Universität Bremen: Von Feiglingen und Maulhelden

Man kennt es von religiösen Eiferern: Sie wollen nicht mit denen reden, die einen anderen Gott anbeten. Sie wollen die Ungläubigen am liebsten beseitigt sehen. Man kenn es von Extremisten: Sie wollen nicht mit denen reden, die einen anderen politischen Mythos anbeten. Sie wollen die Ungläubigen am liebsten beseitigt sehen. Man kennt es von Gutmenschen: Sie wollen mit denen, die ihre vermeintliche Gutheit kritisieren und in Frage stellen, nicht reden. Sie wollen die Ungläubigen am liebsten beseitigt sehen.

Man kennt es immer häufiger von Studentenvertretern, die sich im Sonderlager für studentische Aktivisten, dem AStA ansammeln: Sie wollen mit denen, die nicht ihren politischen Mythos teilen, die nicht ihren Gott anbeten oder gar daran zweifeln, dass die AStAner die besten Menschen sind, die man sich unter der Sonne vorstellen kann, nicht reden, sie am liebsten beseitigt sehen.

Woher kommt diese Angst vor anderen Meinungen? Wieso haben gerade Studenten-Aktivisten, die sich an Hochschulen herumdrücken und dort eigentlich eine Methode zum Erkenntnisgewinn erlernen sollen, keine Ideologie zur Erkenntnisverhinderung, warum haben sie so Angst davor, sich mit Menschen, die anderer Meinung sind, auseinanderzusetzen?

Wir haben in letzter Zeit mehrfach von den verschiedensten Hochschulen berichtet, an denen AStaner oder wie sich die Studenten-Aktivisten jeweils nennen, dazu aufgerufen haben, zu verhindern, dass sich Wissenschaftler zu einem Thema äußern, zu dem sie geforscht haben, zu dem sie kompetent sind, zu dem sie etwas zu sagen haben.

Das neueste Beispiel stammt von der Universität Bremen und lässt uns abermals fragen: Wovor haben die AStaner Angst?

asta-bremenWovor haben die Studenten-Aktivisten des Bremer AStA Angst, wenn Jörg Baberowski, Professor für die Geschichte Osteuropas an der Berliner Humboldt-Universität nach Bremen kommt, um dort sein neues Buch „Räume der Gewalt“ vorzustellen? Was ist so schrecklich an der Vorstellung, dem, was Baberowski zu sagen hat, zuzuhören und ihn dann, für das, was man zu kritisieren können glaubt, zu kritisieren und mit ihm zu argumentieren, oder gar zu streiten?

Offensichtlich trauen sich die AStAner an der Bremer Universität nicht zu, was Generationen von Studenten vor ihnen zu ihrer Aufgabe gemacht haben, mit ihren Professoren zu diskutieren und die Professoren zu kritisieren. Davor haben die AStAner offensichtlich Angst.

Das ist verwunderlich, haben sie doch massive Vorwürfe gegen Jörg Baberowski erhoben:

Er sei ein stumpfer Rechtspopulist.

Eine Behauptung, die die AStAner damit belegen wollen, dass Baberowski die folgende Frage gestellt hat: „Warum soll eigentlich ein Einwanderer gratis erhalten, wofür diejenigen, die schon hier sind, jahrzehntelang hart gearbeitet haben?“

Das ist eine legitime Frage und wenn man, wie die AStAner für sich eine moralische Überlegenheit, eine nicht-rechtspopulistische Überlegenheit behauptet, dann muss man in der Lage sein, diese Frage zu beantworten. Nichts sollte leichter sein als Baberowski zuzuhören und seine Frage zu beantworten: Warum sollten Einwanderer gratis erhalten, was die arbeitende Bevölkerung erarbeitet hat? Wer den Mund mit Beschuldigungen wie „Rechtspopulismus“ voll nimmt, sollte in der Lage sein, diese Frage zu beantworten, wenn er nicht in den Ruch kommen will, es ginge ihm darum, Frage und vor allem Fragende zu diskreditieren – eine Strategie, die man immer häufiger findet und die wohl aus schlechten Managementbüchern stammt. Wer sie, wie die AStAner aus Bremen anwendet, denkt wohl, sein Gegenüber würde dann, wenn seine Frage als „rechtspopulistisch“ bezeichnet wurde, vergessen, dass die Frage nicht beantwortet wurde. Dr. habil. Heike Diefenbach spricht in diesem Zusammenhang immer von apotropäischer Magie, wenn z.B. AStAner oft genug intonieren, dass eine Frage rechtspopulistisch sei, dann erwarten sie wohl, dass die Frage dadurch verschwindet.

Aus dem Satz Baberowskis „Überall, wo Bürger nicht eingebunden sind, kommt es natürlich zu Aggressionen“, konstruieren die AStAner in Bremen, dass Barberowski „Angriffe auf Geflüchtetenunterkünfte legitimiert und verharmlost“.

asta-bremen-aktivWenn man nicht wüsste, dass sich in studentischen Gremein wie dem AStA die Studenten sammeln, die in ihrem Studium eher mäßig erfolgreich sind, man müsste fragen: Was lernen die Studenten in Bremen eigentlich?

Offensichtlichen lernen sie weder den Unterschied zwischen einer Aussage, in der eine mögliche Ursache benannt wird und einer Legitimation noch Logik. Die Benennung einer Ursache weist auf Gründe hin und erfordert entsprechend eine kausale Anbindung: Etwas wurde getan, weil etwas anderes vorausging. Wer feststellt, dass da, wo Bürger nicht eingebunden werden, Aggressionen entstehen, tut nicht mehr und nicht weniger als die Ergebnisse sozialpsychologischer Forschung von mehreren Jahrzehnten wenn nicht mittlerweile Jahrhunderten zusammen zu fassen: Wenn Menschen der Ansicht sind, bestimmte Dinge gingen sie an und gerade in diesen Dingen wird über ihre Köpfe hinweg für sie entschieden, dann muss man sich nicht wundern, dass Widerstand entsteht, der sich, wenn die Verärgerung intensiv genug ist, auch Aggression zum Gegenstand hat.

Dass dem so ist, ist feststehendes Wissen, aber keine Legitimation. Eine Legitimation erfordert zudem, dass die Mittel, die von Menschen genutzt werden, um ihren Ärger auszudrücken, von demjenigen, der feststellt, dass es bestimmte Zusammenhänge zwischen dem Übergehen von Menschen und der Art der Mittel, mit denen sie darauf reagieren, gibt, positiv bewertet werden, in der Art: Ich finde es gut, wenn Linke Autos anzünden, die Politikern der AfD gehören. Ein solcher Satz wäre als Legitimation von Sachbeschädigung und Gewalt gegen Sachen anzusehen, was Baberowski gesagt hat, ist es nicht.

Vielmehr zeigt sich, dass die AStAner in Bremen nicht in der Lage sind, zwischen einer Beschreibung und einer Bewertung zu trennen. In ihrem Kopf ist beides offensichtlich dasselbe. Sie sind daher nicht in der Lage, die analytische Trennung durchzuführen, die Grundlage aller Wissenschaft ist, so dass man sich fragt, was sie eigentlich an einer Universität zu suchen haben oder, um einen Satz von Barberowksi abzuwandeln: Warum soll eigentlich ein AStAner von Steuerzahlern ausgehalten werden, wenn nicht einmal rudimentärste Voraussetzungen dafür, dass die entsprechenden Steuermittel nicht vergeuden werden, erfüllt sind?

Haben die AStAner in Bremen darauf eine Antwort?
Wir nicht.

Das Beste, was die AStAner Barberowski vorwerfen ist, dass er ein „Hobbe’sches Menschenbild“, also ein Hobbessches Menschenbild habe, nach dem Motto: „Der Mensch ist des Menschen Wolf.“

Leviathan.hobbesWir wollen jetzt nicht in die Philosophie von Hobbes einsteigen. Wer hier weiterführende Fragen hat, kann uns gerne eine eMail schreiben. Es sei nur soviel gesagt: Im Menschenbild von Thomas Hobbes gelten Menschen als vernunftbegabte Wesen. Weil sie Vernunft haben, sind sie in der Lage sind, das Elend des Naturzustandes, in dem jeder Mensch des Menschen Wolf sein muss, weil jeder ein Recht auf alles hat, zu überwinden und sich mit einem Gesellschaftsvertrag eine gewisse Sicherheit zu geben. Insofern ein Hobbessches Menschenbild also Vernunft in Menschen voraussetzt, kann man Hobbes an dieser Stelle und vor allem vor dem Hintergrund von Studenten-Aktivisten wie es sie in Bremen gibt, für seine optimistische Annahme der Vernunftbegabung kritisieren. Dazu muss man Hobbes jedoch gelesen haben, was die AStAner nachweislich nicht getan haben.

Und damit kommen wir zur Antwort auf die Frage, warum die AStAner lieber zum Boykott aufrufen, als dass sie sich mit denen, die sie boykottieren wollen, auseinandersetzen. Diese Antwort ist nun offenkundig: Sie sind feige, weil sie Maulhelden sind.

Studenten-Aktivisten wie die AStAner in Bremen sind zwar gut, wenn es darum geht, Vorwürfe zu erheben, die eigenen Phantasien anderen unterzuschieben und Autoren, die man nur vom Hörensagen kennt, für sich zu missbrauchen, aber mehr nicht. Sie sind Maulhelden, die es nicht riskieren können, sich auf eine offene Diskussion einzulassen, denn eine solche Diskussion würde sehr schnell zeigen, dass sie nichts zu bieten haben, außer der Empörung, die zu haben, sie sich eingeredet haben, und ihrem Glauben an die eigene Ideologie.

Studenten bezahlen den AStA mit ihren Studiengebühren. Es wird Zeit, dass Studenten ihre Studiengebühren mit der Bedingung bezahlen, dass sie nicht zur Finanzierung von AStA und sonstigen Sonderlagern für am Studium gescheiterte Existenzen benutzt werden.

Insofern geht es hier nicht in erster Linie um Redefreiheit, wie Klaus-Rüdiger Mai im Cicero schreibt. Es geht darum, denen, deren Intellekt nur dazu ausreicht, Erkenntnis zu verhindern und das für Hochschulen so wichtige offene Diskussionsklima zu vergiften, an Universitäten keinen Unterschlupf mehr zu bieten, sie von Hochschulen zu entfernen.

Über Michael Klein
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26 Responses to Universität Bremen: Von Feiglingen und Maulhelden

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  3. Ralf Pöhling says:

    Das gleiche Phänomen beobachten wir seit geraumer Zeit in den USA.
    Was ist das? Wo kommt das her?
    Mangelnde Lebenserfahrung der im Wohlstand Geborenen, geformt durch gut organisierte Propaganda und gefestigt durch kollektiven Gruppenzwang? Klingt mir mittlerweile zu einfach.
    Nur weil mir jemand etwas erzählt, muss ich es nicht glauben. Besonders dann nicht, wenn es vollkommen unlogisch daherkommt und sich einfach zerpflücken lässt.

    Vielleicht ist es ja eher eine unentdeckte Infektionskrankheit, wie z.B. Toxoplasmose, die oft das Gehirn befällt und dadurch Wesensveränderungen auslöst und die Intelligenz absenkt.
    Denkbar als Ursache wäre auch der massive Medikamentenmissbrauch durch Studenten zwecks Leistungssteigerung.Wer permanent Demenzmedikamente frisst, muss sich nicht wundern, dass seine Urteilsfähigkeit schnell den Bach runtergeht und zwanghaftes Verhalten jegliche Intelligenz im Keime erstickt.

    • @ Ralf Pöhling Nichts von all den Krankheiten, die Sie hier aufführen, trifft zu, wenn es auch zynisch gemeint war.
      Die Wahrheit zu äußern und bewusst gegen den Strom zu schwimmen,hat schon immer Mut erfordert. Wir leben auch jetzt wieder in einer schwierigen Zeit und nicht in einer Demokratie.
      Selbst in vielen Blocks wird eine offene Meinung nicht „freigeschaltet“ sondern verschwindet.
      Also alles nichts besonderes, wenn den Leuten langsam die Lust vergeht, sich zu äußern.
      Und manchmal steht ja mehr auf dem Spiel als so eine blöde Kommentarveröffentlichung.

      • Ralf Pöhling says:

        @Irene Apartsev

        Ist mir durchaus klar. Wir müssen dennoch zwingend die zur Zeit vorherrschende gesellschaftliche Kommunikationssperre aufbrechen. Ohne Informationsaustausch und offene Interaktion zwischen den betroffenen Gesellschaftsschichten findet keine Problemlösung statt.
        Und wenn Argumente die Zunge nicht lockern, tut es vielleicht die Provokation.
        Dass hier oftmals Karrieren auf dem Spiel stehen, ist mir vollends bewusst. Wir haben unterm Strich dennoch keine andere Option. Denn wenn die Kommunikation langfristig ausbleibt, wird früher oder später nur noch die Gewalt die gesellschaftliche Interaktion bestimmen.
        Und damit wären schlussendlich noch mehr Karrieren in Gefahr wie jetzt.

        • rolandtluk says:

          Wir alle haben das Problem erkannt, wir alle können es durchbrechen: Einfach den Mund aufmachen.
          Mich haben sie auch schon „zensiert“, bepöbelt oder bedroht. Ich werde mich den Ideologen nicht beugen.

          • corvusalbusberlin says:

            Ich auch nicht. Und wenn gar nichts mehr hilft, dann ist Provokation angebracht, wie Herr Pöhling erwähnt. Darin bin ich ganz groß. Und – man lernt Menschen weitaus schneller kennen, so dass man sich den Rest mit ihnen oft sparen kann.

      • Heike Diefenbach says:

        .. “ Wir leben auch jetzt wieder in einer schwierigen Zeit und nicht in einer Demokratie.“

        Ja, stimmt, und ich kann verstehen, dass es Leute gibt, die sich überlegen, was sie sagen – obwohl ich das für eine völlig falsche Lebensstrategie halte.

        Aber die Frage ist doch, wie es so weit kommen konnte. Hätten mehr Menschen früher den Mund aufgemacht und offen geäußert, wie ihnen so manches vorkommt, wäre es vielleicht gar nicht so weit gekommen. Schon in einigen Buch-Veröffentlichungen aus dem Ende der 1990er-Jahre und dem Beginn der 2000er-Jahre wird eine neue Konformitäts- und Schweigekultur beschrieben, und diese (Un-/)Kultur hat sich ja in relativer ABwesenheit von Sanktionsandrohungen entwickelt, und das ist meiner Meinung nach erklärungsbedürftig.

        • Till Sitter says:

          Heike Diefenbach sagt: “… und diese (Un-/)Kultur hat sich ja in relativer ABwesenheit von Sanktionsandrohungen entwickelt, und das ist meiner Meinung nach erklärungsbedürftig.“

          Hat sich entwickelt oder wurde entwickelt? Ich tendiere zu letzterem, womit sich die Abwesenheit von Sanktionsdrohungen von selbst erklärt.

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  5. Joachim Ochmann says:

    Deutschland hat zu viele „Egel“ an seinem Körper, die sich davon ernähren, nichts zum Sozialbeitrag beizubringen, noch beibringen zu wollen. Dazu gehören nicht nur die hier im Beitrag erwähnten, sonder auch alle Politiker, die gegen die Interessen Deutschlands und seiner Bevölkerung handeln! Und es sind inzwischen zu viele geworden. 2017 gibt es für die STEUERZAHLER Deutschlands einen letzten Ausweg aus diesem Dilemma.

  6. Bill says:

    „Vielmehr zeigt sich, dass die AStAner in Bremen nicht in der Lage sind, zwischen einer Beschreibung und einer Bewertung zu trennen. In ihrem Kopf ist beides offensichtlich dasselbe.“
    Könnte es sein, dass das Ergebnisse von konstruktivistischen Vorstellungen ist?
    Wer die unabhängige Existenz von Realität verneint sondern stattdessen Realität als Konstrukt von Sprachhandeln ansieht und Sprachhandeln als Ausdruck von Willen und Überzeugungen, der muss doch „Überall, wo Bürger nicht eingebunden sind, kommt es natürlich zu Aggressionen“ als das Befürworten dieser Aggressionen sehen. Oder?

    • Equinox says:

      Ignorierte Realität wird immer zum Boumerang des eigenen Schicksals….weil dies die Studis nicht reflektiert bekommen, gibt es für solche nutzlos Elemente ein böses Erwachen! Habe an der UNI Oldenburg gekündigt, wollte mich eben nicht brainwashen / intoxinieren lassen…

      • Bill says:

        „Realität ist was nicht weggeht wenn man nicht mehr dran glaubt!“
        Ja schon…
        Das Problem ist, dass es genügend staatliche und halbstaatliche Organisationen gibt die diese Leute beschäftigen.
        Genau wie im alten Rom hat man dann eine abhängige, ergebene Klientel als „Muscle“.
        Anders als im alten Rom muss man sie nicht mehr selber bezahlen. Dafür gibt es Steuern die man verbraten kann.
        Ich denke auch immer an das was der Danisch sagt:
        Diese ganzen Jobs gibt es nur, damit niemandem auffällt, dass man für wertschaffende Tätigkeiten eigentlich nur noch 20% der arbeitsfähigen Bevölkerung braucht.

  7. Till Sitter says:

    “Denn beim Übergang von der Erfahrung zum Urteil, von der Erkenntnis zur Anwendung ist es, wo dem Menschen gleichsam wie an einem Passe alle seine inneren Feinde auflauern, Einbildungskraft, Ungeduld, Vorschnelligkeit, Selbstzufriedenheit, Steifheit, Gedankenform, vorgefaßte Meinung, Bequemlichkeit, Leichtsinn, Veränderlichkeit und wie die ganze Schar mit ihrem Gefolge heißen mag …“
    (Goethe)

    In der ganzen Schar mit ihrem Gefolge stehen sicher auch Gehässigkeit und Unfähigkeit. Tragisch dabei ist, dass diese Totschlagsargumentler sich auch noch für die Guten halten, dabei eine andere Weisheit Goethes außer Acht lassend:

    “Denn bei der größten Wahrheitsliebe kommt derjenige, der vom absurden Rechenschaft geben soll, immer ins Gedränge: er will einen Begriff davon überliefern, und so macht er es schon zu etwas, da es eigentlich ein Nichts ist, welches für etwas gehalten sein will.“

    Zitat: “Wenn man nicht wüsste, dass sich in studentischen Gremein wie dem AStA die Studenten sammeln, die in ihrem Studium eher mäßig erfolgreich sind, man müsste fragen: Was lernen die Studenten in Bremen eigentlich?“

    Wie man sich früher an den Unis nach dem fähigsten Nachwuchs umgeschaut hat, so schaut man sich heute wohl auch nach den Verkommenen als Nachwuchs für Politik, Militär und Wirtschaft um. Mit dem im Artikel angeprangerten Vorgehen wollen sich wohl einige die besten Plätze sichern. Wer es nicht schafft hat aber immer noch gute Aussichten auf einen Blockwartposten in politischen Internetforen oder im Kommentarbereich der Mainstreammedien.

    • Heike Diefenbach says:

      … „Wer es nicht schafft hat aber immer noch gute Aussichten auf einen Blockwartposten in politischen Internetforen oder im Kommentarbereich der Mainstreammedien.“

      Mag sein, aber diese Chancen werden zunehmend schlechter, und sei es nur, weil die Leute die Mainstreammedien bei Weitem nicht mehr so nachfragen wie das früher einmal der Fall war.

      Das ist so eine Art Reduktionsspirale: Weniger, sagen wir z.B.: Leser einer Zeitung, weniger Einkünfte aus Inseraten/Werbung, weniger Geld für gute journalistische Produkte (die normalerweise Recherche beinhalten oder Gastautoren, die wissen, wovon sie schreiben,), weniger interessante Inhalte, daher noch weniger Leser/Abonnenten …

      Die Indoktrinationswege werden deshalb immer schmaler bzw. weniger, und es wird deshalb immer weniger Indoktrinations- oder Nachplapper-Personal gebraucht. Ich bilde mir ein, in einigen Bereichen schon zu beobachten, dass die Nutznießerklientel aus verschiedenen Bereichen, aber auch innerhalb desselben Bereichs, in Konkurrenz untereinander getreten ist; es ist nur eine Frage der Zeit, dass sie mehr oder weniger ausgelastet damit sein wird, sich untereinander das Leben schwer zu machen.

      Das ist, glaube ich, wie in Orwells 1984: Was er beschreibt, spielt sich ja alles INNERHALB der Partei ab, während die „Proles“ jenseits des Zauns anscheinend ein recht gutes Leben führen … Seine Beschreibung ist, glaube ich, die Beschreibung eines auf sich selbst reduzierten Systems, in dem alle darum kämpfen, solange das System noch währt, möglichst viele Vorteile aus ihm zu ziehen. Seltsam, dass, wie mir scheint, nur wenige Leute 1984 so lesen; dabei ist es doch ziemlich offensichtlich …

      • Till Sitter says:

        Heike Diefenbach sagt: “… Seltsam, dass, wie mir scheint, nur wenige Leute 1984 so lesen; dabei ist es doch ziemlich offensichtlich …“

        Es kommt mir jetzt auch seltsam vor dass auch ich es nicht so gelesen habe. Sehr interessant. Danke für den Hinweis, ich werde es mir umgehend noch mal zu Gemüte führen. 😉

        Ihre Beobachtung, die Nutznießerklientel (geiles Wort) betreffend, ist sicher keine Einbildung, mir gingen schon ähnliche Gedanken durch den Kopf. Irgendwie befriedigend sich vorzustellen, wie sehr die auf der Strecke bleibenden Nutznießer unter ihrem Scheitern leiden wenn sie feststellen, dass sie nichts anderes können und niemand mehr ihr Können braucht. Hach, ich sollte gar nicht so denken, kann aber nicht dagegen an.

    • Bernhard says:

      vor ca. 45 Jahren,ich im 2. Bildungsweg,war es für viele die einzige Chance nach Bremen an die Uni zu gehen um einen Abschluß zu erhalten.
      Uni Bremen= berühmt ,berüchtigt, und geändert hat sich offensichtlich……nichts

  8. Weigert, Siegbert says:

    Es ist tatsächlich ein weit verbreitetes Phänomen an deutschen Universitäten und Fachhochschulen. Diejenigen, die kritisch hinterfragen und sachlich argumentieren werden mit Argusaugen beobachtet und stigmatisiert. Keine ASTA-Party ohne politisches Statement – zu meiner Zeit ging es da um Alkohol und das andere Geschlecht. Indoktrination ist das Stichwort dieser Tage – auch und gerade an Bildungseinrichtungen.

    • greenbowlerhat says:

      Ich erinnere mich aus meinen Studienzeiten an langwierige und langjährige Auseinandersetzungen um das „allgemeinpolitische Mandat“ der ASten, die im Ergebnis von den Gerichten ziemlich durchgehend so entschieden wurden, dass ASten eben was zur Hochschulpolitik sagen dürfen, und zu sonstigen Themen die Klappe zu halten haben, weil sie dafür nicht zuständig und nicht gewählt sind. Wenn es da um Veranstaltungen des RCDS oder der JuLis ging, wurde solche Urteile kräftig beklatscht, waren diese auf der Klägerseite, war das Geheule groß.

      An der Teilnahme an politischen Diskussionen per se ist ja nichts falsch. Wer studiert, ist i.d.R. 18 Jahre alt und kann sich daher jeder Partei anschließen, die ihm liegt. Und in der Suche nach dem besseren Argument, in dem Ringen miteinander im rhetorischen Diskurs, würde ja ein Lerneffekt liegen können, ein spielerisches Simulieren dessen, was einst der Abschluss des Studiums war: die mündliche, öffentlichen Disputation, die Verteidigung der Abschlussschrift.

      Neu scheint mir zu sein, dass die Gemüter und die Themen derart simpel und schlicht geworden sind, dass mehr als ein Austausch von Worthülsen nicht mehr stattfindet. Das scheint mir mehr als nur die Weigerung zu sein, sich mit etwas wie einer Gegenmeinung oder einem Argument auseinanderzusetzen, es ist schlicht Unfähigkeit. Die aggressiven Reaktionen sind im Grunde nicht viel anders als die einer Horde Schimpansen, die überraschend auf eine Gefahr stoßen: Gekreische und großes Palaver miteinander, um sich der Geschlossenheit der Gruppe in der Abwehr vor dem Feind zu vergewissern, Abstand halten, Drohgebärden. Ob es sich bei der „Gefahr“ um eine echte Gefahr wie z.B. eine Schlange oder Raubkatze handelt, oder um ein in den Käfig geworfenes pinkes Stück Wuschelflokati, ist einerlei.

  9. corvusalbusberlin says:

    „….zu meiner Zeit ging es da um Alkohol und das andere Geschlecht. “

    Ja, das waren noch Zeiten.

  10. Hosenmatz says:

    „Warum soll eigentlich ein Einwanderer gratis erhalten, wofür diejenigen, die schon hier sind, jahrzehntelang hart gearbeitet haben?“

    Natürlich stößt den AstAnern solch ein Satz sauer auf, schließlich wollen sie sich später auch durch den Steuerzahler auf hochdotierten Posten, die keinerlei Nutzen erzeugen, aushalten lassen. Und wenn das jemand hinterfragen würde – nicht auszudenken! 🙂

    • corvusalbusberlin says:

      @ Hosenmatz

      „Warum soll eigentlich ein Einwanderer gratis erhalten, wofür diejenigen, die schon hier sind, jahrzehntelang hart gearbeitet haben?“

      Sie zitieren einen Satz aus meinem Kommentar , (corvusalbusberlin 23.Okt.6:46) der immer noch auf Freischaltung wartet. (24.Okt. 201613:58 /25)
      Wie ist denn das möglich?

  11. Alfred Marenberg says:

    Zu der im dritten Absatz gestellten Frage: Woher kommt die Angst vor anderen Meinungen?
    Früher war zum Besuch einer Universität die Grundvoraussetzung: Der IQ musste / sollte leicht im Überschussbereich liegen.
    Heute? Sie finden die Antwort im nächsten Siencefiles-Kommentar…..und nicht nur dort…..

  12. tm170169 says:

    Ich liebe euch (Außer an den Tagen an denen ich des Kleinen penetrierende Kleinlichkeiten hasse). 🙂

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