Von der Wissenschaft zur Staatsforschung: Universitäten als ideologische Haftanstalten

Pressmeldungen wie die folgende, sind leider zur Normalität geworden.

An der Universität (!sic) Hohenheim findet am 12. und 13. März ein Symposium „Glücksspiel“ statt. Im Vorfeld dieses Symposiums hat sich Dr. Tilman Becker, „Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim“ schon einmal verbal als guter Vasall seines Staates zu erkennen gegeben und sich bei seinem örtlichen Finanzamt und beim noch zu benennenden Finanzminister, sofern es in der 19. Legislaturperiode einen Finanzminister geben wird, angedient.

Deutschland, so befindet Herr Becker, sei „DAS Paradies für illegale Glücksspielanbieter … Schuld daran sei das Versagen der Länder bei der Glücksspielregulierung … Dem Staat sind 2015 Einnahmen von 490 Millionen Euro entgangen“.

Man stelle sich das einmal vor. Da gibt es Menschen in Deutschland, die gehen Online um dort an Glücksspielen teilzunehmen. Nicht genug damit, dass sie das in sie gesetzte Vertrauen, das mit der Gewährung eines Online-Zugangs, wenn auch eines sehr langsamen im europäischen Vergleich, in sie gesetzt wurde, missbrauchen, um Glück zu spielen, sie tun es auch noch bei illegalen Anbietern, also bei solchen, die nicht durch ein Bundesland lizensiert sind, die in Deutschland keine Ertrags-, Umsatz- und Vergnügungssteuer abführen, die die 20%, die z.B. auf den Einsatz beim Lotto als Steuer erhoben werden, nicht an den Fiskus abführen. Schlimmer noch: Der Staat hat keinerlei Zugriff auf die Gewinne, kann entsprechend keine Einkommenssteuer einfordern.

Das ist, was die, die sich derzeit den Hintern auf einer institutionellen Position in den Wissenschaften wärmen, für bedenklich halten: Menschen tun etwas, worüber ihr Staat keine Kontrolle hat. Sie tun etwas, das niemanden schädigt, das ihnen offensichtlich Spaß macht, aber woran ihr Staat nichts verdient. Und das findet Herr Becker bedenklich.

Alle Worte, die uns einfallen, um unsere Verachtung für eine derartige Andienforschung auszudrücken, sind nicht dazu geeignet, hier veröffentlicht zu werden. Deshalb belassen wir es bei einem Blick auf das, was die institutionellen Mundstücke des Staates, die von sich denken, sie seien Wissenschaftler, zerstört haben.

In den 1970er Jahren gab es Forscher wie Johannes Fesst und Erhard Blankenburg, die sich in Polizeiautos gesetzt haben, um herauszufinden, ob die Polizei als staatliche Institution Strafverfolgung differenziert durchführt. Stimmt es, dass man die Kleinen hängt und die Großen laufen lässt?

In den 1970er und 1980er Jahren haben eine Reihe von Kriminologen um Fritz Sack eine vollkommen verquere und falsche aber zumindest engagierte Version des Labeling Approach nach Deutschland gebracht und untersucht, ob Strafgesetze als Herrschaftsinstrumente einer sozialen Klasse eingesetzt werden, um ihre eigene Position in der sozialen Hierarchie zu sichern.

In den 1990er Jahren hat die Kommission des Sechsten Familienberichts einen Bericht erstellt, der im Bundesministeriums für Familie und all die anderen Missfallen erregt hat, da er sich kritisch mit den dortigen Politiken auseinandergesetzt hat.

Von den 1970er bis in die 2000er Jahre haben sich Wissenschaftler wie Hans Herbert von Arnim gegen die politische Korruption gewendet, die in Parteienklüngeln, den politischen Stiftungen der Parteien, die keine Stiftungen, sondern eingetragene Vereine sind und im Speckgürtel um Parteien und Ministerien, mit all ihren vielen Mäulern, die gestopft werden wollen, endemisch ist, und die Fehlentwicklungen in zahlreichen Publikationen kritisiert.

Beginnend mit den 1990er Jahren haben sich in Deutschland sogar Verwaltungswissenschaftler gefunden, die den Ansatz des New Public Managements, der nicht nur mehr Rechenschaft und Transparenz von Verwaltungen verlangt, sondern Wettbewerb einführen wollte, so dass selbst ein pomadiger Beamter noch auf Trap gebracht werden konnte, nach Deutschland übertragen wollten, um u.a. den Wildwuchs nutzloser Verwaltungsstellen einzudämmen.

Wissenschaftler wie Hartmut Esser oder Heike Diefenbach haben sich mit Regierenden angelegt und wieder und wieder darauf hingewiesen, dass die Politik im Bezug auf Migranten, die Bildung, die Bevorzugung von Frauen und vieles mehr, verfehlt ist. Andere wie Karl-Dieter Opp haben einen sehr mächtigen Erklärungsansatz mit Rational-Choice entwickelt, dem es zu verdanken ist, dass Soziologie und Politikwissenschaft an die Tür einer Normalwissenschaft geklopft haben, bevor sie von Gender Studies und Sozialismen aller Art in den Naturzustand einer nicht einmal Vorwissenschaft zurückgeworfen wurden.

Und was haben wir heute?
Heute haben wir politische Angestellte an Universitäten, die über staatliche Förderprogramme an Universitäten gehievt wurden, damit sie dort jederzeit instrumentalisiert werden können, um für Ministerien nützliche angebliche Forschung zu betreiben, also Papier zu füllen, auf das Ministerien dann verweisen können, um ihre Politiken zu legitimieren.

Wir haben Ministerien, die Wissenschaftler auffordern, sich an Projekten des Ministeriums zu beteiligen, nicht ohne diese Aufforderung mit den gewünschten Inhalten des angeblichen Projekts zu verbinden. Wir haben Legitimationsforscher, die sich beeilen, die Ergebnisse zu produzieren, die ihre politischen Herren von ihnen verlangen, so wie es z.B. die Abhängigen im Institut für Demokratieforschung in Göttingen getan haben, nur um dann einen Tritt in den Hintern zu bekommen, wenn der politische Auftraggeber mit seiner beabsichtigten Manipulation der Öffentlichkeit auf Grundlage der angeblichen Studie aus Göttingen nicht durchkommt.

Wir haben angebliche Wissenschaftler, die Konzepte wie Nudging erfinden, um dem Staat eine Handhabe zur Manipulation seiner Bevölkerung zu geben und darauf auch noch stolz sind.

Und wir haben Finanzbeamte wie Herrn Becker, die es nicht in die Oberfinanzdirektion geschafft haben und ihre Enttäuschung nun dadurch zu verarbeiten suchen, dass sie sich als Hilfsbeamten beim Finanzministerium andienen und allzeit bereit sind, die Seite des Staates gegen seine Bürger zu vertreten.

Und das ist, was am beklagenswertesten ist.

Die Wissenschaft als emanzipatorische Kraft ist in Deutschland nicht mehr vorhanden. Sie ist umfunktioniert worden zur dritten Kolonnen derjenigen, die gerade am Ruder sind und für die Dienste, die die Wissenschaftssklaven freiwillig erbringen, gerade bezahlen. Die Kritik, die Wissenschaft ausmacht, ist durch Anbiederung ersetzt. Die offene Forschung ist zur Legitimationsforschung verkommen. Die Suche nach Erkenntnis zur Fabrikation von Bestätigung für staatliche Vorgaben. Universitäten sind nicht mehr Stätten, an denen Ideen ausgetauscht werden, an denen die Freude am verfolgen neuartiger Gedanken herrscht, Universitäten sind zu ideologischen Haftanstalten geworden, an denen Gedanken den Ketten der politischen Korrektheit anheim gestellt sind. Die Insassen der Haftanstalten verdingen sich als Legitimationsbeschaffer, als Finanzbeamte, als Krämer für die Sache des Staates, sie schleimen und dienen sich bei der politischen Klasse an und verraten diejenigen, die sie finanzieren und denen sie eigentlich im Kampf um individuelle Freiheit und gegen den Staat beistehen müssten, wüssten sie noch, was die Idee der Wissenschaft ausmacht.

Aber das haben die meisten vergessen. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, sich anzubiedern, anzudienen, immer in der Hoffnung, ihre Talente zum Schleimen würden eines Tages erkannt und mit einer Stelle in einem Ministerium belohnt.

Universitäten waren einst Orte, an denen große Ideen entwickelt wurden, Träume verwirklicht wurden. Heute sind sie Orte, an denen die Familie mit dem Beruf vereinbart wird, die Lehre nur stattfinden kann, wenn der Universitätskindergarten seinen Lärmpegel auf unter 90 Dezibel senkt und Orte, an denen die Träume der Beschäftigten bei der Verbeamtung enden.

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One Response to Von der Wissenschaft zur Staatsforschung: Universitäten als ideologische Haftanstalten

  1. leipzigoma says:

    Sicher entgehen dem Staat Einnahmen, wenn die Bürger sich erdreisten, online um ihr Glück zu spielen. Was der Herr “Wissenschaftler” aber übersieht, ist, daß sich der Staat selbst um Einnahmen bringt. Glücksspiele existieren ja auch offline und in manchen Gegenden reiht sich ein solcher Laden an den anderen, die sind zumindest zum Teil auch nicht legal. Aber sie stellen eine Einnahmequelle für unsere Goldstücke und schöne Geldwaschanlagen dar. Natürlich kann niemand wollen, daß den Traumatisierten auch solche letzten ärmlichen Einnahmequellen entgehen. Die hatte der Herr Doktor bestimmt auch nicht im Auge.

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