ScienceFiles Aphorismen: Ohne Ungleichheit stirbt die Gesellschaft

Soziale und geschlechtliche Gleichmacherei feiert derzeit einen Hysterie-Hype nach dem nächsten. Gestern war es der paritätische Wohlfahrtsverband, der wieder einmal mit der relativen Armut Schindluder getrieben hat, heute ist einem, der davon vermutlich einen Nutzen nießen kann, aufgefallen, dass es in Deutschland fünf Filme mit männlichen Regisseuren auf einen Film mit einem weiblichen Regisseur gibt, und das ist natürlich eine Benachteiligung, und morgen wird es einem besonders Intelligenten auffallen, dass die eigentlich Armen, die Armen sind, die sich tagein und tagaus mit der Armut anderer beschäftigen, weshalb sie vom Steuerzahler mit einem doppelt so hohen Einkommen für ihr aufopferndes Verhalten belohnt werden müssen.

Trotz aller Widersprüchlichkeit boomt der Markt mit der sozialen Gleichheit, die man als Utopie verkaufen kann, mit der man Neid schüren kann und, nicht zuletzt, an der man hervorragend verdienen kann.

Aber ist Ungleichheit, soziale Ungleichheit nicht der Lebensnerv einer Gesellschaft, nicht das, was eine Gesellschaft überhaupt am Leben erhält – ihre Beseitigung damit das Ende des Sozialen?

Wir fragen Sir Ralf Dahrendorf und erhalten posthum die folgende Antwort:

Pfade aus Utopia“Dies ist der Ort, um noch einmal an Kants kritische Bemerkung zu Rousseau zu erinnern, die Ungleichheit sei zwar die ‘reiche Quelle so vieles Bösen, aber auch alles Guten’. Dass Kinder sich ihrer Eltern schämen, dass Angst und Armut, Leid und Unglück über Menschen kommen und manche andere Folge der Ungleichheit, mag man gewiß beklagen. Dass historische und daher in einem letzten Sinn willkürliche Kräfte unübersteigbare Schranken der Kaste oder des Standes eines Menschen errichten, mag man mit guten Gründen bekämpfen. Dass es aber überhaupt Ungleichheit unter den Menschen gibt, ist, indem es die Geschichtlichkeit von Gesellschaften garantiert, ein Moment der Freiheit. Die völlig egalitäre Gesellschaft ist nicht nur ein unrealistischer, sie ist auch ein schrecklicher Gedanke: denn in Utopia wohnt nicht die Freiheit, der stets unvollkommene Entwurf in das Unbestimmte, sondern die Perfektion entweder des Terrors oder der absoluten Langeweile”. (Dahrendorf, 1986, S.379).

Die Sehnsucht nach der Gesellschaft der Gleichen ist damit nichts anderes als das morbide Schwärmen, das Freud als Todessehnsucht bezeichnet hat.

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7 Responses to ScienceFiles Aphorismen: Ohne Ungleichheit stirbt die Gesellschaft

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  2. AgeSeptimum says:

    Emfehle hierzu:
    ‘Der Todestrieb in der Geschichte. Erscheinungsformen des Sozialismus.’
    von Igor Schafarewitsch.

    oder die englische Übersetzung
    ‘The socialist phenomenon’

    die frei im Netz verfügbar ist.

  3. Das Gegenteil ist der Fall, die Gleichmacherei zerstört die Gesellschaft. Eine Gesellschaft entsteht durch Austausch von Leistungen. Dabei werden sich zwangsläufig Unterschiede zwischen den handelnden Individuen herausbilden. Wer reicher ist, der wird noch reicher, weil er effizienter agieren kann. Es setzt eine Rückkopplung ein. Reichtum schafft Reichtum — von den Kommunisten als Kapitalakkumulation gebrandmarkt. Dies ist eine Rückkopplung, dagegen gibt es kein Mittel. Zerstört man diese Ansammlung von Kapital, dann zerstört man die Basis, auf der sich die Gesellschaft bildete, das freie Handeln der Individuen. Selbst ein Abernten der “zu hohen Gewinne” ist eine schleichende Zerstörung.

    Die Gesellschaft sucht sich selbst ihre Entwicklungsrichtung. Sie optimiert langsam ihre Struktur. Diese Aufgabe der Strukturbildung müßten die Gleichmacher übernehmen. Sie können es nicht, denn sie wissen nicht, wohin sich die Gesellschaft vernünftigerweise entwickeln sollte. Sie haben natürlich Vorstellungen und behaupten, das zu wissen. Mangels Information über den vieldimensionalen Raum, in dem sich die Zustandsänderungen abspielen, ist dies nicht möglich. Niemand kann die Entwicklung einer Gesellschaft berechnen. Gleichmacherei zerstört die Entwicklungsgrundlage, die Differenzen, die die Entwicklung benötigt.

    Carsten

    “Waren das noch schöne Zeiten mit Karl Eduard v. Schnitzler und Gerhard Löwenthal. Jeder wusste was davon zu halten ist. Und heute?”
    Nase

    • SH001 says:

      Das Problem daran ist aber, dass eine Extremes Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich
      noch Schädlicher ist für die Wirtschaft ist als eine Progressive Besteuerung.

      Wenn das Kapital auf einer Seite akkumuliert und nicht mehr für Investitionen oder Konsum genutzt wird, funktioniert die Wirtschaft nicht mehr. Es kommt entweder zum Wirtschaftscrash oder zur politischen Revolution.

      • Ich habe nur erstmal die Fakten beschrieben. Wünschen kommt danach. Die Kapitalakkumulation ist ein Fakt, ein harter, so wie die Gravitation. Mit Gesetzen kann man dagegen nichts machen, ohne die Gesellschaft zu zerstören. Besteuerung? Das gleichen die stärksten Systeme aus, die schwächeren zahlen. Damit erhöht man die Akkumulation nur.
        Warum ist die Differenz schlecht? Nach welchem Kriterium soll das beurteilt werden? Das ist eine rein willkürliche Behauptung.
        Die Wirtschaft funktioniert sehr gut mit den Unterschieden. Kapital wird in große Projekte investiert. Das Geld liegt nicht faul herum.
        Es kommt also nicht zum Zusammenbruch.

        Warum soll es zur Revolution kommen? Aus Neid derer, die weniger haben? Das geschieht nur, wenn ihnen Möglichkeiten des Lebens genommen werden, wenn sie bevormundet werden und ausgeplündert werden. Da ist das erste Problem der Staat. Wie Revolutionen gemacht werden haben wir doch vorgeführt bekommen, oder?

        Carsten

        Man kann sich ebensowenig aus der Verschuldung leihen, wie man sich nüchtern saufen kann

      • Marcel Elsener says:

        Wie kommen Sie darauf, dass das von Reichen akkumulierte Kapital weder für Investitionen noch Konsum genutzt wird? Sind die Reichen allesamt Dagobert Ducks, die irgendwo in ihren Geldspeichern Kapital horten?

        Vielleicht sollte man mal analysieren, weshalb die Reichen immer noch reicher werden. Es hat mit der exzessiven Geldschöpfung der Zentralbanken zu tun. Das geschöpfte Geld kommt zuerst bei den Reichen an (Cantillon-Effekt). Es fliesst u.a. in Anlageobjekte, deren Wert sich dadurch erhöht, wodurch die Eigentümer der Anlageobjekte buchalterisch gesehen reicher werden. Da Arme so gut wie nie Eigentümer von Anlageobjekten (Wertpapiere, Immobilien, Kunstgegenstände etc.) sind, werden sie auch nicht reicher.

        So öffnet sich – etwas vereinfacht dargelegt – die sogenannte Vermögensschere zwischen arm und reich. Die Hauptschuld daran tragen aber nicht irgendwelche finstere Kapitalisten und Spekulanten sondern die wohlmeinenden Politiker und Zentralbankbürokraten, die angeblich mit ihrer Wirtschaftspolitik nur der Gesellschaft dienen.

        • Prima Kommentar! Danke.
          Noch eine Anmerkung, die Überschwemmung des Marktes mit Geld, die die EZB und die FED betreiben, entwertet auch die Spareinlagen , sodass Sparer im Vergleich zu reichen Anlegern, die ihr Geld in Anlagen, Commodities, Kunstwerke, Fussballclubs oder sonstige feste Anlagen investiert haben, die nicht von der Geldentwertung der Zentralbanken erfasst werden, relativ im Vergleich zu den armen Spar-Schlucker reicher werden, ohne dass sie etwas dazutun müssen. Den Zentralbanker sei Dank.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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