Die Ehrfurchtsstarre hat deutsche Unternehmen fest im Griff

Deutschland im Dezember 2015; Die deutschen Unternehmen sind in der Erfurchtsstarre. Begeisterte Mitarbeiter hüpfen verzückt durch die Hallen von VW, SAP und Daimler Benz. Hypnotisiert vom Charisma ihrer Vorgesetzten, sind sie so sehr damit beschäftigt, Vorgesetzte anzuhimmeln, dass sie darüber vergessen, ihre eigenen Gefühle auszudrücken. Ganz eingeschüchtert und in Ehrfurcht erstarrt sind die Mitarbeiter und deshalb trauen sie sich nicht, zu sagen, was sie denken: Begriffe wie “aufgeblasener Fatzke”, Aussagen wie “das verletzt mich” oder “Du kannst mich mal”, sie kommen ihnen nicht über die Lippen.

WHUStatt sich emotional zu erleichtern, unterdrücken die Mitarbeiter ihre Emotionen, bleiben sie in Ehrfurcht vor dem charismatischen Führer, dessen Zauber sie erlegen sind, verhaftet: “Wer seine Emotionen so unterdrückt, hat eine geringere Auffassungsgabe, kann weniger erinnern und ist insgesamt weniger leistungsfähig”, erklärt “Prof. Dr. Jochen Menges, Leitautor der kürzlich in ‘The Leadership Quarterly’ veröffentlichten Studie.”

Im Bann der “Charismatiker”, die die nämliche Studie mit Menges, dem charismatischen Leitautor erstellt haben, sind die anonymen Reviewer des Leadership Quarterly wie hypnotisiert den Textzeilen gefolgt und haben sich nicht getraut, ihre Gefühle zu artikulieren, etwa mit: “Was für ein Sch…”. Nein, positiv begutachtet haben sie das Werk der von ihnen angehimmelten Autoren und deshalb mussten wir diesens Schei…riftstück zur Kenntnis nehmen.

Leadership quarterlzDeshalb mussten wir lesen von 150 Männern und 36 Frauen, die einen white-collar Job in einem deutschen Unternehmen besetzen und dort ihre Gefühle unterdrücken, dies tun, weil sie ihren Vorgesetzten anhimmeln.

Warum tun sie das?

Weil der Vorgesetzte ein charismatischer Führer ist?

Wieso ist der Vorgesetzte ein charismatischer Führer?

Weil der Leitautor Jochen Menges das gemessen hat.

Wie hat er das gemessen?

Mit dem MLQ, dem Multi-Leadership Questionnaire.

Wie wird darin charismatische Führung gemessen?

Gar nicht.

Was wird dann gemessen?

Idealisierter Einfluss und inspirierende Motivation.

Wie wird das gemessen?

So:

Bitte beurteilen Sie, ob die folgenden Aussagen gar nicht, ab und zu, gelegentlich, ziemlich oft, häufig, wenn nicht immer auf ihren Vorgesetzten zutreffen:

  • Spricht optimistisch über die Zukunft.
  • Macht mich stolz, sein Mitarbeiter zu sein.
  • Spricht enthusiastisch über das, was erreicht werden soll.
  • Handelt in einer Weise, die mir Respekt abringt.
  • Bringt Macht und Selbstbewusstsein zum Ausdruck.
  • Drückt Zuversicht aus, dass Ziele erreicht werden.

Ein Vorgesetzter, der optimistisch über die Zukunft spricht, auf den man stolz ist, der enthusiastisch über Ziele spricht und zuversichtlich ist, dass sie auch erreicht werden, der einem Respekt abringt und Macht und Selbstbewusstsein zum Ausdruck bringt, der – na?, der:

  • hypnotisiert die Mitarbeitermassen,
  • wird von den Mitarbeitermassen angehimmelt,
  • begeistert die Mitarbeitermassen.

Genug der Vorteile, denn der charismatische Herrscher aus dem Mittelbau des Managements, er führt dazu, dass

  • Mitarbeiter ihre Gefühlen unterdrücken.

Er ist verantwortlich für schwindende Aufmerksamkeit, Erinnerungsfähigkeit und Leistungsfähigkeit – für das Böse in der Welt…

“Das”, so wieder der Leitautor Menges, “kann dazu führen, dass die Aussagen von charismatischen Führungskräften nicht hinterfragt werden und die Mitarbeiter in ihrem moralischen Urteilsvermögen eingeschränkt sind. Das verblüffende an diesem Befund ist, dass Charismatiker uns zwar begeistern und mitreißen, gleichzeitig und aber auch lähmen und einschüchtern”.

Denn, so Menges weiter: “Charismatische Führungskräfte überwältigen ihre Mitarbeiter geradezu mit ihrer begeisternden und oft auch hypnotisierenden Wirkung …”

Wir, die wir eingeschüchtert und gelähmt ob solch charismatisch- einsichtsvoller Aussage eines Charismatikers sind, überwinden unsere Hypnose kurzzeitig, um uns die Frage zu stellen: Wie konnte ein solcher Unsinn in einer wissenschaftlichen Zeitschrift gedruckt werden? Die Antwort ist dieselbe, die gegeben werden muss, um die Veröffentlichung eines Beitrags, der Sauerkrautsaft und Rechtsextremismus miteinander in Verbindung bringt (und dem wir uns morgen widmen) zu erklären: Die drucken wirklich jeden Sch…

Menges, Jochen I., Kilduff, Martin, Kern, Sarah & Bruch, Heike (2015). The Awestruck Effect: Followers Suppress Emotion Expression in Response to Charismatic But Not Individually Considerate Leadership. Leadership Quarterly 26(4): 627-641.

 

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6 Responses to Die Ehrfurchtsstarre hat deutsche Unternehmen fest im Griff

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  2. waldbaer says:

    Mit anderen Worten:
    Wenn man feststellt, dass einen der Chef mit leeren Worthülsen abspeist und nicht in der Lage, oder schlimmer noch, willens ist, einem zu erklären, was Sache ist, dann kriegt man langsam Angst um seinen Job und hält lieber die Klappe.
    Und Angst lähmt.
    Ist das nun ein Versuch des Reframings im Sinne von Neusprech?
    Angst = Ehrfurcht
    Bullshit-Bingo-Winner = Charisma
    Wozu soll denn das jetzt wieder gut sein? Das macht doch nun wirklich *gar keinen Sinn.

  3. waldbaer says:

    Nachtrag:
    Soll vielleicht gar “Charisma = Macht über Geld” als Mem installiert werden?
    http://www.ende-der-maerchenstunde.de/gated-community-bill-gates-und-die-macht-seiner-milliarden-stiftung/
    These: Bill Gates hatte nie Charisma. Steve Jobs aber schon. Wie passt das zusammen?

  4. BeFree says:

    In Sachen der Ehrfurchtsstarre gibt das System Merkel – man schaue sich nur das entlarvende TV-Interview bei Anne Will(ich-nicht-mehr-sehen) mit ihr an – die Rahmenbedingungen auch in der Wirtschaft vor. Sie praktiziert nämlich genau dieses System. Klatschorgien – von Einpeitschern initiiert – im Deutschen Bundestag, wenn z. B. Blitzkriegsbeschlüsse gegen/in Syrien, Raubritterzüge ohne UN-Mandat im Stile des Überfalls gegen Polen, vorzugsweise aber auch gegen das Völkerrecht durch den Bundestag hindurchapplaudiert, statt ernsthaft wägend diskutiert zu werden. Warten wir mal ab, unter welchen Klatsch- und Quatschorgien auf den kommenden Parteitagen von CDU und SPD erneut die zerstörerischsten Entscheidungen gegen Deutschland und EURO&pa insbesondere bzgl. der Millionenheere an orientalischen, kulturfremden, alles be(ent?)reichernden Immigressorenlawinen durchapplaudiert werden. Applaus ist in Theater oder Konzert eine Huldigung des Publikums an die Akteure. Auf der politischen und wirtschaftlichen Bühne ist dieser Firlefanz völlig sinnentstellt von den Amis und ihren Parteitagen übernommen worden. Besonders beliebt in der Wirtschaft sind diese Selbstbeweihräucherungs- und Eigenbeklatschorgien bei Schneeballvertriebssystemen dubioser und betrügerischer Finanzkonstrukte oder völlig überflüssiger Nahrungsergänzungsmittel im sog. Multilevel-Marketing. Und dort schließt sich dann der Kreis zur Politik wieder in der Klammer der Worte: überflüssig, dubios, betrügerisch. Ein Schneeballsystem des Irrsinns, des Betruges und des Ausnützens von Abhängigen (nicht minderjährig aber meist minderbemittelt – geistig wie finanziell), das unter Leuten wie bspw. Martin Winterkorn und Angela Merkel perfektioniert – will meinen – pervertiert wurde? Bleibt nur die Hoffnung, dass sie, Merkel, bald hinter ihm herfällt, denn ihr Flüchtlingsbewillkommnungsswahn ist ja nur die politische Steigerung und Vorwegnahme vom VW-Abgasgate. Und da werden bis heute die Nazis als die schlimmsten Volks-Verführer angeprangert? Die Methoden der Volks-, Mitglieder- und Mitarbeiterverführung und Verdummung haben sich nicht verändert …. Sportpalastatmo (in memoriam 18.2.1943; Frage: Wollt ihr? Antwort: Heil) wohin man blickt …. qed.

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  6. Andreas Damm says:

    Die Ehrfurchtsstarre ist das Eine, aber die Befragungen, die auch unter anderen Vorwänden bei einzelnen oder Gruppen von Mitarbeiten grö0erer ‘Unternehmen durchgeführt werden, haben noch einen anderen Zweck, über den aber kaum einer spricht:
    Es werden über die Mitarbeiter Profile angelegt. Je mehr, desto besser.
    Je nach Zweck kann dann später gesiebt werden.
    Der ist aufmüpfig und kritisch, den kegeln wir raus.
    Und dieser hier ist schwach und subordiniert, den können wir hier in dieser Abteilung gebrauchen.
    Darüber hinaus (Verschwörungs-Modus auf “AN”) kann ich mir in zeiten heutiger Kommunikations-Möglichkeiten und vorhandener Technik vorstellen, daß auf diesem Wege auch überbetriebliche Informations-Pools geschaffen werden, so, daß kritische Geister ihre Füße gar nicht mehr an den Boden bekommen.
    So kann man Gleichschaltung vorantreiben und am Ende nutzlose Kreaturen á la Lann Hornscheidt das zepter in die Hand drücken.

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