Massentierhaltung: Gewinn für wenige, Kosten für alle

Heute laufen Wissenschaftler durch die Straßen von Städten und fordern u.a., dass politische Entscheidungen auf Grundlage von Fakten getroffen werden. Nun, Scott Weathers und Sophie Hermanns haben eine Reihe von Fakten zusammengestellt, von denen wir annehmen, dass sie nicht nur von denjenigen, die für die Wissenschaft marschiert sind, unterschrieben werden:

Massentierhaltung_huehnerDie Resistenz gegen Antibiotika wächst weltweit in dramatischem Ausmaß. Derzeit sterben jährlich rund 700.000 Menschen, weil Antibiotika bei ihnen nicht mehr wirken (Cecchini et al. 2015). Im Jahre 2050 werden rund 9,5 Millionen Menschen jährlich aufgrund einer Antibiotika-Resistenz sterben, mehr als derzeit an Krebs (OECD 2015).

Die Resistenz gegen Antibiotika ist in erster Linie eine Folge des Einsatzes von Antibiotika in der Massentierhaltung. Die industrielle Produktion von z.B. Fleisch, die Tiere nicht mehr als Lebewesen, sondern als Produkte ansieht, kommt ohne den Einsatz von Antibiotika nicht mehr aus. 75% der Antibiotika, die in der EU zum Einsatz kommen, werden derzeit in der Massentierhaltung eingesetzt (OECD 2016).

Die Massentierhaltung, die industrielle Ausbeutung von Tieren, ist in erster Linie dafür verantwortlich, dass Menschen eine Resistenz gegen Antibiotika entwickeln. Mehrere Studien haben gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind, in Menschen und Tieren besteht (Vieira et al. 2005) und dass eine Reduktion des Einsatzes von Antibiotika in der Massentierhaltung mit einer Reduzierung der Antibiotika-Resistenz von Menschen einhergeht (Aarestrup 2005). U.a. Gülle ist ein hervorragender Träger, auf dem Bakterien eine Antibiotika-Resistenz enzwickeln können (Economou & Gousia 2015).

Die WHO hat rotes Fleisch und industriell verarbeitetes Fleisch als krebserregend eingestuft. Eine Vielzahl von Studien hat gezeigt, dass hoher Fleischkonsum das Risiko für Krebs, Übergewicht, Herzkreislauferkrankungen mit Todesfolge, Lungenerkrankungen, Diabetes und für Herzinfarkt erhöhen (Bouvard 2015, Micha et al. 2010, Pan et al. 2011, Rouhani et al. 2014, Varraso & Camargo 2015, Wang et al. 2016, Wolk 2017, Yang et al. 2016).

MassentierhaltungObwohl Massentierhaltung erhebliche Schäden anrichtet, die von allen getragen werden müssen, namentlich die Resistenz gegen Antibiotika und die Kosten für die Behandlung von Krankheiten, die sich aus dem Konsum von prozessiertem und rotem Fleisch ergeben, obwohl Massentierhaltung für den Eintrag von Methan in die Atmosphäre verantwortlich ist, einen hohen Anteil daran trägt, dass das Grundwasser mit Phosphaten und Nitraten belastet wird, werden Massentierhalter nicht für die von ihnen verursachten Kosten in Haftung genommen. Vielmehr können sie auf Kosten der Gesundheit von Menschen und auf Kosten der Massen von Tieren, die sie täglich prozessieren, ihren Gewinn einstreichen, ohne auch nur einen Cent für die Beseitigung der Kosten, die von Massentierhaltung verursacht werden, beizutragen. Mit anderen Worten: Massentierhalter machen nicht nur auf Kosten aller ihren Gewinn, sie sorgen auch bei denen für gesundheitliche Kosten, die kein Fleisch essen, aber dennoch Opfer der von Massentierhaltung verursachten Antibiotika-Resistenz werden.

Aus diesem Grund haben Scott Weathers und Sophie Hermanns einen offenen Brief geschrieben, aus dem wir die aufgelisteten Fakten entnommen haben. Mit diesem Brief fordern die Autoren vom nächsten Generaldirektor der WHO, dass er die erheblichen gesundheitlichen Kosten, die von Massentierhaltung verursacht werden, in derselben Weise zum Gegenstand von WHO-Maßnahmen macht, wie dies z.B. im Hinblick auf die gesundheitlichen Folgen, die durch Tabakkonsum verursacht werden, getan wurde. Die Forderung ist einfach: Diejenigen, die Tiere wie Objekte behandeln, sie in Massen in Ställe zwängen und mit Antibiotika füttern, sie müssen die Kosten dafür, dass immer mehr Menschen an den Folgen einer durch Massentierhaltung verursachten Antibiotika-Resistenz sterben, tragen oder zumindest an den Kosten beteiligt werden. Das gleiche gilt für die Behandlungskosten, die durch Krankheiten, die auf Fleischkonsum zurückzuführen sind, verursacht werden.

Wir leben in einer Zeit, in der moralische Appelle an diejenigen, die ihr Geld auf dem Rücken anderer Lebewesen verdienen, nicht mehr helfen, weil die Massentierhaltung ein Unternehmen darstellt, das jede von Moral gezogene Grenze weit überschritten hat. Wenn man Menschen nicht mehr mit einem Appell an Anstand und Empathie erreichen kann, muss man ihnen Kosten verursachen bzw. sie die Kosten tragen lassen, die sie selbst verursachen. U.a. deshalb unterstützen wir den offenen Brief von Weathers und Hermanns.

Hier kann der offene Brief unterschrieben werden.

Literatur

Aarestrup, Frank M. 2005. “Veterinary Drug Usage and Antimicrobial Resistance in Bacteria of Animal Origin.” Basic & Clinical Pharmacology & Toxicology 96 (4): 271–81. doi:10.1111/j.1742-7843.2005.pto960401.x.

Bouvard, Véronique, Dana Loomis, Kathryn Z Guyton, Yann Grosse, Fatiha El Ghissassi, Lamia Benbrahim-Tallaa, Neela Guha, Heidi Mattock, and Kurt Straif. 2015. “Carcinogenicity of Consumption of Red and Processed Meat.” The Lancet Oncology 16 (16): 1599–1600. doi:10.1016/S1470-2045(15)00444-1.

Cecchini, Michele, Julia Langer, and Luke Slawomirski. 2015. “Antimicrobial Resistance in G7 Countries and beyond: Economic Issues, Policies and Options for Action.” OECD. https://www.oecd.org/els/health-systems/Antimicrobial-Resistance-in-G7-Countries-and-Beyond.pdf.

Economou, Vangelis, and Panagiota Gousia. 2015. “Agriculture and Food Animals as a Source of Antimicrobial-Resistant Bacteria.” Infection and Drug Resistance 8 (April): 49–61. doi:10.2147/IDR.S55778.

Micha, Renata, Sarah K. Wallace, and Dariush Mozaffarian. 2010. “Red and Processed Meat Consumption and Risk of Incident Coronary Heart Disease, Stroke, and Diabetes Mellitus: A Systematic Review and Meta-Analysis.” Circulation 121 (21): 2271–83. doi:10.1161/CIRCULATIONAHA.109.924977.

OECD. 2016. “Antimicrobial Resistance: Policy Insights.” https://www.oecd.org/health/health-systems/AMR-Policy-Insights-November2016.pdf.

Pan, An, Qi Sun, Adam M. Bernstein, Matthias B. Schulze, JoAnn E. Manson, Meir J. Stampfer, Walter C. Willett, and Frank B. Hu. 2012. “Red Meat Consumption and Mortality: Results from Two Prospective Cohort Studies.” Archives of Internal Medicine 172 (7): 555–63. doi:10.1001/archinternmed.2011.2287.

Rouhani, M. H., A. Salehi-Abargouei, P. J. Surkan, and L. Azadbakht. 2014. “Is There a Relationship between Red or Processed Meat Intake and Obesity? A Systematic Review and Meta-Analysis of Observational Studies.” Obesity Reviews: An Official Journal of the International Association for the Study of Obesity 15 (9): 740–48. doi:10.1111/obr.12172.

Varraso, Raphaëlle, and Carlos A. Camargo. 2015. “The Influence of Processed Meat Consumption on Chronic Obstructive Pulmonary Disease.” Expert Review of Respiratory Medicine 9 (6): 703–10. doi:10.1586/17476348.2015.1105743.

Vieira, Antonio R., Peter Collignon, Frank M. Aarestrup, Scott A. McEwen, Rene S. Hendriksen, Tine Hald, and Henrik C. Wegener. 2011. “Association between Antimicrobial Resistance in Escherichia Coli Isolates from Food Animals and Blood Stream Isolates from Humans in Europe: An Ecological Study.” Foodborne Pathogens and Disease 8 (12): 1295–1301. doi:10.1089/fpd.2011.0950.

Wang, Xia, Xinying Lin, Ying Y. Ouyang, Jun Liu, Gang Zhao, An Pan, and Frank B. Hu. 2016. “Red and Processed Meat Consumption and Mortality: Dose-Response Meta-Analysis of Prospective Cohort Studies.” Public Health Nutrition 19 (5): 893–905. doi:10.1017/S1368980015002062.

Wolk, A. 2017. “Potential Health Hazards of Eating Red Meat.” Journal of Internal Medicine 281 (2): 106–22. doi:10.1111/joim.12543.

Yang, Cuili, Lei Pan, Chengcao Sun, Yongyong Xi, Liang Wang, and Dejia Li. 2016. “Red Meat Consumption and the Risk of Stroke: A Dose-Response Meta-Analysis of Prospective Cohort Studies.” Journal of Stroke and Cerebrovascular Diseases: The Official Journal of National Stroke Association 25 (5): 1177–86. doi:10.1016/j.jstrokecerebrovasdis.2016.01.040.

Fleischesser und Veganer: Noch eine gesellschaftliche Konfliktlinie

Seit einigen Monaten beobachten wir wie eine neue Konfliktlinie in Deutschland etabliert werden soll. Nachdem sich die Konfliktlinien zwischen Feministen versus Anti-Feministen, Homosexuellen versus Heterosexuellen, Kinderbesitzer versus Kinderlose, Anti-Rassisten versus alle anderen und Anti-Faschisten versus die gesellschaftliche Mitte abgenutzt haben und Fördergelder über immer mehr Mäuler, die zu füttern sind, verteilt werden müssen, gibt es einen neuen Versuch, die Gesellschaft entlang ideologischer Einbildung zu spalten und die Spaltung zu einem einträglichen (Förder-)Geschäft zu machen: Fleischesser gegen Veganer.

Singer Animal liberationSo als wären die Essgewohnheiten etwas, was der gegenseitigen Überwachung bedarf, wird versucht, Essgewohnheiten zu problematisieren und in Syndrome zu ordnen, die letztlich auf das alte Paar von gut und böse reduziert werden können. Wir stellen dies als Vegetarier fest, die u.a. aus moralischen und ethischen Gründen kein Fleisch essen. Und obwohl wir Vegetarier sind, haben wir einiges an der angeblichen Forschung, die in Mode kommt, auszusetzen, mit der die guten Veganer von den bösen Fleischessern getrennt werden sollen. Die Einwände, die wir haben, sind wissenschaftliche Einwände. Was die Frage angeht, ob Fleischkonsum ethisch und moralisch zu rechtfertigen ist, so muss diese Frage jeder für sich selbst beantworten. Wir wollen hier nur insofern ein Urteil abgegeben als wir zugeben, dass wir, angesichts mancher fleischfressender Exemplare, die sich selbst zur Gattung „Mensch“ zählen, wirklich traurig sind, dass andere Leben geopfert wurden.

Doch zurück zum Versuch, Fleischesser mit haarigen Methoden zu einer minderwertigen Ernährungsklasse zu reduzieren und sie zu schlechteren Menschen zu stilisieren, schlechteren Menschen, die sich dadurch auszeichnen sollen, dass sie mehrheitlich männlich sind, soziale Dominanz ausüben wollen, Sexisten sind, Rassisten und vieles mehr, was den entsprechenden Sozialforschern einfällt, Sozialforschern wie Christopher A. Monteiro, Tamara M. Pfeiler, Marcus D. Patterson oder Michael A. Milburn von den Universitäten Cornell in Ithaca, Johannes-Gutenberg in Mainz und Massachusetts.

Sie argumentieren, dass Fleischessen eine Ideologie darstellt, die über eine Skala, die sie Carnism Inventory nennen, messbar sein soll. Wie üblich, setzt sich die Skala aus unterschiedlichen Aussagen zusammen, z.B. „Menschen sollten auch weiterhin Fleisch essen, weil sie das schon seit Jahrtausenden tun“ oder „Fleisch zu essen ist gut für meine Gesundheit“ oder „Ich habe das Recht, Tiere zu töten, wenn ich das will“. Wie üblich gibt es abgestufte Möglichkeiten, um diesen Aussagen zuzustimmen oder sie abzulehnen. Im vorliegenden Fall reichen die Skalen von 1 starke Zustimmung bis 7 starke Ablehnung.

Und hier beginnt der Humbug. Denn obwohl sich die Antworten über sieben Kategorien verteilen und es einen Unterschied macht, ob ein Befragter seine starke Ablehnung kundtut, in dem er „7“ ankreuzt oder sich bei 4 einpendelt, was keiner Entscheidung, also weder einer Ablehnung noch einer Zustimmung entspricht, obwohl diese Unterschiede im Antwortverhalten vorhanden sind, wird den entsprechenden Mustern im Antwortverhalten keinerlei Bedeutung zumessen.

Warum? Weil es den angeblichen Forschern nicht darum zu gehen scheint, Erkenntnis zu gewinnen, sondern darum, ihre Ideologie zu bestätigen. Dass sie darauf aus sind, sieht man schon daran, dass die Skala, die die Fleischesser-Ideologie erheben soll, mit Skalen, die Sexismus oder soziale Dominanz oder Feindseligkeit messen sollen, in Verbindung gebracht wird und nicht z.B. mit Skalen, die Glück, subjektives Gesundheitsempfinden, Lebenszufriedenheit oder ziviles Engagement messen sollen. Der Bias in der Auswahl der Skalen, wie sie z.B. die oben benannten Autoren vorgenommen haben, ist vielsagend und zeigt bereits, dass hier nicht Wissenschaft betrieben werden soll, sondern Ideologie.

Doch zurück zur Tatsache, dass die Antwortmuster, also die Angaben, die mehrere Befragte zu unterschiedlichen Items gemacht haben, nicht mehr vorkommen, dass Standards empirischer Sozialforschung, wie sie z.B. die Angabe von Mittelwerten, der Streuung oder die Darstellung der Verteilung der Antworten aller Befragten auf eine Aussage darstellen, nicht eingehalten werden, dass die entsprechenden Informationen unterschlagen werden. Vielmehr wird korreliert, die Fleischesser-Skala mit z.B. der Feindseligkeits oder der soziale Dominanz-Skala.

Go veganGehen wir der Einfachheit halber davon aus, zwei Skalen bestünden nur aus einer Variable, für die sieben Antwortmöglichkeiten von 1 „starke Ablehnung“ bis 7 „starke Zustimmung“ vorhanden sind. Wenn Sozialforscher die Verteilung der Antworten nicht angeben und statt dessen nur Korrelationen zwischen den Variablen berichten, Marke: Fleischesser sind feindlicher, sozial-dominant, eher Männer und neigen abgesehen davon zum Rechtsextremismus, dann ist Vorsicht geboten, dann liegt der Verdacht nahe, dass hier manipuliert werden soll. Um dies zu zeigen, haben wir ein kleines Experiment gemacht, dessen Daten in der Tabelle unten zu finden sind.

Unser Experiment besteht aus vier Durchgängen und basiert auf 100 Befragten deren Antworten wir zufällig verteilt haben.

Wir korrelieren Fleischkonsum (x) mit politischer Orientierung (y)
Beide Skalen reichen von 1 bis 7. Für (x): der Wert 1 gibt an, dass kein Fleischkonsum vorliegt, während bei 7 hoher Fleischkonsum vorliegt; Für (y): Der Wert 1 gibt eine linke, der Wert 7 eine rechte politische Orientierung an.
Alle Daten, die wir generiert haben, finden sich unten.

In Durchgang 1 haben für beide Variablen zufällige Werte von 1 bis 7 generieren lassen und die beiden Variablen miteinander korreliert. Die Korrelation von r = .16 zeigt, dass mit zunehmendem Fleischkonsum die politische Orientierung nach rechts rückt.

In Durchgang 2 haben wir angenommen, das wir in unserem Datensatz nur Vielfleischesser und Rechte haben. Entsprechend haben wir für beide Variablen zufällige Werte, die den Bereich von 6 und 7 umfassen, generieren lassen. Unsere Korrelation beträgt dieses Mal r = .19. mit hohem und höchstem Fleischkonsum verbindet sich eine rechte Orientierung.

In Durchgang 3 haben wir angenommen, dass wir nur mittelmäßige Fleischesser haben, die allesamt eine linke politische Orientierung haben. Entsprechend haben wir den Fleischessern Werte von 3 bis 5 zufällig zuweisen lassen und der politischen Orientierung zufällig den Wert 1 oder 2. Abermals ergibt sich eine Korrelation. Dieses Mal ist sie mit .23 sogar höher als bei den vorherigen Durchgängen. Abermals muss man aus der Korrelation ablesen, dass mit einer zunehmend rechten Orientierung ein zunehmender Fleischkonsum einhergeht und das, obwohl wir nur Linke in der Analyse haben.

In Durchgang 4 haben wir den Ausgangspunkt verkehrt: Nun stehen Personen, die sich in der politischen Mitte verorten, Personen, die einen geringen Fleischkonsum angeben, gegenüber. Entsprechend variieren die zufällig zugewiesenen Werte zwischen 1 und 2 beim Fleischkonsum und zwischen 3 und 5 bei der politischen Orientierung. Dieses Mal beträgt die Korrelation r = .12. Abermals gibt die Korrelation an, dass der Fleischkonsum zunimmt, wenn die politische Orientierung nach rechts rückt.

Vier vollkommen unterschiedliche Szenarien, die auf grundverschiedenen Verteilungen der Antworten der Befragten basieren, kommen somit zum selben Ergebnis, nämlich, dass mit rechter Orientierung hoher Fleischkonsum einhergeht. Dieses Ergebnis erhalten wir, wenn wir Antworten auf beide Fragen für den gesamten Wertebereich zufällig generieren, wenn wir einen hohen Fleischkonsum mit ausschließlich rechter Orientierung vorgeben, wenn wir nur Personen, die sich in der politischen Mitte verorten mit geringem bzw. keinem Fleischkonsum korrelieren und selbst dann, wenn wir ausschließlich Personen, die sich dem linken politischen Spektrum zuordnen mit einem mittleren Fleischkonsum im Sample haben.

Dieses kleine Experiment zeigt, dass Studien, deren Autoren sich weigern, die Verteilung von Antworten auf ihre Aussagen anzugeben, Humbug sind und bis auf Weiteres als Versuch, ideologischer Einflussnahme betrachtet werden müssen, und es zeigt, dass man die eigene Ideologie immer mit entsprechend interpretierten Daten bestätigen kann. Das ist der Grund dafür, dass Sir Karl Raimund Popper gefordert hat, dass Versuche unternommen werden, die eigene Theorie zu widerlegen, nicht, sie zu bestätigen.

Unsere Daten:

Durchgang 1 Durchgang 2 Durchgang 3 Durchgang 4
1 2 6 6 4 2 2 5
4 2 7 7 3 1 2 5
7 7 6 6 3 2 1 3
3 4 7 6 4 1 2 5
5 5 7 6 3 2 2 4
6 4 6 7 5 1 2 4
3 4 6 6 4 1 1 5
2 5 6 7 5 2 1 3
5 7 6 6 5 1 1 4
4 1 7 7 4 2 1 3
2 6 6 6 3 1 2 4
6 7 7 6 4 2 1 3
7 3 6 6 5 2 2 4
2 5 7 7 5 2 1 3
3 5 7 7 4 1 1 4
2 3 7 7 3 2 1 5
2 7 7 6 4 2 2 3
7 7 7 6 3 1 2 4
3 6 6 7 4 2 1 5
3 1 7 6 3 2 1 5
2 4 6 6 5 1 1 3
7 2 7 7 3 1 1 5
4 7 6 7 5 2 1 3
5 7 7 7 4 2 2 4
4 4 7 7 3 2 1 3
3 7 7 7 5 1 1 5
3 1 7 7 3 2 1 3
1 3 6 7 3 1 1 3
7 4 6 7 5 2 1 3
3 3 7 6 5 1 1 4
1 3 6 7 5 2 1 3
4 2 7 7 3 1 2 3
1 3 6 7 5 1 2 3
5 4 6 7 4 1 1 5
2 2 6 6 4 2 2 3
4 5 7 6 4 1 2 5
4 1 6 7 5 1 2 4
7 1 7 6 3 1 2 4
5 2 7 7 4 1 1 4
7 4 6 6 5 1 2 5
5 2 6 6 5 1 2 3
5 6 7 7 4 2 1 5
2 1 7 7 5 1 2 3
5 4 7 6 3 2 1 3
3 3 7 7 3 1 1 3
4 2 6 7 5 2 1 4
2 2 6 6 4 1 1 3
4 2 6 6 4 2 2 3
2 2 7 6 3 1 1 3
2 3 7 6 4 1 2 5
6 4 7 6 3 1 2 5
2 3 7 6 3 1 1 4
1 3 7 7 3 2 1 3
5 1 6 6 4 2 1 3
1 2 7 6 4 2 1 3
4 6 6 6 5 2 1 4
5 5 6 7 3 2 2 3
3 6 6 6 3 2 1 4
1 5 6 6 3 1 1 3
5 6 7 7 5 1 2 3
5 6 7 6 3 2 2 5
3 6 7 6 5 1 1 3
1 6 7 7 3 1 1 4
3 2 7 7 5 2 1 4
5 3 6 6 3 1 2 5
2 3 6 7 4 2 1 4
3 2 7 6 5 1 1 3
7 3 6 6 5 1 1 3
4 3 7 7 5 1 2 5
5 6 7 6 4 1 2 5
4 3 7 7 5 1 1 3
2 1 6 6 5 2 1 4
7 5 6 6 3 2 2 3
1 5 7 7 4 1 1 5
2 5 6 7 3 1 2 5
3 4 7 6 4 2 1 3
6 7 6 7 3 1 1 5
3 4 7 7 4 1 2 5
6 3 6 6 4 1 1 5
2 1 6 6 5 1 2 4
5 7 6 6 4 2 2 4
7 2 7 7 4 1 1 5
5 6 6 7 5 2 2 4
1 5 6 7 5 2 1 5
4 6 7 7 4 1 2 3
2 3 6 6 4 2 2 4
5 7 6 6 3 2 2 4
5 1 7 6 5 2 1 5
5 1 7 7 3 1 2 4
5 7 6 6 5 1 2 5
5 4 7 7 5 1 1 5
1 3 7 7 5 2 1 3
3 1 6 7 5 1 2 5
7 3 6 6 5 2 1 4
6 7 6 6 5 2 2 4
4 1 7 7 5 2 2 4
4 5 7 6 5 1 2 4
4 7 7 7 5 2 2 4
4 1 7 7 3 1 1 4
4 4 7 7 3 2 2 4
4 4 7 6 4 1 2 3
r 0,16555 0,18976 0,23364 0,11657

Literatur

Monteiro, Christopher A., Pfeiler, Tamara M., Patterson, Marcus D. & Milburn, Michael A. (2017). The Carnism Inventory: Measuring the Ideology of Eating Animals. Appetite 113(1): 51-62.

Familienverband fordert Wahlrecht ab Geburt und Wahlrecht für alle Säugetiere

Diese Namen sollten Sie sich merken:

  • Renate Schmidt, Bundesfamilienministerin a.D. (SPD) und Schirmherrin der Kampagne
  • Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D. (SPD)
  • Dr. Hermann Otto Solms, Bundestagsvizepräsident a.D. (FDP)
  • Dr. Klaus Zeh, Minister a.D. (DFV-Präsident)
  • Ingrid Arndt-Brauer, MdB (SPD)
  • Swen Schulz, MdB (SPD)
  • Thomas Silberhorn, MdB (CSU)
  • Peter Patt, MdL (CDU)
  • Alexander Schoch, MdL (Bündnis 90/Die Grünen)
  • Paul Ziemiak, JU-Vorsitzender (CDU)
  • Arne Gericke, MdEP (Familienpartei)
  • Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit, Justizsenatorin a.D. (SPD)
  • Markus Löning, MdB a.D. (FDP)
  • Steffen Reiche, MdB a.D. (SPD)
  • Hellmut Königshaus, MdB a.D. (FDP)
  • Cornelia Pieper, MdB a.D. (FDP)
  • Angelika Brunkhorst, MdB a.D. (FDP)
  • Dr. Albin Nees, Staatssekretär a.D. (CDU)
  • Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (Hertie School of Governance)
  • Prof. Dr. Kurt-Peter Merk (Hochschule Koblenz)
  • Prof. Dr. Hermann Heußner (Fachhochschule Osnabrück)
  • Prof. Dr. Herwig Birg (Universität Bielefeld)
  • Dr. Axel Adrian (Jurist)
  • Wolfgang Gründinger (Sprecher der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen)

Wahlrecht ab geburtDie Namen gehören zu Personen, die ein Wahlrecht ab Geburt fordern. Begründet wird der neueste Nagel im Sarg der Demokratie damit, dass „nur wer wählt, zählt“. Als wäre diese Zuweisung von Wert an Bürger auf Grundlage ihrer Fähigkeit, ein Kreuz in einen vorgegebenen Kreis zu machen, nicht schon peinlich genug, argumentieren die Genannten, die im Deutschen Familienverband dafür sorgen wollen, dass Wahlgeschenke an Eltern sich gleich mehrfach lohnen, ausgerechnet damit, dass „immer weniger junge Menschen … immer mehr älteren Menschen“ gegenüberstehen.

Ältere Menschen und jüngere Menschen wären somit diametral zueinander, die Interessen beider inkompatibel. Irgendwie glauben die namentlich oben Genannten wohl, dass man die Mengenverhältnisse dadurch ändern könne, dass man den wenigen jüngeren Menschen ein Stimmrecht ab Geburt gibt, damit sie den vielen älteren Menschen Paroli bieten können. Dies zeigt, wer vom Wahnsinn befallen ist, hat auch keine Bewusstseinsinseln mehr, er fabuliert in jeder Hinsicht oder es zeigt, dass es nicht darum geht, jüngeren Menschen eine Stimme zu geben, wie es pathetisch heißt, sondern darum, opportunistisches Verhalten von Parteien und Wählern zu belohnen, denn: wenn Eltern die Stimme ihrer Neugeborenen bei Wahlen vertreten, dann lohnen sich Wahlgeschenke an Eltern doppelt – wie oben bereits angemerkt wurde.

Dass es darum geht, Eltern zu opportunistischen Wählern und zur einfachen Beute für opportunistische Politiker zu machen, steht ganz offen in der Pressemeldung des Deutschen Familienverbands: „Bisher können allein ihre Eltern mit dem Kreuz auf dem Wahlzettel versuchen, die Politik in Richtung Nachhaltigkeit und Familiengerechtigkeit zu lenken.“ [Scheinbar haben Eltern nur die Eigenschaft, Nachwuchsbetreuer zu sein. Als solche besteht Interessengleichheit zwischen ihnen und ihrem Nachwuchs, jedenfalls für die Vertreter dieses frei flottierenden Wahns, die oben genannt wurden.]

Deshalb müssen Kinder ab Geburt ein Stimmrecht erhalten und Eltern es in Treuhänderschaft wahrnehmen. Natürlich, so müssen wir ergänzen, haben Eltern immer dieselbe Meinung darüber, welcher Partei ihr Kind die Stimme geben würde, wäre es dazu im Stande, und natürlich gibt es keinerlei Streit darüber, wer das Wahlrecht des Kindes ausüben darf. Dergleichen Nebensächlichkeiten können ignoriert werden. Schließlich geht es darum, Demokratie zu zerstören und dafür zu sorgen, dass es für Politiker leichter wird, Stimmen von Bevölkerungsgruppen zu kaufen.

Da sich in den letzten Jahren zunehmend die Erkenntnis durchsetzt, dass es ethisch nicht mehr vertretbar ist, Säugetiere (außer Menschen) zu töten, um ihre Leichen in Teilen Exemplaren, wie den oben namentlich genannten, zum Fraß vorzuwerfen, fordern wir nun endgültig ein Wahlrecht für Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und alle sonstigen Säugetiere, die von Menschen ermordet, gefressen oder anderweitig ausgenutzt werden.

Singer Praktische EthikBislang haben diese Säugetiere kein Wahlrecht, obwohl ihre geistige Kapazität fast durchgängig über der des menschlicher Nachwuchses liegt, wie sich schon daran zeigt, dass z.B. Lämmer bereits nach kurzer Zeit des Laufens und selbständigen Essens fähig sind, eine Fähigkeit, die zu meistern menschlichem Nachwuchs erst nach Jahren gelingt. Entsprechend können wir im Einklang mit der Forschung und den Arbeiten zur praktischen Ethik, wie sie Peter Singer veröffentlicht hat, feststellen: Andere Säugetiere sind menschlichem Nachwuchs überlegen. Wenn nun menschlicher Nachwuchs ab Geburt eine Stimme haben soll, dann ist es kaum möglich, die entsprechende Stimme für andere Säugetiere zu verweigern. Da andere Säugetiere insbesondere ein Interesse an nachhaltiger Entwicklung haben und vor allem daran, nicht zum Fleischlieferanten degradiert zu werden, da andere Säugetiere darüber hinaus und als Folge der Bevölkerungsexplosion weltweit einer wachsenden Zahl von Menschen gegenüberstehen, deren intellektuelle Reife bislang nicht dazu ausreicht, vom Fleischkonsum abzusehen, ist es notwendig, nicht-menschlichen Säugetieren eine Stimme zu geben. Diese Stimme muss, wie bei menschlichem Nachwuchs, treuhänderisch von erwachsenen Menschen ausgeübt werden. Vegetarier und Veganer sind dafür am besten geeignet. Von ihnen kann erwartet werden, dass sie dem Hauptinteresse jedes Lebewesens, nicht von anderen gefressen zu werden, Rechnung tragen.

Die Argumentation, die ein Wahlrecht für nicht-menschliche Säugetiere fordert, steht im Einklang und leitet sich logisch aus der Argumentation des Deutschen Familienverbands ab, so dass der Deutsche Familienverband letztlich keine Einwände dagegen haben kann, wenn seine Forderung danach, Säuglingen, Kindern und Jugendlichen, deren Reife mit der anderer Säugetieren vergleichbar ist und zeitweise hinter der Reife und geistigen Entwicklung anderer Säugetiere zurückbleibt, eine Stimme zu geben, durch die logisch folgende Forderung eines Wahlrechts für alle anderen Säugetiere ergänzt wird. Denn: nur wer wählt, zählt, und schließlich gilt es zu verhindern, dass Lämmer, Rinder oder Schweine, die eine große Zukunft vor sich hätten, von Menschen wie den oben genannten, gefressen und um ihre nachhaltige Zukunft gebracht werden.

Wissenschaftlicher Unsinn gefährdet Ihre Gesundheit

Grundsätzlich ist es das Ziel von wissenschaftlicher Forschung, allgemeine Zusammenhänge, verallgemeinerbare Aussagen, Theorien aufzustellen, die es erlauben, auf Basis einiger Kriterien Aussagen über die Zukunft, also Prognosen aufzustellen.

Tatsächlich verkommt wissenschaftliche Forschung immer mehr zu ideologischem Geschwätz oder sie wird dazu genutzt, die letzten Trivialitäten zu verkünden oder dazu, den allgemeinen Wald vor lauter speziellen Bäumen nicht mehr zu sehen. Häufig sind angebliche Wissenschaftler nur noch damit beschäftigt, ihren geistigen Tellerrand abzulaufen und kommen nicht einmal auf die Idee, es könnte eine Erkenntnis jenseits der eigenen Engstirnigkeit geben.

Opp MethodologieDie „Bonner Ökonomen Armin Falk und Fabian Kosse“ gehören zu Letzteren. Sie produzieren Ergebnisse, die (1) trivial, (2) engstirnig und (3) idiosynkratisch sind, und zwar unter der Überschrift: „Unfaire Löhne gefährden die Gesundheit“.

Falk und Kosse haben 80 Studenten in zwei Gruppen geteilt. Eine Gruppe enthielt Chefs, eine Arbeiter. Die Arbeiter mussten 25 Minuten lang langweilige Rechenaufgaben lösen, während die Chefs entspannten. Für jede gelöste Rechenaufgabe gab es Geld. Je mehr Rechenaufgaben gelöst wurden, desto höher das gemeinsame Verdienst, das am Ende der 25 Minuten von den 25 Chefs mit den 25 Arbeitern geteilt wurden. Dabei haben sich die Chefs regelmäßig mehr Geld zugewiesen als sie ihren Arbeitern zugebilligt haben, was bei den Arbeitern dazu geführt hat, dass sich die Herzfrequenzvariabilität abgesenkt hat.

Sie waren gestresst, wie Falk und Kosse meinen, verärgert wäre das Wort, das wir gewählt hätten. Nun bringt eine niedrigere Herzfrequenzvariabilität, wie Falk und Kosse meinen, das erhöhte Risiko einer Herzerkrankungen mit sich. Entsprechend folgern sie, dass die unfaire Teilung des von den Arbeitern erwirtschafteten Gelds durch die Chefs letztlich die Arbeiter krank machen kann.

Von hieraus machen Falk und Kosse einen Sprung zu Ergebnissen, die auf Basis des Sozio-ökonomischen Panels erzielt wurden. Demnach haben Befragte, die ihren Lohn als unfair empfunden haben, auch ihren Gesundheitszustand schlechter eingeschätzt als Befragte, die ihren Lohn als fair empfanden. Der Sprung soll die eigenen, mageren Ergebnisse, die auf dem Rücken von 80 studentischen Opfern gewonnen wurden, aufpeppen und allgemein machen. Tut er aber nicht. Vielmehr vergleichen Falk und Kosse Äpfel mit Birnen.

Im SOEP wurde real erhaltener Lohn und subjektive Einschätzung von Gesundheit untersucht, während Falk und Kosse erspielten Gewinn, willkürliche Entscheidung und gemessene Herzfrequenzvariabilität in Zusammenhang gebracht haben. Sie behaupten also einen Syllogismus ohne Mittelglied, und so lange sie nicht belegt haben, dass unfairer Lohn mit erspieltem Gewinn und mit Herzfrequenzvariabilität und subjektiv schlecht eingeschätzter Gesundheit zusammenhängt, ist ihre wilde Assoziation eben das: eine wilde Assoziation.

Wenn der Schluss, den Falk und Kosse gerne im Hinblick auf Lohngerechtigkeit ziehen würden, wohl weil Lohngerechtigkeit derzeit ein trendy Thema ist, mit dem man viel Browniepoints verdienen kann, nicht gezogen werden kann, was bleibt dann von ihrer Forschung?

Trivialitäten.
Diese zum Beispiel: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass der menschliche Körper auf soziale und kontextbezogene Informationen reagiert und sie systematisch verarbeitet“.

Unglaublich. Menschen sind Teil einer Umwelt und reagieren auf diese Umwelt. Es soll Menschen geben, die bei Hitze schwitzen, andere sollen bei Kälte frieren und wieder andere sollen mit Ärger reagieren, wenn sie öffentlich-rechtliche Sender anschalten, Behördenbriefe erhalten oder derart dünngeistigen Unsinn zugemutet bekommen, wie ihn Fabian Kosse hier formuliert hat.

Nicht genug mit Trivialitäten, Engstirnigkeit kommt noch hinzu.

Völlig fixiert auf ihr Ansinnen, auf dem Trittbrett der Lohngerechtigkeit mitzufahren (um vielleicht vom BMFSFJ gefördert zu werden), sehen sie den Wald vor lauter Bäumen nicht, obwohl Gerechtigkeit eine Universalie ist, die den Schluss nahelegt, dass eine Verletzung des Gerechtigkeitsempfinden im generellen und nicht nur im Speziellen für die niedrigere Herzfrequenzvariabilität verantwortlich ist. Der Spiellohn bei Falk und Kosse wäre somit ein Anwendungsfall eines größeren Themas, eines Themas, das eigentlich in der Wissenschaft bearbeitet wird, nur nicht von Falk und Kosse.

Vielleicht scheuen Sie davor zurück, weil der Schluss, dass eine niedrige Herzfrequenzvariabilität ein Maß für ein erhöhtes Risiko einer Herzerkrankung ist, vor allem dann, wenn es um gesunde und junge Menschen geht, unter Ärzten umstritten ist bzw. nicht gezogen wird. Ärzte begnügen sich damit festzustellen, dass die Herzfrequenzvariabilität bei Patienten, die bereits unter einer Erkrankung des Herzens leiden, ein hilfreicher Indikator sein kann und dass es wohl einen, bislang ungeklärten Zusammenhang zwischen Herzfrequenzvariabilität und Alter gibt:

“ Die Mechanismen der altersassoziierten HRVAbnahme sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Sicher spielen bei einem Teil der Menschen gerade auch mit zunehmendem Alter Lifestyle – Faktoren, vor allem die Abnahme der körperlichen Aktivität und daraus resultierend der körperlichen Fitness eine Rolle. Darüber hinaus scheint jedoch auch der Alterungsprozess per se zu einer Beeinträchtigung der autonomen Funktion zu führen, wobei nach derzeitiger Datenlage vor allem vagusvermittelte Prozesse und Regelkreise betroffen sind.“

Vom Forschungsergebnis, das Falk und Kosse mit umfangreichen und weitreichenden Behauptungen vertreiben, bleibt nichts übrig, so dass man wohl feststellen muss: handwerklich schlecht, theoretisch unfundiert, assoziativ und falsch. Forschung 2017.

#keingeldfürrechts: Operation gelungen, Patient tot

Melodramatik gibt es heute auf MEEDIA und beim Stern. „Angriff auf mein persönliches Leben“, heißt es bei MEEDIA: „Gerald Hensel verlässt Scholz & Friends“.

davaidavaiEin Shitstorm ist angeblich über Gerald Hensel hereingebrochen. Der Shitstorm, der Hensel scheinbar völlig unvorbereitet getroffen hat, ist das Ergebnis eines „so großen“ Erfolges der Aktion #keingeldfürrechts, dass sich Gerald Hensel entschlossen hat, Scholz & Friends zu verlassen. Er habe alles richtig gemacht, so sagt Hensel und bestätigt, dass sein ehemaliger Arbeitgeber rückhaltlos hinter ihm stehe und dass der große Erfolg von #keingeldfürrechts ein „systematischer, konzertierter Shitstorn ist, der zu einem Angriff auf mein persönliches Leben und mein Arbeitsumfeld, meine Kollegen, meinen Arbeitgeber geworden ist“. Und natürlich erhält Gerald Hensel Hass-Tweets – einfach so, denn er hat ja nichts falsch gemacht: „Ich habe alles richtig gemacht“, so sagt er.

Nun denn: Offensichtlich sind Tausende von Twitter-Nutzern, die täglich Hensel das schicken, was er Hass-Tweets nennt, gar nicht der Meinung, dass Hensel „alles richtig gemacht“ habe. Vielmehr sind sie wohl der Meinung, dass Hensel alles falsch gemacht habe, dass sein Aufruf, Werbung nur noch auf gesinnungskonformen Seiten zu schalten, die nicht das sind, was Hensel für rechts hält, das Überschreiten einer Grenze darstellt, das sie nicht hinnehmen wollen.

Machen wir also einmal wieder eine kleine Analyse in Empathie, in Logik und in Komplexität.

Empathie

GarfinkelDer von uns schon oft zitierte Harold Garfinkel hat eine Reihe von Experimenten durchgeführt, die er als Erschütterungsexperimente bezeichnet hat. Erschüttert hat Garfinkel in seinen Experimenten regelmäßig kulturelle Erwartungen, kulturelle Selbstverständlichkeiten. Die Reaktionen waren immer und ausnahmslos heftig. Die Erwartung, fair behandelt zu werden, ist eine grundlegende Erwartung, die man als menschliches Erbe, als psychologische Selbstverständlichkeit ansehen kann. Der Aufruf nur noch Webseiten mit der richtigen Gesinnung mit Werbung zu unterstützen, ist ein Bruch dieser grundlegenden Erwartung an Fairness und fairen Wettbewerb. Und wie so oft, wenn grundlegende Erwartungen enttäuscht oder gar mutwillig zerstört werden, ist die nachfolgende Reaktion heftig, sehr heftig. Das war Hensel sicher bewusst oder will er andeuten, er wurde in einer anderen Welt sozialisiert, in der man nicht heftig darauf reagiert, wenn kulturelle Normalitäten, wie z.B. das Gebot der Fairness gebrochen werden?

Ob sich die heftigen Reaktionen in 1000 täglichen Hass-Tweets niederschlagen, muss man angesichts des bei Hensel offensichtlich nicht sonderlich weit entwickelten Urteilsvermögens wohl eher bezweifeln. Dass sich unter den Tweets, die er bekommt, deftige Tweets, in denen er als „ekelhafter Denunziant“ oder als „Propaganda glorifizierender Giftzwerg“ bezeichnet wird, befinden, ist sicher keine Frage. Es ist schon eher eine Frage, ob es sich bei diesen Tweets um Hass-Tweets oder um deskriptive Tweets handelt, die die Meinung dessen, der sie verschickt hat, wiedergeben. Und da die NoHateSpeech Bewegung Deutschland verkündet hat, dass Hass keine Meinung ist, muss man folgern, dass die Giftzwerg-Meinung kein Hass sein kann.

Logik

Damit sind wir bei der Logik bzw. dem Widerspruch zur Logik angekommen, den Hensel formuliert, wenn er die Lösung seines Arbeitsverhältnisses als „großen Erfolg“ bewertet und behauptet, er habe alles richtig gemacht, was voraussetzt, dass er geplant hat, bei Scholz und Friends auszuscheiden und deshalb die Aktion #keingeldfürrechts ins Leben gerufen hat. Dass ein Arbeitgeber rückhaltlos zu einem Arbeitnehmer steht, von dem er sich gerade getrennt hat, ist ebenfalls eine Mär aus dem Reich der Widersprüche, denn rückhaltlos wäre eine Unterstützung genau dann, wenn sie nicht darin münden würde, sich in Zukunft aus dem Weg zu gehen, sondern darin, die Arbeitsbeziehungen beizubehalten oder gar auszubauen. Dass jemand „hinter jemandem steht“ hat oft den Grund, dass er diesem jemand nicht in die Augen blicken, sondern in den Hintern treten will.

Der „große Erfolg“, den Hensel damit erreicht hat, dass er alles richtig gemacht hat, er besteht in einem systematischen, konzertierten „Shitstorm, der zu einem Angriff auf mein persönliches Leben … geworden ist“. Wie wohl ein Misserfolg für Hensel aussieht?

Egal.

Komplexität

prigogine-order-out-of-chaosHensel sieht sich also als Opfer einer zentral dirigierten, einer „konzertierten Aktion“, bei der, sagen wir der allgegenwärtige Henryk M. Broder per Knopfdruck und täglich aufs Neue mindestens 1000 Nutzer von Twitter in die Bahn setzt und dazu verführt, den armen Gerald Hensel, der lediglich dafür sorgen wollte, dass anderen mit aus seiner Sicht falscher Gesinnung die Existenzgrundlage entzogen wird, mit Hass-Tweets zu bombardieren. Nun, das ist etwas zu viel der Egomanie.

Nehmen wir einmal an, die Aktion #keingeldfürrechts ist bei all denen, die Fairness noch für einen wichtigen Baustein demokratischer Gesellschaften halten, auf Widerspruch gestoßen, Nehmen wir weiter an, für etliche derer, die an Fairness glauben, hat Hensel eine Demarkationslinie überschritten, die für sie großen Wert hat. Nehmen wir schließlich an, dass sich dieser große Wert in einer großen Empörung darüber niederschlägt, dass ein Hensel des Weges kommt, und anderen vorschreiben will, wen sie bewerben dürfen und wen nicht.

Komplexe Systeme, die heutzutage nicht nur in der Komplexitätstheorie, sondern im Management und selbst in der Gesundheitsforschung thematisiert werden, zeichnen sich dadurch aus, dass es viele Akteure gibt, die miteinander interagieren und mit ihrer Interaktion etwas Neues produzieren. Dan Briklin hat in diesem Zusammenhang von „The Cornucopia of the Commons“ gesprochen, das sich darin ausdrückt, dass viele einzelne Akteure im Internet die Möglichkeit haben, sich selbst zu organisieren und durch ihr Arbeiten am selben Projekt, z.B. am Projekt „Fairness gegenüber Hensel verteidigen“, einen entsprechenden Effekt zu erzielen in der Lage sind. Shirky hat diesen Effekt z.B. im Hinblick darauf diskutiert, unterschiedliche Nutzer das Etikettieren (tagging) von Exponaten in virtuellen Museen übernehmen zu lassen, in der Überzeugung, dass das korrekte Tagging sich mit der Zahl der Nutzer, die sich daran beteiligen, einstellen muss.

Insofern sind hohe Zahlen von Tweets, die an die Adresse von Gerald Hensel gerichtet sind, zum einen ein Beleg dafür, dass er es tatsächlich geschafft hat, kulturelle Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen (hier: Fairness). Insofern war seine Aktion tatsächlich ein Erfolg. Zum anderen sind sie ein Beleg dafür, dass es die Öffentlichkeit in Deutschland nicht gerne sieht, wenn jeder Hensel denkt, er könne Dritten vorschreiben, was nach seiner Ansicht politisch korrekt ist und was nicht. Die vielen Tweets, die Hensel und sein Arbeitgeber erhalten haben, sind somit ein Beleg dafür, dass Hensel in der wirklichen, also nicht in seiner eingebildeten Welt, eben nicht alles richtig gemacht hat, sondern dass er ziemlich viel falsch gemacht hat.

Entsprechend sind die Tweets auch kein Shitstorm, sondern eine Rückmeldung, die ein rationaler Akteur benutzen würde, um sein Verhalten zu modifizieren. Wohlgemerkt: ein rationaler Akteur – nicht Gerald Hensel, denn Hensel hat ja alles richtig gemacht, wie er meint.

Bleibt noch festzustellen, dass die Art und Weise, wie Schuld in Mainstream-Medien zugeschrieben und die Guten und Bösen voneinander unterschieden werden, revisionsbedürftig ist, denn die alte Masche, Widerspruch und Empörung als Shitstorm disqualifizieren zu wollen, sie hat sich überlebt. Niemand wird die Empörung, die er angesichts von Übergriffen auf seine kulturellen Selbstverständlichkeiten empfindet, deshalb herunterschlucken, weil in Mainstream-Medien anschließend wieder von einem Shitstorm gefaselt wird. Wenn Mainstream-Medien nicht noch mehr Leser verlieren wollen, sollten sie sich wieder in deskriptiven Bahnen bewegen und damit aufhören zu versuchen, ihre Leser bereits durch die Wortwahl zu manipulieren, denn in der Regel sind die Leser intelligenter als die Schreiber.

Übrigens: Weihnachtszeit ist Spendenzeit!

Zu wenig Herz: Transplantationsmediziner leiden

Der Tag der Organspende wirft seine Schatten voraus. Kein Tag ohne Pressemeldung, in der beklagt wird, dass die Spendebereitschaft nicht groß genug sei, dass der „Mangel an Spenderherzen weiterhin alarmierend“ sei und so weiter. Wir befinden uns im Bereich der moralischen Erpressung.

human organ tradeDie moralische Erpressung, sie beginnt damit, dass man eine leidende Gruppe konstruiert, die Gruppe derer, die auf ein Spenderorgan warten. Bilder von Kindern sind hier sehr beliebt. Der nächste Schritt in der moralischen Erpressungskampagne besteht darin, die große Zahl der auf ein Spenderorgan Wartenden mit der kleinen Zahl der Spenderorgane zu kontrastieren. Gerne auch gewürzt mit einem Hinweis der Art, jede Stunde sterben X Menschen, weil sie kein Spenderorgan erhalten. Wenn das alles nicht reicht, wird dringend an die Bevölkerung appelliert, sich mit „dem Thema Organspende auseinanderzusetzen“ und mit den „schwerkranken Patienten“, für die eine Transplantation „häufig die einzige Chance für das Langzeitüberleben“ bedeutet.

Eine solche moralische Erpressungskampagne, die nicht nur im Bereich der Transplantationsmedizin angewendet wird, sondern auch im Bereich z.B. des Gender Pay Gaps, hier allerdings mit erfundenen Zahlen, benutzt wird, basiert auf einer Reihe von Annahmen über die menschliche Natur, die man wie folgt zusammenstellen kann:

  • Menschen sind mitfühlend und lassen sich entsprechend über Empathie steuern und ausnutzen.
  • Man kann manchen Menschen einreden, sie hätten eine Verpflichtung, anderen zu helfen.
  • Man kann manchen Menschen sogar einreden, dass Altruismus etwas ist, was sie zu besseren Menschen macht und in den Himmel bringt.

Zunächst ist festzustellen, dass es weder ein moralisches Recht auf ein Spenderorgan noch eine Verpflichtung dazu, ein Organ zu spenden, gibt. Das Spenden eines Organes ist eine Art Caritas, die dem Euro, der dem Bettler gegeben wird, gleichkommt. Es ist eine individuelle Entscheidung, die der Spender für sich treffen muss. Entsprechend gibt es auch keine Rechtfertigung für den Versuch, die entsprechende Entscheidung beeinflussen zu wollen.

Diese Rechtfertigung erwächst auch nicht aus der (geheuchelten) Sorge um die vielen, die auf ein Spenderorgane warten. Wäre diese Sorge real, der Sorgende würde seine Organe spenden und sich umbringen, um dem Organmangel Abhilfe zu verschaffen. Offensichtlich geht niemand der Sorgenden soweit. Also kann man feststellen, dass sie sich nicht um die sorgen, die auf Spenderorgane warten, sondern ein anderes Motiv für ihre Sorge haben.

TK Organspende Schule

Moralische Erpressung beginnt in der Schule: Unterrichtsmaterialien der Techniker-Krankenkasse

Dieses Motiv ist so alt wie die Menschheit und lautet: Profit. Die Sorgenden zeichnen sich nämlich ausnahmslos dadurch aus, dass sie an Transplantationen verdienen. Wie viel sie daran verdienen, ist in Deutschland eine Art Staatsgeheimnis. Aus der Schweiz ist bekannt, dass bei der Transplantation von Herz-, Lunge oder Dünndarm Kosten zwischen 150.000 Franken und 250.000 Franken, also umgerechnet 135.000 Euro bis 225.000 Euro anfallen. Dass die Kosten in Deutschland geringer sind, ist nicht zu erwarten. Entsprechend ist eine Transplantation für Kliniken und Ärzte ein großes Geschäft. Ärzte erhalten darüber hinaus häufig eine Transplantationsprämie von z.B. 2000 Euro pro Transplantation, bei 56 Transplantationen pro Jahr ein nettes Zuverdienst.

Trotz all dieser ökonomischen Vorteile für Kliniken und Ärzte, die sich aus einer Transplantation ergeben, sind die entsprechenden Kliniken und Ärzte natürlich nur am Wohl der auf ein Spenderorgan Wartenden interessiert und nicht am eigenen Verdienst, wenn sie daran appellieren, dass Menschen, andere Menschen als sie selbst, ihre Organe spenden.

Gibt es jemanden, der das glaubt?

Allein die Tatsache, dass man in Deutschland umsonst nach offiziellen Statistiken zu den Kosten sucht, die mit Transplantation verbunden sind, zeigt schon, dass hier etwas im Busch ist, etwas, das nicht herauskommen soll, um nicht noch die wenigen Spender abzuschrecken, die sich bislang nicht haben abschrecken lassen.

Sicher sind ökonomische Vorgänge wie Prämienzahlungen für versierte Ärzte und Kostenerstattungen für Kliniken nicht von den Tätigkeiten, für die sie erstattet werden, zu trennen. Aus Sicht einer praktischen Ethik wäre es jedoch notwendig, den Prozess der Organtransplantation transparent zu machen: Wer verdient was, woran? Wie hoch ist die Überlebenswahrscheinlichkeit für diejenigen, die ein neues Organ verpasst bekommen? Und jenseits aller Gefühlsduselei: Stehen die Kosten einer Transplantation und die immensen Folgekosten, die von der Gemeinschaft der Versicherten zu tragen sind, in einem auch nur ansatzweise zu rechtfertigenden Verhältnis zur Überlebensdauer und zur Lebensfreude derer, die im Besitz eines fremden Organs (noch) leben?

„Für die Krankenkassen sind besonders die medikamentösen Nachbehandlungen teuer. Die Folgekosten für einen Nierenpatienten liegen im Jahr bei etwa 14.000 Euro. Die Pharmaunternehmen erwirtschaften jährlich Milliarden Euro mit dem Verkauf ihrer Präparate. Das Schweizer Unternehmen Novartis etwa soll im vergangenen Jahr mit einem Medikament mehr als 900 Millionen Dollar erwirtschaftet haben. Konkurrent Roche setzte 2011 mit einem ähnlichen Arzneimittel beinahe eine Milliarde Schweizer Franken um.“

Vultures_in_the_nestAnstatt zu appellieren und moralische Erpressungsversuche zu unternehmen, wäre es an der Zeit, in Deutschland eine offene Diskussion darüber zu führen, welche Kosten und welche Chancen mit Transplantationen verbunden sind, welche Interessen sich mit Transplantationen verbinden, und wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, dann ist es gut, dann gibt es keine Appelle und keine Mitleidsorgien mehr, keine Bildchen von lachenden Kindern, die mit neuer Niere leben und mit Medikamenten von morgens bis abends. Dann gibt es ausschließlich individuelle Entscheidungen auf einer ausreichenden Informationsgrundlage darüber, ob jemand ein Organ spenden will oder nicht, und es gibt niemanden, der sich anmaßt, vorzugeben, was moralisch wünschenswert wäre. Und auf Grundlage der Fakten kann man natürlich auch darüber eine Entscheidung treffen, ob es gerechtfertigt ist, teure Eingriffe wie Transplantationen von allen Versicherten finanzieren zu lassen, eine Frage, deren Antwort vornehmlich damit zusammenhängt, wie erfolgreich Transplantationen denn nun wirklich sind – und schon sind wir beim nächsten deutschen Staatsgeheimnis.

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Wir wollen nur Ihr Bestes: Ihre Leber, Ihre Nieren, Ihr Herz, Ihre Augen, Ihre Lunge…

Morgen ist Tag der Organspende. Seit 1983 wird der Tag der Organspende jeweils am ersten Samstag im Juni begangen. Samstags deshalb, weil Organspenden außerhalb der Arbeitszeit erfolgen sollen, schon weil eine Organspende nur dann möglich ist, wenn „der Tod … festgestellt ist“, wie man beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages weiß. Das macht Sinn, denn ohne Herz lebt es sich nicht so gut und nach Erfahrungsberichten ist auch ein Leben ohne Leber ziemlich saftlos.

Morgen ist also Tag der Organspende. Nie war Organspende so einfach und sicher wie heute: Dafür sorgt das Transplantationsgesetz (TPG). Dass es dennoch Organhandel durch Ärzte gegeben hat, kleine Unregelmäßigkeiten, die Ihr Vertrauen darin, dass Ihr Tod von diesen Ärzten korrekt festgestellt wurde, nicht dass man Sie aus Versehen lebend ausnimmt und tot und ausgeweidet zurücklässt, sollte Sie nicht in Ihrer Spendenfreude erschüttern. Es ist kein Grund zum Verzagen, denn: Nie war Nächstenliebe so einfach wie heute. Organspende ist gelebte Nächstenliebe wie Heiko Maas, Minister für … – war es Justiz?- weiß. Also leben Sie Nächstenliebe. Spenden Sie. Spenden Sie Organe. Sie spenden die Organe, wir kümmern uns um den Nächsten.

Die Zahl der Spendenfreudigen ist in Deutschland von 1.296 Organspendern im Jahr 2010 auf 864 Organspender 2014 zurückgegangen.

Schockbilder auch bald auf Fleischerzeugnissen

Heute tritt die neue EU-Tabakrichtlinie in Kraft: Ab sofort sehen Raucher beim Kauf einer Packung schwarze Zahnstümpfe, zerfressene Lungen und schwarze Raucherbeine. Die Schockbilder-Advokaten hoffen, mit den Bildern Raucher vom Rauchen abzuschrecken.

smoking cancerNun ist Rauchen eine Angewohnheit, die nicht umsonst unter der Bezeichnung „Sucht“ läuft, was darauf hinweist, dass die Entscheidung, mit dem Rauchen aufzuhören, bei vielen Abhängigen nicht unbedingt eine Option ist. Hinzu kommt, dass viele Raucher eine soziale Verpflichtung verspüren, nicht nur den Finanzminister über die Tabaksteuer glücklich zu machen, sondern auch die Raucher-Entwöhnungsindustrie auszuhalten. Was soll aus all den Sozialarbeitern, Sozialpädagogen, Medizinern, aus all den Entwöhnungshelfern werden, wenn einfach alle Raucher vom Rauchen abgeschreckt werden? Zum Glück produzieren Raucher das, was Ökonomen eine nicht elastische Nachfrage nennen, d.h. sie Rauchen unabhängig von Preis und Schockbildern auf der Packung.

Es geht auch nicht um die Raucher, sondern um die vielen Jugendlichen, die mit dem Rauchen gar nicht erst anfangen sollen. Sie abzuschrecken, ist das Ziel der Schockbilder, so hört man von den Schockbildphilen. Nun, verbotene Dinge und vor allem mit Schockbildern abschreckende Dinge, sie üben einen besonderen Reiz auf Jugendliche aus, die versuchen, ihre eigene Identität in Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft zu bilden. Insofern wird sich in den nächsten Jahren zeigen, in welche Richtung das Nudgen der noch nicht-Raucher weist. Für die Forscher, die sich mit den unbeabsichtigten Folgen von Entscheidungen befassen, sind die Schockbilder in jedem Fall ein willkommenes quasi experimentelles Setting.

Nun, da die Schockbilder auf den Zigarettenpackungen als neue Richtlinie in Kraft getreten sind, brechen die Brüsseler Bürokraten, die ja nun eine gewisse Regelungsleere verspüren, zu neuen Ufern auf. Und weil Schockbilder in Brüssel und nicht nur dort so beliebt sind, scheint es erste Bestrebungen zu geben, die Verwendung von Schockbildern auszuweiten.

Die Forschung hat eine Unzahl von Belegen dafür angehäuft, dass Fleischkonsum schädlich ist, vor allem rotes Fleisch erfreut das Wachstum der Krebszellen in Organismen und gilt entsprechend als die Ursache hinter einer Vielzahl von Krebserkrankungen. Fleischkonsum ist somit der Gesundheit schädlich, erhöht die Kosten der Gesundheitsversorgung und muss daher eingedämmt werden. Schockbilder bieten sich an, um die Bevölkerung zu gesünderen Nahrungsmitteln zu nudgen.

Gleichzeitig setzt Fleischkonsum eine mit ethischen Grundsätzen nicht in Einklang zu bringende Massentierhaltung voraus, die letztlich eine Objektivierung von Lebewesen zur Folge hat und die menschliche Fleischeslust auf Basis der Qual anderer Kreaturen befriedigt.

Zudem ist Massentierhaltung einer der größten Verschmutzer der Umwelt, trägt Methan in die Atmosphäre und verstärkt damit die Erderwärmung und verseucht Grundwasser mit Phosphaten und Nitraten.

Der Tatbestand ist eindeutig: Fleischkonsum ist schädlich, Fleischerzeugung ist barbarisch und ethisch nicht vertretbar, Massentierhaltung umweltschädlich.

Um Europäer nicht nur vom schädlichen Tabakkonsum fernzuhalten, sondern auch vom noch viel schädlicheren Fleischkonsum, scheint man bei der EU-Kommission nun Pläne in der Schublade zu haben, die nur darauf warten, dass ein Kommissar seinen Mut zusammennimmt, um sie herauszuholen.

Folgerichtig müssten Verbraucher von Fleisch und Fleischerzeugnissen in Zukunft mit den Folgen ihres Tuns konfrontiert werden, mit Bildern aus der Massentierhaltung, auf den Verpackungen von Schnitzel und Steaks: Bilder davon, wie Küken gleich nach Geburt geschreddert werden, Bilder von Hähnchen, die mit dem Kopf nach unten in ihren Tot gefahren werden. Live-Aufnahmen aus Schlachthäusern dürften besonders geeignet sein, um europäische Konsumenten vom weiteren massenhaften Verzehr von Fleisch abzuhalten. Zudem sollte der Besuch von Schlachthöfen und von Abdeckereien für Kinder im Grundschulalter verpflichtend sein, um sie über die Lebensgrundlagen ihrer nachhaltigen und grünen Gesellschaft aufzuklären. Und natürlich dürfen auch Bilder von durch Krebs infolge von Fleischkonsum zerfressenen menschlichen Verdauungsträckten nicht fehlen.

Die neue Lässigkeit oder die neue Bigotterie?

Vor einigen Tagen haben wir darüber berichtet, dass sich die deutschen Parteien für das Jahr 2016 eben einmal einen Zuschuss von 160,52 Millionen Euro genehmigt haben. Damit Sie die Bevölkerung mit Wahlutensilien, Bleistiften und sinnlosen Broschüren, die niemand lesen will, zu müllen können.

160,52 Millionen Euro sind kein Pappenstil, so sollte man meinen, aber offensichtlich sind sie das für manche Zeitgenossen in Deutschland. So hat uns heute der folgende Kommentar zum oben angesprochenen Beitrag erreicht:

AnonymityDr. Sommer: Naja, davon ab das es nur die direkte Mittelvergabe ist und die ganzen Durchstechereien, der GEZ Betrug, sinnlosen Unifakultäten und die korrupte Mittelvergabe an Spezl und Amigos usw. nicht einschließt sind es nur Peanuts.
160 Mio bei ca. 500 Mrd. Etat sind (500 x 10 ^9 / 160 x 10 ^6) 0,032 Promille bzw 32 ppm.
Das macht den Kohl nicht fett.

Das ist die neue Lässigkeit, die Lässigkeit, die man auch als Form von Unverantwortlichkeit (oder grenzenloser Naivität oder Bigotterie) beschreiben kann, die nach unserer Ansicht daraus erwächst, dass man denkt, persönlich keinen Schaden vom Missbrauch von Steuergeldern zu haben. Letztere fließen üppig, und warum soll man nicht das Geld, das andere hart erarbeiten mussten, für Unsinn aller Art ausgeben? Weshalb sich verantwortlich für das Geld der Leute zeigen, die es erarbeitet haben? Weshalb ihnen Respekt dafür zollen, dass sie so blöd sind, die Peanuts zu erarbeiten, die für anderen den Kohl nicht fett machen, wenn sie veruntreut werden?

Diese neue Lässigkeit, sie hat etwas, logische Konsequenzen nämlich, logische Konsequenzen der folgenden Art:

Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist für 2014 insgesamt 2.179 Morde in Deutschland aus. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind im Jahr 2014 868.356 Menschen gestorben. Die Ermordeten machen also gerade einmal 0,25% der sowieso Gestorbenen aus. Wozu Mord als Straftat verfolgen? Wozu Geld und Manpower in die Ermittlung der Täter investieren und Letztere auf Kosten der Steuerzahler und bei freier Logis in staatlichen Beherbergungsanstalten unterbringen? 0,25%, die machen den Kohl nicht fett.

Oder der folgenden Art:

Die Steuereinnahmen des Bundes beliefen sich 2014 auf 643,617 Milliarden Euro. Die Höhe der hinterzogenen Steuern betrug nach Schätzungen im Jahr 2014 rund 13 Milliarden Euro. Das sind 2% der Steuereinnahmen. Peanuts also. Wozu die Finanzfahndung unterhalten und gutes Geld ausgeben, um die Steuereinnahmen um Schlappe 2% zu erhöhen?

Seien wir also etwas lässiger, und folgen der Empfehlung, die ein Kommentator, der sich als Dr. Sommer bezeichnet, gegeben hat. Das macht das Leben einfacher. Wozu also darüber nachdenken, ob man an Krebs erkrankt ist. Statistisch betrachtet ereilt Krebs die meisten in der zweiten Lebenshälfte, und die drei Jahre, die man sich durch einen Chemotherapie quält, die machen die Kohl nicht fett. Überlassen wir die Krebserkrankten ihrem Schicksal, denn im Gesamtkontext der Lebenserwartung, die trotz Krebs in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegen ist, machen die paar Krebstote den Kohl nicht fett.

Und warum regen sich Deutsche darüber auf, dass Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Das muss man im größeren Kontext sehen. Flüchtlingsströme hat es immer gegeben, Völkerwanderungen so lange es Menschen gibt. Ordnet man die paar Millionen Syrer, die nach Deutschland gekommen sind, in den historischen Kontext, der Milliarden Menschen migrieren sieht, dann fällt die Menge gar nicht ins Gewicht, macht sie den Kohl nicht fett.

Wozu, wie ein anderer Kommentator vor einiger Zeit angemerkt hat, sich über den Genozid, den Chinesen in Tibet angerichtet haben, aufregen. Immerhin wurden die Tibeter aus einem feudalen System in ein sozialistisches kollektiviert. Dass sie dabei gestorben sind, macht im Gesamt der kulturellen Revolution keinen Unterschied und mit Sicherheit den sozialistischen Kohl nicht fett.

Und überhaupt, ihr mickrigen Erdlinge. Was ist schon die Erde im kosmischen Konzert. Anstatt über die vermeintliche Klimaerwärmung zu lamentieren, solltet ihr Euer Leben bis zum nächsten Sonnensturm, zur nächsten geomagnetischen Umpolung der Erde genießen. Denn: Dieser kleine Steinklumpen im Gesamt des Universums, er macht den Kohl nicht fett.

HG Wells zeitmaschineDie Frage des nicht fetten wollenden Kohls, die Frage der neuen Lässigkeit, sie ist eng verknüpft mit der persönlichen Betroffenheit. So kann man annehmen, dass Dr. Sommer sicher nichts dagegen hätte, wenn man ihm das Gehalt pfändet, um die Parteien davon zu finanzieren. Es macht den Kohl ja nicht fett. Er hätte vermutlich auch kein Problem damit, dem Mörder seines Vaters die Hand zu schütteln. Sterben wir nicht alle? Und Steuerhinterziehung, Firlefanz, jeder macht es und es macht den Kohl nicht fett, so wenig, wie Krebsbehandlungen, Letztere sind sowieso unsinnig, verlängern ein sinnloses Leben um wenige durchlittene Monate, Monate, die man besser vergisst, also: Euthanasie von Dr. Sommer bei Krebsdiagnose, denn der vorzeitige Tot hat keinen besonderen Einfluss auf die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung.

Oder hätte Dr. Sommer doch ein Problem damit, wenn er persönlich mit den Folgen seiner Nonchalance konfrontiert würde? Vermutlich schon, denn die neue Lässigkeit, sie ist nur möglich, wenn die Folgen davon, andere zu tragen haben. Diejenigen zum Beispiel, denen Steuern abgezogen werden, die sie besser in die eigene private Alterssicherung investieren würden. Aber das geht nicht, denn sie müssen schon Parteien finanzieren, und Genderlehrstühle, und Netzwerke voller sinnloser Existenzen, die gegen dies und das zu Felde ziehen ohne den Nutzen davon angeben zu können und natürlich all die Profiteure des Systems, die Vereinnahmer von Subventionen für alternative Energie und … alles wichtiger als die eigene Existenzsicherung und alles etwas, das den Kohl nicht fett macht.

 

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Times, they are changing …

Zum Wochenende haben wir wieder einmal einen Anschlag auf die kulturellen Dopes vor, das ist nicht von uns, das ist von Harold Garfinkel, die sich ein Leben ohne Fleischkonsum nicht vorstellen können.

Holy cowLetzterer ist eine Frage der Ethik und einmal ehrlich, wenn man manche satten Gesichter sieht, in die ein Hamburger geschoben wird, dann kann man nicht anders als ärgerlich zu werden, ärgerlich angesichts des Wertes des Tieres, das sein Leben gelassen hat und der in keinem Verhältnis zu dem des Inhabers des Gesichtes zu stehen scheint, der es gerade in Teilen, unbewusst und ohne jegliche Wertschätzung verschlingt.

Fleischkonsum ist eine ethische Frage, die jeder für sich beantworten muss, und zwar mit Blick auf das, was Peter Singer die „capacity to suffer“ nennt und mit der Verantwortung ergänzt, sich darüber bewusst zu sein, wo das Fleisch, das man isst, herkommt, welches Leid notwendig war, um das Steak in die Pfanne zu bekommen.

Ethisch leben zu wollen, erfordert es, sich in die Position anderer Tiere zu versetzen und sich danach zu fragen, wie diese anderen durch das eigene Verhalten beeinträchtigt werden und dann eine Entscheidung über das eigene Verhalten zu treffen.

In Supermärkten werden vegetarische und veganische Angebote immer häufiger.

Die Entscheidung, sich nicht am Leid von Tieren, die in Massentierhaltung gequält werden, beteiligen zu wollen, sie ist immer einfacher zu leben. Wir sehen derzeit einen kulturellen Wandel, der der Abschaffung der Sklaverei entspricht: So wie der Sklavenhandel, ohne den viele nicht leben zu können glaubten, verschwunden ist, so wird auch das Fleischfressen verschwinden.

Warum?

Weil Menschen in der Mehrzahl vernünftige und in Konsequenz davon ethische Tiere sind: