Atomenergie ist rechts: Warum Grüne durchdrehen

Gentechnik ist rechts.

Atomenergie ist rechts.

Arbeitslosigkeit ist rechts.

Homosexualität ist links.

Elektroautos sind links, Dieselfahrzeuge sind rechts.

Internationaler Flugverkehr ist links, Binnenflugverkehr ist rechts.

Klimawandel ist links, Veganismus ist links, Biertrinken ist rechts.

Rock Musik ist rechts, Punk ist links.


Wie lange sollen wir die Liste weiterführen, bis sich der erste fragt, ob mit uns alles in Ordnung ist?

Tatsächlich haben wir nur weitergeführt, was uns gestern untergekommen ist. Tatsächlich wissen wir seit gestern, was mit Grünen, also denen vom Bündnis90, nicht in Ordnung ist, an welcher kognitiven Schwäche sie leiden.

Die Erkenntnis verdanken wir Christian Meyer. Christian Meyer ist der Vize-Fraktionsvorsitzende der Grünen im Niedersächsischen Landtag. Man muss davon ausgehen, dass Meyer ein typischer Indikator grüner Denkfähigkeit ist

Christian Meyer hat sich gestern mit den folgenden Tweets in den Pantheon der logischen Nitwits gespielt:

Gentechnik ist rechts. Wenn die EU die Nutzung einer der wichtigsten Zukunftstechnologien liberalisiert, dann ist das für Meyer ein Rechtsruck. Wer, wie Christian Schwägerl, darauf hinweist, dass Technologien weder rechts noch links sind, wird von Christian Meyer darüber belehrt, dass dies falsch ist, denn Atomenergie ist rechts, wäre dem nicht so, die AfD wäre nicht dafür.

Irgendwie haben wir das Gefühl, der Hinweis darauf, dass die Aussage über die AfD einen Fehlschluss darstellt, wird der Unsinnigkeit der Aussagen von Meyer nicht gerecht. Wenn alles, wofür die AfD steht, rechts ist, dann ist direkte Demokratie, Basisdemokratie, Einlagensicherung von Sparguthaben und der Anspruch auf Teilhabe am digitalen Leben auch rechts. Das ist offenkundiger Unsinn.

Den Aussagen von Meyer liegt indes ein geistiger Kurzschluss zugrunde, der diesen Verstoß gegen die Aussagenlogik oder die richtige Verwendung von Aussagen verblassen lässt.

Meyer ist entweder unfähig oder unwillig zwischen Objekt und Bewertung zu trennen, eine Trennung, die die deutsche Sprache nicht ohne Grund vornimmt, ist sie doch elementar für die Möglichkeit, sich mit anderen zu verständigen. Worte wie Baum, Auto, Grüne, Kartoffelkäfer, selbst Worte wie Ehrlichkeit, Besonnenheit oder Intelligenz lösen bei den Adressaten der Worte konkrete und zumeist deckungsgleiche Vorstellungen davon aus, was gemeint ist. Diese Worte etablieren eine quasi-Objektivität, die es ermöglicht, sich mit einander zu verständigen.



Ein normaler Deutschsprecher, der Atomenergie hört, hat eine konkrete Vorstellung davon, was gemeint ist. Er denkt vermutlich an Kühltürme, Wasserdampf und vielleicht an Radioaktivität. Die Vorstellungen dazu, was der Begriff „Gentechnik“ beschreibt, sind vermutlich weniger einheitlich. Die wenigsten werden an Impfstoffe gegen Hepatitis B, Cholera oder an Arzneimittel wie EPO, Interferon oder monoklonale Antikörper denken, bei denen es sich um gentechnisch hergestellte Impfstoffe oder Arzneimittel handelt.

Ungeachtet davon werden die wenigsten mit „Atomenergie“ oder „Gentechnik“ vor allem die Bewertung „rechts“ verbinden. Möglicherweise hat der ein oder andere Vorbehalte gegen Atomenergie oder Gentechnik, er sollte aber dennoch in der Lage sein, die Technologie, das Objekt der Sprache, von seiner Bewertung der Technologie, des Gegenstands seiner Aussagen zu trennen.

Bei Meyer ist dies nicht der Fall.

Ob und wenn ja mit welchem Krankheitsbild man diese kognitive Unfähigkeit (oder Unwilligkeit) beschreibt, soll uns im Moment nicht weiter interessieren, es reicht, darauf hinzuweisen, das diese Form der kognitiven Fehlleistung nicht erst seit Hegel ein fester Bestandteil des linken Spektrums der politischen Ideologieverteilung ist.

In seiner Abhandlung, „Die Zielsetzung der Erfahrungswissenschaft“ schreibt Popper:

Gibt es letzte Erklärungen? Die Lehre, die ich ‚Essentialismus‘ genannt habe, ist die Ansicht, dass die empirische Wissenschaft letzte Erklärungen in Form essentieller oder wesentlicher Eigenschaften suchen muss; wenn wir das Verhalten eines Dinges kraft seines Wesens – seiner wesentlichen Eigenschaften – erklären können, dann kann keine weitere Frage gestellt werden und braucht auch keine gestellt zu werden (außer vielleicht die theologische Frage nach dem Schöpfer der Wesenheit). So dachte Descartes, er hätte die Physik im Rahmen der wesentlichen Eigenschaften eines physikalischen Körpers erklärt, die er für Ausdehnung hielt; und einige Newtonianer, von Roger Coates beeinflusst, glaubten, dass die wesentliche Eigenschaft der Materie ihre Trägheit sei und ihr Vermögen, andere Materie anzuziehen, und dass Newtons Theorie von diesen wesentlichen Eigenschaften aller Materie abgeleitet und daher schließlich durch diese erklärt werden könne.“ (Popper 1973: 233)

Wie die meisten Ideen, die im Kontext von Wissenschaft entstanden sind, so ist auch der Essentialismus mittlerweile in einer verdummt-pervertierten Form verbreitet. Die Behauptung einer letzten empirischen Erklärung ist zur Behauptung einer letzten emotionalen Bewertung geworden. Diese Bewertung gibt es nur in den Ausprägungen „gut“ und „böse“, bzw. in ihrer synonymen Ausprägung von „gut“ und „rechts“. Und nicht mehr empirisch aufzuzeigende und damit belegbare Eigenschaften eines Objekts bestimmen dessen Wesenheit, sondern seine subjektive Bewertung.

Wenn Meyer die Atomenergie als wesenhaft „rechts“ bewertet, dann ist er der festen Überzeugung, dass jeder gute Mensch, der ebenso wenig denken kann (oder will) wie er, seine Bewertung teilt. Die Zuordnung in der linken Echokammer, die Personen wie Meyer in aller Engstirnigkeit bewohnen, erfolgt nicht über empirisch beobachtbare Eigenschaften, sondern über die Bewertung. Dass Bewertungen und empirische Tatsache in der Regel nicht viel miteinander zu tun haben, das sei an dieser Stelle nur angemerkt.

Wir haben es also mit einer Art von Mensch zu tun, die jede Beobachtung, jede Sammlung empirischer Merkmale, jeden Versuch, die Welt auf Grundlage von nachprüfbaren Aussagen zu beschreiben, aufgegeben und durch die rigide und in aller Selbstverständlichkeit einer autoritären Persönlichkeit durchgeführte Bewertung von Dingen ersetzt hat. Kampf gegen Klimawandel = gut, also links. Feminismus = gut, also links. Kritik am Genderismus = schlecht, also rechts. Kritik an Steuermittelverschwendung durch Gender Mainstreaming = schlecht, also rechts.

Dass man auf Dauer nur in geschützten Räumen und letztlich nur in solchen mit wattierten Wänden Wahrnehmung und Beschreibung der Realität durch deren Bewertung ersetzen kann, ist eine Binsenweisheit. Dass solche Räume öffentlich finanziert werden und offenkundig bereits in Landtagen bereitgestellt werden, ist indes erschreckend und ein weiterer Beleg dafür, dass Demokratie dann, wenn sie jedem Wirrkopf, die gleiche Chance einräumt, ein politisches Amt zu bekleiden, zum Scheitern verurteilt ist. Eine Gesellschaft kann sich die freie und gleiche Wahl nur dann leisten, wenn das Personal, das gewählt wird, Mindeststandards in Denkwilligkeit, Logik, Intelligenz und Anstand erfüllt.


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