Das Geschäft mit der Frauenquote läuft

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Der Aufruf richtet sich an alle Frauen, die einmal in einem Aufsichtsrat sitzen wollen, also ab 2016 wenn die Frauenquote für Unternehmen verpflichtend wird.

Er richtet sich zudem an alle Frauen, die derzeit in Aufsichtsräten oder anderen Kontrollgremien sitzen.

Taylor millErsteren soll das Wissen vermittelt werden, das notwendig ist, um in einen Aufsichtsrat berufen zu werden, Letzteren das Wissen, das sie, obwohl sie bereits in einem Aufsichtsrat sitzen, vermutlich als Quotenfrau von der Gewerkschaft, immer noch nicht haben.

Dieses Wissen beinhaltet:

  • “betriebswirtschaftliche und juristische [Grund]Kenntnisse”
  • und strategische Kompetenzen, “die benötigt werden, um sich zunächst in den Nominierungs- und später in den Entscheidungsprozessen der Kontrollgremien gleichberechtigt durchzusetzen”.

Das Adjektiv “gleichberechtigt” darf natürlich nicht fehlen, auch wenn es das Verb “durchsetzen” ad absurdum führt, denn wer sich durchsetzt, tut dies in der Regel gegenüber anderen, die sich entsprechend nicht durchsetzen und damit auch nicht gleichberechtigt sind.

Der zitierte Unsinn findet sich in einem Flyer des Harriet Taylor Mill Instituts der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, die zu den ersten Institutionen gehört, die versuchen, aus der verpflichtenden Frauenquote Kapital zu schlagen.

3.150 Euro, um genau zu sein, denn so viel kostet die Teilnahme an der “Zertifizierten Hochschulweiterbildung 2015 ‘Strategische Kompetenz für Frauen in Aufsichtsräten'”.

Die Argumentation, nach der so viele kompetente und fähige Frauen mit dem Kopf an eine gläserne Decke stoßen, die weiße, privilegierte und Frauen diskriminierende Männer aufgerichtet haben, um die Massen kompetenter und fähiger Frauen von Aufsichtsrat und Vorstand fern zu halten, ist nun, da die Frauenquote für Aufsichtsräte zum Gesetz geworden ist, vergessen.

Deceibe infeigle obfuscateNoch nie wurde so deutlich zugegeben, dass der ganze Humbug mit Gläserner Decke und Frauendiskriminierung erstunken und erlogen war, dass es die Massen der kompetenten und fähigen Frauen eben nicht gibt und man sie nun in einem Crash Kurs schnell qualifizieren muss, sie von unfähigen und inkompetenten zu angelernten Quotenfrauen machen muss. Dies ist notwendig, weil die Schlange der kompetenten und fähigen Frauen, die nach Einführung der Frauenquote in die Aufsichtsräte drängen, wohl offensichtlich so kurz ist, dass sie die Aufsichtsratsplätze, die per Gesetz für sie geschaffen wurden, nicht besetzen können.

Und jetzt gilt es, den Reibach zu machen: 3.150 Euro pro inkompetenter und unfähiger Frau, die nunmehr nach den [Grund]Kenntnissen in Betriebswirtschaft und Recht und Strategie sucht, die notwendig sind, um in Aufsichtsräten oder Vorständen bestehen zu können und zu wissen, was der CEO will, wenn er ständig Abkürzungen wie ROI oder ROA oder EBIT von sich gibt, gefolgt von Zahlen!

reibachJa, zahlen, 3.150 Euro sollen die Kandidatinnen für den oder bereits Mitglieder im Aufsichtsrat zahlen, um kompetent und fähig zu werden in: Human Resources, Change Management, in Gendered Organizations (darf natürlich nicht fehlen), in Umgang mit Macht, in Corporate Responsibility, Unternehmensstrategie, in Finanzierung und Bilanzierung (ein Samstag, nicht zuviel davon). Nach fünf Kamingesprächen, einer Begrüßung (“Get together”) einem “Expertinnengespräch ‘Blick in die Zukunft'” und fünf inhaltlich gefüllten Samstagen ist der ganze Zinnober vorbei und die kompetente, fähige Quotenfrau für den Aufsichtsrat ist erstellt.

Wer noch Fragen zum Weiterbildungsprogramm hat, kann diese an karin.reichel@hwr-berlin.de richten.

Harriet Taylor Mill war übrigens mit John Stuart Mill verheiratet, und irgendwie glauben wir nicht, dass sie glücklich wäre, wenn sie wüsste, wofür ihr Name heute herhalten muss.

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… concerned with and about science

16 Responses to Das Geschäft mit der Frauenquote läuft

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Das Geschäft mit der Frauenquote läuft | netzlesen.de

  2. Mario Bernkopf says:

    Wikipedia: “Der Einfluss von Harriet Taylor auf John Stuart Mills Werk ist unklar.” und “Während sie zu Mills eher technischen Werken wie den Principles of Logic wenig beitrug, formte sie maßgeblich seinen politisch-philosophischen Ausblick auf die Welt. ”

    Sie hatte eben diesen Kurs nicht gemacht!

    Wenn ich Wikipedia richtig gelesen habe, ist ihr Einfluß, Beitrag usw. zu den Werken ihres Mannes eigentlich nicht genau bekannt. Warum benennt man dann dieses seltsame Institut nach ihr?

  3. albjaga says:

    ist doch gut investiertes Geld. Hier werden die Beziehungen geknüpft um zukünftig ein Goldröckchen zu sein.
    und da wird immer behauptet Frauen können nicht netzwerken…

  4. lernender says:

    “Nach erfolgreichem Abschluss wird von der Hochschule für
    Wirtschaft und Recht Berlin ein Jodeldiplom verliehen.”

    http://de.wikipedia.org/wiki/Jodeldiplom

    “Das Jodeldiplom (“Holleri du dödl di, diri diri dudl dö”) ist ein fiktiver Bildungsabschluss (Jodeln mit Jodel-Diplom-Abschluss), den Loriot für einen Sketch erfunden hat.
    Mit dem Jodelschule-Sketch spielt Loriot auf die zahlreichen Titel von Volkshochschulen und Universitäten an, die den gesellschaftlichen Status von Absolventen erhöhen, ohne dass das für ihre Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt eine Rolle spielt.

    Der Begriff ging in die deutsche Umgangssprache ein und wird metaphorisch für überflüssige, wertlose oder in einer Titelmühle gekaufte Bildungsabschlüsse verwendet.”

    Loriot, 1978 – einer der Besten

  5. meier, hans (kempten) says:

    Naja. Die 3.150 Euro muss mn sich erstmal leisten können. Wer das Geld selbst hart erarbeitet hat, wird henau prüfen, wofür er oder sie es ausgibt. Das sind aber vermutlich auchnicht die erhofften Kundinnen.

    Wer aber dann? Vmtl. Damen aus Kreisen, die qua Herkunft oder Familienstand sich Chanen auf einen Vorstandsplatz im Zeichen der Quote erhoffen dürfen.

    Und für die kann es sich im Zweifelsfall (falls jemand im Zuge des Besetungs- oder Erennungsverfahrens nachfragt) durchaus rechnen, ein teures Diplom zu haben, das ihnen bestätigt, quotenplatzfähig zu sein.

    Eine goldene Krawattennadel ist für 99,99% der Menschheit sinnlos. Für einen Kreditbetrüger aber kann sie als beiläufiger Hinweis auf vorhandene Ressourcen beim Bankgespräch sehr nützlich sein.

  6. meier, hans (kempten) says:

    Die Kurse, dies dort gibt .,.. eine Neffe von mir hat da mal ein paar Wochen Unterricht gegeben zwischen Studium und richtigem Job – bodenlos…

  7. A.S. says:

    Warum bei Aufsichtsräten aufhören? Frauenquote in die Mathematik! Es gibt fast keine Mathematikerinnen an den Universitäten. Das bisschen Fachkenntnis kann man ja sicher nach Gehirnwä…. Ähm, Studium der Genderstudies in einem einwöchigem Kurs „Grundkenntnisse universitärer Mathematik aus geschlechtlicher Sicht“ nachholen.
    Dieser Kurs richtet sich an Frauen, deren Schamgefühl den Begriff Quotenweibchen nicht umfasst und die sich in jeder Mathematikfakultät ob ihrer Ahnungslosigkeit auslachen lassen wollen. Er beinhaltet die Grundrechenarten Plus, Minus, Mal, Geteilt, sowie eine geschlechtssensible Analyse männlichen Dominiergehabes am Beispiel der Behauptung, Addition und Subtraktion seinen inverse und damit auf Zweivorzeichenlichkeit reduzierte Vorgänge. Am phallischen Charakter des (männlichen) Vorzeichens Minus wird die Nichtzeitgemäßheit der Zweivorzeichenlichkeit analysiert und neue, fortschrittliche Wege einer Zwischenvorzeichenlichkeit thematisiert. Besondere Aufmerksamkeit gebührt dabei den Transvorzeichenzahlen, eine bisher unterdrückte Minderheit. Ein bereits bekannter Vertreter der Transvorzeichenzahlen ist die Zahl Null, der im Schnittbereich Genderstudies und Kompetenz eine herausragende Bedeutung zukommt. Ein Negativbeispiel der Zweivorzeichenlichkeit ist die Reduktion der Rechnung 4 – 7 auf lediglich ein Ergebnis, nämlich -3. Dieses Ergebnis ist lediglich ein soziales Konstrukt, das Ergebnis einer Konvention, ungeachtet der Frage, als was sich die Rechnung selber fühlt. Um derartige Unterdrückungen zu vermeiden bietet sich folgende Konvention an. Die Rechnung 4 – 7 habe als Ergebnis nun immer eine Zahl zwischen – 11 und + 11, je wie sie sich fühlt.
    Damit hat man eine unterdrückungsfreie Mathematik geschaffen, in der auch Genderstudierte problemlos rechnen können…..

  8. Bei dieser Meldung muss man sich schon überlegen, “gefällt mir” zu klicken. Mir gefällt das nämlich eigentlich überhaupt nicht, was Sie da berichten…

    Zudem finde ich es befremdlich, Institute nach Leuten zu benennen, die kein Mensch kennt und von denen lediglich irgendwer behauptet, sie hätten an anderer Leute Werk einen Anteil gehabt.

  9. rote_pille says:

    das problem ist auch der zuvoreilende gehorsam der konzerne. auch wenn quoten freiwillig sind, tun sie alles um sie zu erfüllen, um in der presse nicht denunziert zu werden. diese topmanager sind alle rückgratlose weicheier.

  10. Martin1 says:

    Versorgungsposten für abgehalfterte Ex-Politikerinnen.

    Oder hat schon mal jemand von einer Frauenquote bei der Müllabfuhr oder Kanalreinigung gehört? Solche Arbeiten dürfen Männer machen. :-\

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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