Gender-Schreihals im Deutschlandradio: Urwissenschaft und Urdummheit

Die Ochsentour der deutschen institutionalisierten Wissenschaft sieht die Vertretung von Professuren vor. Wer Professuren vertritt, erwirbt sich damit so etwas wie Beharrlichkeitspunkte. Hat jemand vier bis fünfmal eine Professur vertreten, für den Inhaber des Lehrstuhls, der gerade forscht oder Urlaub macht oder sich eine Elternzeit gönnt, dann hat er sich in den engeren Kreis der beharrlichen Bewerber auf einen Lehrstuhl beharrt und kann damit rechnen, auf Platz zwei bis drei einer Besetzungsliste zu landen und innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre tatsächlich berufen zu werden, sofern er in der Zwischenzeit nicht die Altersgrenze für die Besetzung Lehrstuhls überschritten hat.

hornuff-screenshotSo ist das, wenn der entsprechend beharrende Lehrstuhlanwärter männlich ist. Ist er weiblich, dann muss er sich nur auf eine Ausschreibung im Rahmen des Professorinnenprogramms bewerben und hat über kurz oder lang eine Professur inne, keine Vertretung, keine Ochsentour, einfach als Gnade des eigenen Geschlechts.

Daniel Hornuff vertritt Professuren. Er ist männlich und macht die Ochsentour, eine sehr passende Tour für ihn, denn der Theater- und Kunstwissenschaftler hat ein Problem: Er sieht überall „blasierte Schreihälse“, wie er schreibt, die die Gender Studies diffamieren und lächerlich machen, obwohl sie sich nicht „vertieft … mit ihren Ansätzen und Inhalten“ auseinandergesetzt haben.

Hornuff scheint für sich die vertiefte Auseinandersetzung mit den Ansätzen und Inhalten der Gender Studies in Anspruch zu nehmen, und in der Folge seiner vertieften Auseinandersetzung mit den Gender Studies ist er zu der Einsicht gelangt, dass der Kern der Gender Studies darin liegt, zu untersuchen, „inwieweit das Geschlecht ebenso soziale und kulturelle Dimensionen besitzt“. Es sei die „Ur“aufgabe der Wissenschaft, so tönt er in voller Überzeugung, „vermeintliche Gewissheiten mit aller Konsequenz infrage zu stellen“.

Seltsam, wenn man die vermeintliche Gewissheit, dass es sich bei Gender Studies um eine Wissenschaft handelt, infrage stellt, wird man von Hornuff als „blasierter Schreihals“ beschimpft. Offensichtlich sind dem Theaterwissenschaftler die Prämissen seiner eignen Behauptungen nicht klar, so wie ihm nicht klar ist, dass der Unterschied zwischen einem sozialen und einem biologischen Geschlecht, zwischen der Geschlechterrolle und der biologischen Determination von Geschlecht ein so alter Hut ist, dass es schon fast nicht mehr wahr ist. Diesen Hut wollten Soziologen schon in den 1970er Jahren nicht mehr aufsetzen und haben ihn entsprechend liegen lassen. Die Gender Studies haben ihn begierig aufgesetzt und seither vertreten sie Plattitüden und Unsinn in einem Umfang, dass es jedem Wissenschaftler schlecht werden muss.

Logik der Forschung

Was genau den entsprechenden Kern von Forschungsinteresse, Forschungsgegenstand, Methode und Erkenntnisgewinn der Gender Studies ausmacht, dies zu ergründen bemühen wir uns schon seit mehreren Jahren. Wir haben Vertreter der Gender Studies wiederholt angeschrieben und darum gebeten, grundlegende Fragen der Wissenschaftlichkeit und Methode, die sich im Hinblick auf die Gender Studies stellen, zu beantworten, Fragen, die ein Wissenschaftler im Traum beantworten kann – nur die Vertreter der Gender Studies können die Fragen nicht beantworten, was den Schluss zwingend macht, dass es sich bei ihnen nicht um Wissenschaftler handelt.

So wie es sich bei Hornuff nicht um einen Wissenschaftler handelt, denn der Zweck seines mit „Gender-Bashing ist der neue Volkssport“ überschriebenen Beitrags auf Deutschlandradio-Kultur (was das mit Kultur zu tun haben soll, ist eine andere Frage) besteht einzig darin, Kritiker von Gender Studies pauschal als blasierte Schreihälse zu beleidigen und seinerseits jeglichen Beleg dafür, dass es sich bei Gender Studies um eine Wissenschaft handelt, schuldig zu bleiben. Statt dessen attestiert er Kritikern der Gender Studies anti-akademische Arroganz und steckt sie n die rechte Ecke.

Wenn das akademisch sein soll, dann muss man zum anti-Akademiker werden, wenn man Wissenschaft vor Schreihälsen wie Hornuff, die wohl meinen sich bei den Gender Mainstreamern andienen zu müssen, um ihre Chancen auf eine Professur zu erhöhen, in Schutz nehmen will.

Aber: Wir geben jedem eine zweite Chance zu beweisen, dass er nicht nur eine große Klappe hat, sondern weiß wovon er spricht. Deshalb haben wir die 30 Fragen zu Gender Studies, die wir zu Erkenntnisgegenstand, -ziel, -methode und Nutzen formuliert haben, an Daniel Hornuff geschickt. Er kann sie sicher beantworten: Oder ist er etwa ein opportunistischer Schreihals, der sich ausgerechnet bei Gender Studierten anbiedert?

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