Der neueste, teure Spleen: Bildungsmanager

30 Millionen Euro setzt das Bundesministerium für Bildung und Forschung ein, um Bildungsmanager in Kommunen zu finanzieren. Warum? Weil es bislang keine Bildungsmanager gibt. Und wenn es keine Bildungsmanager gibt, dann braucht man natürlich Bildungsmanager.

Wozu, nun, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Beginnen wir mit Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, die eine eigene Leerformel zur Begründung der Notwendigkeit von Bildungsmanagern entwickelt hat:

BMBF“Bildungschancen entstehen dort, wo die Menschen leben und arbeiten. Mit ‘Bildung integriert‘ fördern wir gute und gerechte Bildung”, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, “Denn es hat sich gezeigt: Wenn Bildung in der Kommune Vorrang hat und ganzheitliche Ansätze gelebt werden, gelingt Bildung für alle Bürgerinnen und Bürger.”

Bildungsmanager sind also für “gute und gerechte Bildung” zuständig und Bildung setzt ganzheitliche Ansätze voraus und alles gibt es als Bildungschance dort, wo die Menschen leben und nirgends sonst, nicht etwa auf dem Mars oder der Venus, woraus man eine Diskriminierung der beiden Planeten konstruieren könnte. Und wer würde je daran zweifeln, dass ein Ministerium, das 300 Millionen Euro einsetzt, um gerechte und gute Professorinnen ganzheitlich auf Lehrstühle zu hieven und dies dadurch erreicht, dass männliche Bewerber gezielt getäuscht und betrogen werden, dass ein solches Ministerium nur die lautersten und besten Absichten verfolgt?

Wir

– schon weil wir keinerlei Forschungsergebnisse kennen, die die Phantasie von Wanka bestätigen, nach der für ganzheitliche Ansätze belegt wäre, dass sie zum Gelingen von Bildung beitragen. Ehrlich gesagt, wissen wir nicht einmal, was ein ganzheitlicher Ansatz für Bildung sein soll, und wir haben so unsere Zweifel, dass Frau Wanka weiß, wovon sie hier spricht.

Bildungsmanager, der neueste Schrei auf dem Bildungsmarkt, eröffnet bei einem Volumen von 30 Millionen Euro neue Chancen, um überflüssige Positionen in Verwaltungen zu schaffen. Wir sehen hier Parkinsons Law in Aktion: Die Verwaltung vermehrt sich selbst. Verwaltung ist der einzige humanoide Selbstbefruchter, der bislang bekannt ist und Verwaltung ist der teuerste Selbstbefruchter, den die Menschheit kennt, beschäftigt sie doch unzählige Mausschubser, die damit beschäftigt sind, unnütze Informationen, zu deren Bereitstellung sie z.B. Unternehmen oder Privatpersonen verpflichtet haben, zu sammeln, zu verwalten, abzuheften und zu vergessen.

Denn vergessen müssen die Verwalter die Daten, die sie vorliegen haben offensichtlich, wenn es nun einen Bildungsmanager braucht, der “empirische Daten zur Bildungslandschaft in den Städten und Kommunen” sammelt und damit “eine faktenbasierte Grundlage für Entscheidungen schafft”, wie es aus dem BMBF heißt.

Parkinsons lawWenn also Bildungsmanager notwendig sind, um “empirische Daten zur Bildungslandschaft in den Städten und Kommunen” zu sammeln, dann fragt man sich doch: Was haben die statistischen Ämter der Städte und Kommen mit all ihren Beschäftigten all die Jahre getrieben? Dass sie keine Daten gesammelt haben, keine zu Schulen, Schülern, Absolventen, Lehrern usw., das ist offensichtlich, denn hätten sie diese Daten gesammelt, es bräuchte keinen Bildungsmanager, der die Daten nun sammelt. Allerdings stellt sich die Frage, wie die Statistischen Landesämter über ihre Bildungsdaten zu Schülern, Schulen, Absolventen, Lehrern, Schulausstattung und dergleichen in Städten und Kommunen kommen, die sie halbjährlich veröffentlichen. Und wo die entsprechenden Daten beim Statistischen Bundesamt herkommen, ist ebenso ein Rätsel, denn nirgends, weder bei Statistischen Landesämtern noch beim Statistischen Bundesamt gibt es einen Bildungsmanager, der die entsprechenden Daten sammelt.

Daraus kann man nur den Schluss ziehen, dass es keinen Bildungsmanager braucht, um neue Daten zu sammeln, da alle notwendigen Daten auch vor der Erfindung des Bildungsmanagers bereits gesammelt wurden und werden. Folglich ist der Bildungsmanager, der nun eingeführt werden soll, nichts anderes als eine Doppelung, eine Vermehrung ganz im Sinne des Parkinsonschen Gesetzes: Ab sofort wird es zwei Stellen geben, die dieselben Daten sammeln.

Aber natürlich klingt Bildungsmanager gut.
Und 30 Millionen für “gerechte und gute Bildung”, das klingt erst gut.
Fast so gut wie ganzheitliche Ansätze, wobei die ganzheitlichen Ansätze, der Ministerin Wanka, die für Bildung zuständig sein will, der Wahrheit vielleicht noch am nähesten kommen, denn die Ansätze der Klientelpolitik, die Ansätze zum Verprassen von Steuermitteln, um vollkommen unnötige Positionen zu schaffen, sind wirklich ganzheitlich: Einmal ausgegeben, ist das Steuergeld schlicht weg, ganzheitlich weg, ohne Mehrwert und ohne Nutzen.

Es gibt heute eine Vielzahl von Netzwerken, die sich etwas Gutem und Gerechtem widmen. Die Netzwerke bestehen im Wesentlichen aus einer Legion von Personen, die sich die Zeit damit vertreiben, Netzwerkbildung und entsprechende Treffen zu organisieren, auf denen dann über Netzwerkbildung geredet wird und Erfahrung ausgetauscht wird. Die Erfahrung hat dann regelmäßig nichts mit der Klientel zu tun, der man sich angeblich widmen will. Vielmehr sind Gegenstand des Erfahrungsaustausches Widerstand oder Probleme bei der Implementierung von Maßnahmen, pardon: von ganzheitilchen Maßnahmen natürlich, die, wenn sie erst implementiert wären, gerechte und gute Bildung garantieren sollen, so wie die Steckdose in den Regel Gleichstrom garantiert. Das beste, was diese nutzlosen Verwaltungs-Aktivisten erreichen können, besteht darin, über ihre Klientel zu reden, jene Klientel, der sie mit ihren ganzheitlichen Maßnahmen, so sie nach einer Reihe von Netzwerktreffen irgendwann einmal implementiert sind bzw. nach all den Netzwerktreffen überhaupt noch Mittel zur Implementierung vorhanden sind, die ausreichen, um über die Probleme und Widerstände hinweg zu kommen.

Mit ihrer Klientel reden die Verwaltungs-Aktivisten gewöhnlich nicht. Wozu auch? Ihre Aufgabe besteht darin, die Effizienz der Verwaltung nach außen hin zu gaukeln und seit, wie DiMaggio und Powell schon 1983 geschrieben haben, die Effizienz von Verwaltungen nicht mehr anhand ihrer erfolgreichen Abwicklung der ihr übertragenen Aufgaben, sondern anhand der Anzahl von Abteilungen, Stabsstellen, der Höhe der verwalteten Mittel, der Anzahl gutklingender Positionen oder der Schaffung immer neuer Verwalter zur Verwaltung der Verwaltung, die andere Verwalter verwalten gemessen wird, kommt dem Vorgaukeln von Effizienz eine immer größere Bedeutung zu: Je besser man gaukelt, desto mehr Fördergelder gibt es, um z.B. einen vollkommen nutzlosen und unnötigen Bildungsmanager zu etablieren.

P.S.

Was machen eigentlich all die Mitarbeiter des Bundes der Steuerzahler und des Bundesrechnungshofes den ganzen Tag? Wir können einigermaßen verlässlich angeben, was sie nicht tun, nicht jedoch, was sie tun.

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About Michael Klein

… concerned with and about science

15 Responses to Der neueste, teure Spleen: Bildungsmanager

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Der neueste, teure Spleen: Bildungsmanager | netzlesen.de

  2. Günter Buchholz says:

    Genauso funktionieren die Gender Studies in Niedersachsen. Nachdem von Genderistinnen eine Forschungsevaluation durchgeführt wurde, in der der output (output – wozu das denn – pah!) erst gar nicht betrachtet wurde, weil frau ausschließlich am input, also an zusätzlichen Stellen für Genderistinnen interessiert war, haben sie gleich nachgelegt und auf der politischen Ebene ein neues Förderprogramm aufgelegt. Das Ministerium wird von den Grünen geführt. Da wundert einen dann nichts mehr, gar nichts.

  3. Mich würde interessieren, was passiert, wenn ein solcher “Bildungsmanager” anfangen würde Daten zu erheben und Bildung in Richtung Effizienz zu managen. Das Ergebnis dürfte sein, dass dieser von der ihn verwaltenden Verwaltungsebene ausgebremst und ersetzt wird, da ein positives Management ja nun wirklich nicht im Sinne einer Mangelverwaltung sein kann, die nur auf dem Mangel ihre Existenz begründet. Zumal noch die Ergebnisse der empirischen Daten dem politisch-ideologischen Leitbild widersprechen dürften.

  4. Jerome says:

    Im Zuge der allgemeinen Hassausschüttung gegen Griechenland wurde hierzulande auch gerne über die ineffiziente, schlimm korrupte Verwaltung der Hellenen gelästert. Jedesmal, wenn ich sowas gehört oder gelesen hatte, dachte ich mir: mei, was wäre ich froh, wenn man in unsere Verwaltung nen Hunderter reingeben müsste und es dann aber funktioniert.

    Besonders beliebt bei mir auch das Deutsche Original: “Wissen Sie, eine Verwaltung unserer Größe ist zum großen Teil mit sich selbst beschäftigt, hihi.” Da könnte ich ausrasten…

  5. Der Autor dieses Artikels ist nicht zufällig ein naher Verwandter von Douglas Adams (Hichhikers Guide To The Galaxy)?

  6. P.S.: An die Redaktion: Bitte Hichhikers zu Hitchhikers ausbessern. Sorry.

  7. rote_pille says:

    es geht darum einen bestimmten prozentsatz des bip für bildung auszugeben um den kleingeistern unter den wählern verkaufen zu können: seht wir sind den ausgaben nach am gebildetsten. die “effizienz” wird gesteigert , indem man das niceau senkt.

  8. Severa Snape says:

    Ich beschränke mich mal auf die Sache mit dem Bildungsmanager. Wäre unserer Gesellschaft, wenn ihr wirklich an einer gewissen Chancengerechtigkeit in der Bildung läge, nicht ab der vorschulischen Bildung mit mehr und besser ausgebildetem Personal gedient, was seine Aufgabe auch wirklich ernsthaft erfüllt: Erzieher(innen), Lehrer(innen), Sozialpädagog(inn)en?

    Dann werden solche Kopfgeburten wie ein Bildungsmanager überflüssig wie ein Kropf. Ach ja, die Berufs- und Laufbahnberatung bei der AA wäre auch verbesserungsbedürftig.

    • rote_pille says:

      ich denke nicht alle probleme lassen sich mit mehr geld lösen. die motivation müsste gesteigert werden. sinnvoller als bildungsmanager wäre es, guten schülern das geld einfach am jahresende bar auf die hand zu geben. das würde den wettbewerb so richtig anstacheln.

  9. Hans says:

    Die erste Aufgabe der Bildungsmanager sollte sein, eine gerechte Bezahlung für freiberufliche Dozenten zu fordern. Wer sich in der Bildungsbranche auskennt hat sicherlich bemerkt, dass die Honorare für Dozenten nach Abzug der Kosten, die solch eine Tätigkeit realistischer Weise mit sich bringt, bei teilweise ca. 7,00 Euro pro Stunde liegen – also weit unter “Nahles-Lohn”. Bei den Dozenten handelt es sich meist um Akademiker mit Berufserfahrung! Ein angemessenes Honorar müsste bei 70-80 Euro pro Stunde liegen, damit hinterher ein vergleichbares Nettoeinkommen herauskommt – verglichen mit einer verbeamteten Lehrertätigkeit. Manche Veranstalter zahlen ein fünftel eines angemessenen Honorars – Ausbeutung pur! Demnächst spült es uns eine Welle verarmter “Rentner-Dozenten” an, die aufgrund ihrer geringen Rente lebenslänglich arbeiten müssen. Diese Rentner-Dozenten könnten sich ja dann in der Integrations-Branche nützlich machen.

  10. Pingback: Bildungsmanager/in soll kommunale Bildungsdaten sammeln | Basedow1764's Weblog

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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