Hochschule: Flüchtlinge sind “gut in die Ausbildung integriert” – wirklich?

„Ich habe mich für das Thema der Ausbildung von Flüchlingen entschieden, weil es gesellschaftlich sehr relevant und aktuell ist“. Das sagt Lea Marit Nattefort über die Themenwahl ihrer Masterarbeit.

„Diese sehr gute Masterarbeit hat viele positive Beispiele für eine gelungene Integration in die Ausbildung gezeigt. Die Unternehmen sind engagiert und leisten einen erheblichen Teil zum Gelingen der Integration. Eine gelungene Integration stellt eine Win-Win-Situation für die Flüchtlinge und die Ausbildungsunternehmen und letztlich für die Gesellschaft dar“. Das sagt Dr. Lijun Tang, Beteuer der Masterarbeit von Nattefort.

Es ist natürlich vollkommener Blödsinn, im Hinblick auf die Ausbildung von Flüchtlingen von einer Win-Win-Situation zu sprechen, denn eine Win-Win-Situation ist so definiert, dass niemand verlieren kann. Ob eine Ausbildung mit einem Erfolg abgeschlossen wird, ist jedoch eine offene Frage, weshalb hier keine Win-Win-Situation vorliegt. Deshalb spricht Tang auch von einer „gelungen Integration“, was seine Aussage zur Tautologie verkümmert. Aber egal, die vielen Sätzen sind – wie in der Betriebswirtschaft so häufig -, nur dazu gedacht, in diesem Fall Lesern vorzugaukeln, man hätte etwas ganz Gewichtiges gesagt. Wer näher hinsieht, bemerkt sehr schnell, dass zwar ganz viele Worte gemacht, aber nichts gesagt wurde.

Soviel vorab, nun zur „sehr guten Masterarbeit“, die für Betreuer und Student kein Ruhmensblatt ist.

1.450 Unternehmen habe Nattefort für die Masterarbeit befragt, so die Behauptung in der Pressemeldung der Hochschule Ruhr West, die falsch ist, wie sich für diejenigen, die mit postalischen oder Online-Befragungen vertraut sind, schnell ersichtlich ist, denn: Obwohl 1.450 Unternehmen “befragt” worden sein sollen, haben nur „82 Unternehmen an der Umfrage“ teilgenommen, eine Rücklaufquote, die nicht ungewöhnlich ist“, so heißt es.

Der Begriff „Rücklaufquote“ deutet darauf hin, dass 1.450 Unternehmen angeschrieben und um die Teilnahme an der Umfrage gebeten wurden. 82 Unternehmen haben dieser Bitte entsprochen. Das entspricht einer Rücklaufquote von 5,7% und ist unterirdisch schlecht und in jedem Fall ungewöhnlich. Das Minimum an Rücklaufquote, das man noch erträglich ist, beträgt 20%, nicht 5,7%. Don Dillman der Sozialwissenschaftler auf dem Papststuhl schriftlicher Befragung hat mit seiner „Tailored Method“ eine umfangreiche Methodologie vorgelegt, die dazu gedacht ist, miserable Rücklaufquoten, die dazu führen, dass man seine Umfrage in den Mülleimer werfen kann, zu vermeiden. Es scheint, Dillmans Methode ist in Mülheim an der Ruhr oder in Bottrop an der Ruhr West Hochschule nicht angekommen. Rücklaufquoten werden dort offensichtlich als schicksalhaftes Ereignis angesehen, an dem man nichts ändern kann.

Als Konsequenz aus der unterirdisch schlechten Rücklaufquote von 82 aus 1.450 muss man formulieren, dass die vielen positiven Beispiele von Unternehmen, die Lijun Tang aus der Masterarbeit herausgelesen hat, positive Beispiele sein mögen, aber keinerlei wissenschaftlichen Wert haben.

Warum?
Darum:

Wenn 1.450 Unternehmen zum Thema „Besonderheiten in der Ausbildung von Flüchtlingen“ angeschrieben werden, und 5,7% davon, also 82 überhaupt nur die Motivation aufbringen, das Anschreiben zu beantworten und an einer Umfrage teilzunehmen, dann muss man daraus Folgendes schließen:

1) Der Gegenstand der Befragung ist für 1.368 Unternehmen entweder gar nicht relevant oder nicht hinreichend relevant, um Mitarbeiterressourcen einzusetzen und an der Umfrage teilzunehmen, was ebenfalls dafür spricht, dass das Thema von höchstens geringer Bedeutung ist.

2) Geringe Bedeutung hat der Befragungsgegenstand dann, wenn die angeschriebenen Unternehmen keine Flüchtlinge ausbilden, keine Flüchtlinge ausbilden wollen oder keine guten Erfahrungen mit der Ausbildung von Flüchtlingen gemacht haben und ihre schlechten Erfahrungen in der Umfrage nicht berücksichtigt finden. Letzteres wäre ein gravierender methodischer Fehler, der dann vorkommt, wenn man unbedingt positive Ergebnisse ermitteln will.

3) Die 82 Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, stellen eine selegierte Population dar, von der man annehmen muss, dass sie sich aus besonders motivierten Teilnehmer zusammensetzt, d.h. NUR Unternehmen, bei denen es etwas Positives über die Ausbildung von Flüchtlingen zu berichten gibt, hätten überhaupt an der Befragung teilgenommen.

Die folgenden Ergebnisse wollen Student und Betreuer aus der Befragung von 82 der 1.450 Unternehmen gewonnen haben:

  • Flüchtlinge seien gut integriert;
  • Die Unternehmen bewerteten ihre kulturellen Kompetenzen, also die des Unternehmens, als gut;
  • Den Flüchtlingen werde eine hohe Anpassungsfähigkeit attestiert;
  • Den Flüchtlingen werde eine hohe Leistungsbereitschaft attestiert;
  • Als Einstellungsgrund für die Flüchtlinge gäben die Unternehmen „gesellschaftliche Verantwortung“ und das Fehlen „qualifizierter (deutscher Bewerber)” an.

Wie man diese Ergebnisse positiv bewerten kann, ist uns ein Rätsel.
Zunächst einmal gibt es keinen Grund anzunehmen, dass die 82 Unternehmen, die eine positive Selektion darstellen, also keine negativen Erfahrungen mit Flüchtlingen berichten wollen, schon weil sie deren Einstellung als „gesellschaftliche Verantwortung“ sehen, nicht mit einer positiven Selektion von Flüchtlingen gesegnet sind, also mit Flüchtlingen, die leistungsbereit und anpassungsfähig sind. Dass derart positive Attribute nicht auf alle Flüchtlinge zutreffen, sagt einem der gesunde Menschenverstand und die Tatsache, dass es 94,3% der angeschriebenen Unternehmen vorgezogen haben, ihre Erfahrungen mit der Einstellung von Flüchtlingen nicht mitzuteilen. Wenn zudem angegeben wird, dass Flüchtlinge deshalb eingestellt wurden, weil kein „qualifizierter (deutscher) Bewerber“ vorhanden war, dann steht das in gewissem Widerspruch zur angeblichen Übernahme “gesellschaftlicher Verantwortung” und man fragt sich, ob die Einstellung auch erfolgt wäre, wenn ein deutscher Bewerber, mag er auch noch so schlecht sein, verfügbar gewesen wäre.

Kurz: Die Ergebnisse der Masterarbeit sind nicht dazu geeignet, verallgemeinert zu werden oder gar als „gute Beispiele“ anderen Unternehmen vorgesetzt zu werden. Im wahrscheinlichsten Fall wurden hier 82 Unternehmen befragt, deren Erfahrungen mit Flüchtlingen eine Ausnahme darstellt und die zudem eine positive Auswahl von Flüchtlingen, hochmotivierte und anpassungsfähige Flüchtlinge, ausbilden.

In jedem Fall geht Sozialforschung anders und in jedem Fall ist es unlauter nur deshalb, weil das Thema „Flüchtlinge“ gerade in der Öffentlichkeit en vogue ist, zu versuchen, die eigene Hochschule und die eigenen Fachbereiche auf dem Rücken von Flüchtlingen zu bewerben. Derartige Versuche sind nicht nur unlauter, sie sind dann peinlich, wenn ein Blick genügt, um methodische Katastrophen zu entdecken, die einmal mehr die Notwendigkeit einer grundlegenden Ausbildung in Methoden empirischer Sozialforschung deutlich macht.

Es ist eben nicht so, dass jeder, der denkt, ein Thema sei „relevant“, „aktuell“ und „interessant“ auch die Qualifikation mitbringt, dieses Thema empirisch zu untersuchen.

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Schuhe für die Gottlosen…

Das Bedürfnis, die personale Identität, für die man sich bekanntlich abmühen, die man sich erarbeiten muss, gegen eine soziale „Ich bin“ Identität zu tauschen, eine, die man frei Haus und ohne eigene Anstrengung, einfach durch Zuordnung erhalten kann, scheint – jedenfalls nach unserer Beobachtung – zuzunehmen.

Tajfel. social identityDas beginnt an Universitäten, an denen Personen, die normalerweise nicht einmal in die Nähe einer höheren Bildungsinstitution kämen, tönen, sie seien Wissenschaftler oder Professor oder Inhaber einer statushohen Position und geht weiter über die unterschiedlichsten Formen der sozialen Ich-bin-Zuordnung, z.B.:

Ich bin Charlie,
Ich bin Antifaschist,
Ich bin für die Umwelt,
Ich bin gegen Atomkraft;
Ich bin gegen Trump;
Ich bin Deutscher;
Ich bin ein Berliner;
Baby an Board;
Ich bin Homosexuell oder anders sexuell;

Der Drang danach, den eigenen Lebensstil oder die eigene Werthaltung anderen Menschen auf die Nase zu drücken und sich selbst als das zu inszenieren, was man als überlegene Vegetationsform ansieht, ist so weit verbreitet, dass ihn auch das Marketing entdeckt hat. Das ist nichts Neues, denn die menschlichen Litfaßsäulen, die für Hugo Boss oder Benetton Reklame laufen, gibt es nicht erst seit heute.

Die soziale Ich-bin-Identität (anstelle der ich-tue-Identität) nimmt derzeit jedoch eien dezidiert Lebensstil-wertorientierungs-Form. Neuestes Beispiel sind Schuhe, mit denen man seinen Atheismus zum Ausdruck bringen kann.

“ The first “ATHEIST Shoe” was created as an art project. We felt the world might be a better place, if non-believers were more open about their godlessness, so we carved the words “ICH BIN ATHEIST” on a shoe sole – just as a cheeky little provocation.

Auch Kunst ist heute billig zu haben, drei Worte reichen: Ich bin Atheist, fertig ist die Kunst. Und die Masche zieht. Die Nachfrage von Schuhträgern, die sich gerne als Atheist zu erkennen geben wollen, damit ihre Mitmenschen auch wissen: „Aha, das ist ein Atheist!“, sie wächst und Atheist-Schuhmacher wachsen mit.

atheist-shoesAtheist-Schuhe sind – so ein Slogan – für Leute, die auf ihren Füssen und nicht auf ihren Knien leben. Markige Sprüche zeichnen erfolgreiche Werbestrategeme aus. Geschmack spielt dabei oft keine Rolle, Geschmacklosigkeit schon eher. Man fragt sich unwillkürlich, was ist das für eine Generation ist, die dermaßen einfach zufrieden zu stellen ist, der es reicht, verbal etwas zu sein, die nicht einmal auf die Idee kommt, etwas zu tun.

Tajfel hat soziale Identität definiert als: als „the individual’s knowledge that he belongs to certain social groups together with some emotional and value significance to him of the group membership” Im Gegensatz dazu versammelt eine personale Identität die biographischen Leistungen und Überzeugungen, Charakteristika und Eigenschaften eines Menschen. Die Willigkeit, sich einer Gruppe atheistischer Schuhträger öffentlich zuzuordnen, muss man dann wohl als Abwahl des Versuchs ansehen, als eigenständige Persönlichkeit zu gelten, die auch etwas tut.


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Überleben in der Bestattungsbranche: Eine Anleitung

925.239 Sterbefälle hat das Statistische Bundesamt im Jahre 2015 gezählt, so viele, wie seit 1990 nicht mehr: Sterben liegt wieder im Trend. Allein 2015 haben sich 56.883 Personen mehr zur endgültigen Ruhe begeben als 2014, ein Plus von 6,6%. Die Bestatter-Branche boomt, so sollte man meinen.

Das tut sie aber nicht, denn die „goldenen Zeiten“, die Bestatter nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt haben, als Sargpflicht und rigide Bestattungsgesetze dafür gesorgt haben, dass der Eichensarg aus deutschen Landen ein Quasi-Monopol auf den Kadaver des Verblichenen hatte, sie sind seit Beginn der 1990er Jahre vorbei.

grim-reaperDie Liberalisierung von Bestattungsgesetzen, kultureller Wandel beim Bestattungs-Geschmack und Konkurrenz aus dem Ausland haben das Bestattungsidyll der deutschen Bestattungsunternehmen zerstört: Seither kämpfen Sie mit Billiganbietern, versuchen mit neuartigen Bestattungs-Moden Schritt zu halten, dem Bestattungstourismus, der Leichen ob der billigeren Endlagerstätte in angrenzende Länder fliehen sieht, zu begegnen und, last but not least, mit den vielfältigen Formen, die Bestattungen heutzutage angenommen haben, Schritt zu halten: „Wer in der Bestattungsbranche überleben will“, so hat Dominic Akyel, der sich am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung mit dem Sterben befasst, schon 2011 gemahnt, „der reagiert mit neuen Produkten und Geschäftsmodellen“.

Seine Mahnung ist wohl auf taube Ohren gestoßen, denn heute findet sich bei heute.de die folgende Lamentiermeldung des Bundesverbands für Bestattungsbedarf:

“Die Sarghersteller in Deutschland leiden unter einem zunehmenden Konkurrenz- und Preisdruck aus dem Ausland. Särge kommen immer häufiger aus Osteuropa auf den deutschen Markt, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Bestattungsbedarf, Dirk-Uwe Klaas. Dort könnten sie zu wesentlich geringen Produktionskosten hergestellt werden. Mehr als 75 Prozent der in Deutschland verkauften Särge kämen mittlerweile aus dem Ausland. Dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren fortsetzen und verstärken. Das setze die Branche hierzulande unter Druck”.

Es ist als habe sich die Unterwelt gegen deutsche Bestatter verschworen: Immer mehr Tote bevorzugen die Urne gegenüber dem Sarg: Allein in der Gemeinde Emmen liegt der Kremationsanteil bei 91,3%. Gut, dass Emmen in der Schweiz liegt, so könnte man denken, aber in Deutschland ist es nur mäßig besser: Zahlen aus Köln belegen: Die Urne läuft dem Sarg den Rang ab. Immer mehr wollen als Asche in die Urne und nicht als Kadaver in den Sarg.

Und unter denen, die noch den Sargaufenthalt der Urne vorziehen, wächst die Zahl derer, die billige Särge aus dem Ausland, teuren Särgen aus dem Inland vorziehen.

Schon in den 1820er Jahren hat der berühmte Ökonom David Ricardo darauf hingewiesen, dass es Länder gibt, die komparative Vorteile gegenüber anderen haben: Sie produzieren billiger, die Ressourcen sind billiger, der Aufwand zur Produktion ist geringer und im Endeffekt ist der Sarg billiger, selbst wenn er nach Deutschland verschickt werden muss. Nur die deutschen Bestatter kennen nicht, was Ricardo schon in den 1820er Jahren belegt hat.

Da die Zeit der Einfuhrzölle auf billige Särge aus dem Ausland vorbei ist, stellt sich die Frage, wie der deutsche Sarg als dem polnischen Billigprodukt überlegen vermarktet werden kann: „Wer nicht wirbt, stirbt“, so hat Akyel schon 2011 mit Blick auf die Bestatterbranche gesagt, und wir wollen sein Motto wiederholen und sind auf die Suche nach „best practices“, bester Werbung für beste deutsche Särge gegangen, hier ein paar der Beispiele, die wir gefunden haben:

Stahl statt Holz, Differenzierung als Mittel gegen die Konkurrenz:

Aus der Kategorie realistische Werbung für ausbruchsichere Verpackung: Stahlsarg.de:

“EINE BEERDIGUNG LÄSST SICH NICHT WIEDERHOLEN.
Sie sollte deshalb für die Angehörigen genau so verlaufen, wie sie es sich vorgestellt haben. Das ist unsere Grundeinstellung bei der Stahl Holzbearbeitung GmbH in Kleinheubach am Bayerischen Untermain.”

Die Prämisse dieser Werbung lautet, dass sich die Angehörigen eine schöne, schön teure Bestattung mit der Stahl Holzbearbeitungs GmbH in Kleinheubach am Bayerischen Untermain vorgestellt haben, eine Prämisse, die man kaum halten kann.

Die folgenden Beispiele für Sarg-Werbung versuchen über Kostenführerschaft einen Marktvorteil zu erringen.

sargdiscountAus der Kategorie „Sterben muss nicht teuer sein“: Höchste Qualität, einfühlsame Betreuung bei Tiefpreisgarantie, das bietet Sargdiscount, der Aldi (Süd und Nord) unter den Bestattern, in Feuer-, Erd- und Webbestattung! Webbestattung? … nur telephonisch buchbar?

Billige Särge aus dem Standardsortiment gibt es bei Billige Särge Deutschland, Versandkostenfrei! Lieferung in nur 2-3 Werktagen!

Und ohne Inhalt. Was Sie dann mit dem Sarg machen, ist ihre Angelegenheit. Insofern scheint das Angebot noch etwas ergänzungsfähig zu sein.

Ideologische Verpackung auch nach dem Tod? Hier gibt es das richtige für das alternative Verwesen:

Auch Grüne sterben und stellen dann eine Belastung für die Umwelt dar. Damit nicht auch noch ihr Sarg als Sondermüll die Toten-Deponie belastet, gibt es extra für Grüne den Pappsarg:

“Peace Box” heißt er, aus der Schweiz kommt er. Und mit Sicherheit wird er – auch wenn es die Mehrzahl der deutschen Bestatter noch nicht wahrhaben will – zunehmend auch hierzulande zur Vielfalt des Bestattungswesens beitragen: Der ökologische Faltsarg, aus einem Stück gefertigt; und mit wissenschaftlich nachgewiesenen Umweltqualitäten.“

Durch Innovation zum Kunden:

ebay-sargAls Bestatter muss man mit der Zeit gehen, was die Absatzkanäle betrifft: Ebay bietet die Möglichkeit, Särge an den Kunden zu bringen und sich einen neuen Markt zu eröffnen, denn echte Särge sind der Renner jetzt zu Halloween. Einzig der Verkauf der Särge in der Kategorie, „gebrauchte Möbel“ mutet noch etwas seltsam an, aber: de gustibus non est disputandum, und warum sollen nicht auch gebrauchte Särge Käufer finden. In Zeiten zurückgehender Nachfrage, muss man neue Wege gehen und neue Kundengruppen erschließen. Ob die Nachfrage für leere Gebrauchtsärge höher ist als für gefüllte, ist indes eine Frage, die die Marktforschung bislang noch nicht beantworten kann.

Die beste Möglichkeit, den Absatz von deutschen Särgen zu erhöhen, lautet jedoch: Kundenbindung. Die Anzahl der Marketingstudien, die zeigen, dass loyale Kunden, Kunden die wiederkommen, die Kunden sind, die den größten Effekt auf den Umsatz eines Unternehmens haben, sie ist Legion. Im Amerikanischen spricht man von Repeat Business und hier ist, wie es geht:

Edeka verhindert potentiellen Terroranschlag!

Wie viele Marketingbücher gibt es eigentlich? 10.000, 100.000, noch mehr? Sagen wir, es gibt viele, zu viele. Und wie viele Marketingbücher beschäftigen sich mit Kundenkommunikation im Allgemeinen und mit Krisenmanagement im Besonderen? Fast so viele. In jedem Fall kann man feststellen, dass viel, sehr viel dazu geschrieben wurden, wie man im Falle einer Krise mit Kunden umgeht.

Als gäbe es all diese Niederschläge denkender Marketers in Buchform nicht, hat Edeka gerade eine Pressemeldung verfasst, die einem die Füße einschlafen lässt:

edeka-gg-apfelschorle-226x170“Hamburg, 19.10.2016. Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes ruft die EDEKA-Zentrale den Artikel „Apfelschorle, 0,5 Liter“ mit der Bezeichnung „GUT&GÜNSTIG“, produziert von der Urstromquelle GmbH & Co. KG, zurück. Betroffen ist ausschließlich die Ware mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 21.02.17 und 01.03.17.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass in Einzelfällen eine Verunreinigung einiger weniger Flaschen mit Hefen während der Herstellung stattgefunden hat. Diese Hefen verursachen einen Gärungsprozess, der wiederum zu einem Druckaufbau in der Plastik-Flasche (PET) und Eintrübung des Getränks führen kann. Dieses kann unter ungünstigen Bedingungen bis zum Platzen der Flasche führen. Dadurch besteht eine mögliche Verletzungsgefahr. Bereits gekaufte Flaschen, deren Inhalt eine Trübung aufweist und aufgebläht sind, sollten keinesfalls geöffnet, sondern umgehend vorsichtig entsorgt werden.

Der Artikel wurde vorwiegend bei Marktkauf und EDEKA angeboten. Verbraucher, die den betroffenen Artikel gekauft haben, erhalten auch ohne Vorlage des Kassenbons eine Erstattung des Kaufpreises in ihren Einkaufsstätten.

Verbraucherfragen beantwortet der EDEKA Kundenservice unter der kostenfreien Rufnummer 0800 / 333 5211 von Montag bis Sonntag von 8 bis 20 Uhr oder unter der E-Mail-Adresse: info@edeka.de.

Keine Idee von Krisenmanagement haben die Menschen bei Edeka. Deshalb geben wir Ihnen ein wenig Nachhilfe dazu, wie eine erfolgreiche Pressemitteilung formuliert werden kann, die aus einem Lapsus einen Sieg von Edeka macht:

Gut und günstig wird trüb und explosiv
Edeka verhindert potentiellen Terroranschlag

Auf bislang ungeklärte Weise ist eine Substanz, die von unseren allzeit wachsamen Edeka-Verbraucherschützern als „Hefe“ identifiziert werden konnte, in die Hochsicherheits-PET-Falsche gelangt, die wir benutzen, um Apfelschorle gut und günstig und per halbem Liter an den genussfreudigen Kunden bringen.

Hefe kann im Inneren einer Apfelschorle zu unerwünschten Gärprozessen führen, die die Apfelschorle trüb werden lassen und die PET-Flasche zur Explosion bringen können.

Apfelschorle als potentieller 0,5 Liter Molotowcocktail – Die Aussicht hat unsere Verbraucherschützer in der Edeka Zentrale sofort tätig werden lassen. Wir lieben nämlich Verbraucherschutz.

Ein extra eingerichteter Apfelschorle-Krisenrat hat Sofortmaßnahmen ergriffen, die verhindern sollen, dass die potentiell explosive Apfelschorle in die Hände von potentiellen Terroristen gelangt. Eine Nachfrage beim BND hat die potentielle Möglichkeit, dass potentielle Terroristen die potentiellen Apfelschorle-Bomben an Straßenrändern oder in Einkaufszentren platzieren als potentiell wahrscheinlich eingeschätzt.

Und wir handeln: Edeka ruft alle Kunden, die gute und günstige Apfelschorle gekauft haben, die mindestens bis zum 21. Februar 2017 und maximal bis zum 1. März 2017 haltbar ist, dazu auf, wachsam zu sein.

Geben Sie potentiellen Terroristen keine Apfelschorle!

Bringen Sie ihre 0,5 Liter PET-Flaschen zur nächsten Sammelstelle in ihrem Edeka-Markt zur dortigen Sicherheitsverwahrung. Lassen Sie keine 0,5 Liter Apfelschorle-PET-Flasche unbeaufsichtigt stehen. Melden sie unbeaufsichtigte, verlassene und ungeöffnete Apfelschorle-PET-Flaschen mit 0,5 Liter Inhalt sofort an ihre nächste Polizeidienstelle, von der aus das Edeka-Apfelschorle-SWAT-Team alarmiert wird.

Edeka. Wir lieben Lebensmittel.

Facebook Deutschland wird geschlossen: Zuckerberg hat genug

Wie uns soeben geleakt wurde, gibt es in der Facebook-Zentrale den Plan, Facebook Deutschland zu schließen. Am Rande einer Sitzung des Boards of Directors wurde bekannt, dass der Ärger darüber, dass in Deutschland „every Tom, Dick and Harry“ versuche, auf die Firmenpolitik von Facebook Einfluss zu nehmen, so groß geworden ist, dass sich die Firmenleitung mit dem Gedanken trägt, Facebook Deutschland zu schließen.

facebook_logoCFO John Castorp ist besonders verstimmt darüber, dass der ROI in Deutschland weit hinter dem zurückbleibe, was in den USA, Kanada oder Großbritannien, ja selbst in Frankreich oder Schweden erzielt werde. Deutschland sei für Facebook, was die Einnahmen des Unternehmens angehe, Entwicklungsland, a tinpot little continental country, wie Castorp es wohl ausgdrückt hat.

Auch der Chef der Rechtsabteilung von Facebook, Dr. Howard Krokowski, ist ungehalten. Er und die Mitarbeiter seiner Abteilung müssten sich durch Berge von deutschen Rechtsvorschriften lesen, müssten jede noch so unbedeutende Kleinigkeit in ihre Nutzervereinbarungen schreiben, damit keine deutsche Law-Vulture, die das Internet durchstreifen, um vergessene Impressen zur für sich profitbringenden Abmahnung zu bringen, auf Facebook niederstürzen und sich laben könne. Und alles, um ein mageres Landesergebnis am Ende des Jahres vorlegen zu können, das Investoren nicht einmal ein müdes Lächeln abringe.

Am meisten bringt Krokowski jedoch die Tatsache in Rage, dass Deutschland voller Busybodies sei, die seine Mitarbeiter mit Anzeigen überhäufen, sie von morgens bis abends mit Hasskommentaren traktieren, deren Löschung sie verlangen. Er müsse Mitarbeiter für die Taskforce eines möchte-gern Napoleon aus dem Saarland, bei dem nur die Körpergröße an Bonaparte erinnert, abstellen, um sich dort stunden- und tagelanges Gejammere über Hasskommentare anzuhören, nur um dann zu erfahren, dass das, was hier bejammert würde, die vermeintlichen Hasskommentare, nicht einmal nach deutschem Recht strafbar sei. Offensichtlich, so ergänzt Joe Ziemßen die Ausführungen seines Chefs, habe man in deutschen Ministerien nicht nur zu viel Zeit, sondern auch zu viele überflüssige Vasallen, die man in überflüssige Task Forces abkommandieren und zu überflüssigen Treffen verschicken könne. Bei Facebook sei dies anders. Facebook sei ein Unternehmen mit beschränkten Ressourcen in Kapital und Arbeit.

facebook-like-buttonDeshalb müsse er die Reißleine ziehen, so Castorp, wenn mehr Geld eingesetzt werden müsse, um sich mit meaningless platitudes and nonsense auseinander zu setzen, als Geld mit dem eigentlichen Betrieb von Facebook verdient werden könne, sei es an der Zeit, den nationalen Markt zu verlassen und sich grüneren Wiesen zuzuwenden, wie sie z.B. in Afrika oder in Südostasien zu finden seien.

Ob Facebook Deutschland geschlossen wird, ob der Plan aus der Schublade und auf den Tisch geholt wird, steht noch nicht endgültig fest. Es ist eine Frage, die letztlich Mark Zuckerberg zu beantworten haben wird. Seine Antwort auf diese Frage entscheidet darüber, was mit den Legionen der Facebook-Hatespeech-Hater werden wird, deren ganzer Unterhalt auf ein Geschäftsmodell gebaut ist, dem ohne Facebook schlicht die Grundlage fehlt.


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