Als der Hass vom Himmel fiel

Vorwort

Sie gehen des Wegs, und plötzlich ist er da: Der Hass. Aus dem Nichts sozialer Netzwerke, in denen er sich seit Jahren eingenistet hat, taucht er auf und schlägt zu. Blitzschnell. Er beleidigt. Blitzschnell. Er bedroht. Blitzschnell. Er stellt ihnen nach. Blitzschnell.

Und genauso schnell ist er wieder weg. Der Hass. Verschwunden in den endlosen Weiten sozialer Netzwerke, wo er im Dunkeln kauert und auf sein nächstes Opfer wartet. Dann schlägt er wieder zu. Blitzschnell.

Der Hass.


Hass-Gewinnler missbrauchen die empirische Sozialforschung um den Hass zu inszenieren, von dem sie leben. Der inszenierte Hass zeichnet sich dadurch aus, dass man ihn nicht dingfest machen kann. Mal ist er eine bloße Belästigung, einmal eine Beleidigung, einmal eine Nachstellung, einmal eine Drohung. Der Hass er hat viele Manifestationen, so viele, dass man kaum noch den einen Hass hinter all den Manifestationen vermuten würde. Aber so ist er, der Hass: verschlagen. Nur die Hass-Gewinnler können ihn dingfest machen, mit empirischer Sozialforschung, so geben sie vor. Die Lüge, wir nehmen sie einmal für bare Münze.

„Wie häufig ist Ihnen Folgendes schon einmal persönlich im Internet passiert? (Mehrfachantworten möglich)“

Diese bemerkenswert dumme Frage, hat YouGov im Auftrag des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) und von campact gestellt. Wir haben gestern darüber berichtet. Das IDZ ist ein Ableger der Amadeu-Antonio-Stiftung (AAS), wie wir nicht oft genug betonen können. Beide IDZ und AAS leben davon, Hass zu finden. Deshalb kreisen sie um alles, was nach Hass aussieht, lassen sich bei jedem Leichnam einer ehemaligen öffentlichen Diskussion nieder und zerpflücken die Reste, ob sich nicht vielleicht Hass in den kläglichen Überresten finden lässt. Und weil sie immer mehr werden, fangen sie an, den Hass zu inszenieren, den Hass zu erfinden, um daran auch weiter zu verdienen.

Wir haben diesen Post mit einer Beschreibung des hinterhältigen Hasses begonnen, die manchen wie wir hoffen, abstrus vorgekommen ist. Nichts ist indes abstrus genug, als dass es nicht in dem, was heute Meinungsforschung sein soll, als Prämisse von Fragen eingesetzt wird.

Die Frage, die wir hier als Beispiel ausgewählt haben, sie basiert auf der Prämisse, dass Hass plötzlich auftaucht, blitzschnell zuschlägt, schnell wieder verschwindet und seine Opfer zurücklässt.

Da der Hass, den man beim IDZ und bei campact gemessen zu haben glaubt, im Rahmen einer menschlichen Interaktion aufgetaucht ist, stellt sich die Frage: was hat ihn ausgelöst? Warum wurde Befragter X, der angibt, er wurde im Internet bereits einmal beleidigt, beleidigt. Ging der Beleidigung am Ende ein verbaler Schlagabtausch voraus? Hat Befragter X im Rahmen des Schlagabtausches am Ende selbst beleidigt oder anderen Anlass zur seiner nachfolgenden Beleidigung gegeben?

Der gesunde Menschenverstand sagt: Sicher! Denn nur wenige gehen zu Facebook, surfen ein wenig und sagen dem ersten anderen Nutzer, den sie finden können, er sei ein Idiot. Dass man sich derartiges in Jena (IDZ) und Berlin (campact) vorstellen kann, spricht Bände und vorstellen können muss man es sich dort, denn es ist die Prämisse, auf der die oben zitierte Frage basiert.

Ein Sozialforscher, der mit seinem Instrumentarium umgehen kann, der weiß das natürlich, deshalb stellt er nicht nur Fragen, die ein Faktum abfragen, sondern auch Fragen, die das abgefragte Faktum in einen Rahmen einordnen. Ideologen tun das nicht. Sie wollen Hass messen, oder das, was sie für Hass halten. Damit sie das können, ist ihnen jedes Mittel recht, jede Idiotie erträglich, begehen sie jeden Missbrauch, den sie nur können.

Deshalb ist es zwangsläufig, dass unter denen, die angeben, sie seien beleidigt worden, auch Befragte sind, die selbst beleidigen. Deshalb ist es zwangsläufig, dass die Ursache der Beleidigung in eben dieser vorausgehenden Beleidigung liegen kann.

Empirische Sozialforschung ist entwickelt worden, um menschliches Verhalten zu erklären und zu verstehen, nicht, um es zu bewerten oder Fehlverhalter zu stalken. Sie ist auch nicht dazu entwickelt worden, um von Hinz und Kunz den Ideologen, missbraucht zu werden.

Eigentlich wäre überfällig, diesem Treiben der Ideologen, diesem Missbrauch wissenschaftlicher Methoden und Instrumente ein Ende zu setzen. Aber wie so oft, wenn deutsche Wissenschaftler einmal Rückgrat beweisen und sich gegen diejenigen zur Wehr setzen müssten, die ihre Wissenschaft unterminieren, schweigen sie, schauen sie weg, nein, dabei zu, wie ihre Wissenschaft missbraucht und der Lächerlichkeit preisgegeben wird (sofern sie sich nicht selbst beteiligen). Feigheit und Anbiederung scheinen heute die Haupteigenschaften zu sein, die ein institutionalisierter Wissenschaftler mitbringen muss. Sollte ein institutionalisierter Wissenschaftler die Notwendigkeit sehen, sich von diesem Verdacht zu emanzipieren und Rückgrat zu beweisen: Wir veröffentlichen jede Stellungnahme, die uns erreicht.

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