Konto für Jedermann: Recht gegen Kontrolle

Wir haben schon des Öfteren darauf hingewiesen, dass viele Rechte ein zweischneidiges Schwert sind. So haben Kinderrechte generell die Kontrolle der Eltern im Schlepptau und die Rechte von Homosexuellen nun zu heiraten … aber lassen wird das: Wer sich darin gefällt, ein staatliches Sakrament zu erhalten, dem ist nicht mehr zu helfen.

Bringen wir doch einmal zwei Baustellen zusammen.

Baustelle 1:

Künftig darf jeder Bürger und jede Bürgerin ein Konto eröffnen. Dieses Recht erhalten auch Asylsuchende und Menschen, die mit Duldung bei uns leben. Außerdem wird der Kontowechsel von einer Bank zur anderen leichter. Ein entsprechendes Gesetz hat der Bundestag verabschiedet.”

Das ist nett, dass das “künftig … jeder Bürger” ein Konto eröffnen darf – oder? Die Bundesregierung tut etwas für Verbraucherrechte, für Obdachlose, für Obdachlose? Vielleicht als unbeabsichtigte Folge, denn Obdachlose scheinen bei der Bundesregierung niemandem als Begünstigte dieses neuen Gesetzes einzufallen:

Ziel der Bundesregierung ist es, die Rechte der Verbraucher zu stärken. Auch Asylsuchende und Personen ohne Aufenthaltsstatus, die aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht abgeschoben werden dürfen (sogenannte Geduldete), haben Anspruch darauf. Allerdings muss der Kunde geschäftsfähig sein, also mindestens 18 Jahre alt sein.”

Und die Verbraucherrechte, die werden dadurch gestärkt, dass nicht nur niemandem das sogenannte Basiskonto verwehrt werden darf, sondern auch dadurch, dass ein Wechsel zwischen Banken, zu einer Bank mit billigerer Kontoführungsgebühr leichter möglich ist.

Current accountUlkige Sache, diese Kontoführungsgebühr, eine Gebühr dafür, dass man einer Bank sein Geld übergibt. Im Vereinigten Königreich gibt es übrigens keine Kontoführungsgebühr. Konten sind frei, kosten kein Geld, weshalb die meisten im Vereinigten Königreich, so wie wir auch, gleich mehrere davon haben. Und zwischen den Konten kann man schön hin und her jonglieren: Bank A wirbt mit 3% Zinsen auf dem Girokonto. Schieben wir doch das Geld zu Bank A. Bank B wirbt mit Reiseversicherung, Kfz-Versicherung, Haustierversicherung und Handyversicherung zum Konto und alles für 10 Britische Pfund im Monat, immer noch deutlich billiger als eine herkömmliche Kontoführungsgebühr in Deutschland.

Die scheint dann auch der Knackpunkt des Jedermannkontos zu sein: Was, wenn X ein Recht auf ein Konto hat, aber die Kontoführungsgebühr nicht zahlen kann. Wird ihm dann das Konto gepfändet, weil es nicht geschlossen werden kann. Uns scheint, in Sachen soziales Konto kann die Bundesregierung erheblich vom Freien Markt im Vereinigten Königreich lernen.

Aber darum geht es gar nicht in diesem Post.

Baustelle 2:

Zuerst:
Bundesregierung erwägt Bargeldobergrenze

und dann:
Ökonomen: Bargeld abschaffen!
und:
Die Bürger müssen sich abfinden: Die Bargeldabschaffung kommt ganz bestimmt
und:
EU will Bargeld abschaffen

Wenn man Bargeld abschaffen will, muss man natürlich Sorge getragen haben, dass jeder Bürger dennoch am Zahlungsverkehr teilnehmen kann, mit einem Basiskonto, einem für Jedermann. Und natürlich ist die Abschaffung von Bargeld nicht dazu da, die Kontrolle des Staates über seine Vasallen zu erhöhen, sondern dazu, die organisierte Kriminalität besser bekämpfen zu können. Schließlich hat jeder ein Recht auf ein Leben ohne organisierte Kriminalität oder? Und hat nicht auch jeder das Recht, von seiner Regierung kontrolliert zu werden – über sein Jedermannkonto?

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9 Responses to Konto für Jedermann: Recht gegen Kontrolle

  1. rote_pille says:

    Das mit der Bargeldabschaffung geht doch nie im Leben durch. Wenn wir eine Währung haben, die das einzige gesetzliche Zahlungsmittel ist, wie kann der Staat dann die Untertanen in die Lage bringen, wo sie keinen Zugriff auf dieses Zahlungsmittel merh haben, sondern ihnen nur die Schulden von Privatunternehmen (was anderes ist das Geld auf dem Konto nicht!) als Zahlungsmittel bleiben? Wenn sie das Bargeld abschaffen wollen, dann müssen diese Konten entweder direkt bei der Zentralbank angelegt sein, oder muss man ein komplett neues System einführen, und die Schulden von Privatunternehmen (!!!) zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklären. Das wäre der absolute Wahnsinn.

    • rjb says:

      Es wäre vielleicht mal einer näheren Betrachtung wert, daß allenthalben Pseudoargumente vom Schlage “das geht doch gar nicht” kommen, im vorliegenden Fall das mit dem einzigen gesetzlichen Zahlungsmittel. Gesetze lassen sich ändern, Wahnsinn ist machbar (Beispiele gibt es genug in Geschichte und Gegenwart), und technische Lösungen lassen sich in der Regel auch entwickeln. Hier etwa mit Zahlungsverkehrskonten als Sondervermögen ähnlich Depotkonten. An so etwas wie dem “einzigen gesetzlichen Zahlungsmittel” wird die Bargeldabschaffung ganz sicher nicht scheitern, bzw. wird, wer sein Bargeld behalten will und sich durch solche Träumereien diesbezüglich in Sicherheit wiegt, sein blaues Wunder erleben.

      • Gernot Meyer says:

        @rjb
        Ob die Bargeldabschaffung funktioniert, ist möglicherweise relativ, weil abhängig vom Character eines Volkes. Bei den Griechen liegt die Bargeldobergrenze derzeit bei 70.- Euro. Und dort existiert das erstaunliche Phänomen, daß Kartenlesegeräte in Geschäften ständig und in großer Zahl “defekt” sind. Außerdem gibt es viel zu wenige davon. D.h die Griechen wehren sich kollektiv und bisher offenbar erfolgreich.
        Wohingegen ich befürchte, daß hierzulande im Falle einer solchen Obergrenze das Phänomen der Blockwarte hyperinflationär auftreten würde; die Abschaffung des Bargelds also relativ zügig und erfolgreich gelänge.

  2. P.Low says:

    Honi soit qui mal y pense.

    Empfehle schwerst das Video von “Reaktionär Doe” auf Youtube.
    6:45 Minuten, die es ungeniert auf den Punkt bringen.

    Reaktionär Doe – Folge 02 – Bargeldverbot

  3. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Konto für Jedermann: Recht gegen Kontrolle

  4. Gernot Meyer says:

    Worum es wirklich geht, hat Regula Stämpfli in ihrer Glosse in der Basler Zeitung wunderbar anschaulich beschrieben.

    http://verlag.baz.ch/artikel/?objectid=53753AA2-2FF2-4FEC-AEBCC37C898BB1CA

    Ausgerechnet das größte Institut der organisierten Kriminalität , nämlich der Staat, will uns vor selbiger schützen!?

  5. FDominicus says:

    Schreib ich ja immer wieder: http://www.freiewelt.net/nachricht/zum-bargeldlimit-10065364/

    Es geht nur um eins
    1) Kontrolle
    2) Möglichkeit beliebig “Strafzinsen” zu erheben.
    3) Enteignung

    Und wer macht mit “Begeisterung” mit? Genau – die Banken…

  6. Bernhard says:

    Die Bargeldabschaffung wird kommen,wenn das Volk es nicht verhindert.
    Faschismus, wie er geplant ist,kommt nicht mit braunen oder schwarzen Horden.
    Faschismus ist die totale Kontrolle der Bevölkerung.
    Hitler lies nach der Machtergreifung in Dachau das erste KZ errichten und die ersten Insassen waren Kommunisten,Sozialisten,Gewerkschafter und sonstig aufmüpfige
    Bürger. Die Schaffung der Blockwarte folgte.
    Mit der Abschaffung des Bargeldes ist die Errichtung von Kz’s überflüssig.
    Was dann meist auch übersehen wird,ist die flächendeckende Überwachung der Bürger,
    bei der es eben nicht darum geht Bewegungsprofile zu erstellen oder unliebsame
    Äußerungen eines Bürgers in Erfahrung zu bringen.
    Die Überwachung dient einzig der Frage; “Was wirst Du(Bürger) demnächst tun”
    Wer also nicht “richtig Tickt”,hat halt Probleme mit seiner Chipkarte,und ich garantiere,
    In der Chipkarte ist auch ein RFID Chip eingebaut.Die Chipkarte eines anderen
    wird somit auch nicht zum Ausweg.
    Fazit: Die Schlafschafe behalten ihre Demokratieillusion,die Aufmüpfigen werden in die
    Kriminalität gedrängt und ganz legal beseitigt.
    Schöne Neue Welt

  7. Ralf Pöhling says:

    Ein Punkt sollte noch erwähnt werden:
    Es geht nicht nur um die Bargeldabschaffung sondern um massive Vereinfachung der Geldwäsche.
    Wenn jeder Hans und Franz bei uns sofort ein Konto eröffnen und Geld einzahlen kann, wer kann dann noch überprüfen woher das Geld stammt? Keiner!

    El Chapos Handlanger und Brüder im Geiste werden in Massen nach Deutschland strömen um hier Konten zu eröffnen.
    Der allgemein propagierte Vorwand das Bargeld abzuschaffen um Kriminalität zu erschweren ist so unlogisch, er kann nur als das gesehen werden was er ist: ein bewusstes Täuschungsmanöver für die eigentliche Intention.
    Dabei zeigt sich wieder die übliche Taktik: Man verkehrt die eigentliche Intention propagandistisch so lange ins Gegenteil, bis sie zur Wahrheit wird.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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