks Curve. Bonn: Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit; Institute for the Study of Labor IZA DP No. 8277.

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35 Responses to Nutznießer-Spirale: Wohlfahrtsstaaten sind der Anfang vom Ende

  1. a.behrens says:

    Heisst in Umkehrung: Für einen stabilen Staat könnte man Bürgerrechte an drei Bedingungen binden:

    Bürger wird wer:

    1. Sich selbst an Leib und Seele versorgt und
    2. Seine Familie an Leib und Seele versorgt und
    3. Seinen Staat an Leib und Seele versorgt.

    An Leib und Seele heißt hier: Körperlich und geistig (spritituell, kulturell, intellektuell).

    Sich selbst: Damit sind alle Leute außen vor, die nicht fähig oder bereit sind, für den eigenen Unterhalt arbeiten zu gehen. Kranke, Dumme und Unfähige dürfen somit weder wählen noch gewählt werden noch irgendwelche Ämter ausüben.

    Seine Familie: Das Einkommen muss so groß sein, dass er (s)eine Familie versorgen kann. Diese Bedingung wird den Sciencefiles-Machern als eher kinderunfreundlich (*) möglicherweise nicht passen, aber familiäres Denken ist für mich die Grundlage für gesellschaftliche Nachhaltigkeit. Eine Versorgung der Familie an Geist und Seele heißt für mich: Besitzt ein Haus/Grundstück ohne Schulden (Leib) und die eigenen Kinder sind in der Lage sich selbst an Leib und Seele zu versorgen. Bürgerrechte werden somit im Zweifel erst sehr spät verliehen.

    Seinen Staat: Damit fallen alle Leute aus dem Raster die rein von der Arbeit anderer leben. Etwa Beamte, Staatsangestellte, Politiker. Der Dienst am Staat erfolgt dabei persönlichem Einsatz beim Militär bzw. Katastrophenschutz sowie die (unbezahlte) Übernahme von Ämtern. Die geistige Versorgung des Staates erfolgt dadurch, dass ein Mensch eigenes Wissen und eigene Erkenntnisse durch Kunst oder Lehre an andere Menschen weitergibt.

    Bürgerrechte nach dieser Definition wären etwas sehr seltenes.

    Auswirkungen der Art das Sozialsysteme völlig eingestellt werden würden, kann ich nicht erkennen. Bürger nach meiner Definition haben ja bewiesen, dass sie für andere Menschen sorgen. Ich kann auch nicht erkennen, dass es einen gesellschaftlichen oder kulturellen Niedergang gäbe, da ja die Vergabe von Bürgerrechten an die Aufrechterhaltung von Kultur gebunden ist. Ein Problem könnte Machtmissbrauch bzw. Machtkonzentration sein. Allerdings ist für mich die Verhinderung von Machtkonzentrationen eines der Kernaufgaben des Staates und wenn ein Bürger der in ein entsprechendes Amt berufen wurde, seiner Aufgabe nicht nachkommt, dann sollten andere Bürger entsprechend reagieren.

    Gegenstimmen?

    (*) @Frau Dr. Diefenbach, Herr Klein ich sehe persönliche Lebensansichten wertneutral.

    • A.S. says:

      Den Gedanken dass z.B. Polizisten oder Berufssoldaten keine Bürgerrechte haben sollen finde ich eher bedenklich.
      Aber Grundsätzlich ist es schon eine Überlegung wert wenn man Rechte nur mit Pflichten koppelt.

      • a.behrens says:

        Ich würde es umgekehrt sehen: Eine (zeitweilige) Arbeit als Soldat ist für mich Grundvoraussetzung für Bürgerrechte. Und die Tätigkeit des Polizisten war ursprünglich eine Bürgerpflicht (zumindest für die Streifenpolizei). Schwierig wird es IMO erst in Detailbereichen. Etwa wenn eine Kriminalpolizei Fachleute benötigt oder das Richteramt.

  2. Chaeremon says:

    Ich zitiere “Gegenstimmen?”

    Wer verteilt diese Bürgerrechte, etwa die hier?:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=22292

    • a.behrens says:

      Bürgerrechte in meinem Modell werden von Bürgern vergeben. Ist auch logisch, Verwaltungsbeamte können keine Bürger sein, da vom Staat bezahlte Angestellte dem Staat keine Steuern zahlen können.

      Und bezüglich des Textes der Nachdenkseiten: Bürger in meinem Modell müssten selbst mit der Waffe in der Hand kämpfen. Was IMO eines der wichtigsten Unterschiede zu modernen Politikern ist. Wieviel Krieg würde ein Herr Gauck wohl fordern, wenn andere Bürger fordern könnten, dass er dann in der ersten Reihe kämpfen soll.

      Ich bezweifle jedoch, dass eine nennenswerte Anzahl aktueller Politiker in meinem Modell Politiker werden könnten. Die Mehrheit des aktuellen Bundestages hätte in meinem Modell keine Bürgerrechte. Und die andere Hälfte hätte vermutlich ihre Bürgerrechte schon wieder verloren. Etwa wenn Politiker Gesetze erlassen, die grundgesetzwidrig sind (und vom Verfassungsgericht kassiert werden) oder aber eine Politik fahren, die Existenz des Staates gefährden (etwa Sozialleistungen über Schulden finanzieren).

      Abgesehen davon: Die Sicherung der eigenen Wirtschaft und die Sicherung von Handelswegen IST die Aufgabe der Bundeswehr und ich halte diese Aufgabe für sinnvoll. Grundsätzlich jede Form von Militär abzulehnen ist zwar ein typisch linker Reflex, aber üblicherweise nicht das was die Bürger eines Landes wollen: Die Aufrechterhaltung einer gewählten Rechtsordnung.

    • Martin says:

      Wenn mit “die hier” die “Nachdenkseiten”-Rotlinge gemeint sind, dann hoffentlich nicht.

      • Chaeremon says:

        Nein. Ich habe die Eliten (am konkreten Beispiel) gemeint die sich gegenseitig mit a.behrens’ Bürgerrechten beglücken um dann zu machen was sie wollen.

        Das kann a.behrens mit seinem Vorschlag (der so unheimlich nah am Schweizer Modell ist wo Jahrhunderte an empirischer Erfahrung vorliegen) nicht verhindern, oder?

        • A. Behrens says:

          Zitat “Ich habe die Eliten … gemeint”

          Heinrich Mann würde möglicherweise sagen: “..dieser widerwärtig interessante Typus des imperialistischen Untertanen, des Chauvinisten ohne Mitverantwortung, des in der Masse verschwindenden Machtanbeters, des Autoritätsgläubigen wider besseres Wissen und politischen Selbstkasteiers.”

          Rechte werden nicht verliehen sondern erworben. Dieser Unterschied ist IMO der Unterschied zwischen Deutschen (warten darauf, dass “Eliten” vorbei kommen und ihnen Rechte verleihen) und z.B. Schweizern und Engländern (haben sich Rechte erobert bzw. ihre Rechte notfalls mit Gewalt verteidigt).

          In meinem Modell: Bürgerrechte erwirbt man sich mit Diensten an der Gemeinde. Die Reichen, Schönen, Intelligenten hätten kein Bürgerrecht per se, sondern müssen sich dieses Recht erarbeiten.

          Und noch was: Als radikal liberaler Mensch würde ich einen Staat auf das absolute Minimum reduzieren. Und das heißt im Zweifel eigentlich nur Schutz nach außen (Militär) und Innen (Polizei und eine Art Kartellamt). Mir fällt kein Grund ein, weshalb z.B. eine Arbeitslosenversicherung, eine Krankenversicherung, eine Rentenkasse, die Müllabfuhr oder die Post staatlich organisiert werden muss.

          Dadurch das der Staat auf ein Minimum reduziert wird, entfallen automatisch Machtmissbrauch. Und weitestgehend die Notwendigkeit Steuern zu zahlen.

          • Chaeremon says:

            Ich zitiere “In meinem Modell: Bürgerrechte erwirbt man sich mit Diensten an der Gemeinde. Die Reichen, Schönen, Intelligenten hätten kein Bürgerrecht per se, sondern müssen sich dieses Recht erarbeiten.”

            Wenn Sie das zu Ende gedacht hätten, was ich jetzt einfach ‘mal anzweifle, dann können diese Bürgerrecht nur post-mortem verliehen werden, denn anders wird kein Schuh ‘draus, oder?

            Nur so als Beispiel: ein Staudamm z.B. klaut am Unterlauf das Wasser (100te Kilometer weit weg), warum sollen die unmittelbar Betroffenen das als Dienst an der profitierenden Gemeinde verstehen.

            B.t.w. mich interessiert im vorliegenden Fall nur die Regel(n) nach der Missbrauch von Bürgerrechten erkannt und verhindert wird (und nicht die Ideologie von radikal liberalen Menschen).

            • a.behrens says:

              Die Frage nach Privateigentum hat mit Bürgerrechten erstmal nichts zu tun. Auch Ausländer oder Nur-Wohnhafte haben das Recht auf Eigentum.

              Bezüglich Privateigentum: Ich unterstelle dem Staudammbesitzer, dass er wie alle anderen Egoisten an Kooperation interessiert ist, da Kooperation bekanntlich die effizienteste Strategie zur Optimierung von Eigennutz ist.

  3. anonym says:

    die Frage ist doch wie soll man das Ändern

    • a.behrens says:

      Dafür ist es IMO zu spät, die Günstlinge sind bereits in der Mehrzahl. Ich persönlich warte eigentlich auf das Ende des aktuellen Systems. Spannend ist für mich eher die Frage ob und wie man das Ende des aktuellen Systems beschleunigen kann und wie man durch die Zeit des Wechsels gut durchkommt.

      Und da beobachte ich einen eigenartigen Trend: Immer mehr Leute ziehen sich zurück. Entweder physisch (etwa durch Auswanderung) oder mental. Zum Beispiel durch bewusste Entscheidung nicht mehr zu wählen. Oder durch bewusste Entscheidung seine Kinder nicht mehr zur Schule zu schicken. Oder durch bewusste Entscheidung kein Fernseh mehr zu gucken oder SPON zu lesen. Oder durch systematische Werbung für die Nutzung von Sozialleistungen durch Ausländer (das ist besonders perfide). Oder durch bewusste Entscheidung Steuerzahlungen und Arbeitsleistung zu reduzieren. Oder durch bewusste Entscheidung zur Schwarzarbeit.

      Kann sein, dass mein persönliches Lebensumfeld einfach anders tickt, aber ich würde schon behaupten, dass schlichtes “mit mir nicht mehr” gegenüber dem System allmählich Common Sense(*) wird. Etwa die Montagsdemos. Da geht es oft gar nicht mehr das übliche links vs. rechts, sondern schlicht um eine Aufkündigung der Mitarbeit. Habe ich neulich gelesen: “Die Zeit des Dialogs zwischen Politik und Bevölkerung ist vorbei”.

      (*) Ist jetzt doppeldeutig gemeint.

  4. Man sollte vielleicht nicht unerwähnt lassen, dass ein guter Sozialstaat auch jede Menge Abzocker von außerhalb anzieht. Das kann man ja an Deutschland sehr gut sehen, vor allem auch seit der Öffnung der Grenzen gen Bulgarien und Rumänien, aber auch generell. So ziemlich jeder, der in Lampedusa an Land kommt, will weiter nach Frankreich oder Deutschland. Warum wohl? Weil es da Geld gibt fürs Nichtstun, sinnlos Kinder produzieren und man sich nicht integrieren muss. Im Zweifelsfall sagt man einfach “Nazi” und hat seine Ruhe…

    • Und woher nehmen Sie die Erkenntnis über die Motivation von Flüchtlingen. Haben Sie eine Befragung durchgeführt? Vielleicht kommen die Flüchtlinge ja, um zu arbeiten, haben ein ganz anderes Selbstverständnis davon, was es bedeutet, den eigene Lebensunterhalt zu erwirtschaften als deutsche Sozialhilfe-Karrieristen?

      • a.behrens says:

        Zumal die Flüchtlinge offensichtlich bereit sind, extreme Risiken einzugehen. IMO das Gegenteil eines klassischen “Sozialhilfe-Karrieristen”.

      • Ich finde es sonderbar, dass man Flüchtlingen nur das beste unterstellt und Einheimischen nur das schlechteste. Schauen Sie in die Statistik, sollte als Wissenschaftler doch machbar sein, oder?

      • kaivonderkueste says:

        Vielleicht bin ich naiv, aber ich hatte bisher die Vorstellung, dass Flüchtlinge Flüchtlinge heißen, weil sie vor etwas fliehen und zwar vor einen konkreten Bedrohung für Leib und Leben. Menschen, die ihr Land verlassen, weil sie in einem anderen Land für ihre materielle Existenz bessere Voraussetzungen vermuten, würde ich Auswanderer nennen.

        kai

        • Allgemein: Migranten. Aber diejenigen, die jetzt unter dem Schlagwort “Syrien” per Lampedusa oder sonstwie übers Mittelmeer kommen, sind zu einem erheblichn anteil einfah nur Wirtschaftsflüchtlinge. Das merkt man ja auch daran, dass sie nicht da bleiben, wo es sicher ist, z.B. in Italien, sondern unbedingt in einzelne Länder wollen, wo sie ohne Anstrengung rundum auf einem für sie luxuriösem Niveau versorgt werden, ohne arbeiten zu müssen.

          • Woher wissen Sie, dass die Flüchtlinge nach Deutschland wollen. Schon mal was vom Schengen Abkommen gehört und dem darin vorgesehenen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge quer über die EU? Aber ich höre gerne, dass Hartz IV luxuriös ist, ich will entsprechend in diesem Blog keine Klagen darüber mehr hören, wie arm Hartz IV Empfänger doch sind.

            • ROFL! Das sagen die selbst in jedem Newsbeitrag, dass Frankreich, Deutschland oder Schwedr deren Ziel ist. Schengener Abkommen? Itlaien drückt denen 500 Euro und ein Visum in de Hand und erzählt denen, wo die anderen Länder liegen und was sie da alles bekommen, was Italien ihnen nicht gewährt. So läuft die Nummer. Italien positioniert sich da bewußt als Transitland, mehr will man da gar nicht sein und die anderen Länder (Spanien, Griechenland, Portugal etc.) sind auch dankbar, wenn sie nicht belastet werden.

              Und ja, für Leute, die sinst in Lehmhütten leben und sich im Dort mit X Leuten in der woche vielleicht das eine oder andere Huhn oder eine Ziege und ein paar Handvoll Reis teilen, ist Hartz IV luxuriös. Viele der Lampedusa-Flüchtlinge machen es ja wie die Bulgaren und Rumänen und sorgen erstmal für Nachwuchs, der bringt dann ja nicht nur das unbefristete Aufenthaltsrecht, sondern auch nochmal extra Leistungen von allerlei Stellen. Schauen Sie sich mal in diversen Städten um, wer da die meisten Kinderwägen schiebt. Aber Vorsicht, könnte Spuren von Realität enthalten 😛

              • Ich sehe, Sie haben eine Befragung der Flüchtlinge durchgeführt und dabei festgestellt, dass die aus Lehmhütten flüchten. Derartige Erkenntnis ist neu und man fragt sich unwillkürlich, wie hat die Kunde vom Schlaraffenland Deutschland in die Lehmhütte der Sahelzone gefunden? Vermutlich wird sie vom Medizinmann kolportiert oder vom Schamanen oder woran die da glauben, gell? Oder ein deutscher Reisender hat die nackten Einheimischen aufgestachelt, nach Deutschland zu kommen, um hier second hand Kleidung geliehen zu bekommen. Ich glaube, Sie haben keine Ahnung wovon sie reden und vielleicht fragen Sie sich einmal, was passieren müsste, damit Sie aus ihrem Schlaraffenland flüchten und dann machen wir eine Übung in Empathie und überlegen uns, ob das bei Afrikaner, Fremdländer, die sie nun einmal sind, vielleich dennoch auch so sein könnte …

          • kaivonderkueste says:

            Die Motive von Menschen, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen, sollten differenziert betrachtet werden. Menschen kommen aus wirtschaftlichen oder kulturellen oder persönlichen (wegen persönlichen Beziehungen zu bereits in D’land lebenden Menschen) oder noch anderen Gründen nach Deutschland.
            Und es gibt Menschen, die geben an, dass sie vor einer konkreten Bedrohung flüchten und berufen sich auf unser Grundgesetz oder Flüchtlingskonvention. Ob sie dies zu Recht tun, wird in einem geregelten Verfahren geprüft.
            Wegen dieser Unterschiede sollte der Begriff ‘Flüchtling’ für diejenigen reserviert bleiben, die unter den Schutz des Grundgesetzes oder der Flüchtlingkonvention fallen. Mit der Verwendung des Begriffs Wirtschaftsflüchtling entsteht die Gefahr der Verwässerung der Begriffe und ist aus meiner Sicht der Versuch einer Gleichstellung mit tatsächlichen Flüchtlingen.
            Ich erkenne an, dass Menschen meinen aus Syrien flüchten zu müssen. Die Mehrzahl dieser Menschen wird jedoch nicht politisch verfolgt, sondern fühlt sich (zu Recht) von der Sicherheitslage in Syrien bedroht.
            Passend hierzu hörte ich vor kurzem einen Beitrag im ÖR über jüdische Flüchtlinge (aus D’land und anderen europäischen Ländern) und deren beschwerlichen Weg nach Palästina. Konkret genannt wurde das Jahr 1947. Irritierenderweise wurde in dem Beitrag nicht erläutert, vor welcher Bedrohung diese geflüchtet sind.

  5. Interessante Betrachtung. Ich denke die Einteilung in zivile und nicht-zivile Menschen ist etwas krass, macht die Problematik aber gerade dadurch sher deutlich.

    Schade eigentlich, ich fand den Wohlfahrtstaat eine gute Einrichtung, eigentlich denke ich immer noch so. Aber es ist schön gezeigt zu bekommen, dass dieses System eine innere Instabilität hat, die zu einem Teufelskreis führt.

    Für mich als Techniker ist das immer das Zeichen, dass so ein System fast nicht kontrollierbar ist, und damit nicht einsetzbar.

    Erstaunlich dass es in der Politik, aber auch im Bereich der Sozialkassen und Finanzen, viele solcher Systeme mit fatalen Rückkopplungen gibt, die allesamt an innerer Instabilität kranken, und dazu neigen sich aufzuschaukeln und dann zusammenzubrechen.

    In der Historie finden sich auch genügend Beispiele dafür dass diese System (oder vergleichbare) schon reihenweise kollabiert sind, aber es wird immer wieder probiert, “diesmal machen wir es besser”, und zunächst scheint es auch zu funktioniren, weil es eine Zeitlang dauert bis sich diue Effekte aufschaukeln. D.h. an dem Moment wo ein Neuanfang mit einem anderen System denkbar wäre, scheine die jungfräulichen gewohnten System die beliebtere Alternative zu sein, und man übersieht das Problem der Rückkopplung.

  6. pedrobergerac says:

    Mit Erstaunen muss ich feststellen, dass mein Kommentar nicht gepostet wurde.

  7. Theresia Schmelzer says:

    Zu diesem Thema fällt mir ein Spruch von Ludwig Erhard ein.
    Zitiere: “Es ist nichts asozialer als der Wohlfahrtsstaat, dessen ausufernde Kosten spätere Generationen abtragen müssen”!

    • pedrobergerac says:

      Ludwig Erhard hat unser Geldsystem auch nicht verstanden. Hätte er gewußt, wer in dieser Welt das Geldschöpfungsmonopol besitzt und was der Zins aus diesem Geld macht, hätte er den Begriff “asozial” sicherlich richtig gebraucht.
      Der Wohlfahrtstaat ist nämlich nur eine Folge des aktuellen Geldsystem, ein Versuch, der völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Aber was in erster Linie zu Ende geht, ist das Geldsystem. Als Kettenbriefsystem, welches Dank des Zinses mittlerweile alle monetären Größenordnungen sprengt, ist es an seinem natürlichen Ende angekommen.
      Nebenbei gehen immer mehr Arbeitsplätze verloren, weil auf der Suche nach Rentabilität (Zinsfalle) die Automatisierung ein Ausmaß angenommen hat, die keine leistbare Vollbeschäftigung mehr ermöglicht. Also tritt der “Wohlfahrtsstaat” (Hartz IV) auf den Plan. Das Ende des Bootsstegs ist erreicht. Aber immer mehr drängen nach, ohne dess der Bootssteg größer wird. Solange bis er bricht oder diejenigen, welche am Rand stehen, ins Wasser fallen.
      Aktuell wird der Steg noch gehalten, aber bald läßt man ihn einbrechen. In der Wirklichkeit heißt dies “Crash des Weltwährungssystems”. Ausgelöst und gesteuert von Denjenigen, welche für Geldschöpfung und -Verteilung zuständig sind. Wenn das passiert, bricht das große Chaos aus, vergleichbar mit einem weltweiten Stromausfall. Millionen Menschen werden sterben.
      Es gibt verschiedene Modelle, welche DIES verhindern würden. Aber Diejenigen, welche für Geldschöpfung und -Verteilung zuständig sind, haben kein Interesse daran. Sie haben Anderes vor. Die Errichtung einer Neuen Weltordnung. Was sie auch immer darunter verstehen mögen aber es wird einem weltumspannenden Sklavenstaat, ähnlich dem Römischen Reich, sehr nahe kommen.
      “Brave New World” und “1984” werden immer mehr Realität. Die Existenz des NSA sollte uns eigentlich die Augen dafür öffnen. Und hat man diese erst offen, dann kann man auch erkennen, dass es nicht der Wohlfahrtsstaat ist, der der Anfang vom Ende ist, sondern unser Geldsystem.
      Ich bin mir also ziemlich sicher, Ludwig Erhard hätte das Wort “asozial” für die Clique der Oberbankster der Weltfinanzmafia angewendet, auf die Hintermänner des Federal Reserve Zentralbankensystems.

  8. kaivonderkueste says:

    Der Mindestlohn mag die Wirtschaft schädigen, das Verfahren der Wirtschaft, unzureichende Löhne zu zahlen, die dann mittels Umverteilung durch brave Steuerzahler ausgeglichen werden müssen, schadet definitiv den Steuerzahlern.

    Insofern sind Nutznießer des Mindestlohns in erster Linie brave Steuerzahler und nicht die Mindestlohnempfänger. Für diese ist es letztlich einerlei, aus welcher Kasse ihr Einkommen finanziert wird.

  9. pedrobergerac says:

    Bei all den Debatten um “Wirtschaftsflüchtlinge” und andere “Nutznießer” des Wohlfahrtsstaates möchte ich noch auf Eines hinweisen.
    Obwohl es genug Arbeit gäbe, um diesen Planeten zu einer schöneren Welt zu formen gibt es dafür aber keine bezahlten Arbeitsplätze. Und damit kriegen wir ein riesengroßes Problem.
    Denn entlohnte Arbeit ist das Gegenteil von Nutz(ge)nießen. Dem Wegfall der entlohnten Arbeit folgt eine gewaltige gesellschaftliche Umformung, die uns über kurz oder lang an den Abgrund führen wird. Die Zusammenhänge werden in der folgenden Schrift sehr aufschlussreich erläutert.

    http://www.krisen-info-netzwerk.com/downloads/Was_erwartet_uns-Eine_Reise_durch_die_Zeit.pdf

    Vielleicht trägt sie zu einem besseren Verständnis bei, dass die paar “Wirtschaftsflüchtlinge” das “Kraut nicht fett machen”. Die Probleme sind viel grundlegenderer Natur.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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