Ohne Dummheit keine Religion?

Religiosität und Intelligenz passen nicht zueinander. Dieses Ergebnis haben viele Einzelstudien im Verlauf von 84 Jahren Forschungsgeschichte erbracht, und dieses Ergebnis hat eine Meta-Analyse erbracht, die 63 Einzelstudien berücksichtigt und von Miron Zuckerman, Jordan Silberman und Judith A. Hall durchgeführt wurde.

iq-test-megaIntelligenz beschreibt die Fähigkeit, nachzudenken, zu argumentieren, zu planen, Probleme zu lösen, abstrakt zu denken, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und aus Erfahrung zu lernen (Zuckerman, Silberman & Hall, 2013: 325). Religiosität bezeichnet das Ausmaß, mit dem sich ein Individuum auf bestimmte Formen von Glauben einlässt: den Glauben an übernatürliche Kräfte und Akteure (Götter), den Glauben an Autoritäten usw.

Bereits die Gegenüberstellung dieser beiden Definitionen macht deutlich, dass es zwischen Intelligenz und Religiosität Passungsprobleme geben muss, denn: Wer argumentieren und z.B. aus Erfahrung lernen will, der benötigt real erfahrbare Tatsachen, auf die er seine Argumente oder sein Erfahrungslernen basieren kann. Religion zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sie keine erfahrbaren Tatsachen bereitstellt, sondern den Glauben an eine übernatürliche Macht, z.B. einen Gott oder die Herrschaft des Patriarchats oder den Klassenkampf.

Aber: empirische Wissenschaft besteht aus der Überprüfung von Zusammenhängen und entsprechend haben sich Zuckerman, Silberman und Hall ans Werk gemacht, die 63 Studien, die sich im Zeitraum von 1928 bis 2012 mit dem Zusammenhang von Religiosität und Intelligenz beschäftigt haben, zu re-analysieren und auf ihrer Grundlage ein Maß zu berechnen, das den Zusammenhang von Intelligenz und Religiosität beschreibt.

Das Ergebnis:

  • IQ religiosityMit zunehmender Religiosität sinkt die Intelligenz.
  • Unterscheidet man religiöse von nicht-religiösen Menschen, dann zeigen Erstere im Durchschnitt einen um zwischen 4.1 und 7.8 Punkten geringeren IQ als Letztere.

Demnach kann es als gesicherter Befund gelten, dass Religion letztlich an Dummheit appelliert oder, anders herum formuliert, dass Religion für Intelligente nichts zu bieten hat.

Während dieses Ergebnis als gesichert gelten kann, ist die Antwort auf die Frage, warum Religionen weniger intelligente Menschen anziehen, nicht gesichert. Vielmehr gibt es eine Reihe von konkurrierenden Erklärungen, die allesamt eine gewisse Validität für sich reklamieren können:

So haben Bertsch und Pesta (2009: 232) die höhere Intelligenz von nicht-religiösen Menschen damit erklärt, dass Intelligente in der Lage sind, kritisch zu denken und es entsprechend nicht nötig haben, ein Überzeugungssystem (eine Religion oder eine Ideologie) zu übernehmen, das einfach Antworten bereitstellt, die nicht prüfbar sind.

Diese Erklärung rekurriert auf die oben dargestellte Definition von Intelligenz und kann auf den einfachen Nenner gebracht werden: Intelligente Menschen wissen es einfach besser und werden deshalb nicht religiös.

Dieser einfache Nenner wiederum basiert auf der Prämisse, dass Intelligenz der Religiosität voraussgeht. In der Tat berichten Zuckerman, Silberman und Hall (2013) von vier Untersuchungen, die gezeigt haben, dass Intelligenz bzw. ein entsprechender Mangel der Entscheidung für oder gegen Religiosität vorausgeht.

Eine weitere Erklärung sieht Religiosität als Notnagel an dem Defizite der kognitiven Entwicklung befestigt werden. So zeichnen sich intelligente Menschen regelmäßig durch ein höheres Maß an Selbstkontrolle aus als nicht-intelligente Menschen, was Letztere dadurch zu kompensieren versuchen, dass sie die fehlende Kontrolle durch die geregelte Welt des religiösen Glaubens ersetzen.

Analoges findet sich mit Blick auf den Selbstwert: Intelligente Menschen sind in der Lage, Selbstwert aus ihren Handlungen abzuleiten, nicht-intelligente Menschen versuchen sich Selbstwert durch Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft oder zu einer ideologischen Sekte zu leihen.

Schließlich hat Argyle bereits 1958 darauf hingewiesen, dass intelligente Menschen dazu tendieren, gegen geregelte Welten und Vorgaben zu rebellieren. Da Religion dem Religiösen ein rigides Ordnungssystem anbietet, hat Religion dem Intelligenten nichts zu bieten, wie Argyle argumentiert.

Letztlich ist die Frage, warum mit der Intelligenz eines Menschen die Wahrscheinlichkeit schwindet, dass er ein religiöser Mensch ist, bislang nicht beantwortet, wenngleich, wie gesagt, jede der angeführten Erklärungen eine gewisse Anzahl von Belegen für sich ins Feld führen kann.

snoopy on theologyDer von Zuckerman, Silberman und Hall gründlich belegte Zusammenhang zwischen Intelligenz und Religion kann nun zum Ausgangspunkt genommen werden, um eine Forschung über ideologische Vereinigungen anzustrengen, denn: Ideologische Vereinigungen weisen eine Vielzahl von Übereinstimmungen mit religiösen Vereinigungen auf. Dies beginnt bei der als wahr akzeptierten Ideologie, deren Wahrheit, wie z.B. im Genderismus oder im Sozialismus, auch gegen alle empirischen Belege des Gegenteils verteidigt wird, und endet da, wo man davon ausgehen muss, dass ein intelligenter Mensch in der Lage ist, falsifizierende Tatsachen zu erkennen und Erfahrungswissen zu akkumulieren, was letztlich das Ende jeder Ideologie sein muss, da Letztere sich regelmäßig im Gegensatz zu Erfahrungswissen befinden. Folglich können Ideologen nicht intelligent sein, denn wären sie es, sie wären keine Ideologen.

Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass es an deutschen Universitäten eine Anzahl von Personen gibt, die regelmäßig in Schweigen verfallen, wenn sie darum gebeten werden, die wissenschaftlichen Grundlagen ihres Tuns an eben diesen Universitäten zu beschreiben und zu begründen. Intelligente Menschen wären dazu problemlos in der Lage, so wie sie in der Lage sind, den hier fehlenden Schluss zu ziehen.

Daher wäre es ein interessates Forschungsvorhaben, den IQ der Mitglieder bestimmter Fachgebiete in den Sozial- und Naturwissenschaften zu erheben und die Werte miteinander zu vergleichen. Die Hypothese für diese noch durchzuführende Forschung lautet: Je ideologischer ein Fachbereich inkubiert ist, desto geringer ist der durchschnittliche IQ seiner Mitglieder.

Argyle, Michael (1958). Religious behaviour. London: Routledge.

Bertsch, Sharon & Pesta, Bryan J. (2009). The wonderlic personnel test and elementary cognitive tasks as predictors of religious sectarianism, scriptural acceptance and religious questioning. Intelligence, 37(3): 231-237.

Zuckerman, Miron, Silberman, Jordan & Hall, Judith A. (2013). The Relation Between Intelligence and Religiosity: A Meta-Analysis and Some Proposed Explanations. Personality and Social Psychology Review 17(4): 325-354.

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