Folge des Staatsfemimismus: Grundschullehrermangel

Die Bertelsmänner schlagen Alarm. In den Grundschulen fehlen Lehrkräfte: Bis 2025 müssten 105.000 Lehrkräfte neu eingestellt werden. 60.000 der fehlenden Lehrkräfte würden fehlen, weil Lehrkräfte ausscheiden. Der Rest soll Mehrbedarf sein. Ausgebildet werden nach Berechnungen der Bertelsmänner aber nur 70.000 Lehrer für Grundschulen. Also, so die Bertelsmänner, fehlten mittelfristig 35.000 Grundschullehrer.

Nehmen wir die Zahlen der Bertelsmänner einmal so hin. Dann fehlen angeblich 35.000 Grundschullehrer. Das ist kein Wunder. Wer will heute noch Grundschullehrer werden? Der Beruf ist entwertet. Jahrzehnte des Staatsfeminismus haben dazu beigetragen, den Markt für Grundschullehrer zu einem Market for Lemons zu machen. 88,5% der Grundschullehrer waren im Jahr 2016 weiblich. 51,2% der weiblichen Grundschullehrer arbeiten Teilzeit oder stundenweise. Von den 11,5% verbliebenen männlichen Grundschullehrern arbeiten 64% Vollzeit, der Rest der männlichen Lehrer ist weitgehend als stundenweiser Aushilfslehrer beschäftigt, der vermutlich die Kartoffeln in Mathematik aus dem Feuer holen soll. Unter den Lehramtsstudenten, die Grundschullehrer werden wollen, sind Männer ein noch selteneres Gut. Und wie zumeist, wenn der Anteil von Männern in einem Beruf zurückgeht, sinken die Standards und in der Regel wird auch die Bezahlung schlechter. Das hängt im Wesentlichen damit zusammen, dass der Anteil der Vollzeittätigen durch das Verschwinden von Männern zurückgeht. Von 54% auf knapp 47% ist er an Grundschulen im Verlauf der letzten 25 Jahre gesunken. Der Anteil der Teilzeitlehrer und der stundenweise beschäftigten Lehrer ist dagegen gestiegen.

Eigentlich ist es eine Binsenweisheit, aber man muss sie in Zeiten des Staatsfeminismus regelmäßig wiederholen, weil Genderisten so fest an die Eierlegendewollmilchsau glauben, dass man fast gerührt sein könnte: Kompetenz und Wissen sind in weiten Teilen ein Ergebnis von Engagement und Erfahrung. Engagement und Erfahrung hängen insofern zusammen, als derjenige, der mehr Engagement zeigt auch mehr Erfahrung sammeln kann. Ein Lehrer, der sich seinem Beruf widmet und Vollzeit tätig ist, hat entsprechend mehr Erfahrung als ein Lehrer, der seinen Beruf nur teilweise ernst nimmt und sich ansonsten lieber um seine Familie kümmert. Das ist eine ganz normale Sache, die man in der Ökonomie über Lernkurven beschreibt, Lernkurven, die dazu führen, dass Vollzeitlehrer im Aggregat innerhalb von nur wenigen Jahren deutlich mehr Kompetenz, Versiertheit, eben Erfahrung in ihren Beruf erwerben und einbringen als diejenigen, die ihren Beruf nebenbei erledigen. Und weil dem so ist, sinkt die Qualität einer Tätigkeit im Aggregat, wenn der Anteil der Vollzeitbeschäftigten zurückgeht, denn das gesammelte Humankapital, über das z.B. Lehrer verfügen, wird geringer.

Dagegen kann man schimpfen. Man kann mit den Fuß aufstampfen, rot im Gesicht anlaufen und sich die Ohren zuhalten, aber man kann es nicht ändern: Vollzeitlehrer haben mehr Kompetenz und Erfahrung als Teilzeitlehrer (das ist eine Gruppenaussage!).

Ein weiteres Problem, das mit Nebenbei-Lehrern einhergeht ist, dass man mehr Lehrer braucht, um das Stundenpatchwork, das früher Stundenplan hieß, zu füllen. Dies wird anhand der folgenden Abbildung sehr deutlich, in der wir die Zahl der Grundschüler mit der Gesamtzahl der Lehrer verrechnet haben. Eigentlich ist das Verhältnis von Schülern zu Lehrern an Grundschulen seit 1996 stetig zu Gunsten der Schüler besser geworden: Mussten sich 1996 noch 17 Schüler einen Grundschullehrer teilen, waren es 2016 nur 12 Schüler, die auf einen Grundschullehrer gekommen sind (Wer erinnert sich noch an seine Grundschulzeit als es möglich war, 30 Schülern und oftmals mehr Unterricht zu erteilen?). Uneigentlich hat der Teilzeit-Boom, den der Staatsfeminismus geschaffen hat, dazu geführt, dass sich das Verhältnis von Schülern zu Lehrern obwohl im Gesamt weniger Schüler mehr Lehrern gegenüberstehen, kaum verändert hat. Denn mehr Lehrer arbeiten in Teilzeit.

Angesichts dieses immensen Potentials von Teilzeitlehrern von einem Lehrermangel zu sprechen, erscheint nicht nur vordergründig als Panikmache. Tatsächlich ist es so, dass die Grundschullehrer, die aus Altersgründen ausscheiden, leicht durch die Absolventen, die an Hochschulen ausgebildet werden, ersetzt werden könnten, wenn da nicht die Kleinigkeit wäre, dass ältere Lehrer, auch ältere Lehrerinnen in der Regel Vollzeit arbeiten, während jüngere Lehrerinnen den Lehrerberuf als Nebentätigkeit praktizieren. Deshalb braucht man heutzutage mehr als 70.000 Absolventen um rund 60.000 ausscheidende Grundschullehrer zu ersetzen, denn die 224.119 Lehrer, die 2016 an deutschen Grundschulen beschäftigt waren, erteilen in der Summe weniger Unterrichtsstunden als die 219963, die 1995 an deutschen Grundschulen beschäftigt waren.

Dass dem so ist, ist ein Ergebnis des Staatsfeminismus, der nicht nur die Entprofessionalisierung von Berufen zu verantworten hat, er ist auch dafür verantwortlich, dass Absolventen, die von Hochschulen kommen, immer seltener nach einem Beruf Ausschau halten und immer öfter auf der Suche nach einer Nebenbeschäftigung, die sie zur Freizeit fügen können, sind. Dass dabei die Unterrichtsqualität leidet, ist eine Konsequenz, deren Logik wir oben beschrieben haben. Dass sich der Lehrermangel an Grundschulen verschärft, wie die Bertelsmann-Stiftung schreibt, ist eine Folge der Gender-Idiotie, die in Deutschland herrscht. Dass man bei der Bertelsmann-Stiftung der Ansicht ist, man müsste „Anreize für Mehrarbeit“ bei Teilzeitkräften setzen und die Pensionäre zu einem längeren Einsatz in Grundschulen bewegen, ist nicht nur das Eingeständnis eines vollständigen Scheiterns, es ist auch eine Unverschämtheit.

Wie irre ist es eigentlich, wenn man Teilzeitlehrern einen zusätzlichen Anreiz setzen muss, damit sie sich bereiterklären ihre Arbeit in Vollzeit machen? Und wie unverschämt ist es, wenn man diejenigen, die ihr Leben lang und im Gegensatz zu jüngeren Lehrern in Vollzeit, gearbeitet haben, dazu benutzen will, um für den Staatsfeminismus die Kartoffeln aus dem Feuer holen zu lassen, nur weil niemand den Mut aufbringt, die Verantwortung, für die hausgemachte Katastrophe zu übernehmen, die darin besteht, dass die meisten Menschen dann, wenn man ihnen sagt, dass sie nicht voll arbeiten müssen und statt dessen staatliche Kinderbetreuung in Anspruch nehmen und sich vor den Fernseher setzen können, genau das tun werden?

Der Staatsfeminismus hat seit Jahren Leistung und Leistungsbereitschaft untergraben und nun sollen ausgerechnet diejenigen, die sich durch Vollzeitarbeit dagegen gestellt haben, benutzt werden, um die Folgen dieser hausgemachten Probleme zu reduzieren?

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12 Responses to Folge des Staatsfemimismus: Grundschullehrermangel

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  2. Jürgen M. Backhaus says:

    Also die steile These vom Staatsfeminismus, sollten Sie vielleicht noch etwas unterfüttern, zumal die Verantwortung der Schulen (noch) bei den Ländern liegt. Bonobo-Politik sieht eigentlich anders aus (z.B bei Tomas Spahn nachlesen) und ist, z.B. in Bayern, relativ unterrepräsentiert (hoffe ich). Man muss nicht pauschalen Unsinn der Bertelsmänner, die ihre Berechnungszahlen irrigerweise bundesweit aufstellen, für irgendwie relevant erachten. In diesem Fall nehme ich an, genügte es auf den vermutlich anmaßenden bundesweiten Kontext hinzuweisen. Hier soll doch nur davon abgelenkt werden, dass einige besonders “sozialgerechte” Bundesländer ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben?

    Dass Gender Mainstreaming nur erfunden wurde um bei Bedarf gefällige Statements oder unsinnige Zustimmung zu (absurden) staatlichen Projekten zu erlangen, würde ich allerdings pauschal mittragen, (reicht sogar bis in das BVerfG).

    Öffentliche Träger können auf diese Weise auch reduzierte Leistung zu reduzierten Kosten ausweisen, denn nach Leistung und Erfahrung fragt außer Ihnen und einigen älteren Jahrgängen wohl sonst niemand mehr. Hmm, Leistung und Erfahrung, was soll das sein? So gesehen haben Sie natürlich recht, wenn Sie den neuen Patchworkstaatsbetrieb kritisch erörtern.

    • Fiete says:

      @ Jürgen M. Backhaus:
      “Also die steile These vom Staatsfeminismus, sollten Sie vielleicht noch etwas unterfüttern, …”
      Wie kommst Du darauf, daß eine offizielle regierungspolitisch umgesetzte Praxis eine These wäre? Wessen denn?
      Diese, von Dir aufgestellte These, solltest Du doch erstmal, wenn möglich ein wenig unterfüttern.

      Übrigens hat der Blog von Sciencefiles.org eine Suchfunktion, wo mit etwas Geduld sicherlich ein paar Dutzend Belege für die Existenz und die entsprechenden Praxisbeispiele für angewandten Staatsfeminismus zu finden sind.

      • Jürgen M. Backhaus says:

        Oh. ein anonymes Sensibelchen …, ist mir aber auch so was auch von peinlich….

      • Jürgen M. Backhaus says:

        kleine Ergänzung zur Kritik von “Fiete”

        Liebes Jüngelchen, ich kann mich erinnern Ihnen ein Du angeboten zu haben. Wenn Sie deutsch schreiben, aber englisch denken, ist das Ihr Problem. Im Übrigen erledigt sich für mich jeder Dialog mit Leuten, die Deutungshoheit für sich beanspruchen. Das sind genau die Manieren, die Sie meinen kritisieren zu müssen. Ihr Beitrag (ich vermute Sie als Autor) war für den Schredder, weil Sie offensichtlich nicht erkannten, was die Bertelsmänner/-weiber eigentlich bezwecken, weiteren Zentralismus. Auf Ihre Antwort verzichte ich gerne. Danke. Die Kommentierung mit farblichen Symbolen rechts ist eigentlich etwas für den Kindergarten.

        • Jürgen M. Backhaus says:

          Richtigstellung : “… mich NICHT erinnern, Ihnen ein Du angeboten zu haben” . (Eine entsprechende Manipulation meines Textes wäre ziemlich geistlos).

          Aus “dem” Staatsfeminismus ist ja mittlerweile ganz kleinlaut ein “angewandter” Staatsfeminismus geworden. Schon besser. Für Borniertheit braucht man sich nicht zu entschuldigen. Korrigieren ist auch viel sinnhafter.

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  4. Gereon says:

    Ach… geschenkt. Frauen erschliessen sich eh alle Weisheit sensitiv /intuitiv und geben die Geheimnisse des Lebens untereinander weiter und auf Männer kommt es eh nicht an.

  5. merkelhasser says:

    Diese Pussy Republik, angeführt von Merkel und ihrer Kaffeekränzchenbande, führt zwangsläufig zum Abbau aller technisch, naturwissenschaftlichen Leistungen in dieser BRD. Wo ist die Doctorarbeit von Merkel, sie ist unauffindbar, so wie ihre Stasiakte. Der Irrglaube, Pussen wären die besseren Männer, führt in den Abgrund. Als alter Dipl.-Ing. kann ich nur mit gewisser Verachtung auf die Leistungen meiner sogenannten Kolleginnen zurückblicken. Gerade in den letzten Grundschuljahren sind Jungen etwas schwierig und den anpassungsfähigeren Mädels unterlegen und das insbesondere bei einer Tussi als Lehrkraft.Diese Jungs fehlen dann aber in allen Innovation fordernden Berufen. Mit Verwaltungskräften, Juristen, Sozialspinnern, Politologen u.s.w. kann das Land nicht bestehen. Was war und ist der Hintergrund für diesen Pussyterror? Nun, die lassen sich leichter leiten und erfüllen wie Arbeitsbienen ihre Aufträge und sind anpassungsbereiter und kommunikativer und ganau das brauchen die Endindustriealisierer
    der Globalisierung. Heraus kommen dann solche Ikonen wie Merkel, von der Layer, Maschmeier
    u.a. Es geht weiter abwärts, Hurra.

  6. Peter says:

    An mehreren Punkten in diesem Beitrag möchte ich gern einhaken:
    1. Gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Teilzeitlehrer schlechtere Ergebnisse bringen als Vollzeitlehrer? Gelten diese Erkenntnisse auch für Grundschulen?
    Ansonsten wäre das eine bloße Spekulation, dass dadurch der Unterricht schlechter wird. Meiner Erfahrung nach bemisst sich die Unterrichtsqualität in erster Linie in der Ausbildung und dem Engagement des Lehrers, nicht in der Arbeitszeit, die verrichtet wird.
    Außerdem: Ein Lehrer mit einer 2/3-Stelle (Teilzeit), der nur ein Fach unterrichtet, müsste nach der Logik des Autors besseren Unterricht machen als ein Vollzeitlehrer mit 2 oder 3 Fächern. Man müsste für diese Frage also auch die Anzahl der unterrichteten Fächer (und ggf. weitere Einflussfaktoren) berücksichtigen. Pauschal lässt sich dagegen von der Stundenzahl nicht auf die Qualität schließen.

    2. Der hohe Anteil weiblicher Grundschullehrer ist in erster Linie eine Interessensfrage. Keinem Mann wird das Studium oder der Zugang zum Grundschullehrerdasein verwehrt.
    Der Philologenverband sagt dazu, dass Männer gute Alternativen zum Lehrerberuf auf dem Arbeitsmarkt fänden. Für Frauen sei das Lehramt interessant, weil es die Kombination von Familie und Beruf erleichtere.

    Und der VBE-Vorsitzende meint, Pädagogische Berufe hätten nicht genügend Wertschätzung. „Und das alte Rollenbild, Erziehung sei eine Frauen-Aufgabe, scheint immer noch in vielen Köpfen verankert zu sein“
    https://www.derwesten.de/politik/lehrer-wird-zum-frauenberuf-verbaende-sind-entsetzt-id9991065.html

    Demnach wäre der hohe und steigende Frauenanteil an den Grundschullehrern eine Folge persönlicher Präferenzen in Verbindung mit einem allgemein steigenden Frauenanteil im Lehrerberuf.

    3. Laut den statistischen Ämtern des Bundes und der Länder waren 2015/16 48 % aller weiblichen Lehrer Vollzeit tätig. Bei Männern waren es dagegen 74 %.
    https://www.statistik-bw.de/Statistik-Portal/de_jb04_jahrtab24sch.asp

    Ein Vergleich mit den vom Autor genannten Zahlen (48,8 % bzw. 64 %) zeigt, dass an Grundschulen ÜBERdurchschnittlich viele Männer, aber sogar leicht UNTERdurchschnittlich viele Frauen nicht Vollzeit arbeiten. Böse Zungen könnten jetzt sagen, auch die Männer tragen an der Grundschule ihren Anteil an einer geringeren Vollzeitquote.
    Jedenfalls ist der hohe Nicht-Vollzeit-Anteil von Frauen eine generelle Tendenz, die an Grundschulen nicht signifikant abweichend ist.

    Und das ist umso erstaunlicher, als die Bedingungen für Teilzeit-Tätigkeit an Grundschulen offenbar signifikant besser sind als an weiterführenden Einrichtungen.
    http://www.zeit.de/karriere/beruf/2016-04/oeffentlicher-dienst-arbeit-teilzeit-karriere/seite-2

    • Nomsm says:

      1.wie kommen Sie auf die Idee, dass Lehrerinnen nur ein Fach unterrichten und Lehrer mehrere? Das durch das Unterrichten eines Faches in Teilzeit, die Lehrkompetenz mehr steigen soll, als durch das Unterrichten mehrerer Fächer in Vollzeit, istvauch kompletter Unsinn, entscheidend dürfte die Gesamtunterrichtszeit sein.
      2. Für den Klassenverband und die einzelnen Schüler dürfte es sinnvoll sein Einen Lehrer für möglichst viele Fächer zu haben und dieser ist dann auch in der Lage den Gesamtforttschritt einzuschätzen.
      3. Auch für das Planen oder das Kompensieren von Unterrichtsausfällen dürfte es entscheidend sein, wenn ein Lehrer flexibel einsetzbar ist.

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