Rot-grüne Studenten wollen Gotteslästerung an Hochschulen unter Strafe stellen

Mit Religion ist untrennbar die Kritik an der Religion verbunden, denn: Der bedingungslose Glaube an Phänomene, die sich der Empirie und damit der Prüfbarkeit entziehen, ist nicht jedermanns Sache. Vor allem ist der Glaube an die entsprechenden Phänomene, die in Religionen zumeist mit dem Begriff „Gott“ bezeichnet werden, etwas, was mit Wissenschaft nicht vereinbar ist, denn in der Wissenschaft geht es um Erkenntnis, also um geprüftes Wissen über Zusammenhänge in der Natur oder im sozialen Leben. Es geht nicht darum, sich vorzumachen, man könne dieses Wissen durch einen Glauben an etwas, was sich menschlicher Erkenntnis entzieht, ersetzen.

burned-at-the-stakeWissenschaft und Religion sind jedoch nicht nur im Hinblick auf die Frage nach der Erkenntnis Gegenpole. Sie sind auch im Hinblick auf die Rolle von Individuen und Fragen der Macht inkommensurabel. Wissenschaft ist ein individualistisches, ein liberales Unterfangen, an dem jeder, der die Methode der Wissenschaft beherrscht und bereit ist, empirische Fakten als die Macht anzuerkennen, die seine Erkenntnis konstituiert, mitmachen kann. Religion ist im Gegensatz dazu ein hierarchisches und kollektives Unterfangen, in der diejenigen, die auf höheren Stufen der Hierarchie angekommen sind, per Textauslegung und Exegese, den Gläubigen vorgeben, was richtig und was falsch ist. In den meisten Religionen geht es gerade nicht darum, Individuen die Freiheit einzuräumen, einen eigenen Glauben zu definieren und die dazugehörige Auslegung einer Sammlung heiliger Schriften vorzunehmen, es geht darum, Individuen die Freiheit eigener Glaubensdeutung zu nehmen, sie auf einen gemeinsamen Katechismus und damit eine gemeinsame Glaubenssicht auf die Welt zu verpflichten. Deshalb sind Religion und Wissenschaft unvereinbar.

Und deshalb argumentieren wir seit nunmehr fast sechs Jahren gegen den Genderismus, der an Hochschulen nichts zu suchen hat. Denn: Genderismus ist eine Religion, was sich schon daran zeigt, dass die Gender-Gläubigen nicht in der Lage sind, einfachste Fragen nach Erkenntnisinteresse und Methode der Gender Studies zu beantworten. Wie alle Religionen besteht Genderismus aus einem festen Set von Glaubensinhalten, die vor jeder Kritik immunisiert werden müssen und aus denen die allein seligmachende Art und Weise, zu leben, abgeleitet wird. An dieses Set von Glaubensinhalten muss man glauben, denn sie sind weder prüf- noch falsifizierbar. Ein weiterer Grund, warum Genderismus eine Religion ist.

Vermutlich sind Genderismus, Sozialismus und Ökofaschismus deshalb so eng miteinander verwoben, weil sie drei Spielarten derselben Glaubensrichtung sind, einer Glaubensrichtung, die Individuen verachtet und nur Kollektive gelten lässt, eine Glaubensrichtung, in der Macht und Herrschaft dadurch gesichert werden soll, dass es einen Kanon der ewigen und unhinterfragbaren Wahrheiten gibt, der von Hohepriestern gehütet und bewacht wird, der als Rechtskanon genutzt wird, um diejenigen, die den Kanon nicht achten, nicht glauben oder gar der Ansicht sind, er sei Blödsinn mit mindestens religiösem Eifer und zuweilen auch dem Schwert oder Verbrennen am Stab zu verfolgen. Abermals gibt es nichts, was Religion und Wissenschaft verbindet.

Dennoch nisten sich neuerdings Gläubige an Hochschulen ein, versuchen sie, Hochschulen zu übernehmen und zu Pilgerstätten des Genderismus oder Kultstätten der Rassismuskritik umzufunktionieren. Die Glaubens-Allianz mit Sozialismus und Ökofaschismus war ihnen dabei in hohem Maße hilfreich, um z.B. die Position des politischen Kommissars, die Lenin einst geschaffen hat, um die Kontrolle seiner Staatsreligion über alle Bereiche der Gesellschaft zu üben, in Form von Gleichstellungsbeauftragten wiederzubeleben.

Der nächste Schritt, der nun folgen soll und der in Österreich bereits begangen wurde, besteht nun darin, diejenigen, die an Hochschulen sind, weil sie etwas lernen wollen, weil sie nach Erkenntnis und eben nicht nach dem richtigen Genderglauben streben, zu verfolgen und dann, wenn sie ihren Zweifel am wahren Genderglauben öffentlich machen, mit Konsequenzen zu bedrohen. Kurz: Gotteslästerung soll an Hochschulen als zu ahndender Tatbestand eingeführt werden, Lästerung am Gendergott.

Wie alle Religionen, so lebt auch die Genderreligion von den Mitläufern, von denen, die bereit sind, die Drecksarbeit zu machen, damit die Inquisitoren der Genderreligion einerseits genügend Material haben, um sich zu erregen, andererseits nicht genötigt sind, sich die Finger schmutzig zu machen.

Die studentischen Mitläufer, die ihren Lebenssinn und ihre Identität aus ihrer Zuordnung zur Genderreligion gewinnen, sie führen in Österreich bei Sitzungen der Österreichischen Hochschülerschaft penibel Protokoll über diejenigen, die nicht wie sie der Genderreligion anhängen. Die studentischen Genderspione beobachten die Ungläubigen dabei administrativ geordnet, über die Funktionen von Protokollführer, Mandatar und Berichterstatter. Die interne Hierarchie soll den kleinen studentischen Spionen den Eindruck vermitteln, sie hätten irgend eine Form von Status, sie seien wer, seien etwas anderes als ein kleiner Spion, der die Drecksarbeit macht.

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In diesem Hochgefühl führen die Genderspione penibel Buch über die Geschlechtsverteilung in Plenum und bei Wortmeldungen, protokollieren sie jede Reaktion auf Wortmeldungen der Genderreligiösen, die als Lästerung am Gendergott angesehen werden kann: Grimassen und verdrehte Augen, die zeigen, dass der Grimassen Schneidende oder die Augen Verdrehende die Genderreligion für Blödsinn hält, werden ebenso protokolliert, wie die mangelnde Aufmerksamkeit für die Genderreligion. Denn schreibt ein Student während einer Sitzung der Österreichischen Hochschülerschaft demonstrativ eine SMS während das Heil der Genderreligion verkündet wird, dann ist das als sonstige Störung zu erfassen und nachträglich zu ahnden. Natürlich werden auch die schlimmsten Frevel an der Genderreligion penibel protokolliert: sexistische Wortmeldungen und die Nutzung einer normalen und keiner gendergerechten Sprache gelten als schlimmste Formen der Häresie am Gendergott.

Leider ist das, was wir hier beschreiben, kein Scherz, schon weil man als normaler Mensch auf den Irrsinn, den sich die Gendergläubigen jeden Tag aufs Neue ausdenken, nicht kommen kann. Leider ist es die Neuauflage einer Geisteshaltung, die Philosophen wie Francis Bacon und Immanuel Kant überkommen wollten und die seit der Emanzipation der Wissenschaften und ihrer Ablösung von Religion im Zeichen der Aufklärung des 16. und 17. Jahrhunderts, die einen unglaublichen Wissensschub nach sich gezogen hat, aus der Wissenschaft ausgemerzt schien. Rot-grüne Studenten, die dem Gendergott huldigen, wollen zurück ins Vor-Mittelalter, zurück in die Zeit der Inquisition und der Gotteslästerung, die noch 1751 im Codex Juris Bavarici Criminalis wie folgt beschrieben wurde:

Gotteslästerung liegt dann vor, wenn „man von Gott selbst, dessen göttlichen Eigenschaften oder seinen Heiligen fürnehmlich der seeligsten Jungfrau Maria Mutter Gottes oder von dem Christlich-Katholischen Glauben, dessen Artikeln und Geheimnissen, der Heil. Schrift dem wahren Gottesdienst, oder auch von anderen Dingen in Absicht auf Gott schimpflich und verächtlich spricht“.

Führen Sie sich das Gender Watch Protokoll aus Österreich vor dem Hintergrund dieses Zitats vor Augen und bekommen Sie das kalte Grausen. 

Schachverbot: Männlich, hegemonial, gewaltverherrlichend – Schach soll an der UNI Hannover verboten werden

Der folgende Antrag, der vom AStA der Leibniz (!Sic) Universität Hannover genehmigt und auf der studentischen Vollversammlung am 16. November behandelt wurde, hat gestern Abend seinen Weg in unsere Mailbox gefunden (Danke an den Leser von ScienceFiles).

Gegenstand des Antrags: „Die studentische Vollversammlung möge beschließen: Das Schachspiel ist auf dem gesamten Gelände der Leibniz Universität Hannover ausnahmslos zu verbieten“. Wir geben den Antrag in Gänze hier wieder:

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Stuvo Hannover.pngÜber diesen Antrag hatte die studentische Vollversammlung der Universität Hannover am 16. November zu befinden. Sie hat aber nicht darüber befunden, und zwar deshalb nicht, weil der Antrag, obwohl er vom AStA der Universität geprüft und zugelassen worden ist, gegen § 2 Abs. 2 Punkt g der Satzung der verfassten Studierendenschaft (SVS) verstößt, in dem eine „Förderung des freiwilligen Studierendensports“ verankert ist. Außerdem sah die Redeleitung der studentischen Vollversammlung einen Verstoß gegen § 2 Abs. 2 Punkt f, in dem die Unterstützung der musischen und kulturellen Interessen der Studenten verankert ist. Weiter heißt es im Protokoll der studentischen Vollversammlung:

„Basis der Entscheidung einen Antrag nicht aufzurufen, welcher im Gesamten als rechtswidrig erkannt wird, ziehen wir aus dem Beschluss des Ältestenrates vom 28.11.2007. Diese Maßnahme wurde durch die anwesenden Mitglieder des Ältestenrats bestätigt. Gegen diese Maßnahme der Sitzungsleitung ist aufgrund § 5 Abs. 9 Satz 1 und 2 (GO-StuRa vom 26.10.2016) kein Widerspruch einzulegen.“

Wäre es nicht so todernst, man müsste sich kugeln vor Lachen. Andererseits muss man dankbar sein, dass die Redeleitung der studentischen Vollversammlung den Beschluss des Ältestenrats vom 28.11.2007 gefunden hat und eine Abstimmung über das Schachverbot verhindert hat. Bei den Knallköpfen, die die studentische Vollversammlung zu bevölkern scheinen, steht zu befürchten, dass die Forderung, das Schachspielen an der Universität Hannover zu verbieten, durch die studentische Vollversammlung unterstützt worden wäre.

Wie wir auf Knallköpfe kommen?
Unter anderem wegen Tagesordnungspunkt 2.4 „Ablehnung der Extremismustheorie“.

Die Ablehnung der Extremismustheorie – warum auch nicht, uns gefällt z.B. die Spin-Theorie nicht, lehnen wir sie also ab – ist im Antrag wie folgt begründet:

„Antrag des Fachrats Politik zur studentischen Vollversammlung Mittwoch 16.November 2016 Ablehnung der Extremismustheorie

Die studentische Vollversammlung möge beschließen: Die Studierendenschaft der Uni Hannover lehnt die Extremismustheorie ab. Außerdem fordert die Vollversammlung alle Studierenden auf, sich innerhalb ihrer Argumentationen nicht den wissenschaftlichen Kategorien der Extremismustheorie zu bedienen. Begründung: erfolgt mündlich.“

Sind Sie auch darauf gespannt, wie dieser No-Brainer begründet wird, wie Studenten, deren Existenz an Universitäten durch Steuerzahler finanziert wird, damit sie etwas lernen, begründen, dass sie das Lernen verweigern, sofern es nicht ihren persönlichen Vorlieben entspricht?

Die Begründung, wie sie aus dem Protokoll der studentischen Vollversammlung hervorgeht, ist die folgende:

Patriarchat_coverFrage: Meint das auch Rechtsextremismus?
Antwort: Ja.
Anmerkung: Ersti-PoWi findet es kritisch eine Theorie abzulehnen und zu empfehlen sie abzulehnen. Deutschland wird in Frage gestellt und das ist für ihn als Anhänger des GG schlecht.
Frage: Wissenschaftliche Diskussionen über Theorie sind sinnvoll. VV soll als demokratisches System nicht über Sinnhaftigkeit dieser Theorie entscheiden.
Anmerkung: Dies ist keine Theorie sondern ein politisches Instrument
Anmerkung: Dieser Antrag dient nicht gegen Instrumentalisierung der Theorie. Anmerkung: Die Wissenschaft ist nicht frei, sondern wird durch hegemoniale Männlichkeit bestimmt
Anmerkung: Es geht dem Antrag darum, dass sich nicht dieser Instrumentalisierung bedient wird.
Anmerkung: Es handelt sich um eine Ideologie
Anmerkung: Es handelt sich um ein Lehrmittel, deswegen solle es am IPW behandelt werden …
Anmerkung: Die Wissenschaften werden durch Ablehnung einer Theorie nicht freier. Frage: Ist Hufeisen gleich Extremismustheorie?
Antwort: Dient als Modell zur Bestätigung der Extremismustheorie.
Änderungsantrag HSG DS: „Vermeintliche“ Theorien. → übernommen Änderungsantrag MaPhy/NaWi: „Ablehnung Evolutionstheorie und Mittelwertsatz“

Abstimmung über Änderungsantrag: 89 Nein, 31 Ja, 6 Enthaltungen → abgelehnt.

Abstimmung über Gesamtantrag mit aufgenommener Änderung:  43 Nein, 8 Enthaltungen, 75 Ja-Stimmen → Antrag angenommen

leibniz-universitat_hannoverWenn wir einen Tag König der Universität Hannover wären, die 75, die diesem Antrag zugestimmt haben, würden von der Uni fliegen, und zwar im hohen Bogen und am besten an einen Ort, wo sie etwas Sinnvolles tun können, auf eine Baustelle zum Beispiel, wo sie dem Polier zur Hand gehen können oder in eine Putzkolonne, wo man sie hoffentlich entsprechend anlernen kann. An einer Universität, noch dazu an einer Universität, die den Namen Leibniz‘ trägt, haben derartige Knallköpfe wirklich nichts verloren.

Wenn das, was z.B. in dieser Vollversammlungen zu beobachten ist, der politische Nachwuchs ist, dann können wir allen Deutschen, die mit normaler Denkfähigkeit begabt oder intelligent sind nur raten auszuwandern, denn die Vorstellung, Steuern erst dafür zu vergeuden, solchen Pseudo-Studenten einen entsprechenden Lenz an Universitäten zu finanzieren und sie dann durch den Rest ihres Lebens Transfer zu füttern, ist eine Vorstellung, die wir unerträglich finden.

In jedem Fall macht diese Posse zu Antrag 2.4 deutlich, dass es genug Knallköpfe in der studentischen Vollversammlung gibt, die nichts dabei finden, eine Theorie abzulehnen, die es als solche gar nicht gibt, denn es gibt eine Vielzahl von Extremismustheorien, nicht die Extremismustheorie, die also Dinge ablehnen zu können glauben, die sie nicht kennen, weshalb man eigentlich von Faschisten reden müsste, und weil es diese Knallköpfe gibt, deshalb haben wir keinen Zweifel, dass der Antrag, das Schachspiels möge verboten werden, angenommen worden wäre.

Nun gibt es zu diesem Antrag etwas zu sagen, was den im AStA Versammelten Selbstwichtigkeiten und den in der Vollversammlung versammelten Knallköpfen entgangen zu sein scheint: Der Antrag ist ein Scherz. Zu dieser Überzeugung sind wir durch die einfache Lektüre dieses Antrages gelangt, der schon in der dritten Zeile das * beinhaltet. Das * gilt vielen Ideologen als Platzhalter für eine ganze Menge von sexuellen Orientierungen oder Abweichungen von dem, was nach wie vor die heterosexuelle Norm(alität) ist, und entsprechend würdigen sie das * keines weiteren Blickes.

Nun ist das * ein hochgestelltes Sternchen, wie man es in der Wissenschaft oftmals zur Indizierung benutzt, um auf eine Fußnote hinzuweisen, was auch die vollversammelten Studenten wissen könnten, wären sie an Wissenschaft interessiert. In der Tat ist das * als Fußnotenzeichen gemeint, denn es gibt eine Fußnote, die da lautet: „* alle Personengruppen, die so sind, sich so fühlen wollen oder so gesehen werden wollen/können oder so“.

GarfinkelHier hat sich jemand einen sehr treffenden, sehr guten und sehr wirkungsvollen Scherz erlaubt. Harold Garfinkel wäre stolz auf die Urheber dieses Scherzes, die sich schon im dritten Satz so weit aus dem Fenster gelehnt haben, dass ein normaler Mensch eigentlich den Braten riechen muss: „Alle Studierenden* sind dazu aufgefordert, dafür zu sorgen, dass Zuwiderhandelnde* weinend das Gelände verlassen“.

Wie es der ideologische Wahnsinn nun einmal so will, haben es weder die AStAner noch die vollversammelten Knallköpfe bemerkt, die über diesen Antrag zu befinden hatten. Wer Lust hat, sich einen Eindruck über die versammelte und eingebildete Wichtigkeit der anwesenden studentischen Vollversammelten zu verschaffen, dem empfehlen wir die Lektüre des Protokolls der Vollversammlung. Wenn man nicht wüsste, es stammt von einer Universität, man müsste denken, es stammt aus einem Irrenhaus. Tut es aber nicht, es stammt von einer Universität und ist beredtes Zeugnis der geistigen Verheerungen, die linke Ideologien und Genderismus unter Menschen, die bis sie mit beidem in Berührung kamen, weitgehend normal waren und auch normal denken konnten, anrichten.

Bleibt nachzutragen, dass der Antrag von Markus Erhardt (Pflanzenbiotechnologie) und Oliver Till (Master Lehramt Ma/Ch) eingebracht wurde. Klasse! Sehr gut gemacht. Wenn die beiden hier mitlesen: Meldet Euch doch bei uns, schon weil wir diesen Einsatz für die Rationalität, diese Form des rationalen Widerstands mit einer entsprechenden Mug belohnen wollen.


Hinweise für ScienceFiles?
Schreiben Sie uns.

Universität Bremen: Von Feiglingen und Maulhelden

Man kennt es von religiösen Eiferern: Sie wollen nicht mit denen reden, die einen anderen Gott anbeten. Sie wollen die Ungläubigen am liebsten beseitigt sehen. Man kenn es von Extremisten: Sie wollen nicht mit denen reden, die einen anderen politischen Mythos anbeten. Sie wollen die Ungläubigen am liebsten beseitigt sehen. Man kennt es von Gutmenschen: Sie wollen mit denen, die ihre vermeintliche Gutheit kritisieren und in Frage stellen, nicht reden. Sie wollen die Ungläubigen am liebsten beseitigt sehen.

Man kennt es immer häufiger von Studentenvertretern, die sich im Sonderlager für studentische Aktivisten, dem AStA ansammeln: Sie wollen mit denen, die nicht ihren politischen Mythos teilen, die nicht ihren Gott anbeten oder gar daran zweifeln, dass die AStAner die besten Menschen sind, die man sich unter der Sonne vorstellen kann, nicht reden, sie am liebsten beseitigt sehen.

Woher kommt diese Angst vor anderen Meinungen? Wieso haben gerade Studenten-Aktivisten, die sich an Hochschulen herumdrücken und dort eigentlich eine Methode zum Erkenntnisgewinn erlernen sollen, keine Ideologie zur Erkenntnisverhinderung, warum haben sie so Angst davor, sich mit Menschen, die anderer Meinung sind, auseinanderzusetzen?

Wir haben in letzter Zeit mehrfach von den verschiedensten Hochschulen berichtet, an denen AStaner oder wie sich die Studenten-Aktivisten jeweils nennen, dazu aufgerufen haben, zu verhindern, dass sich Wissenschaftler zu einem Thema äußern, zu dem sie geforscht haben, zu dem sie kompetent sind, zu dem sie etwas zu sagen haben.

Das neueste Beispiel stammt von der Universität Bremen und lässt uns abermals fragen: Wovor haben die AStaner Angst?

asta-bremenWovor haben die Studenten-Aktivisten des Bremer AStA Angst, wenn Jörg Baberowski, Professor für die Geschichte Osteuropas an der Berliner Humboldt-Universität nach Bremen kommt, um dort sein neues Buch „Räume der Gewalt“ vorzustellen? Was ist so schrecklich an der Vorstellung, dem, was Baberowski zu sagen hat, zuzuhören und ihn dann, für das, was man zu kritisieren können glaubt, zu kritisieren und mit ihm zu argumentieren, oder gar zu streiten?

Offensichtlich trauen sich die AStAner an der Bremer Universität nicht zu, was Generationen von Studenten vor ihnen zu ihrer Aufgabe gemacht haben, mit ihren Professoren zu diskutieren und die Professoren zu kritisieren. Davor haben die AStAner offensichtlich Angst.

Das ist verwunderlich, haben sie doch massive Vorwürfe gegen Jörg Baberowski erhoben:

Er sei ein stumpfer Rechtspopulist.

Eine Behauptung, die die AStAner damit belegen wollen, dass Baberowski die folgende Frage gestellt hat: „Warum soll eigentlich ein Einwanderer gratis erhalten, wofür diejenigen, die schon hier sind, jahrzehntelang hart gearbeitet haben?“

Das ist eine legitime Frage und wenn man, wie die AStAner für sich eine moralische Überlegenheit, eine nicht-rechtspopulistische Überlegenheit behauptet, dann muss man in der Lage sein, diese Frage zu beantworten. Nichts sollte leichter sein als Baberowski zuzuhören und seine Frage zu beantworten: Warum sollten Einwanderer gratis erhalten, was die arbeitende Bevölkerung erarbeitet hat? Wer den Mund mit Beschuldigungen wie „Rechtspopulismus“ voll nimmt, sollte in der Lage sein, diese Frage zu beantworten, wenn er nicht in den Ruch kommen will, es ginge ihm darum, Frage und vor allem Fragende zu diskreditieren – eine Strategie, die man immer häufiger findet und die wohl aus schlechten Managementbüchern stammt. Wer sie, wie die AStAner aus Bremen anwendet, denkt wohl, sein Gegenüber würde dann, wenn seine Frage als „rechtspopulistisch“ bezeichnet wurde, vergessen, dass die Frage nicht beantwortet wurde. Dr. habil. Heike Diefenbach spricht in diesem Zusammenhang immer von apotropäischer Magie, wenn z.B. AStAner oft genug intonieren, dass eine Frage rechtspopulistisch sei, dann erwarten sie wohl, dass die Frage dadurch verschwindet.

Aus dem Satz Baberowskis „Überall, wo Bürger nicht eingebunden sind, kommt es natürlich zu Aggressionen“, konstruieren die AStAner in Bremen, dass Barberowski „Angriffe auf Geflüchtetenunterkünfte legitimiert und verharmlost“.

asta-bremen-aktivWenn man nicht wüsste, dass sich in studentischen Gremein wie dem AStA die Studenten sammeln, die in ihrem Studium eher mäßig erfolgreich sind, man müsste fragen: Was lernen die Studenten in Bremen eigentlich?

Offensichtlichen lernen sie weder den Unterschied zwischen einer Aussage, in der eine mögliche Ursache benannt wird und einer Legitimation noch Logik. Die Benennung einer Ursache weist auf Gründe hin und erfordert entsprechend eine kausale Anbindung: Etwas wurde getan, weil etwas anderes vorausging. Wer feststellt, dass da, wo Bürger nicht eingebunden werden, Aggressionen entstehen, tut nicht mehr und nicht weniger als die Ergebnisse sozialpsychologischer Forschung von mehreren Jahrzehnten wenn nicht mittlerweile Jahrhunderten zusammen zu fassen: Wenn Menschen der Ansicht sind, bestimmte Dinge gingen sie an und gerade in diesen Dingen wird über ihre Köpfe hinweg für sie entschieden, dann muss man sich nicht wundern, dass Widerstand entsteht, der sich, wenn die Verärgerung intensiv genug ist, auch Aggression zum Gegenstand hat.

Dass dem so ist, ist feststehendes Wissen, aber keine Legitimation. Eine Legitimation erfordert zudem, dass die Mittel, die von Menschen genutzt werden, um ihren Ärger auszudrücken, von demjenigen, der feststellt, dass es bestimmte Zusammenhänge zwischen dem Übergehen von Menschen und der Art der Mittel, mit denen sie darauf reagieren, gibt, positiv bewertet werden, in der Art: Ich finde es gut, wenn Linke Autos anzünden, die Politikern der AfD gehören. Ein solcher Satz wäre als Legitimation von Sachbeschädigung und Gewalt gegen Sachen anzusehen, was Baberowski gesagt hat, ist es nicht.

Vielmehr zeigt sich, dass die AStAner in Bremen nicht in der Lage sind, zwischen einer Beschreibung und einer Bewertung zu trennen. In ihrem Kopf ist beides offensichtlich dasselbe. Sie sind daher nicht in der Lage, die analytische Trennung durchzuführen, die Grundlage aller Wissenschaft ist, so dass man sich fragt, was sie eigentlich an einer Universität zu suchen haben oder, um einen Satz von Barberowksi abzuwandeln: Warum soll eigentlich ein AStAner von Steuerzahlern ausgehalten werden, wenn nicht einmal rudimentärste Voraussetzungen dafür, dass die entsprechenden Steuermittel nicht vergeuden werden, erfüllt sind?

Haben die AStAner in Bremen darauf eine Antwort?
Wir nicht.

Das Beste, was die AStAner Barberowski vorwerfen ist, dass er ein „Hobbe’sches Menschenbild“, also ein Hobbessches Menschenbild habe, nach dem Motto: „Der Mensch ist des Menschen Wolf.“

Leviathan.hobbesWir wollen jetzt nicht in die Philosophie von Hobbes einsteigen. Wer hier weiterführende Fragen hat, kann uns gerne eine eMail schreiben. Es sei nur soviel gesagt: Im Menschenbild von Thomas Hobbes gelten Menschen als vernunftbegabte Wesen. Weil sie Vernunft haben, sind sie in der Lage sind, das Elend des Naturzustandes, in dem jeder Mensch des Menschen Wolf sein muss, weil jeder ein Recht auf alles hat, zu überwinden und sich mit einem Gesellschaftsvertrag eine gewisse Sicherheit zu geben. Insofern ein Hobbessches Menschenbild also Vernunft in Menschen voraussetzt, kann man Hobbes an dieser Stelle und vor allem vor dem Hintergrund von Studenten-Aktivisten wie es sie in Bremen gibt, für seine optimistische Annahme der Vernunftbegabung kritisieren. Dazu muss man Hobbes jedoch gelesen haben, was die AStAner nachweislich nicht getan haben.

Und damit kommen wir zur Antwort auf die Frage, warum die AStAner lieber zum Boykott aufrufen, als dass sie sich mit denen, die sie boykottieren wollen, auseinandersetzen. Diese Antwort ist nun offenkundig: Sie sind feige, weil sie Maulhelden sind.

Studenten-Aktivisten wie die AStAner in Bremen sind zwar gut, wenn es darum geht, Vorwürfe zu erheben, die eigenen Phantasien anderen unterzuschieben und Autoren, die man nur vom Hörensagen kennt, für sich zu missbrauchen, aber mehr nicht. Sie sind Maulhelden, die es nicht riskieren können, sich auf eine offene Diskussion einzulassen, denn eine solche Diskussion würde sehr schnell zeigen, dass sie nichts zu bieten haben, außer der Empörung, die zu haben, sie sich eingeredet haben, und ihrem Glauben an die eigene Ideologie.

Studenten bezahlen den AStA mit ihren Studiengebühren. Es wird Zeit, dass Studenten ihre Studiengebühren mit der Bedingung bezahlen, dass sie nicht zur Finanzierung von AStA und sonstigen Sonderlagern für am Studium gescheiterte Existenzen benutzt werden.

Insofern geht es hier nicht in erster Linie um Redefreiheit, wie Klaus-Rüdiger Mai im Cicero schreibt. Es geht darum, denen, deren Intellekt nur dazu ausreicht, Erkenntnis zu verhindern und das für Hochschulen so wichtige offene Diskussionsklima zu vergiften, an Universitäten keinen Unterschlupf mehr zu bieten, sie von Hochschulen zu entfernen.

Die Grünen: Neue Rechte und alte Bigotte

Nationalismus ganz alter Art, kommt ausgerechnet den Reihen der Grünen. Wer nicht deutschen Ursprungs ist oder kein so genannter Bildungsinländer ist, der soll in Zukunft seinen Studienplatz an der deutschen Hochschule oder Universität, die er sich ausgesucht hat, bezahlen. 1.500 Euro will die Grüne Theresia Bauer, die als Ministerdarsteller in Baden-Württemberg Wissenschaft und Kunst unter einen Hut zu bringen versucht.

political hypocracy1.500 Euro sollen die nicht-deutschen, nicht-EU und nicht-Bildungsinländer Studenten bezahlen, wenn sie an den Universitäten im Ländle studieren wollen. Insofern Flüchtlinge nicht als Bildungsinländer zählen, muss man wohl annehmen, dass auch Flüchtlinge, für die so hektisch an vielen Universitäten auch in Baden-Württemberg Studiengänge angepasst und Willkommensgrüße verfasst wurden, von der neuen Studiengebühr, der Bauer-Gebühr, betroffen sind.

Ganz neue Töne, die man von den Grünen hört, die ansonsten nicht müde werden, staatliche Förderung für Flüchtlinge zu fordern und da, wo sie an der Regierung beteiligt sind, zu gewähren (Vielleicht ist es auch nur eine neue Form des Ringtausches, der dazu führt, dass die neuen Studiengebühren für Flüchtlinge aus dem Etat des Finanzministeriums finanziert werden.).

Selbstverständlich sollen die Studiengebühren nicht dazu genutzt werden, die Qualität von Forschung und Lehre zu verbessern oder gar der notorisch schlechten Ausstattung deutscher Hochschulen und Universitäten Abhilfe zu schaffen.

Nein:

Anlass für die Rückbesinnung auf den Nationalismus, auf die Etablierung Neu Rechter Ideen in grünem Gewand ist eine Kürzung: Im Haushalt von Baden-Württemberg 2017 sind 47 Millionen Euro weniger für das Ministerium für Wissenschaft und Kunst vorgesehen. Um dieses Loch zu stopfen, sollen ausländische Studenten, also solche, die nicht aus der EU stammen und nicht in Deutschland geboren wurden, 1.500 Euro Studiengebühren berappen. 650 Euro Studiengebühr sind für die Studenten vorgesehen, die ein Zweitstudium absolvieren wollen. Beides soll ausreichen, um das 47 Millionen Loch zu stopfen und keine Kürzungen vornehmen zu müssen.

Wenn es um Geld geht, dann scheinen Grüne in- und außerhalb von Ministerien vor nichts zurückzuschrecken, nicht einmal vor der Einführung von Studiengebühren, die sie doch so vehement ablehnen, in ihrer Bundespartei:

„Wir sind gegen eine blockierte Gesellschaft, in der Bildungschancen vom Geldbeutel und Bildungsgrad der Eltern abhängen.
Das dreigliedrige Schulsystem, für dessen Erhalte die konservativen Kräfte mit aller Macht kämpfen, führt vor allem zu frühem Frust und verdirbt die Lust am Lernen. Die frühe Aufteilung von Schulkindern zwischen Gymnasium, Realschule und Hauptschule verfestigt Bildungsunterschiede, die von zu Hause in die Schule mitgebracht werden.
Hat ein Schüler oder eine Schülerin es doch bis zur Hochschulreife geschafft, werden ihnen vor Eintritt in die Universität weitere Steine in den Weg gelegt: Studiengebühren GrüneStudiengebühren führen dazu, dass Kindern aus einkommensschwachen Familien die Entscheidung für ein Studium noch schwerer fällt. Ein Hochschulstudium wird so zu einem Privileg der „Kinder aus gutem Hause“. Studiengebühren verhindern soziale Durchlässigkeit.“

Geht es um ausländische Studenten, dann sind die hehren Ziele der Grünen plötzlich vergessen und das Studium an einer deutschen Hochschule oder Universität wird wieder vom Geldbeutel der Eltern abhängig gemacht, in der Terminologie der Grünen jedenfalls. Nationalismus wird gemeinhin dadurch definiert, dass eine Unterscheidung in eine In- und eine Outgroup entlang nationaler Grenzen erfolgt und dass diese Unterscheidung damit einhergeht, dass die Outgroup von Leistungen, die der Ingroup gewährt werden, ausgeschlossen wird. Die Grünen sind also Nationalisten, Neue Rechte, um genau zu sein, denn die Neue Rechte, wie sie Alain de Benoist, deren geistiger Vater, beschrieben hat, ist eine Bewegung, die konservativen Werten und nationaler Schließung verpflichtet ist, sich gegen Globalisierung und den Neo-Liberalismus wendet, und freie Märkte am liebsten abschaffen würde. Exakt das Programm der Grünen.

Nun kann man argumentieren, dass ausländische Studenten, also nicht-EU und nicht Bildungsinländer, die in Deutschland studieren, dafür auch bezahlen sollen, da nicht einzusehen ist, warum deutsche Steuerzahler die Ausbildung von US-Amerikanern oder von Norwegern oder von Schweizern oder von Ägyptern finanzieren sollen, die nach dem Studium Deutschland wieder verlassen und ihr erworbenes Humankapital zuhause einsetzen.

Diese Argumentation ist aber gefährlich.

Sie ist eine Büchse der Pandora, denn in gleicher Weise kann man sich fragen, warum ein deutscher Arbeiter, ein LKW-Fahrer, ein Verkäufer, ein Fließbandarbeiter, warum ein Maurer mit seinen Steuern die Ausbildung der Kinder aus der Mittel- und Oberschicht bezahlen soll, da – wie die Grünen ja richtig in ihrer Ablehnung der Studiengebühren feststellen – seine Kinder wenig Wahrscheinlichkeit haben, an einer Hochschule oder Universität zu landen.

Wozu also soll ein Klempner Gender Studies finanzieren? Diese Frage kann man schlicht nicht positiv beantworten, denn der Klempner hat von Gender Studierten keinerlei Nutzen, aber er hat einen Schaden, weil die Finanzierung der entsprechenden Studiengänge auch aus den Steuergeldern erfolgt, die ihm abgezogen werden.

Die Grünen haben sich in einen Widerspruch verheddert: Sie sind gegen Studiengebühren, weil Studiengebühren angeblich sozial Schwache, wie das heißt, an der Aufnahme eines Studiums hindern, und sie sind angeblich gegen Nationalismus, der weiße deutsche Männer und Frauen bevorzugt und alle anderen benachteiligt.

Gleichzeitig sind die Grünen für Studiengebühren für nicht-deutsche, nicht-EU-Ausländer, nicht-Bildungsinländer, was sie aber nicht sein können, weil sie doch anti-nationalistisch und gegen Studiengebühren sind.

Den Widerspruch kann man nur wie folgt auflösen:
Die Behauptung, die Grünen wären gegen Studiengebühren, um soziale Chancengleichheit herzustellen, ist eine Lüge. Tatsächlich geht es den Grünen darum, den Nachwuchs der eigenen Klientel, der sich in der Regel an Hochschulen und Universitäten einfinden, auf Kosten der Arbeiterschicht und all derer ausbilden zu lassen, deren Kinder keine Hochschule oder Universität besuchen oder die gar keine Kinder haben.

Die Behauptung, die Grünen wären eine anti-nationalistische, pluralistische Partei der Vielfalt ist eine Lüge. Tatsächlich geht es den Grünen darum, Finanz-Nationalismus zu betreiben und Ausländer (also nicht EU-Ausländer und nicht Bildungsinländer) zur Kasse zu bitten, damit sie der eigenen Klientel keine der Wohltaten kürzen müssen, die aus dem Baden-Württembergischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst verteilt werden.

Grüne/Bündnis90 sind bigotte Neue Rechte, deren überragendes Ziel man mit einem Wort benennen kann: Selbstbereicherung – koste es die anderen, was es wolle.


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Katastrophe: Männeranteil bei Studienanfängern in Erziehungswissenschaften nur 26%

Pressemeldungen beim Statistischen Bundesamt haben eine gewisse Schieflage, sie sind, wie Dr. habil. Heike Diefenbach festgestellt hat, frauenzentriert. Entsprechend meldet das Statistische Bundesamt heute, dass der Frauenanteil bei Anfängern in Ingenieurwissenschaften, Fertigung und Bauwesen bei nur 21 % liegt. Das, so beklagt man in Wiesbaden beim Statistischen Amt, sei eine Unterrepräsentation. Gar nicht beklagenswert findet man dagegen die Tatsache, dass männliche Studienanfänger im Bereich Erziehungswissenschaften mit 26%, unter denen, die ein Studium im Bereich „Gesundheit und Soziales“ beginnen mit 28% und unter denen, die Geisteswissenschaften oder Kunst studieren mit 32% unterrepräsentiert sind, obwohl auch dies eine Unterrepräsentation ist.

Die Hierarchie, die als versteckte Prämisse hinter der Pressemeldung des Statistischen Bundesamts steht, sieht Studien von Erziehung, Gesundheit und Soziales oder Geisteswissenschaften als eher verzichtbar an, während der Olymp tertiärer Bildung in mathematisch, naturwissenschaftlichen oder eben ingenieurswissenschaftlichen Studienfächern zu erklimmen ist. Die klare Hierarchie hat zur Folge, dass männliche und weibliche Studienanfänger als zweitrangig und verzichtbar angesehen werden, wenn sie die entsprechenden Fächer der Erziehungswissenschaften, Gesundheit und Soziales oder Geisteswissenschaften zu ihrem Studienfach machen.

Wir sind angetreten, den statistischen Bundesämtlern ihre Prämisse um die Ohren zu hauen und stellen ausdrücklich die Bedeutung fest, die eine Erhöhung des Anteils männlicher Studenten z.B. in den Bereichen „Erziehungswissenschaften“ und „Geisteswissenschaften“ hat.

Wissenschaftliche Forschung zeigt, dass mit einem höheren Frauenanteil in einem Bereich eine Entprofessionalisierung einhergeht, die sich in einem sinkendem Lohnniveau als Folge einer sinkenden Produktivität niederschlägt. Um diesen Niedergang zu stoppen, ist es wichtig, männliche Bewerber für die entsprechenden Jobs zu gewinnen. Zudem führen hohe Frauenteile z.B. im Bereich der Pädagogik dazu, dass Jungen schulische Nachteile haben. Wie Diefenbach und Klein schon vor einigen Jahren gezeigt haben, schneiden Jungen im schulischen Bildungssystem umso schlechter ab, je höher der Anteil weiblicher Grundschullehrer ist, ein Befund, der für viel Furore gesorgt hat und bis heute Bestand hat, denn nach wie vor schneiden Jungen schlechter ab als Mädchen und der Anteil weiblicher Lehrer hat zwischenzeitlich die Marke von 70% überschritten – was das statistische Bundesmat bislang nicht beklagt hat.

Auch für die Geisteswissenschaften hat der steigende Frauenanteil erhebliche Folgen. So stellen wir in den letzten Jahren eine Zunahme nicht-empirischer Beiträge fest, in denen ein oder mehrere Autoren beschreiben, wie ihnen die Welt vorkommt. Die deutschen Autoren, die in wissenschaftlichen Zeitschriften empirische Beiträge veröffentlichen, wenden immer häufiger qualitative Methoden an, die den Vorteil haben, dass sie auch ein mathematischer Ungebildeter benutzen kann. Entsprechend werden die Forschungsergebnisse in den Sozialwissenschaften immer willkürlicher und beliebiger, die Erkenntnis immer dünner, so fern sie überhaupt noch vorhanden ist.

Es ist wichtig, nicht nur den Statistischen Bundesämtlern diese Folgen der manischen Frauenfixierung deutlich machen, bevor die Ingenieurswissenschaften von einem ähnlichen Schicksal ereilt werden, wie die Erziehungs- oder Sozialwissenschaften.

Hinter der Fixierung des Statistischen Bundesamts steckt der Gleichstellungswahn, der Deutschland fest im Griff hat, wobei der Gleichstellungswahn eindeutig weiblich gerichtet ist, denn: Nur die Unterrepräsentanz von weiblichen Studienanfängern wird beklagt (und nur in ausgewählten Fächern, die als wertig angesehen werden), nicht die Unterrepräsentanz von Männern, obwohl auch in z.B. den Geisteswissenschaften das Ideal des Bundesamts von gleicher Verteilung zwischen den Geschlechtern nicht erreicht wird. Daraus muss man den Schluss ziehen, dass neben der oben dargestellten Prämisse noch eine andere Prämisse am Werk ist, die das Heil der Welt darin verkündet, Studienfächer gleich welcher Ausrichtung, zu 100% mit weiblichen Studenten zu besetzen, was Männer zu verzichtbarem Menschenmaterial oder zu Untermenschen degradiert.


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Von wegen Abenteuer Wissenschaft: Nicht mit Generation Mamakind

Neues entdecken, Wissen sammeln, sich bilden, Ideen entwickeln, Verbesserungen erfinden, etwas wagen, sich etwas vornehmen und es erreichen, an Aufgaben wachsen, ein Problem lösen – das alles beschreibt das Abenteuer Wissenschaft, die Arbeit in einem Paradigma, das Rätsel bereitstellt, wie Thomas Kuhn es beschrieben hat. Wie kann man auf dem Mars überleben? Warum kommen in modernen Gesellschaften regelmäßig diejenigen in Positionen, die die wenigsten Fähigkeiten dazu mitbringen? Wie viele Dimensionen kann man in einer String-Theorie aufwickeln? Wie stellt man Kontakt zu Aliens her (sofern es sie gibt)? Wie optimiert man Demokratien, so dass sie nicht an der um sich greifenden Unwilligkeit, andere zu akzeptieren und in ihrem Anderssein zu tolerieren, zu Grunde gehen.

Fragen über Fragen, die das Abenteuer Wissenschaft beschreiben.

Fragen, die die heutige Generation von Studenten offensichtlich nicht mehr interessieren, denn heutige Studenten wollen vor allem eines: „Jobsicherheit“ und „Aufstiegschancen“, und eine „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Wollte man sich eine Dystopie in Langeweile und Staatsdienlichkeit ausdenken, man könnte es nicht besser formulieren, als die Generation Mamakind, deren ganzes Bestreben darin endet, unter die Fittiche des Staates zu kriechen und im öffentlichen Dienst unterzukommen.

Ey attraktive Branchen

32% von 3.500 Studenten aus 27 Universitätsstandorten, die im Auftrag des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY telefonisch befragt wurden, „welche Branche … für ihre beruflichen Pläne besonders attraktiv“ sind, nannten den öffentlichen Dienst. Heinz Erhardt wird sich im Grabe umdrehen und die Zeit, in der die Beamtenwitze verboten werden, sie naht: Wann hätte es das je gegeben, Beamter als am häufigsten genanntes Berufsziel, als Gipfel dessen, was so ein Student sich erträumt. Mit 23% stehen Kultureinrichtungen (auch mehrheitlich im öffentlichen Dienst) an zweiter Stelle der attraktivsten Branchen, nach denen sich Studenten sehnen. Immerhin 22% sehen ihre Zukunft in der Autoindustrie und 18% in der Wissenschaft.

Ey Prioritaeten.jpg

Wie die Dinge so liegen, ist der Wunsch, in der Wissenschaft zu bleiben, wird er in der Generation Mamakind geäußert, eher befremdlich als dass er zur Freude Anlass wäre, suchen die angehenden Wissenschaftler doch in großer Mehrheit Jobsicherheit und – sofern sie weiblich sind: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sofern sie männlich sind, Aufstiegschancen.

Staatliche Erziehung und die Indoktrination mit dem, was Politikern wichtig ist, sie haben ganze Arbeit geleistet. Die derzeitige Studentengeneration hat mehrheitlich keine Träume mehr und wenn sie noch Träume hätte, so würde sie nicht wagen, deren Verwirklichung anzugehen. Deutschland ist wohl als eines der ersten Ländern darin erfolgreich, eine Beamtenmentalität als grundlegenden Charakterzug der eigenen Bevölkerung anzuerziehen. Studenten wollen schon nicht mehr Neues entdecken oder ihre Ideen umsetzen, sie wollen Jobsicherheit, Beförderung, und nein, kein hohes Gehalt, sondern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Irgendwie hat man das Gefühl, diese Generation muss nicht mehr sterben, sie ist schon tot.

To dare is to dream, steht an einem großen Gebäude im Norden der Landeshauptstadt des Vereinigten Königreiches, London. Wer etwas wagt, lebt seinen Traum, so könnte man das übersetzen. Beides, Wagen und Träumen sind Fremdwörter für die deutschen Studenten, die sich nach dem Dahinvegetieren im Staatsdienst sehnen. Entsprechend bleibt das Träumen denen vorbehalten, die zu träumen wagen.

Ach ja, „to dare is to dream“ steht an der Bande im Stadion der Tottenham Hotspurs an White Hart Lane.

P.S.

Wer es wagt, nachzudenken, der kann sich überlegen und uns erklären, wie ein Staat funktionieren soll, der Ressourcen aufwendet, um immer mehr seiner Bürger in Transferzahlungen bzw. in unproduktive Jobs im öffentlichen Dienst zu kanalisieren. Was uns besonders interessiert ist die Frage, wo der Mehrwert herkommt, der ja notwendig ist, um die stetig wachsende Zahl von Mäulern, die vom Staat abhängig sind, zu füttern. Wem eine Antwort vorschwebt wie: Innovationen auf den Markt bringen, die sich positiv auf die Produktivität auswirken und einen Mehrwert schaffen, der muss dreierlei erklären: (1) Wie kann die Kluft geschlossen werden, die sich zwischen der immer höheren Nachfrage nach Transferzahlungen und der immer geringer werdenden Zahl von Menschen, denen eine Innovation zuzutrauen ist, auftut? (2) Wie kann der systematischen Entmutigung von Eigeninitiative und Wagnis, die sich in Befragungserebnissen wie dem hier dargestellten, ausdrückt, entgegen gewirkt werden, um die Zahl von Innovationen zu erreichen, die notwendig ist, um die immer größer werdende Zahl der öffentlich Bediensteten und in anderen unproduktiven Jobs Beschäftigten zu finanzieren? (3) Warum sollte jemand, der zu einer Innovation fähig ist, damit das größer werdende Heer der Unproduktiven mitfinanzieren?

Ey Studentenstudie 2016: In welche Branchen zieht es Studenten in Deutschland?
Ey Studentenstudie 2016: Studenten in Deutschland: Werte, Ziele, Perspektiven

http://www.ey.com/Publication/vwLUAssets/EY-studentenstudie-2016-werte-ziele-perspektiven/%24FILE/EY-studentenstudie-2016-werte-ziele-perspektiven.pdf


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Keine Lehre: Geldbuße für Professor

Es war ein Fest des Individualismus, als Dr. habil. Heike Diefenbach die Personalabteilung der Ludwig-Maximilian-Universität in München in einen Schockzustand versetzt hat. Wie? Nun, Sie hat sich geweigert, sich verbeamten zu lassen. Entweder man ist Wissenschaftler und seiner Lehre und seinem Gewissen verpflichtet oder man ist Beamter und der Diener eines Staates, der fortan über seine Handlanger weisungsbefugt ist.

Die Geschichte aus München, der hilflose Appell. „Aber dann kann ich die Akten gar nicht schließen, wenn Sie sich nicht verbeamten lassen“, sie sind noch heute eine schöne Anekdote.

Fh-MuensterAber die Geschichte ist weit mehr als eine Anekdote, die man zur Unterhaltung erzählen kann. Wie richtig Dr. habil. Diefenbach mit ihrer Entscheidung, sich nicht zum verbeamteten Handlanger eines Staates zu machen, gelegen hat, zeigt eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Münster, von der der Justillion berichtet.

Ein Hochschulprofessor, der sich hat verbeamten lassen, war nicht mehr bereit, seine Vorlesung in Konstruktionstechnik durchzuführen: Der Lärmpegel der Studenten lasse dies nicht zu. An die Stelle einer Vorlesung sind deshalb mehrere kleinere Übungsgruppen – in der Hoffnung, auf diese Weise das, Wissen, das vermittelt werden soll, an die Studenten zu bringen – getreten.

Wäre der Kontext ein anderer, dann würde man unseren Professor als Opfer des Zugrunde-Sparens von Universitäten bei gleichzeitiger Überfüllung mit ungeeigneten Studenten beschreiben, ihm für seinen Mut gratulieren und anfügen, dass das im Lärmpegel der Studenten ausgedrückte Desinteresse deutlich zeige, dass Letztere sowieso keinen Wert auf die Vorlesung legen. Also kann man sie auch bleiben lassen. Im weiteren Verlauf des Nachdenkens wird man dann zu einem Punkt kommen, an dem man den Professor fragt, ob ihm die Autorität fehlt, um eine Meute von Studenten ruhig zu stellen, wird sich aber gleich an die Kader, die neuerdings die Lehrveranstaltungen an Hochschulen bevölkern, erinnern und dem Professor Recht geben. Warum soll er sich einen Kopf über die Studierunwilligkeit seiner Studenten machen und eine offenkundig sinnlose Veranstaltung durchführen?

Warum?
Nun, die Veranstaltung steht im Curriculum des Fachbereichs als Vorlesung und nicht als Übung, also muss sie auch als Vorlesung durchgeführt werden. Man kann ja auch nicht einfach in einem Weinlokal Bier bestellen – oder? Man kann auch sagen „Befehl ist Befehl“, aber das wäre der falsche Kontext.

Zudem ist unser Professor verbeamtet und deshalb weisungsabhängig und weisungsgebunden und sein Rektor hat ihn angewiesen, die Vorlesung, egal, ob unsinnig oder nicht, durchzuführen.

Unser Professor aus Münster, offensichtlich dem Irrtum aufsitzend, es gebe die Wissenschaftsfreiheit und die Entscheidung, ob eine Veranstaltung besser als Vorlesung oder besser als Übung durchgeführt werden solle, sei davon umfasst, hat sich geweigert, der Weisung des Rektors zu folgen.

Der Rektor hat ein Disziplinarverfahren gegen unseren Professor eingeleitet mit dem Ergebnis, dass unser Professor zu einer Geldbuße von 500 Euro verurteilt wurde, weil er der Weisung nicht Folge geleistet hat.

Unser Professor hat Klage vor dem Verwaltungsgericht Münster erhoben.

Und ist abgeblitzt.
Er habe gegen die Pflicht, eine dienstliche Weisung zu beachten (§ 35 Satz 2 BeamtStG) verstoßen und gegen die Wohlverhaltenspflicht in § 34 Satz 3 BeamtStG.

VG Muenster“Soweit der Kläger meine, er sei im Hinblick auf die ihm zustehende Lehrfreiheit zum – einmaligen – Abbruch der Vorlesung berechtigt gewesen und habe der Weisung in der vorliegenden Form nicht Folge leisten müssen, habe er seine rechtliche Stellung als verbeamteter Hochschullehrer verkannt.“ So zitiert der Justillion das Urteil der Münsteraner Verwaltungsrichter: „Im Ergebnis hat das Gericht eine Geldbuße in der ausgesprochenen Höhe von 500 Euro für erforderlich gehalten, um den Kläger zu künftig ordnungsgemäßem Verhalten anzuhalten.“

Wenn es offensichtlich möglich ist, verbeamtete Hochschullehrer selbst bei Trivialitäten zu Wohlverhalten zu zwingen, dann muss man kein Prophet sein, um vorherzusehen, was passiert, wenn wirklich einmal etwas auf dem Spiel steht. Wer also nicht Gefahr laufen will, zu Handlangerdiensten angewiesen zu werden, der muss sich weigern, verbeamtet zu werden, der darf sich nicht von seinem Staat, mit der Aussicht auf sichere Anstellung und eine üppige Pension ködern bzw. kaufen lassen.


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Geschenkte Doktortitel, weiße Männer und viel Ahnungslosigkeit

Ist es nicht seltsam, dass bei all der Empörung über Plagiate, die als eigene wissenschaftliche Arbeiten eingereicht und von wohlmeinenden Doktorvätern durchgewunken wurden, eine Frage nie gestellt wurde? Welche Frage? Na die nach der Qualität der deutschen Wissenschaft, danach, ob denn unter den Arbeiten, die als Eigenleistung durchgehen, nicht welche sind, immer mehr sind, die zwar keine Plagiate darstellen, deren Qualität aber so niedrig ist, dass man feststellen muss: Hier wurde ein Doktortitel verschenkt, die Qualifikation all jener, die einen Doktortitel redlich erworben haben, relativiert und darüber hinaus eine Situation geschaffen, die sich nur unwesentlich von der unterscheidet, die entsteht, wenn ein Plagiator einen Doktortitel erhält.

Wir schreiben das, nachdem uns ein Buch, eine Dissertation auf den Tisch gekommen ist, deren Besprechung demnächst in einem Fachjournal zu lesen sein wird (wir werden davon berichten), die nicht einmal die rudimentärsten Anforderungen an eine Dissertation erfüllt – eigentlich nicht einmal die Anforderungen, die man an eine Bachelorarbeit stellen würde. Die Arbeit ist einfach nur schlecht, von einer ideologischen Besessenheit durchdrungen, und ihre Autorin bar jeglicher methodischer und theoretischer Kenntnisse.

Wie konnte es dazu kommen, dass Teile der deutschen Wissenschaft derart verkommen sind? Wie kann es sein, dass Doktortitel verschleudert werden und damit die Arbeit all derer, die einen Doktortitel redlich erwerben, die den wissenschaftlichen Ansprüchen an eine Dissertation genügen, relativiert wird?

Nun, die Antwort kann man auf zwei Ebenen finden. Die erste Ebene, die der Hochschulen und Universitäten hat nicht durch die Bachelorisierung, sondern durch die Ideologisierung der Hochschulen einen weitgehenden Verlust wissenschaftlicher Standards, Methodenkenntnisse und Techniken gesehen. Verantwortlich dafür, ist der Einzug von Ideologen, die dafür sorgen, dass das Ansehen von Wissenschaft zerstört, Hochschulen als Orte, an denen Wissenschaft betrieben wird, diskreditiert und Methoden und Standards, die einst Wissenschaft ausgemacht haben, erodiert werden.

KuhnDeutlich wird dies am Beispiel der Soziologie, einer Sozialwissenschaft, die in der Terminologie von Thomas Kuhn an der Grenze von einer Vor- zu einer Normalwissenschaft stand. Und dann haben die Ideologen Einzug gehalten, vor allem die Genderista. Für die Soziologie hat dies ein abruptes Ende theoretischer Diskussionen zur Folge gehabt. Der Rational-Choice-Ansatz, bis zum Einzug der Genderista so etwas wie der Hoffnungsträger soziologischer Theoriebildung, er ist weitgehend verschwunden. Die Methode der Hypothesenableitung und –prüfung, die mit vornehmlich quantitativem Instrumentarium verbunden wurde, sie ist der qualitativen Sozialforschung gewichen, die sich weitgehend auf das Fallenlassen von Begriffen reduziert. Man sagt „Instrumentarium der Grounded Theory“ und fühlt sich erhaben, man führt so genannte Expertengespräche und hofft, dass die vermeintlichen Experten die eigene Ahnungslosigkeit reduzieren und man treibt Diskursanalysen, schwätzt und schwätzt und schwätzt, ohne Sinn und Zweck, seitenweise, ohne roten Faden, theoretischen Rahmen und methodische Begründung. Die Schwatzbude der reflektiven intersektionalen Beschauung heteronormativer, vielleicht auf interkulturell-diversifizierter Trivialitäten, sie hat das Erkenntnisinteresse verdrängt und die Soziologie vom Fach auf dem Sprung zum Fach, in dem um ein Verständnis von Wissenschaftlichkeit gekämpft werden muss, reduziert. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass die Ideologisierung der Sozialwissenschaften die deutschen Sozialwissenschaften weit hinter die Aufklärung zurückgeworfen haben und eine geistige Engstirnigkeit und professionelle Ahnungslosigkeit salonfähig gemacht haben, die man unter rationalen Wesen nicht für möglich gehalten hätte.

Ähnlich wie am Beispiel der Soziologie beschrieben, wurden mit den Gender Studies Hochschulen gekapert und mit Unterstützung eines politisch-korrekten Diskurses, der Hochschulen von Ministerien ebenso aufgezwungen wurde, wie die Lehrstühle für Gender Studies, eine Atmosphäre produziert, in der sich Wissenschaftler lieber in den Elfenbeinturm zurückziehen, um dort Wissenschaft zu betreiben, als sich mit den Kadern der Gender Studies und ihrem ideologischen Auftrag auseinanderzusetzen. Letztere nutzen den dadurch geschaffenen Freiraum, um nun ihrerseits Hinz und Kunz mit akademischen Titeln zu versorgen und auf diese Weise eine Erosion von Standards und Methoden, von Wissenschaft als solcher zu betreiben.

Die beschriebene Entwicklung vollzieht sich in einem gesellschaftlichen Klima, in dem toleriert wird, dass es in öffentlich lesbaren Printerzeugnissen, in Tageszeitungen, für die manche sogar Geld ausgeben, möglich ist, Unsinn wie den folgenden abzusondern:

“Die Gender Studies sind tatsächlich ein Betrug an der Wissenschaft, zumindest an jener im altertümlichen Sinne einer unveränderbaren Erkenntnis verstandenen, einer, die an Objektivität der ForscherInnen glaubt, an eine Wahrheit gar. Dieser geht die Selbstreflektion vollkommen ab. Denn diese Wissenschaft betreibt der kleine Gott – ein Mensch, der sich in dieser von Ausschüssen und Hierarchien zerfressenen Welt nicht hinterfragen muss. In der Regel ist das der bürgerliche weiße heterosexuelle Mann“.

Das schreibt eine Sonja Vogel in der Taz, in der sie beschrieben wird als „taz2-Redakteurin und Teilzeitverlegerin, Geschlechter- und Osteuropawissenschaftlerin“.

Geschlechterwissenschaftlerinnen zeichnen sich also dadurch aus, dass sie einem Wissenschaftsverständnis anhängen, das zuletzt vielleicht im 16. Jahrhundert gesichtet wurde, bevor die empirische Wissenschaft Einzug gehalten hat und Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer kritisch-rationalen Wissenschaft weiterentwickelt wurde, die dem Erkenntnisgewinn als Ziel der Wissenschaft verschrieben war. Auf die Suche nach der Wahrheit macht sich bestenfalls noch die Katholische Kirche und die – wie man so hört – nur noch bedingt. Wenn also Frau Vogel einen Glauben an die Objektivität und die Wahrheit sieht, dann muss dieser Glaube an die Objektivität und die Wahrheit bei ihr verankert sein. Vermutlich wäre ihr die Tatsache, dass ihre Vorstellung bestenfalls von Gender Studierten geteilt wird, mit etwas Selbstreflektion aufgefallen, aber das fehlt den weißen, bürgerlichen und zumeist a-sexuellen Nicht-Männern, die sich z.B. in Zeitungen über etwas aufregen, eine Wissenschaft, wie sie schreiben, die außer ihnen selbst und der Gender Studierten Sekte niemand sieht.

Der Niedergang der Sozialwissenschaften in Deutschland, er findet in einem Klima des kompetenzlosen Tagtraums kognitiv a-normaler, weißer, bürgerlicher und a-sexueller Nicht-Männer statt und wird an Universitäten durch Gender Studierte Kader umgesetzt, die zwar nicht wissen, was Wissenschaft ist, aber ganz genau wissen, dass sie von weißen Männer betrieben wird, die Wahrheit gefunden haben und Objektivität besitzen und alle heterosexuell sind. Auf so ein Feindbild muss man erst einmal kommen. Und wenn man auf ein solches Feindbild kommt, dann sagt die Wissenschaft, dann sagen die entsprechenden Forschungsergebnisse der Sozialpsychologie vorher, dass der, dem diese Ideen kommen, mit hoher Wahrscheinlichkeit ein an Geist und Leben gescheiterter Versuch, Persönlichkeit zu sein, ist.

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Rechte sind die neuen Juden: In der FAZ stürmert’s

Doktortitel für Juden. Wenn der Professor das arische Auge zudrückt. An der Universität Greifswald wurde ein Jude promoviert. Wusste der Professor davon? Seine eigene Vita lässt an einem Versehen zweifeln, hatte der Professor doch schon in der Vergangenheit Kontakt mit Juden.

So kann man sich Zeitungstexte vorstellen, die nach der Machtergreifung der Nazis in den Zeitungen des Deutschen Reiches erschienen sind, in denen sich die Journalisten gegenseitig mit Bücklingen und Anbiederungsversuchen an die neuen Machthaber überboten haben. Wer es nicht glaubt, der kann sich jederzeit in dem umfangreichen Werk von Ian Kershaw und vor allem in dessen Auswertungen der entsprechenden Gestapo-Dokumente für Würzburg kundig machen.

Heute sind bei Zeitungen natürlich keine Anbiederer und Bücklinge zu finden, denn heute leben wir in einer Demokratie. Deshalb liest sich Faschismus heute wie folgt:

„Doktortitel für Nazi. Wenn der Professor das rechte Auge zudrückt. An der Universität Greifswald wurde ein Jurist promoviert, der zuvor Sänger einer rechtsradikalen Band war. Wusste der Professor davon? Seine eigene Vita lässt an einem Versehen zweifeln.“

Jochen Zenthöfer ist für diesen Text in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verantwortlich, der sich nur graduell von Texten unterscheiden, die man auch im Stürmer von Julius Streicher hätte finden können. In diesem bemerkenswerten Dokument der in Deutschland immer weiter um sich greifenden Rechtsphobie, die mit einem Verlust rudimentärer kognitiver Funktionen einhergeht, reiht Zenthöfer nicht nur einen logischen Fehlschluss an den nächsten, er denunziert den von ihm namentlich genannten Professor Ralph Weber als zumindest Freund, wenn nicht Förderer von Nazis (früher wäre Weber wohl als Judenfreund beschimpft worden) und legt Universitäten nahe, Doktortitel nur noch nach einer Prüfung der Gesinnung des Doktoranden zu vergeben.

Deutschland 2016 oder Deutschland 1933?

Der Reihe nach.

Zenthöfer echauffiert sich darüber, dass ein 1984 geborener Promovend an der Universität Greifswald einen Doktortitel erhalten hat, der einst bei „Hassgesang“ Texte von sich gegeben hat, die, was den Sinn der darin verbreiteten Inhalte angeht, von dem, was man ansonsten aus Radios zugemutet bekommt, wenig abweichen. Aber Hassgesang zählt als Neonazi-Band, und deshalb ist der Unsinn in Textform von Hassgesang ein anderer Unsinn als z.B. der Unsinn, den „die Siffer“ so von sich geben.

Überhaupt scheint der Rechten-Hype, den Parteien, Politiker und von Steuerzahlern finanzierte Institutionen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung verbreiten, in Deutschland eine geistige Pogrom-Stimmung geschaffen zu haben, die es Journalisten, die gerne ihr Fähnchen in den Wind hängen, angeraten erscheinen lässt, sich auf die Seite der vermeintlich Guten zu schlagen und sich als Kämpfer gegen die bösen Rechten zu profilieren.

Die bösen Rechten, die Jochen Zenthöfer bekämpft, sie finden sich in Person des bereits genannten „Mannes“, von dem Zenthöfer nicht weiß, ob er das Gedankengut, das den Text seiner Lieder ausgemacht hat, noch teilt. Der Mann ist natürlich Maik Bunzel, der schon vor Jahren durch linke Netzwerke getrieben wurde, weil er eine Stelle als Proberichter am Amtsgericht Lichtenfels angetreten hatte.

Promoviert wurde Bunzel im Februar 2016:

Bunzel, Maik
Thema: Der privatärztliche Vergütungsanspruch gemäß der GOÄ im Spannungsfeld des medizinischen Fortschritts
Gutachter: Prof. Dr. jur. Ralph Weber, Prof. Dr. jur. Hans-Werner Eckert
Tag der mündlichen Prüfung: 23. Februar 2016

Ihm gilt jedoch nicht die Aufmerksamkeit von Zenthöfer. Er ist vielmehr damit beschäftigt, den Professor, der Bunzel promoviert hat, öffentlich zu diffamieren, namentlich. Die Verfehlungen des Professor Ralph Weber von der Universität Greifswald, die Zenthöfer auflistet, sind die folgenden:

  1. Weber hat gegen den Ausschluss von zwei NPD-Kandidaten von der Landratswahl 2008 protestiert – auf den Briefbögen der Universität Greifswald.
  2. Weber hat gegen das Verbot der Kleidung der Marke „Thor Steinar“ auf dem Campus der Uni Greifswald protestiert.
  3. Weber hat der ‚Jungen Freiheit‘ ein Interview gegeben.
  4. Weber hat vor Deutschen Burschenschaftlern einen Vortrag gehalten.
  5. Weber kandidiert für die AfD bei den Landtageswahlen in Mecklenburg-Vorpommern.
  6. Und natürlich: Weber hat Maik Bunzel, ehemals bei Hassgesang, promoviert.

Das sind gravierende Verfehlungen, wenn man die sehr enge Weltsicht von Zenthöfer teilt. Es ist mit Ausnahme des unter 1 genannten Vorfalls nicht der Rede wert, wenn man sich demokratischen Verfahrensweisen verpflichtet fühlt. Dass der Professor eine private Stellungnahme auf Papier der Universität Greifswald schreibt, vermutlich, um im titelgläubigen Deutschland seinen Ausführungen mit dem Briefkopf mehr Gewicht zu verleihen. ist ein Missbrauch seines Amtes, aber nichts Ungewöhnliches. Gerade in linken Netzwerken sollte das bekannt sein, da entsprechende Professoren regelmäßig mit ihrer Dienstbezeichnung offene Briefe unterschreiben.

Ansonsten sind die Anklagepunkte nur ein Zeugnis für die intellektuelle Öde, in der Zenthöfer leben muss. In dieser Öde gibt es nicht einmal eine Vorstellung davon, was ein Fehlschluss ad hominem ist. Dieser Fehlschluss liegt vor, wenn man das, was jemand sagt oder schreibt, wegen eines Merkmals, das in dessen Person begründet ist, ablehnt, sich also mit dem Gesagten gar nicht auseinandersetzt. Man kann den heute so beliebten Fehlschluss ad hominem auch als Rassismus der Gutmenschen bezeichnen, denken doch Personen wie Zenthöfer, es reiche aus, Nazi zu schreien, um Argumente vom Tisch zu wischen.

Das tut es aber nicht. Schon gar nicht an Universitäten. An Universitäten zählt die Leistung eines Studenten oder Promovenden, nicht seine Gesinnung. Bei Zeitungen, bei der FAZ mag dies anders sein, dort mag ein Journalist wegen seiner Gesinnung eingestellt oder entlassen werden. An Universitäten zählen nur Kenntnisse, Wissen und Fähigkeiten dessen, der sich z.B. als Doktor der Rechtswissenschaft qualifizieren will.

Insofern müsste man Ralph Weber eigentlich ein Denkmal setzen, denn er hält die Rationalität in einem Sumpf von Unsinn und Idiotie hoch und besteht darauf, dass die Leistung und nicht die Gesinnung an Universitäten bewertet wird. Das wiederum findet Zenthöfer nicht in Ordnung, und er wirbt ganz offen dafür, dass Universitäten ihre Promovenden nach Gesinnung aussuchen und Doktoranden, die zwar fachlich geeignet sind, die aber die falsche Gesinnung mitbringen, ablehnen, so wie das schon im Dritten Reich und in der DDR praktiziert wurde. Auf einen solchen Vorschlag muss man erst einmal kommen. Er ist nicht unbedingt naheliegend, macht aber deutlich, warum der Journalismus in Deutschland derzeit einen Niedergang erlebt: Offensichtlich wird nach Gesinnung ausgewählt und nicht nach Fähigkeit.

Logo Uni GreifswaldDas jämmerlichste Bild in dieser Geschichte aus 1933 oder 2016 liefert jedoch die Universität Greifswald ab, die sich – wohl auf Anfrage von Zenthöfer, „entsetzt zeigt“, dass sie (wer auch immer) „nun im Zuge einer Presseanfrage zur Kenntnis nehmen muss, dass kürzlich an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät ein medizinrechtliches Promotionsverfahren von einer Person abgeschlossen wurde, der laut Medienberichten rechtsextreme Äußerungen zugeschrieben werden …“. So ähnlich müssen sich Universitäten bzw. deren Verantwortliche im Jahre 1933 an die NSDAP angebiedert haben und so ähnlich werden sie im Dritten Reich die Sache der Wissenschaft verraten haben.

Hannah Arendts Banalität des Bösen, sie ist hier in Aktion zu bestaunen und dabei wird klar, dass es nicht Druck oder Zwang durch die Nazis waren, die z.B. deutsche Hochschulen in den Gleichschritt mit SA und SS gebracht haben, sondern deren Lust sich anzubiedern, die wiederum aus einer Rückgratlosigkeit gepaart mit intellektuellen Defiziten gespeist wird, die die Idee von Wissenschaft und den Zweck von Hochschulen hinter das eigene Bemühen, sich an die Machthaber anzubiedern, um dann, wenn der Lynchmob wieder gegen diejenigen loszieht, die gerade als falsch angesehen werden, gegen die heutigen Juden, auf der richtigen Seite zu stehen.

Wer das Buch von Richard J. Evans, „The Third Reich in Power“ und darin Kapitel 3 „Struggle Against the Intellect“ kennt, der hat ein Deja vu und weiß wirklich nicht mehr zu sagen, ob er 1933 oder 2016 lebt.

Die Herrschaft von Faschisten zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass Gesinnung ein Kriterium des gesellschaftlichen Aufstiegs ist. Wenn Zenthöfer fordert, den Zugang zu akademischen Titeln von der Gesinnung abhängig zu machen, offenbart er sich in gleicher Weise als Faschist, wie all diejenigen, die denken, man könne fachliche Qualifikation durch den Ruf „Nazi“ in Abrede stellen.

 

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„Bequemlichkeitsverblödung“ – auch oder gerade unter Akademikern

Er hat Psychologie und Politikwissenschaft studiert. Er lehrt an der Hochschule Magdeburg Stendal irgend etwas zwischen Betriebswirtschaft, Sozialer Arbeit und Elternbildung und wird in der Mitteldeutschen Zeitung als „Psychologe und Politikwissenschaftler“ verkauft. Die Rede ist von Thomas Kliche, der vor einigen Wochen die erste akademische Büttenrede gehalten hat.

Magdeburger StoffwechselproduktDamals war er der Meinung, der Rechtsextremismus und damit die AfD, denn beides ist für den „Dipl. Psych.“ und „Dipl. Pol.“, der nach eigenen Angaben an den Universitäten München, Freiburg, London, Leningrad und Hamburg studiert hat, ein wahrer Wissenschaftstrabant also, dasselbe, also damals war er der Meinung, „der Rechtsextremismus wird auf Jahre zur politischen Landschaft Deutschlands dazugehören“.

Heute, 19 Tage später, ist Kliche anderer Meinung, nun ist die „AfD ein vorübergehendes Stoffwechselprodukt der Geschichte“.

Also, Ihr AfD-Wähler und AfD-Mitglieder, die ihr gerade als lebensnotwendiges Enzym beschrieben worden seit, ihr seid bald Geschichte, abgebaut im großen Magen demokratischer Verdauung.

Aber befassen wir uns etwas genauer mit dem verunglückten Versuch des „Dipl. Psych.“ und „Dipl. Pol.“ aus Leningrad oder Freiburg, vielleicht auf Hamburg oder München, alle, die nicht seiner Meinung sind, zu beleidigen – als Stoffwechselprodukt der Geschichte.

O-Ton Kliche:

„Die Forschung spricht schon von einer Spät- oder Untergangsphase der Demokratie, weil die Leute lieber dreimal im Jahr Urlaub machen oder Dschungelcamp schauen, als sich auch nur mit den einfachsten Grundlagen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu beschäftigen. Kollektive Bequemlichkeitsverblödung fällt aber jeder Gesellschaft irgendwann auf die Füße – es wird immer anstrengender, für vernünftige Lösungen Unterstützung zu erhalten. […]

Nein, es wird niemand abgeschrieben, aber wir können uns keine blöde Politik leisten, das werden die Menschen einsehen. Die AfD ist ein vorübergehendes Stoffwechselprodukt der Geschichte.“

Am Ende, so Thomas Kliche, werden „die Menschen“ so intelligent sein, wie er – und nicht AfD wählen. Und wer nicht AfD wählt, weil er so intelligent ist, wie Thomas Kliche, der ist auch nicht bequemlichkeitsverblödet. Bequemlichkeitsverblödet ist nämlich nur, wer Dschungelcamp schaut und sich nicht mit den „einfachsten Grundlagen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft“ beschäftigt.

Anders als Thomas Kliche. Der beschäftigt sich natürlich mit den einfachsten Grundlagen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, deshalb weiß er, dass es Bequemlichkeitsverblödung ist, wenn Menschen das Interesse an Politik verlieren. Und natürlich weiß er, dass der Verlust von Interesse nichts mit dem Politik-Angebot zu tun hat, sondern auf die Verblödung der Dschungelcamp-Seher zurückzuführen ist. Und weil er das alles weiß, weiß er sicher auch, dass diese Idee nicht von ihm ist, sondern unter dem Stichwort des Unterschichtenfernsehens, das Detlef Nolte ins Spiel gebracht hat, schon einmal diskutiert wurde.

Und weil er ja ein „Dipl. Pol.“ ist, deshalb kennt er mit Sicherheit auch die Literatur zu demokratischer Beteiligung, jene Literatur, in der ziemlich eindeutig argumentiert wird, dass es für Bürger irrational wäre, sich um jeden Firlefanz in der Politik oder der Gesellschaft oder der Wirtschaft zu kümmern. Denn: Bürger haben Besseres zu tun. Sie müssen u.a. die Steuern erwirtschaften, die dann benutzt werden, um „Dipl. Pols.“ wie Thomas Kliche zu finanzieren, damit sie sich hinstellen und die Wahl der AfD als Ergebnis von Verblödung diffamieren.

War es nicht die Aufgabe von Sozialwissenschaftlern, soziale Fakten – wie z.B. die Wahl der AfD – zu verstehen und zu erklären, wie dies Max Weber einst formuliert hat? War es nicht ihre ureigendste Tätigkeit, soziale Fakten zu erforschen, sie auf theoretische Konzepte zurückzubinden und entsprechend zu erklären?

War, ist hier das operative Wort, denn es ist Vergangenheit. Heute gibt es häufige Studienortwechsler, die die wissenschaftliche Arbeit durch akademisierte Beleidigung ersetzt haben. Sie machen gar nicht mehr den Versuch, ein soziales Phänomen zu verstehen oder gar zu erklären. Sie diffamieren es gleich, wissen dabei alles auch ohne empirische Daten ganz genau und haben nur ein Ziel, sich als Moralapostel zu produzieren und den eigenen Namen in der Zeitung zu lesen. Sie sind die akademische Ausgabe dessen, was Kliche wohl meint, wenn er von Bequemlichkeitsverblödung spricht. Und das ganz ohne Dschungelcamp.

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