Meinungsfreiheit nach Maas: Facebook macht sich lächerlich

Für Karl Raimund Popper ist das mit der Meinungsfreiheit ganz einfach: Wer sie nicht gewährleistet, der hat keinerlei Respekt vor seinen Mitmenschen, fühlt sich selbst überlegen, schwingt sich zum Richter über wahr und falsch auf und bringt andere um die Freiheit, sich eine eigene Meinung zu bilden. Wer Meinungsfreiheit nicht gewährleistet, er ist ein Feind der Demokratie.

facebook2Facebook als Feind der Demokratie zu bezeichnen, wäre etwas übertrieben. Vielleicht ist es besser, Facebook und Mark Zuckerberg als naive Papierschiffchen im Strom der politisch Korrekten zu bezeichnen, jener politisch Korrekten, die nur leben, um Hassreden zu verurteilen, Hetze zu beklagen und sich danach den Schaum vor dem Mund wegzuwischen.

Nach monatelangem Gerangel, an dem der deutsche Justizminister und seine Stasi-Gehilfin, Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung, in erster Reihe beteiligt waren, haben Facebook und Zuckerberg kleinbei gegeben und sich bereit erklärt, “schlechte Inhalte” zu löschen.

Was “schlechte Inhalte” sind? Niemand weiß es.

Aber man kann es, nach den ersten Meldungen über Löschungen ungefähr erahnen:

Schlechte Inhalte sind:

Ein Beitrag der Deutsch-Türkischen Nachrichten, in dessen Überschrift das Wort PKK vorgekommen ist.

Facebook Zensur

Perlen aus Freital, die exemplarisch üble rechtsradikale Ausfälle aus dem Internet zitieren. Warum sie das tun? Keine Ahnung, vielleicht hat das Zitieren von “rechtsradikalen Ausfällen” eine purifizierende oder orgiastische Wirkung oder wirkt sich auf das eigene Selbstbewusstsein als Guter aus. Wie dem auch sei, Facebook hat die Seite gesperrt und schnell wieder entsperrt, als seine Majestät der deutschen oberster Zensinquisitor, Heiko Maas, die Sperrung angeprangert hat.

 

Bei Facebook wird nichts Falsches gesperrt, keiner der Guten, damit das klar ist! Scheinbar hat der Justizminister nichts Besseres zu tun als darüber zu wachen, dass auch die Richtigen und nicht die Falschen gesperrt werden. Meinungsfreiheit nach Maas!

Dass hier von Seiten Facebooks wild gesperrt wird, hat damit zu tun, dass niemand zu wissen scheint, was Hassreden, Hetze oder die von Mark Zuckerberg in seinem grenzenlosen Unverständnis dessen, worum es hier geht, ins Spiel gebrachten “schlechten Inhalte” eigentlich sind. Und weil dies niemand weiß, haben die Herrschaften bei Arvato, der Bertelsmann-Tochter, die Facebook mit dem Entfernen “schlechter Inhalte” beauftragt hat, einen Persilschein auf Zensur. Sie können ermessen wie sie wollen, sperren, was sie wollen oder was sie für “schlechte Inhalte” halten.

Das nennt man Willkür und Willkür hat zur Konsequenz, dass sie auch diejenigen trifft, die GroßZensinquisitor Maas für die Guten hält. So ist das, wenn es keine Spielregeln gibt und so ist das, wenn sich politische Darsteller an Rollen wagen, die ihnen mindestens zwei Größen zu groß sind.

Was bislang in der Diskussion vernachlässigt wurde, ist der Blick auf das Unternehmen, das von Facebook beauftragt wurde, “schlechte Inhalte” zu beseitigen. Arvato, eine Bertelsmann Tochter, bei der man Folgendes verspricht:

“Unsere Kunden vertrauen uns ihr wertvollstes Gut an – ihre Kunden. In unserem ganzen Handeln, mit jeder Dienstleistung und Lösung, die wir anbieten, und bei jedem Kontakt mit den Kunden unserer Kunden tun wir alles, um ein unvergessliches Markenerlebnis zu schaffen.

Kundenbegeisterung ist kein Zufallsprodukt. Wir konstruieren sorgfältig jeden einzelnen Prozessschritt. Das Universalwerkzeug, mit dem wir dies tun, sind die Entwicklung und das Management durchdachter Prozesse auf der Basis modernster Outsourcing-Technologien.”

Das war das Marketing, nun zur Realität.

laurel-hardy-vol-14-a-job-to-do-classic-shortsInnerhalb von kürzester Zeit hat es Arvato geschafft, Facebook zur Lachplatte zu machen und das “wertvollste Gut” von Facebook, deren Nutzer, zu verärgern. Viele wandern bereits zu VK ab, andere posten nicht mehr auf Facebook und wieder andere beobachten das Treiben mit einem gewissen Amüsement, das man nur nachvollziehen kann, wenn man die Szene kennt, in der Laurel und Hardy versuchen, ein Klavier auszuliefern, zum “wertvollsten Gut” ihres Auftraggebers.

Das Markenerlebnis, das Arvato für die Nutzer von Facebook schafft, entspricht ungefähr dem Markenerlebnis, das Josef K. in Franz Kafkas “Der Prozess” hat. Die Kunden sehen sich von einem Unbekannten daran gehindert, ihre Marke Facebook zu erleben, weil man sie gesperrt hat. Warum, das sagt niemand. Wer, das sagt auch niemand. Und um das Kafkaeske der Situation auf die Spitze zu treiben, gibt es nicht einmal eine Anhörung der Beschuldigten, etwas, das sich nicht einmal Franz Kafka vorstellen konnte. Bei Arvato gilt die einfache Denunziation: Wer gemeldet wird, wird gesperrt oder auch nicht – wer weiß.

Das Beste kommt wie immer zum Schluss: “Kundenbegeisterung ist kein Zufall”, schreibt man bei Arvato. Seid Ihr auch richtig begeistert, ihr Facebook-Nutzer, die ihr mit der ständigen Möglichkeit lebt, von Arvato wegen was auch immer gesperrt zu werden, und zwar als Ergebnis “durchdachter Prozesse auf der Basis modernster Outsourcing-Technologien”? Uns scheint, bei der “sorgfältigen Konstruktion” der einzelnen “Prozessschritte” durch Arvato ist Folgendes auf der Strecke geblieben: Die Vernunft und der Respekt vor den Kunden.

Aber das ist auch kein Zufall: Wer auf Denunziation “schlechte Inhalte” sperrt oder entfernt, der zeigt damit, dass er keinen Respekt vor Kunden hat, ist er doch der Ansicht, Kunden können man nicht trauen, müsse ihnen die Möglichkeit nehmen, “schlechte Inhalte” selbst zu identifizieren und sich selbst zu ihnen eine Meinung zu bilden. Und wer denkt, er sei in der Lage “schlechte Inhalte” klar und deutlich zu benennen, der zeigt damit, dass ihm die Vernunft über all dem Marketing-Geschwätz abhanden gekommen ist.

Aber eines kann man Arvato nicht absprechen, das Unternehmen macht Facebook derzeit wirklich zum Markenerlebnis, einfach nur dadurch, dass es Facebook der Lächerlichkeit preisgibt, einer Lächerlichkeit, die Facebook aufgrund des tiefen Buckelns vor politischen Zensinquisitoren auch tatsächlich verdient hat.

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