Macht

Seit in die Sozialwissenschaften das Geschwätz Einzug gehalten hat, und es für angebliche Sozialwissenschaftler wichtiger ist, sich ideologisch auf der richtigen Seite zu positionieren und darüber zu jammern, dass alles ökonomisiert wird oder die Gesellschaft so ungleich ist oder die Frauen so benachteiligt sind, seit all diese minimalistischen, wenn nicht irrelevanten Lamentos gesungen werden, seitdem hat es sich mit der Sozialwissenschaft.

Konzepte, Theorien und Erklärungen, die einst einen Korpus gebildet haben, der die Wissenschaft hinter dem Sozial legitimiert hat, sie sind verschwunden, dabei zu verschwinden, dem Vergessen anheim zu fallen. An die Stelle der gesellschaftlichen Analyse, der Erklärung sozialer Tatbestände ist die Bewertung sozialer Tatbestände und die Analyse der eigenen Vorlieben getreten und wo ideologische Kleinkrämerei Einzug hält, da ist kein Platz mehr für Sozialwissenschaft.

Also versuchen wir auf ScienceFiles ein paar zentrale Konzepte der Sozialwissenschaften zu retten, Konzepte, die einst benutzt wurden, um gesellschaftliche Wirklichkeit zu erklären (und nicht etwa Utopien zu entwerfen), wie z.B. Macht. Es ist sicher kein Zufall, dass Macht als Kategorie und Analysegegenstand fast vollständig aus der Welt der Sozialwissenschaften verschwunden ist. Warum? Das wird recht deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, was einst mit der Analyse von Macht verbunden, welches Verständnis von Macht vorhanden war.

Elementare SoziologieMacht, als sozialwissenschaftliche Kategorie, nimmt wie so vieles, wenn es darum geht, die Begrifflichkeit zu bestimmen, den Ausgangspunkt bei Max Weber. Weber hat Macht als die Chance definiert, “innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen”. Das Widerstreben ist der entscheidende Punkt, denn Macht setzt eine asymmetrische soziale Beziehung voraus, in der einer der Akteure etwas hat, eine Ressource oder den Zugang zu dieser Ressource kontrolliert, was ein anderer unbedingt haben muss oder will.

Macht setzt also eine wie auch immer geartete Abhängigkeitsbeziehung voraus. Entsprechend hat Peter Blau die Grundlage von Macht in der Kontrolle begehrter Ressourcen gesehen. Indes ist nicht jede Verfügungsgewalt über Ressourcen gleich Macht. Damit die Verfügungsgewalt über Ressourcen zu Macht werden kann, bedarf es dreier Zutaten:

  • Wer über andere Macht ausüben will, muss gegenüber Ressourcen, die diese anderen besitzen, indifferent sein, d.h. die anderen müssen auf ihn und seine Ressourcen angewiesen sein, er aber nicht auf sie. Macht braucht asymmetrische Ressourcenverteilungen und ist da am stärksten, wo es ein Monopol über nachgefragte Ressourcen gibt. Deshalb ist Wettbewerb die beste Gewähr nicht nur gegen die Agglomeration von Macht, sondern auch dagegen, Opfer von Mächtigen zu werden.
  • Damit Verfügungsgewalt über Ressourcen zu Macht werden kann, muss auch ausgeschlossen sein, dass diejenigen, die die Ressourcen benötigen, in der Lage sind, sich die Ressourcen mit Gewalt zu nehmen. Dies ist einer der Gründe, warum Staaten ihr Gewaltmonopol mit dem Status des Sakrosankten ummantelt haben. Man kann Macht leichter begründen und nutzbar machen, wenn man ausgeschlossen hat, dass die Grundlage der Macht durch Gewalt infrage gestellt werden kann.
  • Schließlich setzt es Macht voraus, dass diejenigen, die der Macht unterworfen sind, ein Bedürfnis nach den die Macht begründenden Ressourcen haben. Wer Kontrolle über Ressourcen ausübt, die niemand nachfragt, hat keine Macht, sondern das Problem, wie er seine Ladenhüter loswerden soll. Weil Macht also von den Bedürfnissen derjenigen abhängig ist, die die Ressourcen, auf denen Macht basiert, nachfragen, deshalb ist es Machthabern immer sehr wichtig, die Wertorientierungen und Bedürfnisse der von ihrer Macht Abhängigen zu beeinflussen bzw. zu bestimmen. Denn nur solange die kontrollierten Ressourcen auch geschätzt werden, können sie als Grundlage von Macht genutzt werden. “Zu den Strategien der Machterhaltung gehört es deshalb auch, durch Lenkung der Bedürfnisse anderer auf die von einem selbst kontrollierten Ressourcen eine fortdauernde Abhängigkeit sicherzustellen”. So steht es bei Wolfgang Conrad und Wolfgang Streeck (1976), die eines jener Bücher herausgegeben haben, das man heute als Rarität bezeichnen muss, eines, in dem u.a. der Gegenstand der Soziologie beschrieben wird.

Wer sich fragt, warum moderne Staaten so großen Wert darauf legen, ihre Bürger von der Wiege bis zur Bahre zu kontrollieren und zu paternalisieren, ihre Bedürfnisse zu beeinflussen, am besten zu determinieren, ihren Lebensstil vorzugeben und das, was sie denken sollen, bereits in Schülerhirnen zu verankern, der hat die Antwort in den drei Kriterien die aus der Verfügungsgewalt über Ressourcen Macht entstehen lassen und Macht, das nur zur Erinnerung, ist die Fähigkeit, andere gefügig zu machen, gegen ihren Willen.

Conrad, Wolfgang & Streeck, Wolfgang (1976). Elementare Soziologie. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt.

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Konto für Jedermann: Recht gegen Kontrolle

Wir haben schon des Öfteren darauf hingewiesen, dass viele Rechte ein zweischneidiges Schwert sind. So haben Kinderrechte generell die Kontrolle der Eltern im Schlepptau und die Rechte von Homosexuellen nun zu heiraten … aber lassen wird das: Wer sich darin gefällt, ein staatliches Sakrament zu erhalten, dem ist nicht mehr zu helfen.

Bringen wir doch einmal zwei Baustellen zusammen.

Baustelle 1:

Künftig darf jeder Bürger und jede Bürgerin ein Konto eröffnen. Dieses Recht erhalten auch Asylsuchende und Menschen, die mit Duldung bei uns leben. Außerdem wird der Kontowechsel von einer Bank zur anderen leichter. Ein entsprechendes Gesetz hat der Bundestag verabschiedet.”

Das ist nett, dass das “künftig … jeder Bürger” ein Konto eröffnen darf – oder? Die Bundesregierung tut etwas für Verbraucherrechte, für Obdachlose, für Obdachlose? Vielleicht als unbeabsichtigte Folge, denn Obdachlose scheinen bei der Bundesregierung niemandem als Begünstigte dieses neuen Gesetzes einzufallen:

Ziel der Bundesregierung ist es, die Rechte der Verbraucher zu stärken. Auch Asylsuchende und Personen ohne Aufenthaltsstatus, die aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht abgeschoben werden dürfen (sogenannte Geduldete), haben Anspruch darauf. Allerdings muss der Kunde geschäftsfähig sein, also mindestens 18 Jahre alt sein.”

Und die Verbraucherrechte, die werden dadurch gestärkt, dass nicht nur niemandem das sogenannte Basiskonto verwehrt werden darf, sondern auch dadurch, dass ein Wechsel zwischen Banken, zu einer Bank mit billigerer Kontoführungsgebühr leichter möglich ist.

Current accountUlkige Sache, diese Kontoführungsgebühr, eine Gebühr dafür, dass man einer Bank sein Geld übergibt. Im Vereinigten Königreich gibt es übrigens keine Kontoführungsgebühr. Konten sind frei, kosten kein Geld, weshalb die meisten im Vereinigten Königreich, so wie wir auch, gleich mehrere davon haben. Und zwischen den Konten kann man schön hin und her jonglieren: Bank A wirbt mit 3% Zinsen auf dem Girokonto. Schieben wir doch das Geld zu Bank A. Bank B wirbt mit Reiseversicherung, Kfz-Versicherung, Haustierversicherung und Handyversicherung zum Konto und alles für 10 Britische Pfund im Monat, immer noch deutlich billiger als eine herkömmliche Kontoführungsgebühr in Deutschland.

Die scheint dann auch der Knackpunkt des Jedermannkontos zu sein: Was, wenn X ein Recht auf ein Konto hat, aber die Kontoführungsgebühr nicht zahlen kann. Wird ihm dann das Konto gepfändet, weil es nicht geschlossen werden kann. Uns scheint, in Sachen soziales Konto kann die Bundesregierung erheblich vom Freien Markt im Vereinigten Königreich lernen.

Aber darum geht es gar nicht in diesem Post.

Baustelle 2:

Zuerst:
Bundesregierung erwägt Bargeldobergrenze

und dann:
Ökonomen: Bargeld abschaffen!
und:
Die Bürger müssen sich abfinden: Die Bargeldabschaffung kommt ganz bestimmt
und:
EU will Bargeld abschaffen

Wenn man Bargeld abschaffen will, muss man natürlich Sorge getragen haben, dass jeder Bürger dennoch am Zahlungsverkehr teilnehmen kann, mit einem Basiskonto, einem für Jedermann. Und natürlich ist die Abschaffung von Bargeld nicht dazu da, die Kontrolle des Staates über seine Vasallen zu erhöhen, sondern dazu, die organisierte Kriminalität besser bekämpfen zu können. Schließlich hat jeder ein Recht auf ein Leben ohne organisierte Kriminalität oder? Und hat nicht auch jeder das Recht, von seiner Regierung kontrolliert zu werden – über sein Jedermannkonto?

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Politische Frankensteine: Die Malaise des deutschen demokratischen Versuchs

Wir haben in letzter Zeit die Angewohnheit entwickelt, unsere Leser vor allem am Wochenende mit neuen Ideen zu überfallen. Die Idee, die wir heute in Beitragsform verpackt haben, klingt zunächst einmal nicht ganz so neu:

Deutschland ist eine Versuchsanstalt politischer Narzissten, so lautet unsere These, deren Richtigkeit wir nunmehr unter zwei Kriterien, die bislang in der Diskussion nach unserer Einschätzung fehlen, diskutieren wollen:

Institutionalisierung und der ideale Bürger.

Fangen wir mit dem idealen Bürger an, denn er scheint uns nicht nur das Götzenbild zu sein, das Teile der politischen Klasse anbeten, er ist auch die Ursache für das meiste, was in Deutschland schiefläuft.

Der ideale Bürger, es fußt bereits auf einer Annahme, die in Demokratien eigentlich nichts zu suchen hat: Der ideale Bürger, er kann klar beschrieben werden, im Hinblick auf seine Einstellungen, sein Verhalten, seine Interaktion mit anderen: er ist u.a. ein politisch-korrekter, offener und bunter Bürger, der anderen hilft, seinen Egoismus verleugnet, sich den administrativen Vorgaben fügt und ansonsten Steuern zahlt. Teile der politischen Klasse sind nun nicht nur der Ansicht, sie könnten den idealen Bürger genau bestimmen, sie sind auch der irrigen Ansicht, es sei ihre Aufgabe, den idealen Bürger zu schaffen. Sie halten sich, mit anderen Worten, für die Schöpfer der Gesellschaft, für die Götter des politischen Systems, dessen Mitglieder sie nach ihren Vorstellungen zurechtbiegen wollen.

Das beginnt bereits in der Schule, wo unter dem Vorwand, mündige Bürger erziehen zu wollen, die selbst denken, abhängige und gebrochene Individuen produziert werden, die nach Vorgabe denken und in der Mehrheit nicht mehr den Mut haben, selbst zu denken oder von den Vorgaben, von dem abzuweichen, was den idealen Schüler als werdenden idealen Bürger ausmacht.

Nicht abzuweichen ist auch besser, denn wer abweicht, der wird entweder zum Gegenstand all derer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Abweichungen vom idealen Schüler zu bekämpfen, von Schulpsychologen, Sozialarbeitern, Jugendamtskadern und vielen mehr oder er wird abgeschoben, auf Sonderschulen, in Maßnahmen oder an den Rand der Gesellschaft.

political complianceDie Erziehung zum idealen Bürger, sie hat nichts mit einer Erziehung zum mündigen Bürger gemein. Der mündige Bürger, er urteilt auf Grundlage formaler Kriterien. Entsprechend stehen bei der Erziehung zum mündigen Bürger, die Bildung einer eigenständigen Persönlichkeit durch Vermittlung formaler Kriterien, Logik, Argumentation und Begründung im Vordergrund, formale Kriterien, die unabhängig vom Inhalt sind. Die Erziehung zum idealen Bürger, die in deutschen Bildungseinrichtungen angewendet wird, sie hat gerade nicht den mündigen, den selbstdenkenden Bürger als Zielvorstellung, sondern den abhängigen, gebrochenen, sich im Rahmen der politischen Vorgaben bewegenden, die korrekten Inhalte wiederkäuenden Bürger. Er ist das ideal der politischen Klasse, denn er ist kein selbständiger und mündiger, sondern ein abhängiger und unmündiger Bürger.

Um der Phantasie des idealen Bürgers zu huldigen, wurden ganze Berufszweige aus dem Boden gestampft: Schulpsychologen, Sozialarbeiter, Demokratieerzieher, sexuelle Orientierungsweiser, und es wurden Institutionen geschaffen, deren Aufgabe darin besteht, die Durchsetzung der Phantasie des idealen Bürgers zu kontrollieren.

Sie alle wissen, wie der ideale Bürger beschaffen ist, teilen das Götzenbild, das ihnen als Marschroute vorgegeben ist und singen, wie Mönche im Konvent, das Lied des idealen Bürgers, der ein politisch-korrekter, offener und bunter Bürger ist, der anderen hilft, seinen Egoismus verleugnet, sich den administrativen Vorgaben fügt und ansonsten Steuern zahlt. Denn Steuern sind notwendig, um den Speckgürtel derer zu bezahlen, die den idealen Bürger anbeten und die davon leben, dass sie in der Gesellschaft Abweichungen vom Ideal erkennen, verdammen und Maßnahmen entwickeln, die dazu beitragen sollen, den idealen Bürger herzustellen.

Dass es nicht wirklich das Ziel dieser Maßnahmen ist, den idealen Bürger herzustellen, sondern das Ziel vor allem darin besteht, sich selbst ein sorgenfreies und üppiges Auskommen dadurch zu verschaffen, dass man Dritte für etwas bezahlen lässt, was für diese Dritten vollkommen ohne Nutzen ist, wird schon daran deutlich, dass es wohl kaum ein Feld gibt, das eine derart lange Geschichte des vollständigen Versagens aufzuweisen hat, wie z.B. der sogenannte Kampf gegen den Rechtsextremismus: Je mehr Mittel in Maßnahmen gepumpt werden, desto mehr Rechtsextreme scheint es zu geben. Je mehr Kostgänger sich aus Steuermitteln bedienen, um das Problem “Rechtsextremismus” zu bekämpfen, desto größer wird das Problem.

Das ist kein Widerspruch, sondern eine logische Folge der Institutionalisierung der Anbetung des idealen Bürgers. Sie gibt Nutznießern die Möglichkeit, sich mit allerlei unnötigen Maßnahmen selbst zu bereichern. Sie ermöglicht es Anbietern von Leistungen, die keinerlei Wert für die Gesellschaft haben und nur dazu dienen, die Gemeinde der Jünger des idealen Bürgers zu definieren, ihren Ramsch zu Höchstpreisen an die politische Klasse zu verkaufen, die häufig aus den Interessenvertretern der entsprechenden Institutionen und Organisationen besteht.

Die Amadeu-Antonio-Stiftung ist hier das beste Beispiel. Dass die entsprechenden Maßnahmen keinerlei Wert haben, zeigt sich schon daran, dass es keinerlei Beleg dafür gibt, dass seit dem Bestehen der Amadeu-Antonio-Stiftung oder anderer Organisationen, die von Steuerzahlern finanziert werden, einen Effekt in der realen Welt haben. Im Gegenteil: Die Nutznießer der Amadeu-Antonio-Stiftung sind die ersten, die beklagen, dass alles schlimmer geworden ist, so dass man sich fragt: Was machen die eigentlich? Die Antwort ist einfach: Sich von Steuergeldern ernähren.

Es ist Zeit, die Götze des idealen Bürgers vom Sockel zu stoßen. Niemand hat die Mitglieder der politischen Klasse jemals dazu ermächtigt, sich zum Erzieher der Bürger aufzuschwingen, eine Tätigkeit, zu der sie zudem nicht kompetent und geeignet sind.

Es ist Zeit, den mündigen Bürger wiederzuentdecken, jenen mündigen Bürger, der selbst denkt und sich von seiner politischen Klasse nichts vorsagen lässt, der im Gegenteil der Ansicht ist, er sei besser geeignet, über sein eigenes Leben zu bestimmen als irgendein Mitglied der politischen Klasse oder die gesamte politische Klasse zusammengenommen.

Es ist Zeit, das eigene Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen und sich daran zu erinnern, dass Politiker nicht diejenigen sind, die vorsagen, sondern diejenigen, denen vorgesagt wird. Sie sind Dienstleister an der Gesellschaft und als solche weisungsabhängig und nicht etwa weisungsbefugt.

Es ist Zeit zu leben!

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Der Wert eines Menschen

Was macht eigentlich den Menschen zum Menschen? Was macht sein Menschsein, seinen Wert aus? Haben alle Menschen den gleichen Wert, sind somit gleichwertig? Wenn ja, wieso gibt es dann Gesellschaften, deren Mitglieder danach streben, sich von anderen zu differenzieren? Sind alle Menschen gleich? Wieso formulieren dann manche Menschen Regeln, die für alle Menschen gelten sollen? Ist man als Mensch a-priori ein Wert an sich oder muss man sich sein Menschsein und somit seinen Wert erst verdienen? Gibt es eine Mindestanforderung an den Status “Mensch” oder ist alles Mensch, was wie ein Mensch aussieht?

Wir beginnen mit diesem Post eine Reihe zum Wert von Menschen, Posts, die in loser Folge unterschiedliche Perspektiven, wie sie Philosophen durch die Jahrhunderte auf die Fragen gerichtet haben: Was ist der Wert eines Menschen? Was macht den Mensch zum Menschen?

Und weil wir heute schon einmal Thomas Hobbes zitiert haben, geben wir dem alten Philosophen (1588 geboren) aus Englands Süden (genau aus Wiltshire) doch abermals das Wort.

Vorweg schicken müssen wir, dass für Hobbes jeder Mensch das ist, was man am besten als eine Ansammlung von natürlichen und zweckdienlichen Kapazitäten bezeichnen kann. Erstere, die natürlichen Kapazitäten (wie Intellekt, Körperkraft), die hat man von Geburt an, letztere, die zweckdienlichen Kapazitäten (Wissen oder Kampftechnik), die muss man sich erwerben. Beide Formen von Kapazitäten muss man nutzen, um sie zum eigenen Vorteil einzusetzen, wobei man die zweckdienlichen Kapazitäten erst erwerben muss, ehe man sie nutzen kann. Vorteile, die ein Mensch aufgrund seiner natürlichen Kapazitäten vor einem anderen hat, können jederzeit durch zweckdienliche Kapazitäten, die sich Letzterer aneignet, ausgeglichen oder umgekehrt werden. Kurz: Was ein Mensch ist, sein Wert, das ist letztlich die Frage danach, was ein Mensch im Laufe seines Lebens geleistet hat bzw. aus seinen natürlichen Kapazitäten gemacht hat.

In den Worten von Hobbes liest sich das wie folgt:

Leviathan.hobbesDie Macht eines Menschen besteht, allgemein genommen, in seinen gegenwärtigen Mitteln zur Erlangung eines zukünftigen anscheinenden Guts und ist entweder ursprünglich oder zweckdienlich. Natürliche Macht ist das Herausragen der körperlichen oder geistigen Fähigkeiten, wie außerordentliche Stärke, Schönheit, Klugheit, Geschicklichkeit, Beredsamkeit, Freigebigkeit und Vornehmheit. Zweckdienlich ist die Macht, die durch natürliche Macht oder durch Zufall erlangt wird und als Mittel oder Instrument zum Erwerb von mehr Macht dient, wie Reichtum, Ansehen, Freunde […]

Die Geltung oder der Wert eines Menschen ist wie der aller anderen Dinge sein Preis. Das heißt, er richtet sich danach wieviel man für die Benützung seiner Macht bezahlen würde und ist deshalb nicht absolut, sondern von dem Bedarf und der Einschätzung eines anderen abhängig. Ein fähiger Heerführer ist zur Zeit eines herrschenden oder drohenden Krieges sehr teuer, im Frieden jedoch nicht. Ein gelehrter und unbestechlicher Richter ist in Friedenszeiten von hohem Wert, dagegen nicht im Krieg. Und wie bei anderen Dingen, so bestimmt auch bei den Menschen nicht der Verkäufer den Preis, sondern der Käufer. Denn mag jemand, wie es die meisten Leute tun, sich selbst den höchsten Wert beimessen, so ist doch sein wahrer Wert nicht höher als er von anderen geschätzt wird”.

Liefert Thomas Hobbes hier nicht eine hervorragende Erklärung für Wert-Inszenierungen, wie sie z.B. im Rahmen der derzeitigen öffentlichen Diskussionen stattfinden, in denen der Wert, den bestimmte Personen z.B. Flüchtlingen zuweisen, mit dem Unwert, den sie denen zuweisen, die ihre Wertsetzung nicht teilen, aufgerechnet wird. Ziel ist es natürlich, den eigenen Preis und den Preis des eigenen Leistungsspektrums für z.B. Arbeit mit Flüchtlingen in die Höhe zu treiben, und den Wert all derer, die wiederum am Wert der entsprechenden Leistungen zweifeln, in Abrede zu stellen?

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Die freieste Gesellschaft aller Zeiten? Der größte Witz aller Zeiten!

Die heutigen demokratischen Gesellschaften brüsten sich mit den individuellen Freiheiten, die sie gewähren, der Achtung für die Menschenrechte oder der Garantie und dem Schutz von Eigentum. Wir leben, so wird Kindern ab ihrer Einschulung bereits eingetrichtert, in der freiesten Gesellschaft aller Zeiten.

Wir leben nicht nur in der freiesten Gesellschaft aller Zeiten, sondern sollen dies auch in einer säkularen Zeit tun. Der Glaube an welchen Gott auch immer, sei erodiert, mit dem Jenseits und der Hölle könne man niemandem mehr drohen, religiöse Heilsbotschaften würden immer weniger geglaubt, für das genommen, was sie sind, die unbelegbare Überzeugung bestimmter “göttlicher” Interessenvertreter.

Soweit das öffentliche Gebet, das auf jeden, der es hören will und jeden, der es nicht hören will, einprasselt. Aber, so unsere These, wir leben weder in der freiesten aller möglichen Gesellschaften noch in einer säkularen, im Gegenteil: Nie war die Welt religiöser als heute, nur wird der Katechismus nicht mehr in Kirchen vermitteln: Er sprudelt aus Parlamenten, aus Parteizentralen, aus öffentlich-rechtlichen Medien, man muss ihn nicht mehr in Stätten der Wallfahrt und Andacht abholen, er wird gebührenpflichtig nach Hause geliefert, ganz so, wie Orwell es beschrieben hat.

golden calrfUnd dieser religiöse Katechismus hat ein neues goldenes Kalb, das umtanzt werden soll: Das Soziale, die Gemeinschaft, das Kollektiv, das “Wir”, wie auch immer es gefüllt wird. Das Wir, das sind wir alle, das Wir findet seine Inkorporation im Staat, jenem seltsamen Etwas, das nicht vorhanden und doch Akteur ist, das niemand fassen kann und gegen dessen Regeln man dennoch verstoßen kann, gegen das man sich nicht direkt zur Wehr setzen kann, das seinerseits aber erhebliche Gewalt über das individuelle Leben auszuüben im Stande ist.

Wann immer sich imaginäre Gebilde wie der Staat etablieren und mit dem Sozialen oder dem Wir ein Glaubenssystem etablieren, dem gefolgt werden muss, stellt sich die Frage nach dem Warum und die Frage, wem nutzt das?

Beide Fragen lassen sich am ehesten beantworten, wenn man untersucht, wieso “der Staat” sich einfach als existent ausgeben kann und warum das manchen normal vorkommt. Noch im 17. Jahrhundert war, trotz aller Gottesfürchtigkeit, die es vermeintlich gegeben hat, das Wir, das Kollektive nicht einmal ansatzweise in der Ausprägung vorhanden, wie heute. Einem Thomas Hobbes, der 1651 seinen Leviathan veröffentlicht hat, war es noch klar, dass ausschließlich Individuen Rechte haben können. Niemand sonst, schon gar nicht “der Staat”. Der Staat, das war für Hobbes ein notwendiges Übel, das Menschen schaffen müssen, um Handlungs-Regeln zwischen Menschen, um Eigentum und Sicherheit zu gewährleisten, mehr nicht. Der Staat war ein Treuhänder, per Gesellschaftsvertrag von freien Menschen eingesetzt und um ihn einzusetzen, haben sie einen Teil ihrer Rechte abgegeben, Rechte, die sie jederzeit zurücknehmen können, sollte sich der Staat als nicht treuhänderisch und nicht rechtschaffend erweisen. Für solche Situationen hat Kant gar eine Pflicht zum Widerstand ausgemacht.

Leviathan.hobbesWie seltsam einem diese freiheitlichen Gedanken der Philosophen des 17. und 18. Jahrhunderts anmuten, denen allein das Individuum etwas gegolten hat und die kollektiven Entitäten keinerlei Selbstwert zugewiesen haben. Heute herrscht dagegen das Wir. Heute werden Rechte vom Staat oder einer Versammlung von Berufenen, die den herrschenden Katechismus nachbeten können, vergeben. Z.B. das Recht, Steuern zu zahlen und zu viel gezahlte Steuern eventuell zurück zu bekommen, z.B. das Recht, darum zu bitten, ein Unternehmen zu führen und Mitarbeiter entlassen zu können, z.B. das Recht, sein Eigentum gegen Eindringlinge verteidigen zu dürfen.

Mit anderen Worten: Die Individuen sind nicht mehr Subjekt und Ausgangspunkt individueller Rechte, sondern Objekt und Ziel zugewiesener Rechte. Rechte werden von einer Entität gewährt, nämlich dem Staat, die es gar nicht gibt. Absurder kann man sich die Welt kaum vorstellen, und dennoch: Es funktioniert. Um Menschen von freien Rechteinhabern zu abhängigen Rechteempfängern zu machen, bedarf es nur einer Religion und einer die Religion auslegenden Priesterklasse.

Die Religion ist das Wir, die ungeborene, die zukünftige, nur nicht die lebende Generation. Das Wir sind alle, die nicht leisten, denen man Toleranz entgegen bringen soll, denen man helfend unter die Arme greifen soll, denen man einen Teil seines Mantels gegen die Kälte abgegeben soll. Nein, natürlich ist Wohltätigkeit nichts Individuelles. Wohltätigkeit wird heute über den Staat geregelt, über dieses nicht existente Etwas, das, um wohltätig sein zu können, Steuern einsammelt, Wohltätigkeitssteuern wenn man so will.

Damit ist der erste Schritt getan, um einen Moloch, ein Phantom in Kraft zu setzen, das Gewalt ausübt, ohne selbst existent zu sein. Dazu bedarf es noch einer Priesterklasse, einer Zunft, deren Gegenstand die Auslegung der heiligen Schrift ist, die das Glaubensbekenntnis zum Wir für alle Staatsobjekte definiert, die vorgibt, dass man Frauen fördern muss, dass man Kinder ab 3 in Kindertagesstätten ab 6 in Schulen und danach in Maßnahmen des Arbeitsamts stecken muss, die regelt, wie viele Stunden am Tag Arbeiter zu arbeiten haben, wie viel Lohn sie mindestens erhalten und wie viel Anspruch auf soziale Zuwendung in den Zuwendungsgruppen der Psychiater Zuwendungssuchenden frei steht. Das Wir ist dabei die gleiche Chimäre, die der Staat bereits ist, und es ist der Mode, wie sie gerade unter Schriftgelehrten herrscht, ausgesetzt.

Entsprechend ist das Wir heute ein Idol, das dünn, nicht dick ist, das Sport treibt, um fit zu bleiben und dem Herzinfarkt mit 40 entgegen zu wirken. Das Wir ist gebildet und es pflanzt sich fort, ohne die Arbeit für mehr Zeit als vorgegeben zu unterbrechen, das Wir geht zur Wahl und macht artig sein Kreuz hinter einer politischen Sekte und ansonsten ist das Wir genügsam und nimmt freudig die Krümel auf, die ihm vorgeworfen werden. Nur eines ist das Wir nicht, ein Individuum und das darf es auch nicht sein, denn Individuen sind, wie der Begriff schon sagt, individuell, divers, eigen, sich ihrer Selbst bewusst und entsprechend nicht kollektivierbar.

Ayn Rand VirtueKollektivierbarkeit ist indes die Voraussetzung dafür, dass die Vision vom Staat und sie tragende Religion des Wir funktionieren können. Nur wenn sie Kollektive ansprechen kann, gelingt es der Priesterklasse, einzelne Gruppen zu defninieren, um ihren Nutznießern ein Auskommen zu schaffen (z.B. der großen Zahl derjenigen, die von sozialen Dienstleistungen am Wir leben), nur dann kann sie Gruppen aufbauend auf willkürlichen Merkmalen gegeneinander ausspielen, z.B. Männer gegen Frauen, Migranten gegen Autochthone, Dicke gegen Dünne, Banker gegen Arbeitslose oder Reiche gegen Arme und nichtzuletzt gelingt es der Priesterklasse nur so zu kaschieren, dass sie, die politischen Definiteure, die ersten sind, die vom Glauben an das Wir profitieren.

Sie profitieren mit einer Finanzierung ihrer eigenen Sekten, Parteienfinanzierung genannt, die selbst der Eurpoarat als intransparent bezeichnet. Sie profitieren mit Einkommen, Renten und Pöstchen, den kleinen Vorteilen, die ihr Wirken als Hohepriester der demokratischen Heilslehre so mit sich bringt, sei es in Vorständen, Aufsichtsräten oder als Vortragsreisende und sie profitieren langfristig über die Vielzahl der Abhängigkeitsverhältnisse, die sie geschaffen haben, um das Wir als wichtig erscheinen zu lassen, z.B. bei Arbeitslosen, die vom Wir alimentiert werden, damit sie nicht auf die Idee kommen, sie könnten etwas an ihrem Los ändern, z.B. bei direkten Günstlingen, die sich in Konventen wie der Heinrich-Böll-Stiftung einfinden, um durch Steuerzahler finanziert, die richtige Auslegung der Wir-Religion zu lernen.

government-hates-competition-posterDie vermeintlich freieste Gesellschaft aller Zeiten stellt sich somit als hochreligiös dar, als Gesellschaft, die eine Abweichung vom herrschenden Glauben negativ sanktioniert, als Gesellschaft, die eine Priesterklasse unterhält, die für sich in Anspruch nimmt, allein im Vollbesitz der richtigen Auslegung dessen zu sein, was Heilsbotschaft ist und daraus das Recht ableitet, sich in erster Linie und vor allen anderen zu bedienen und die als integralen Bestandteil des herrschenden Glaubens eine Entindividualisierung predigt, eine Auflösung des Individuums im Kollektiv, im Wir. Entsprechend können Individuen nur in Abhängigkeit vom Kollektiv, von der Gemeinschaft und mit dessen/deren Segen glücklich werden. Das ist jedoch das Gegenteil von Freiheit, so dass man feststellen muss, dass die derzeitige Gesellschaft eine der am wenigsten freien Gesellschaft aller Zeiten ist. Aber scheinbar ist die Nachfrage nach Freiheit derzeit nicht sonderlich ausgeprägt. Der Wunsch, ein Leben unbeeinträchtigt von der politischen Priesterklasse zu führen, wird entweder als aussichtslos eingeschätzt oder bereits im Kindergarten abgetötet.

Aber es besteht Hoffnung auf ein besseres Leben: Das Mars-One Projekt, mit der Garantie, die politischen Priester ein für alle Mal hinter sich lassen zu können. Und wie der Ansturm auf die freien Plätze zeigt, scheint dies ein Bedürfnis zu sein, das viele, sehr viele haben.

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