Den Seinen nimmt’s der Staat im Schlaf

Richtig informative und interessante Statistiken haben es heute schwer, wenn es darum geht, öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen. Die Öffentlichkeit wird in Unsinns-Statistiken ertränkt, mit denen Gender Pay Gaps herbeigelogen werden sollen oder erfasste Straftaten in Kriminalität umgedeutet werden sollen.

DestatisDabei veröffentlicht irgend ein subversiver Mensch beim Statistischen Bundesamt immer einmal wieder eine Statistik, die es so richtig in sich hat.

“Durchschnittliche Rückerstattung lag bei 873 Euro”, so lautet eine dieser Pressemeldungen, die bislang ohne Wirkung verpufft sind.

Warum?

Eine Erklärung dafür, dass relevante Statistiken keine Wirkung zeitigen, liegt darin begründet, dass Sozialwissenschaftler ihre Arbeit verweigern. Die meisten von ihnen sind von innovativen Denkern und Kritikern am Status Quo zu Verteidigern des Status Quo und nützlichen Instrumenten in den Händen von Politikern degeneriert, die gerade einen Sozialwissenschaftler benötigen, um ihre neueste Marotte zu rechtfertigen.

Sozialwissenschaften, deutsche Sozialwissenschaften, sie hatten einst einen gesellschaftlichen Einfluss, sie waren von Vordenkern und Querdenkern durchsetzt, die gesellschaftliche Routinen in Frage gestellt haben. Um gesellschaftliche Routinen in Frage zu stellen, muss man natürlich in der Lage sein, einen Schritt zurück zu treten und das, was einem als Normalität präsentiert wird, gegen den Strich zu bürsten, eine Fähigkeit, der Kindern und Jugendlichen durch die Vorgabe des richtigen Denkens weigehend beraubt werden, und eine Fähigkeit, die in den Sozialwissenschaften, die von genderistisch-staatslegitimierend-sozialistischer Langeweile erstickt werden, mit Sicherheit nur noch vereinzelt vorhanden ist.

Und so bleiben Pressemeldungen, wie die oben zitierte, unbearbeitet, versinken im Meer der unsäglichen, stupiden und uninformativen Pressemeldungen.

Doch aus diesem Meer haben wir sie herausgefischt:

Destatis_Steuer“2010 gab es in Deutsch­land rund 13,1 Millionen unbeschränkt Steuer­pflichtige mit Einnahmen aus nicht­selbst­ständiger Arbeit und eventuell Kapital­einkünften. 11,4 Millionen dieser Steuer­pflichtigen erhielten im Rahmen der Einkommen­steuer­veranlagung eine Steuer­erstattung. Diese lag im Durch­schnitt bei 873 Euro. Besonders häufig waren Rück­erstattungen zwischen 100 und 1 000 Euro (62 %). Bei rund 10 % der Betroffenen fiel die Rück­zahlung geringer als 100 Euro aus. Beträge über 5 000 Euro erstatteten die Finanz­ämter in 1 % der Fälle.

Eine Nach­zahlung an das Finanz­amt mussten 1,4 Millionen Steuer­pflichtige leisten – der durch­schnittliche Betrag lag bei 897 Euro.”

Mit anderen Worten: Der deutsche Finanzminister, dessen Häscher sehr kleinlich und mit Gebührenforderungen reagieren, wenn bei ihnen nicht zum korrekten Termin eine Zahlung eingeht, von der sie denken, sie würde ihnen zustehen, arbeitet monatelang seinerseits mit Geld, das ihm nicht zusteht.

Der Zahlungsirrtum zu Gunsten des Finanzministers findet in 87% aller Fälle statt und summiert sich auf rund 10 Milliarden Euro. Gnädiger Weise geben die Finanzämter diese 10 Milliarden, die sie zu Unrecht kassiert haben, an diejenigen zurück, die eine Steuererklärung erstellen, auf Antrag und nicht freiwillig. Ein Zustand, der mündige Bürger eigentlich auf die Palme bringen müsste, eigentlich.

Den 10 Milliarden Steuergeldern, die die Finanzämter vorsorglich zu viel kassieren, die sie nur auf Antrag und ohne Zinsen zurückgeben (bei nur 2% Verzinsung müssten die Finanzämter 890 Euro und nicht 879 Euro im Durchschnitt zurücküberweisen), womit sie sicherstellen, dass die entsprechenden Bürger mit Sicherheit finanziell geschädigt wurden, stehen gut 1,2 Milliarden Euro gegenüber, die nachgezahlt werden müssen.

Ein eklatantes Missverhältnis.

Aber: Wo kein Kläger ist, ist bekanntlich kein Richter, und auf den Sozialwissenschaftler, der darauf hinweist, dass Statistiken, wie die berichtete, zeigen, dass deutsche Finanzämter abhängig beschäftigte Bürger bestehlen und finanziell dadurch schädigen, dass sie dann, wenn sie beim Diebstahl ertappt werden, nicht einmal eine Zinsentschädigung erstatten, vielmehr erwarten, dass Bürger ihren Diebstahl mit Hilfe vorgegebener Formulare und unter Einsatz von Zeit und Geld, häufig für einen Steuerberater, erst aufdecken, auf diesen Sozialwissenschaftler warten wir bis heute vergeblich.

Es soll ja Deutsche geben, die gerne Steuern zahlen, die entsprechend kein Problem damit haben, ganz uneigennützig zu geben, dem Finanzamt im vorliegenden Fall.

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... concerned with and about science

9 Responses to Den Seinen nimmt’s der Staat im Schlaf

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  2. Pondax says:

    Vielleicht gehen viele oder gar die meisten Rückerstattungen auf Ausgaben der Steuerpflichtigen zurück, von denen die Finanzämter zuvor nichts wussten. Dann wäre die Kritik so nicht gerechtfertigt.

    • dentix07 says:

      Wäre!
      Wenn allerdings bei “13,1 Millionen unbeschränkt Steuer­pflichtige[n] mit Einnahmen aus nicht­selbst­ständiger Arbeit und eventuell Kapital­einkünften” 11,4 Millionen (= 87%) dieser Steuer­pflichtigen eine Steuer­erstattung von im Durchschnitt 873 € erhalten, dann erscheint das doch recht unwahrscheinlich!
      Und selbst wenn dem so wäre, wäre es immer noch ein zinsloses (!) Darlehen von rd. 10 Milliarden € das diese Steuerpflichtigen ungefragt und ungewollt dem Geieramt zur Verfügung stellen!

  3. St. Elmo says:

    Gut es ist im Grunde schon ein Zinsloses Darlehen aber
    Wie will man das Ändern?

    Sonderausgaben, Werbungskosten werden Steuermindernd angesetzt.
    Aber wenn ich z.b. Umziehe klar das Finazamt weiß das ich Umgezogen bin aber wieviel mich das gekostet hat weiß es nicht.

    Die einzige Möglichkeit dies zu verhindern wäre entweder eine Monatliche Steuererklärung oder das man die Steuern nicht direkt vom Gehalt abzieht sondern erst am Jahresende an den Staat abgibt.

  4. hgb says:

    Es gibt schon Zinsen. 0,5 % pro Monat, wenn die Erstattung erst nach 15 Monaten kommt. Die müssen dann aber wieder als Einkommen versteuert werden. Allerdings ist das rechtlich noch nicht in letzter Instanz geklärt.
    Deshalb ist es immer so schön, wenn Politiker Robin Hood als Beispiel hinstellen. Wir Bürger sollten uns das zu Herzen nehmen.

  5. Gerti says:

    Vielleicht kann mir jemand mal Fragen beantworten, die ich geklärt haben möchte, bevor ich das ernsthaft als Argument betrachte:
    in einigen staatskritischen Texten werden Steuern als geschicktere Form der Sklaverei/ Leibeigenschaft bezeichnet. Wenn man Sklaverei so definiert, dass ein Sklave keinen oder nur einen sehr geringen Anteil (in Form von Unterkunft, Nahrung) der Früchte seiner Arbeit für sich beanspruchen kann, gibt es dann eine Grenze, die den Sklaven vom Nicht-Sklaven unterscheidet? Irgendein Staat nimmt unter Gewaltandrohung statt 100% wie der Sklavenhalter nur 50%(als Beispiel) der Einkommen weg, konsumiert einen Teil, finanziert sein Gewaltmonopol dadurch und bietet seine Leistungen auf eigens dafür geschaffenen Monopolmärkten an und begründet das durch ein Konzept, das Gemeinwohl oder so ähnlich heißt.
    Ist das jetzt der Fortschritt der Zivilisation, dass die Masse von 100%igen Sklaven zu x-%igen Sklaven wurde?
    Fortschritt hin oder her, wichtig für mich ist die Frage, ob sich ein Zwangssteuernsystem grundsätzlich von Sklavenarbeit unterscheidet.
    Ich habe für mich die Fragen schon vorläufig beantwortet, aber ich möchte nicht auf eine falsche Fährte gelockt werden und würde gerne andere Sichtweisen verstehen, bevor ich mich weiter damit beschäftige.

  6. Sven H. Schillings says:

    Ein weiterer Weg, wie das Finanzamt den Bürger benachteiligt, besteht darin, daß bei einer Steuererklärung, die eine Nachzahlung zur Folge hat, der Steuerbescheid schleunigst erstellt wird, hingegen bei einer Rückzahlung für den Bürger die Erstellung des Steuerbescheides viele Monate dauert. Dieses Verfahren hat System in der Finanzverwaltung.

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