Welt eins ist die physische Welt, die Welt der Objekte und physischer Ereignisse.
Welt zwei ist die Welt der Vorstellung und der psychischen Ereignisse.
Welt drei ist die Welt der objektiven Erkenntnis (der Denkergebnisse, wenn man so will), also der Theorien und generalisierten Vorstellungen über die Welt, die sich bislang bewährt haben.
Zwischen den Welten findet ein Austausch statt. Welt 1 interagiert mit Welt 2, z.B. wenn ein Smartphone Enthusiast über einen Blumenkübel fällt, weil er vollständig in seiner Welt virtuell-mentalen Austausches aufgegangen ist. Welt 3 soll mit Welt 2 interagieren, z.B. dann, wenn eine einfache Verhaltenstheorie vorhersagt, dass man mit dem Versuch, z.B. den UN-Migrationspakt unbemerkt von der Öffentlichkeit vorbei zu schleusen und stillschweigend zu unterschreiben, (a) scheitern muss und (b) Reaktanz hervorrufen wird. Es ist eine SOLL-Interaktion, keine MUSS-Interaktion wie im Falle des Blumenkübels … usw.
Die Überlegungen Poppers, vor allem zu seiner Welt 3, sind recht originell und unterhaltsam zu lesen. Wir empfehlen den kurzen Text „Erkenntnistheorie ohne ein erkennendes Subjekt“ im Büchlein „Objektive Erkenntnis“.
Wir haben diesen Exkurs unternommen, weil es uns gelegentlich so vorkommt, als seien öffentliche Medien angetreten, die Welt 2 derer, die in ihnen beschäftigt sind, als Welt 1 zu verkaufen, in der Hoffnung, dass es niemand merkt, dass niemand bemerkt, wenn sie Dinge über die Welt der physischen Dinge behaupten, die schlicht und ergreifend falsch sind.
Heute haben wir mit großem Erstaunen über den Felsen im Meer bei Gibraltar, die eine Säule des Herkules gelesen, jenen Felsen, der seit 1713 von 6,7 Quadratkilometern britischem Staatsgebiet umgeben ist und der bis zum heutigen Tag und nach dem in zwei Referenden (1967 und 2002) erklärten Willen der Einwohner von Gibraltar zum Vereinigten Königreich gehört.
Die Tagesschau und viele deutsche Medien berichten von der Absicht der spanischen Regierung, den Austrittsvertrag, den die EU mit Theresa May verhandelt hat, platzen zu lassen. Wegen Gibraltar und wegen dem armen Andalusien und wegen der 10.000 spanischen Arbeitsmigranten, die täglich ins reiche Gibraltar pendeln, und vielem mehr.
Dabei wird so getan, als sei der Deal ansonsten perfekt, in trockenen Tüchern, durchgewunken, passé, gegessen.
Das ist er mitnichten.
Dass der Entwurf eines Austrittsvertrags im britischen Unterhaus eine Mehrheit finden wird, daran glaubt derzeit außer vielleicht Theresa May wohl so richtig niemand mehr auf der Insel.
Im Unterhaus sitzen 650 Abgeordnete. Theresa May hat eine Mehrheit von einer Stimme, also 326 Abgeordnete nominell hinter sich, davon 316 Tories (+10 DUP). Von diesen haben bereits 81 öffentlich erklärt, gegen den Entwurf stimmen zu wollen. Hinzu kommen die 10 Abgeordneten der Demokratic Unionist Party (DUP) aus Nordirland, die die Regierung unterstützen und ebenfalls erklärt haben, nicht für den Entwurf stimmen zu wollen. Damit kommt May schon jetzt im eigenen Lager auf nur 234 Stimmen. Sie benötigt somit schon jetzt 91 Stimmen von Labour oder anderen Parteien, um den Entwurf durchs Parlament zu bringen. Die Liberal Democrats, die immer zustimmen, wenn es etwas mit der EU zu tun hat, können nur 12 Abgeordnete in die Waagschale werfen, fehlen weitere 79 Stimmen von Abgeordneten. Plaid Cymru, aus Wales kann vier Stimmen bieten, die Abgeordneten werden aber den Teufel tun und für den Entwurf des Austrittsvertrags stimmen, jedenfalls dann, wenn sie weiter in Wales leben wollen. Bleiben sechs unabhängige Abgeordnete, bei denen man immer eine fifty-fifty-Chance hat, in die eine, wie die andere Richtung und eine Stimme der Green Party, auf die May vielleicht zählen kann. Wie auch immer, sie muss mindestens 80 der 257 Abgeordneten von Labour dazu bringen, für ihren Entwurf eines Austrittsvertrags zu stimmen. Ein eher aussichtsloses Unterfangen, das zudem jederzeit durch Tory-Erosion erschwert werden kann, denn die Zahl der Tory-Abgeordneten, die den Entwurf eines Austrittsvertrags öffentlich ablehnen, sie steigt täglich.
Da zudem Umfragen zeigen, dass auch die britische Bevölkerung den Entwurf abzulehnen scheint, ist der Vertragsentwurf schon vor Abstimmung beerdigt.
Aber das ist er in Welt 1. Dass Politiker und Journalisten, die ausschließlich Welt 2 bewohnen, das anders sehen, ist schon klar. Sie leben ja ihre Phantasie, nicht die Realität der Bürger.
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