Umfrage: LINKE ist Sammelbecken der Verlierer

Frage: Man spricht häufiger von Gewinnern und Verlierern der gesellschaftlichen Entwicklung. Was würden Sie von sich selbst sagen: Fühlen Sie sich eher auf der Gewinner- oder der Verliererseite?

Infratest Dimap hat diese Frage gestellt. 1.031 Deutsche im Alter von mindestens 18 Jahren haben die Frage vom 23. bis zum 25. November beantwortet. 61% der Befragten fühlen sich auf der Gewinnerseite, 21% sehen sich auf der Seite der Verlierer des gesellschaftlichen Wandels und 18% wissen nicht, wohin sie gehören.

Verlierer, Globalisierungsverlierer, Modernisierungsverlierer, Menschen, denen eine Angst vor dem gesellschaftlichen Wandel unterstellt wird, sind ein beliebtes Motiv in der Sozialwissenschaft. Kaum einer, der sich berufen fühlt, seinen wissenschaftlichen Senf zum gesellschaftlichen Wandel zu geben, greift nicht auf das Motiv des Verlierers zurück.

Zum Beispiel in der „Gespaltene Mitte“ Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, einem großangelegten Versuch, Menschen, die mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung Probleme haben, zu diskreditieren:

“Ein anderer Teil reagiert hingegen mit Hass und Wut. Auch hier mögen diffuse Ängste die Wut begleiten, wobei es sich offenbar eher um eine Angst vor Statusverlust in einer Gesellschaft handelt, in der etliche der alteingesessenen Mehrheitsbevölkerung Vormacht und Dominanz erwarten beziehungsweise einfordern.“

Gesellschaftlicher Wandel wird in Studien, wie der „Gespaltene Mitte“ Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung oder der „Enthemmte Mitte“ Studie der Hans-Böckler- und der Rosa-Luxemburg Stiftung immer und ausschließlich als ein Problem dargestellt, an dem Rechte zu knabbern haben: Sie sind die Verlierer des gesellschaftlichen Wandels, sie sind die Modernisierungs-, die Globalisierungsverlierer, sie bleiben auf der Strecke und wenden sich deshalb den Angeboten des Rechtsextremismus zu.

Heitmeyer rechtsextreme JugendlicheDiese Erklärungsschiene wird spätestens seit 1988 mehrspurig befahren, denn im Jahr 1988 hat Wilhelm Heitmeyer sein Buch mit dem Titel „Rechtsextremistische Orientierungen bei Jugendlichen: empirische Ergebnisse und Erklärungsmuster einer Untersuchung zur politischen Sozialisation“ veröffentlich.

Seither ist der Zusammenhang zwischen Verlierern und Rechtsextremismus, oder Rechtspopulismus (Spier 2010) fest gebucht. Die „Modernisierungsverlierer, die sich im unteren Drittel unserer Zwei-Drittel-Gesellschaft bewegen“ (Pilz 1994: 27) sind es vor allem, die „autoritär-nationalistische Orientierungen zeigen“ (Pilz 1994: 27).

Wann immer eine Bewegung oder eine Partei auftaucht, die der rechten Seite des politischen Spektrums zugeordnet werden kann, ist die Verlierererklärung schon da. Noch bevor es ein Datum oder eine Untersuchung zu der neuen Bewegung oder Partei gibt, ist klar: Das sind Verlierer, Menschen, die zurückgeblieben sind, die mit dem gesellschaftlichen Wandel und der Veränderung in modernen Gesellschaften nicht klar kommen und deshalb mit Angst vor Statusverlust oder mit Angst vor allem Neuen und Fremden reagieren und rechte Parteien wählen oder sich rechten Parteien oder Bewegungen anschließen.

Die Verlierererklärung ist ein fester Bestandteil der politischen Kultur Deutschlands, und sie scheint die einzige Möglichkeit zu sein, mit der sich die politische Klasse Wandel begreiflich machen kann, Wandel der Wähler von ihnen weg und anderen Parteien zuführt. Die Verlierererklärung hat auch etwas, mit dem man sein eigenes Ego als Mainstream-Angehöriger pflegen kann, kann man doch auf diejenigen, die einen gesellschaftlichen Wandel befördern, mit dem wiederum die Mainstream-Angehörigen nicht klarkommen, heruntersehen, sie als Zurückgebliebene, als Verlierer, als Menschen verleumden, die mit dem gesellschaftlichen Wandel nicht klarkommen, die von gestern sind, traditionell und dumm.

Die ganze schöne neue Welt, die Fortschritt, moderne Einstellung und Werthaltung, Erfolg auf der linken Seite der Gewinner und Zurückbleiben, Verlust, altmodische Einstellung und Werthaltung auf der rechten Seite der Verlierer verortet, sie hat einen Makel: Sie ist schlicht und ergreifend falsch.

infratest-verlierer

Verlierer finden sich auch auf der rechten Seiten des politischen Spektrums, aber sie finden sich häufiger auf der linken Seite, bei der LINKEN, die ein Sammelbecken derer ist, die mit der modernen Gesellschaft, mit ihren Veränderungen und ihrem Wandel nicht klarkommen, die sich selbst als Verlierer der gesellschaftlichen Entwicklung bezeichnen.

Dieses Ergebnis – man kann es kaum glauben – hat Infratest Dimap produziert. Ob die Meinungsforscher wissen, auf welcher Art von Sprengstoff sie da sitzen? Sprengstoff nämlich, der die ganze schöne heile Welt der Linken, der angeblich Fortschrittlichen, die angeblich für die Armen kämpfen und deren Los verbessern wollen, zum Einsturz bringt, denn die LINKE, sie entpuppt sich als Partei der Verlierer, der Übriggebliebenen, Ewiggestrigen, die sich nicht an den gesellschaftlichen Wandel anpassen können, die auf der Strecke bleiben und entsprechend wohl autoritär-nationale, national-sozialistische Einstellungen entwickeln … Wenn also demnächst wieder linke Berufsdemonstranten gegen den G20-Gipfel auf die Straße gehen und vorgeben, sie würden für soziale Schwache kämpfen, dann stimmt das tatsächlich: Sie kämpfen für sich, denn sie sind die sozial Schwachen. Sie kämpfen für Anschluss an die Gesellschaft, die sich so schnell von ihnen weg entwickelt, denn sie sind die eigentlichen Verlierer, die eigentlichen Modernisierungsverlierer.

Literatur:

Pilz, Günter A. (1994). Jugend, Gewalt und Rechtsextremismus. Möglichkeiten und Notwendigkeiten politischen, polizeilichen, (sozial-)pädagogischen und individuellen Handelns.  Münster: LIT.

Spier, Tim (2010). Modernisierungesverlierer? Die Wählerschaft rechtspopulistischer Parteien in Westeuropa. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

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14 Responses to Umfrage: LINKE ist Sammelbecken der Verlierer

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  3. dazu muß man kein Wissenschaftler sein sagt:

    Das die Linken „die ständig zu kurz gekommenen“ sind, zu der Erkenntnis bin ich schon vor über 30 Jahren gekommen bei der Betrachtung der frühen kommunistischen Bewegungen.
    Aggressivität war auch schon immer für den größten Teil derer ein Markenzeichen.

    • Wenn man die eigene Erkenntnis zu mehr als einem Schwank aus dem Leben eines Kommentatoren machen will, dann muss man dazu Wissenschaftler sein!

      • dazu muß man kein Wissenschaftler sein sagt:

        Das Problem ist das nicht jeder Bürger der zu Erkenntnissen kommt ein Wissenschaftler werden kann. Wissenschaftler benötigen auch Leute die mit den Erkenntnissen mit gehen. Ohne Volk was ihnen glaubt sind ihre Erkenntnisse so gut wie wertlos.
        Ein weiteres Problem besteht das Wissenschaftler „Erkenntnisse“ verbreiten können die oft wahrer Unfug sind und von vielen die keine eigenen Erkenntnisse haben geglaubt werden.
        Haben aber normale Interessierte, Erkenntnisse die der Realität nahe kommen werden sie bestenfalls verlacht und schlechten falls bekämpft.
        Kommentatoren können auch denkende Menschen sein, nicht jeder muss direkt ein Weltverbesserer sein. Es reicht auch ein kleines Rädchen zu sein.

        • Wenn Sie auf ScienceFiles mitlesen, dann wissen Sie, dass es eine wissenschaftliche Methode gibt. Entsprechend muss man die Ergebnisse von Wissenschaftlern nicht glauben, man kann sie prüfen.

          Das Problem, das Sie ansprechen und auf das ich Ihnen etwas pointiert geantwortet habe, besteht darin, dass eine Einzelaussage eine Einzelaussage ist. Uns interessieren aber nicht Einzelaussagen, sondern Muster in der Wirklichkeit, Zusammenhänge, allgemeine Aussagen, die es erlauben, nicht nur über einen einzigen Fall etwas auszusagen, sondern über eine Vielzahl von Fällen. Um dies zu ermöglichen, gibt es besagte wissenschaftliche Methode.

          Und nur weil es diese Methode gibt, die bestimmte Erkenntnisse ermöglicht, können Sie im vorliegenden Fall sagen, dass ihre Alltagserfahrung damit übereinstimmt. Wenn es das Ergebnis, von dem wir berichten, nicht gegeben hätte, was hätten Sie dann mit ihrer einen Beobachtung angefangen und wie hätten Sie deren Relevanz oder Richtigkeit begründet?

          • dazu muß man kein Wissenschaftler sein sagt:

            Bei meiner Beobachtung handelt es sich sich nicht um einen Einzelfall, es handelt sich um viele Fälle. In meiner engeren und weiteren Verwandtschaft befanden sich schon seit der Weimarer Republik einige Kommunisten. Einige werden in den Meikowskiprozessakten erwähnt. Des weiteren habe ich in meiner Jugend viele Bücher über wahre Begebenheiten der Kommunistischen Bewegung gelesen die mir von Zeitzeugen nahgelegt wurden. Mit erstaunen mußte ich feststellen das einige von den Büchern zu späterer Zeit in der DDR klamm heimlich vom Markt und aus den Bibliotheken verschwunden waren. Warum? Ich hab da so meine Vorstellung. Nur durch die Erkenntnisse hat mich einiges davon abgehalten auch den Linken Weg einzuschlagen und nicht die Ergebnisse von wissenschaftlichen Erkenntnissen.
            So das muß reichen. Ich habe bis jetzt nicht gewußt das man bei Ihnen Kommentare abgeben muss die auch wissenschaftliche Abhandlungen haben.
            Hätten Wissenschaftler was anderes geschrieben wüßte ich was ich davon zu halten habe.
            Erkenntnistheorie hin oder her wenn die Ergebnisse nicht mit der Realität übereinstimmen denn ist wohl nicht die Realität daran schuld.

            • Worüber streiten wir dann? Sie haben offensichtlich eine Reihe von Belegen für eine Hypothese gesammelt, die Sie hatten und sind entsprechend wissenschaftlich vorgegangen.
              Wo also ist das Problem?

              P.S.
              Sie haben eine falsche Vorstellung davon, was eine Erkenntnistheorie ist. Erkenntnistheorie beschäftigt sich mit der Möglichkeit von Erkenntnis. Es geht also gerade darum sicherzustellen, dass wissenschaftliche Sätze mit der Wirklichkeit übereinstimmen.

  4. p.j.media sagt:

    Kein Wunder.
    Links ist die Ideologie der Glorifizierung des Verlierens und Scheiterns und jeglicher Verantwortungsleugnung, die Ideologie des Empfangens (genauer: Rationalisierens des Ausbeutens anderer) und der Passivität.

    Ohne das Verlieren könnte diese Ideologie nicht existieren, darum produriert die Opfer so hart sie kann, und sabotiert jeglichen Erfolg mit krankhaft-energisch.

  5. Einstein sagt:

    Und diese Versager haben sich massenhaft im öffentlichen Dienst, der links-grün versifft ist, ausgebreitet. In diesem linkslastigen Milieu, von keinem Leistungs- oder Entlassungsdruck berührt fristen sie ihr parisitäres Dasein. Dann wagen es diese, keinerlei Wertschöpfung erbringenden Typen, die von der wertschöpfenden Arbeit der Minderheit leben, auch noch zu streiken und an jene ,die sie mit ihrer Arbeit ernähren, auch noch horrende Forderungen zu stellen und diese arbeitenden Menschen mit weiteren Steuern zu belasten. Inzwischen verdienen diese öffentlichen Müßiggänger, mehr als viele produktiven Arbeiter. Diese Verdi sollte als Terrororganisation gegen die Steuerzahler, verboten werden. wenn den Müllkutschern dann das horrende Geld immer noch nicht reicht, sollen sie nach USA abhauen, viele gebeutelte Schichtarbeiter übernehmen gerne diesen Job. Da aber diese Typen gerne in der roten SA gegen das Volk aufmarschieren, sind die nächsten Lohnforderungen schon genehmigt, solange der blöde Michel zahlt.

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  7. whgreiner sagt:

    Da schlägt wohl auch ein uraltes Vorurteil durch: meine Generation (um 1950 geboren, somit die Generation der jetzt Herrschenden) ist mit der oft geäußerten Befürchtung aufgewachsen, die Leute würden sich wieder den Nazis zuwenden, sobald es ihnen schlechter ginge. Das galt damals als eine Art Naturgesetz und wurde von niemandem bezweifelt. In der undifferenzierten Gleichsetzung jeglicher Opposition mit „Nazis“ steckt heute wohl nicht nur Kalkül, sondern auch jene nie hinterfragte Grundüberzeugung aus der Kindheit und Jugend.

  8. A.S. sagt:

    Diese Fehleinschätzung erklärt auch die Hilflosigkeit, mit der Vertreter der etablierten Parteien (und Journalisten) den Phänomenen AfD und Pegida gegenüber stehen.
    Der Gedanke, dass sich in der AfD Leute sammeln, die ohne Lebenskriese einfach eine andere Meinung haben, scheint den kompletten Bundestag und den gesamten öffentlichen Rundfunk zu überfordern.

    Erschreckend wenn das die Elite sein soll ……

  9. Uranus sagt:

    Das ist das Erfreuliche an der Veröffentlichung solcher Umfragen. Neben den eigentlichen Gründen für eine Veröffentlichung wird zuweilen unbeabsichtigt etwas der Öffentlichkeit offenbart, was die Veröffentlicher so gar nicht offenbaren wollten. Zumindest glaube ich nicht, daß es gewollt war, nun in aller Deutlichkeit jedem Betrachter der Grafik ausgerechnet die Anhänger der Linken als diejenigen aufzuzeigen, die sich selbst von allen befragten Parteianhänger-Gruppierungen als die größten Verlierer der gesellschaftlichen Entwicklung sehen.

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