Deutsche Bigottokratie

Eigentlich kommt man regelmäßig an diesem Punkt an, nicht nur weil heute Montag ist – an diesem Punkt der Verwunderung, Verwunderung darüber, dass Politiker nicht den ganzen Tag mit rotem Kopf, rot vor Scham, durch die Welt laufen, Verwunderung darüber, dass die Widersprüche, die so offensichtlich sind, dass sie einem anspringen, offensichtlich doch nicht jeden anspringen, schließlich laufen die meisten Politiker nicht mit hochrotem Kopf durch die Welt, sondern – im Gegenteil – in selbstzufriedener Pose, die man nur dahingehend deuten kann, dass ihnen nichts peinlich ist.

sheriff_political_correctness_john_s_pritchettEs kann ihnen nicht peinlich sein, dass sie etwas verkünden, und sein Gegenteil tun. Es kann ihnen nicht peinlich sein, dass sie Dinge behaupten, die man nicht behaupten kann, weil sie falsch sind. Und es kann ihnen nicht peinlich sein, dass sie sich für all ihre Fehlleistungen ein üppiges Monatssalär genehmigen, von dem eine sozial schwache Familie mehrere Monate leben könnte.

Sie sind eben Berufspolitiker, haben nichts gelernt außer „Politik“ und entsprechend kein Gefühl für Peinlichkeit…

Sie sind somit das falsche Objekt, um verwundert zu sein. Dass Politiker das erzählen, wovon sie sich einen Vorteil versprechen, ist nicht verwunderlich. Dass sie heute etwas erzählen und morgen sein Gegenteil, ist auch nicht verwunderlich.

Und doch ist man verwundert – nicht nur weil Montag ist und Montags alles noch Schlimmer erscheint als sonst.

Die Verwunderung ist eher der Tatsache geschuldet, dass es Politikern möglich ist, mit den täglichen Lügen, Täuschungen, ihren kleinen Geheimnissen und großen Einkommen durchzukommen, dass es keinen Aufstand gibt, keine Anstrengung, den Deutschen Demokratischen Versuch zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.

Warum ist das so?

Weil Demokratien einen schwachen Punkt haben: Das Mehrheitsprinzip im Mehrparteiensystem, das es Parteien und Politikern erlaubt, Wähler zu kaufen, damit zu kaufen, dass sie gezielte Interessenpolitik machen, in einer Weise, die sich Franz Neumann, einer der wenigen deutschen Politikwissenschaftler, die international bekannt sind und von dem der Begriff der Interessenpartei stammt, nicht hat vorstellen können.

Die Interessenpolitik funktioniert heute im Verbund mit Werten.

Parteien fungieren als Makler der Ideen von Interessengruppen, und da sie die entsprechenden Ideen nur makeln, kommt die Interessengruppe zum Zug, die drei Kriterien erfüllt:

  • sie hat (internationalen) Einfluss,
  • sie verfügt über (finanzielle) Ressourcen, die Politikern und Parteien Vorteile verschaffen,
  • sie vertritt ein Thema, das man affektiv vermarkten kann.

bigots recognitionDie affektive Vermarktung ist letztlich das Entscheidende, denn die Menschen von heute, sie wollen sich auf der Seite der Guten finden. Sie wollen gut sein, nicht in Tat, aber in Zuordnung. Man will zu den Guten gehören, sich den „warm glow“ der Zugehörigkeit holen und dadurch die Ebene der Gutheits-Aristokratie erreichen.

Wer heute gut sein will, der muss sich verbal für Gleichheit einsetzen, sich für Minderheiten stark machen, sich gegen Gewalt aussprechen und vor allem kundtun, dass er überhaupt kein Neoliberaler ist.

Verbal, kommunikativ, in Worten, nicht in Taten, nicht aktiv!

Dass Parteien nurmehr die Mundhoheit anstreben, hat eine Reihe von Vorteilen, denn man muss sich nicht  an dem messen lassen, was ist, kann behaupten, was immer man gerade als gut vermarkten will.

Für die immer weniger werdenden Anhänger von Parteien hat die Mundhoheit den Vorteil, dass sie nichts tun müssen und trotzdem zu den Guten gehören können.

Und für alle anderen hat es Verwunderung zur Konsequenz und nicht nur Verwunderung, denn über kurz oder lang kann man sich nur angewidert abwenden, abwenden von der deutschen Bigottokratie.

Die Bigottokratie ist die logische Folge des Strebens nach Mundhoheit, die logische Folge davon, dass Behauptungen dann, wenn sie nicht konsistent vorgebracht werden und Aussagen, wenn sie nicht in sich schlüssig sind, notwendig in Widerspruch zueinander und zur Realität geraten müssen.

Die Beispiele dafür sind Legion:

Der Hype um die Vermarktung der angeblich so zahlreichen LSBTI, also all derer, die ihre sexuelle Orientierung zum Charaktermerkmal erhoben haben, funktioniert über das Einfordern von Toleranz. Die Toleranz-Masche wurde schon im Zusammenhang mit dem Genderismus gestrickt. Sie dient dazu, von anderen zu fordern, was man selbst nicht zu geben bereit ist:

Wer hätte jemals einen LSBTI-Aktivisten gesehen, der bereit war, Heterosexuelle, die partout keine Homosexuellen im Hotelzimmer nebenan haben wollen, zu tolerieren, sie gar zu respektieren?

Wo ist der Genderist, der voller Verständnis ob der Bevorzugung weiblicher Bewerber und der Täuschung männlicher Bewerber im Rahmen des Professorinnenprogramms zugestanden hätte, dass es nicht um Gleichstellung von Frauen, sondern um Besserstellung von weiblichen Bewerbern, deren Bevorzugung vor männlichen Bewerbern geht?

Und wo sind die Gegner des Neoliberalismus und der Globalisierung, die auf die Nutzung von Smartphone, Handy, Computer, Spielekonsole und I-pod verzichten und nur selbstgezogene Kartoffeln aus dem Acker hinterm Haus essen?

Wir begegnen ihm so wenig, wie es den verständigen Genderist oder den toleranten LTSBTI-Aktivisten gibt.

refuse serviceDenn wir leben in einer Bigottokratie, in der es darum geht, das zu behaupten und zu vermarkten, von dem man sich den größten Nutzen verspricht. Und den größten Nutzen versprechen immer noch Themen, die nicht rational, sondern affektiv behandelt werden: Flüchtlinge, Homosexuelle, Genderismus.

Hier kann man behaupten, versprechen, fordern, anprangern und sich auf der Seite der Guten verorten, die Minderheiten, Homosexuellen, Frauen helfen wollen, richtige Feldzüge der Marketingkommunikation werden auf den entsprechenden Feldern durchgeführt, Feldzüge, für die die notwendigen Personalressourcen in unzähligen eingetragenen Vereinen, die allesamt der Förderung der guten Sache gewidmet sind und dafür aus Mitteln der Steuerzahler finanziert werden, bereit gestellt werden, damit sie sich an der verbalen Schlacht beteiligen können, die geschlagen werden muss, um die Welt verbal zu einer guten Welt zu machen.

Die Realität ist indes anders. Hier herrscht Intoleranz gegenüber allen, die ihr Recht wahrnehmen, Homosexuelle nicht zu mögen, hier werden Frauen konkret bevorzugt und eben nicht gleichgestellt und hier hausen Flüchtlinge unter Bedingungen, die man kaum als menschengerecht bezeichnen kann, die aber immer noch bei der deutschen Abteilung der Flüchtlingsindustrie in einen entsprechenden Gewinn transformiert werden können.

Über Michael Klein
... concerned with and about science

9 Responses to Deutsche Bigottokratie

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Deutsche Bigottokratie

  2. Hat dies auf In Dir muß brennen… rebloggt und kommentierte:
    Nun ist es ja nicht so, daß die Mißstände in/mit
    der „parlamentarischen Demokratie“ eine Erkenntnis der neueren Zeit wäre…



    …höchstens die zweifelhafte „Erkenntnis“, es sei die beste Staatsform, die wir je auf deutschem Boden hatten…

  3. rote_pille says:

    Ich wäre sehr dafür, die Eigentümer der Medien einmal einem Verhör zu unterziehen um zu erfahren warum es in deren Interesse ist, dass die Politik die Mundhoheit behalten kann. Denn die geschriebenen Gesetze alleine reichen dafür garantiert nicht aus.

  4. kdm says:

    „…dass sie sich für all ihre Fehlleistungen ein üppiges Monatssalär genehmigen, von dem eine sozial schwache Familie mehrere Monate leben könnte.“
    .
    Hm.
    Eine sozial starke (oder normale) Familie nicht?

  5. sdf says:

    „Und den größten Nutzen versprechen immer noch Themen, die nicht rational, sondern affektiv behandelt werden: Flüchtlinge, Homosexuelle, Genderismus.“

    Und warum? Weil „wir“, das dumme Volk, darauf immer noch anspringen wie Duracell-Häschen.

    Sprich, WIR sind schuld. Würden wir die Clowns jedes Mal ausbuhen wenn sie mit so was kommen, wäre die Lage ganz anders.

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