Universität Flensburg: Die Germanistik rettet Europa – Kein Witz!

Manche Pressemeldungen sind einfach zu köstlich, als dass wir sie unseren Lesern vorenthalten könnten:

„Die Zeit ist reif, sich dem zuzuwenden, was allzu oft vergessen oder gar verleugnet wird: Europa ist eine literarische, an Bildung und Dialog, Verständnis und Solidarität gebundene Idee, deren Verwirklichung nicht allein davon abhängt, dass man die Kräfte des freien Marktes entfesselt und ihnen alles Weitere überlässt“, sagt Iulia Patrut. „Wenn eines aus der Literatur- und Kulturgeschichte Europas klar wird, dann ist es dies: ‘Rettung’ kann es nur durch kritische Selbstreflexion und achtsame Auseinandersetzung mit dem Gegenüber geben. Beides gehört lange schon in die Domäne der Literatur, die schon transeuropäische und kolonialismuskritische Züge hatte, als es noch starre politische und religiöse Grenzen gab.“

Die reife Zeit soll auf der diesjährigen Tagung der Gesellschaft für interkulturelle Germanistik (GiG), die vom 9. bis 15. September 2017 an der Europa-Universität Flensburg stattfindet, ausgenutzt werden. Dort soll Europa gerettet werden, und zwar durch Selbstreflexion, kritische versteht sich, nicht etwa durch den freien Markt, denn der Mensch lebt nicht vom Brot alleine, auch wenn er ohne Brot nur kurz lebt.

Das kurze selbstreflexive und kritische Leben, wie es sich in der Literatur- und Kunstgeschichte Europas findet, es ist allein im Stande, Europa zu retten. Julia Patrut, die in Flensburg als Professorin für Neuere deutsche Literaturwissenschaft geführt wird, meint natürlich die EU, nicht Europa. Aber mit derartigen Winzigkeiten von ein paar Tausend Kilometern können wir uns nicht befassen, wenn es um die Achtsamkeit und vor allem die Rettung von, egal, von etwas Europäischem geht.

Dann heißt es, Selbstreflexion und Achtsamkeit sind aller Rettung Anfang. Wir haben daher eine kleine Leseliste der Selbstreflexion zur Rettung der EU oder Europas oder von was auch immer zusammengestellt. Rette sich, wer kann:

Anleitung zur ultimativen Rettung findet sich in „Die Leiden des jungen Werther“, von Johann Wolfgang von Goethe. Wer es gerne wissenschaftlicher hat und sich eher ködern als retten lassen will, der lese den (nicht die) Faust, selbstreflexiv natürlich. Habe nun, ach Goethe, Schiller und Lessing und leider auch Böll selbstreflexiv studiert, in heißem Bemühen, Europa (oder war es die EU?) zu retten. Da steh‘ ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.

Jedem, der mehr an der romantischen Selbstreflexion zur Rettung Europas, vielleicht auch der EU interessiert ist, dem empfehlen wir den blonden Eckbert <7a>von Ludwig Tieck. Wer diese Lektüre unbeschadet überstanden hat, dem empfehlen wir die Selbstreflexion mit der Deutschstunde von Siegfried Lenz. Das hat noch jedem den Rest gegeben.

Natürlich haben wir auch Literatur für diejenigen im Angebot, die die EU oder Europa oder welchen Teil des Kontinents, den man Europa nennt, auch immer, selbstreflexiv retten wollen: In den Stahlgewittern von Ernst Jünger, ist die Selbstreflexion besonders genehm und wer lieber agiert als sich im Graben zu ducken, dem empfehlen wir das Strategiebuch von Erwin Rommel „Infantrie greift“ an.

Nun ist Europa ja international. Also müssen auch Bücher nichtdeutscher Literaten – in deutscher Übersetzung, versteht sich, die Selbstreflexion anleiten. Retten wir die europäische Erde zunächst mit Leo Tolstoj, der in Krieg und Frieden viel verbrannte Erde und den misslungenen Versuch, Russland an das europäische Festland anzuschließen, beschreibt. Ähnlich vergeblich sind auch die selbstreflexiven Versuche einer Phantasiewelt-Rettung, die Miguel de Cervantes für seinen Helden (Don Quijote) <7a>beschreibt. Die Wonnen des europäischen Miteinanders reflektiert Charles Dickens in seiner Geschichte zweier Städte und wem die europäische Idee, die man aus der Literaturgeschichte entnehmen kann, immer noch nicht reicht, um Europa zu retten, der kann gerne bei Moliere nachlesen, warum er besser zum Misanthrop denn zum Weltenretter geworden wäre.

Die Erfahrungen, die unsere Leser bei ihrem Versuch, die europäische Welt selbstreflexiv zu retten machen, bitten wir, uns mitzuteilen. Falls jemand bei diesem Versuch zu dem Geheimnis eines Lebens ohne ständiges Aufsuchen der Stätten marktwirtschaftlicher Völlerei und Konsums, also Lidl oder Aldi, vordringt, so darf er die Kunst der Askese gerne mitteilen und weitere Leser vor den Fängen der Milliardäre, die mit ihren marktwirtschaftlichen Netzen verirrte Seelen einfangen, retten – selbstreflexiv und kritisch versteht sich.

Und natürlich haben wir auch aus der Kunstgeschichte Europas ein Werk entnommen, das den Zustand, den kläglichen Zustand, in dem sich die kontinentaleuropäischen Hochschulen trotz aller Selbstreflexion oder wegen all der Selbstreflexion befinden, anschaulich und sehr grafisch beschreibt:

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