Jetzt gilt’s: 30 Fragen an die Gender-Empörten Hark und Villa

Sabine Hark und Paula Villa haben sich gerade damit hervorgetan, dass sie im Berliner Tagesspiegel einen Beitrag, der mit „Das dubiose Gender“ überschrieben ist, platziert haben. In diesem Beitrag inszenieren sie sich als Vertreter der Gender Studies, die als Fach vermeintlichen Diffamierungen ausgesetzt seien, denen die Wissenschatflichkeit abgesprochen werde und die als Ideologie bezeichnet würden.

Popper GrundproblemeNun sind es gerade Vertreter dieser Gender Studies, die sich beharrlich weigeren, über die Basis ihres Fachs, das, was sie zur Wissenschaft macht, ihre Erkenntnismethode, ihre theoretische Fundierung, ihre empirische Bestätigung und ihre nützlichen Forschungsergebnisse Auskunft zu geben. Es sind Genderisten, die bislang jede Kritik als Häresie ansehen und beleidigt darauf reagieren, und es sind Genderisten, die jede Frage nach der Berechtigung der Gender Studies als Majestätsbeleidigung auffassen.

Nachdem Hark und Villa nun behaupten, alle Kritik an Gender Studies sei nicht berechtigt, sei Diffamierung und beruhe auf Statusängsten haben wir die Gelegenheit, die uns zwei Kenner der Gender Studies vor die Flinte geschickt hat, am Schopfe ergriffen und einen Brief an die beiden aus Steuermitteln finanzierten Genderlehrstuhlinhaber geschrieben, in dem wir Sie bitten, doch uns und allen Steuerzahlern Auskunft über das wissenschaftliche Fundament der Gender Studies zu geben.

Hier der Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Dr. Hark, sehr geehrte Frau Dr. Villa,

im Tagesspiegel vom 17. Dezember haben sie einen Beitrag über „[d]as dubiose Gender“ veröffentlicht, in dem sie die Gender Studies gegen Kritik, die sie als Diffamierung bezeichnen, verteidigen. Der Beitrag widmet der Klage, über die vermeintilch ungerechtfertigten Angriffe von vor allem „bürgerlichen Medien“ auf die Gender Studies viel Raum, nimmt sich viel Raum, um über Gender zu spekulieren und schließt mit dem Versuch einer ad-hoc Erklärung dazu, warum Gender Studies kritisiert werden.

Man hätte nun von Wissenschaftlern erwartet, dass sie auf Kritik mit Argumenten und nicht mit Behauptungen, Unterstellungen und ad-hoc Assoziationen reagieren. Man hätte von Wissenschaftlern erwartet, dass sie einen positiven Teil beitragen, wie Hans Albert die Darlegung der Vorteile und Leistungen einer Wissenschaft genannt hat, in dem sie zeigen, was an Erkenntnissen, verwertbaren Ergebnissen, gesellschaftlichem Nutzen die Gender Studies erbracht haben, und weshalb es für Steuerzahler wichtig war, ist und weiter hin sein wird, Gender Studies an Universitäten zu finanzieren.

Leider findet sich keinerlei positiver Teil in Ihrem Beitrag. Wir führen dies auf den Eifer des Gefechts und eine mangelnde rationale Kälte zurück und hoffen, dass Sie mittlerweile genügend Abstand gewonnen haben, um Fragen zu beantworten, die unter Wissenschaftlern regelmäßig gestellt und, das dürfen wir anfügen, normalerweise ohne Aufgeregtheit und in aller Ruhe beantwortet werden (können). Die Fragen wurden den verschiedensten Vertretern der Gender Studies vorgelegt, keiner hat sich bislang in der Lage gesehen, sie zu beantworten.

Da sie sich im Tagesspiegel als – wie man mit Garfinkel sagen könnte – kompetente kulturelle Kenner der Gender Studies präsentiert haben, gehen wir davon aus, dass es Ihnen ein Leichtes ist, Auskunft über deren wissenschaftliche Fundierung zu geben.

Deshalb bitten wir Sie, die folgenden Fragen zu beantworten und damit zu einer grundlegenden Klärung der Frage, ob Gender Studies ein wissenschaftliches Fach sind oder nicht, beizutragen.

  1. questionmark2Was ist das Patriarchat?
  2. Wo gibt es das Patriarchat?
  3. Wie kann man das Patriarchat unabhängig messen?
  4. Warum zeigt u.a. die ethnologische Forschung, dass es ein Patriarchat nicht gegeben hat?
  5. Wo werden Frauen benachteiligt?
  6. Von wem werden Frauen wo benachteiligt (in Gesetzen, in staatlichen Institutionen, in nicht-staatlichen Institutionen, auf der individuellen Ebene) ?
  7. Wie werden Frauen wo und von wem benachteiligt?
  8. Welche Folgen hat die Benachteiligung konkreter Frauen an konkreten Orten durch konkrete Personen und für wen?
  9. Welche Erkenntnis hat die Forschung im Rahmen von Gender Studies bislang erbracht?
  10. Welcher wissenschaftliche Nutzen geht von dieser Erkenntnis aus?
  11. Wem entsteht dieser Nutzen?
  12. Welche empirischen Erkenntnisse hat die Forschung im Rahmen von Gender Studies erbracht?
  13. Wozu ist es wichtig, diese empirischen Erkenntnisse zu haben?
  14. Wo verläuft die Grenze zwischen Lehrstühlen der Gender Studies und Indoktrination?
  15. Welche Kenntnisse haben Studenten der Gender Studies, die sie vor ihrem Studium nicht bereits hatten?
  16. Welche berufliche Zukunft haben Studenten der Gender Studies?
  17. Welche Belege für den Nutzen der Gender Studies gibt es?
  18. Welche Belege für einen Schaden durch Gender Studies gibt es?
  19. In welchem Verhältnis stehen Nutzen und Schaden der Gender Studies zueinander?
  20. Welches Erkenntnisinteresse haben Gender Studies?
  21. Welche Methoden der Erkenntnisgewinnung nutzen Gender Studies ?
  22. Wie wird sichergestellt, dass Erkenntnisse der Gender Studies nachprüfbar sind und von anderen nachvollzogen werden können?
  23. Gibt es ein theoretisches Konzept „Gender Studies“?
  24. Wenn ja, auf welcher empirischen Basis steht dieses Konzept?
  25. Wenn ja, wie hat sich dieses Konzept an der Empirie bewährt
  26. Was haben Gender Studies an Universitäten zu suchen?
  27. Welchen konkreten Nutzen haben Gender Studies der Wissenschaft gebracht?
  28. Welchen konkreten Schaden haben Gender Studies der Wissenschaft zugefügt?
  29. Wie rechtfertigen Gender Studies ihre Finanzierung durch Steuerzahler?
  30. Welcher Nutzen entsteht Steuerzahlern?

Wir bedanken uns im Voraus für die Antworten und verbleiben mit freundlichen Grüßen,
Dr. habil. Heike Diefenbach
Michael Klein
ScienceFiles.org

Wer unserem Schreiben mehr Nachdruck verleihen will, dadurch, dass er es ebenfalls an Hark und Villa schickt, der kann dies gerne tun.
Die eMail-Adressen lauten:
sabine.hark@tu-berlin.de
und
Paula.Villa@soziologie.uni-münchen.de

Über Michael Klein
... concerned with and about science

35 Responses to Jetzt gilt’s: 30 Fragen an die Gender-Empörten Hark und Villa

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Jetzt gilt’s: 30 Fragen an die Gender-Empörten Hark und Villa | netzlesen.de

  2. wollepelz sagt:

    Danke!

    Habe die Fragen an beide Personen geschickt.

    Eingeleitet habe ich die Mail mit folgenden Worten – ich konnte mir etwas leider nicht verkneifen. Mea culpa.😉

    „Sehr geehrte ProfessXoderY,

    leider muss ich es mir heute einfach machen und ein paar Fragen von anderer Stelle übernehmen. Die Fragen decken sich allerdings eins zu eins mit meinen Fragen.

    Als alleinerziehender Vater eines Sohnes sehe ich die Gender Studies mehr als kritisch und auch als sehr gefährlich für die Gesellschaft an. Es wäre mir daher eine Freude, wenn Sie mir die folgenden Fragen beantworten könnten.“

  3. Striesen sagt:

    Natürlich wird Ihnen von den beiden Koryphäinnen keine Antwort zu teil werden. Haben diese doch bereits 2013 in einer renommierten Fachzeitung vollumfänglich Stellung genommen.

    http://www.taz.de/Streit-um-Genderstudies/!118080/

    Diese Argumentation in leicht aufgewärmter Form erneut gebracht zu haben, spricht für das hohe journalistische Niveau des Tagesspiegels, der „Agenda“-Zeitung für den Entscheider und jetzt auch „Zeitung des Jahres“. Umgekehrt beweist die Nachpressung durch das „Leitmedium“ der Hauptstadt die Unvergänglichkeit und hohe Qualität der erneut dargereichten Argumente. Wer trotzdem nachfragt oder gar zweifelt, belegt mit dieser typisch patriarchalischen Art Diskurshoheit zu erzwingen, nur die Behauptungen von Hark und Villa.

    Beenden Sie also die Verfolgung und Diffamierung der Genderforscherinnen und fangen Sie endlich an, wissenschaftlich zu arbeiten.

  4. Ich bin zu dem Schluß gekommen, dass die „Gender Studies“ wie eine Krebserkrankung, die Geisteswissenschaften zerfressen. Eine akademische Auseinandersetzung ist mit Genderisten nicht möglich.

    https://karstenmende.wordpress.com/2014/12/17/genderismus-geisteswissenschaften-sind-vom-krebs-zerfressen/

    Diese Fragen sollte man sich auf jeden Fall für die Post-Gender-Zeit aufheben, wenn es darum geht die Scherben, welche die „Gender Studies“ verursacht haben, aufzukehren.

    • Nein, man muss die Fragen stellen, um das Dahinsiechen der Sozialwissenschaften zu beenden, die Gender Studies als Fake bloßzustellen und deren Verschwinden von Hochschulen zu beschleunigen.

      • Natürlich muss man die Fragen stellen, richtig. Man sollte jedoch nicht mit einer Antwort aus diesen Kreisen rechnen. Diese Auseinandersetzung ist eine Einbahnstraße. Wir können doch schon froh sein, wenn es überhaupt eine Reaktion aus dem „Gender-Lager“ gibt, die sich in einem trotzigen „Jetzt erst recht!“ ausdrückt.
        Ich bin halt der Meinung, dass die Durchseuchung der Geisteswissenschaft schon so weit fortgeschritten ist, dass nicht mehr auf einen Gesundungsprozess gehofft werden kann und es besser wäre, diesen kranken Geisteskörper (geniales Wort) erst einmal dahinscheiden zu lassen. Die Vehemenz, mit der zum Beispiel Lann Hornscheidt von ihrer Universitätsleitung in Schutz genommen wird, belegt doch, dass es keinerlei Sinn macht an die Ratio dieser wissenschaftlichen Totengräber zu appellieren. Da ist keine mehr. Wir können uns mit diesen Appellen lediglich selbst Mut zusprechen. Das allerdings sollte Ansporn genug sein. Aufgeben ist nicht! Das wollte ich unter keinen Umständen zum Ausdruck bringen.

    • youandme sagt:

      wo ich jetzt gerade so Ihren Kommentar lese (und nun seit 3 Stunden oder mehr diese Seiten hier), habe ich mich gefragt:

      sind die Geisteswissenschaften so dermaßen überbesetzt von Genderwesen, weil viele oder gar die meisten der Studenten, die Gendertheorien nichts abgewinnen können, die Institution spätestens nach der Promotion (für immer) verlassen – und daher nur noch Genders überbleiben? Könnte es wohl möglich sein, daß auf die Art und Weise über die Jahre so ein starkes Ungleichgewicht entstanden ist, weil die nicht gender-willigen Hirne solchermaßen an der Universität nicht wissenschaftlichen Pluralismus, sondern theologischen Dogmatismus erlebt haben, was so ziemlich das Umgekehrte dessen war, weswegen sie überhaupt an die Universität (und in die Geisteswissenschaften) gingen?

      Ich frage mich seit meinem eigenen Verlassen der Universität (u.a wegen der mangelnden Argumentationskultur, die eigentlich wesentlich eine Götzengläubigkeit ist), wie es sein kann, daß so viele das Maul halten über diesen Hirnriss namens Gender und die sonstige monotone Verbohrtheit dieser Wissenschaften. Eben dachte ich mir, ob das nicht dadurch kam, daß die meisten genderunwilligen Studenten und Lehrenden Hopfen und Malz da inzwischen für verloren halten und recht bald „nur noch wieder hier raus“ wollen. Ich frage mich, ob man hier nicht wohl schleichend, aber trotzdem stetig und im Effekt massenweise zu der Überzeugung gekommen ist, hier habe man einen Wissenschaftsbereich, der selbst für Kritik schon zu abgehalftert und verkommen ist (in etwa wie man an einem toten Blumenbeet vorbei gehen und sich denken kann: hier hilft auch der beste Dünger nichts mehr, so schön es auch einmal gewesen sein mag)?

  5. Robert Schulte-Frohlinde sagt:

    Ich bewundere Ihren Mut und Ihre Kraft.

  6. Maxim sagt:

    DAS PROBLEM: die dummen Hark und VIlla mit dem ganzen Kack, sind bereits zum ZWEITEN mal bei einer Zeitung die seehr verbreitet ist und „argumentiern“ aus sicheren Proffesorx Positionen. Die entlarwende Artikel und die FRagen und die demontage deren Schwachsinns, erfolgten auf einer Website die wir zwar lieben und folgen, aber die weit davon entfernt ist, die „normalzeitungsleser“ zu erreichen.
    Weiter, – die „überkommene ROllenmuster“ und „Statusangst“ etc,,. das ernsthafte Versuch die Damen anzugreifen um ein Disput zu führen scheitert immer kläglich und man wird IMMER in die „rechtskonservative“ Ecke geschoben…. Die TAZ freu sich über deren nächste Artikel aber die logische argumentation von M. Klein, wird denke ich niemals in irgend einer Tageszeitung abgedruckt. Dafür haben wir schon viel zu viel Femfaschismus in der Republik.

    • Ganz so düster würde ich das nicht sehen. Wir erreichen monatlich gut 140000 Leser, haben seit es uns gibt jährliche Wachstumsraten von 175% und wie wir wissen, einen wachsenden Einfluss an Universitäten und selbst in Redaktionen … Das sollte eigentlich Mut machen!

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