Supergau für den SPIEGEL: „Qualitätssicherung“ kann Dichtung von Wahrheit nicht unterscheiden.

F A K E  N E W S

Erfundene Interviews!

Erfundene Reportage!
Erfundene Interviewpartner!
Erfundene Daten!
Lügen!

Fake News, das wissen wir alle, gibt es nur im Internet. Nicht bei der Qualitätspresse, bei denen, die so sorgfältig arbeiten, einem Arbeitsethos verpflichtet sind, den sie nicht auswendig kennen und nicht aufsagen können.

Fake News und erfundene Geschichten, Falschdarstellungen in Täuschungsabsicht, erfundene Interviews, um Stimmung zu machen oder „rüber zu bringen“, wie es im Jargon heißt, das gibt es nur bei diesen alternativen, diesen nicht-Qualitätsmedien, denen, die im Visier des Faktenfinders der ARD sind, jenem Faktenfinder, der sich so heftig bemüht, nur systemkonforme Fakten zu finden, wenn überhaupt, solche, mit denen man sich eben einschleimen kann.

Denn in Qualitätsmedien gibt es eine Qualitätssicherung, eine enges Netz, das die Falschnachricht auffängt und nur die Wahrheit, die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit durchlässt.

Deshalb: Qualitätsmedien.

Soweit die Promotion, nun zur Realität.

Dem Spiegel und wohl nicht nur dem Spiegel, auch anderen angeblichen Qualitätsmedien, der taz, der Welt, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der Weltwoche, der ZEIT, nein, besonders schön: ZEIT Wissen, hat Claas Relotius wohl jahrelang erfundene Interviews, phantasievolle Reportagen, kurz eine Mixtur aus freier Erfindung und selektiver Wahrheit untergeschoben.

Im Spiegel heißt es:

„Wahrheit und Lüge gehen in seinen Texten durcheinander, denn manche Geschichten sind nach seinen eigenen Angaben sauber recherchiert und Fake-frei, andere aber komplett erfunden, und wieder andere wenigstens aufgehübscht mit frisierten Zitaten und sonstiger Tatsachenphantasie. Während seines Geständnisses am Donnerstag sagte Relotius wörtlich: “Es ging nicht um das nächste große Ding. Es war die Angst vor dem Scheitern.” Und “mein Druck, nicht scheitern zu dürfen, wurde immer größer, je erfolgreicher ich wurde.”

Der arme Lügner Relotius ist also getrieben vom Veröffentlichungsdruck und ein Opfer seines eigenen Erfolgs, so will er oder der SPIEGEL uns glauben machen. Das Lügen scheint er nicht verlernt zu haben.

Natürlich ist die Tatsache, dass die Qualitätssicherung des Spiegel mehr als 30 Texte durchgelassen hat, in denen Dichtung und Wahrheit ein nicht trennbares Amalgam eingegangen sind, ein Supergau für das vermeintliche Qualitätsmedium. Deshalb haben die Spiegels die Flucht nach vorne angetreten, einen Text geschrieben, in dem sie Relotius in die Pfanne hauen (was er vermutlich verdient), sich ein wenig Asche aufs Haupt werfen, ob der Tatsache, dass dem Spiegel jahrelang Lügen als Fakten untergeschoben wurden, ohne dass man es bemerkt hat, um dann im nächsten Satz, wie der Pennäler in der Schule mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, die auch eine Sechs haben, d.h., denen Relotius seine spezifische Mischung aus Erfundenem und Vorhandenem untergeschoben hat.

Der Supergau für die angeblichen Qualitätsmedien!

Aber natürlich stellt der lange Text, in dem die Spiegels versuchen, zu retten, was zu retten ist, die eigentlich interessanten Fragen nicht:

  • Wie viele Retoliuse vermengen noch Dichtung und Wahrheit beim Spiegel?
  • Welcher Witz von angeblicher Qualitätssicherung ist beim Spiegel im Einsatz, wenn man Reportagen über eine Bürgerwehr, die in Arizona an der Grenze zu Mexiko Streife läuft, im Spiegel publizieren kann, ohne mit Mitgliedern eben dieser Bürgerwehr zu sprechen, ohne mit irgend jemandem zu sprechen?
  • Wie viele Geschichten im Spiegel basieren auf Wahrheit; wie viele vermengen Wahrheit und Phantasie, wie viele sind frei erfunden?

Der Anspruch des Spiegels, wie er im Statut festgehalten ist, besagt: „Alle im SPIEGEL verarbeiteten und verzeichneten Nachrichten, Informationen, Tatsachen müssen unbedingt zutreffen [……] Berichtigungen kann sich der SPIEGEL nicht erlauben.”

Man kann nun feststellen, dass dieser Anspruch definitiv nicht eingehalten wurde. Der Spiegel hat FAKE NEWS veröffentlicht, nicht einmal, nein: mehrfach. Wie viel Fake News neben den erfundenen Geschichten von Relotius noch im Spiegel veröffentlicht wird, ist eine offene Frage. Sicher kann man nur sagen, dass die „Qualitätssicherung“ des Spiegel Fake News ganz offensichtlich nicht zu erkennen im Stande ist.

The Icing on the Cake findet sich jedoch im Zusammenhang mit dem Reporterpreis 2018. Der Reporterpreis wird als Initiative von Journalisten vergeben. Es ist also eine Inszenierung in gegenseitigem Schulterklopfen, die mit salbungsvollen Worten durchgeführt wird. Und weil die Worte so salbungsvoll und leer sind, macht es so großen Spaß, sie zu zitieren, da sie sich auf Claas Retolius beziehen, dem 2018 der Reporterpreis für ausgerechnet die beste Reportage verliehen wurde, denn er hat einen Text geschrieben, der „von beispielloser Leichtigkeit, Dichte und Relevanz [ist], der nie offen lässt, auf welchen Quellen er basiert“.

Deutlicher kann man die Willkür der Preisvergabe, wie sie sich in diesem Gewäsch niederschlägt, kaum zum Ausdruck bringen, denn die Quellen, die Relotius nie offen lässt, sind frei erfunden.

“Am 16. Februar 2011 sprüht ein Junge in der syrischen Stadt Daraa auf eine Mauer: „Du bist als Nächster dran, Doktor!“ Sieben Jahre, 500 000 Tote und für 14 Millionen Vertriebene später interviewt Claas Relotius diesen Jungen, inzwischen ein junger Mann, der in den Ruinen von Daraa gegen die näher rückenden Assad-Truppen kämpft – und der sich schuldig fühlt für den Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs. Jahrelang hat Claas Relotius, gemeinsam mit syrischen Mitarbeitern, ihm hinterher gespürt und ihn dann per Handy interviewt. Und dann einen Text geschrieben von beispielloser Leichtigkeit, Dichte und Relevanz, der nie offen lässt, auf welchen Quellen er basiert. Ein Stück für die Lesebücher, urteilte die Jury, wenn man sich eines Tages fragt, wie der Krieg in Syrien begann – und vielleicht endete. Inzwischen ist Daraa erobert, und der junge Mann verstummt.”

Wir sind eigentlich keine Freunde von Schadenfreude. Aber hier können wir nicht widerstehen.

Der nächste Preisträger in der Kategorie, „Beste Reportage“ wird es schwer haben, in die großen Fußstapfen von Claas Retolius zu treten.

Der Mythos der Qualitätsmedien dürfte nunmehr auf dem Müllhaufen der Realität zu finden sein.

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