Wissen ist Macht, Nichtwissen macht … abhängig, manipulierbar

Eine These, die man gewagt nennen kann, oder auch nicht, besagt, dass die Entwertung von Wissen durch den post-rationalen Konstruktivismus in den Gesellschaften, die sich für modern halten, die Demontage von Wissenschaft durch Infiltration mit allerlei Trash Fächern, der Versuch, Informationsmärkte, die nicht staatlich kontrolliert sind bzw. kontrollierbar sind, zu diskreditieren (durch den Vorwurf von Hate Speech oder Fake News oder was auch immer) dem Ziel dient, Unsicherheit zu verbreiten, weil Unsicherheit dazu führt, dass Menschen nach Bindung suchen, Bindung an andere, so dass – wie man weiter spekulieren kann – derjenige, der die eigene Meinung als Mehrheitsmeinung ausgeben kann, z.B. durch die Kontrolle von Staatsmedien, leichtes Spiel damit hat, seine Interessen in einer Gesellschaft durchzusetzen, denn die nach sicherer Bindung Suchenden, das ist bekannt, finden gerne Schutz und Sicherheit in der Mehrheit.

Szenenwechsel.

Aus einem Buch, das 1651 veröffentlicht wurde:

„Das Fehlen von Wissenschaft, das heißt Unkenntnis von Ursachen, macht dazu geneigt, ober besser, zwingt dazu, sich auf den Rat und die Autorität anderer zu verlassen. Denn jeder, für den die Wahrheit wichtig ist, muss sich, wenn er sich nicht auf seine eigene Meinung verlässt, auf eines anderen stützen, den er für klüger als sich selbst hält und bei dem kein Grund ersichtlich ist, weshalb dieser ihn täuschen sollte.

Unkenntnis der Bedeutung von Wörtern, das heißt fehlendes Verstehen, führt dazu, gutgläubig nicht nur die Wahrheit, die man nicht kennt, sondern auch die Irrtümer, und was noch schlimmer ist, allen Unsinn derer zu übernehmen, denen man vertraut. Denn weder Irrtum noch Unsinn können ohne ein vollkommenes Verstehen von Wörtern entdeckt werden.
Daher kommt es auch, dass die Menschen auf Grund ihrer verschiedenartigen Leidenschaften ein- und demselben Ding verschiedene Namen geben. So nennen z.B. diejenigen, welche eine Privatmeinung billigen, diese ‚Meinung‘, diejenigen aber, die sie nicht billigen, ‚Häresie‘. Und dabei bedeutet Häresie nichts anderes als ‚Privatmeinung‘, sondern hat nur einen stärkeren Beigeschmack von Zorn.

Daraus ergibt sich ferner, dass die Menschen ohne geistige Anstrengungen und klares Verstehen nicht zwischen einer Handlung vieler Menschen und vielen Handlungen einer Menge unterscheiden können, wie zum Beispiel zwischen der einen Handlung aller römischen Senatoren bei der Tötung Catilinas und den vielen Handlungen einer Anzahl von Senatoren bei der Tötung Caesars. Und deshalb sind sie auch leicht geneigt, das für eine Handlung des Volkes zu handel, was eine Vielzahl von Handlungen einer Vielzahl von Personen ist, die vielleicht durch die Überredung eines einzelnen dazu gebracht wurden.

Unkenntnis der Gründe und ursprünglichen Einsetzung von Recht, Billigkeit, Gesetz und Gerechtigkeit führt die Menschen dazu, Gewohnheit und Beispiele zur Richtschnur ihrer Handlungen zu machen. So halte sie z.B. das für ungerecht, was gewöhnlich bestraft wurde, und für gerecht, für dessen Straflosigkeit und Billigung sie ein Beispiel oder einen Präzedenzfall anführen können, wie dies die Richter barbarischerweise nennen, die ausschließlich dieses falsche Maß der Gerechtigkeit anwenden. Sie gleichen dabei kleinen Kindern, die keinen anderen Maßstab für gute und schlechte Sitten haben als die Zurechtweisungen ihrer Eltern und Lehrer – außer, dass Kinder ständig an diesem Maßstab festhalten, die Erwachsenen aber nicht. Denn alt und halsstarrig geworden, berufen sie sich von der Gewohnheit auf die Vernunft und von der Vernunft auf die Gewohnheit, wie es ihnen gerade passt, wobei sie von der Gewohnheit abweichen, wenn es ihre Interessen erfordern und sich der Vernunft widersetzen, so oft sie gegen sie spricht. Das ist der Grund, weshalb die Lehre von Recht und Unrecht mit Feder und Schwert ständig umstritten wird, während dies bei der Lehre von den Linien und Figuren nicht der Fall ist. Denn bei diesem Gegenstand kümmern sich die Leute nicht um die Wahrheit, da es sich um etwas handelt, das niemandens Ehrgeiz, Profit oder Lust beeinträchtigt. Wäre der Satz: Die drei Winkel eines Dreiecks sind gleich den zwei rechten Winkeln eines Quadrats dem Herrschaftsrecht irgendeines Menschen oder den Interessen deren, die Herrschaft innehaben, zuwidergelaufen, ich zweifle nicht daran, dass diese Lehre wenn nicht bestritten, so doch durch Verbrennung aller Lehrbücher der Geometrie unterdrückt worden wäre, soweit die Betroffenen dazu in der Lage gewesen wären.

[…]

Und diejenigen, welche die natürlichen Ursachen der Dinge wenig oder überhaupt nicht untersuchen, neigen doch dazu, verschiedene Arten von unsichtbaren Mächten anzunehmen und sich selbst zu erdichten. Dies geschieht aus der Furcht, die von der Unkenntnis dessen kommt, was die Macht besitzt, ihnen große Wohltaten zu erweisen oder großen Schaden zuzufügen. Auch fürchten sie ihre eigenen Einbildungen, rufen sie in Notzeiten an und danken ihnen, wenn sich ein erwarteter guter Erfolg einstellt. Dadurch machen sie die Geschöpfe ihrer eigenen Phantasie zu ihren Göttern. Daher kam es auch, dass die Menschen auf Grund der unzählbaren Vielfalt der Vorstellungen in der Welt unzählbare Arten von Göttern geschaffen haben. Und diese Furcht vor unsichtbaren Dingen ist der natürliche Keim dessen, was jedermann bei sich selbst Religion nennt, bei den anderen aber, die diese Macht auf andere Art verehren oder fürchten, Aberglauben.
Und da dieser Keim der Religion von vielen bemerkt wurde, kamen einige von ihnen auf den Gedanken, ihn zu nähren, zurechtzubiegen, in Gesetze zu verwandeln und schließlich irgendeine Meinung von den Ursachen zukünftiger Ereignisse hinzuzuerfinden, die ihnen, wie sie dachten, am meisten ermöglichte, andere zu regieren und deren Macht am gründlichsten für selbst auszunützen“.

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Newspeak: Das Wörterbuch der politischen Korrektheit

Beim Statistischen Bundesamt sind Asylbewerber zu Schutzsuchenden mutiert. Wir haben gestern darüber berichtet – auch über die Logik dahinter: Schutzsuchende verlassen sich auf Gutmenschen, während Asylbewerber den Nachweis ihrer Asyl-Berechtigung erbringen müssen. Die Gewährung von Asyl ist ein Rechtsakt, die Gewährung von Schutz ein Akt der Willkür. In bestimmter Hinsicht verkehrt der Begriff „Schutzsuchende“ im Zusammenhang mit Asylbewerbern die Realität in ihr Gegenteil, vor allem wenn man bedenkt, dass manche der Schutzsuchenden kriminell sind und Straftaten verüben. Das wären dann Schutzsuchenden-Straftaten.

Da man bei politisch Korrekten auf alles vorbereitet sein muss, jederzeit gerüstet sein muss, um ihrem neuesten Irrsinn zu begegnen, haben wir uns entschieden, ein Wörterbuch der politisch Korrektheit anzuregen, in dem wir zunächst die sprachliche Perversität der Bewerber, die zu Suchenden geworden sind, durchspielen. Unsere Liste ist sicher nicht vollständig. Wer einen eigenen Beitrag hat, immer her damit (= kommentieren).

Die Crux an politischer Korrektheit besteht darin, Begriffe, die für politisch Korrekte böse klingen, weil sie zumindest teilweise noch demonstrativ sind, d.h. eine Beschreibung des zu Beschreibenden enthalten, so zu entstellen, dass der Zusammenhang zwischen dem Begriff und dem, was er eigentlich beschreiben soll, durch einen wohlklingenden, positiv konnotierten Begriff ersetzt wird.

In dieser Logik werden dann Unterdrückte zu Machtsuchenden, und Minderheiten zu Mehrheitssuchenden. Beide Begriffe „Unterdrückte und Minderheiten“ sind nicht nett, nicht schön, nicht politisch-korrekt apart. Machtsuchende als Begriff bringt das humanitäre Potential, das in allen Unterdrückten vorhanden ist, ebenso zum Ausdruck wie „Mehrheitssuchende“ anstelle von Minderheit.

Auch Begriffe wie Selbstmörder, Mörder, Einbrecher, Dieb oder Terrorist sind keine schönen, politisch-korrekt aparten Begriffe. Deshalb machen wir aus Selbstmördern Erlösungssuchende, das macht das Ende nicht so final. Diebe werden zu Eigentumsuchenden, was die Machtstrukturen der Gesellschaft, die einen Dieb erst dazu treiben, Dieb zu sein, deutlich macht. Ein Mörder wird zum Blutspendesuchenden, weil man nicht davon ausgehen kann, dass ein Mord einfach um des Mordens Willen verübt wird. Denn Menschen sind doch soziale Wesen! Und Terroristen werden zu Sinnsuchenden, schon weil – wie gesagt – Menschen soziale Wesen sind, die den Tod anderer Menschen nicht sinnlos herbeiführen. Und natürlich sind Terroristen auch Weihnachtsmarktbesuchende. Selbstmordterroristen werden zu Gott- oder Todsuchenden, je nach Denomination. Auch diese politisch-korrekte Umbenennung, bringt das Aparte des Suchenden zum Vorschein, das jeden Terroristen, ob er sich nun selbst in die Luft sprengt oder nicht, auszeichnet.

Die politisch-korrekte Neusprache macht aus der Antifa die Krawallsuchenden, was insofern misslich ist, als Krawall von manchen reaktionären Gesellschaftsmitgliedern negativ assoziiert wird, weshalb wir die Krawallsuchenden zu Vergnügungssuchenden oder Volksfestbesuchenden neusprachlich weiterentwickeln.

Alkoholiker ist auch so ein negativer Begriff, der in seiner stereotypen Unmenschlichkeit, denjenigen, der trinkt, zum Alkoholiker macht. Wir empfehlen den Rauschsuchenden an die Stelle des Alkoholikers zu setzen und dem Saufenden damit einen Sinn zu geben, ihn zu einem sinnsuchenden Rauschsuchenden zu machen. In gewisser Hinsicht suchen alle Drogensüchtigen einen Sinn, aber harte Drogensüchtige, Kokser oder diejenigen, die sich Heroin zumuten, suchen mehr: Sie suchen Inspiration. Inspirationssuchende ist damit der Begriff, der sich für eine politisch-korrekte und aparte Bezeichnung derer, die Drogen konsumieren, aufdrängt.

Die Möglichkeiten, die der Begriff „Suchender“ mit sich bringt, sind fast unbegrenzt: Aus Faulpelzen werden Arbeitssuchende, aus Lügnern Wahrheitssuchende, denn beide haben schlicht noch nicht gefunden, was sie eigentlich suchen.

Der Begriff des Suchenden ermöglicht es auch, jene garstigen Begriffe, die körperliche Unzulänglichkeiten mit aller Gewalt ihrer Empirie beschreiben durch apartere und einfühlsamere Begriffe zu ersetzen: Blinde werden zu Erleuchtungsuchenden, Gehbehinderte zu Haltsuchenden, Stumme zu Wortsuchenden und Stotterer zu Wortendesuchenden.

Die Möglichkeiten, die mit politisch-korrekten Verstandesversuchern verbunden sind, wie wir sie hier beschrieben haben, sie sind ungeahnt. Und wir ahnen tatsächlich nicht, was die Kommentare bringen mögen.

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Macht

Seit in die Sozialwissenschaften das Geschwätz Einzug gehalten hat, und es für angebliche Sozialwissenschaftler wichtiger ist, sich ideologisch auf der richtigen Seite zu positionieren und darüber zu jammern, dass alles ökonomisiert wird oder die Gesellschaft so ungleich ist oder die Frauen so benachteiligt sind, seit all diese minimalistischen, wenn nicht irrelevanten Lamentos gesungen werden, seitdem hat es sich mit der Sozialwissenschaft.

Konzepte, Theorien und Erklärungen, die einst einen Korpus gebildet haben, der die Wissenschaft hinter dem Sozial legitimiert hat, sie sind verschwunden, dabei zu verschwinden, dem Vergessen anheim zu fallen. An die Stelle der gesellschaftlichen Analyse, der Erklärung sozialer Tatbestände ist die Bewertung sozialer Tatbestände und die Analyse der eigenen Vorlieben getreten und wo ideologische Kleinkrämerei Einzug hält, da ist kein Platz mehr für Sozialwissenschaft.

Also versuchen wir auf ScienceFiles ein paar zentrale Konzepte der Sozialwissenschaften zu retten, Konzepte, die einst benutzt wurden, um gesellschaftliche Wirklichkeit zu erklären (und nicht etwa Utopien zu entwerfen), wie z.B. Macht. Es ist sicher kein Zufall, dass Macht als Kategorie und Analysegegenstand fast vollständig aus der Welt der Sozialwissenschaften verschwunden ist. Warum? Das wird recht deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, was einst mit der Analyse von Macht verbunden, welches Verständnis von Macht vorhanden war.

Elementare SoziologieMacht, als sozialwissenschaftliche Kategorie, nimmt wie so vieles, wenn es darum geht, die Begrifflichkeit zu bestimmen, den Ausgangspunkt bei Max Weber. Weber hat Macht als die Chance definiert, “innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen”. Das Widerstreben ist der entscheidende Punkt, denn Macht setzt eine asymmetrische soziale Beziehung voraus, in der einer der Akteure etwas hat, eine Ressource oder den Zugang zu dieser Ressource kontrolliert, was ein anderer unbedingt haben muss oder will.

Macht setzt also eine wie auch immer geartete Abhängigkeitsbeziehung voraus. Entsprechend hat Peter Blau die Grundlage von Macht in der Kontrolle begehrter Ressourcen gesehen. Indes ist nicht jede Verfügungsgewalt über Ressourcen gleich Macht. Damit die Verfügungsgewalt über Ressourcen zu Macht werden kann, bedarf es dreier Zutaten:

  • Wer über andere Macht ausüben will, muss gegenüber Ressourcen, die diese anderen besitzen, indifferent sein, d.h. die anderen müssen auf ihn und seine Ressourcen angewiesen sein, er aber nicht auf sie. Macht braucht asymmetrische Ressourcenverteilungen und ist da am stärksten, wo es ein Monopol über nachgefragte Ressourcen gibt. Deshalb ist Wettbewerb die beste Gewähr nicht nur gegen die Agglomeration von Macht, sondern auch dagegen, Opfer von Mächtigen zu werden.
  • Damit Verfügungsgewalt über Ressourcen zu Macht werden kann, muss auch ausgeschlossen sein, dass diejenigen, die die Ressourcen benötigen, in der Lage sind, sich die Ressourcen mit Gewalt zu nehmen. Dies ist einer der Gründe, warum Staaten ihr Gewaltmonopol mit dem Status des Sakrosankten ummantelt haben. Man kann Macht leichter begründen und nutzbar machen, wenn man ausgeschlossen hat, dass die Grundlage der Macht durch Gewalt infrage gestellt werden kann.
  • Schließlich setzt es Macht voraus, dass diejenigen, die der Macht unterworfen sind, ein Bedürfnis nach den die Macht begründenden Ressourcen haben. Wer Kontrolle über Ressourcen ausübt, die niemand nachfragt, hat keine Macht, sondern das Problem, wie er seine Ladenhüter loswerden soll. Weil Macht also von den Bedürfnissen derjenigen abhängig ist, die die Ressourcen, auf denen Macht basiert, nachfragen, deshalb ist es Machthabern immer sehr wichtig, die Wertorientierungen und Bedürfnisse der von ihrer Macht Abhängigen zu beeinflussen bzw. zu bestimmen. Denn nur solange die kontrollierten Ressourcen auch geschätzt werden, können sie als Grundlage von Macht genutzt werden. “Zu den Strategien der Machterhaltung gehört es deshalb auch, durch Lenkung der Bedürfnisse anderer auf die von einem selbst kontrollierten Ressourcen eine fortdauernde Abhängigkeit sicherzustellen”. So steht es bei Wolfgang Conrad und Wolfgang Streeck (1976), die eines jener Bücher herausgegeben haben, das man heute als Rarität bezeichnen muss, eines, in dem u.a. der Gegenstand der Soziologie beschrieben wird.

Wer sich fragt, warum moderne Staaten so großen Wert darauf legen, ihre Bürger von der Wiege bis zur Bahre zu kontrollieren und zu paternalisieren, ihre Bedürfnisse zu beeinflussen, am besten zu determinieren, ihren Lebensstil vorzugeben und das, was sie denken sollen, bereits in Schülerhirnen zu verankern, der hat die Antwort in den drei Kriterien die aus der Verfügungsgewalt über Ressourcen Macht entstehen lassen und Macht, das nur zur Erinnerung, ist die Fähigkeit, andere gefügig zu machen, gegen ihren Willen.

Conrad, Wolfgang & Streeck, Wolfgang (1976). Elementare Soziologie. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt.

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Konto für Jedermann: Recht gegen Kontrolle

Wir haben schon des Öfteren darauf hingewiesen, dass viele Rechte ein zweischneidiges Schwert sind. So haben Kinderrechte generell die Kontrolle der Eltern im Schlepptau und die Rechte von Homosexuellen nun zu heiraten … aber lassen wird das: Wer sich darin gefällt, ein staatliches Sakrament zu erhalten, dem ist nicht mehr zu helfen.

Bringen wir doch einmal zwei Baustellen zusammen.

Baustelle 1:

Künftig darf jeder Bürger und jede Bürgerin ein Konto eröffnen. Dieses Recht erhalten auch Asylsuchende und Menschen, die mit Duldung bei uns leben. Außerdem wird der Kontowechsel von einer Bank zur anderen leichter. Ein entsprechendes Gesetz hat der Bundestag verabschiedet.”

Das ist nett, dass das “künftig … jeder Bürger” ein Konto eröffnen darf – oder? Die Bundesregierung tut etwas für Verbraucherrechte, für Obdachlose, für Obdachlose? Vielleicht als unbeabsichtigte Folge, denn Obdachlose scheinen bei der Bundesregierung niemandem als Begünstigte dieses neuen Gesetzes einzufallen:

Ziel der Bundesregierung ist es, die Rechte der Verbraucher zu stärken. Auch Asylsuchende und Personen ohne Aufenthaltsstatus, die aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht abgeschoben werden dürfen (sogenannte Geduldete), haben Anspruch darauf. Allerdings muss der Kunde geschäftsfähig sein, also mindestens 18 Jahre alt sein.”

Und die Verbraucherrechte, die werden dadurch gestärkt, dass nicht nur niemandem das sogenannte Basiskonto verwehrt werden darf, sondern auch dadurch, dass ein Wechsel zwischen Banken, zu einer Bank mit billigerer Kontoführungsgebühr leichter möglich ist.

Current accountUlkige Sache, diese Kontoführungsgebühr, eine Gebühr dafür, dass man einer Bank sein Geld übergibt. Im Vereinigten Königreich gibt es übrigens keine Kontoführungsgebühr. Konten sind frei, kosten kein Geld, weshalb die meisten im Vereinigten Königreich, so wie wir auch, gleich mehrere davon haben. Und zwischen den Konten kann man schön hin und her jonglieren: Bank A wirbt mit 3% Zinsen auf dem Girokonto. Schieben wir doch das Geld zu Bank A. Bank B wirbt mit Reiseversicherung, Kfz-Versicherung, Haustierversicherung und Handyversicherung zum Konto und alles für 10 Britische Pfund im Monat, immer noch deutlich billiger als eine herkömmliche Kontoführungsgebühr in Deutschland.

Die scheint dann auch der Knackpunkt des Jedermannkontos zu sein: Was, wenn X ein Recht auf ein Konto hat, aber die Kontoführungsgebühr nicht zahlen kann. Wird ihm dann das Konto gepfändet, weil es nicht geschlossen werden kann. Uns scheint, in Sachen soziales Konto kann die Bundesregierung erheblich vom Freien Markt im Vereinigten Königreich lernen.

Aber darum geht es gar nicht in diesem Post.

Baustelle 2:

Zuerst:
Bundesregierung erwägt Bargeldobergrenze

und dann:
Ökonomen: Bargeld abschaffen!
und:
Die Bürger müssen sich abfinden: Die Bargeldabschaffung kommt ganz bestimmt
und:
EU will Bargeld abschaffen

Wenn man Bargeld abschaffen will, muss man natürlich Sorge getragen haben, dass jeder Bürger dennoch am Zahlungsverkehr teilnehmen kann, mit einem Basiskonto, einem für Jedermann. Und natürlich ist die Abschaffung von Bargeld nicht dazu da, die Kontrolle des Staates über seine Vasallen zu erhöhen, sondern dazu, die organisierte Kriminalität besser bekämpfen zu können. Schließlich hat jeder ein Recht auf ein Leben ohne organisierte Kriminalität oder? Und hat nicht auch jeder das Recht, von seiner Regierung kontrolliert zu werden – über sein Jedermannkonto?

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Politische Frankensteine: Die Malaise des deutschen demokratischen Versuchs

Wir haben in letzter Zeit die Angewohnheit entwickelt, unsere Leser vor allem am Wochenende mit neuen Ideen zu überfallen. Die Idee, die wir heute in Beitragsform verpackt haben, klingt zunächst einmal nicht ganz so neu:

Deutschland ist eine Versuchsanstalt politischer Narzissten, so lautet unsere These, deren Richtigkeit wir nunmehr unter zwei Kriterien, die bislang in der Diskussion nach unserer Einschätzung fehlen, diskutieren wollen:

Institutionalisierung und der ideale Bürger.

Fangen wir mit dem idealen Bürger an, denn er scheint uns nicht nur das Götzenbild zu sein, das Teile der politischen Klasse anbeten, er ist auch die Ursache für das meiste, was in Deutschland schiefläuft.

Der ideale Bürger, es fußt bereits auf einer Annahme, die in Demokratien eigentlich nichts zu suchen hat: Der ideale Bürger, er kann klar beschrieben werden, im Hinblick auf seine Einstellungen, sein Verhalten, seine Interaktion mit anderen: er ist u.a. ein politisch-korrekter, offener und bunter Bürger, der anderen hilft, seinen Egoismus verleugnet, sich den administrativen Vorgaben fügt und ansonsten Steuern zahlt. Teile der politischen Klasse sind nun nicht nur der Ansicht, sie könnten den idealen Bürger genau bestimmen, sie sind auch der irrigen Ansicht, es sei ihre Aufgabe, den idealen Bürger zu schaffen. Sie halten sich, mit anderen Worten, für die Schöpfer der Gesellschaft, für die Götter des politischen Systems, dessen Mitglieder sie nach ihren Vorstellungen zurechtbiegen wollen.

Das beginnt bereits in der Schule, wo unter dem Vorwand, mündige Bürger erziehen zu wollen, die selbst denken, abhängige und gebrochene Individuen produziert werden, die nach Vorgabe denken und in der Mehrheit nicht mehr den Mut haben, selbst zu denken oder von den Vorgaben, von dem abzuweichen, was den idealen Schüler als werdenden idealen Bürger ausmacht.

Nicht abzuweichen ist auch besser, denn wer abweicht, der wird entweder zum Gegenstand all derer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Abweichungen vom idealen Schüler zu bekämpfen, von Schulpsychologen, Sozialarbeitern, Jugendamtskadern und vielen mehr oder er wird abgeschoben, auf Sonderschulen, in Maßnahmen oder an den Rand der Gesellschaft.

political complianceDie Erziehung zum idealen Bürger, sie hat nichts mit einer Erziehung zum mündigen Bürger gemein. Der mündige Bürger, er urteilt auf Grundlage formaler Kriterien. Entsprechend stehen bei der Erziehung zum mündigen Bürger, die Bildung einer eigenständigen Persönlichkeit durch Vermittlung formaler Kriterien, Logik, Argumentation und Begründung im Vordergrund, formale Kriterien, die unabhängig vom Inhalt sind. Die Erziehung zum idealen Bürger, die in deutschen Bildungseinrichtungen angewendet wird, sie hat gerade nicht den mündigen, den selbstdenkenden Bürger als Zielvorstellung, sondern den abhängigen, gebrochenen, sich im Rahmen der politischen Vorgaben bewegenden, die korrekten Inhalte wiederkäuenden Bürger. Er ist das ideal der politischen Klasse, denn er ist kein selbständiger und mündiger, sondern ein abhängiger und unmündiger Bürger.

Um der Phantasie des idealen Bürgers zu huldigen, wurden ganze Berufszweige aus dem Boden gestampft: Schulpsychologen, Sozialarbeiter, Demokratieerzieher, sexuelle Orientierungsweiser, und es wurden Institutionen geschaffen, deren Aufgabe darin besteht, die Durchsetzung der Phantasie des idealen Bürgers zu kontrollieren.

Sie alle wissen, wie der ideale Bürger beschaffen ist, teilen das Götzenbild, das ihnen als Marschroute vorgegeben ist und singen, wie Mönche im Konvent, das Lied des idealen Bürgers, der ein politisch-korrekter, offener und bunter Bürger ist, der anderen hilft, seinen Egoismus verleugnet, sich den administrativen Vorgaben fügt und ansonsten Steuern zahlt. Denn Steuern sind notwendig, um den Speckgürtel derer zu bezahlen, die den idealen Bürger anbeten und die davon leben, dass sie in der Gesellschaft Abweichungen vom Ideal erkennen, verdammen und Maßnahmen entwickeln, die dazu beitragen sollen, den idealen Bürger herzustellen.

Dass es nicht wirklich das Ziel dieser Maßnahmen ist, den idealen Bürger herzustellen, sondern das Ziel vor allem darin besteht, sich selbst ein sorgenfreies und üppiges Auskommen dadurch zu verschaffen, dass man Dritte für etwas bezahlen lässt, was für diese Dritten vollkommen ohne Nutzen ist, wird schon daran deutlich, dass es wohl kaum ein Feld gibt, das eine derart lange Geschichte des vollständigen Versagens aufzuweisen hat, wie z.B. der sogenannte Kampf gegen den Rechtsextremismus: Je mehr Mittel in Maßnahmen gepumpt werden, desto mehr Rechtsextreme scheint es zu geben. Je mehr Kostgänger sich aus Steuermitteln bedienen, um das Problem “Rechtsextremismus” zu bekämpfen, desto größer wird das Problem.

Das ist kein Widerspruch, sondern eine logische Folge der Institutionalisierung der Anbetung des idealen Bürgers. Sie gibt Nutznießern die Möglichkeit, sich mit allerlei unnötigen Maßnahmen selbst zu bereichern. Sie ermöglicht es Anbietern von Leistungen, die keinerlei Wert für die Gesellschaft haben und nur dazu dienen, die Gemeinde der Jünger des idealen Bürgers zu definieren, ihren Ramsch zu Höchstpreisen an die politische Klasse zu verkaufen, die häufig aus den Interessenvertretern der entsprechenden Institutionen und Organisationen besteht.

Die Amadeu-Antonio-Stiftung ist hier das beste Beispiel. Dass die entsprechenden Maßnahmen keinerlei Wert haben, zeigt sich schon daran, dass es keinerlei Beleg dafür gibt, dass seit dem Bestehen der Amadeu-Antonio-Stiftung oder anderer Organisationen, die von Steuerzahlern finanziert werden, einen Effekt in der realen Welt haben. Im Gegenteil: Die Nutznießer der Amadeu-Antonio-Stiftung sind die ersten, die beklagen, dass alles schlimmer geworden ist, so dass man sich fragt: Was machen die eigentlich? Die Antwort ist einfach: Sich von Steuergeldern ernähren.

Es ist Zeit, die Götze des idealen Bürgers vom Sockel zu stoßen. Niemand hat die Mitglieder der politischen Klasse jemals dazu ermächtigt, sich zum Erzieher der Bürger aufzuschwingen, eine Tätigkeit, zu der sie zudem nicht kompetent und geeignet sind.

Es ist Zeit, den mündigen Bürger wiederzuentdecken, jenen mündigen Bürger, der selbst denkt und sich von seiner politischen Klasse nichts vorsagen lässt, der im Gegenteil der Ansicht ist, er sei besser geeignet, über sein eigenes Leben zu bestimmen als irgendein Mitglied der politischen Klasse oder die gesamte politische Klasse zusammengenommen.

Es ist Zeit, das eigene Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen und sich daran zu erinnern, dass Politiker nicht diejenigen sind, die vorsagen, sondern diejenigen, denen vorgesagt wird. Sie sind Dienstleister an der Gesellschaft und als solche weisungsabhängig und nicht etwa weisungsbefugt.

Es ist Zeit zu leben!

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