Der Wert eines Menschenlebens [ScienceFiles-Experiment]

Moralische Dilemmata sind eines der liebsten Felder mancher Philosophen und Psychologen, denn mit ihnen lässt sich viel Information über die Prämissen, unter denen Menschen handeln und Gesellschaften funktionieren, gewinnen. Dies obwohl wir in einer Zeit der moralischen Leichtigkeit leben, in der es vor allem unter Akademikern schick geworden ist, moralische Fragen als etwas anzusehen, was eindeutlich, leicht und schnell zu entscheiden sei und keiner weiteren Überlegung bedarf. 

Man nennt das auch politische Korrektheit.

Politische Korrektheit ist letztlich nichts anderes als die Verweigerung des Denkens und der Versuch, den unangenehmen Realitäten des Lebens, die (Entscheidungs-)Situationen en masse bereithalten, die eben nicht eindeutig, schnell und leicht zu entscheiden sind, in denen man etwas von sich zeigen und einbringen muss, zu entgehen.

Politische Korrektheit ist gelebte moralische Feigheit.

Unsere Leser, die meisten von ihnen, stehen nicht im Verdacht, der politischen Korrektheit  zu frönen, sonst würden sie nicht bei uns lesen.

Und für unsere moralisch kompetenten und eigenverantwortlichen Leser haben wir ein kleines Experiment gezimmert, unsere ganz eigene Methode, den Wert-Hierarchien einer Gesellschaft auf die Spur zu kommen.

Wir hoffen, die Teilnahme macht Spaß.

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24 Responses to Der Wert eines Menschenlebens [ScienceFiles-Experiment]

  1. Jakob Sparrov says:

    Ich verstehe den Test nicht ganz!
    Warum sollte ich IRGENDJEMANDEN von irgendeiner Brücke auf irgendwelche Gleise stossen?
    Die restliche Story ist Blabla, das alles kann ich von meinem Standpunkt auf der Brücke nicht zweifelsfrei beurteilen, ist aber auch vollkommen irrelevant!
    Relevant ist einzig die Tatsache, dass ich mich striktest weigere irgendjemanden von einer Brücke zu stossen!

    • Stefan Dahlinger says:

      dieser Auffassung schließe ich mich “voll umfänglich” (wer hat das eigentlich mal gesagt??) an. Stefan Dahlinger.

  2. Rita Rührig says:

    Wenn 5 Personen derart dämlich sind, sich auf die Gleise zu stellen, dann gehören die aus dem Gen-Pool entfernt. Also warum einen, der nicht so dämlich ist töten???

  3. corusalbusberlin says:

    “Relevant ist einzig die Tatsache, dass ich mich striktest weigere irgendjemanden von einer Brücke zu stossen!”
    Vielleicht , wenn es um ihr Leben ginge?

    Ob Herr Klein den Gutmenschesn in uns herauskitzeln will?
    Fünf gegen einen. Das hat ja was für sich.
    Aber ich würde keinen Menschen runterstoßen, um 5 andere zu retten.
    Ich kenne den Menschen nicht, der da auf der Brücke steht. Es kann ein ganz besonders großartiger Mensch sein. Ich weiß es nicht.

    Und ich kenne die 5 Menschen nicht, die vom Zug üerrolt werden würden, wenn….
    Diese Fünfe könnten auch die größten Gauner sein.

    Aber mich selbst vor den Zug werfen würde ich auch nicht, das steht fest.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass einige für mich nicht mal über eine Pfütze springen würden, für die ich Seen wenn nicht sogar den Ozean überquert habe.
    Meinen Herzplüschmuskel habe ich also vor langer Zeit herausnehmen lassen.

    • Jakob Sparrov says:

      Um mein Leben gehts ja in dem Fall gar nicht! Es befindet sich ja kein Linksfaschist auf der Brücke!
      Ein bißchen Feigheit unterstell ich da dem Autor auch gleich, he, he!
      Denn ich vermisse oben erwähnten Linksfaschisten, der von der Brücke zu stossen (ZWINGEND, da Linksfaschist) gewesen wäre! He, he!

  4. Frank says:

    Wer sich todesmutig auf die Gleise stellt, muss mit den Risiken leben.

  5. Notwende says:

    Die Situation ist absurd. Jemanden mir völlig fremden zu töten, um mir ebenfalls fremde Menschen zu retten?
    Ich stoße niemanden in den Tod; egal, wieviele Leben das retten könnte!
    Anders sähe es freilich aus, wenn du z.B. als Scharfschütze den Auftrag hast, deine Kameraden vor Gefahren zu schützen.

  6. derPragmatiker says:

    Mit solchen und ähnlichen Fragen mußten sich früher Kriegsdienstverweigerer herumschlagen.
    In dem Experiment geht es nicht um Notwehr.

  7. Brigitte Schäffer says:

    Das sind rein theoretische Fragen, die nichts darüber aussagen, wie jemand wirklich ist. Wer schon einmal brenzlige Situationen erlebt hat, handelt positiv oder negativ. Danach weiß man, wer man ist.

  8. Günter Heß says:

    Entscheidend ist der Grundsatz, dass man kein Schicksal spielen darf. Deshalb wäre es zumindestens wohl Totschlag rechtlich gesehen, wenn man irgendjemanden von der Brücke stoßen würde, auch wenn es gute Absicht wäre.v
    Menschenleben sind zu achten, deshalb ist es keine Option jemanden zu töten, um andere zu retten. Würde man das anders sehen macht man ein Fass auf das unkontrollierbar ist.

  9. Skinner says:

    Das „Forschungsdesign“ ist von vornherein auf die Abfrage von eigenen Überzeugungen, auch im Sinne einer Social desirability entworfen und hat keinerlei Alltagsrelevanz, weil es mit im realen Leben in dieser Form niemals vorhandenen statistischen Gewissheiten agiert.

    • Marbald says:

      Das macht solche Gedankenexperimente auch immer merkwürdig abstrakt.

      Ich habe bei der ersten Frage nachgedacht:
      Warum stehen diese Menschen da? Machen sie das freiwillig, oder wurden sie gezwungen?
      Warum sollen sie dem Zug nicht ausweichen können (dass der Zug nicht bremsen kann, ist mir klar)?

      Und warum soll ich mich jetzt zum Herrn über Leben und tot aufspielen und eine Entscheidung treffen, obwohl ich die Situation überhaupt nicht ausreichend erfassen kann, schon gar nicht intuitiv.
      Selbst wenn jemand vor dem Bildschirm irgendwo mit “ja” antwortet, ist das noch was ganz anderes, als wenn jemand tatsächlich mit einer irgendwie ähnlichen Situation konfrontiert wird.

      Deswegen zielt dieses Experiment m. E. im Wesentlichen auf Unterschiede bei den Fragen ab, um zu ergründen, ob der Befragte diskriminiert, also seine Entscheidung zumindest in der Theorie von der politischen Einstellung der Personen abhängig macht (das Beispiel mit den Kindern mal ausgenommen).
      Vermutlich ist der Eintrag deswegen auch mit “der Wert eines Menschenlebens” überschrieben. Es geht um die Frage, ob Kinderleben mehr wert sind als andere oder ob Rechtsextreme oder Antifas gegenüber anderen minderwertigere Leben sind. Einigen Kommentaren hier zu urteilen, ist das bei manchen zumindest in der Theorie tatsächlich so.

  10. “Ich springe selbst über die Brücke auf die Gleise” fehlt noch.
    Das wäre die einzige Frage, über die ich kurz nachdenken würde.
    (Was ich auch getan habe. Resultat: Nein, würde ich nicht. Lieber Handy rausholen und ein paar Euro kassieren, wenn ich das Video an den Springer-Verlag verkaufe …:)

  11. Simon Templar says:

    Ich habe die Option vermisst, es steht niemand auf den Gleisen und es kommt auch gar kein Zug, aber 5 Antispasten stehen auf der Brücke. Meine Antwort: don’t tempt me!

  12. anon says:

    Das gute alte Trolley-Problem bzw. eine der Abwandlungen. Wird “interessant” zu sehen, wie viel politische Korrektheit in die Regulierung bspw. autonomer Fahrzeuge fließen wird.

    • Hannes says:

      Ja, wenn es um autonom fahrende Autos geht, dann wird auch immer wieder diskutiert, wie das Fahrzeug programmiert sein soll, wenn es um die Entscheidung geht entweder die Mutter mit Kinderwagen und Säugling zu überfahren oder alternativ den Rentner auf dem Bürgersteig.

      Auch so ein Unsinn, denn bei manuell gelenkten Autos gibt eine solche Situation erstens fast nie (vielleicht auch nie) und zweitens stellt der Autolenker dann auch keine große Überlegung darüber an, wen er jetzt überrollen soll. Dazu hat er gar keine Zeit. Er reagiert lediglich nicht rational gesteuert reflexartig indem er nach einer Seite lenkt oder auch nur auf die Bremse tritt. Aber eine Abwägung darüber, welche Person(en) er jetzt überrollen soll/will trifft er definitiv nicht.

      Da werden unwichtige Themen hochgespielt, die im realen Leben so gut wie keine Rolle spielen.

      • St. Elmo says:

        Eigentlich wird bei ihrem Beispiel garnicht diskutiert, da es hier um 1vs2 Leben geht und somit der Renter in ihrem Beispiel nicht mehr lange Rente bekommen würde.

        Bei ihrem Beispiel ist aber auch die Grundlegende Frage aus dem Brücke/Zug-Dilemma, handeln vs. nicht handeln schon beantwortet.
        Denn Nicht handeln ist hier ja gerade keine Option, da sonst niemand so ein autonomes Auto nutzen würde, wenn er im extremfall gezielt von seinem Wagen tödlich gegen die Wand gefahren wird, um das Leben von einer Gruppe von Passanten zu retten.
        Es geht beim Auto nur noch darum ob um A zu verhindern entweder Option B1 oder B2 genutzt wird.
        .
        Beim “Brücken/Zug” (bzw. “Weiche/Zug” oder Passagierflugzeug/Volles Olympiastadion u.ä.) Dilemma geht es aber um die Frage ob man A verhindern oder nicht verhindern, soll wenn um A zu verhindern Option B genutzt werden muss.

  13. xxx says:

    Der Verfasser hofft wahrscheinlich auf ein Ungleichgewicht zwischen den Aussagen, um Gut- oder Schlechtmenschentum zu entlarven. Den Kommentaren hier nach zu urteilen, ging das schief.

  14. Sven Kuchary says:

    Bis ca. 1983 haben sich viele junge Männer in Deutschland mit genau dieser moralischen Frage beschäftigen müssen: Das Entscheidungsdilemma bekam man früher als Wehrdienstverweigerer bei der “Gewissenprüfung” in dieser Form gestellt: Ob man den Bomber mit dem Piloten abschießen würde (und damit viele potentielle Bombenopfer rettet)?

    • Marbald says:

      Das ist aber nicht “genau diese” moralische Frage, sondern hat einen komplett anderen Kontext. Dort gibt es einen Aggressor (Bomberpilot), der in einer kriegerischen Situation einen Angriff plant, den man verhindern kann oder nicht. Es ist also eine Art Notwehr-Situation.
      Bei dem Zug-Dilemma hier gibt es weder einen Aggressor noch eine Kriegssituation. Hier geht es nur darum, eine unbeteiligte Person gegen fünf Opfer abzuwägen (oder eben auch nicht).

  15. Nils says:

    Ich gehe davon aus, das keinem hier kommentierenden irgendeiner von der Brücke fällt… geschubst oder auch nicht.
    Ich vermute eher, das die sog. Politisch korrekten eher dazu in der Lage sind einen Rechtsextremen für die Kinder zu opfern- Quod est…

  16. Roland says:

    DIe richtige Entscheidung ist weder A noch B, sondern erst zu schubsen, nachdem der Zug vorbeigezogen ist.

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