Geschlechtersensible Raumbeheizung: „In wärmeren Räumen sind Frauen leistungsfähiger“

Die kalte Mathematik, die männliche kalte Mathematik, sie gedeiht am besten bei einer Raumtemperatur von 25 Grad Celsius. Die weibliche Intuition, die sich in Vielsprechen äußert, sie benötigt dagegen Temperaturen jenseits der Grenze von 30 Grad Celsius.

Wie, Sie denken, wir machen Scherze?

Nein, das ist angeblich wissenschaftlich verbrieft. Wir zitieren:

„Je wärmer es in einem Raum ist, umso bessere Leistungen zeigen Frauen. Für Männer gilt umgekehrt, dass sie bei niedrigeren Temperaturen am produktivsten sind. Das ist das Ergebnis einer Studie von WZB-Ökonomin Agne Kajackaite gemeinsam mit Tom Chang von der USC Marshall School of Business, Los Angeles.“

Das ist eine Pressemeldung aus dem Wissenschaftszentrum Berlin, das den Steuerzahler mit rund 17 Millionen Euro pro Jahr aus Steuermitteln am Tropf hängt. Wir könnten uns eine solche Pressemeldung nie ausdenken. Die Allaussage „je wärmer … desto produktiver“, sie basiert auf drei Tests, die 542 Probanden in 24 Gruppen mit unterschiedlicher Raumtemperatur ausführen mussten, und zwar in den Bereichen Mathematik, verbaler Ausdruck und Logik, …

… beziehnungsweise in dem, was die Autoren für Mathematik, verbalen Ausdruck und Logik halten.

Die Mathematikaufgaben bestanden darin 5 zweistellige Zahlen OHNE Taschenrechner zu addieren. Eine wahre Mathematik-Hochleistung für den, der es nicht kann.

Die Aufgaben im Bereich „verbaler Ausdruck“ bestanden darin, aus ADEHINRSTU so viel Sinn wie nur möglich zu machen ohne oder mit HIRN.

Die Aufgaben im Bereich Logik bestanden darin, sich nicht durch Formulierungen wie, ein Ball und ein Baseballschläger kosten zusammen 1,10 Euro. Der Baseballschläger ist 1,00 Euro teurer als der Ball zu einer intuitiven Antwort auf die Frage, was kostet der Ball verleiten  lassen. Die richtige Antwort ist 5 Cent nicht 10 Cent…

Logik, das können wir gleich vorwegnehmen, ist temperaturunabhängig: Wärmere Temperaturen ändern nichts daran, dass weibliche Probanden weit hinter männlichen zurückbleiben. Was die Frage aufwirft, ob Temperaturen überhaupt relevant sind.





Man könnte dieser Ansicht sein, wenn man die Ergebnisse der beiden Künstler, die Wissenschaft betreiben wollen, betrachtet. Immerhin zeigen die folgenden Abbildungen eine Art Zusammenhang zwischen Temperatur und Lösungskapazität.

Quelle

Aber zu einem ähnlichen Ergebnis müsste man dann auch mit Blick auf den positiven Zusammenhang zwischen der Menge von Doktortiteln, die im Fach Mathematik verliehen werden und der Menge des in Atomkraftwerken gelagerten Urans kommen.

Quelle

Das bringt uns zur Frage, wie man unsinnige Zusammenhänge von sinnvollen unterscheidet. Offenkundig ist die eigene Intuition kein gutes Mittel, um sinnvolle Zusammenhänge zu bestimmen, denn das, was z.B. der Genderista sinnvoll vorkommt, löst in der Mehrheitsgesellschaft zumeist Befremden, wenn nicht heftiges Gelächter aus, das was einem Quantenmechanik-Dozenten sinnvoll vorkommt, versteht die Mehrheit der Gesellschaft nicht. Es geht also darum, Zusammenhänge nicht nur zu produzieren und sich gut dabei zu fühlen, sondern die produzierten Zusammenhänge aus der Idiosynkrasie ihrer Sinnzuweisung in eine allgemeine Nachvollziehbarkeit zu überführen.

Das macht man in der Wissenschaft durch eine Theorie, die man empirisch prüft.

Welche Theorie könnte einen Zusammenhang zwischen Raumtemperatur und nach Geschlecht unterschiedlicher Leistung erklären?

Fällt Ihnen eine ein? Uns nicht.

Falls Ihnen eine entsprechende Theorie einfällt: Wie kontrollieren Sie den Effekt unterschiedlicher Körpertemperatur, Verfassung und Kleidung auf den Effekt der Raumtemperatur, und wie stellen Sie sicher, dass es keine Effekte gibt, die die leistungsbeeinflussende Wirkung der Raumtemperatur an die Art der Heizmethode (Fernwärme oder Ölheizung) koppeln?

Eigentlich ist es furchtbar, dass man sich mit Junk Studien wie dieser, die auf einer Forschungsfrage basiert, auf die man erst einmal kommen muss, auf die man nur in bestimmten Echozimmern kommen kann, widmen muss, dass man sie im öffentlichen Raum findet, gezwungen wird, sie zur Kenntnis zu nehmen. Aber sie sind wohl ein Markenzeichen des Zustands der Sozialwissenschaften, der Ökonomie im vorliegenden Fall, die vornehmlich von Personen bevölkert zu werden scheint, die ihre wirren Ideen ausleben wollen, immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, sich von der Masse der anderen Phantasielosen zu differenzieren. Uns scheint, die beste Methode, um sich derzeit von der Masse an WZB, Instituten, Universitäten und Fachhochschulen von Steuerzahlern Ausgehaltenen abzuheben, besteht darin, Wissenschaft zu betreiben: Forschungsfrage, Theorie, Hypothese, empirische Prüfung anstatt über Intuition wirre und theoriefreie Ergebnisse zu produzieren, die keinerlei Stellenwert, keinerlei Verallgemeinerungsfähigkeit und somit keinerlei Wert, bestenfalls und das auch nur für kurz, Unterhaltungswert besitzen.


Chang, Tom Y. & Kajackaite, Agne (2019). Battle for the thermostat: Gender and the effect of temperature on cognitive performance.


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