DIW will Notenungleichheit abschaffen [Unsinn der Woche]

Kein Witz.
Keine Satire.
Kein Fake.

Abstrakt – ungekürzt:

„Prüfungsleistungen in vielen Hochschulfächern werden heutzutage fast ausschließlich mit den Noten „sehr gut“ oder „gut“ bewertet. Die Verbesserung der Prüfungsnoten wird als Noteninflation bezeichnet – ein Begriff, der in der Regel negativ konnotiert ist. Er kann aber auch als eine Entwicklung hin zu weniger ausdifferenzierten Benotungssystemen betrachtet werden. Die Ausgestaltung eines Benotungssystems beeinflusst Lernanreize von AbsolventInnen und legt fest, wie viele Informationen an Dritte, wie zum Beispiel ArbeitgeberInnen oder Hochschulen, weitergegeben werden. In der vorliegenden Modellstudie des DIW Berlin wird der Einfluss von Noten auf Lernanreize untersucht. Ein sehr fein ausgestaltetes Benotungssystem kann zu einem ineffizient hohen Lerneinsatz und in der Folge zu Frust und Krankheit führen, wenn Studierende bei ihrer Entscheidung, wie viel Lernaufwand zu leisten ist, einer weit verbreiteten Wahrnehmungsverzerrung, entsprechend der Theorie der auffälligen Auszahlungen, unterliegen. Obwohl die Weitergabe von Informationen wichtig ist, sollte bei der Ausgestaltung eines Benotungssystems auch das Wohlergehen der AbsolventInnen in Betracht gezogen werden, welches letztlich auch ArbeitgeberInnen zugutekommt. In diesem Sinne ist eine Noteninflation nicht notwendigerweise negativ zu bewerten.“

Dieser Unsinn stammt von Lilo Wagner, die wiederum am DIW ungehindert ihr Modell-Unwesen treibt. Wer dem Abstract nicht glaubt, dem können wir gerne noch die Schlussfolgerungen aus dem Artikel nachliefern:

„Wie die vorgestellte Modellstudie zeigt, kann sich ein wenig ausdifferenziertes Benotungssystem positiv auf das Wohlergehen von Studierenden auswirken. Gerade in Hinblick auf die Umstellungen im Rahmen des Bologna-Prozesses, der häufig mit einem erhöhten Leistungsdruck in Verbindung gebracht wird, hat die Noteninflation daher auch Vorteile. Diese Vorteile bieten sich nicht nur den Studierenden selbst, auch zukünftige ArbeitgeberInnen und Krankenkassen profitieren von deren Gesundheit und Motivation.“

Wir fassen die Rabulistik aus dem, was einst ein wissenschaftliches Institut in Berlin war, noch einmal zusammen:

Derzeit gibt es an deutschen Hochschulen eine Noteninflation.
• Es werden nur noch gute oder sehr gute Noten vergeben.
• Anders formuliert: Jeder Dödel erhält eine gute Note.
• Dadurch verlieren Noten ihren Aussagegehalt und ihren differenzierenden Charakter.
• Das, so Lilo Wagner, ist nicht schlecht, denn:
• Dadurch, dass Noten nicht mehr so differenziert sind und nur noch zwischen gut und sehr gut unterschieden wird, fühlen sich Studenten besser.
• Sie behaupten, gesünder zu sein.
• Sie behaupten, nicht so gestresst zu sein.
• Und das ist gut.
• Nein sehr gut.
• In jedem Fall nicht ausreichend oder gar befriedigend.

Es gibt keine Grenze des politisch-korrekten Wahnsinns mehr. Nun haben die Gutmenschen die Notenungleichheit entdeckt und in der Tat ist derjenige, der sein Studium nur mit einer vier bestanden hat, bei der Suche nach einem Arbeitsplatz, zumindest pro forma demjenigen gegenüber benachteiligt, der sein Studium mit einer eins abgeschlossen hat. Um diese Ungleichheit zu beseitigen, vergeben Hochschullehrer schon kaum mehr andere Noten als gut oder sehr gut, vermutlich auch, um nicht in den Ruch zu kommen, Studenten zu diskriminieren, mit Noten zu diskriminieren oder am Ende zu stigmatisieren, als dumm oder nicht in der Lage, ein Studium mit Erfolg zu absolvieren. Entsprechend herrscht die große Gleichmacherei: alle sind gut oder sehr gut. Und das findet Lilo Wagner gut bis sehr gut, weil die Studenten dadurch, dass sie gute Noten weitgehend unabhängig von Leistung erhalten, gesünder sind, sich besser fühlen, nicht so oft zum Psychiater laufen, nicht dahin schmelzen, wie es der Generation Schneeflocke eigentlich ansteht.

Also lassen wir die Differenzierung durch Noten doch weitgehend sein, so die Empfehlung aus dem DIW. Streichen wir die Notenungleichheit. Schaffen wir Ergebnisgleichheit: Jeder, vom dümmsten Hans bis zum Genie hat die gleiche Note. Dass durch die fehlende Differenzierung die Motivation von Hochleistern flöten geht, dass sie nun keinerlei Anlass mehr sehen, besser zu sein als der gute bis sehr gute Durchschnitt, dass ist der Kollateralschaden dieses gesellschaftlichen Wahnsinns, bei dem Mittelmäßige der Mittelmäßigkeit das Wort reden und das Feiern der Mittelmäßigkeit damit begründen, dass sich die Mittelmäßigen dann, wenn sie sich, obwohl sie weiterhin mittelmäßig sind, besser oder gar gut bis sehr gut wähnen, einfach besser fühlen, gesünder sind. Dass sich die Guten und sehr Guten dadurch, dass sie ins Mittelmaß gestülpt, mit dem Mittelmaß gleichgesetzt werden, entsprechend schlecht fühlen und vielleicht krank werden, dass kommt denen, die das Mittelmaß, zu dem sie selbst gehören, aufwerten wollen, nicht in den Sinn. Sie, die noch nie eine Idee, geschweige denn eine innovative Idee hatten, sie wissen einfach nicht, dass man diejenigen, die die entsprechenden Ideen haben, anreizen muss, sie mit den Mittelmäßigen zu teilen. Deshalb schaffen sie die Anreize ab und freuen sich schon auf das Race to the bottom, das immer da beginnt, wo eine Gesellschaft nicht mehr anerkennt, dass es Gesellschaftsmitglieder gibt, die (in bestimmten Bereichen) einfach besser, intelligenter, leistungsfähiger sind als andere.

Aber was soll‘s: Wir rauschen zwar in den Niedergang, aber wir fühlen uns wohl dabei, haben alle ein Studium mit gut oder sehr gut absolviert. Nach welchen Kriterien sucht man eigentlich beim DIW die Mitarbeiter aus?

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Universitätsranking: Wie viel Meinungsfreiheit ist an Deiner Universität erlaubt?

Nein, das Projekt, von dem wir nun berichten, es stammt nicht aus Deutschland.

Perish the thought.

In Deutschland gibt es kein Geld für Projekte, deren Ziel darin besteht, zu analysieren, wie groß das Ausmaß von Meinungsfreiheit ist, das an deutschen Universitäten noch erlaubt ist. Derartige Themen sind irrelevant. Meinungsfreiheit ist nur die Grundlage von Erkenntnisfortschritt und Innovation. Sprachliche Wurmfortsätze, damit sich niemand benachteiligt fühlt, Jammergruppen, in denen sich diejenigen, die so gerne Opfer von Rassismus wären, für die sich aber niemand interessiert, austauschen können, Auftragsforschung, die bestätigt, was ideologisch gewünscht ist und Netzwerktreffen, bei denen man sich gegenseitig auf die Schulter klopft und die Absichtsbekundungen des letzten Netzwerktreffens, oder war es das Netzwerktreffen davor?, wiederholt, sind wichtiger.

Für ein Ranking, das auf einer Untersuchung basiert, in der das Ausmaß an Meinungsfreiheit, das an deutschen Universitäten noch vorhanden ist, analysiert wird, ist kein Geld da. Studenten werden schon von sich aus entdecken, welche Beschränkung ihre Denkanstalt sich auferlegt hat oder in welcher Weise militante Studentenaktivisten versuchen, freie Rede und Meinungsfreiheit auf dem Campus zu unterbinden.

Sicher, das Projekt wäre ein sehr reizvolles, eines, das wir sofort in Angriff nehmen würden. Aber: In Deutschland ist die Feindschaft gegenüber ideologisch nicht passenden Ergebnissen oder gar Rankings zu groß, als dass sich Geldgeber für ein solches Projekt finden würden. Eher wahrscheinlich ist es, dass sich die Bertelsmann-Stiftung der Idee bemächtigt und daran arbeitet, allen deutschen Universitäten einen Persilschein auszustellen.

Im Vereinigten Königreich ist das anders.

Hier gibt es nicht nur eine lange Tradition von Rankings, die Hochschulen nach ihrer Leistungsfähigkeit, den Berufschancen ihrer Absolventen oder Schulen nach der Qualifikation ihrer Lehrer in Reihenfolge bringen, hier gibt es auch genügend private Initiative und Geldgeber, die Projekte wie das Projekt „Free Speech University Rankings“, das Spiked gerade abgeschlossen hat, ermöglichen. 115 britische Universitäten hat Spiked analysiert und anschließend in drei Kategorien eingeteilt:

Rot für diejenigen Universitäten, an denen Universitätsadministrationen oder Studentenvereinigungen die freie Rede und das freie Äußern der eigenen Meinung durch entsprechende Politiken, Vorschriften, Regelungen, entsprechende Code of Conducts oder Sprachregelungen unterdrücken, die Wissenschaftler oder Redner, die kontroverse (also politisch nicht korrekte) Positionen vertreten, vom Campus verbannt haben oder Studenten wegen Aussagen, die diese gemacht haben, exmatrikuliert haben.

Orange ist für die Universitäten vorgesehen, die versuchen, freie Meinungsäußerung durch Leitlinien für angepasste Sprache oder gewünschten Verhalten zu unterbinden, bislang aber noch nicht mehr getan haben, als die entsprechenden Leitlinien zu veröffentlichen.

Grün ist für die Universitäten, die sich in keiner Weise in die Meinungsbildung und Meinungsäußerung auf dem Campus einmischen.

Die Informationen, die für das Ranking notwendig sind, haben sich die Forscher von Spiked über Anfragen auf Grundlage des Freedom of Information Acts oder aus öffentlich zugänglichen Quellen beschafft.

Im Ergebnis zeigt sich ein bedrückendes Bild für britische Universitäten.
Wer daran interessiert ist, im Vereinigten Königreich zu studieren und wem dabei die Meinungsfreiheit am Herzen liegt, dem können wir auf der Grundlage des Rankings von Spiked nur sieben Universitäten empfehlen:

  • University of Buckingham
  • University of Glasgow, Caledonian
  • University of Hertfordshire (Hatfield)
  • University of Loughborough
  • University “Robert Gordon” (Aberdeen)
  • University “Trinity St. David” (Lampeter and Swansea)
  • University of the West of Scotland (Paisley)

Das restliche Ranking finden sich bei Spiked.

Insgesamt sind die Ergebnisse erschreckend und man fragt sich, wie konnte es linken und Genderaktivisten gelingen, die Meinungs- und Redefreiheit an Universitäten einzuschränken und Universitäten zu ihren ideologischen Spielwiesen zu degradieren. Während wir uns die Antwort auf diese Frage überlegen müssen, die die Feigheit institutioneller Wissenschaftler sicher als erklärende Variable enthalten muss, wissen wir, dass das Bild, das sich für Deutschland ergeben würde, sicher nicht erfreulicher ausfallen würde.

Aber das will ja niemand wissen.

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Bildungspolitischer Sprengstoff aus dem IAB: Bachelorstudium lohnt sich nur für bestimmte Berufe

Die Bildungsrendite, die mit einem Studium verbunden ist, ist eine Frage, deren Antwort unter Wissenschaftlern umstritten ist und folglich unterschiedlich beantwortet wird. Immerhin bedeutet ein Studium einen verzögerten Berufseinstieg, auf einem Bildungsniveau, zu dessen Erreichung hohe gesellschaftliche Kosten entstanden sind (auch wenn Linke das gerne glauben wollen, man kann nicht umsonst studieren). Ob und wenn ja in welcher Höhe eine Rendite mit einer Ausbildung an einer Hochschule einhergeht, ist entsprechend eine Frage der Operationalisierung. Betrachtet man nur das individuelle Einkommen, dann führen höhere Investitionen in die eigene Ausbildung in der Regel zu einem höheren Einkommen, haben entsprechend eine positive Bildungsrendite zur Folge. Betrachtet man zusätzlich das Risiko, arbeitslos zu werden, die Kosten für Arbeitslosigkeit, die Kosten für die jeweiligen Ausbildungen und berechnet eine gesamtgesellschaftliche Bildungsrendite, dann sieht das Ergebnis oft anders aus, dann muss häufig festgestellt werden, dass der Aufwand und die Kosten für eine höhere Bildung nicht mit dem entsprechenden gesellschaftlichen und individuellen Nutzen verbunden sind.

Das IAB, d.h. Bernhard Christoph, Ute Leber und Heiko Stüber haben im aktuellen IAB-Kurzbericht die Ergebnisse einer Analyse veröffentlicht, die auf den Daten der Beschäftigtenhistorik (BeH) beruht. Die Beschäftigtenhistorik erfasst alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Analyse der drei Autoren aus dem IAB kommt somit einer Vollerhebung sehr nahe.

Im Ergebnis zeigt die Analyse nach Ansicht der drei Autoren, dass sich ein Bachelorstudium erst langfristig rechnet, denn das „Einstiegsgehalt von 25jährigen Bachelorabsolventen ist vergleichbar mit dem von gleichaltrigen Personen mit einem beruflichen Fortbildungsabschluss, etwa einem Meister oder Techniker, Master- bzw. Diplomabsolventen hingegen erzielen etwas höhere Einkommen“.

Das ist die wohlwollende Interpretation der Ergebnisse, schließlich ist die Einführung von Bachelorabschlüssen eine politische Entscheidung im Rahmen des Bologna-Prozesses gewesen, und der Dienstherr des IAB ist ein Minister in Bonn, den man besser nicht mit den Fakten direkt verärgert. Die Fakten finden sich entsprechend versteckt im hinteren Teil des Beitrags, weitgehend unkommentiert in Tabelle 2.

Wie die Tabelle sehr deutlich zeigt, lohnt sich ein Bachelorstudium für soziale, sozialwissenschaftliche oder kulturelle Dienstleistungsberufe überhaupt nicht, auch (betriebs)wirtschaftswissenschaftliche Ausbildungen lohnen sich weder kurz- noch langfristig, werfen also keinerlei positive Bildungsrendite ab, weder für die Studenten noch für die Gesellschaft. Das Gehalt ersterer entspricht dem oder bleibt hinter dem Gehalt eines Facharbeiters, Meister oder Angestellten ohne Studium mit vergleichbarem Arbeitsplatz, den gesellschaftlichen Kosten des Studiums dürfte kein entsprechender Nutzen gegenüberstehen.

Das ist, in einer Gesellschaft, in der ein Hochschulstudium ohnehin weitgehend zu einem symbolischen Wert, einem Statusobjekt geworden ist, bildungspolitischer Sprengstoff.

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Links-grüner Heuchelei-Reflex: “Studium darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen”

Die neueste Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks ist veröffentlicht worden. Der Deutschlandfunk hat darüber berichtet und „Politiker von SPD, Linken und Grünen“ haben Reformen des Bafög und dass Studieren nicht abhängig vom Geldbeutel der Eltern sein darf, gefordert.

Wenn Linke von Reformen reden, dann meinen sie damit immer und ausschließlich, dass sie bei Steuerzahlern Geld holen wollen, um es zu verteilen. Dass Geld durch Arbeit erwirtschaftet werden muss, ist den Berufspolitikern, die zumeist keinerlei Erfahrung in einem richtigen Job haben, fremd.

Forderungen, wie die, ein Studium müsse von Steuerzahlern finanziert werden und dürfe nicht vom Geldbeutel der Eltern, sondern konsequenterweise von Geldbeutel aller abhängig sein, sind linkes Virtue Signalling an diejenigen, die immer “Hurra” schreien, wenn ihnen jemand einen „free lunch“ verspricht.

Wenn es um Studieren und Zugang zu Hochschulen geht, dann zeigen entsprechende Forderung allerdings, dass die fordernden Linken keinerlei Ahnung vom Bildungssystem haben, und es ihnen ausschließlich darum geht, sich eines Themas zu bemächtigen, um ihre Parolen loszuwerden – Linkspopulismus eben.

Wenn die linken Möchte-Gern Robin Hoods, die eher die Rolle des Sheriffs of Nottingham spielen, danach rufen, Studieren nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig zu machen, dann wollen sie damit natürlich den Anschein erwecken, dass es ihnen um die Kinder aus Arbeiterfamilien aus dem, was sie so gerne das bildungsferne Milieu nennen, geht. Das ist eine bewusste Täuschung der Öffentlichkeit, denn natürlich geht es ihnen nicht um „bildungsferne Schichten“, schon weil sie bildungsferne Schichten erhalten wollen, um sich selbst überlegen fühlen zu können.

Nein, es geht ihnen um die eigene, die Mittelschicht, um die Eltern mit Hochschulabschluss, die ihren Nachwuchs gerne noch mehr auf Kosten der Allgemeinheit und somit auch auf Kosten der relativ Armen, um die sich die Linken angeblich so sorgen, studieren lassen würden. Die Daten der Sozialerhebung, die die Linken in ihrem Forderungsreflex natürlich nicht gelesen haben, macht dies sehr deutlich.

51% der Einkünfte, die Studenten 2016 zur Verfügung standen, 918 Euro waren das im Durchschnitt pro Student, kommen aus den Geldbeuteln der Eltern, 26% aus eigener Arbeit. 12% der Finanzen werden über Bafög beigesteuert. Bereits in diesen Zahlen kommt zum Ausdruck, dass Kinder aus Elternhäusern, in denen das Einkommen unter dem Bundesdurchschnitt liegt, an Hochschulen selten vorkommen. Tatsächlich machen Kinder aus Elternhäusern, in denen kein Elternteil mindestens eine mittlere Reife erreicht hat, gerade einmal 10% der Studenten aus. Ihr Anteil ist seit 1991 kontinuierlich von damals 29% auf heute 10% gesunken.

Auch unter denen, die einen Hochschulzugang in Form einer Hoch- oder Fachhochschulreife erworben haben, sind Kinder aus Arbeiterfamilien im Vergleich zum Anteil dieser Familien in Deutschland deutlich unterrepräsentiert. Ein Ergebnis der Schule als Mittelschichtsinstitution, in der von Mittelschichtslehrern ein Habitus gefördert und ein Sprachkode gesprochen werden, die in Arbeiterfamilien nicht vorkommen.

Es ist schlicht verlogen, sich nun hinzustellen und Reformen des Bafög zu fordern, um den Zugang zum Studium vom Geldbeutel der Eltern unabhängig zu machen, denn gelänge den Linken, was sie fordern, z.B. in Form eines generellen Bafög für alle Studenten, das die Höhe der Lebenshaltungskosten deckt, dann käme dieser Segen Kindern aus der Mittelschicht zu gute und würde von Eltern von Kindern aus der Arbeiterschicht, deren Kinder weiterhin in allgemeinbildenden Schulen überproportional ohne den Zugang zu Hochschulen bleiben, finanziert.

Linke Umverteilung im Jahre 2017 sieht demnach so aus, dass Arbeiterfamilien Geld genommen wird, um es Mittelschichtsfamilien zukommen zu lassen.

Dies wird besonders deutlich, wenn man die Studenten betrachtet, die einst BAFÖG erhielten und nun KEIN Bafög mehr erhalten:

  • 40% von Ihnen erhalten kein Bafög mehr, weil sie die Förderhöchstdauer überschritten haben;
  • 25% erhalten kein Bafög mehr, weil das Einkommen ihrer Eltern zu hoch ist;
  • 13% erhalten kein Bafög mehr, weil ihr eigenes Einkommen/Vermögen zu hoch ist;
  • 13% erhalten kein Bafög mehr, weil sie einen Leistungsnachweis nicht erbracht haben;

Diese Gründe wird man bei Studenten aus einem Arbeiterhaushalt kaum finden, bei Studenten aus der Mittelschicht dagegen schon. Die Linken, die nach Reformen des Bafög schreien, zeigen sich hier als die Interessenvertreter der Mittelschicht, die sie nun einmal sind, sie wollen ihre eigene Schicht auf Kosten der Arbeiterschicht, die sie so hingebungsvoll von Bildung fernzuhalten versuchen, besser stellen.

Aber das ist natürlich nicht die offizielle Begründung dafür, dass das Bafög reformiert werden soll. Die Begründung sind die gestiegenen Mieten in den Uni-Städten.


Vergleicht man die  Aufwendungen von Studenten in den Jahren 2009 und 2016 für Miete einschließlich Nebenkosten, dann sind diese von durchschnittlich 276 Euro auf 323 Euro gestiegen, um 17%. Gleichzeitig sind die Aufwendungen für Auto oder öffentliche Verkehrsmittel um 28,9% gestiegen (von durchschnittlich 73 Euro auf 94 Euro) und die Aufwendungen für die Krankenversicherung um 40,3% (von durchschnittlich 52 Euro auf 80 Euro). Die beiden zuletzt genannten Kostensteigerungen sind das typische Ergebnis linker Politik, und sie zeigen einmal mehr die Heuchelei und Verlogenheit der linken Reflexpolitiker, die sich als Retter der Arbeiter und Armen inszenieren wollen.

Schließlich haben wir noch ein kleines Experiment durchgeführt. Wir haben die durchschnittlichen Ausgaben für Miete und Nebenkosten, die Studenten 2016 pro Bundesland entstanden sind aus dem neuen Sozialbericht entnommen (Seite 50). Dann haben wir eine Dummy Variable gebaut, die zeigt, ob eine andere Partei als eine linke Partei an der Regierung eines Bundeslands beteiligt ist oder nicht. Korreliert man diese Dummy-Variable mit den Ausgaben für Miete und Nebenkosten pro Bundesland, dann zeigt sich, dass immer dann, wenn die Landesregierung aus linken Parteien besteht, die Aufwendungen von Studenten für Miete und Nebenkosten steigen, durchschnittlich um 25%.

Linke Politiker versuchen also nicht nur, Arbeiterfamilien Geld über Steuern zu entziehen und in die Taschen von Mittelschichtsfamilien zu leiten, indem sie die Kosten des Studiums der Mittelschichtskinder (in größerem Ausmaß als bisher) durch die Allgemeinheit finanzieren lassen wollen. Sie inszenieren sich nicht nur als Retter derer, die sie gerade zur Ader lassen. Sie schädigen alle Studenten wenn sie in der Regierung eines Landes sitzen dadurch, dass sie durch ihre Politik Randbedingungen so gestalten, die die Mietausgaben von Studenten im Durschnitt um 25% höher ausfallen als die entsprechenden Ausgaben von Studenten in Ländern, in denen die Linken nicht oder nicht ohne die CDU regieren.


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Ganz unten: Fachhochschule Frankfurt wird für politische Propaganda missbraucht

Gestern sind sie für die Wissenschaft marschiert. Heute hat sie der universitäre Alltag wieder – Der universitäre Alltag, der sich an der Fachhochschule Frankfurt nicht als Wissenschaft, sondern als Propaganda darstellt.

ffmas propaganda flyer 1„Besorgt.konservativ.rechts“, so lautet der Titel einer großspurig als „interdisziplinäre Tagung“ bezeichneten Veranstaltung, deren Ziel darin besteht, sich – interdisziplinär – mit „neueren rechten Hegemoniebestrebungen“ auseinander zu setzen. Hier kann man den Flyer zur Veranstaltung bereits aus der Hand legen, denn mit Wissenschaft hat das Ganze nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um offene Propaganda, deren Ziel darin besteht, den Status auszunutzen, den Universitäten und Fachhochschulen als Orte, an denen dem Gerücht nach Bildung vermittelt und Wissen gesammelt wird, nach wie vor haben. Allerdings arbeiten Fachhochschulen wie die in Frankfurt, die sich hochtrabend als „University of Applied Science“ bezeichnen, massiv daran, den Rest an Glaubwürdigkeit und Status, auf den Sozialwissenschaften noch vertrauen können, zu beseitigen, und zwar restlos.

Dazu tragen eine Vielzahl von Eigentümlichkeiten, Fehlern und Lügen bei, die die „interdisziplinäre Tagung“ auszeichnen.

Beginnen wir bei der Zielsetzung:

“Die Tagung hat das Ziel über ‚Neue Rechte‘ zu informieren und den Menschen Gehör zu verschaffen, die von den Aktivitäten der ‚Neuen Rechten‘ betroffen sind, um daraus Handlungsperspektiven für Politik, Zivilgesellschaft und die Soziale Arbeit zu entwickeln sowie Möglichkeiten einer breiten gesellschaftlichen Widersetzung aufzuzeigen“.

Wer einen solchen Text fabriziert, der hat nicht einmal an Fachhochschulen etwas verloren. Auch Fachhochschulen sind kein Ort, an dem die moralische Erregtheit darüber, dass es Menschen gibt, die andere Einstellungen haben als man selbst, ausgelebt werden kann – auf Kosten der Steuerzahler. Selbst an Fachhochschulen geht es darum, Wissen zu vermitteln und nicht darum, sich als Büttel politischer Interessen zu verdingen, politischer Interessen wie sie die Hans Böckler Stiftung, der Anhang des DGB oder die Rosa-Luxemburg Stiftung als Steuergelderappropriationsvehikel der LINKEN zweifellos haben. Beide finanzieren die Veranstaltung an der Fachhochschule Frankfurt, die sich mit der Neuen Rechten beschäftigt.

Schließlich sind nicht einmal Fachhochschule, obwohl sie praktisch ausgerichtet sind, Orte der politischen Agitation, an denen die Ideologie derer verabreicht wird, die einem gerade finanzieren oder deren Wasserträger man ist. Selbst Fachhochschulen vermitteln Methoden, die zur Gewinnung von Erkenntnis gebraucht werden. Politische Agitation und Propaganda wie sie am 6. und 7. Mai auf dieser „interdisziplinären Tagung“ veranstaltet werden, gehören nicht dazu.

Der Gegenstand der Veranstaltung hat übrigens mit der Neuen Rechten nichts zu tun. „Neue Rechte“ ist ein geschützter politikwissenschaftlicher Begriff, der die politischen Gruppierungen umschreibt, die in den 1980er und 1990er Jahren unter der Anleitung von Alain de Benoist als Nouvelle Droite entstanden sind. In Deutschland waren dies die Republikaner. Das wissen natürlich all diejenigen nicht, die sich heute moralisch dadurch auszeichnen wollen, dass sie in das irre Geheul gegen die Rechten einstimmen. Sie denken, die Neue Rechte dringe durch „neoliberale Forderung in Politik und Gesellschaft und die Felder Sozialer Arbeit“ ein. Ein völliger Unsinn. Wer jemals gelesen hat, was die Programmatik Neuer Rechter Parteien umfasst, der findet dort einen nationalen Sozialismus, der sich in krassem Gegensatz zum Neoliberalismus befindet.

Die Nouvelle Droite von de Benoist ist eine Bewegung, die konservativen Werten verpflichtet ist, sich gegen Globalisierung und den Neo-Liberalismus wendet, der immer als Feindbild herhalten muss, wenn Rechte oder Linke eines brauchen, und  freie Märkte am liebsten abschaffen würde. Die Neue Rechte hat soviel mit Rechtsextremismus zu tun wie die Amadeu-Antonio-Stiftung mit Demokratie – nämlich nichts.

Politikwissenschaftliche Konzepte wie „Neue Rechte“ wurden eingeführt, um ein ideologisches Feld, mit dem sich Politikwissenschaftler beschäftigen, zu ordnen, sie wurden nicht eingeführt, damit ideologische Legastheniker sich ihrer bemächtigen, sie durcheinander werfen und für ihre ideologischen Zwecke missbrauchen, die in der Denunziation von allem und jedem, was nicht ist wie sie selbst, also im Ausleben ihrer ideologischen Xenophobie und Egomanie bestehen.

Aber das weiß man an der Fachhochschule Frankfurt nicht, was der Tatsache geschuldet sein kann, dass man am Fachbereich 4 „Soziale Arbeit und Gesundheit“ der Ansicht ist, man müsse „Optionen des konstruktiven Entgegenarbeitens“ gegen die „Aktivitäten der Neuen Rechten“ erkunden. Die Schuster der Sozialen Arbeit sollten bei ihren Leisten bleiben. Vielleicht verstehen sie etwas von Sozialer Arbeit, von Politikwissenschaft verstehen sie offensichtlich überhaupt nichts. Und wenn man am Fachbereich 4 der „University of Applied Science“ in Frankfurt gerne gegen die, die man rechts wähnt, agitieren will, dann bitte konsequent: Stelle kündigen und bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung bewerben und dort das Steuergeld, das andere durch Arbeit verdienen, verprassen.

Möglicherweise will der Organisator ob dieser Fehler und Peinlichkeiten ungenannt bleiben. Ein Novum seit es die Verantwortlichkeit im Sinne des Presserechts gibt. Vielleicht haben auch Aussagen wie die folgende, die sich in der Pressemitteilung findet, damit zu tun, dass der Veranstalter lieber in Anonymität verharrt:

“Keynote-Speaker sind Andreas Kemper, Experte für Klassendiskriminierung an der Universität Münster, und Prof. Dr. Elisabeth Tuider, Fachgebiet Soziologie der Diversität an der Universität Kassel.“

Das einzige, was über den „Experten für Klassendiskriminierung an der Universität Münster“, Andreas Kemper, aka Schwarze Feder, bekannt ist, ist seine eMail-Adresse. Ansonsten scheint die Universität hier ihren Experten nicht mit einem Dienstraum oder gar einer Dienstanschrift zu bedenken. Nicht einmal Kemper weiß etwas von seinem Expertenstatus an der Universität Münster. Auf seiner Homepage schreibt er:

“Zur Zeit bin ich an der Uni Münster noch eingeschrieben, da ich am Institut für Soziologie meine Dissertation verfasse. Das Thema ist Klassismus. Begriff und Gegenstand. Neben meiner Promotion versuche ich Working Class/ Poverty Class Academics zu organisieren. Hierzu habe ich mittlerweile eine Reihe von Tagungen organisiert, das Magazin/ Blog The Diswasher gegründet. 2011 organisierte ich die 15. WCPCA-Conference, die erstmals in Deutschland stattfand, wodurch sich hier ein deutschsprachiger Ableger der WCPCA gründete.“

Die Aussage „zur Zeit“ ist wohl ancient history und bezieht sich auf die Jahre vor 2011. Ob von der Einschreibung mehr als die eMail-Adresse geblieben ist, ist uns nicht bekannt. Bekannt sind dagegen Kemper und Elisabeth Tuider. Man hat sich zusammengefunden, um die „AfD und ihr Verhältnis zu Geschlecht“ kontrovers in Sexualpädagogik zu diskutieren. Und so fügt sich dann ein Keynote-Speaker zum nächsten. Elisabeth Tuider aus Kassel hat damit Aufmerksamkeit erregt, dass sie Kinder bereits in Grundschulalter mit diversen sexuellen Techniken vertraut machen will. Es ist offensichtlich in Deutschland nicht nur möglich, die eigene sexuelle Obsession oder Deprivation zum Gegenstand der Lehre an Hochschulen zu machen, es ist auch möglich, angebliche Experten zu finden, die die AfD für eine Neue Rechte Partei halten.

Warum auch nicht?
ffmas propaganda flyer 2Wissenschaftliche Konzepte wurden eben eingeführt, damit jeder damit anstellen kann, was er gerade beliebt. Schließlich leben wir in einem subjektiven Zeitalter und wenn Kemper für Nicola Veith von der Pressestelle der Fachhochschule Frankfurt ein „Experte für Klassendiskriminierung an der Universität Münster“ ist, dann ist er das eben. Dass man in Münster nichts davon weiß, ist deren subjektiver Sicht der Dinge geschuldet. Und warum soll man nicht Tuider in Frankfurt auf der interdisziplinären Tagung, die von der Rosa-Luxemburg Stiftung der Linken, die vollständig von Steuergeldern lebt, und der Böckler-Stiftung des DGB finanziert wird, darüber sprechen lassen, wie sie ganz furchtbar zum Opfer derjenigen geworden ist, die eine „Re-Normierung von Familie und Verwandtschaft, Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativität“ wollen und ihre „Sexualität der Vielfalt“ ablehnen. Es waren natürlich auch im Fall von Tuider Neue Rechte, die es nicht mit ansehen wollten, dass ihre Kinder im Unterricht Sexualpraktiken erlernen und zu Versuchskarnickel für die Reich-Schülerin Tuider werden. Reich, für alle, die ihn nicht kennen, ist der Erfinder oder Finder oder Entdecker des Orgon, jener Lebenskraft des Orgasmus, die er mit speziell entwickelten Apparaturen einfangen wollte.

Mit Wissenschaft hat das alles nichts zu tun (Das kann man nicht oft genug feststellen).

Vielleicht ist es ja auch kein Zufall, dass in Frankfurt oder Berlin ein Marsch für die Wissenschaft veranstaltet wurde. Marschiert sind Linke wie Rechte immer gerne, hinter Fahnen und mit geschlossenen Reihen und dabei haben sie alles niedergetrampelt, was sich ihnen in den Weg gestellt hat. Die institutionalisierte Wissenschaft zum Beispiel, die am 6. und 7. Mai in Frankfurt einmal mehr in ihrer missbrauchten und traurigsten Gestalt zu bemitleiden ist.


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