Die Rückkehr des „Ehrenariers“: Grüne und das Menschenmaterial „Flüchtling“

Es ist schon erstaunlich, welche Ideen wieder salonfähig werden in Deutschland. Weniger erstaunlich ist, dass der Faschismus wieder von links kommt.

[Jetzt kommt ein längeres Zitat aus einem Buch, das vermutlich die Aufmerksamkeitsspanne junger Leser überfordert. Sie können den grün hinterlegten Text gerne überspringen, müssen dann halt glauben, was wir unten schreiben.]

„Der Maler Anton Leidl aus München schrieb am 20. April 1942 an das Reichsinnenministerium und stellte eine heikle Frage. Er war von Dr. Paul Heisel, dem Chefchemiker der I.G. Farben in Gersthofen, gebeten worden zu erkunden, ob es »tatsächlich einen Ehrenarier-Pass gibt«. Leidl hatte seiner Anfrage eine Liste mit Erfindungen des Chemikers beigefügt, um dessen Bedeutung zu unterstreichen. Besonders befasste sich Heisel mit chemischen Kampfstoffen sowie mit Ausgangsstoffen für neuartige Sprengstoffe. Dennoch zeigte Leidl sich hinsichtlich einer positiven Beantwortung seines Briefes skeptisch, denn bei Heisel handelte es sich um einen sogenannten Halbjuden. Und die galten im »Dritten Reich« nicht viel, es sei denn, sie waren für die Kriegswirtschaft wichtig oder hatten einflussreiche Förderer. Zwar hatten sich die Werksleitung wie auch der zuständige NS-Gauobmann für Heisels Verbleib in dem Unternehmen eingesetzt, doch ob die Entscheidung zugunsten des Chefchemikers fallen würde, war mehr als unsicher. Einen »Ehrenarier«-Pass gebe es nicht, antwortete im Auftrag des Reichsinnenministers Ministerialrat Johannes Kaibel am 24. April 1942 und riet Heisel, »ein Gesuch um Gleichstellung mit deutschblütigen Personen zu stellen«.

Einen derartigen Antrag hielt der Ministerialrat für nicht aussichtslos, denn Heisel hatte zwar eine jüdische Mutter, aber einen »vollarischen« Vater. Zudem hatte er neuartige künstliche Kautschukmassen, Lackrohstoffe sowie Weichmacher und Lösungsmittel, Ausgangsmaterialien für Kunststoffe, neue Klebmassen, Riechstoffe, Schädlingsbekämpfungsmittel und Textilstoffe entwickelt. Außerdem war er während seiner Münchner Studentenzeit Mitglied des Epp’schen Freikorps gewesen und hatte sich somit frühzeitig für die »Bewegung« eingesetzt, was im »Dritten Reich« mehr galt als manch anderes Verdienst. Am 16. Juli 1943 richtete Kaibel ein weiteres Schreiben an Leidl und informierte ihn darüber, das Heisels Gesuch inzwischen an das Bayerische Staatsministerium des Innern weitergeleitet worden war. Bedenken gegen eine »ausnahmsweise« Bearbeitung des Gesuchs bestünden nicht, »falls die vom Gesuchsteller behauptete Kriegswichtigkeit zutreffen sollte«. Wie lange die Bearbeitung des Antrags dauern werde, lasse sich aber nicht abschätzen.

[…]

Den Begriff des »Ehrenariers« gab es im damaligen amtlichen Deutsch nicht. Er entsprach im Wesentlichen dem »Deutschblütigen«, wobei wiederum unterschieden wurde zwischen jenen, die trotz eines Anteils jüdischen Blutes oder einer jüdischen Partnerin bzw. eines jüdischen Partners zum Beispiel dem öffentlichen Dienst weiterhin angehören durften. Anderen besonders Bevorzugten war es zudem gestattet, in der Partei zu bleiben und dort sogar Ämter auszuüben. Der systemimmanente Zynismus zeigte sich auch hier: In einem Flugblatt der Gaupropagandaleitung Berlin wurde behauptet: »Diese Ausnahmebestimmungen bedeuten keine Rücksichtnahme auf den Juden, sondern sie bezeugen Achtung vor deutschem Blut selbst im Mischling.«

[…]

Da es in den Nürnberger Rassengesetzen von 1935 lediglich hieß: »Der Führer und Reichskanzler kann Befreiungen von den Vorschriften der Ausführungsverordnungen erteilen«, ohne hierfür Voraussetzungen zu definieren, waren der Willkür Tür und Tor geöffnet. Hier wurde ein verdienter Offizier zum »Deutschblütigen« erklärt, dort ein für das Regime wichtiger Unternehmer oder Forscher. Der eine mit einer jüdischen Frau Verheiratete musste aus der NSDAP austreten, der andere durfte in ihr bleiben. In dem einen Fall galt die Bewährung als Frontoffizier, in dem anderen der frühe Einsatz für die »Bewegung«, in einem dritten hatte beides kein Gewicht. Häufig schien auch Korruption eine Rolle gespielt zu haben. Jedenfalls lässt sich das aus einer Äußerung von Propagandaminister Goebbels schließen, der zufolge in der von Philipp Bouhler geleiteten Privatkanzlei Hitlers »Gnadengesuche zum Teil auf dem Bestechungswege« erledigt worden waren. Diese Vermutung wird durch die Historikerin Beate Meyer erhärtet. Sie beschreibt einen Vorgang, nach dem der Hamburger Reichsstatthalter und Gauleiter Karl Kaufmann die »halbjüdischen« Stiefkinder eines Kaufmanns für arisch hatte erklären lassen. Im Gegenzug hatte er eine großzügige Spende für die von ihm geleitete und verwaltete »Hamburger Stiftung von 1937« bekommen.“
[Zitat aus: Kopp, Volker (2014). ‚Wer Jude ist, bestimme ich‘. Ehrenämter im Nationalsozialismus. Köln: Böhlau, S.7-10.]

Robert Habeck, der Chef der Grünen, hat eine, wie er vermutlich meint, prima Idee.

“In Pflegeheimen und Krankenhäusern fehlten Zehntausende Fachkräfte, zugleich schiebe Deutschland auch Flüchtlinge ab, die in diesem Bereich eine Ausbildung machten. „Die Bundesregierung muss die Gesetzeslage entsprechend ändern“, forderte er.”

Flüchtlinge, die in der Pflege arbeiten wollen, den Dienst am alten Menschen antreten wollen, sollen ein Bleiberecht erhalten, auch dann, wenn kein Asylgrund vorliegt. Damit will Habeck Anreize schaffen, um die 36.000 Stellen in der Pflege, die derzeit nicht besetzt sind, zu besetzen. Selbstverständlich wäre Habeck die Arbeit in der vornehmlich Altenpflege so wichtig, dass er selbst umschulen würde, um das Loch der 36.000 fehlenden Pfleger zumindest um eins zu stopfen, aber der Grünenchef ist unabkömmlich. Er muss Ideen entwickeln, wie man das aus seiner Sicht wohl Flüchtlingsmaterial, das in Deutschland gestrandet ist, einer sinnvollen Verwendung zuführen kann. Und so kommt ihm die Idee, einen besonderen, einen Ausnahmestatus für Flüchtlinge zu schaffen, die sich verpflichten, in der Pflege zu arbeiten. Damit steht er, wie das lange Zitat oben zeigt, in guter faschistischer Tradition. Auch die Nazis waren bereit, für Juden einen Ausnahmestatus einzurichten, wenn die entsprechenden Juden sich als besonders nützliche oder besonders freigiebige Juden erwiesen haben.

Geschichte wiederholt sich eben doch.

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11 Responses to Die Rückkehr des „Ehrenariers“: Grüne und das Menschenmaterial „Flüchtling“

  1. corvusalbusberlin says:

    “Flüchtlinge, die in der Pflege arbeiten wollen……” Hätte doch gleich Klartext sprechen und vor allem, dass die 2/3 junger Männer , die hier sind, angesprochen sind.

    Mir wird schlecht bei dem Geschwafel.

  2. Johannes Kremer says:

    Senioren brutal gequält + vergewaltigt: Horror-Pfleger ALI L. aus TUNESIEN vor Gericht

    https://www.merkur.de/bayern/senioren-brutal-gequaelt-horror-pfleger-gericht-1477901.html

  3. oprantl says:

    Ich muss gestehen, dieser Zusammenhang hätte ich ohne den Artikel nicht gesehen.
    Dank !

  4. eht says:

    Habecks Idee hat aus meiner Sicht gleich zwei Pferdefüße:

    Zum einen beschädigt er das Rechtssystem und den Grundsatz der Gleichbehandlung (kein Asylgrund, Bleiberecht: mal ja, mal nein) nachhaltig – ganz unabhängig von der Frage, ob hier der Beruf Pfleger/in nicht auch zum Pull-Faktor werden könnte, der weitere Migranten ohne große Chancen anzieht. Habecks Idee muss sich nur in der Welt per Handy und Internet herumsprechen …

    Zum anderen erhebt er das Anliegen, ohne wirkliche Legitimation in Deutschland bleiben zu können, zur wesentlichen – nun mal wirklich fachfremden! – Motivation, einen Berufswunsch zu haben. (Haben wir uns nicht alle hin und wieder über Lehrer geärgert, die am Lehrerberuf vor allem die langen Schulferien schätzten?) Ich dachte ja immer, gerade Menschen, die Alte und Kranke betreuen, hilflose Personen, sollten eine spezifische soziale Ader haben.

    Und letztlich wird hier eben genau das praktiziert, was normalerweise für viele Moralisten ein No Go ist: dass man nämlich die Nützlichkeit von Flüchtlingen für das Aufnahmeland einschätzt und sie in Gruppen unterteilt. Ich hatte schon immer Probleme mit der Sichtweise, Flüchtlinge seien tolle Motoren des Wirtschaftswachstums.

  5. Pe Wi says:

    Der Ausspruch des Grünenchefs zeigt, wie weit diese Konsorten von der Wirklichkeit entfernt sind. Hat es sich bei den Gutmenschen noch nicht herumgesprochen, dass fast ausnahmslos junge Männer gekommen sind? Die haben nie und nimmer eine Pflegeausbildung und die werden nie pflegen, da das unter ihrer Würde ist. Hat es sich bei den Gutmenschen noch nicht herumgesprochen, dass muslimische Frauen nicht arbeiten dürfen? Schon gar nicht für Nichtmuslime, Männer-Frauen-gemischt? Wer bitteschön käme infrage für eine Pflegejob. Okay, das war rein rethorisch, da es niemanden von denen gibt, die für eine Pflegeberuf infrage kämen. Wo lebt eigentlich dieser Mensch? In welcher Galaxie ist er beheimatet? In Deutschland anscheinend nicht.

    • R.J. says:

      Danke, es ist absurd anzunehmen, ein typischer junger moslemischer Herr z.B. werde sich dazu hergeben, eine weibliche Ungläubige zu füttern. Für eine qualifizierte Pflege braucht es neben menschlichen Voraussetzungen (die in der überwiegenden Zahl bei moslemischer Sozialisation gegenüber Kufar fehlen dürften) auch intellektuelle und fachliche, die erwachsenen Semialphabeten in der Mehrzahl kaum noch zugänglich sein dürften. Wie dann die “Pflege” aussehen wird, kann man sich vorstellen, erst recht, wenn man bedenkt, dass ein möglichst langes Leben pflegebedürftiger Kufar nicht im Interesse derer sein kann, die das hiesige Sozialsystem ausbeuten. Was da investiert wird, fehlt zur Versorgung der eigenen Klientel, und die Kufar werden womöglich am Ende Roboter vorziehen.

  6. Andreas Walter says:

    Na klar wiederholt sich Geschichte. Seit 5.000 Jahren. Also zumindest bei dem was bekannt, überliefert ist. Verstehe darum nicht, warum immer meine Grosseltern als Negativbeispiel von aller Welt herangezogen werden?

    Weil man es mit denen machen kann, ohne dass sie sich wehren können? Nicht einmal ich sie verteidigen darf, ohne dadurch Ächtung bis zu Gefängnis damit riskiere?

    Michael Klein? Ist das überhaupt ihr richtiger Name? Egal. Sie sind auch so schon gestraft genug.

  7. Dietger Lather says:

    Wie kommt man auf die Idee, die Rassegesetzte von 1935 mit dem Vorschlag eines Grünen Politikers in Verbindung zu bringen, Flüchtlinge, die sich in der Ausbildung befinden, nicht abzuschieben. Das Beispiel Pflege wird missbraucht, um abwegige Assoziationen aufs Papier zu bringen.
    Nun kenne ich einen afghanischen männlichen muslimischen Flüchtling, der sich in der Ausbildung zum Altenpfleger befindet. Was auch gleichgzeitig die Befürchtung einiger Kommentatoren ad absurdum führt, erstens würden Muslime nicht pflegen und zweitens sei die Qualität nicht gegeben, da die Ausbildung 3 Jahre dauert, wie für jeden, der Altenpfleger werden will. Manchmal hilft es auch, einfach einmal eine Ausbildungstätte zu besuchen und sich über die kopftuchtragenden Frauen zu wundern. Aber anscheinden stört der Blick auf diese Realität, da er Vorurteile zerstören würde. Huch!!

    • Michael Klein says:

      Wenn Sie einen [!sic] afghanischen Pfleger kennen, dann ist natürlich alles anders. Im übrigen haben wir nicht die Rassegesetze, sondern deren Umsetzung zum Gegenstand eines formalen Vergleiches gemacht, während Sie sich hier inhaltlich erregen.

  8. leipzigoma says:

    Die Parallele zum Ehrenarier halte ich nicht für abwegig. In obigen Kommentaren wurde das Nötige gesagt. Der Grünenfunktionär zeigt sehr deutlich, was hinter dem Geschwurbel über Menschenrechte, die angeblich grenzenlos sind, steckt. Die Menschen, auch diejenigen, die bei aller Gleichheit doch etwas gleicher als die schon länger hier Lebenden sind, werden nicht als Wesen mit einer unverlierbaren Würde, sondern als Nutzvieh betrachtet. Es mag ja einen oder mehrere Afghanen geben, die hervorragend in der Pflege arbeiten. Ich habe ca. 20 Jahre in der Pflegeausbildung gearbeitet und immer wieder erlebt, wie ausländische Schüler scheiterten. Außer Rußlanddeutschen, die ja auch schon länger hier leben, schafften nur sehr wenige andere unter größten Anstrengungen das Ausbildungsziel. Ein wesentlicher Faktor sind die Sprachkenntnisse. Zwar werden für die Pflegeausbildung nur die Kenntnisse wie für eine gewöhnliche Berufsausbildung verlangt, praktisch reicht das aber nicht, um gerade alte und kranke Menschen zu verstehen. (https://www.dbfk.de/media/docs/download/DBfK-Positionen/Position-zu-Anwerbung-auslaend-Pflegefachpers-2012-12-17.pdf;https://www.dbfk.de/de/presse/meldungen/2018/1450246249.php) Neben den Hindernissen, die der kulturelle und religiöse Hintergrund junger Muslime mit sich bringt, gibt es natürlich auch Vorbehalte besonders älterer Pflegebedürftiger, die man nicht einfach übergehen kann.

  9. maru says:

    Weder ich noch meine Eltern möchten von Moslem-Pflegern “gepflegt” werden.
    Besten Dank auch!

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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