Diejenigen, die von sich behaupten, sie seien kritisch, behaupten das, weil sie denken, sie seien reflexiv und dass sie reflexiv sind, das wollen sie daran bemerken, dass sie Dinge hinterfragen und dass sie Dinge hinterfragen, das erkennen sie daran, dass sie diese Dinge, die sie hinterfragen, nicht mögen, und weil sie die Dinge, die sie hinterfragen, nicht mögen, sind sie kritisch. Fertig ist die kritische Theorie.
Nur mit Wissenschaft hat das nichts zu tun.
Aber weiter:
Weil diejenigen, die sich für kritisch halten, keine Ahnung von Wissenschaft haben, aber schon einmal gehört haben, dass man in der Wissenschaft irgend etwas mit Daten macht, deshalb machen sie auch etwas mit Daten. Nun können sie weder Statistik noch Mathematik in dem Ausmaß, das notwendig ist, um mit quantifizierbaren Daten zu arbeiten, also arbeiten sie qualitativ, schon weil man qualitativ reflexiv hinterfragen kann und kritisch sein kann, was und wem gegenüber auch immer.
Die Verbindung von „kritischer Theorie“, einer Variante von Hegelianischem Geschwätz mit qualitativer Datenanalyse ist demnach eine zwangsläufige Verbindung, schon weil man das „kritische Geschwätz“ in keine Form bringen kann, die es einer kritischen (!sic) wissenschaftlichen Prüfung zugänglich macht.
Außerdem läuft man bei quantitativer Analyse immer Gefahr, in seinen Vorurteilen widerlegt zu werden. Und das wollen „kritische Theoretiker“, wie sie sich nennen, weil sie von Theorie genau so wenig Ahnung haben wie von Wissenschaft schon gar nicht.
Nein. Ihre angebliche Wissenschaft beginnt nicht mit einer Fragestellung, die sie beantworten wollen, mit einer Hypothese, die sie prüfen wollen. Sie müssen nicht prüfen. Sie wissen schon alles. Wissen, was gut und was schlecht ist, denn sie haben kritisch reflektiert und reflexiv hinterfragt wie sie meinen, sich kurz im Dschungel der Intersektionalität verirrt, der immer da droht, wo mehr als eine Variable berücksichtigt wird. Aber sie haben dem Einfluss von Zweitvariablen auf ihre geistige Eindimensionalität erfolgreich widerstanden und gehen nun daran, ihre Vorurteile, das, was sie wissen, auf die Realität zu übertragen.
Dabei kommt dann Junk wie der, den Taylor und Francis verlegt haben, heraus und ein Cover mit geballter Faust, das daran erinnern soll, dass hier nicht Wissenschaft gemacht wird, sondern Ideologie verbreitet werden soll.
“Critical theory is a broad category that includes a set of theories that generally critique larger social structures and explore social inequalities. Common to most critical theories is the idea of critiquing social structures, norms, and inequalities. Many critical theories, particularly the ones taken up in this volume, take these social criticisms and then consider ways to move toward social change. Simply put, critical theorists and those scholars who use these theories do not like oppression and they want their work to change it (Carspecken, 1996; Kincheloe & McLaren, 2002). Critical theories, or those theories that have offi cially been called “critical theories,” span the decades from the 1920s through contemporary times. But, many of the ideas that are specifi ed in critical theories can be traced back to Hegelian, Kantian, and later, Marxist, theories as early as the 1800s, as we explain below (Kincheloe & McLaren, 2002).”
Der Unsinn, der hier Schrift geworden ist, kann wie folgt in Teilen übersetzt werden: Kritische Theorie ist eine breite Kategorie, die Theorien umfasst, die soziale Strukturen kritisieren und soziale Ungleichheit erkunden. Den meisten kritischen Theorien ist die Idee, dass man soziale Strukturen kritisieren will, gemeinsam. Die kritischen Theorien, die im vorliegenden Buch dargestellt werden, gehen von dieser Kritik aus und zielen auf sozialen Wandel: Einfach ausgedrückt, kritische Theoretiker und die, die diese Theorien nutzen, mögen keine Unterdrückung und wollen mit ihrer Arbeit Unterdrückung beseitigen.
Das, was hier als kritische Theorie verkauft werden soll, ist nichts anderes als eine Variante der Gender Studies und des sie begründenden Marxismus. Man deklariert sich als kritisch, obwohl man keine Ahnung hat, was kritisch ist. Man erklärt, man wende die kritische Theorie an, die es allerdings nicht als Theorie, sondern nur als Ideologie gibt und komme zu dem Ergebnis, dass in Gesellschaften soziale Ungleichheit herrscht. Auf Grundlage dieser Trivialität, die menschliche Gesellschaften auszeichnet, seit es sie gibt, wird ein Monstrum der Unterdrückung aufgebaut, das weiße Männer arme Frauen, weiße Männer arme Schwarze, weiße Männer alle anderen unterdrücken sieht. Diese Phantasie ist dann der Ausgangspunkt für das, was diese unkritischen Spinner Träumer auch immer als Heilung anpreisen wollen.
Wo soll man nur anfangen?
Wir wünschten fast, das mit der Unterdrückung wäre wahr, dann würde man nicht mit solchem Junk, mit Gender Studies oder mit den vielen kleinen Marxismen, die Hirne, die von sich denken, sie seien Wissenschaftler benebeln, konfrontiert werden.
Fangen wir so an.
Wissenschaft kennt einen Erkenntnis- und einen Begründungszusammenhang.
Im Erkenntniszusammenhang formuliert man ein Forschungsinteresse. Hier kann man Vorlieben und Interessen einbringen, um die Forschungsfrage zu formulieren und wird dies auch tun, denn keiner von uns ist ohne Interesse.
Ist die Forschungsfrage erst einmal formuliert, dann geht es in den Begründungszusammenhang. Ab jetzt herrscht Methode, die Methode der Wissenschaft. Alles, was im Begründungszusammenhang gemacht wird, muss
nachvollziehbar,
intersubjektiv prüfbar und
falsifizierbar sein.
Ist es das nicht, ist es keine Wissenschaft, bestenfalls Philosophie, im schlechtesten Fall, willkürliches Geschwätz (das man dann aber immer noch bei Taylor und Francis verlegen kann).
Am Ende des Begründungszusammenhangs steht ein Ergebnis, das die Forschungsfrage beantwortet und die aus der Forschungsfrage abgeleiteten Hypothesen entweder bestätigt oder sie falsifiziert.
Am Ende des Begründungszusammenhangs stehen KEIN objektives Wissen und KEINE Wahrheit, sondern mehr oder weniger gut bestätigtes Wissen, das ein Wissenschaftler zum Anlass weiterer Prüfung nehmen wird, um es zu verfeinern, zu verbessern, vielleicht zu modifizieren, wenn Teile falsifiziert werden usw.
Ein Wissenschaftler kann entsprechend NIE auf die Idee kommen, auf Grundlage seiner Erkenntnisse, die Gesellschaft ändern zu wollen. Das Credo der Wissenschaft ist Zweifel, und wer zweifelt, der kennt keine absoluten Wahrheiten, der kennt nur derzeit bestätigtes, probabilistisches Wissen.
Diejenigen, die sich oben als „kritische Theoretiker“ verkaufen wollen, meinen von sich, sie könnten mit ihrer Forschung eine Grundlage schaffen, aus der man Maßnahmen zur Veränderung der Gesellschaft ableiten kann. Sie wähnen sich also im Besitz von Wahrheit und in der Position, in die Leben anderer Menschen ordnend einzugreifen.
Damit stehen sie in der Tradition des Marxismus, der aus einer bis in die Trivialität verzerrten Sicht auf die Geschichte, aus dem so genannten historischen Materialismus, Gesetzmäßigkeiten gesellschaftlicher Entwicklung und gesellschaftlichen Zusammenlebens abzuleiten können glaubt, die die Gesellschaft in genau ZWEI Gruppen unterscheiden: Unterdrückte und Unterdrücker.
Diese Trivial-Ansicht, die eine Beleidigung für jeden normalen Geist ist, ist zwar wieder und wieder als falsch aufgezeigt worden, das ändert aber nichts daran, dass sie eine unglaubliche Anziehungskraft auf schlichte Gemüter ausübt, die sich kritisch fühlen, wenn sie eine bestimmte Gesellschaftsgruppe als „unterdrückt“ bezeichnen und deren angebliche Unterdrücker bekämpfen wollen.
Für derart Besessene war und ist in der Wissenschaft kein Platz.
Schlimm genug, dass Wissenschaftler dabei zugesehen haben, wie Hochschulen mit Besessenen, die an das Patriarchat glauben, die Herrschaft des Kapitals, die Hegemonie weißer alter Männer, die Unterdrückung der sonstig Geschlechtlichen, den Rassismus der Struktur und sonstigen Blödsinn, durchsetzt sind.
Es ist Zeit das zu ändern.
Die Methode dazu ist einfach und wurde von Dr. habil. Heike Diefenbach bereits vorgeschlagen.
Jeder Student hat zu Beginn seines Studiums ein Grundstudium von vier Semestern, in dem ihm nur die Grundlagen von wissenschaftlicher Methode und wissenschaftlichem Arbeiten vermittelt werden (im Gegensatz zu allem Tun, Streben, Wollen …):
Logik
Kritisches Denken (nicht kritische Theorie)
Statistik
Methoden der Theoriebildung
Methoden der Prüfung von Theorien
Wissenschaftliches Arbeiten
Damit ist ein gemeinsamer Wissensbestand geschaffen und sichergestellt, dass alle Studenten wissen, wodurch sich Wissenschaft auszeichnet. Damit wäre Besessenen wie denen, die wir gerade beschrieben haben, schnell ein Ende bereitet.
Wenn man bedenkt, wie öffentlich Rechtliche und ihre Helfer von der AlpenPrawda gerade versucht haben, eine Diskussion um FakeScience anzuschieben, die den Vorwurf, es handle sich um FakeScience lediglich am Erscheinungsort festmacht, dann kann man nicht anders als festzustellen, dass die Wahrscheinlichkeit, bei angeblichen wissenschaftlichen Verlagen auf Junk zu treffen, deutlich höher ist als dies für die angeblichen Rogue-Publisher der Fall ist – sofern die Rogue Publisher keine angeblich „kritische Theorie“ verlegen.
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Erziehungs“wissenschaften“, da muss man schon mal grosszügig sein, immerhin geht es um Kinder … 😉
Mein Zahnarzt hat mir unlängst gesagt, „die ersten 4 Semester machst nur Handwerk!“