Neue Töne: Minister sind mit Frauen nicht zufrieden

Minister haben es heuzutage nicht einfach – um nicht zu sagen, sie haben es schwer.

Egal, worum sie sich kümmern, immer stellen sie fest, dass ihre Bürger nicht so sind wie erwartet, dass sie nicht tun, was ministeriell von ihnen erwartet wird, ja, dass sie einfach nicht konform und gefügig sein wollen.

Als besonders widerspenstig haben sich bislang Frauen erwiesen: Man kann ihnen goldene Brücken bauen. Man kann sie bei der Schulbildung bevorzugen, ihnen Stelle an Universitäten nachtragen und sie Unternehmen als Zwangsmitglied in Vorständen verordnen – und? Nichts: Sie treten zurück, finden sich nicht in ausreichender Zahl, nutzen bevorzugte Behandlung, so lange sie es gerne möchten und richten sich ansonsten doch lieber in den heimischen vier Wänden ein.

Und so irren Minister von Baustelle zu Baustelle, um mit ihrem sozialtechnologischen Werkzeugkasten zu reparieren, anzureizen und zu propagieren, was wir angeblich brauchen oder, wahlweise, was eine moderne Wirtschaft braucht:

“Eine moderne Wirtschaft”, so weiß Manuela Schwesig, obwohl sie nicht Ökonomie studiert hat, “braucht die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern. Doch obwohl Frauen heute so gut ausgebildet sind wie nie zuvor, machen sich weniger Frauen als Männer beruflich selbstständig. Deswegen möchte ich Frauen dabei unterstützen, vermehrt Unternehmen zu gründen. Dabei soll es gezielter um die besonderen Belange von Frauen gehen …”

BMFsfjneuBevor wir gezielter auf die Belange von Frauen eingehen, wollen wir darauf hinweisen, dass Schwesig degradiert wurde: Sie ist nicht mehr Minister für Frauen, Senioren, Familie und Jugend, sie ist nur noch Minister für Frauen, “Bundesfrauenminsterin Schwesig”, wie aus der Pressemeldung ihres Ministeriums deutlich wird. Ehrlicher Weise hat das Ministerium für FSFJ, S(enioren), F(amilie) und J(ugend) gestrichen, denn heutzutage gibt es nur noch ein Projekt, das weitreichende, ja globale, wenn nicht universale Konsequenzen hat: Frauen, also die richtigen Frauen, die Schwesig vorschweben (nicht solche, die es gibt): Frauen, die sich selbständig machen.

Selbständigkeit, so erfahren wir per impliziter Prämisse, ist nämlich etwas, was nicht von Ideen, unternehmerischer Kenntnis und vor allem Hingabe und Leistungsbereitschaft geprägt ist, weil man zumindest in der Gründungsphase viel Zeit und Nerven investieren muss, bis der Laden läuft. Nein, Selbständigkeit, so weiß Schwesig woher auch immer, ist etwas, was nach Geschlecht funktioniert. Und wenn sich weniger Frauen als Männer selbständig machen, dann liegt das daran, dass Frauen Hürden haben, die Männer nicht haben, denn natürlich haben Frauen die gleichen Ideen, die gleichen unternehmerischen Kenntnisse (die ihnen vor allem in Studienfächern wie soziale Arbeit, Anglistik, Theaterwissenschaft und Gender Studies vermittelt werden) wie Männer und natürlich haben sie dieselbe Leistungsbereitschaft und Hingabe an einen Beruf. Wir sind nämlich alle ganz gleich, und weil wir alle ganz gleich sind, ist es für Personen wie Schwesig, die derzeit Minister spielt, möglich, die Welt zu verändern.

Zu wenig Frauen machen sich selbständig. Warum? Ja, weil sie an der Selbständigkeit trotz gleicher Ideen, gleicher Kompetenzen, gleicher Leistungsbereitschaft und gleicher Hingabe wie Männer gehindert werden. Von wem? Von den besonderen Belangen. Die “besonderen Belange von Frauen”, das weiß Schwesig, die es vorgezogen hat, in eine abhängige Beschäftigung zu gehen und eben nicht selbständig zu werden, diese besonderen Belange von Frauen sind: “”Kinderbetreuung, Vereinbarkeit von Selbständigkeit und Familie sowie Fragen rund um den beruflichen Wiedereinstieg”.

Also: Frauen machen sich nur deshalb nicht so häufig selbständig wie Männer, weil sie keine Kinderbetreuungsplätze haben, weil sie die Selbständigkeit nicht mit der Familie vereinbaren können und ihnen der berufliche Wiedereinstieg erschwert wird.

Wozu brauchen wir einen George Schumpeter mit seiner Theorie des Entrepreneur, jenes Unternehmers, der “get’s the things done”, der weiß, wie er Ideen in tragfähige Konzepte umsetzt, die es erlauben, ein Unternehmen mit Gewinn zu führen? Wir brauchen keinen Schumpeter, wir haben eine Schwesig. Entsprechend schaffen wir Kindertagesstätten, infantil auch “Kitas” genannt und vereinbaren Familie und Selbständigkeit (wie auch immer), und schon sind auch Frauen in der Lage, “to get things done”. Keine weiteren Kompetenzen von Nöten.

Und wer nach 2 Jahren Selbständigkeit sich doch lieber zunächst einmal um Fortpflanzung und anschließend um Nachwuchs kümmern will, dem erleichtert Schwesig auch gleich den “beruflichen Wiedereinstieg”, wobei man spätestens hier merkt, dass die Bundesfrauenministerin nicht weiß, wovon sie spricht. Anders formuliert: Der soziale Dienst “Ines F”, wird Probleme haben, wieder am Markt Fuss zu fassen, wenn er drei Jahre geschlossen war, um Ines F. die Fortpflanzung und Hege des Nachwuchses zu ermöglichen. Zwischen Selbständigkeit und abhängiger Beschäftigung, das weiß Schwesig natürlich nicht, woher auch, gibt es einen entscheidenen Unterschied: Man kann nicht einfach in Elternzeit gehen.

Aber immerhin erklärt der entsprechende Irrtum, warum Schwesig denkt, die “besonderen Belange von Frauen” hätten irgend etwas mit der Selbständigenquote von Frauen zu tun. Sie haben es nicht. Vielmehr  sind die “besonderen Belange” nicht mit Selbständigkeit zu vereinbaren. Man ist nämlich entweder selbständig oder man pflanzt sich fort.

Zuweilen muss man im Leben Entscheidungen treffen. Und diese Entscheidungen sind der Grund dafür, dass die sozialtechnische Werkzeugkiste der Bundesfamilienministerin nicht greift. Halbtagsjobs für Selbständige gibt es nicht. Und Arbeitszeiten für Selbständige sind auch etwas, das nicht der Stechuhr folgt, die Schwesig gewohnt ist.

Wer arbeiten mehr als 48 Stunden pro Woche?

Insofern ist Bundeswirtschaftsminister Gabriel zuzustimmen, der sagt: “Um mehr Frauen zum Gründen zu bewegen, braucht es vor allem ein Umdenken in den Köpfen… ” Eine seltene Einsicht von einem Politiker. Richtig, es erfordert ein Umdenken in den Köpfen von Politikern, etwa so: Bestimmte Dinge sind miteinander unvereinbar. Selbständigkeit ist nichts, was man halbtags oder nebenbei machen kann. Selbständigkeit erfordert den ganzen Selbständigen, und entsprechend ist Selbständigkeit mit Fortpflanzung und Halbtagsarbeit ebenso unvereinbar wie der Versuch, “Frauen … durch speziell auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Beratungsangebote bei den ersten Schritten in die Selbständigkeit” zu begleiten.

Wie selbständig ist jemand, dem man die Hand führt und dem man Fuss vor Fuss setzt, damit er in die richtige Richtung geht? Wie erfolgversprechend ist ein Unternehmen, bei dem der vermeintlich selbständige Unternehmer in die Selbständigkeit beraten wurde, wenn die Beratung erst einmal beendet ist? Selbständigkeit ist eine Entscheidung, hinter der man stehen muss. Es ist nichts, was man eben einmal so probiert. Und deshalb muss man kein Prophet sein, um zu wissen, dass die Selbständigen, die Schwesig und Gabriel mit ihrer Umwidmung der Ich-AG in eine Sie-AG produzieren, Kurzzeit-Selbständige sein werden,  deren Selbständigkeit sich genau dann erledigt, wenn sie auf eigenen Füssen stehen müssen.

Entsprechend werden Gabriel und Schwesig auch weiterhin mit den Frauen und deren Bereitschaft, selbständig zu sein, unzufrieden sein. Die einfachste Lösung, um diese Unzufriedenheit zu beheben, wäre indes ein Anerkennen von Realitäten, die (1) dokumentieren, dass wir nicht alle gleich sind, (2) zeigen, dass ungleiche Verteilungen zwischen Männern und Frauen in der Regel einer Ursache geschuldet sind, die man in früheren Zeiten als Arbeitsteilung bezeichnet hat, ja manche sind gar der Meinung, dass erst Arbeitsteilung moderne Gesellschaften möglich macht, (3) es nicht möglich ist, die Welt so zu basteln, wie man sie gerne hätte, und wenn man noch so heftig mit dem Fuss aufstampft, und (4) es an der Zeit ist, den Posten eines Ministers zu verlassen und mit gutem Beispiel in die Selbständigkeit voran zu gehen, z.B. als selbständiger Paketfahrer bei Hermes oder als selbständiger Altenpfleger auf Stundenbasis.

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18 Responses to Neue Töne: Minister sind mit Frauen nicht zufrieden

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Neue Töne: Minister sind mit Frauen nicht zufrieden | netzlesen.de

  2. Dolores Springer says:

    Hallo
    Ich habe folgende zitierte Satz von Ihnen nicht auf der Website des Unis finden können
    “Mit dem berufsbegleitenden Masterstudiengang erlangen zukünftige” Prostituierte (Sexologen) eine solide theoretische Grundlage in” Prostitution (Sexologie), “auf der das anwendungsorientierte Wissen für die sexuelle Bildung und die Sexualberatung aufbaut”.

    Nachdem ich Ihre Information weitergeleitet hatte wurde ich gefragt, wo diese Aussage entnommen wird.
    Wären Sie so nett mir den Pfad zu dieser Aussage mitzuteilen damit das Ganze nicht unglaubwürdig wirkt?
    Vielen Dank

  3. lostsoul says:

    Was muss denn die Frau von heute noch alles stämmen? Ah, stimmt, Kinder Erziehung zählt ja nicht mehr. Das läuft nebenbei fast von allein.

  4. Julius Schnorr says:

    Hi. Ich bin ja meistens bei Euch, aber hier habt Ihr Euch verrannt:
    “Sie ist nicht mehr Minister für Frauen, Senioren, Familie und Jugend, sie ist nur noch Minister für Frauen, “Bundesfrauenminsterin Schwesig”, wie aus der Pressemeldung ihres Ministeriums deutlich wird. Ehrlicher Weise hat das Ministerium für FSFJ, S(enioren), F(amilie) und J(ugend) gestrichen, […]”

    Diesem Ministerium ist klar, daß der eigene Name eine ziemlich affige Aneinanderreihung von Bereichen ist, die nur dazu dient, Männer im Arbeitsalter auszuschließen. Darum verzichten sie regelmäßig darauf, ihre Ministerin damit lächerlich zu machen, indem sie ihren Ministerialjob jedes Mal mit der ganzen Aufzählung belasten. Frau Schwesig ist four-in-one, je nachdem, wozu sie gerade Erkenntnisse verbreitet: Frauenministerin wie hier, aber auch Bundesseniorenministerin, Bundesseniorenministerin und Bundesjugendministerin. Je nachdem, was die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit gerade braucht.

  5. Martin says:

    Wie immer, gelungener Text mit völlig richtigem Inhalt. War selbst 9 Jahre als Hardware/Softwareentwickler tätig unter 50-60 Stunden die Woche bin ich nicht weggekommen.

    Aber zwei kleinere Anmerkungen: “Kindertagesstätten, infantil auch “Kitas” genannt”.
    Naja, Kita sehe ich vor allem als brauchbare Abkürzung in der Konversation für ein recht sperriges Wort. Finde ich nichts infantiles dran, sowenig wie in der Verwendung von Elko statt Elektrolytkondensator, Trafo statt Transformator oder Blinker statt Fahrtrichtungsanzeiger.

    Eine selbstständige Tätigkeit, die ganz gut mit der Fortpflanzung vereinbar ist gibt es allerdings, die Tätigkeit als Tagesmutter. Das ist zwar nur eine Nische, sei aber doch erwähnt.

    • karstenmende says:

      Na ja, es gäbe da zum Beispiel das Wort Kindergarten. Dieses Wort ist so einfach, dass es sogar in den USA benutzt wird, um institutionelle Kinderverweilanstalten zu benennen. Warum dieses schöne Wort, durch eine sperrige und dümmliche Neuverdeutschung ersetzt wird, die einer infantilen Abkürzung bedarf, um den feminisierten Sprachschatz zu bereichern, geht mir nicht auf. Sei’s drum.

      • Martin says:

        Sicher, Kindergarten wäre eine gewohnte Möglichkeit gewesen. Allerdings ist beides in der Bedeutung nicht deckungsgleich, Kindertagesstätte ist eher ein Oberbegriff für Krippen- Kindergarten und Hortbetreung.

        • karstenmende says:

          Nein. Diese Wortschöpfung ist nicht der Oberbegriff, sondern die Abschaffung der Krippen-, Kindergarten- und Hortbetreuung. Ich behaupte, dass im Prinzip “Kita” völlig unvereinbare Konzepte zusammengefasst werden sollen, um dadurch eine flächendeckende ideologische Beeinflussung zu gewährleisten. Ich begründe die Unvereinbarkeit der genannten Konzepte mit dem Alter der jeweiligen Kinder und mit der Notwendigkeit altersentsprechender Beschäftigung. Für die Entwicklung der Kinder ist das Prinzip “Kita” eine Katastrophe, da sie unnötigerweise viel zu lange im Kleinkind-Modus gefangen sind. Die ideologische Beeinflussung ist die andere Schande an dieser infantilen “Kita”-Gleichmacherei.

          • Martin says:

            Kann man meinen, muß man aber noch lange nicht. Ich sehe auch keine Abschaffung der Krippen- /Kindergarten und Hortbetreuung. In allen mir bekannten Kitas sind diese Zweige betreuerisch getrennt, das Ganze ist nur organisatorisch unter dem Begriff Kita zusammengefaßt.

            Weiter verwechseln Sie anscheinend eine angenommene ideologische Infantilisierung, die im Text und in meinem Kommentar aber gar nicht das Thema war (und die ich auch nicht sehe), mit der im Text gemeinten Infantilisierung des Wortes selbst durch die Verkürzung von Kindertagesstätte zu Kita.

            Da sehe ich weiterhin genausowenig eine Infantilisierung wie bei den sprachgebräuchlichen Verkürzungen Auto, Trafo, Zoo, U-Boot, Elko undsoweiter….

            • karstenmende says:

              Ich verwechsele hier überhaupt nichts. Ich beziehe mich sehr wohl auf die infantile Verkürzung des Wortes “Kindertagesstätte”. Wenn Ihnen der dümmlich, kindliche Klang der Wortschöpfung “Kita” nicht auffällt und sie dieses Beispiel von feministischem Quak-Sprech als normal empfinden, dann ist das Ihre Sache. Etwas anderes ist es aber, wenn Kindern in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Und das ist der Fall, wenn sie von 0 – 6 Jahren (und darüber hinaus) in eine Einrichtung namens “Kita” gezwungen werden. Wenn sie nicht verstehen was ich meine, dann fragen Sie einen 6-jährigen, wie stolz er ist, nicht mehr in den Kindergarten zu müssen. Kinder haben nämlich ein besonderes Bedürfnis sich von den noch Jüngeren abzugrenzen, wenn sie über deren Entwicklungsstufe hinaus sind. Sie verwechseln hier die psychiologische Problematik, die sich bereits in der Bezeichnung “Kita” (auch in der langen Form) widerspiegelt, mit nüchternen sprachtechnischen Verkürzungen. Und darauf richtet sich meine Kritik. Der allgemeine politische und ideologische Trend geht nun mal in Richtung Vereinheitlichung und Gleichmacherei, das sollte Ihnen als Stammleser aufgefallen sein. Und das die Protagonisten dieses Trends bekannt für ihren verwerflichen Umgang mit Kindern sind ist auch nicht neu. Es gibt einen institutionellen Unterschied zwischen “Kita” und “Trafo”. Und was ideologische Päderasten angeht, kenne ich kein Pardon und keine Verharmlosung. Daher bitte ich Sie, Ihre Sorglosigkeit zu überdenken. Was da in den “Kita’s”, nach den sexistischen Vorstellungen gewisser “Bildungsexperten” bereits mit 4-jährigen Kindern getrieben wird, sollte ernst genommen, da es sich um staatlich verordneten Kindesmissbrauch handelt.

              • Martin says:

                Teile ihrer Vorstellungen, was eine Kita ist, sind m.E. recht seltsam. Kennen Sie eigentlich eine?
                Ich bin Vater einer inzwischen achtjährigen Tochter. Natürlich war sie enorm stolz, als sie in die Vorschule kam und dann eingeschult wurde. Was sie aber offensichtlich nicht kapieren, ist das sie genauso stolz war (nicht ganz, da natürlich weniger drumrum, als bei der Einschulung) , als sie in der Kita von der “kleinen Gruppe” in die “große Gruppe” gewechselt ist. Sie scheinen aus irgendeinem Grund zu glauben, das es in Kitas keine internen altersmäßigen Trennungen gäbe. Das ist natürlich -zumindest bei den mir bekannten.- falsch. Da mag es allerdings auch -je nach Größe, Ort, Konzept etc.- Unterschiede geben. In jedem Fall gehört es -entgegen ihrer Annahme- *nicht* zwingend zum Konzept einer Kita einfach alle Kinder von 0-6 zusammenzurühren und in einer großen Gruppe zu betreuen.

                Zum sprachlichen: Natürlich gibt es Unterschiede zwischen einem Trafo und einer Kita, zwischen einem Auto und einer Kita übrigens auch…. hat aber mit der sprachüblichen Verkürzung des Wortes nichts zu tun und so läßt sich nicht begründen, warum die eine Verkürzung kindisch sein soll und die andere nicht.
                Infantil wäre eine sprachliche Verniedlichung, wie z.B,. “Kiti” oder dergleichen. In der Zusammenziehung zu einem Silbenkurzwort ist nichts (sprachlich) infantiles zu finden.

                Und zur Gleichmacherei und dem Rest: Aus eben dem Grund, der “Gleichheitsideologie” geht meine Tochter seit dem fünften Lebensjahr (der Preschool) in eine Privatschule.
                Vermutlich gibt es Kitas in denen nach den Vorstellungen irgendwelcher Spacken alles möglich getrieben wurde – ich bin mir allerdings sehr sicher, das das keineswegs in allen der Fall ist – und in der, in der meine Tochter war, war definitiv nichts Absonderliches zu merken.

                Mir scheint generell ihr Bild von Kitas eher theoretisch geprägt zu sein?

                • @Martin,

                  ich empfinde das Kürzel “Kita” durchaus als infantil, und Sie eben nicht – was soll’s!? In jedem Fall kann ich mitteilen, dass das nicht der Aspekt unseres Textes ist, der uns am meisten am Herzen lag, und wir hätten auch nicht vermutet, dass dieser Punkt Anlass zu einer nennenswerten Diskussion sein würde – so kann man sich irren.

                  Aber zu Ihrer Bemerkung, die an Karsten Mende gerichtet war und die lautete:

                  “Teile ihrer Vorstellungen, was eine Kita ist, sind m.E. recht seltsam. Kennen Sie eigentlich eine?”

                  wollte ich grundsätzlich anmerken, dass es keinen Grund dafür gibt, anzunehmen, dass Ihre eigene Erfahrung mit einer Kindertagesstätte verallgemeinerbar ist. D.h. auch dann, wenn jemand eine Kindertagesstätte kennt, bedeutet das nicht, dass diese Person Ihre Erfahrungen oder Einschätzungen notwendigerweise teilen müsste. Es ist nämlich durchaus möglich und wahrscheinlich, dass diese Person eine andere Kinderteagesstätte als Sie kennt, in der sie andere Erfahrungen gemacht hat, oder dieselbe Kindertagesstätte kennt wie Sie, aber dennoch andere Wahrnehmungen und Erfahrungen gemacht hat.

                  Wäre dies anders, dann müsste ich Ihre Auffassung sehr seltsam finden, denn ich selbst war keinen Tag meines Lebens in irgendeiner institutionellen Betreuung vor der Einschulung in die Grundschule, und erinnere mich, dass ich große Angst hatte, in den Kindergarten gesteckt und aus meinem kleinen Paradies, in dem ich lebte, herausgerissen zu werden, als ich meine Eltern eine solche Maßnahme erwägen hörte. Meine Vorschulzeit, die ich im Großen und Ganzen allein, mit meiner Mutter, meiner Schwester oder dem Nachbarsjungen in unserem Garten und in der Nachbarschaft unseres Hauses verbrachte (meinen heißgeliebten Stoffbären und die ebenso heiß geliebte Katze nicht mitgezählt) und dabei erste Versuche mit archäologischen Ausgrabungen (u.a. auf dem Friedhof am Ort, was meiner Mutter nicht gefallen wollte,) u.ä.m. mehr machte, ohne, dass jemand mir aufoktroyiert hätte, was für mich altersgerecht oder sonstwie “gerecht” sein soll, gehört zu den glücklichsten Zeiten meines Lebens. Ich bin überzeugt, dass ich ohne diese Zeit ein anderer Mensch wäre – und ich meine: ein schlechterer, sowohl was meine Bildung als auch meine moralische Entwicklung betrifft, denn mir wurde nur wenig vorgegeben, und ich hatte Zeit und Muße, mich mit Dingen auseinanderzusetzen, die mich beschäftigten, nicht damit, was mich nach Auffassung anderer Leute beschäftigen sollte, und vor allem wurde ich nicht gezwungen, mich irgendeinem echten oder vermeintlichen Kollektivwillen zu unterwerfen. Kurz; mir wurde erlaubt und die Zeit gegeben, eine personale Identität auszubilden, die die Ausbildung meiner sozialen Identität qualifizierte (und nicht umgekehrt, wie das heute üblich zu sein scheint).

                  Das wäre also meine persönliche Erfahrung und Bewertung, und wenn ich sie verallgemeinern wollte, dann müsste ich fordern, dass Kindertagesstätten ersatzlos geschlossen werden.

                  Ihre Beurteilung der Vorstellungen anderer Personen als “recht seltsam” basiert, wenn ich das richtig sehe, allein auf Ihrer eigenen Erfahrung oder der von wenigen Leuten, die Sie vermutlich persönlich kennen. Das ist keine akzeptable, geschweige denn überzeugende Basis für eine solche Beurteilung.

                  Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass Ihr Eindruck falsch sei oder eben nicht verallgemeinerbar, aber es bedeutet, dass die Frage, wessen Vorstellungen vom Geschehen in Kindertagesstätten seltsam sind oder nicht, nicht entschieden ist – und auf der Basis persönlicher Erfahrungen Einzelner auch nicht entschieden werden kann. Genau hier wäre eine systematische Bestandsaufnahme darüber, was genau eigentlich wie und wie häufig in Kindertagesstätten passiert, notwendig.

                  Was wir mit Bezug auf Kindertagesstätten “recht seltsam” finden, ist daher bis auch Weiteres auf das beschränkt, was wir im Text geschrieben haben, also die Absicht, den Besuch verpflichtend zu machen, den Kontext, in dem solche Absichten thematisiert und zu legitimieren versucht werden, etc. Prinzipiell ist dies nicht mit dem Prinzip des elterlichen Erziehungsrechts (und der entsprechenden Pflicht) vereinbar, und es ist grundlegend nicht vereinbar mit einem liberalen Erziehungs- und Bildungssystem. Vielmehr entspricht es dem Geist und der Praxis totalitärer Systeme.

                  Wenn es Kindertagesstätten gibt und in Zukunft geben wird, die sich diesem Geist und dieser Praxis versperren, und sicherlich gibt es sie, dann freut uns das, aber vermutlich wird das zukünftig noch schwieriger als es bisher schon war, denn warum sollte der Kindertagesstätten in so frühem Alter und für so lange verpflichtend gemacht werden, wenn nicht, um bestimmte systematische Manipulationen an Kindern vorzunehmen?

  6. Meier, Hans (Kempten) says:

    Um Brecht zu variieren:

    Ich schlage vor, das Ministerium löst die bestehenden Frauen auf und kauft sich neue.

    Am Geld allein fehlts ja wohl nicht.

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      … wäre das nicht übereilt? Noch sind ja die bestehenden Männer nicht hinreichend aufgelöst, und weil die bestehenden Männer den bestehenden Frauen alle möglichen Barrieren aufrichten und sie an allem möglichen hindern, könnte es ja sein, dass sich die bestehenden Frauen als rehabilitierbar erweisen, wenn nur erst die bestehenden Männer aufgelöst sind – und diesbezüglich tut das Ministerium doch wirklich, was es kann …

      So ähnlich müsste doch gemäß der inneren Logik des Gender mainstreaming argumentiert werden, oder?!? 🙂

  7. no bullshit science says:

    Frauen können also kein Unternehmen gründen, weil sie Kinder zur Welt bringen müssen. Müssen sie das wirklich?? Auch als Mann kann man in die Situation geraten, in der man sich für Familie oder Business entscheiden muss. Da hilft keiner.
    OK, Frauen sollen also die Möglichkeit haben, ihre Kinder tagsüber betreuen zu lassen. Von wem wohl? Na von anderen Frauen… lol. Warum versuchen so viele Leute, Frauen dazu zu bringen, sich für ihr Hausfrauendasein zu schämen? Als wäre das was schlechtes? Ist es nicht das Weiblichste überhaupt, sein eigenes Kind so gut zu unterstützen und zu erziehen wie möglich?
    Ich würde gerne mal die Gründe erfahren, WARUM der Staat versucht, Frauen in Führungspositionen zu zwängen. Was haben WIR davon??

    Lg und klasse Blog 😉

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