“Bequemlichkeitsverblödung” – auch oder gerade unter Akademikern

Er hat Psychologie und Politikwissenschaft studiert. Er lehrt an der Hochschule Magdeburg Stendal irgend etwas zwischen Betriebswirtschaft, Sozialer Arbeit und Elternbildung und wird in der Mitteldeutschen Zeitung als “Psychologe und Politikwissenschaftler” verkauft. Die Rede ist von Thomas Kliche, der vor einigen Wochen die erste akademische Büttenrede gehalten hat.

Magdeburger StoffwechselproduktDamals war er der Meinung, der Rechtsextremismus und damit die AfD, denn beides ist für den “Dipl. Psych.” und “Dipl. Pol.”, der nach eigenen Angaben an den Universitäten München, Freiburg, London, Leningrad und Hamburg studiert hat, ein wahrer Wissenschaftstrabant also, dasselbe, also damals war er der Meinung, “der Rechtsextremismus wird auf Jahre zur politischen Landschaft Deutschlands dazugehören”.

Heute, 19 Tage später, ist Kliche anderer Meinung, nun ist die “AfD ein vorübergehendes Stoffwechselprodukt der Geschichte”.

Also, Ihr AfD-Wähler und AfD-Mitglieder, die ihr gerade als lebensnotwendiges Enzym beschrieben worden seit, ihr seid bald Geschichte, abgebaut im großen Magen demokratischer Verdauung.

Aber befassen wir uns etwas genauer mit dem verunglückten Versuch des “Dipl. Psych.” und “Dipl. Pol.” aus Leningrad oder Freiburg, vielleicht auf Hamburg oder München, alle, die nicht seiner Meinung sind, zu beleidigen – als Stoffwechselprodukt der Geschichte.

O-Ton Kliche:

“Die Forschung spricht schon von einer Spät- oder Untergangsphase der Demokratie, weil die Leute lieber dreimal im Jahr Urlaub machen oder Dschungelcamp schauen, als sich auch nur mit den einfachsten Grundlagen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu beschäftigen. Kollektive Bequemlichkeitsverblödung fällt aber jeder Gesellschaft irgendwann auf die Füße – es wird immer anstrengender, für vernünftige Lösungen Unterstützung zu erhalten. […]

Nein, es wird niemand abgeschrieben, aber wir können uns keine blöde Politik leisten, das werden die Menschen einsehen. Die AfD ist ein vorübergehendes Stoffwechselprodukt der Geschichte.”

Am Ende, so Thomas Kliche, werden “die Menschen” so intelligent sein, wie er – und nicht AfD wählen. Und wer nicht AfD wählt, weil er so intelligent ist, wie Thomas Kliche, der ist auch nicht bequemlichkeitsverblödet. Bequemlichkeitsverblödet ist nämlich nur, wer Dschungelcamp schaut und sich nicht mit den “einfachsten Grundlagen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft” beschäftigt.

Anders als Thomas Kliche. Der beschäftigt sich natürlich mit den einfachsten Grundlagen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, deshalb weiß er, dass es Bequemlichkeitsverblödung ist, wenn Menschen das Interesse an Politik verlieren. Und natürlich weiß er, dass der Verlust von Interesse nichts mit dem Politik-Angebot zu tun hat, sondern auf die Verblödung der Dschungelcamp-Seher zurückzuführen ist. Und weil er das alles weiß, weiß er sicher auch, dass diese Idee nicht von ihm ist, sondern unter dem Stichwort des Unterschichtenfernsehens, das Detlef Nolte ins Spiel gebracht hat, schon einmal diskutiert wurde.

Und weil er ja ein “Dipl. Pol.” ist, deshalb kennt er mit Sicherheit auch die Literatur zu demokratischer Beteiligung, jene Literatur, in der ziemlich eindeutig argumentiert wird, dass es für Bürger irrational wäre, sich um jeden Firlefanz in der Politik oder der Gesellschaft oder der Wirtschaft zu kümmern. Denn: Bürger haben Besseres zu tun. Sie müssen u.a. die Steuern erwirtschaften, die dann benutzt werden, um “Dipl. Pols.” wie Thomas Kliche zu finanzieren, damit sie sich hinstellen und die Wahl der AfD als Ergebnis von Verblödung diffamieren.

War es nicht die Aufgabe von Sozialwissenschaftlern, soziale Fakten – wie z.B. die Wahl der AfD – zu verstehen und zu erklären, wie dies Max Weber einst formuliert hat? War es nicht ihre ureigendste Tätigkeit, soziale Fakten zu erforschen, sie auf theoretische Konzepte zurückzubinden und entsprechend zu erklären?

War, ist hier das operative Wort, denn es ist Vergangenheit. Heute gibt es häufige Studienortwechsler, die die wissenschaftliche Arbeit durch akademisierte Beleidigung ersetzt haben. Sie machen gar nicht mehr den Versuch, ein soziales Phänomen zu verstehen oder gar zu erklären. Sie diffamieren es gleich, wissen dabei alles auch ohne empirische Daten ganz genau und haben nur ein Ziel, sich als Moralapostel zu produzieren und den eigenen Namen in der Zeitung zu lesen. Sie sind die akademische Ausgabe dessen, was Kliche wohl meint, wenn er von Bequemlichkeitsverblödung spricht. Und das ganz ohne Dschungelcamp.

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13 Responses to “Bequemlichkeitsverblödung” – auch oder gerade unter Akademikern

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] “Bequemlichkeitsverblödung” – auch oder gerade unter Akademikern

  2. Chaeremon says:

    Wie negiert man eigentlich BequemlichkeitsVerblödung, Herr Dipl. Psych. Dipl. Pol. Kliche: etwa nur einmal als UnangenehmVerblödung, oder gleich zweimal als UnbequemVerständlich [credits: dict.cc und wordnetweb], oder wie jetzt?

    RichtigGutGesinnt kommt dabei nicht heraus, nicht wahr.

  3. Gernot Meyer says:

    Wäre es nicht langsam an der Zeit, daß ScienceFiles eine Definition für den Term “akademischer Pöbel” einführt? Auf diese Art wäre es leichter, Auszeichnungen zu verteilen …. Kandidaten gäbs ja unzählige.

  4. Heiner says:

    Wieso erinnert mich “Dipl. mult.” Kliche nur an diesen Beitrag:

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/warum_unsere_zukunft_nicht_berechenbar_ist ?

    Ach ja! Wegen der Sektherstellungsregel! 🙂

    Vielleicht sollte man “akademischer Pöbel” durch “Universaldilletant” ersetzen. Oder ist das schon definiert?

  5. Thomas says:

    Herr Kliche meinte vermutlich Stoffwechselendprodukt im Zusammenhang mit der AfD. Aber das wäre nun wirklich von einem Dipl. Psych. et Pol. zuviel verlangt, den Unterschied zwischen Stoffwechselprodukt und Stoffwechselendprodukt zu kennen. Allerdings sollte er bei ausreichender Allgemeinbildung wissen, das Stoffwechselprodukte auch als Katalysatoren für gewisse Prozesse wirken können.

  6. brian says:

    Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand.
    Arthur Schopenhauer (1788 – 1860), deutscher Philosoph

  7. Mein Eindruck ist sowieso, seit mindestens 20 Jahren sind die deutschen Intellektuellen der universitären Szene an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. In keinem anderen westlichen Land sind die Intellektuellen solche Speichellecker des politisch korrekten Mainstreams wie in Deutschland.

    OK. Den werden hier viele nicht leiden können, aber die USA haben beispielsweise einen Noam Chomsky, der sich deutlich kritisch zu den Praktiken der US Regierung äußern kann. Und wer ist der berühmteste deutsche Philosoph momentan? Richard David Precht.

    In 50 Jahren spätestens wird sich niemand daran erinnern können, wer das überhaupt war.

    Mein EIndruck ist momentan fast, in Deutschland ist der Hauptjob eines Akademikers mitlerweile, Regierungsgegner zu diffamieren.

    • iustus amentia says:

      Ein Eindruck den ich für den Bereich Ökonomie an staatlichen Universitäten bestätigen kann, da man sich dort ebenfalls eher als politischer Berater / Medizinmann begreift, denn als Wissenschaftler im eigentlichen Sinne des Wortes.
      Der gedankliche Sprung seinen Kunden / Patienten nach Außen gegen jedweden Widerspruch zu verteidigen, ist ein kleiner.
      Wie das in anderen Fachbereichen und an privaten Universitäten aussieht, weiß ich nicht.

    • Gernot Meyer says:

      @Michael Kumpmann
      Peter Sloterdijk tut allerdings sein Bestes und den gibts ja gelegentlich auch im Fernsehen

  8. Und was unser Establishment von der Demokratie hält, haben wir ja Eindrucksvoll bei jeder schweizer Volksabstimmung gesehen. Demokratie ist für die nur gut, wenn das Volk im Sinne des Establishments wählt, wenn nicht, dann sind die Leute angeblich Dumm, Reaktionär, aufgehetzt, manipuliert etc.

    Siehe bestimmte Volksabstimmungen in der Schweiz und in manchen deutschen Bundesländern. (Stuttgart 21)

    Man jammert über Politikverdrossenheit, aber ist sauer, wenn das Volk vom Willen der Elite abweicht. Dann wird direkt maßlos gegen das eigene Volk und gegen Nachbarn gehetzt.

    Fazit: Unser Volk soll möglichst viel Demokratie haben, aber nur, wenn es sich so entscheidet, wie die Elite will. Was für eine Farce.

  9. Frau Elster says:

    Der Herr Kli(s)che(e) sollte eigentlich froh und dankbar darüber sein, daß so viele “Menschen” lieber Dschungelcamp gucken, anstatt sich mit Politik und Wirtschaft zu befassen. Denen fällt wenigstens nicht auf, was für ein akademisches Stoffwechsel(end)produkt sie da mit ihren Steuern mitfinanzieren.

  10. br says:

    Passt nur halb hierhin und ist nicht neu, kam mir aber gerade über den Weg;

    http://www.inst.uni-giessen.de/stellenmarkt/pdf/stelle0008565.pdf

    “Im Büro der Frauenbeauftragten der Justus-Liebig-Universität Gießen ist … die Teilzeitstelle …. als Referent/in der Frauenbeauftragten und Leiterin des Gleichstellungsbüros zu besetzen. Aufgaben: Koordination der Aktivitäten im Frauen- und Gleichstellungsbüro … Anforderungsprofil: … fundierte Kenntnisse im Bereich Gleichstellungs- und Frauenförderpolitik an Hochschulen …. ”

    Es wird ein gefühltes Dutzend mal erklärt, dass Gleichstellung = einseitige Frauenförderung ist, denn Frauen sind nun mal gleicher als Männer. Soviel zum Thema “Bequemlichkeitsverblödung” – auch oder gerade unter Akademikern.

    Dann ist noch ein dezenter Hinweis lesenswert:

    “Aufgrund des Frauenförderplans besteht eine Verpflichtung zur Erhöhung des Frauenanteils; Bewerbungen von Frauen werden besonders begrüßt.”

    Aussagenlogisch betrachtet kann (a) der Frauenanteil nur erhöht werden, wenn auf diese Stelle eine Frau eingestellt wird, und (b) deutet die Formulierung “besteht eine Verpflichtung” unheilschwanger an, daß diese Verpflichtung wahrscheinlich bei dieser Stelle dazu führen wird, dass leider Männer draußen bleiben müssen. Zumal das gewünschte Studium der Gender Studies ein reines Frauenfach ist und Männer daher kaum ausreichend indoktriniert qualifiziert sein können.

  11. iustus amentia says:

    Personen wie Thomas Kliche erhalten lediglich eine Plattform, für ihre Plattheiten (der musste sein), aufgrund der unterliegenden Neugierde an Phänomenen, die man nicht versteht, sich aber erklären will, während man alles daran setzt, dasselbe Phänomen möglichst zu diskreditieren, weil es offenkundig den eigenen Interessen zuwider läuft. Die naheliegendste Lösung wäre die Vertreter des jeweiligen Phänomens sich selbst äußern zu lassen, statt andauernd Drittmeinungen einzuholen, allerdings ist das mit einem gewissen Risiko verbunden das Ziel der Diskreditierung nicht mehr erreichen zu können. Also werden Dritte eingeladen solche Phänomene zu erklären, denen man selbst eine gewisse sachliche Autorität zuschreibt – Akademiker und Medienschaffende selbst (die halten sich selbst für außerordentlich intelligent und objektiv).

    Sehr schön illustriert wird diese Berichterstattung durch Dritte auch von folgendem, einige Tage alten Artikel auf FAZ.net:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/studie-aus-dresden-pegida-und-afd-sind-dasselbe-14090416.html

    Wissenschaftliche Studie über Pegida als Grundlage und Fakten (Umfrageerbnisse und Änderungen) werden ebenfalls genannt. Interpretation seitens des Medienschaffenden Stefan Locke: mindestens “fragwürdig”.

    Ich entnehme diesen Daten eher die Bestätigung meiner eigenen Hypothese, dass Pegida nicht annähernd so rassistisch, fremdenfeindlich, nationalistisch, etc. motiviert ist, wie es seitens Medienschaffender dargestellt wurde und wird.* Sich dieses Phänomen vorallem auf Basis von Bürgern gründet, die von den etablierten Parteien nicht repräsentiert werden, die AfD Nichtwählerpotenzial ausschöpft und sich die Bewegung zunehmend radikalisiert. (Ob wohl ein Zusammenhang zwischen zunehmender Radikalität und Mediendarstellung dieses Phänomens existiert?)

    *meine eigentliche Hypothese lautet, dass eine Bewegung, die explizit und öffentlichkeitswirksam jede Kooperation mit Medienschaffenden verweigert, eine einseitige und diffamierende Berichterstattung erfahren wird, weil implizit die Kompetenz der Berichterstatter / Medienschaffenden in Frage gestellt wird.

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