Futurologie: Das bringt 2016

Selbstverständlich haben wir bei ScienceFiles auch einen Futurologen, einen Zukunftsforscher, der sein Ohr am Gras der Zeit hat und Letzteres wachsen hört. Wir haben ihn gebeten, zum Ende von 2015 doch vorherzusagen, welche Trends und Ereignisse die Sozialwissenschaften und angrenzende Wissenschaften im Jahr 2016 prägen bzw. heimsuchen werden.

crystal ballHier seine Prognosen (geordnet nach Fachbereichen), an denen wir ihn messen werden.

Historiker (Geschichtswissenschaften)

Nachdem sich Historiker jahrelang einer öffentlichen Ignoranz erfreuen konnten, stehen die Zeichen im Jahr 2016 auf Sturm, nein, auf Streit. Wie beim letzten Historikerstreit, so ist Herr Schickelgruber auch der Anlass für den neuerlichen Historikerstreit. Ist sein „Mein Kampf“ nun das schlechteste und boshafteste Buch, das je geschrieben wurde, oder gebührt der Titel „furchtbarstes Werk aller Zeiten (fuWaZ) Lenins „Was tun“ bzw. Stalins „Über die Opposition“?

Kulturwissenschaft

Die Kulturwissenschaften sehen 2016 einem Jahr der Wahrheit entgegen, einem Jahr, in dem auch der letzte Kulturwissenschaftler erkennen wird, dass das Ausleihen, manche sagen auch Stibitzen von Methoden, Theorien und Fragestellungen aus anderen Fachbereichen keine Grundlage ist, auf der sich ein eigenständiger Fachbereich bauen lässt.

Kriminologie

Kriminologen werden sich im Jahr 2016 verstärkt mit white collar crime und mit Kulturwissenschaftlern beschäftigen.

Betriebswirtschaftslehre

Es ist immer schwierig, für die Betriebswissenschaften oder BWL, wie sie liebevoll abgekürzt werden, eine Prognose zu machen. Zu diffus ist das Fach, zu selbstreferentiell die Tautologien, auf denen das Fach baut. Soviel sich derzeit sagen lässt, wird auch im Jahre 2016 die Diskussion darüber, ob die Nachfrage nach den Produkten eines Unternehmens wichtiger für den Unternehmenserfolg ist als die Höhe der Ausgaben für Marketing, viel Raum einnehmen. Wie all die Jahre zuvor, wird die Diskussion damit enden, dass sich die Marketing-Fraktion gegenüber der Nachfrage-Fraktion behauptet. Zudem stehen die Zeichen gut für die Schaffung eines neuen Marketing-Controllings, das ergebnis-zielorientiert darauf hinsteuern wird, dass die Nachfrage-Fraktion durch ihre Veröffentlichungen keinen Zwist mehr unter BWLern auslöst.

Psychologie

Psychologen werden sich 2016 verstärkt um Betriebswirte kümmern, ergebniszielorientiert versteht sich und vor dem Hintergrund, dass der DSM-VI um eine weitere Störung, nämlich die Schwall-Sucht ergänzt werden soll. Die Schwall-Sucht wiederum scheint unter Betriebswirten endemisch zu sein.

Volkswirtschaftslehre

2016 ist für die Volkswirtschaft das Jahr der Dilemmata. Da ist zunächst das Keynes-Dilemma, das die VWL nun schon seit den 1930er Jahren plagt: Wenn der Staat 10 Millionen ausgibt, und damit einen Wachstumsschub von 8 Millionen auslöst, dann macht der Staat 2 Millionen Verlust. Der Realwelt Verlust steht im Gegensatz zu den Voraussagen von Keynes. Ein existenzielles Dilemma. Auch das nächste Dilemma ist existenziell: Modelle, die auf Schätzungen aufbauen, resultieren in Schätzungen und nicht in Wahrheit, dieses auch als naives-Induktionsproblem der Willkür bezeichnete Dilemma hängt auch 2016 wie ein Damoklesschwert über den Vorhersagen der führenden VWL-Auguren – nicht, dass es sie hindern würde, vorherzusagen, was politisch-korrekt ist und wofür sie bezahlt werden.

Gender Studies

Gender Studies, die aufgrund des vorhandenen kognitiven und inhaltlichen Vakuums nicht nur der Fachvertreter Gefahr laufen, zu implodieren, werden durch einen sensationellen Fund am Leben erhalten: Auf den Sklavenmärkten des alten Roms gab es ein Gender Pay Gap. Für männliche Sklaven wurde im Durchschnitt 23% mehr bezahlt (unbereinigt und ohne Berücksichtigung der Verwendungsweise) als für weibliche Sklaven. Um diese historisch monumentale Ungerechtigkeit zu beseitigen, wird die Einrichtung eines Opferfonds gefordert, aus dem die Hinterbliebenen, die sich vornehmlich an der Humboldt und der Freien Universität in Berlin auf und im Umkreis von Gender-Lehrstühlen finden, lebenslang entschädigt werden sollen.

Politikwissenschaft

Die Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft wird sich pre-emptiv auflösen, um einer Machtergreifung durch Mitarbeiter des Wissenschaftszentrums Berlin zuvorzukommen. Die deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft soll sich nach bislang unbestätigten Berichten von Insidern bereits aufgelöst haben, wenn nicht, dann wird sie sich im Laufe des Jahres 2016 auflösen, wegen fehlender öffentlicher Anerkennung und Wirkung.

Historiker

Historiker streiten 2016 darüber, ob Machtübernahmen von Büchern ausgelöst werden oder ob staatlich finanzierte Institutionen notwendig sind, um Machtübernahmen zu initiieren.

Qualitative Sozialforschung

Im Bereich der qualitativen Sozialforschung bahnt sich ein Methodenstreit an. Grund ist die neuentwickelnde Methode der sich selbstbefragenden Fallstudie, bei der ein Forscher seine eigene Theorie durch die Befragung von sich selbst validiert. Der Hinweis des renommierten Sozialforschers Günter Einzelfall, der sich selbst zur Methode der Selbstbefragung befragt hat und zu dem Schluss gekommen ist, dass er sich aufgrund sozialer Erwünschtheit nicht trauen kann, wird zu erheblichen Konflikten führen.

Quantiative Sozial- und Umfrageforschung

Quantitative Umfrageforscher stehen 2016 vor zwei grundlegenden Problemen: (1) Ist eine zufällig gezogene Stichprobe, die zufällig nur 1000 Männer im Alter von 25 bis 35 Jahren umfasst, repräsentativ für die deutsche Gesellschaft oder müssen zur Herstellung von Repräsentativität ältere Männer hinzugewichtet werden?
(2) Der Chef von Forsa hat auf dem Münchner Oktoberfest bei einem Losverkäufer 1000 Lose gekauft. Darunter war kein Hauptgewinn. Hat die Betrugsklage des Forsa-Chefs vor dem Amtsgericht München Aussicht auf Erfolg?

Kriminologie

Kriminologen werden sich 2016 um Losverkäufer auf dem Münchner Oktoberfest kümmern.

Jura

Juristen stehen 2016 vor einem Berg von Problemen. Das neben der Festsetzung eines arbeitslosen Grundeinkommens von 4000 Euro netto für Juristen über die Neufassung des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes wichtigste Problem besteht in der Frage, ob ein straffälliger Anwalt, der einen Meineid begangen hat, um die tatsächliche Unschuld seines Mandanten auch zu beweisen, selbst belangt werden kann und wenn ja, weswegen.

Kriminologie und Psychologie

Kriminologen und Psychologen werden sich 2016 verstärkt um Juristen kümmern.

Liberaler Paternalismus

auch: Cass Sunsteinianismus. Cass Sunsteinianer haben entdeckt, dass der Grund dafür, dass Menschen suboptimale Entscheidungen in ihrem Leben treffen, darin zu finden ist, dass Menschen frei entscheiden können. Entsprechend steht 2016 im Zeichen der Unterordnung der Bürger unter die Entscheidungshilfe des Staates. Dem Grundsatz des paternalistischen Liberalismus entsprechend können Bürger wählen, ob sie sich unter staatliche Handlungsaufsicht begeben oder unter staatlicher Handlungsaufsicht verbleiben wollen. Es soll ja niemand gezwungen werden!

Soziologie

Auf dem 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, der 2016 in Bamberg stattfinden soll, bahnt sich Ärger an: Die Fraktion der Wut-Soziologen, Problem-Soziologen, auch pegida-Soziologen (postenlos, entrechtet, geringverdienend, illusionslos, demotiviert, alternativlos) genannt, die aus bestenfalls zeitlich befristeten Halbstellen-Inhabern in prekären Lebensverhältnissen besteht, wird den Aufstand proben und vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie eine ausreichende Beteiligung an den Devisenzahlungen des Bundes verlangen, die der Vorstand jährlich einstreicht. Ob der Aufstand vom Zentralkomitee der DGS durch die Schaffung von Besetzungsfreiheit auf Stellen an soziologischen Instituten, die derzeit nur auf Grundlage des richtigen Geschlechtsbuches vergeben werden, abgewendet werden kann, ist derzeit noch unklar.

Sozialarbeit 

Sozialarbeiter werden sich 2016 verstärkt um Wutsoziologen (oder Problemsoziologen) kümmern und versuchen, den gesellschaftlichen Randgestalten einen Weg auf den ersten Arbeitsmarkt zu weisen. Sollte dies scheitern, so haben Sozialarbeiter doch zumindest sich einen Weg auf den ersten Arbeitsmarkt gewiesen.

Medienwissenschaft

Für Medienwissenschaftler ist 2016 ein entscheidendes Jahr. Bislang konnten sie noch zu den Lügenpresse-Vorwürfen schweigen. 2016 müssen sie sich dazu stellen. Zwei Fraktionen zeichnen sich ab: Eine Fraktion ist bereit, den Fachbereich in Lügenpressenwissenschaft umzubenennen, eine Fraktion tendiert dazu, den Fachbereich in Wut-Medienwissenschaft umzubenennen.

Evolutionspsychologie

Evolutionspsychologen werden auch 2016 mit dem Problem ringen, dass ihre einfachen Modelle der Komplexität der Wirklichkeit, die sich z.B. im Unterschied zwischen Hans Maier und Karl Müller (beide kinderlos trotz egoistischem Gen) niederschlägt, nicht gerecht werden.

Klimaforschung (Kosmoklimatologie)

Klimaforscher lachen – auch 2016. Angesichts der Effekte, die kosmologische Einflüsse auf das Erdwetter haben, von interstellaren Staubwolken, über Sonnen-Eruptionen bis hin zum Magnetfeld der Erde, können sie nicht anders als zu lachen, ob der Annahme, menschliche Aktivitäten hätten einen erheblichen Einfluss auf Veränderungen des Klimas, wie sie durch die genannten Phänomene hervorgerufen werden. „Eine Badewanne voller Wasser macht keinen Tsunami“, so ein beliebtes Bonmot der erheiterten Klimatologen.

Archäologie

Archäologen werden auch 2016 Unmengen ritueller Gefäße und Opferbecken ausgraben, mit denen sie ihrer Phantasie der blutrünstigen Alten freien Lauf lassen. Und auch 2016 werden sie nicht zugeben, dass der Kopf der Nofretete eine Fälschung ist, für die vermutlich die Frau von Ludwig Borchardt Modell gestanden hat.

Soweit die Vorhersagen des ScienceFiles-Futurologen. Wir können uns hier nur anschließen und unsererseits die Gewissheit verbreiten, dass 2016 kommen wird, ob wir wollen oder nicht und dass es deshalb besser ist, sich damit abzufinden und allen Lesern ein

Frohes Neues Jahr

zu wünschen.

In weiser Voraussicht haben wir ein prognostisches Werk der britischen Futurologentruppe „Spitting Images“ aus dem Archiv geholt. Es zeigt treffsicher, welche Diskussion das Jahr 2016 prägen wird.

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11 Responses to Futurologie: Das bringt 2016

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Futurologie: Das bringt 2016

  2. rote_pille sagt:

    Welche Meinung hat der Futurologe zum Demographen?

  3. Heiner sagt:

    Medizin

    Wegen des deutschlandweiten Generalverdachtes, jeder Mediziner sei bestechlich (Nachweis der Bestechlichkeit wird durch Ablegen des 3. Staatsexamens erbracht) wird auf der Suche nach neuen Geldquellen der Gendertopf angezapft. Gendermedizin als Label, wo es geschlechtsspezifische Medizin heißen müßte, Hauptsache, ein neuer Geldhahn wird angezapft. Nebenher verschieben wir in Österreich nochmal die Kriterien für die Aufnahmeprüfung der Mediziner, damit die nach der xten Änderung dabei immer noch besser abschneidenden Männer endlich unter die 50% gedrückt werden.

    Dazu noch die Fütterung (Weiterentwicklung) der Totgeburt „elektronische Gesundheitskarte“ (ein Server für alle bundesweiten Patientendaten, da ist das Hacken nicht mehr so aufwendig. Wozu braucht man denn schon ein Arztgeheimnis? NSA und Konsorten wissen eh schon den Rest, da kommt es da auch nicht mehr drauf an.).

    Hier noch etwas Robotermedizin, da etwas Laser und schon geht es einem nach dem letzten MRT viel besser. Muss ja keiner wissen, daß so ein MRT keine Behandlung sondern nur Diagnostik ist. Die Kiste muss nur groß sein (am Besten einen eignen Raum füllen) und geheimnisvolle Geräusche machen. So einfach kann Heilung sein!

    Achso: Um Gottes willen keine Grundlagenforschung an Stammzellen. Alles Teufelswerk! Zurück zur homöopathischen Kugel und Vier-Säfte-Lehre! (In der Energiepolitik geht’s ja auch zurück zur Windmühle.) Hauptsache: ÖKO und bloß keine pharmazeutische Chemie!
    :-)

  4. Jakob Sparrov sagt:

    Ich wünsch Euch allen ein erfolgreiches Neues Jahr!
    Möge uns wenigstens der Humor erhalten bleiben!

  5. Ganz toller Beitrag, über den sich redlich streiten lässt.
    Den Begriff `Kulturwissenschaften´ kann ich nicht ganz begreifen. Aber ich habe schon Einwände gegen diese Prognose. Vielleicht lässt sich das ja durch meinen Artikel `Ein CUT-UP der besonderen Art´ verständlich machen.
    https://4alle.wordpress.com/2015/12/21/cut-up-bedondere-art/
    vielen Dank! Ich wünsch uns ein besseres 2016 als es 2015 war.
    PJP

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  7. Pingback: News 01.01.2016 | Krisenfrei

  8. waldbaer sagt:

    2016 kommt ein verschlafener Waldbär aus seiner Höhle und befindet, dass hiergegen Volker Pispers ein weichgespülter Waisenknabe ist.

  9. Pingback: JAWOs Links am Mittwoch – Silvester - KW 01 in 2016 - NICHT-Feminist

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