Können Dumme Demokratie?

Wenn man das politische Personal so betrachtet, ist man geneigt, die Eingangs gestellte Frage zu verneinen.
Wie kommen wir überhaupt darauf, dass ein Zusammenhang zwischen Intelligenz, Bildung und Demokratie besteht? Eine Pressemeldung der Landesregierung in Rheinland-Pfalz hat uns auf diese Frage aufmerksam gemacht.


Obwohl Jahrhunderte der staatlichen Bildung sehr deutlich zeigen, dass man so viel Mathematik und Chemie und Biologie und MINT-Fächer, wie es heute heißt, unterrichten kann, wie man will und dennoch keine Nobelpreisgewinner herbeizwingen kann, geschweige denn, dass man den Anteil der Mädchen, die sich für eines der MINT-Fächer interessieren, erhöhen könnte, halten Politdarsteller an diesem Aberglauben fest. All diese Fehlschläge hindern sie nicht daran, die gute alte linke Doktrin, dass Bildung das Allheilmittel für alle aus ihrer Sicht fehlgeleiteten ideologischen Entwicklungen sei, hochzuhalten und wieder und wieder – finanziert über Steuergelder – umzusetzen, um wieder und wieder zu erfahren, dass man Menschen nicht so erziehen kann, wie man sie ideologisch gerne hätte (der freie Wille steht dem im Weg).

Die Ursache dieses Lock-in, in dem sich viele Politdarsteller befinden, ist natürlich darin zu finden, dass sie sich selbst für intelligent halten. Da sie sich für intelligent halten, muss auch all das, was sie für richtig halten, intelligent-richtig sein und alle, die anderer Meinung sind, müssen konsequenterweise dumm-falsch sein. Fertig ist der Bildungsmythos, denn wenn man die dumm-Falschen mit für intelligent-richtig gehaltenen Inhalten abfüllt, so die Überlegung, dann müssen sie zu intelligent-Richtigen werden, eine Überlegung, die man bei der SPD trotz der Annäherung an 10% so liebgewonnen hat, dass sie in Rheinland-Pfalz einmal mehr Verschwendung von Steuergeldern geworden ist.

„Demokratie ist nicht selbstverständlich. Jede Generation muss sich neu darauf vereinbaren, sie neu erlernen, leben und verteidigen. Denn Demokratie ist nicht allein ein politisches System. Gelebte und gelingende Demokratie bedeutet die Wahl zu haben, bedeutet Menschenrechte, Freiheit, Respekt und Toleranz. Damit diese Werte Bestand haben, braucht es vor allem eines: Bildung.“

Ramireztoons

Da haben wir das Problem und gleichsam den Schöpfungsmythos der Linken, der bis heute dazu führt, dass sie all‘ diejenigen, die nicht links sind, für dumm halten: Populismus und Nationalismus werden undifferenziert – fast könnte man sagen unintelligent, zumindest aber in grob verallgemeinernder und somit in dummer Form – pauschal zur Bedrohung erklärt, ganz so als gebe es „den“ Nationalismus und „den“ Populismus und eben so pauschal wird das Allheilmittel, das schon in den letzten 70 Jahren, von der Zeit davor ganz zu schweigen, nicht in der Lage war, „Populismus“ und „Nationalismus“ zu verhindern, verordnet: Bildung.

 

Vorweg: Es gibt KEINERLEI, nicht wenige, nicht einige, nein KEINERLEI Belege dafür, dass eine Fahrt in die Gedenkstätte Buchenwald bislang auch nur einen, der sie hinter sich gebracht hat, davon abgehalten hat, sein Kreuz nicht bei der SPD zu machen und statt dessen eine Partei zu wählen, die unter die grobe Verallgemeinerung – die intelligente Menschen natürlich nie begehen würden – Nationalismus oder Populismus fallen, wie sie bei der SPD in Rheinland-Pfalz und ihrem Bündnispartner den Grünen (und nicht zu vergessen der FDP, ehedem eine liberale Partei) vorgenommen werden. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Penetration von Schülern mit dem, was die Penetrierer für demokratische Grundwerte halten, auch nur einen Schüler davon abgehalten hat, nationalistische Ansichten zu bilden oder gar populistische Aussagen zu treffen, geschweige dann davon, nicht die SPD oder die Grünen zu wählen.

Kurz: Demokratiebildung ist vermutlich ebenso nutzlos wie das, was als „Erinnerungskultur“ beschrieben wird.

Erinnerungskultur ist der Begriff, der etwas beschreibt, von dem niemand wirklich weiß, was es ist, das aber bei Besuchen in Buchenwald und bei Gedenkveranstaltungen im Bundestag angesprochen, vielleicht auch geschaffen werden soll. Was dann passiert, ob die Erinnerungskultur Wähler in die Wahlkabinen verfolgt oder verpufft wie eine Seifenblase, ob sie dazu führt, dass Menschen weniger Brötchen essen oder kommunalpolitisch aktiv werden, das weiß niemand, schon deshalb nicht, weil man eingebildeten Firlefanz, der erfunden wurde, um damit Geld zu verdienen, dass man Politikdarsteller entsprechend beschwatzt und ihnen die Möglichkeit gibt, Aktivismus zu zeigen, nicht operationalisieren kann.

Doch zurück zur spannenden Frage ob Bildung notwendig ist, um Freiheit, Respekt, Toleranz zu schätzen.

Freiheit ist eine Grundeigenschaft aller Menschen. Bildung führt in der Regel dazu, Menschen in eine Gesellschaft zu sozialisieren. Folglich ist Bildung das Gegenteil von Freiheit. Demokratie hat insofern nichts mit Freiheit zu tun, als Demokratie die Bezeichnung für ein politisches Regierungssystem ist. Regierungen sind gehalten, Gesetze zu erlassen. Gesetze schränken Freiheit ein. Auch Demokratie und Freiheit sind nur dann verträglich, wenn nicht grob verallgemeinernd von Respekt gesprochen wird, sondern wenn sich dieser Respekt auf Individualrechte richtet. Auch hat Respekt nichts mit Bildung zu tun, aber viel mit Erfahrung. Normalerweise merkt man im täglichen Leben sehr schnell, dass man ohne Respekt für andere nicht weit kommt, jedenfalls dann nicht, wenn man auf Reziprozität angewiesen ist. Derjenige, dem man keinen Respekt gezeigt hat, kann sich daran erinnern, wenn man selbst seine Hilfe benötigt. Diese Einsicht ist, wie gesagt, eine Frage der Erfahrung, keine Frage der Bildung. Bildung, wie sie heute unter dem Stichwort „Demokratieerziehung“ betrieben wird, ist eher eine Gefahr für Respekt, denn gelehrt werden Gruppenrechte, Rechte von Homosexuellen, von Kindern, von Frauen, von Schwarzen usw. Individualrechte bleiben außen vor. Respekt kann man aber nur für Individuen, nicht für Gruppen von Individuen haben. Respekt kann man nur für Leistung, für Fähigkeiten haben, die ein Individuum erbringt, nicht für Gruppen, denen ein Staat irgendwelche Rechte zuerkannt hat. Gesellschaften sind nun einmal auf Beziehungen zwischen Individuen gebaut, ein Faktum, das Demokratieerziehung ignoriert. Insofern Demokratieerziehung Bildung vermitteln will, wird abermals das Gegenteil von dem erreicht, was erreicht werden soll.

Bleibt die Toleranz.
Ein ganz klägliches Thema.

In einer der ersten Diskussionen, die Dr. Diefenbach und ich geführt haben, sind wir auf Toleranz zu sprechen gekommen und Heike Diefenbach hat von einer Aussage erzählt, die sie bereits in der Schule gemacht hat: Toleranz ist, wenn es einem egal ist.

Toleranz und ihre Grenzen

Wer darüber nachdenkt, der wird feststellen, dass diese Aussage eine tiefe Wahrheit darstellt. Tolerant kann man gut sein, wenn es darum geht, Leuten gegenüber, die man nicht kennt, die einem nie begegnen, die nie Anspruch auf Ressourcen anmelden, die man für sich beansprucht, etwas zu zugestehen. Kommen die Objekte der Toleranz dem eigenen Leben etwas näher, z.B. als Konkurrent auf dem Wohnungsmarkt oder Arbeitskollege im Betrieb oder als Partner im Leben, dann verbinden sich unwillkürlich Interessen mit der sozialen Beziehung und mit der Toleranz wird es dann schwierig, wenn man diese Interessen auf den anderen richtet, wenn es einem nicht mehr egal ist, was der andere tut oder sagt, weil man mit ihm ein ganz bestimmtes Interesse verbindet. Auch Toleranz hat also überhaupt nichts mit Bildung zu tun. Sie ist nichts, was man lernen kann.

Allein die Vorstellung, man könne Toleranz oder Respekt oder Freiheit im Rahmen schulischen Unterrichts oder durch die Fahrt nach Auschwitz vermitteln, beibringen, zeugt von einer Naivität, wenn nicht Dummheit, die man nur bei Menschen finden kann, die über keinerlei Lebenserfahrung verfügen.

Dass Personen ohne Lebenserfahrung in politische Positionen gelangen können, ist wiederum das Kernproblem des derzeitigen politischen Systems, das schon deshalb keine Demokratie ist, weil es Politdarsteller gibt, die allen ernstes anderen „Freiheit, Respekt und Toleranz“ beibringen wollen.

Das setzt notwendiger Weise voraus, dass sie keinerlei Respekt und Toleranz für die Einstellungen und Verhaltensweisen dieser Anderen haben und deren Freiheit, Anderes zu denken, nicht respektieren. Anders formuliert: Wer Freiheit, Respekt und Toleranz in der Schule vermitteln will, der hat seinen Zweck gerade ad absurdum geführt.

Freiheit kann man nicht erlernen, sondern nur erfahren, Respekt hat man oder man hat ihn nicht und Toleranz können sich sowieso nur die leisten, die keinerlei Interesse an ihren Mitmenschen haben.

Alle drei haben mit Bildung so viel zu tun, wie ein Pausenbrötchen. Dass Politdarsteller denken, man könne alle drei ausgerechnet in der Schule Schülern eintrichtern, zeugt davon, dass die Bildungsprobleme in Deutschland an ganz anderer Stelle zu finden sind.

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