Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück täuscht männliche Bewerber

Es war eine Zeitlang ruhig, im Professorinnenprogramm – jedenfalls nach unserer Wahrnehmung. Scheinbar sind den Verantwortlichen die Formulierungen ausgegangen, mit denen Sie männliche Bewerber an der Nase herum führen wollen.

Zur Erinnerung: Im Rahmen des Professorinnenprogramms werden ausschließlich Stellen finanziert, die mit einem weiblichen Bewerber besetzt werden. Nun verstößt eine Ausschreibung, die sich nur an weibliche Bewerber richtet, gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), eine, wie man sagen könnte, unbeabsichtigte Folge der Gesetzgebung. Ein dummes Problem, das sprachlich und mit Täuschung bewältigt wird, in dem Lesern entsprechender Ausschreibungen vorgegaukelt wird, die Ausschreibung richte sich an weibliche und männliche Bewerber.

Das entsprechende Vorgehen haben wir in einer Fülle von Fällen bereits dokumentiert. Bislang fehlt noch der Aufschrei dazu. Scheinbar regt es in Deutschland niemanden auf, wenn in öffentlichen Ausschreibungen systematisch gelogen und getäuscht wird. Was die moralischen und ethischen Ansprüche der Deutschen an ihre Regierung und die Institutionen der Regierung angeht, gibt es offensichtlich nach unten keine Grenze.

Und natürlich bekommt jeder, was er verdient. Im vorliegenden Fall erhalten all die männlichen Bewerber, die sich nicht wehren, all diejenigen, die denken, der öffentliche Betrug ginge sie nichts an, einen moralischen Verfall als Ergebnis, dessen Ende nicht absehbar ist. Sicher ist nur, dass immer dann, wenn im Namen vermeintlich hehrer Ziele gelogen und betrogen wird, am Ende Lüge und Betrug und oft noch Schlimmeres herausgekommen ist.

Die neuen Täuscher sitzen an der Universität Osnabrück und schreiben die Stelle einer

wissenschaftlichen Mitarbeiterin / eines wissenschaftlichen Mitarbeiters
(Entgeltgruppe 13 TV-L, 100 %)

aus.Imis betrug

Die Stelle ist somit nicht attraktiv entlohnt, dafür aber mit vielen Wünschen und Qualifikationen, die der Bewerber mitbringen soll, verbunden. Und selbst wenn die geforderten “vertieften Kenntnisse und Erfahrungen in der Geschlechterforschung” aufgrund der Anzüglichkeit der Formulierung ein Schmunzeln beim Leser hervorrufen, so vertreibt die gewählte Form der absichtlichen Täuschung von männlichen Bewerbern das Schmunzeln in Windeseile. Davon abgesehen stellt sich die Frage, was Geschlechterforschung mit Migrationsforschung zu tun haben soll (dass es zwei Geschlechter gibt, die migrieren, ist eigentlich bekannt).

Denn: nachdem der Leser erfahren hat, dass man in Osnabrück viele Ansprüche an den Bewerber hat und vielleicht gerne erfahren hätte, was, außer einer kümmerlichen Bezahlung, als Gegenleistung von der Universität Osnabrück geboten wird, also z.B.: wie alt die Infrastruktur ist, ob ein Computer vorhanden ist und wenn ja, ob eine Windows Version oberhalb von 3.1 installiert ist, ob Zugang zum Internet besteht, ob dieser Zugang über eine LAN oder über die Drosselkom erfolgt? Ob der Stelleninhaber, dem so viel abverlangt wird, u.a. eine qualifizierte Promotion im Bereich der Soziologie, internationale Forschungserfahrung, ein migrationsbezogenes Habilitationsvorhaben und interdisziplinäre Kooperations- und Forschungskompetenzen, ob dieser Stelleninhaber vielleicht, per Zufall, man soll ja nie ausschließen, dass sich etwas Positives einstellt, Zugang zu einer Sekretärin hat und, man will ja nicht gierig erscheinen, aber so ein eigens Büro, das man nicht mit einem bis drei anderen teilen muss, das wäre auch in Ordnung.

Aber, derartige Informationen erhalten die Bewerber, auch die männlichen Bewerber, die bis hier noch denken, sie hätten eine Chance, die Stelle zu erhalten, nicht. Statt dessen erfahren sie, dass die Universität Osnabrück eine “zertifizierte familiengerechte Hochschule” ist, die sich für die “Vereinbarkeit von Beruf/Studium und Familie” einsetzt. Wenn der Bewerber also seine Oma mitbringen will – gemacht. Wenn er seinem kleinen Neffen Nachhilfe am Arbeitsplatz geben will – auch kein Problem. Nur die Frage, unter welchen Bedingungen er arbeiten soll, die wird ihm nicht beantwortet. Er bewirbt sich auf die sprichwörtliche Katze im Sack.

Und natürlich fehlt auch die folgende Floskel politischer Korrektheit nicht:

“Die Universität Osnabrück will die berufliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern besonders fördern und fordert deshalb qualifizierte Frauen nachdrücklich auf, sich zu bewerben. Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt berücksichtigt.”

Frage:

Wer hat nach dem Lesen dieser Floskel den Eindruck, die Bewerbung sei für eine Stelle, die nur mit einem weiblichen Bewerber besetzt werden kann?

Wer denkt nicht, es handele sich hier um eine normale Stellenausschreibung, die sich an weibliche und männliche Bewerber richtet, unter denen derjenige ausgesucht wird, der am besten geeignet ist, um die Stelle zu besetzen?

Nun, alle die dies denken, sind auf den Täuschungsversuch der Universität Osnabrück hereingefallen. Dass es ein Täuschungsversuch ist, zeigt sich deutlich an einem Einschub, der den Bewerbern im schönsten Verwaltungsdeutsch untergeschoben wird, damit sie es auch schön überlesen:

Deceibe infeigle obfuscateDie Besetzung der oben genannten Stelle erfolgt, wie es heißt: “vorbehaltlich der Freigabe der Mittel aus dem Professorinnenprogramm II (Bundeskomponente)”.

Und wann werden die Mittel aus dem Professorinnenprogramm II freigegeben?
Wenn ein weiblicher Bewerber für die entsprechende Stelle gefunden wurde.

Und was passiert, wenn kein weiblicher Bewerber für die entsprechende Stelle gefunden wird?
Dann werden die Mittel aus dem Professorinnenprogramm II nicht freigegeben.

Und was passiert, wenn die Mittel aus dem Professorinnenprogramm II nicht freigegeben werden?
Dann gibt es keine Stelle, die besetzt werden kann.

Und abermals wundern wir uns, was man mit Deutschen alles machen kann; wie wenige Deutsche sich bei ihrer Verwaltung darüber beschweren, dass sie eine moralische Verkommenheit an den Tag legt, die kaum mehr unterboten werden kann. Kaum jemand beschwert sich. Kaum jemand fordert eine Entschuldigung für die Täuschung. Kaum jemand fordert, dass die Verantwortlichen von ihren Positionen entfernt werden.

Deutschland 2014 lebt mit der alltäglichen Täuschung. Man hat keine Probleme damit, dass Vertreter von Institutionen, die die Bürger repräsentieren, täuschen, betrügen und lügen.

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6 Responses to Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück täuscht männliche Bewerber

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  2. meier, hans (kempten) says:

    DANKE für Ihr wachsames Auge.

    Vielleicht noch zu folgender Beobachtung:

    “Es war eine Zeitlang ruhig, im Professorinnenprogramm – jedenfalls nach unserer Wahrnehmung. Scheinbar sind den Verantwortlichen die Formulierungen ausgegangen, mit denen Sie männliche Bewerber an der Nase herum führen wollen.”

    Politische Programme haben tatsächlich den Effekt, dass bestimmte Erscheinungen wellenartig auftreten – mal vermehrt, dann wieder kaum, dann wieder vermehrt.

    Das liegt an der Logik bürokratischer Abläufe (früher folgten Quantitäten naturräumlichen Gegebenheiten wie den Jahreszeiten – Frühling: viele Blüten, Winter: keine Blüten. Heute gibt es dafür die künstlichen Gezeiten von Bürokratie und Politik): Zu bestimmten Zeiten tritt ein Programm in Kraft, über das Geld abgerufen kann. Alle stürzen sich möglichst sofort darauf (es gibt Termine und es gibt Konkurrenz) – vermehrtes Auftreten. Danach tritt Beruhigung ein. Interessant wäre, warum die Ausschreibung JETZT und so vereinzelt erfolgt. Gab es da Restmittel, von denen jemand allein wusste? Allein erfuhr?

    Oder hat sich die Uni Osnabrück Mittel gesichert, die in einem ersten Durchlauf nicht vergeben werden konnten?

    Fragen über Fragen.

  3. patzer says:

    Falls noch nicht bekannt.Passt so halbwegs.


  4. Infoliner says:

    ” ,,,dass sie eine moralische Verkommenheit an den Tag legt, die kaum mehr unterboten werden kann”

    Ich nehme an, das war ein kleines Mißgeschick im Eifer des Gefechts und gemeint ist, daß die moralische Verkommenheit kaum noch ÜBERboten werden kann? Die Verkommenheit ist ja bereits groß oder in hohem Maße erkennbar.

  5. youandme says:

    Wow, TV-L 13 ist eine unattraktive Bezahlung?

    Ich lebe wohl in einem anderen Land als die Autoren?

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