Der neueste Gag: Paternalismus-Steuern

Christopher Snowdon verdanken wir den Hinweis auf einen illustrious article, wie er es in feinem britischen Sarkasmus ausgedrückt hat.

Der Artikel trägt den Titel: “Calorie Offsets: Environmental Policy for the Food Environment“, ist gerade im American Journal of Public Health erschienen und wurde von Abdulrahman M. El-Sayed und Sandro Galea verfasst.

Health in all policiesIn diesem Artikel lösen die Autoren eben einmal das Problem, wie man die schnell wachsende Paternalismus-Industrie finanzieren kann.

Sie kennen die Paternalismus-Industrie?

Das sind die vielen guten Menschen, die so besorgt um Ihre Gesundheit sind, dass sie Ihnen das Essen bestimmter Speisen, das Trinken bestimmter Getränke, das Rauchen, das Naschen und vieles mehr verbieten wollen – weil es für Sie gut ist. Statt fett sollen Sie fit werden, jeden Tag ein Dauerlauf von 30 Minuten vor dem Brennnessel-Saft zum Frühstück und jeden Abend, vor dem zu Bett gehen, 45 Minuten Gymnastik.

Das hält fit, vermeidet, dass sie der Krankenkasse zur Last fallen, reduziert ihre Konfektionsgröße und, wichtiger noch: Versorgt die guten Menschen mit einem regelmäßigen Einkommen, denn auch gute Menschen müssen leben, gut leben.

Das rasante Wachstum der Paternalismus-Industrie hat nun zu einem Engpass geführt: Es gibt einfach nicht genug staatliche Zuwendungen an diejenigen, die sich um die Kleidergröße anderer kümmern wollen, als dass es möglich wäre, all die Berater des täglichen Lebens, die vom Zähneputzen bis zum Abendessen darüber wachen, dass Sie sich auch richtig verhalten, also richtig nach Meinung der Berater, zu finanzieren.

Das war bislang ein Problem. Arbeitslosigkeit drohte selbst den guten Menschen, die die Paternalismus-Industrie bevölkern.

Die Gefahr scheint gebannt.

El-Sayed und Galea haben die Lösung.

Da man nicht etwa deshalb dick wird, weil man z.B. zuviel Süssigkeiten und Fette und Alkohol zu sich nimmt (und nicht mehr rauchen darf) und weil man Süssigkeiten, Fette und Alkohol nicht einfach verbieten kann, obwohl man es gerne würde, deshalb haben sich die beiden Ärzte aus den USA etwas Besonderes ausgedacht: Eine Ausgleichszahlung für die Unternehmen, die Fettmacher herstellen und deshalb nach Ansicht der Ärzte für die endemisch um sich greifende Adipositas verantwortlich sind.

Um diese Adipositas Ausgleichszahlung argumentieren zu können, haben El-Sayed und Galea eben einmal den freien Willen von Menschen weggekürzt und sich und uns alle zu fresswilligen Manipulationsopfern der Zucker-, Alkohol- und Fettindustrie erklärt. Wenn Sie gerade einen Marsriegel in den Mund stecken wollen: Denken Sie zweimal. Das machen Sie nicht, weil der Marsriegel schmeckt, sondern weil Mars-Viersen sie mit aggressiver Werbung dazu verleitet hat.

Nanny state 3Das jedenfalls glauben El-Sayed und Galea, die es schaffen, in einem Beitrag von zwei Seiten die menschliche Entwicklung weit hinter die Aufklärung zurückzuwerfen und uns alle zu Deppen zu erklären. Beides ist jedoch notwendig, denn die Lösung für die Adipositas-Epidemie, die El-Sayed und Galea verkaufen wollen, braucht die Bösewichte der Industrie, die die Deppen zum Fressen verleiten, auf dass sie aufgehen wie ein Hefeklops.

Die Lösung besteht darin, dass die als Adipositas-Bösewicht identifizierten Unternehmen Projekte, die der Adipositas vorbeugen wollen, die z.B. Essberatung und Kochkurse umfassen, finanzieren sollen, kurz: Sie sollen die Paternalismus-Industrie finanzieren und die Gefahr der Arbeitslosigkeit der vielen Helfer und ihrer Helfers-Helfer beseitigen.

Fast genial die Idee, hätte sie nicht den Schönheitsfehler, dass Dicke, die es langsam satt haben, von einer Beratungs-Mafia verfolgt zu werden, auf die Idee kommen könnten, eine Beratungs-Ausgleichzahlung zu fordern, zahlbar von all denen, die in der Paternalismus-Industrie tätig sind. Verwendungszweck: Kauf von Snickers, Mars, Cadbury-Riegeln, Coca und Pepsi Cola in zwei Liter Flaschen, Fertiggerichte aller Art und alles wird einmal im Monat in einem Adipositas-Festival bei McDonalds im Binge-Essen und -Trinken niedergemacht.

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About Michael Klein

… concerned with and about science

15 Responses to Der neueste Gag: Paternalismus-Steuern

  1. A.S. says:

    Dann sollten aber auch die ganzen Mitarbeiter der Paternalismus-Industrie alles Geld zurückgeben, wenn die Wissenschaft die Ernährungsempfehlungen mal wieder komplett umkrempelt. Als Ausgleichszahlung, weil die Beratungsopfer falsch beraten wurden.

  2. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Der neueste Gag: Paternalismus-Steuern

  3. Pete L says:

    Für die Zwangsberatenen muss es eine Entschädigungszahlung für die Beratungszeit in Höhe ihres anktuallen Stundensatzes geben.
    Dann wäre ich bereit, mich ein paar Stündchen zuquatschen zu lassen. Ohropax gibt es ja noch in der alten Wax-Variante, die kann man dann aufteilen und sich links und rechts ein solches nöllchen ganz tief reinschieben und gut ist. Während der Berieselungszeit kann man dann sehr gut Autogenes-Trainung machen, das merkt keiner und tut gut, und für das Autogene-Training wird man dann nochmals eine saftige Rechnung ausstellen, da man ja was für die Gesundheit getan hat, was wiederum den Anderen Geld spart, wesshalb man dann auch Anspruch auf jenes Geld hat.
    Und wenn Sie sich weigern, sich diese zu bezahlen, dann einfach in Grund und Boden terrorisieren, am allerbesten, sie mit Ihren eigenen Regelungen und Gesetzen.
    Nur so ein Gedanke.

    BTW: Psychologisch wieder mal wie immer völlig wertlos, denn wenn man den Leuten verbietet – je strender, desto mehr, dann machen sie es erst recht.
    Meine Hypothese dazu ist, dass der Mensch eine Freiheitsliebendes Wesen ist, und sich so einer Freiheiten rückversichert… in dem er verbotene Sachen eben trotzdem und grad erst recht tut … sich gewissermassen gerade zu genötigt fühlt, sich seiner Selbstbestimmung rückzuversichern.

    MFG

  4. tobiaslatta says:

    Wie sähe denn eine praktikable Lösung für die wachsende Adipositas-Klientel aus? Eine Mitwirkungspflicht für Adipöse? Also wenn biologische Gründe (“Drüsen-Problem”) ausgeschlossen werden könne und das massive Übergewicht auf das individuelle Versagen in puncto schlechte Ernährung und mangelnde Bewegung zurückzuführen ist? Ich habe nämlich keine Lust, Zeit und Motivation anderen Menschen beispielsweise ihre (aufgrund mangelnder Selbstkontrolle bzw. Maßlosigkeit mehr oder weniger notwendige) zweite künstliche Hüfte zu finanzieren. Also schlussendlich Kassenleistungen für “unbelehrbar Adipöse” streichen und/oder Kassenbeträge für Risikokunden erhöhen? PS: Ich rauche, trinke und überzuckere mich bei Zeiten, aber ich weiß wann das Maß voll ist und ich mich (im persönlichen und krankenkassensolidarischem Sinne) wieder zusammenreißen muss? Gruß, Tobias

    • In erster Linie wäre eine Eigenverantwortung einzuführen, was bedeutet, dass die Gesetzliche Krankenversicherung entweder aufgelöst wird oder keine Leistungen, die aufgrund von Adipositas (als Folge von Überfressen) fällig werden, von der GKV getragen werden.

      • So einfach ist das nicht. Die meisten Menschen maßen sich an, beurteilen zu können, welchem Druck die Dicken unterliegen. Sie können es nicht.
        (Disclaimer: Ich bin nicht dick)
        Außerdem, müßten die nicht besonders unterstützt werden? Welcher Ideologie frönen wir denn heute?
        Einer kann nicht 100m in zehn Sekunden laufen, ein anderer kann nicht klar denken, ein weiterer hat seine Freßgier nicht im Griff… — die Menschen sind nunmal unterschiedlich. Wir können sie nehmen, wie sie sind, oder alle umbringen.

        Carsten

        “Die Merkel hat keine Ahnung”
        Helmut Kohl

        • A.S. says:

          Eigentlich nicht verwunderlich dass in einer Zeit, in der man überall von Individualismus hört, starke Normierungsversuche im Gange sind.
          Kinder, die mit 7 Jahren ein Problem haben 2 Stunden lang still zu sitzen und konzentriert zu schreiben betrachten wir als krank, selbst wenn die gleichen 2 Stunden lang auf dem Fußballplatz Konzentration und Rennen verbinden können. Umgekehrte Verhältnisse sind aber kein Problem, die interessieren sich halt nicht für Sport.

    • A.S. says:

      Dann sind Sie sicher auch dafür gesund lebenden Menschen einen Renten-Malus aufzuerlegen.
      Als vielfleischessender, übergewichtiger Alkoholfreund habe ich keine Lust meine kürzere Lebenszeit zu verwenden, um die durch Zählebigkeit verursachten höheren Rentenkosten der Hedonismusfeinde zu finanzieren ……..

      • tobiaslatta says:

        Wenn eine gesunde Langlebige über ihre rentenmäßig eingezahlten Verhältnisse leben möchte, unterm Strich somit mehr Geld bekomme würde, als sie eingezahlt hat, hätte Sie sich frühzeitig zusatzversichern müssen oder, sofern sie nicht zwangsverrentet wird, ihrer Arbeit nachgeht, solange sie gesund und lustig ist…..!

      • tobiaslatta says:

        … aber ja, ein Renten-Malus für “Zu-sehr-Gesunde” wäre dann wohl die einzig gerechte Lösung. Ob jedoch das “Alter in Lebensjahren” die passende Berechnungsgrundlage ist, wage ich zu bezweifeln, da sich aus dem (Rentenkassen-)Alter keine (Krankenkassen-)Kosten ableiten lassen.

  5. MURAT O. says:

    Hat dies auf D – MARK 2.0 rebloggt.

  6. Jurij says:

    Eine Versicherung sollte einen Kombitarif anbieten. Kranken und Rentenversicherung. Wer zuviel ißt, säuft und dazu noch raucht, kriegt für den Malus in der Krankenversicherung einen schönen Bonus für seine Rentenversicherung. Müßte ein Aktuar berechnen, was dabei rauskommt. Denn was auf den einen Feld negativ zu Buche schlägt, kann unter Umständen auf dem anderen Gebiet versicherungstechnisch ein günstigeres Risiko darstellen.

  7. Die Natur entscheidet, was überlebensfähig ist und was nicht.

    Will man der Natur dies abnehmen, will es selbst entscheiden, will ausgleichen, will verstärken… so eröffnet man einen Spielplatz, der unendlich groß ist und der unendliche Ressourcen der Gesellschaft bindet und verbraucht. Man richtet mit diesem Anspruch, etwas regeln zu wollen, was schon gut geregelt ist, letztlich die Gesellschaft zugrunde. Das wollen natürlich die nicht begreifen, die ein finanzielles oder ideologisches Interesse daran haben.

    Wie soll man gegen die vorgehen? Den ewigen Streit weiterführen? Nein, damit finanziert man diese Leute nur, denn sie haben schon dafür gesorgt, vom Staat alimentiert zu werden.
    Man kann nur sagen, die Natur regelt das schon, kann sie ignorieren und dafür sorgen, daß sie kein Geld vom Staat für ihr letztlich gesellschaftszerstörendes Handeln bekommen.

    Carsten

    “Die Partei Alternative für Deutschland (AfD) möchte zum Holocaust-Gedenken auch einen Kranz in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald niederlegen, was die zuständige Stiftung jedoch verweigert.”
    shortnews.de

  8. jakob sparrov says:

    Bombastus Theophrastus von Hohenheim (15./16. Jhdt.), genannt Paracelsus sagt: “Alles ist Droge, nur die Dosis macht das Gift!” Und genau diese Dosierung muss jedem mündigen Menschen selbst überlassen bleiben!

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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