Wissen ist Macht, Nichtwissen macht … abhängig, manipulierbar

Eine These, die man gewagt nennen kann, oder auch nicht, besagt, dass die Entwertung von Wissen durch den post-rationalen Konstruktivismus in den Gesellschaften, die sich für modern halten, die Demontage von Wissenschaft durch Infiltration mit allerlei Trash Fächern, der Versuch, Informationsmärkte, die nicht staatlich kontrolliert sind bzw. kontrollierbar sind, zu diskreditieren (durch den Vorwurf von Hate Speech oder Fake News oder was auch immer) dem Ziel dient, Unsicherheit zu verbreiten, weil Unsicherheit dazu führt, dass Menschen nach Bindung suchen, Bindung an andere, so dass – wie man weiter spekulieren kann – derjenige, der die eigene Meinung als Mehrheitsmeinung ausgeben kann, z.B. durch die Kontrolle von Staatsmedien, leichtes Spiel damit hat, seine Interessen in einer Gesellschaft durchzusetzen, denn die nach sicherer Bindung Suchenden, das ist bekannt, finden gerne Schutz und Sicherheit in der Mehrheit.

Szenenwechsel.

Aus einem Buch, das 1651 veröffentlicht wurde:

„Das Fehlen von Wissenschaft, das heißt Unkenntnis von Ursachen, macht dazu geneigt, ober besser, zwingt dazu, sich auf den Rat und die Autorität anderer zu verlassen. Denn jeder, für den die Wahrheit wichtig ist, muss sich, wenn er sich nicht auf seine eigene Meinung verlässt, auf eines anderen stützen, den er für klüger als sich selbst hält und bei dem kein Grund ersichtlich ist, weshalb dieser ihn täuschen sollte.

Unkenntnis der Bedeutung von Wörtern, das heißt fehlendes Verstehen, führt dazu, gutgläubig nicht nur die Wahrheit, die man nicht kennt, sondern auch die Irrtümer, und was noch schlimmer ist, allen Unsinn derer zu übernehmen, denen man vertraut. Denn weder Irrtum noch Unsinn können ohne ein vollkommenes Verstehen von Wörtern entdeckt werden.
Daher kommt es auch, dass die Menschen auf Grund ihrer verschiedenartigen Leidenschaften ein- und demselben Ding verschiedene Namen geben. So nennen z.B. diejenigen, welche eine Privatmeinung billigen, diese ‚Meinung‘, diejenigen aber, die sie nicht billigen, ‚Häresie‘. Und dabei bedeutet Häresie nichts anderes als ‚Privatmeinung‘, sondern hat nur einen stärkeren Beigeschmack von Zorn.

Daraus ergibt sich ferner, dass die Menschen ohne geistige Anstrengungen und klares Verstehen nicht zwischen einer Handlung vieler Menschen und vielen Handlungen einer Menge unterscheiden können, wie zum Beispiel zwischen der einen Handlung aller römischen Senatoren bei der Tötung Catilinas und den vielen Handlungen einer Anzahl von Senatoren bei der Tötung Caesars. Und deshalb sind sie auch leicht geneigt, das für eine Handlung des Volkes zu handel, was eine Vielzahl von Handlungen einer Vielzahl von Personen ist, die vielleicht durch die Überredung eines einzelnen dazu gebracht wurden.

Unkenntnis der Gründe und ursprünglichen Einsetzung von Recht, Billigkeit, Gesetz und Gerechtigkeit führt die Menschen dazu, Gewohnheit und Beispiele zur Richtschnur ihrer Handlungen zu machen. So halte sie z.B. das für ungerecht, was gewöhnlich bestraft wurde, und für gerecht, für dessen Straflosigkeit und Billigung sie ein Beispiel oder einen Präzedenzfall anführen können, wie dies die Richter barbarischerweise nennen, die ausschließlich dieses falsche Maß der Gerechtigkeit anwenden. Sie gleichen dabei kleinen Kindern, die keinen anderen Maßstab für gute und schlechte Sitten haben als die Zurechtweisungen ihrer Eltern und Lehrer – außer, dass Kinder ständig an diesem Maßstab festhalten, die Erwachsenen aber nicht. Denn alt und halsstarrig geworden, berufen sie sich von der Gewohnheit auf die Vernunft und von der Vernunft auf die Gewohnheit, wie es ihnen gerade passt, wobei sie von der Gewohnheit abweichen, wenn es ihre Interessen erfordern und sich der Vernunft widersetzen, so oft sie gegen sie spricht. Das ist der Grund, weshalb die Lehre von Recht und Unrecht mit Feder und Schwert ständig umstritten wird, während dies bei der Lehre von den Linien und Figuren nicht der Fall ist. Denn bei diesem Gegenstand kümmern sich die Leute nicht um die Wahrheit, da es sich um etwas handelt, das niemandens Ehrgeiz, Profit oder Lust beeinträchtigt. Wäre der Satz: Die drei Winkel eines Dreiecks sind gleich den zwei rechten Winkeln eines Quadrats dem Herrschaftsrecht irgendeines Menschen oder den Interessen deren, die Herrschaft innehaben, zuwidergelaufen, ich zweifle nicht daran, dass diese Lehre wenn nicht bestritten, so doch durch Verbrennung aller Lehrbücher der Geometrie unterdrückt worden wäre, soweit die Betroffenen dazu in der Lage gewesen wären.

[…]

Und diejenigen, welche die natürlichen Ursachen der Dinge wenig oder überhaupt nicht untersuchen, neigen doch dazu, verschiedene Arten von unsichtbaren Mächten anzunehmen und sich selbst zu erdichten. Dies geschieht aus der Furcht, die von der Unkenntnis dessen kommt, was die Macht besitzt, ihnen große Wohltaten zu erweisen oder großen Schaden zuzufügen. Auch fürchten sie ihre eigenen Einbildungen, rufen sie in Notzeiten an und danken ihnen, wenn sich ein erwarteter guter Erfolg einstellt. Dadurch machen sie die Geschöpfe ihrer eigenen Phantasie zu ihren Göttern. Daher kam es auch, dass die Menschen auf Grund der unzählbaren Vielfalt der Vorstellungen in der Welt unzählbare Arten von Göttern geschaffen haben. Und diese Furcht vor unsichtbaren Dingen ist der natürliche Keim dessen, was jedermann bei sich selbst Religion nennt, bei den anderen aber, die diese Macht auf andere Art verehren oder fürchten, Aberglauben.
Und da dieser Keim der Religion von vielen bemerkt wurde, kamen einige von ihnen auf den Gedanken, ihn zu nähren, zurechtzubiegen, in Gesetze zu verwandeln und schließlich irgendeine Meinung von den Ursachen zukünftiger Ereignisse hinzuzuerfinden, die ihnen, wie sie dachten, am meisten ermöglichte, andere zu regieren und deren Macht am gründlichsten für selbst auszunützen“.

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Altruismus ist ein (modernes) Unterdrückungsmittel

Verzicht und Solidarität sind wohl die beiden Forderungen, die Gesellschaften, die sich für modern halten, am meisten auszeichnen. Verzicht wird in vielerlei Hinsicht gefordert: Man soll auf sein Auto verzichten, auf Egoismus, auf Meinungen und Verhaltensweisen, die gerade nicht politisch-korrekt sind uvm. Solidarität wird immer dann gefordert, wenn eine gesellschaftliche Gruppe auf Kosten einer anderen gesellschaftlichen Gruppe bereichert werden soll, häufig durch Steuern und Abgaben, von denen behauptet wird, dass sie solidarisch verwendet würden, z.B. dazu, um auch in Wurzen ein Frauencafé zu eröffnen oder in Freiburg einen weiteren Radweg anzulegen. Markenzeichen der Solidarität ist regelmäßig, dass sie denjenigen, der sie leisten (muss), ärmer macht, während sie den Empfänger begünstigt, ohne dass dieser auch nur ansatzweise Dankbarkeit für denjenigen empfinden würde oder empfinden müsste, der sich solidarisch verhalten hat oder musste.

Hinter beidem, der Forderung nach Verzicht und der Forderung nach Solidarität, steckt das Motiv des Altruismus. Altruismus, der Verzicht auf etwas, zu Gunsten von anderen, Selbstlosigkeit, wie es auch heißt, ist eines der ältesten Herrschaftsinstrumente, eine der nützlichsten Formen von Unterdrückung und Umverteilung, denn: aus irgendwelchen Gründen ist Altruismus bei vielen positiv konnotiert. Wer altruistisch ist, hat fast so etwas wie einen Heiligenschein, wobei ihm eher eine Narrenkappe stünde, denn Altruismus ist nichts anderes als moralisch verpackte Ausbeutung, die Menschen ihr Recht, sich selbst der nächste zu sein, bestreitet.

Ayn Rand hat Altruismus die erste Hypothek des Lebens genannt und die Nützlichkeit der moralischen Ausbeutung durch Altruismus, ein sehr erfolgreiches Unterfangen wie z.B. die Milliarden der katholischen Kirche in Deutschland zeigen, offengelegt. Altruismus bestreitet dem Individuum eine Existenz aus eigenem Recht und lässt nur eine Existenz in Form eines Dieners anderer zu. Wo Philosophen einst geschrieben haben, der Mensch sei frei geboren, macht Altruismus die Einschränkung, dass jeder Mensch sich seine Freiheit dadurch erkaufen müsse, dass er zu Gunsten anderer verzichte, sich mit anderen solidarisch verhalte, die keinerlei Gegenleistung erbringen, zu Gunsten anderer verzichten müsse, die keinerlei Verzicht zu seinen Gunsten leisten.

Eine Stelle, an der Ayn Rand ihre Einwände gegen Altruismus besonders scharf formuliert, findet sich im Aufsatz: „Faith and Force: The Destroyers of the Modern World“.

Ayn Rand Philosophy“What is the moral code of altruism? The basic principle of altruism is that man has no right to exist for his own sake, that service to others is the only justification of his existence, and that self-sacrifice is his highest moral duty, virtue and value.

Do not confuse altruism with kindness, good will or respect for the rights of others. These are not primaries, but consequences, which, in fact, altruism makes impossible. The irreducible primary of altruism, the basic absolute, is self-sacrifice—which means; self-immolation, self-abnegation, self-denial, self-destruction—which means: the self as a standard of evil, the selfless as a standard of the good.

Do not hide behind such superficialities as whether you should or should not give a dime to a beggar. That is not the issue. The issue is whether you do or do not have the right to exist without giving him that dime. The issue is whether you must keep buying your life, dime by dime, from any beggar who might choose to approach you. The issue is whether the need of others is the first mortgage on your life and the moral purpose of your existence. The issue is whether man is to be regarded as a sacrificial animal. Any man of self-esteem will answer: “No.” Altruism says: “Yes.””

Unsere Übersetzung:

Was ist der moralische Kern von Altruismus? Die Kernaussagen von Altruismus ist, dass Menschen kein Recht haben, für sich zu existieren. Vielmehr wird der Dienst am Nächsten als einzige Rechtfertigung menschlicher Existenz dargestellt und selbst-Aufopferung als höchste moralische Pflicht, höchste Tugend und höchster Wert gesetzt.

Verwechsle nicht Altruismus mit Freundlichkeit, gutem Willen und Respekt für die Rechte anderer. Das sind keine Hauptsachen, sondern Konsequenzen, die durch Altruismus unmöglich gemacht werden. Der Gegenstand des Altruismus ist die Aufopferung für andere, das bedeutet: Selbstopfer, Selbstverleugnung, Selbstzerstörung. Egoismus wird so zum Standard des Bösen, Selbstlosigkeit zum Standard des Guten erklärt.
Verstecke Dich nicht hinter solchen künstlich geschaffenen Problemen wie der Frage, ob Du einem Bettler einen Euro geben sollst. Darum geht es nicht. Es geht um die Frage, ob Du das Recht zu leben hast, ohne dem Bettler einen Euro zu geben. Die Frage ist, ob Du Dein Leben, Euro für Euro, von jedem Bettler kaufen musst, der Dich anspricht. Die Frage ist, ob die Bedürfnisse anderer die erste Hypothek Deines Lebens und der moralische Zweck Deines Lebens sind. Die Frage ist ob Menschen als aufopferungswillige Tiere angesehen werden oder nicht. Jeder Mensch mit Selbstachtung wird auf diese Frage mit „Nein“ antworten. Altruismus verlangt ein „Ja“

Konto für Jedermann: Recht gegen Kontrolle

Wir haben schon des Öfteren darauf hingewiesen, dass viele Rechte ein zweischneidiges Schwert sind. So haben Kinderrechte generell die Kontrolle der Eltern im Schlepptau und die Rechte von Homosexuellen nun zu heiraten … aber lassen wird das: Wer sich darin gefällt, ein staatliches Sakrament zu erhalten, dem ist nicht mehr zu helfen.

Bringen wir doch einmal zwei Baustellen zusammen.

Baustelle 1:

Künftig darf jeder Bürger und jede Bürgerin ein Konto eröffnen. Dieses Recht erhalten auch Asylsuchende und Menschen, die mit Duldung bei uns leben. Außerdem wird der Kontowechsel von einer Bank zur anderen leichter. Ein entsprechendes Gesetz hat der Bundestag verabschiedet.”

Das ist nett, dass das “künftig … jeder Bürger” ein Konto eröffnen darf – oder? Die Bundesregierung tut etwas für Verbraucherrechte, für Obdachlose, für Obdachlose? Vielleicht als unbeabsichtigte Folge, denn Obdachlose scheinen bei der Bundesregierung niemandem als Begünstigte dieses neuen Gesetzes einzufallen:

Ziel der Bundesregierung ist es, die Rechte der Verbraucher zu stärken. Auch Asylsuchende und Personen ohne Aufenthaltsstatus, die aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht abgeschoben werden dürfen (sogenannte Geduldete), haben Anspruch darauf. Allerdings muss der Kunde geschäftsfähig sein, also mindestens 18 Jahre alt sein.”

Und die Verbraucherrechte, die werden dadurch gestärkt, dass nicht nur niemandem das sogenannte Basiskonto verwehrt werden darf, sondern auch dadurch, dass ein Wechsel zwischen Banken, zu einer Bank mit billigerer Kontoführungsgebühr leichter möglich ist.

Current accountUlkige Sache, diese Kontoführungsgebühr, eine Gebühr dafür, dass man einer Bank sein Geld übergibt. Im Vereinigten Königreich gibt es übrigens keine Kontoführungsgebühr. Konten sind frei, kosten kein Geld, weshalb die meisten im Vereinigten Königreich, so wie wir auch, gleich mehrere davon haben. Und zwischen den Konten kann man schön hin und her jonglieren: Bank A wirbt mit 3% Zinsen auf dem Girokonto. Schieben wir doch das Geld zu Bank A. Bank B wirbt mit Reiseversicherung, Kfz-Versicherung, Haustierversicherung und Handyversicherung zum Konto und alles für 10 Britische Pfund im Monat, immer noch deutlich billiger als eine herkömmliche Kontoführungsgebühr in Deutschland.

Die scheint dann auch der Knackpunkt des Jedermannkontos zu sein: Was, wenn X ein Recht auf ein Konto hat, aber die Kontoführungsgebühr nicht zahlen kann. Wird ihm dann das Konto gepfändet, weil es nicht geschlossen werden kann. Uns scheint, in Sachen soziales Konto kann die Bundesregierung erheblich vom Freien Markt im Vereinigten Königreich lernen.

Aber darum geht es gar nicht in diesem Post.

Baustelle 2:

Zuerst:
Bundesregierung erwägt Bargeldobergrenze

und dann:
Ökonomen: Bargeld abschaffen!
und:
Die Bürger müssen sich abfinden: Die Bargeldabschaffung kommt ganz bestimmt
und:
EU will Bargeld abschaffen

Wenn man Bargeld abschaffen will, muss man natürlich Sorge getragen haben, dass jeder Bürger dennoch am Zahlungsverkehr teilnehmen kann, mit einem Basiskonto, einem für Jedermann. Und natürlich ist die Abschaffung von Bargeld nicht dazu da, die Kontrolle des Staates über seine Vasallen zu erhöhen, sondern dazu, die organisierte Kriminalität besser bekämpfen zu können. Schließlich hat jeder ein Recht auf ein Leben ohne organisierte Kriminalität oder? Und hat nicht auch jeder das Recht, von seiner Regierung kontrolliert zu werden – über sein Jedermannkonto?

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Politische Frankensteine: Die Malaise des deutschen demokratischen Versuchs

Wir haben in letzter Zeit die Angewohnheit entwickelt, unsere Leser vor allem am Wochenende mit neuen Ideen zu überfallen. Die Idee, die wir heute in Beitragsform verpackt haben, klingt zunächst einmal nicht ganz so neu:

Deutschland ist eine Versuchsanstalt politischer Narzissten, so lautet unsere These, deren Richtigkeit wir nunmehr unter zwei Kriterien, die bislang in der Diskussion nach unserer Einschätzung fehlen, diskutieren wollen:

Institutionalisierung und der ideale Bürger.

Fangen wir mit dem idealen Bürger an, denn er scheint uns nicht nur das Götzenbild zu sein, das Teile der politischen Klasse anbeten, er ist auch die Ursache für das meiste, was in Deutschland schiefläuft.

Der ideale Bürger, es fußt bereits auf einer Annahme, die in Demokratien eigentlich nichts zu suchen hat: Der ideale Bürger, er kann klar beschrieben werden, im Hinblick auf seine Einstellungen, sein Verhalten, seine Interaktion mit anderen: er ist u.a. ein politisch-korrekter, offener und bunter Bürger, der anderen hilft, seinen Egoismus verleugnet, sich den administrativen Vorgaben fügt und ansonsten Steuern zahlt. Teile der politischen Klasse sind nun nicht nur der Ansicht, sie könnten den idealen Bürger genau bestimmen, sie sind auch der irrigen Ansicht, es sei ihre Aufgabe, den idealen Bürger zu schaffen. Sie halten sich, mit anderen Worten, für die Schöpfer der Gesellschaft, für die Götter des politischen Systems, dessen Mitglieder sie nach ihren Vorstellungen zurechtbiegen wollen.

Das beginnt bereits in der Schule, wo unter dem Vorwand, mündige Bürger erziehen zu wollen, die selbst denken, abhängige und gebrochene Individuen produziert werden, die nach Vorgabe denken und in der Mehrheit nicht mehr den Mut haben, selbst zu denken oder von den Vorgaben, von dem abzuweichen, was den idealen Schüler als werdenden idealen Bürger ausmacht.

Nicht abzuweichen ist auch besser, denn wer abweicht, der wird entweder zum Gegenstand all derer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Abweichungen vom idealen Schüler zu bekämpfen, von Schulpsychologen, Sozialarbeitern, Jugendamtskadern und vielen mehr oder er wird abgeschoben, auf Sonderschulen, in Maßnahmen oder an den Rand der Gesellschaft.

political complianceDie Erziehung zum idealen Bürger, sie hat nichts mit einer Erziehung zum mündigen Bürger gemein. Der mündige Bürger, er urteilt auf Grundlage formaler Kriterien. Entsprechend stehen bei der Erziehung zum mündigen Bürger, die Bildung einer eigenständigen Persönlichkeit durch Vermittlung formaler Kriterien, Logik, Argumentation und Begründung im Vordergrund, formale Kriterien, die unabhängig vom Inhalt sind. Die Erziehung zum idealen Bürger, die in deutschen Bildungseinrichtungen angewendet wird, sie hat gerade nicht den mündigen, den selbstdenkenden Bürger als Zielvorstellung, sondern den abhängigen, gebrochenen, sich im Rahmen der politischen Vorgaben bewegenden, die korrekten Inhalte wiederkäuenden Bürger. Er ist das ideal der politischen Klasse, denn er ist kein selbständiger und mündiger, sondern ein abhängiger und unmündiger Bürger.

Um der Phantasie des idealen Bürgers zu huldigen, wurden ganze Berufszweige aus dem Boden gestampft: Schulpsychologen, Sozialarbeiter, Demokratieerzieher, sexuelle Orientierungsweiser, und es wurden Institutionen geschaffen, deren Aufgabe darin besteht, die Durchsetzung der Phantasie des idealen Bürgers zu kontrollieren.

Sie alle wissen, wie der ideale Bürger beschaffen ist, teilen das Götzenbild, das ihnen als Marschroute vorgegeben ist und singen, wie Mönche im Konvent, das Lied des idealen Bürgers, der ein politisch-korrekter, offener und bunter Bürger ist, der anderen hilft, seinen Egoismus verleugnet, sich den administrativen Vorgaben fügt und ansonsten Steuern zahlt. Denn Steuern sind notwendig, um den Speckgürtel derer zu bezahlen, die den idealen Bürger anbeten und die davon leben, dass sie in der Gesellschaft Abweichungen vom Ideal erkennen, verdammen und Maßnahmen entwickeln, die dazu beitragen sollen, den idealen Bürger herzustellen.

Dass es nicht wirklich das Ziel dieser Maßnahmen ist, den idealen Bürger herzustellen, sondern das Ziel vor allem darin besteht, sich selbst ein sorgenfreies und üppiges Auskommen dadurch zu verschaffen, dass man Dritte für etwas bezahlen lässt, was für diese Dritten vollkommen ohne Nutzen ist, wird schon daran deutlich, dass es wohl kaum ein Feld gibt, das eine derart lange Geschichte des vollständigen Versagens aufzuweisen hat, wie z.B. der sogenannte Kampf gegen den Rechtsextremismus: Je mehr Mittel in Maßnahmen gepumpt werden, desto mehr Rechtsextreme scheint es zu geben. Je mehr Kostgänger sich aus Steuermitteln bedienen, um das Problem “Rechtsextremismus” zu bekämpfen, desto größer wird das Problem.

Das ist kein Widerspruch, sondern eine logische Folge der Institutionalisierung der Anbetung des idealen Bürgers. Sie gibt Nutznießern die Möglichkeit, sich mit allerlei unnötigen Maßnahmen selbst zu bereichern. Sie ermöglicht es Anbietern von Leistungen, die keinerlei Wert für die Gesellschaft haben und nur dazu dienen, die Gemeinde der Jünger des idealen Bürgers zu definieren, ihren Ramsch zu Höchstpreisen an die politische Klasse zu verkaufen, die häufig aus den Interessenvertretern der entsprechenden Institutionen und Organisationen besteht.

Die Amadeu-Antonio-Stiftung ist hier das beste Beispiel. Dass die entsprechenden Maßnahmen keinerlei Wert haben, zeigt sich schon daran, dass es keinerlei Beleg dafür gibt, dass seit dem Bestehen der Amadeu-Antonio-Stiftung oder anderer Organisationen, die von Steuerzahlern finanziert werden, einen Effekt in der realen Welt haben. Im Gegenteil: Die Nutznießer der Amadeu-Antonio-Stiftung sind die ersten, die beklagen, dass alles schlimmer geworden ist, so dass man sich fragt: Was machen die eigentlich? Die Antwort ist einfach: Sich von Steuergeldern ernähren.

Es ist Zeit, die Götze des idealen Bürgers vom Sockel zu stoßen. Niemand hat die Mitglieder der politischen Klasse jemals dazu ermächtigt, sich zum Erzieher der Bürger aufzuschwingen, eine Tätigkeit, zu der sie zudem nicht kompetent und geeignet sind.

Es ist Zeit, den mündigen Bürger wiederzuentdecken, jenen mündigen Bürger, der selbst denkt und sich von seiner politischen Klasse nichts vorsagen lässt, der im Gegenteil der Ansicht ist, er sei besser geeignet, über sein eigenes Leben zu bestimmen als irgendein Mitglied der politischen Klasse oder die gesamte politische Klasse zusammengenommen.

Es ist Zeit, das eigene Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen und sich daran zu erinnern, dass Politiker nicht diejenigen sind, die vorsagen, sondern diejenigen, denen vorgesagt wird. Sie sind Dienstleister an der Gesellschaft und als solche weisungsabhängig und nicht etwa weisungsbefugt.

Es ist Zeit zu leben!

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Die freieste Gesellschaft aller Zeiten? Der größte Witz aller Zeiten!

Die heutigen demokratischen Gesellschaften brüsten sich mit den individuellen Freiheiten, die sie gewähren, der Achtung für die Menschenrechte oder der Garantie und dem Schutz von Eigentum. Wir leben, so wird Kindern ab ihrer Einschulung bereits eingetrichtert, in der freiesten Gesellschaft aller Zeiten.

Wir leben nicht nur in der freiesten Gesellschaft aller Zeiten, sondern sollen dies auch in einer säkularen Zeit tun. Der Glaube an welchen Gott auch immer, sei erodiert, mit dem Jenseits und der Hölle könne man niemandem mehr drohen, religiöse Heilsbotschaften würden immer weniger geglaubt, für das genommen, was sie sind, die unbelegbare Überzeugung bestimmter “göttlicher” Interessenvertreter.

Soweit das öffentliche Gebet, das auf jeden, der es hören will und jeden, der es nicht hören will, einprasselt. Aber, so unsere These, wir leben weder in der freiesten aller möglichen Gesellschaften noch in einer säkularen, im Gegenteil: Nie war die Welt religiöser als heute, nur wird der Katechismus nicht mehr in Kirchen vermitteln: Er sprudelt aus Parlamenten, aus Parteizentralen, aus öffentlich-rechtlichen Medien, man muss ihn nicht mehr in Stätten der Wallfahrt und Andacht abholen, er wird gebührenpflichtig nach Hause geliefert, ganz so, wie Orwell es beschrieben hat.

golden calrfUnd dieser religiöse Katechismus hat ein neues goldenes Kalb, das umtanzt werden soll: Das Soziale, die Gemeinschaft, das Kollektiv, das “Wir”, wie auch immer es gefüllt wird. Das Wir, das sind wir alle, das Wir findet seine Inkorporation im Staat, jenem seltsamen Etwas, das nicht vorhanden und doch Akteur ist, das niemand fassen kann und gegen dessen Regeln man dennoch verstoßen kann, gegen das man sich nicht direkt zur Wehr setzen kann, das seinerseits aber erhebliche Gewalt über das individuelle Leben auszuüben im Stande ist.

Wann immer sich imaginäre Gebilde wie der Staat etablieren und mit dem Sozialen oder dem Wir ein Glaubenssystem etablieren, dem gefolgt werden muss, stellt sich die Frage nach dem Warum und die Frage, wem nutzt das?

Beide Fragen lassen sich am ehesten beantworten, wenn man untersucht, wieso “der Staat” sich einfach als existent ausgeben kann und warum das manchen normal vorkommt. Noch im 17. Jahrhundert war, trotz aller Gottesfürchtigkeit, die es vermeintlich gegeben hat, das Wir, das Kollektive nicht einmal ansatzweise in der Ausprägung vorhanden, wie heute. Einem Thomas Hobbes, der 1651 seinen Leviathan veröffentlicht hat, war es noch klar, dass ausschließlich Individuen Rechte haben können. Niemand sonst, schon gar nicht “der Staat”. Der Staat, das war für Hobbes ein notwendiges Übel, das Menschen schaffen müssen, um Handlungs-Regeln zwischen Menschen, um Eigentum und Sicherheit zu gewährleisten, mehr nicht. Der Staat war ein Treuhänder, per Gesellschaftsvertrag von freien Menschen eingesetzt und um ihn einzusetzen, haben sie einen Teil ihrer Rechte abgegeben, Rechte, die sie jederzeit zurücknehmen können, sollte sich der Staat als nicht treuhänderisch und nicht rechtschaffend erweisen. Für solche Situationen hat Kant gar eine Pflicht zum Widerstand ausgemacht.

Leviathan.hobbesWie seltsam einem diese freiheitlichen Gedanken der Philosophen des 17. und 18. Jahrhunderts anmuten, denen allein das Individuum etwas gegolten hat und die kollektiven Entitäten keinerlei Selbstwert zugewiesen haben. Heute herrscht dagegen das Wir. Heute werden Rechte vom Staat oder einer Versammlung von Berufenen, die den herrschenden Katechismus nachbeten können, vergeben. Z.B. das Recht, Steuern zu zahlen und zu viel gezahlte Steuern eventuell zurück zu bekommen, z.B. das Recht, darum zu bitten, ein Unternehmen zu führen und Mitarbeiter entlassen zu können, z.B. das Recht, sein Eigentum gegen Eindringlinge verteidigen zu dürfen.

Mit anderen Worten: Die Individuen sind nicht mehr Subjekt und Ausgangspunkt individueller Rechte, sondern Objekt und Ziel zugewiesener Rechte. Rechte werden von einer Entität gewährt, nämlich dem Staat, die es gar nicht gibt. Absurder kann man sich die Welt kaum vorstellen, und dennoch: Es funktioniert. Um Menschen von freien Rechteinhabern zu abhängigen Rechteempfängern zu machen, bedarf es nur einer Religion und einer die Religion auslegenden Priesterklasse.

Die Religion ist das Wir, die ungeborene, die zukünftige, nur nicht die lebende Generation. Das Wir sind alle, die nicht leisten, denen man Toleranz entgegen bringen soll, denen man helfend unter die Arme greifen soll, denen man einen Teil seines Mantels gegen die Kälte abgegeben soll. Nein, natürlich ist Wohltätigkeit nichts Individuelles. Wohltätigkeit wird heute über den Staat geregelt, über dieses nicht existente Etwas, das, um wohltätig sein zu können, Steuern einsammelt, Wohltätigkeitssteuern wenn man so will.

Damit ist der erste Schritt getan, um einen Moloch, ein Phantom in Kraft zu setzen, das Gewalt ausübt, ohne selbst existent zu sein. Dazu bedarf es noch einer Priesterklasse, einer Zunft, deren Gegenstand die Auslegung der heiligen Schrift ist, die das Glaubensbekenntnis zum Wir für alle Staatsobjekte definiert, die vorgibt, dass man Frauen fördern muss, dass man Kinder ab 3 in Kindertagesstätten ab 6 in Schulen und danach in Maßnahmen des Arbeitsamts stecken muss, die regelt, wie viele Stunden am Tag Arbeiter zu arbeiten haben, wie viel Lohn sie mindestens erhalten und wie viel Anspruch auf soziale Zuwendung in den Zuwendungsgruppen der Psychiater Zuwendungssuchenden frei steht. Das Wir ist dabei die gleiche Chimäre, die der Staat bereits ist, und es ist der Mode, wie sie gerade unter Schriftgelehrten herrscht, ausgesetzt.

Entsprechend ist das Wir heute ein Idol, das dünn, nicht dick ist, das Sport treibt, um fit zu bleiben und dem Herzinfarkt mit 40 entgegen zu wirken. Das Wir ist gebildet und es pflanzt sich fort, ohne die Arbeit für mehr Zeit als vorgegeben zu unterbrechen, das Wir geht zur Wahl und macht artig sein Kreuz hinter einer politischen Sekte und ansonsten ist das Wir genügsam und nimmt freudig die Krümel auf, die ihm vorgeworfen werden. Nur eines ist das Wir nicht, ein Individuum und das darf es auch nicht sein, denn Individuen sind, wie der Begriff schon sagt, individuell, divers, eigen, sich ihrer Selbst bewusst und entsprechend nicht kollektivierbar.

Ayn Rand VirtueKollektivierbarkeit ist indes die Voraussetzung dafür, dass die Vision vom Staat und sie tragende Religion des Wir funktionieren können. Nur wenn sie Kollektive ansprechen kann, gelingt es der Priesterklasse, einzelne Gruppen zu defninieren, um ihren Nutznießern ein Auskommen zu schaffen (z.B. der großen Zahl derjenigen, die von sozialen Dienstleistungen am Wir leben), nur dann kann sie Gruppen aufbauend auf willkürlichen Merkmalen gegeneinander ausspielen, z.B. Männer gegen Frauen, Migranten gegen Autochthone, Dicke gegen Dünne, Banker gegen Arbeitslose oder Reiche gegen Arme und nichtzuletzt gelingt es der Priesterklasse nur so zu kaschieren, dass sie, die politischen Definiteure, die ersten sind, die vom Glauben an das Wir profitieren.

Sie profitieren mit einer Finanzierung ihrer eigenen Sekten, Parteienfinanzierung genannt, die selbst der Eurpoarat als intransparent bezeichnet. Sie profitieren mit Einkommen, Renten und Pöstchen, den kleinen Vorteilen, die ihr Wirken als Hohepriester der demokratischen Heilslehre so mit sich bringt, sei es in Vorständen, Aufsichtsräten oder als Vortragsreisende und sie profitieren langfristig über die Vielzahl der Abhängigkeitsverhältnisse, die sie geschaffen haben, um das Wir als wichtig erscheinen zu lassen, z.B. bei Arbeitslosen, die vom Wir alimentiert werden, damit sie nicht auf die Idee kommen, sie könnten etwas an ihrem Los ändern, z.B. bei direkten Günstlingen, die sich in Konventen wie der Heinrich-Böll-Stiftung einfinden, um durch Steuerzahler finanziert, die richtige Auslegung der Wir-Religion zu lernen.

government-hates-competition-posterDie vermeintlich freieste Gesellschaft aller Zeiten stellt sich somit als hochreligiös dar, als Gesellschaft, die eine Abweichung vom herrschenden Glauben negativ sanktioniert, als Gesellschaft, die eine Priesterklasse unterhält, die für sich in Anspruch nimmt, allein im Vollbesitz der richtigen Auslegung dessen zu sein, was Heilsbotschaft ist und daraus das Recht ableitet, sich in erster Linie und vor allen anderen zu bedienen und die als integralen Bestandteil des herrschenden Glaubens eine Entindividualisierung predigt, eine Auflösung des Individuums im Kollektiv, im Wir. Entsprechend können Individuen nur in Abhängigkeit vom Kollektiv, von der Gemeinschaft und mit dessen/deren Segen glücklich werden. Das ist jedoch das Gegenteil von Freiheit, so dass man feststellen muss, dass die derzeitige Gesellschaft eine der am wenigsten freien Gesellschaft aller Zeiten ist. Aber scheinbar ist die Nachfrage nach Freiheit derzeit nicht sonderlich ausgeprägt. Der Wunsch, ein Leben unbeeinträchtigt von der politischen Priesterklasse zu führen, wird entweder als aussichtslos eingeschätzt oder bereits im Kindergarten abgetötet.

Aber es besteht Hoffnung auf ein besseres Leben: Das Mars-One Projekt, mit der Garantie, die politischen Priester ein für alle Mal hinter sich lassen zu können. Und wie der Ansturm auf die freien Plätze zeigt, scheint dies ein Bedürfnis zu sein, das viele, sehr viele haben.

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